Mein Papi stirbt so schrecklich

      Nein, ich bin morgen wieder im Dienst. Es gibt die Ferien und es gibt eben auch die Arbeitszeiten. Und da kanns sein, dass man auch mit Fieber oder nach einem Unglücksfall nur einen Tag daheim bleiben kann. Was mir zusteht, ist egal - die 8ten Klassen fallen im Stoff zurück, das geht nicht, die müssen maturieren.

      Der Termin bei der Bestattung war grässlich, Ich war 5 Stunden unterwegs. Die sind außerhalb von Wien und die Schnellbahn, der Postbus... einfach nur mühsam. 30 Minuten bin ich im Schneesturm durch diese Ortschaft geirrt, Minus 8 Grad, sogar die Kirche hatte zu... Und kein Bus. Zum Autofahren tauge ich derzeit nicht.

      Ich bin mir im Leben noch nicht so klein und verloren und einsam vorgekommen. Mir ist eingefallen wie mein Papa früher vor Weihnachten in den Dörfern gezaubert hat. Da bin ich immer mitgefahren.

      Zuhause habe ich mich ins Bett geflüchtet und unter zweimal Hund vergraben.

      @Astrid: Mit dem Haus macht mein Bruder Druck. Der will verkaufen.

      Und mir wird ein Tapetenwechsel letztendlich gut tun.

      Ich habe wen gefunden, der Erdhäuser baut. Das wär der Hammer.
      Liebe Kelpie,

      in der Pause zu meiner Antwort habe ich oft an Deine Worte gedacht, so eindringlich und schön wie du den Abschied von deinem Papa beschrieben hast war es und ist es wichtig diese Atempause zu haben um es einfach wirken zu lassen (du hast eh so ein zackiges Tempo :)). Ich weiß, es fühlt sich für dich sicherlich komisch an wenn ich sage "schön", aber der Gedanke dass er in seinem Zauberkostüm beerdigt wird, wie er dich im Arm gehalten hat nach Deiner Geburt, das sind alles ganz besondere, bezaubernde Momente die wie Sterne an einem klaren Nachthimmel funkeln.

      Dass es helfen kann den geliebten Toten noch einmal zu sehen, kann ich bestätigen. Im Hospiz hatte ich die Möglichkeit am nächsten Tag so lange ich wollte mit meiner Mutter Zeit im Zimmer zu verbringen. Ich habe natürlich nachdem sie gestorben war, unmittelbar danach, gemeinsam mit einer sehr lieben Schwester mit Piercings und bunten Haaren meine Mutter angekleidet. Ich habe mich vorher hingesetzt und habe meine Mutter gemalt, einige Rituale gemacht, auch die gesamte Familie....etc. und am nächsten Tag war die Therapeutin meiner Mutter so lieb zu kommen und wir saßen eine Stunde zu dritt zusammen, also meine Mutter lag, und ich saß am Bettrand und die Therapeutin daneben, und wir redeten über eine Stunde will sagen gemeinsam. Auch alleine mit meiner Mutter zu sein, ihrem Körper, war wichtig.
      Auch ich fühlte dass das, was sie ausgemacht hat, nicht in dem Körper zu finden war, der natürlich auch nicht mehr die Spannung eines lebenden Körpers hatte, wie ein abgelegtes Kleid dass noch warm ist vom Tragen. Am Körper waren Spuren, er war wie ein Abbild, ein Zeichen aber ihr Wesen fehlte - blitzte aber auf wenn ich näher hin sah...schwer in Worte zu fassen...wie Eichendorff schreibt...

      "Und meine Seele spannte
      Weit ihre Flügel aus.
      Flog durch die stillen Lande,
      Als flöge sie nach Haus"...

      Nun, in einer schweren Krankheit wird der Körper ja auch zart und zerbrechlich, und das, was deinen Papa ausgemacht hat, das findest du sicher in dir und in deiner Erinnerung an ihn. Ich denke du hast sehr viele, spezielle Erlebnisse mit ihm gehabt, und diese füllen mehr als ein Buch, wie ich den Eindruck habe. Er hat dich vielleicht auch viel gelehrt, kommt daher deine didaktische Ader? Er hat dir gezeigt hinter den Vorhang der Illusionen zu blicken, Pragmatismus, aber auch Forschergeist, Neugier, Wissensdurst...ent-täuschung als Prinzip der Konstruktion... und nicht zuletzt eine ganz tiefe und besondere Form der Liebe so habe ich den Eindruck.

      Ich wünsche Dir sehr dass du dich selbst in dieser harten verrückten Zeit wo man all das erledigen muss, was auch gut ist zu erledigen, Kraft hast und dich selbst so liebevoll halten kannst, wie die Welpen auf deinen Bildern. Sei gut zu dir ... du bist ja so vernünftig mit dem Bus und den Öffis zu fahren (ich war so crazy und gurkte mit "Liebestod" in voller Lautstärke durch die Gegend, aber nur 30km/h) insofern Lob deiner Vernunft! Die Zeit in Öffis ist ja auch gut zum Nachdenken...sich ein wenig tragen lassen... findest du nicht?

      Dass du dich klein und verloren gefühlt hast, das kann ich gut nachfühlen. Man ist ja wie aus dem Leben herauskatapultiert. Andere gehen zum Billa und man selbst zum Bestatter. Das hat noch immer so etwas von einem Tabu. Wenn man heute sagt ich gehe in den Sex-Shop ist das einfacher als zu sagen: ich beerdige jemanden den ich Liebe. Man kann aber auch die Leute damit konfrontieren, wenn sie einen nerven und manchmal ist das auch komisch. Und warum nicht sich auch einmal klein und verloren fühlen dürfen? Ich denke dein Papa ist bei dir, das schilderst du ja auch ganz intensiv wie er dich mitgenommen hat bei seinen Auftritten, spürst du noch deine Hand in der Seinen? Welche Gefühle, Bilder tauchen auf? Die Farben und die Gerüche der Zauberrequisiten, der Auftrittsorte, das Rascheln der Kostüme...oder wie es sich anhört wenn man Karten kunstvoll mischt? Ich wünsche dir ganz viele schöne Erinnerungen, die dich tragen. Der weiße Schnee und irgendwo das leuchtende Kostüm deines Papas, das ist so ein eindringliches Bild.

      Diese Haus-Geschichte, den Neuanfang finde ich gut. Als Idee und Projekt...das Lösen der Fragen würde ich auf nach der Beerdigung verschieben...was denkst du? Was ist mit den Energieferien?

      Dass du arbeiten gehen willst kann ich gut verstehen, es gibt dir ja auch Energie macht dir Freude, man merkt hier ja wie gerne du Wissen vermittelst, mit welcher Leidenschaft! Das ist kein Widerspruch, solange es dir gut tut finde ich!

      Wie gesagt eine Freundin riet mir, sie ist selbst auch Therapeutin - war aber auch Trauernde, man solle dann die Trauer sozusagen wenn sie einen überwältigt, "vertrösten" auf eine Stunde am Tag, wo man sich dann aber auch wirklich hinsetzt und einen Tee trinkt und heult und trauert und alles halt was dazu gehört und was man manchmal so gar nicht möchte. Das kann ja auch hier sein, unter Anderem? Und dass du eine Freundin hast die dem Thema offen ist, dem Thema Tod, Verlust, die existenziellen Fragen, die Teil hat, das ist ein schönes Geschenk...der Kontakt zu ihr tut dir sicherlich gut....

      Kelpie, wie Amitola Claudia schon als Bild so gefühlvoll sagt, du kannst auch mir gerne den Pullover voll weinen, ist aus Baumwolle und kann gut Feuchtigkeit aufnehmen :) Oder halt sonst sich gepflegt gegenüber sitzen in einem schönen Kaffeehaus am Fenster und schweigen, oder dir halt einfach zuhören, was du willst und brauchst.

      Wenn du dich klein fühlst dann denk dran: du bist nicht allein. Nicht hier,
      und du hast diese sehr besonderen Erinnerungen, die dich begleiten, es ist sehr schön wenn du deine Gefühle und Erinnerungen, egal welcher Qualität hier teilst finde ich.

      Ich fand noch einen Satz - angeblich nicht von Rilke aber ein schöner Gedanke wie ich finde

      "Wenn du an mich denkst, erinnere dich an die Stunde, in welcher du mich am liebsten hattest"

      vielleicht hilft dir das in Momenten wo du deinen Papi ganz stark vermisst.

      sei lieb gegrüßt,

      Malena
      liebe Kelpie , <3

      es wäre wirklich gut, wenn dein heutiger Schultag für dich gut verlaufen ist ... Ich hoffe sehr....
      Auf vieles. von deinen Gefühlen und auch Problematiken ist ja intensiv und sehr gefühlvoll von meinen Vorschreiberinnen eingegangen worden....

      Wie du dadurch merkst , kannst du dich wirklich hier "aufgehoben " fühlen. wenigstens nicht ganz alleine vorkommend...

      Ja, es ist gut, das du dich
      ins Bett geflüchtet und unter zweimal Hund begraben
      hast

      Ja , das kuschelige , wärmende von etwas LEBENDIGEM , gibt einfach Trost und ein bisschen Kraft , neben den "Frauchens Aufgaben"... DANKE dir auch noch einmal hier für deine lieben Tipps und deinen professionellen Rat in Bezug auf die Welpen...

      Gerne würde ich hier lesen, wie dein heutiger Tag für dich war und dass du hoffentlich nicht allzu gestresst worden bist ? !?

      Fühle dich umarmt <3 und bis später "hier"
      deine Claudia Amitola
      Liebe Kelpie 75,
      mein tiefstes Mitgefühl!
      Ja, der persönliche Abschied ist kein leichter und dennoch wirst du mit der Zeit merken, wie wichtig und richtig deine Entscheidung war, dass du deinen Vater noch einmal gesehen hast! Die Bilder in deinem Kopf sind jetzt sehr frisch, dein Verlust katapultierte dich in einen Schock und Funktionsmodus ...
      ... auch ich bin Lehrerin. Ja, deine Schüler müssen maturieren, ABER lieber einmal ein paar Tage persönliche Seelenstreicheleinheiten einlegen, als halbdahinvegetierend das gesellschaftliche Idealbild zu erfüllen und dabei dem eigenen Energieraubbau die Oberhand zu überlassen!!! Wir sind keine Wunderwuzzis und es sind nicht unsere eigenen Kinder...
      .... achte auf deine Stimmungen und gönne dir Auszeiten - sie sind wichtig!
      Triff keine voreiligen Entscheidungen ... wie auch immer die Hausgeschichte ausgeht, dein Vater wird deine Entscheidung akzeptieren, er wünscht sich sicher, dass du Herzentscheidungen triffst und dabei nicht auf dich und DEIN LEBEN vergisst!
      Wäge ab, was dir ein glückliches Jetzt und eine glückliche Zukunft bereitet ... ich weiß, wie schwer es ist, überhaupt in dieser Trauerphase an Zukunft zu denken ... bei mir existierte monatelang gar keine Zukunftsvorstellung ...
      ... pass auf dich auf! :24:
      Alles Liebe wünscht dir Marsue!

      Nebelfrau schrieb:

      und das, was deinen Papa ausgemacht hat, das findest du sicher in dir und in deiner Erinnerung an ihn. Ich denke du hast sehr viele, spezielle Erlebnisse mit ihm gehabt, und diese füllen mehr als ein Buch, wie ich den Eindruck habe. Er hat dich vielleicht auch viel gelehrt, kommt daher deine didaktische Ader? Er hat dir gezeigt hinter den Vorhang der Illusionen zu blicken, Pragmatismus, aber auch Forschergeist, Neugier, Wissensdurst...ent-täuschung als Prinzip der Konstruktion... und nicht zuletzt eine ganz tiefe und besondere Form der Liebe so habe ich den Eindruck.


      Ja, so ist es... Und genau das bringt mich momentan zum Heulen.

      Dass du dich klein und verloren gefühlt hast, das kann ich gut nachfühlen. Man ist ja wie aus dem Leben herauskatapultiert. Andere gehen zum Billa und man selbst zum Bestatter.


      Ja, man gehört nicht mehr richtig zur Welt.

      Ich denke dein Papa ist bei dir, das schilderst du ja auch ganz intensiv wie er dich mitgenommen hat bei seinen Auftritten, spürst du noch deine Hand in der Seinen? Welche Gefühle, Bilder tauchen auf? Die Farben und die Gerüche der Zauberrequisiten, der Auftrittsorte, das Rascheln der Kostüme...oder wie es sich anhört wenn man Karten kunstvoll mischt? Ich wünsche dir ganz viele schöne Erinnerungen, die dich tragen. Der weiße Schnee und irgendwo das leuchtende Kostüm deines Papas, das ist so ein eindringliches Bild.


      Jetzt ist er in seinem bunten Kostüm auf der Parte. Ein ganz arges Bild. Er bringt nie mehr Leute zum Jubeln.

      Diese Haus-Geschichte, den Neuanfang finde ich gut. Als Idee und Projekt...das Lösen der Fragen würde ich auf nach der Beerdigung verschieben...was denkst du? Was ist mit den Energieferien?


      Ich fahre am Samstag mit einer Freundin Häuser gucken und eine Woche drauf zur Hausbaumesse

      Dass du arbeiten gehen willst kann ich gut verstehen, es gibt dir ja auch Energie .macht dir Freude, man merkt hier ja wie gerne du Wissen vermittelst, mit welcher Leidenschaft! Das ist kein Widerspruch, solange es dir gut tut finde ich!



      Ich arbeite an einem "Sonderstandort". Extrem viele Immigranten. Keine andere Schule hat z.B. so viele Flüchtlinge wie wir. Wir sind die, die jeden Lesetest und den PISA ruinieren ... Aber Menschlichkeit wird ganz groß geschrieben.
      Sowohl die Jugendlichen wie auch die Kollegen und die Chefität sind in diesen Dingen einfühlsam.

      Durchmachen muss das ohnehin jeder Mensch. Wohl dem, der seine Eltern so gerne hatte, dass er jämmerlich trauert.
      Ich kenne ein 18jähriges Mädchen, Heimkind, die nie nach Hause zu den Eltern will.

      Wie gesagt eine Freundin riet mir, sie ist selbst auch Therapeutin - war aber auch Trauernde, man solle dann die Trauer sozusagen wenn sie einen überwältigt, "vertrösten" auf eine Stunde am Tag, wo man sich dann aber auch wirklich hinsetzt und einen Tee trinkt und heult und trauert und alles halt was dazu gehört und was man manchmal so gar nicht möchte. Das kann ja auch hier sein, unter Anderem? Und dass du eine Freundin hast die dem Thema offen ist, dem Thema Tod, Verlust, die existenziellen Fragen, die Teil hat, das ist ein schönes Geschenk...der Kontakt zu ihr tut dir sicherlich gut....


      Ähm... Einen Terminplan fürs Traurig-sein? Komische Idee... Man weint doch nicht auf Kommando.

      Kelpie, wie Amitola Claudia schon als Bild so gefühlvoll sagt, du kannst auch mir gerne den Pullover voll weinen, ist aus Baumwolle und kann gut Feuchtigkeit aufnehmen :) Oder halt sonst sich gepflegt gegenüber sitzen in einem schönen Kaffeehaus am Fenster und schweigen, oder dir halt einfach zuhören, was du willst und brauchst.


      Danke. :)

      "Wenn du an mich denkst, erinnere dich an die Stunde, in welcher du mich am liebsten hattest"

      vielleicht hilft dir das in Momenten wo du deinen Papi ganz stark vermisst.


      Nein - dann heule ich wie ein Schlosshund.

      Wie gesagt, alle Menschen hoffen, die Toten seien nicht für immer weg, nicht wirklich tot, sondern wären jetzt stark geläuterte und erleuchtete höhere Wesen. Na, das wär ja fein...

      Aber ich fürchte doch, dass es so nicht ist.

      Es gibt jedenfalls ein Leben vor dem Tod.
      Da muss man alles rein packen, was man tun möchte. Und nichts davon verschwenden.

      Am vergangenen Freitag zu Mittag hatte ich noch einen Papa. Mir scheint seither eine lange Zeit vergangen zu sein. Es fühlt sich an, als würde ich ihn seit Monaten vermissen.

      ich weiß, wie schwer es ist, überhaupt in dieser Trauerphase an Zukunft zu denken ... bei mir existierte monatelang gar keine Zukunftsvorstellung ...


      Wir lebten das ganze letzte Jahr mit einem Schwerstkranken. Natürlich haben wir, meine Mutter und ich, Vorstellungen für die Zeit danach.

      Es tut sehr weh, aber es muss weiter gehen.

      Kelpie75 schrieb:

      Ja, so ist es... Und genau das bringt mich momentan zum Heulen


      :30: :24: <3

      Kelpie75 schrieb:

      Ich fahre am Samstag mit einer Freundin Häuser gucken und eine Woche drauf zur Hausbaumesse


      Viel Erfolg dabei!

      Kelpie75 schrieb:

      Ich arbeite an einem "Sonderstandort". Extrem viele Immigranten. Keine andere Schule hat z.B. so viele Flüchtlinge wie wir. Wir sind die, die jeden Lesetest und den PISA ruinieren ... Aber Menschlichkeit wird ganz groß geschrieben.
      Sowohl die Jugendlichen wie auch die Kollegen und die Chefität sind in diesen Dingen einfühlsam.


      Ich habe Respekt vor Deiner Arbeit.

      Kelpie75 schrieb:

      Es gibt jedenfalls ein Leben vor dem Tod.
      Da muss man alles rein packen, was man tun möchte. Und nichts davon verschwenden.


      Diesen Spruch von Dir finde ich sehr gut! Ja... so ist es!


      Ich schicke Dir viel Kraft und tröstende Umarmungen :24: :30: <3
      liebe Kelpie, <3
      ich glaube, jetzt stehen dir einige Schultern mit Baumwollpullover zur "Verfügung" , an denen du dich ausweinen DARFST...
      Ja,...
      und da hast du neben deinen TRÄNEN , deinem HEULEN ... AUS der begreiflichen TRAUER heraus
      etwas ganz, ganz wichtiges und wertvolles für DICH und UNS ALLE geschrieben .
      DANKE dir dafür ... und sehe und lebe es auch so

      Es gibt ein Leben vor dem Tod.
      Da muss man alles rein packen, was man möchte. Und nichts davon verschwenden


      Ob unter den Hunden GEBORGEN vergraben .... .oder doch ein klein wenig schon den inneren Halt habend, was ich dir von Herzen wünsche...

      Gute Nacht , liebe Kelpie <3
      wünscht dir deine Claudia Amitola
      und ...
      auch heute ..lieben DANK für deine "Mit-Aufzucht"
      Ach, Kelpie - schön dass du in den Worten etwas brauchbares finden konntest... wann ist den die Beisetzung?

      Naja, also Trauern nach Stundenplan ist nicht gemeint. Trauern: 9.30-10.30h, dann noch drei Liegestützen, mit anschließendem Brunch. Geht natürlich nicht aber die Trauer sollte aus psychohygienischer Sicht, wie eben andere Körperfunktionen , raus wird geraten. Oder anders gesagt: manchmal - zumindest bei mir war es so - tlw. überkam sie mich und überkommt mich immer noch - glücklicherweise nicht mehr so unkontrollierbar und extrem - aber das geht nicht so gut, im Arbeitskontext zusammenbrechen, in der Besenkammer heulen ist auch nicht so sexy wie es im TV immer aussieht. Da hat es für mich gut - und ohne Raubbau! - funktioniert der Trauer zu sagen: jetzt nicht, zu Hause dann...und dann setzte ich mich aber auch wirklich bewusst hin, mit einer Tasse Tee, mit einer Kerze, einer lieben Erinnerung, tröstender Text oder einfach meinen Gedanken und Tränen, weniger jämmerlich denn bitterlich, wie ichs sagen würde. Fand das anfangs auch albern, hats aber gebracht. Aber, jeder ist anders, eh klar. Rat-Schlag Ende :)

      Ich habs als hilfreich empfunden mich durch Arbeit abzulenken, und ein gutes Team kann wie eine tragende Familie sein. Vorteil: die trauern nicht, man muss sie nicht trösten wie oft die eigene Familie, sind aber im Idealfall mitfühlend und unterstützend. Aber ich gebe Dir, Marsue schon recht, es ist vollkommen irre dass man für die "Erledigung eines Todesfalls " rechtlich gesehen gerade mal 2 Tage bekommt. und es ist in der Trauerzeit essenziell in sich hineinzuspüren.

      Ich hörte hier auch zum ersten Mal den Begriff der "Vortrauer"...kannte ich so nicht, erklärte mir einiges. Wie du schreibst hast du das auch hinter dir....

      Ja, mutig und schön wie unmittelbar du das mit deinem Zukunftshaus angehst, dass ist ja auch etwas sehr freudvolles, fein...ob Erd- Baum oder Säulenhaus? :)

      "what a difference a day makes"...das hat manchmal auch eine sehr traurige Qualität....
      Vielleicht würde dir Yaloms "die Liebe und ihr Henker" auch gefallen, er sieht das auch ganz klar so dass mit dem Tod Schluss ist und setzt sich auf sehr differenzierte und überraschende Weise damit auseinander. Muss man natürlich mögen.

      Für die nächsten Tage viel positive Energie, Kraft, .... was du halt brauchst
      Edit: und bergeweise Hund um dich darin zu vergraben, hinein zu kuscheln

      mit liebem Gruß!

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Nebelfrau“ ()

      Kelpie75 schrieb:

      Wir sind die, die jeden Lesetest und den PISA ruinieren ... Aber Menschlichkeit wird ganz groß geschrieben.


      Das wird doch in den ganzen blöden Schultestungen total vernachlässigt: Menschlichkeit, soziales Lernen ==> Fähigkeiten, die im Allgemeinen wichtiger sind als die Quadratwurzel aus 2365 berechnen zu können.

      Schön, dass du in so einer angenehmen Atmosphäre arbeiten kannst.

      Kelpie75 schrieb:

      Ähm... Einen Terminplan fürs Traurig-sein? Komische Idee... Man weint doch nicht auf Kommando.


      Nein, man weint nicht auf Kommando, es kann nur helfen, dass du vor deinen SchülerInnen nicht zusammenbrichst, wenn einer der Heulmomente sich einschleichen will, dann kannst du sagen: Jetzt nicht, heute Abend nehme ich mir für dich Zeit.
      Andererseits finde ich es gar nicht schlecht, wenn Lehrerinnen auch weinen. Das hat ja auch mit Sozialkompetenz zu tun: Wie gehe ich mit meinen und den Gefühlen anderer um.

      Kelpie75 schrieb:

      Jetzt ist er in seinem bunten Kostüm auf der Parte. Ein ganz arges Bild. Er bringt nie mehr Leute zum Jubeln.


      Ich kann mir gut vorstellen, dass er in der Erinnerung ganz viele Menschen wieder zum Jubeln bringen kann. Irgendwann vielleicht auch dich.


      Ich wünsche dir wieder all das, was du brauchst, um die Tage zu schaffen.
      Lg. Astrid.

      Astrid. schrieb:


      Nein, man weint nicht auf Kommando, es kann nur helfen, dass du vor deinen SchülerInnen nicht zusammenbrichst, wenn einer der Heulmomente sich einschleichen will, dann kannst du sagen: Jetzt nicht, heute Abend nehme ich mir für dich Zeit.
      Andererseits finde ich es gar nicht schlecht, wenn Lehrerinnen auch weinen. Das hat ja auch mit Sozialkompetenz zu tun: Wie gehe ich mit meinen und den Gefühlen anderer um.


      Ich bekomme sicher keinen Zusammenbruch am Arbeitsplatz.
      Warum sollte ich dort denn überhaupt an den Trauerfall denken?

      Man denkt doch nur zwischendurch und vor allem abends daran.

      Ich kann emotionale Menschen meistens nicht verstehen. Weder meine Mutter noch ich sind ununterbrochen in Trauer.
      Wir denken beide, dass ausgelebte Emotionalität niemandem hilft, weder dem Toten noch uns selbst.

      Es ist Fakt, dass jeder Mensch stirbt.
      Ob es eine Existenz nach dem Tod gibt, ist höchst ungewiss, man geht besser nicht davon aus.
      Die Logik sagt, dass sich die Welt verändert und verändern muss.
      Deshalb muss man versuchen, sein eigenes Leben nicht zu vergeuden.
      Ich versuche, mir keine Sorgen von wegen Erbe und Immobilien zu machen. Gelingt mir nicht rasend gut.
      liebe Kelpie, <3

      ja , hier schreibt eine Rentnerin, dadurch ja nicht mehr im Beruf, die ebenso durch diese "Tatsache" mehr sich hinterfragen kann,
      " was ist Emotion bei mir und wie und wie lange und WO kann ich trauen."?

      Wie meine Mama schwer erkrankte und dann nach 2 Jahren verstarb , war ich noch voll im Arbeitsprozess und das ja auch noch in einer internistischen Praxis....
      Ja, Fakt war auch bei mir ....
      arbeiten und keine Trauer-Emotionen bei den Patienten , meistens auch schwerer erkrankt bis schwer erkrankt wie meine Mami.....
      Ich arbeitete im Funktionsbereich ( Ekg , Röntgen , Ultraschall, Labor ( da wurde ja auch das meiste auch schon weggeschickt)...

      Ja, auch wenn ich es etwas anders ausdrücken würde...
      man denkt doch nur zwischendurch und vor allem abends daran


      Ja, der Abend und die Nacht.... die "Problemzeit" ... Ob es das Hirntumorforum oder eben jetzt das Aspetos ist....
      Abends und Nachts ist es eben halt die Zeit des ,.... drücke und empfinde es auch so
      "des Mit-ein-anders", für den anderen Menschen "da sein"...

      Kein Angriff , ...

      Könntest du mir, wenn du willst,...erklären, wie du das meinst
      Ich kann emotionale Menschen meistens nicht verstehen

      Wäre dir "dankbar" wenn du mir dazu deine SICHT vermittelst.. . einfach um dich mehr und besser "wahrzunehmen" ?!? ....

      Weder meine Mutter noch ich sind ununterbrochen in Trauer


      Ja, das kann ich verstehen ...Obwohl ? ... da kommt es ja wieder darauf wann, ..."was versteht jeder unter Trauer"
      Ich habe schon mit sehr "frisch Trauernden " auch gelacht , Unternehmungen die nichts mit Trauer zu tun hatten .... gut viel mit Natur " Biogarten schau um ein Schlossgelände mit künstlerischen Darbietungen... usw. gehabt
      Dennoch fühlte ich mich als Trauernde.
      Das war nach einem Jahr , wo ja sowohl Burkard als auch mein Papi , fast gleichzeitig, .... verstorben sind....

      Gut, eine Existenz nach dem Tod ... daran GLAUBT man ...oder nicht....

      Deshalb muss man versuchen , sein eigenes Leben nicht zu vergeuden.


      für mich ein SEHR guter Satz...Ist ja eine Lebens-Einstellung auch wiederum, was jeder für " nicht vergeuden " hält...
      Aber prinzipiell ist das ja das, was wir alle versuchen ?Hoffe ich ...nehme ich an ...

      Ja, es ist dennoch immer noch bei mir so , sehr vorsichtig in der Formulierung zu dir zu sein....
      aber ,
      "muss " ich einfach schreiben....
      Für mich ... bist du in deinen Beschreibungen deiner Gefühle einfach "weicher " geworden... die Trauer
      IM !... LEBEN.... mehr zulassend....

      Ich würde mich freuen , ja wirklich freuen, oder ist das für dich zuviel Emotion ? , wirklich als Frage ? die du nicht beantworten möchtest ?
      also
      würde mich freuen , wenn diese "Weichheit " weiterhin bei dir zu erspüren ist...

      JETZT
      ja das kann ich JETZT völlig verstehen , dass du meinst , glaubst , denkst und fühlst, dass das Parte Bild von deinem Papa im Zauberer Kostüm keinen mehr "verzaubert ...

      Erst einmal...

      aber , wenn ich jetzt Bilder von all meinen Verstorbenen , von mir geliebten Menschen , mir jetzt ansehe , dann ist darin der LEBENDIGE , fröhliche Lebensaspekt , den wir zusammen hatten , weitaus MEHR in Erinnerung ....

      Ich habe weder von meiner Mama noch meinem Papa , noch von Burkard Bilder aus der Krankheitszeit in die Fotoalben geklebt... noch solche Bilder aufgestellt....
      es sind alles Bilder aus guten Lebenszeiten...

      einen guten Tag dir wünschend ... und was machen die Pläne von einem Erdhaus ? ... Habe mir einige Bauten im www. angesehen ..
      SCHÖNE Bauten gibt es da... :rolleyes:

      gerne dich weiter begleitend
      deine Claudia Amitola

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Amitola (rainbow)“ ()

      Kennst du vielleicht Star Trek, Amitola? Ich fand Mr.Spock immer wesentlich sympathischer als Dr. McCoy.

      Ich entdecke an mir eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Papa. Ich hasse Beerdigungen.

      Ich will am kommenden Donnerstag nicht zur Sargverabschiedung gehen.

      Erstens, ich bin introvertiert und ich reduziere Menschenkontakte auf ein für mich erträgliches Minimum. Meine Freunde wissen alle, dass ich nicht zu Feiern komme und selbst keine Feiern gebe. Nicht, dass ich sie nicht sehr schätze, aber sowas überschreitet ganz klar meine Grenzen.

      Zweitens, ich habe in den letzten Monaten weiß Gott genug getragen, und mein depperter Bruder könnte zumindest dort Händchen schütteln und den Zeremonienmeister geben.

      Drittens, ich will mein Bruderherz nicht sehen. Er war zuletzt am 14.11. bei seinem Vater. Nicht einmal zu Weihnachten war dieses A im Heim. In Wien war er, aber er war nicht bei seinem Papa.
      Auch auf den Rest vom Schützenfest hab ich null Bock. Diese Leute sehe ich nachher höchstens noch ein halbes Dutzend Mal (inkludierend meinen Bruder und Onkel), und aus meiner Sicht kann man das Kontaktende vorverlegen.

      Viertens, was hat der Tote davon, was habe ich davon. Der Tote hat nichts davon, ich habe Sozialstress und Berufsstress, meine armen Hunde sind den ganzen Tag im Zimmer eingesperrt.

      Ich gehe gern zur Aschenbeisetzung in den Wald, aber das Krematorium am Zentralfriedhof brauch ich echt nicht. Sollte mein Papa irgendwie noch existieren, dann weiß ich, er kommt garantiert nicht zu seiner Sargverabschiedung. Er käme zum Heurigen, aber ein Fest ist nicht geplant, leider.

      So eine depperte Sitte... Ich will mich nicht dunkel anziehen und ich will keine Leichenbittermienen sehen und ich will keine Trauerreden hören. In anderen Kulturen geht das doch auch ohne Depri, warum nicht bei uns.

      Ich glaube, ich schwänze jetzt einmal die ganze Tragödie, einfach weil es mir reicht. Ich geh mit den Hunden in den Wald und am Abend trinke ich ein Achterl auf den Papa.
      vorher schon gelesen....

      Liebe Kelpie, <3

      ja, kann dich völlig verstehen....

      Obwohl wir das in einem Trauerforum schreiben, was durchaus von den "konventionellen " Begräbnissen LEBT.... aber nicht nur....
      Das habe ich so oft erlebt und auch meine Eltern. Habe das ja in Angies thread genauer beschrieben...
      Also völliges Verständnis...

      Lächel....
      Mr. Spock ist mir auch weitaus angenehmer in Erinnerung als dieser mmmmm??? An den habe ich eigentlich gar keine Erinnerung... KEIN inneres Bild... bin ein sehr visueller Typ...

      Für viele bin ich ein extrovertierter Mensch...Ich sehe mich nicht so...aber auch nicht introvertiert ....
      Vielleicht ist der Weg bei uns allen
      Das finden des MEHR UND MEHR ..des ICH BIN...

      Nochmal so ein Gedankensprung .-...
      Schon meine Mami,als auch mein Papi,.... haben ausdrücklich geschrieben , das wir doch BITTE nicht in Schwarz einher kommen sollten...
      Gut, es waren nicht die absolut grellen oder bunten Farben, ....aber auf jeden Fall keine Trauerkleidung...
      und Burkard wollte, das ich den roten Mantel trage....

      das habe ich auch gemacht.... Auch sehr gerne.... Dieser BITTE nachkommend ...Seinem Wunsch entsprechend ..

      Ja, und im Ruhewald dürfen Hunde mitkommen...
      Das war ja bei Burkard so...und Schlawunsch und andere Hunde waren dabei... ( es gab kein Gebell) ...

      Bei meinen mir wichtigen Begräbnissen , wie bei meinen Eltern und bei Burkard waren es eher Erinnerungsreden ( kannst du auch bei Angie nachlesen , wenn du willst)

      Bei meiner Mami haben dann Shannon und ich am Abend auf der Terrasse nicht ein Weinchen getrunken , sondern EINS ++++ PLUS ... Gläschen Baylies ( garantiert wieder falsch geschrieben)

      Leider ist Shannon dann ein halbes Jahr später selber tödlich verunglückt....

      das kommt mir gerade wieder so... die Sprache ...die Wortbedeutung.
      seltsames Wort
      tödlich .... VER-UN-GLÜCKT....
      so vom GLÜCK VERLASSEN WORDEN....
      Jaaaaaaahhh Sprache =O ?(
      Ja,
      ich kenne andere Cremierungen....
      und andere Celebration...

      Wenn du magst
      tiiiief "Luft holen " ...nicht ironisch gemeint
      und in den Thread gehen " umbenannt ...Meditations- und Therapieerfahrung " da du ja eine nicht zu "Infizierende " ;)
      bist...lächel....
      kannst du dieser diesen Beitrag, dieses Video ansehen...... WENN DU WILLST....

      In Indien wird das , zumindest in dieser Lebensgemeinschaft anders gehandhabt....

      drehe jetzt noch eine Minirunde mit Schlawunsch , bevor es ganz dunkel wird

      Alles GUTE dir....
      und ich würde es an DEINER Stelle auch so machen...
      aber , wie es hier richtig geschrieben wird
      Letztendlich kann sich keiner in den anderen völlig hineinfühlen ...
      Es ist IMMER die Entscheidung ,.... diesmal DEINE , liebe Kelpie , <3
      wie du das "handhabst "...
      in DEIN LEBEN INTEGRIERST

      KRAFT dir dazu wünschend
      deine Claudia Amitola

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Amitola (rainbow)“ ()

      Oh, DANKE.

      Meine Mutter will das Theater und die verknöcherten Verwandten auch.

      Ich flüchte ... Das macht die Woche schon mal viel leichter... Ein entnervender, kraftraubender Nachmittag weniger.

      Für mich persönlich reicht die Aschenbeisetzung.
      Ich habe ja den Moment, wo er mir an seinem Todestag noch zum "Auf Wiedersehen" gewunken hat. Ich sagte "Bis morgen."

      Es ist ok für mich, wenn die Asche rasch ein Teil des Waldes wird. Dieser Wald war im Sommer höchst lebendig und ich freue mich, im Juli dorthin zu gehen. Dann ist der Papa kein trauriger Rest mehr, sondern wieder Teil der Natur. Und ich komme ja später auch an diese Stelle.

      Aber die werten Verwandten... Keiner von denen tut was für mich... Keiner ruft an und fragt, ob ich Hilfe brauchen könnte, vielleicht mal ein Auto, irgend etwas... Ich will kein "Beileid" gewünscht bekommen und höflich sein müssen.
      Liebe Kelpie,
      für die meisten Menschen ist das Ritual des Abschiednehmens wichtig und heilsam. Abschiednehmen ist nach einem Todesfall ja ein Prozess in mehreren Schritten. Bei dir hat sicher ganz viel Abschied schon in den Monaten vor seines Todes stattgefunden, dann beim Abschied vom toten Körper, der besser begleitet sicher glückerlicher verlaufen wäre. Auch ich kann Astrid nur bestätigen: Man muss mit Unterbrechungen und Pausen dazwischen oft mehrmals hinschauen und dann ändert sich die WAhrnehmung des Fremden wieder in ein Erkennen. Dann bei den Trauerfeierlichkeiten. Da stehen dir im Prinzip zwei bevor. Du meinst, du lässt den im Krematorium aus und gehst zur Beisetzung der Urne. Ich würde an beiden Terminen teilnehmen, aber das ist wirklich deine Entscheidung, da gibts kein Patentrezept und Hauptsache ist, dass du an einem der beiden Termine dabei bist, um den Bogen des Abschiedes von diesem geliebten Körper abzuschließen.
      Ich muss dir ein wenig widersprechen, wenn du das Ausleben von Emotionen herabwiegelst. Es ist mittlerweile gut untersucht, dass Emotionen Ausdruck brauchen, weil ihre Blockade oder Verleugnung krank machen. Das gilt für Wut u.a. ebenso wie für Trauer. Trauer ist eine natürliche Reaktion auf einen Verlust, sie ist keine Krankheit, sondern ein Bewältigungsprozess, der sich als gesunder Prozess in Wellen zwischen Schmerz- und Erholungsphasen bemerkbar macht. Es gibt die Heulphasen und die Phasen, in denen man nicht dran denkt und die Emotionen unter Konrtrolle scheinen. Zu Beginn kommen die Emotionen bei vielen unkontrolliert daher, mit der Zeit beginnt man zu lernen, diese Gefühle immer besser regulieren zu können. Da gelingt dann die Trauer nach Stundenplan ganz gut, wenn vielleicht auch nicht durchgängig. Wichtig ist, Trauer braucht Ausdruck - durch Weinen, Reden, Schreiben etc. und Erholungsphasen zwischendurch. Wer Trauer nicht ausdrückt oder den Ausdruck verhindert, kann den Verlust nicht bewältigen, verzögerte Belastungsreaktionen und Somatisierungen sind dann sehr unangenehm.
      Ich wünsch dir alles Liebe, einen gesunden Trauerrhythmus, viel Kraft und gute Entscheidungen in der nächsten Zeit!
      Christine
      In anderen Kulturen wird weiss getragen oder ein richtiges Fest gemacht., wieder in anderen werden "Klageweiber" bezahlt. Ich fragte mal als Kind meine Oma "warum trägst Du schwarz" und sie sagte: weil jedes Jahr jemand gestorben ist angefangen mit meiner Schwester die im Krieg auf der Flucht ertrunken ist und irgendwann habe ich es mit schwarz belassen.

      Wegen der Beerdigung und Deinen Gefühlen: Man wird öfters gesellschaftlich zu etwas gezwungen.... auch wenn man es nicht will.

      :24: <3

      P.S. Mr. Spock ist Halb-Vulkanier und auch mein Lieblingscharakter gewesen und irgendwie hat man doch irgendwie in ihm tief versteckt Emotionen gespürt. Leonard Nimoy hat zuletzt auch in der Serie Fringe mitgespielt, in der es auch um Parallelwelten ging.
      Übrigens war Weiß bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auch bei uns die Trauerfarbe. Die Bräute bis dahin trugen schwarz, die Toten weiß (weiß ist heute noch die traditionelle Ausstattung von Särgen und Totenhemden, wenn eines gewünscht wird). 1840 heiratete Königin Victoria 1940 als erste Braut in Weiß, 1853 folgte ihr Herzogin Eugénie de MontijoPrinzessin bei ihrer Hochzeit mit Napoleon III. und dann wurde es beim Adel Mode. Kaiserin Elisabeth von Österreich heiratete in einem Traum von weiß und allmäglich schwappte die Mode vom Adel aufs Volk über und schwarz wurde zur Trauerfarbe.
      Heutzutage erlebe ich auf Trauerfeiern keine so strenge Vorschrift mehr, was die Farbe der Kleidung angeht. Viele kommen ganz normal in Alltagskleidung und niemand regt sich mehr auf ... :)
      AL Christine

      Christine schrieb:

      Abschiednehmen ist nach einem Todesfall ja ein Prozess in mehreren Schritten. Bei dir hat sicher ganz viel Abschied schon in den Monaten vor seines Todes stattgefunden, dann beim Abschied vom toten Körper, der besser begleitet sicher glückerlicher verlaufen wäre.


      Ich werde mir einfach erlauben, anderen Menschen künftig von diesem Schritt abzuraten. Ich bin da rein gegangen, weil ich noch nie einen toten Menschen gesehen habe. (Jetzt mal abgesehen von den Scheußlichkeiten im Fernsehen.) Ich wollte wissen, wie ein toter Mensch aussieht.

      Bei der Oma hat uns eine Krankenschwester konkret abgeraten. Sie sei noch im Haus, sagte die Schwester, aber sie sei kein allzu positiver Anblick und wenn wir nicht unbedingt wollten.... Wir wollten nicht.

      Dies Anschauen war keine überragend gute Idee von mir.
      Tote Tiere sind vorher nicht so elendig und unnatürlich lange krank, daher schauen sie sich als Tote noch ähnlich.


      Auch ich kann Astrid nur bestätigen: Man muss mit Unterbrechungen und Pausen dazwischen oft mehrmals hinschauen und dann ändert sich die WAhrnehmung des Fremden wieder in ein Erkennen.


      Nein Danke. Einmal reicht fürs ganze Leben. Ich weiß jetzt, wie tote Krebspatienten nach 12h im Kühlkeller aussehen. Aber eigentlich braucht man das nicht unbedingt wissen und wie gesagt, anderen Menschen werde ich empfehlen, sich des zu ersparen.

      Ich würde an beiden Terminen teilnehmen


      Mir gehts gerade viel besser, weil ich beschlossen habe, mir die geschätzten Angehörigen und das Funktionieren nach Vorschrift zu ersparen.

      Ich muss dir ein wenig widersprechen, wenn du das Ausleben von Emotionen herabwiegelst. Es ist mittlerweile gut untersucht, dass Emotionen Ausdruck brauchen, weil ihre Blockade oder Verleugnung krank machen. Das gilt für Wut u.a. ebenso wie für Trauer.


      Man würde sich sehr über einen Mitmenschen befremden, der - warum auch immer - ungehemmte Wutausbrüche am Arbeitsplatz bekäme. Es wird sehr wohl erwartet, dass ein Mensch seine Emotionen zügeln kann.
      Dies gilt auch für Trauerrituale. Zum Beispiel untersagt der Koran ungehemmtes Weinen. (Und Klageweiber.)

      Da gelingt dann die Trauer nach Stundenplan ganz gut,


      Ich finde die Idee noch immer befremdlich. Ich kann auch nicht auf Kommando einen Wutausbruch kriegen.

      dass du an einem der beiden Termine dabei bist, um den Bogen des Abschiedes von diesem geliebten Körper abzuschließen.


      Ähm... Weißt du, wie er seit Monaten ausgesehen hat? So werden üblicherweise Zombies dargestellt.

      Ich habe mir selbst gratuliert, dass ich mit 18 den Weitblick hatte, mir keine Ausbildung im Bereich Humanmedizin/Pflege einreden zu lassen. Ich bin dafür eindeutig nicht geeignet.

      Ich hatte ein heftiges Ekelproblem mit dem Haut- und Fußpilzbefall, den blutigen Flecken, den Hautrissen und den diversen Flüssigkeiten. Bin nicht sehr empfindlich, aber dies war ein Horror und kein Mensch will so aussehen.. Ja, ich habe meinen Vater natürlich angefasst, ihm die Beine gelagert und so, aber... IIIIIIIIIIIGIIITTTTTTT!

      "Geliebter Körper"?... Nö. Die Augen und die Stimme waren von ihm, der Rest schon lange nur mehr eine Erinnerung. Dieser Abschied kam seit Beginn der Chemo, mit jedem Tag haben wir ein weiteres Stück verabschiedet.

      Und weißt du, Christine... Ich lasse meine Hunde kremieren. War mal mit der Schule in der Tierkörperverwertung (Wie ich noch Schülerin war) und das ist seither nicht so mein Ding. Für die 10 Jahre Treue tu ich ihnen noch diese Ehre.

      Nach 14 Tagen wird dann die Asche zugestellt.
      Ich weiß bis heute nicht, ob ich da meinen Schäferhund unter den Rosen eingebuddelt habe.... Oder den Flocki der Frau Müller... Oder gar jemandes Oma. Oder alles gemischt. Es war halt irgendwelche Asche.
      Rückblickend gesehen habe ich den Hund verabschiedet, wie die Leute von Antares ihn mitgenommen haben.

      Und so ähnlich ist es jetzt auch. Der Lebensrest muss versorgt werden, keine Frage, aber ich bin nicht in der Lage, eine dunkelgrüne Urne zu personifizieren.

      Der Moment des Abschieds war der, wo er gewunken hat.