Habe meine Frau verloren.

      Hallo ...

      ich glaube gestern war der schlimmste Tag in meinem Leben.
      Noch nie hab ich mich so verlassen gefühlt.
      Man kommt heim an seinem Geburtstag und niemand ist (physisch) da.
      Es kommen zwar Gratulationen per SMS. Aber ich sitze nur da und tippe an meinem Handy herum.
      War dann ein paar Stunden bei einem Bekannten. Er hat mich spontan angerufen und eingeladen.
      Wollte zuerst gar nicht zusagen. Hab es dann doch angenommen.
      Beim nachhause kommen danach spät abends war ich wieder völlig am Boden zerstört.
      Heute ist es kaum besser.
      Für Sonntag hab ich eine Einladung zum Schifahren - sollte ich eigentlich annehmen.
      Fällt mir aber unheimlich schwer...

      Auf diesem steinigen Weg gibt es kaum ein Vorankommen.

      Wünsche allen einen schönen Abend,

      Liebe Grüsse, Christoph
      Das tut mir leid, lieber Christoph, dass dein Geburtstag so schrecklich war.
      ​Ja, das Fehlen wird an besonderen Tagen nochmal sichtbarer.

      Ich wünsche dir einen erholsamen Schitag. Vielleicht tut es dir ja wirklich wohl.
      Natur, Schnee, Sonnenschein - vielleicht gibt es auch nur einen kurzen Augenblick
      zum Genießen. Ich würde es dir von herzen wünschen. Und wenn du am Sonntag merkst
      es geht gar nicht, dann kannst du ja auch kurzfristig absagen. Dieses Recht solltest du
      dir im Moment einfach raus nehmen.

      Ich wünsche dir einen erträglichen Abend.
      Lg. Astrid
      Lieber Christoph,

      zuerst einmal wünsche ich dir von ganzem Herzen alles liebe und Gute zu deinem Geburtstag, für dein neues Lebensjahr. Kraft, Ausdauer, Lebensmut, Gesundheit --- und ganz viel Leichtigkeit. <3 :P Ich weiß das mag absurd klingen...

      der erste Geburtstag ohne meine Mutter, oh ich wollte ihn gar nicht so richtig feiern. So viele kleine feine Rituale mit ihr haben den Geburtstag für mich ausgemacht. Ich kann dich gut verstehen. Deine liebe Frau Andrea hat bestimmt auf ganz besondere Art mit dir gefeiert, und es ist klar dass dir da erst mal nichts Freude machen konnte. Trotzdem finde ich es schön dass dich ein Freund eingeladen hat, ehrlich, so etwas ist doch ein Anker, auch wenn man es nicht so spüren kann, solche Freunde sind echte Freunde, findest du nicht?
      Und wie viele hat man davon schon? Wenn überhaupt? Das ist doch ein - Glück...darf ich das sagen?

      Ja, dass du dich auf ein Wiedersehen freust...ich freue mich auch jetzt habe ich immer das Bild dass sie da sein wird und mich umarmen wird und ich sie ganz fest spüren werde und es ein Fest wird...das trage ich als Bild ganz innig im Herzen...es ist wie eine Gewissheit...was ist daran verkehrt? Aber, lieber Christoph - und das darf ich dir jetzt ganz lieb sagen ohne dass du hoffentlich bös bist - oder wenn du bös sein willst sei das auch - darfst mich auch anmaulen - es wäre grundverkehrt bis dahin, bis zu dem Moment wo sich eure Hände wieder berühren, sie dir die ihre reicht - du nicht mehr leben würdest. Also du lebst ja aber irgendwann einmal wieder, auch für dich leben würdest, jetzt mal so als Gedanke auch wenn du jetzt sagst und bitte wie, Superoberschlaue Malena soll ich das machen du Pappnase? ;)
      Cum Tempore. Es soll nur ein Gedanke sein...nur ein sachter Gedanke...ich hab das Gefühl du quälst dich auch so...das ist richtig schlimm das zu lesen...oft mal...
      Du hast ja geschrieben, vll. ein Umzug, oder auch nicht...vll. eine Liebe, auch wenn du sie dir jetzt gar nicht vorstellen kannst und willst.
      Oder etwas ganz anderes --- Andrea - du warst da für sie und sie möchte bestimmt wenn ihr euch wieder seht viele schöne und aufregende Geschichten hören, lustige und traurige, spannende und tiefsinnige, und ist grantig wenn du ihr von keinen Abenteuern berichten kannst...darf ich das so schreiben?

      was denkst du?

      Sei ganz lieb umarmt so du magst
      du hörst dich heute so traurig an
      das tut mir leid
      sehr leid
      und ja ... eh schon wissen...

      PER ASPERA AD ASTRA...
      das hat was Wahres...auch mit dem steinigen Weg...
      durch die Rauigkeit zu den Sternen...

      mit liebem Gruß
      Malena
      Liebe Malena,

      Ich bin dir nicht bös, wenn du das so schreibst.
      Ich weiss auch, dass mich niemand unglücklich sehen will. Auch ich selbst nicht.
      Manchmal denk ich mir, ich kann meine Frau nicht so lange alleine lassen. Sie möchte mich
      bestimmt bei sich haben. Ich weiss, dunkle Gedanken.
      Oder: ich soll bis es so weit ist, wieder ein glückliches Leben führen - auch mit ihrer Hilfe.
      Das hab ich bis jetzt noch nicht wirklich geschafft, abgesehen von kurzen Lichtblicken.
      Dinge, die mich früher begeistert haben, machen mir zumindest schon ein wenig Freude.
      Alles andere nehme ich meistens ziemlich teilnahmslos zur Kenntnis. Die Prioritäten haben
      sich komplett geändert.


      liebe grüsse, Christoph
      Lieber Christoph
      ​die winzigen Lichtblicke sind doch schon Lichtblicke, wenn auch winzig, darfst du darauf vertrauen, dass sie mehr, häufiger und länger werden.
      Was die Dauer des Allein seins deiner Frau angeht - ich glaube, dass ein Leben nach dem Tod ein Leben außerhalb von Raum und Zeit ist. Und ihr die Dauer sicher nicht so lange erscheint wie dir. Auch wenn das mit unserem menschlichen Denken genau so wenig fassbar ist, wie die Frage ob da was ist und wenn ja wie, und wenn nein wie nicht.
      Ich wünsche dir für den heutigen Tag 3 Lichtblicke - erzähle doch, ob du sie bekommen hast.
      Lg. Astrid
      Lieber Christoph ,

      Ja das tal des Lebens zu Durchschreiten ist rauh , steinig und oftmals dunkel aber am ende und zwischendurch gibt es kleine sonnenstrahlen meist hinter einer kurfe wo man sie vorher nicht sehen kann , aber diese winzigen strahlen wärmen doch etwas bis man das ende erreicht . Und auch du wirst diese strahlen spüren wenn Du um die kurfen schreitest . Am ende des tales wird gleissendes licht dich erwarten und Andrea wird mit offenen Armen dich erwarten . Bitte gehe diesen weg auch wenn dein unerwünschter Begleiter der Schmerz ist . Ich wünsche dir ganz viel kraft und ausdauer auf diesem weg mit vielen erholenden Pausen.
      Kraftvolle und ergiehaltige Grüßen Petra
      Liebe alle hier,

      Was soll ich dazu sagen ?
      Ich bin nach wie vor traurig. Das ist eigentlich der Normalzustand.
      Aber: meistens nachdem ich etwas (halbwegs) erfreuliches erlebt habe,
      kommt ein Rückfall, wo der Schmerz wieder grösser wird.
      Als ob mir jemand die Freude nicht gönnen würde (oder ich selbst nicht).
      Oder, was ich fast eher glaube, dass ich sooo gerne hätte, die Freude mit meiner Frau teilen zu können.
      Ich hoffe, sie freut sich dennoch ein wenig mit. Auch wenn ich nachher wieder weinen muss.
      Diese Situationen kommen immer wieder mal - heute besonders heftig.


      liebe Grüsse, Christoph
      Lieber Christoph,
      das ist ganz normal, das ist auch kein "Rückfall"!

      Ich hab dir ja schon einmal (und nicht nur dir :) ) geschrieben: Der Trauerprozess verläuft in Wellenform. Du hast Schmerzwellen, in denen Bearbeitung stattfindet, und Erholungsphasen dazwischen (das sind die guten Stunden, die Lichtblicke), ganz langsam wirst du sehen, dass die Abstände zwischen den Schmerzwellen länger, die Schmerzwellen kürzer und insgesamt flacher werden, die guten Phasen dazwischen werden überwiegen. Aber das dauert noch, du bist auf einem guten Weg, aber doch noch auf halber Strecke.

      Hab Geduld mit dir und vertraue darauf, dass es besser wird, dass die Lebensfreude mehr, der Schmerz weniger wird. Wenn eine heftige Schmerzwelle kommt, dann vertraue darauf, dass wieder eine gute Phase kommt und versuch die Schmerzwelle nicht als Rache für einen guten Moment zusehen, sondern das ganze als Prozess und den Wechsel zwischen Schmerz und Erholung als Zeichen, dass du gesund trauerst.
      AL Christine
      Lieber Chris
      da auch ich erst Geburtstag hatte weiss wie es dir ergangen ist.
      Diese Gefühl sich schlecht zu fühlen ,wenn es einem eigentlich gut geht,kennt hier glaube ich jeder.
      Doch nutze diese schönen Momente und teile sie mit deinem Schatz in diesseitz sowie im Jenseitz, denn ich spür bei meinen Situationen dass sie mir von meinem Schatz aufgetischt werdn um die Nahrung des Lebens zu geniesen und glaube mir dein Schatz sitzt mit dir an dießem Tisch und geniesr deine Freude voll mit.
      Auch glaube Ich ,diese schlechten Gefühle rühren nur aus unserer falsch verstandenen Löyalität zu unseren Liebsten.Ich dnke sie feuen sich mit uns um jede mit freude,humor undliebe verbrachte Sekunde in unseren jetzigen Leben
      Meine Frau wäre auch heuer so wie ich 50 geworden und ich werde heuer an ihren Geburtstag meinen und ihren Geburtstag mit einem riesige rauschenden Gartenfest feiern so wie wir es vohatten um mein und ihr neues Leben zu feiern
      Kopf hoch und viel Kraft schickt dir Wolfgang 8o
      Lieber Chris, danke dass du mir nicht böse bist.
      Ich lese ja grad viel Yalom und er beschreibt auch etwas, womit ich mich selbst grad beschäftige - dass der Tod eines geliebten Menschen auch ein Anlass / Hinweis sein kann das eigene Leben achtsam und besonders zu gestalten und zu nützen. Das kann, so sehe ich das auch ratlos machen und überfordern...ich kenne beide Gefühle. Wie geht es dir damit?
      Warum soll sie sich nicht mit dir freuen? Vielleicht denkt sie dass du es dir sehr schwer machst. Denn eure letzte Zeit gemeinsam war ja sicher auch nicht einfach, ganz bestimmt nicht, so bis einer gehen muss zueinander zu stehen, das stelle ich mir als eine der größten Herausforderungen vor, stark zu sein für den Anderen, soweit mit zu gehen wie möglich, und dann zurück zu bleiben, du hast meinen größten Respekt. Lieber Chris, ich wünsche dir bald mehr Lichtblicke, auch in der Gewissheit dass sie dir gegönnt sind, und du sie dir gönnen kannst.

      Einen guten Wochenstart dir,
      Malena :24:
      Liebe Malena,

      Mein zweites Trauerjahr hat nun begonnen. Und der Schock, der traumatische Zustand von Beginn
      ist weitgehend überwunden. Was übrig bleibt, ist die bewusstere Wahrnehmung der Einsamkeit, des Vermissens. Was manchmal fast noch mehr weh tut.
      Und wie ich schon oben anmerkte. Nach jedem (meist kurzen) Hoch falle ich danach wieder tief runter.
      Jeder Anlauf um wieder rauf zu kommen kostet Kraft. Kraft die manchmal nicht vorhanden ist.
      Dann gibt es Tage des totalen Rückzugs...
      Und eine Erkenntnis wird von Tag zu Tag deutlicher, setzt sich in meinem Leben fest wie ein Felsen: was immer noch kommt, es wird nie wieder so wie es einmal war.

      Habe nun fast 3 Jahre hinter mir, die nicht normal verlaufen sind (und noch etliche vor mir ...).
      Fast 2 Jahre waren geprägt von Unterstützung, Pflege, Hoffen, Bangen, langsames Abschied nehmen.
      Diese Zeit war auch sehr mühsam und entbehrungsreich. Dennoch auf der anderen Seite bereichernd.
      Noch nie hatte ich so eine intensive Beziehung zu einem Menschen. Das Begleiten meiner Frau auf dem Weg
      in eine andere Welt ... dabei entsteht eine vollkommene Nähe, die unbeschreiblich ist.
      Der prägendste Moment in meinem Leben. Alle anderen Hochs und Tiefs davor waren nichts dagegen.
      Und das alleine zurückbleiben ist für mich das schlimmste. Manchmal bin ich ohne Hoffnung (auf Besserung).
      Möchte den Glauben auf eine bessere Zukunft aber dennoch nicht verlieren...
      Ich hatte gestern einen schönen Tag beim schifahren.
      Für einige Stunden war ich in einer anderen Welt.... :)
      Um dann wieder aufzuwachen... :13:



      ich schreibe heute ziemlich durcheinander - ein Spiegelbild meines aktuellen Zustandes ...

      Liebe Grüsse, Christoph
      Liebe Monika,

      Heute finde ich wieder überhaupt nichts, was Freude macht. Nur Leere. Auch kein Schmerz.
      Alles erscheint sinnlos. Diese Tage möchte ich überhaupt nicht.
      Doch, ich freu mich aufs schlafen. Das ist heute der einzige Lichtblick - nämlich jener, dass es dunkel wird.
      Und ich mich hinlegen kann.


      liebe Grüsse, Christoph
      Lieber Christoph,
      ​wie Christine schrieb, verläuft Trauer in Wellen. Stell dir einen Ozean vor, in dem du von den Wellen getragen und auch überschwemmt wirst. In dem es auf und ab geht, manchmal stürmisch und manchmal sanft.

      Wenn ein Boot vorbeikommt und dich mit zum Schifahren nimmt, wirst du wieder in den Ozean zurückgehen - bis du irgendwann an eine Insel kommst und hin und her wechselst zwischen "normalen Inselleben" und dem "normalen Trauerozean".
      Und irgendwann wirst du nur noch selten hinausschwimmen auf den Ozean und er wird dir bekannt, vertraut und auch ein bisschen geliebt sein, weil er auch mit den Erinnerungen an deine Frau zusammenhängt.
      Er wird ein wichtige Teil deiner Geschichte sein.

      Wenn du zum Schifahren auf ein Boot gehst, dann mach dir bewusst, dass du danach wieder in der Wohnung sein wirst.
      Genieße den Ausflug aus dem Ozean hinaus und auch wenn er dir danach härter und unnachgibiger erscheint,
      als je zuvor - er ist der selbe wie davor und bäumt sich vielleicht auf um dir zu zeigen:
      "Hey ich bin auch da. Ich gehöre dazu."
      Vielleicht kannst du beim Heimkommen - ich nehme an, dass dir auch Angst vor diesem neuen Eintauchen ist - sagen:
      "Hey du, ich weiß du bist da und du gehörst dazu und ich habe die letzten Stunden genossen."

      Es tut unheimlich weh, wenn es gerade leichter war und dann WUMM kommt die nächste Welle, wie aus dem Nichts.
      Und sie werden sanfter werden und ich habe den Eindruck, dass du dabei bist, diese Trauer zu integrieren in dein Leben.
      Den Ozean in dein Inselleben.

      Eine erholsame Nacht und es ist ja jetzt dunkel. Ein Lichtblick
      Lg. Astrid
      Liebe Astrid,

      Ist man wirklich auf einem guten Weg, wenn man das Wiedersehen mit seiner geliebten Frau herbei sehnt ?
      Ich bin seelisch zwar angeschlagen, körperlich so aber gesund und hab (wahrscheinlich) noch ein langes Leben vor mir. Eine für mich oft grauenvollle Vorstellung. Leidensverlängerung sozusagen.
      Auch wenn der Schmerz etwas nachlässt, er bleibt erhalten.
      Ich war früher nie auf jemand neidisch, auch wenn ich viel weniger hatte (materielles, usw ....). War rundum zufrieden.
      Diesen Zustand schaff ich bis heute nicht annähernd. Sehe zwar auch Leute, denen es noch schlechter geht.
      Aber noch mehr konzentriere ich mich auf die vielen Menschen, die (scheinbar) mehr haben als ich - zb. intakte Familie. Und die um niemand trauern müssen.

      Vielleicht ein Fehler von mir. Vielleicht sollte ich meine Denkweise ändern ? Bescheidener werden ?


      liebe Grüsse, Christoph