Trauer

      Liebe Schnee,

      danke für Deine Zeilen.
      Schön zu hören, dass Du dir jemand bei Computer helfen konnte und dass das Fahrrad auch wieder ganz ist.
      Du warst spazieren dann gestern? Ja frische Luft tut Dir bestimmt recht gut auch. In den "eigenen 4 Wänden" kommt ja doch oft so eine Leere und frische Luft tut immer recht gut.

      Alles alles Liebe und Gute

      Josef
      Liebe Schnee,

      die Sonntage waren für mich besonders schlimm, weil mein Mann an einem Sonntag verstorben ist. Mittlerweile ertrage ich sie wieder, indem ich für Ablenkung sorge.

      Das untätige Warten und die Abhängigkeit von anderen empfinde ich ähnlich wie du. Mein Mann und ich haben unser gemeinsames Leben so eingerichtet, dass wir möglichst unabhängig waren und wir waren sehr stolz auf unsere Selbständigeit. Es fällt mir unendlich schwer, jemanden um Hilfe zu bitten und es macht mich beinahe wahnsinnig, wenn ich eine Situation nicht im Griff habe.

      Ich schicke dir eine riesengroße Portion Geduld, denn die brauchst du unbedingt in der nächsten Zeit.

      Alles Liebe von
      Dschina :005:
      Diejenigen, die gehen, fühlen nicht den Schmerz des Abschieds.Der Zurückgebliebene leidet. (Longfellow)
      Guten Morgen liebe Dschina,
      vielen Dank für deine lieben Worte. Wir teilen dasselbe Schicksal, denselben Schmerz. Wir sind etwa gleich alt und eure Kinder sind etwa so alt, wie unsere Kinder. Eure Lebensweise scheint unserer sehr ähnlich gewesen zu sein. Ihr wart ein starkes Team. Nun bist du das starke Team mit ihm im Herzen. Das jedenfalls sage ich mir immer wieder vor. Es tröstet mich sehr und macht mir unheimlich viel Mut, dass du nach der langen Zeit des Dunkel nicht aufgibst und weiter kämpfst. Ich werde es dir gleich tun. Du bist eine starke Frau und das bin ich auch, zumindest meistens.
      Sende dir auch viel Kraft zurück.
      Gruß von schnee
      Hallo ihr Lieben!
      Vielen Dank für euren Zuspruch. Weiterhin bemerke ich kaum Phasen in meinem Leben, wo ich Trauer spüre. Es sind nur einige wenige Stunden, ja, Minuten in denen ich sehr traurig bin, weinen muss, verzweifelt bin, ihn vermisse. Immer noch regelt ein kaum zu bewältigender Tagesrythmus mein Dasein. Früh morgens muss ich raus und komme erst abends zurück. Oft sind noch irgendwelche Termine wahrzunehmen, bevor die Kinder und der Haushalt mich beanspruchen. Es ist einfach kein Platz für Traurigkeit. Das macht mir Sorgen, weil ich weiß, dass sich dieser Lebensrythmus in den nächsten Jahren nicht ändern wird. Es leuchtet mir aber auch ein, dass Trauernde die gewissen Phasen der Trauer durchmachen sollten. Ich frage mich nur, wann? Ich bin viel zu sehr beschäftigt.
      Den meisten Menschen verfliegt die Zeit wie im Fluge. Man denkt, es sind erst ein paar Wochen vergangen und stellt fest, dass schon mehr als ein Jahr vergangen ist. So geht es gewöhnlich auch mir. Der Todestag meines Mannes ist noch gar nicht lange her und es kommt mir vor, als wären schon Jahre vergangen. Wiso gaukelt mir mein Hirn das vor?
      Ich befürchte, ich stelle mir viel zu viele Fragen, vergleiche mich viel zu sehr mit anderen Leuten. Ich muss damit aufhören.
      Liebe Grüße von schnee
      Liebe Schnee,
      ich glaube, du bist einfach noch tief in der ersten Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens. Die kann recht lange dauern und wird sicher durch dein "Funktionieren" und das dauernde auf Trapp sein begünstigt! Stress dich nicht deshalb! Leidest du unter dem fehlenden Aufbrechen der Trauer oder bist du einfach nur beorgt? Oder hast du ein schlechtes Gewissen?
      AL
      Christine
      Liebe Christine,
      danke für deine Nachricht.
      Ein schlechtes Gewissen hat man, wenn man sich einer Schuld bewusst ist. Ich habe mir nichts zu schulden kommen lassen. Ich bin eher besorgt, weil ich in so vielen Berichten lese, dass die Frauen, die Hinterbliebenen außer sich sind, keine Perspektiven mehr haben, sich ein Leben ohne den Verstorbenen nicht vorstellen können, ja, das sogar ablehnen. Auch meiner Schwiegermama geht es so. Sie wollte sich selbst zum Sterben hinlegen, als sie erfahren hat, dass ihr Sohn sterben wird. Ich frage mich, ob ich normal bin, ob mein Gefühlsleben normal ist.
      Ich fokusiere ganz stark auf das, was geblieben ist. Ich sortiere Foto´s. Pflege seine Basteleien. Ich repariere seine Sachen, die teilweise von den Kindern benutzt werden. Ich arbeite voll. Ich kämpfe, damit seinen Kindern finanziell was bleibt. Ich halte das Haus und die Fahrzeuge, bzw. die Maschinen in Schuss. Wo immer ich kann übernehme ich seinen Part. Ich schmeiße den Haushalt. Von manchen Bekannten werde ich buchstäblich in die Rolle der starken Frau gedrängt. Sie kommen auf mich zu, fragen, wie es mir geht, weinen los und dann muss ich sie trösten.
      Was ich aber auch tue, ist, meine Hobbies weiter zu führen, wo Zeit bleibt.
      Du meinst also, dass ich eher Verdränge, denn akzeptiere?
      Gruß
      schnee

      nun scheint es auch bei mir loszugehen

      mit der Trauer....

      Hoffnungslosigkeit macht sich breit.
      Angst schnürt mein Herz zusammen.
      Sinnlosigkeit wo immer ich hinsehe.
      Verzweiflung drückt mir die Tränen in die Augen.
      Einsamkeit überfällt mich selbst unter Menschen.
      Ich vermisse ihn so sehr, dass ich nicht atmen kann....
      Schreib einfach das, was Dir am meisten auf "der Seele brennt" auf. Das muss keinen Sinn haben, mach es für Dich, was Dir grade einfällt, in ein Büchlein oder auf ein Blatt Papier.
      Ich kann mir vorstellen, das Du Dich nicht konzentrieren kannst. Jetzt, wo so nach und nach alles "hochkommt" weil Du vielleicht zur Ruhe kommst.
      Ich schick Dir ein Kraftpaket.
      Liebe Grüße
      Karla :30:
      Mein Kind Juliane,
      Mein Bruder Rene,
      Mein lieber Vati,
      Ihr seid mir nur einen Schritt voraus-tief in meinem Herzen lebt ihr weiter :005:
      Liebe Schnee,

      auch wenn es in dir brennt und schmerzt wie nur, so ist es in Ordnung, dass es bei dir "losgeht".

      Du wirst sehen, dass es dir gut tut, die bisher unterdrückten oder verdrängten Gefühle heraus zu lassen. Ich bin danach zwar immer sehr erschöpft, aber fühle mich jedesmal ein winziges Bisschen befreiter. Ich wünsche dir viel Kraft und Geduld auf diesem schwierigen Weg.

      Alles Liebe :24:
      Dschina
      Diejenigen, die gehen, fühlen nicht den Schmerz des Abschieds.Der Zurückgebliebene leidet. (Longfellow)
      Weihnachten möchte ich mich bei allen SchreiberInnen hier bedanken! Hier zu lesen, hier zu schreiben, hier Trost zu bekommen, hier Schicksalsgefährten zu haben tröstet sehr.

      Im vergangenen Jahr haben wir, wie jedes Jahr davor, gemeinsam den Weihnachtsbaum gekauft. Immer am vierten Adventssonntag. Immer wollte ich einen kleinen, schmalen Baum, immer fand mein Mann den schönsten Baum, der aber immer weit über die Größe meiner inneren Vorstellung hinaus ging. Immer haben wir den gekauft, den er gefunden hat. Heute habe ich den Baum geschmückt, den ich von Freunden geschenkt bekam. Er ist nicht schön, aber er kommt von Herzen. Mein Schatz würde sich freuen, wenn er ihn sähe. Er ist so hoch, wie das Zimmer. Immer haben wir gemeinsam alles hergerichtet, gemeinsam geputzt, gemeinsam eingekauft, gemeinsam vorbereitet. Ich mache jetzt alles alleine. Unsere Kinder ziehen es vor, schifahren zu gehen oder zu chillen. Sie sind es gewohnt, dass alles fertig ist, wenn Weihnachten kommt. Sie wissen nicht, wieviel es zu tun gibt. Woher auch, wenn ich nicht die Kraft aufbringe, ihre Hilfe einzufordern. Ich trage ihnen das nicht nach. Im Gegenteil freue ich mich, dass sie mit ihrer Zeit etwas anzufangen wissen und Spaß haben.

      Aber ich denke auch an euch und die vielen Leute, die im vergangenen Jahr schwere Schicksalsschläge erlitten haben und weiß, ich bin nicht allein.

      Für Morgen wünsche ich euch allen sehr viel Trost, sehr viel Kraft, sehr viel Liebe, sehr viel Hilfe, sehr viel Freundschaft, sehr viel Gefühl.

      Eine sternförmige Kerze brennt auf meinem Tisch. Zwei Dochte. Einen für alle Verstorbenen. Einen für alle Hinterbliebenen.

      In Gedanken mit euch
      schnee
      Liebe schnee!
      Ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Deine Worte berühren mich sehr.
      Ich nehm Dich einfach mal ganz fest :30:
      Für morgen und die kommenden Feiertage wünsche ich Dir ganz viel Kraft und viele schöne Erinnerungen an Deinen Mann, auch, wenn sicher so manche Träne fliesst.
      Liebe Grüße
      Karla :24:
      Mein Kind Juliane,
      Mein Bruder Rene,
      Mein lieber Vati,
      Ihr seid mir nur einen Schritt voraus-tief in meinem Herzen lebt ihr weiter :005:
      Liebe Schnee,
      ich hab offensichtlich übersehen, dir zu antworten.Sorry, es war wahnsinnig viel los im letzten Monat!
      Manche Menschen verdrängen Trauer durch viel Arbeit und ständiges Arbeiten. Das blockiert den Verarbeitungsprozess, es erschöpft und man schlittert dann in eine Erschöpfungsdepression.... Ich möchte nicht behaupten, dass das bei dir unbedingt auch so ist, aber mir klingt es einfach danach, als würdest du dir wahnsinnig viel auflasten und keine Ruhephasen gönnen. Die Rolle der "Starken", in die dich die anderen auch reindrängen, fordert irgendwann ihren Tribut! Diese Rolle ist zu Beginn oft auch recht "angenehm", weil man ja den Schmerz dadurch gut dämpfen kann, aber man kommt aus dem Fahrwasser dann nur mehr schwer raus und das ist gefährlich! Um dauerhaft für die Kinder dasein zu können, brauchst du auch Phasen, in denen du Kraft schöpfen kannst! Pass auf dich auf!
      AL :24:
      Christine
      Der letzte Tag in diesem Jahr bricht an.

      Das Jahr in dem wir unser Leben verloren haben.

      Gestern waren es genau drei Monate.

      Ich hatte die Bude voller Menschen von morgens bis abends. Um nicht allein zu sein habe ich zum Brunch geladen und ich hatte viel zu tun. Ich habe mit ein paar Gästen einen Spaziergang gemacht. Einer meiner Bekannten steuerte auf den Friedhof zu. Er sagte, er wolle ihn besuchen, ihm nahe sein. Mir auch recht, ich bin selbst mindestens einmal pro Woche beim Grab. Allerdings treibt mich nicht die Suche nach dem Verstorbenen oder Erinnerungen dahin, sondern nur das Pflichtbewusstsein. Ich bilde mir ein, nachsehen zu müssen, ob noch ein Licht brennt und ob es ordentlich aussieht. Während mein Bekannter vor Ort den verlorenen Freund sehr nahe spürt, ist mein Mann für mich so fern, so weit weg. Das Foto...ein Fremder. Erst ein viertel Jahr und es fühlt sich an, wie vier Jahre. Ich kann mich kaum an ihn erinnern. Ich weiß nicht, wie er gesprochen hat, ich weiß nicht mehr, wie sein Gang ausgesehen hat. Ich schaue Bilder an, Videos und ich sehe einen Fremden. Das fühle ich übrigens auch am Grab. Als ruhe dort eine fremde Person, ich richte es her, dekoriere, völlig gefühllos.

      Ich fühle nur die Angst. Schon immer war ich der ängstlichere Typ. Immer hat er mich mit seinem Optimismus und seinem Realismus aus meinen wirren Gedankenschleifen geholt.
      Noch nie in meinem Leben hatte ich so viel Angst vor einem neuen Jahr, vor der Zukunft. Für mich ist heute kein Freudentag. Nix wird besser. Keine Perspektiven. Leere, Dunkelheit, Sorgen um die Kinder. Angst vor dem neuen Job. Angst vor dem Versagen. Angst vor Problemen, die ich ohne ihn nicht lösen kann.
      Liebe Schnee,

      es sind doch erst 3 Monate!!! Eine viel zu kurze Zeit um das Geschehene zu realisieren und zu verarbeiten oder sich darauf einzustellen. Du stehst noch immer unter Schock und beginnst erst langsam zu fühlen. Dein ganzes Leben steht Kopf, alles ist plötzlich anders als zuvor und doch geht es weiter, als wäre nichts geschehen.

      Vor dir liegt eine sehr schwierige Zeit, aber du wirst sehen, dass du daran wächst und stärker wirst. Deine Ängste und Sorgen sind ganz normal und du wirst sie bewältigen und dir dann denken: "Wovor habe ich mich gefürchtet." Und wenn du stark genug dafür bist, dann kommen auch die Erinnerungen wieder, dann kannst du wieder seine Stimme hören, seinen Gang sehen, seine Nähe fühlen ..... und es wird verdammt weh tun. :13:

      Ich wünsche dir einen sanften Jahreswechsel und viel Kraft für das neue Jahr.

      Dschina
      Diejenigen, die gehen, fühlen nicht den Schmerz des Abschieds.Der Zurückgebliebene leidet. (Longfellow)