meine geliebte Mutter

      meine geliebte Mutter

      Liebe Forenmitglieder,

      wahrscheinlich haben mich meine innersten Gefühle hierher geführt, und die Sehnsucht auf sie zu hören. Denn vielleicht kennt jemand das - man ist ja gezwungen das Leben nach einem Verlust weiter zu führen (was gute und weniger gute Seiten hat) und ich führe das Leben weiter, nur "normal" ist es natürlich nicht. Ich erhebe zwar den Anspruch an mich, aber ich merke doch ich habe weniger Kraft, das was ich habe geht in meine Arbeit da ich meine Familie großteils ernähre, und meine Arbeit ja auch mag - sie verlangt aber von mir stark zu sein. Komme ich nach Hause habe ich schmerzlich weniger Energie für meinen Partner, mein Kind, ziehe mich gerne zurück - so wie jetzt hinter den Bildschirm. Oft hab ich auch das Gefühl dass in diesem "normalen Leben" für Trauer keine Platz ist. Einerseits muss ich ja "funktionieren", andererseits ist auch für mich die Verlockung groß mir vorzumachen dass diese höchst unangenehmen, auch überwältigenden Gefühle ja gar nicht da sind.
      Meine Mutter ist im Jänner gestorben. Fast drei Jahre hatten wir gemeinsam, mein Kind war gerade auf die Welt gekommen da kam die Diagnose, mir war bald klar dass wir nicht mehr so viel Zeit haben und so sind mein Mann und mein Kind und ich zu ihr gezogen, hatten drei sehr intensive Jahre, das war wie ein wilder, schöner, schmerzhafter Traum. Ihr Tod kam dann schnell, laut und leise zugleich, für mich im Herzen laut als Sturm, sie selbst ging leise, friedlich, hat sie sich davongeschlichen? Ich hätte sie wohl niemals gehen lassen. Jetzt ist es so dass das Trauerjahr bald rum ist und ich das Gefühl habe es ist noch lange mit meiner Trauer nicht zu Ende.
      Ich weiss meine Mutter hätte nicht gewollt dass ich in der Trauer versinke, das hilft mir einerseits, andererseits habe ich das Gefühl ich muss mich "zusammenreissen".

      Aber es ist doch so "wie isst man einen Elefanten? - Stück für Stück." Das überwältigende, unfassbare Gefühl dass sie gestorben ist, dass sie nicht mehr da ist - obwohl ich sie sehr stark fühlen kann insofern stimmt das ja nicht, aber es auch so ist dass mir die Sehnsucht nach ihr das Herz zerreisst in gewissen Momenten, ....also dieses große Gefühl, es ist wie Regen auf Wüstenboden, es braucht Zeit den Boden aufzumachen, und dann darin zu versickern...es ist doch legitim dass ich mit dem "Trauern noch nicht fertig bin". Eine blöde Frage ich weiß. Aber es fühl sich für mich so an, sollte ich es nicht geschafft haben? Wird man Verständnis und Mitgefühl mit mir haben? Manchmal fühle ich mich sehr alleine mit diese Gefühl, Trauer schneidet einem ab, manchmal findet man einen anderen Menschen der auch trauert, dann begreift man dass man nicht alleine auf einer Insel hockt, sondern dass es wohl vielen so geht. Genauso in diesem Forum. Ich setze das hier einfach mal so rein, und ich nehme das hier als Ort wo meine Trauer einfach da sein darf. Ist das ok? Ich sende euch liebe Grüße, M.
      liebe Nebelfrau, <3

      fühle dich von mir... andere werden bald folgen... willkommen geheißen ...

      Ich wage zu behaupten , das ALLE "hierher geführt " worden sind... einer inneren Stimme folgend.
      Ich wünsche dir, dass du bald den Unterschied feststellst, das du nur beruflich gezwungen bist, "normal zu funktionieren"...
      Persönlich zu Hause finde ich es , das die ersten zwei Jahre, ja wirklich 2 Jahre ... eine Atmosphäre des . Trauer zulassend.... "eingefordert " werden darf....
      Fast drei Jahre habt ihr euch gehabt....

      und jetzt dich zitierend, weil ich es VÖLLIG vom Gefühl nachvollziehen kann,,, und es einfach "grossartig" von dir, deinem Partner und deinem Kind finde, dass ihr dieses Leben, dieses intensive leben mit einem schwer erkrankten Menschen ZUSAMMEN geführt habt.

      das war wie ein wilder,schöner ,schmerzhafter Traum


      Du hast eine sehr bildhafte Sprache, die mich einfach berührt... Vielleicht kannst du dadurch dich auch besser verstanden in deiner Trauer fühlen... wenn ich den Namen "NEBELFRAU" so ein bisschen für mich interpretiere....

      Spontan ist mir das Buch "die Nebel von Abvalon" eingefallen...
      In diesem Buch geht es ja auch um mehrere Bereiche... immer wieder mit und durch den Nebel verbunden, aber auch verborgen durch den Nebel...

      Wenn man die Trauer als einen Nebel sieht, dann weis man einfach, dass es einen Nebel in Fluss- oder anderen Tälern gibt... Er umhüllt einen manchmal ... die Sicht ist dann nicht weit...
      Das ist für mich dann die Zeit in der Trauer , wo man einfach INNE HÄLT ...oder INNE HALTEN "sollte...
      Lächel.... jetzt sitze ich vor dem PC und habe auch mein "alltägliches Werk" ebenso wie du vorhin ... ruhen lassen...

      Dann steht man auch manchmal auf einer KLAREN , weit sehend... Bergeshöhe ... und hat den Nebel tief "unter sich" ... Man SIEHT... und kann mehr sicher agieren... weil es eben eine WEITSICHT ist...
      die Trauer , der Nebel, nimmt dann nicht sooo den Raum ein in unserem Leben,
      Das ist einfach die Zeit , wo man ein klein wenig das Leben führt, hin zum Partner bei dir und eurem Kind...

      Darf ich fragen , wie alt dein Kind ist? Auch sehr wichtig, vielleicht schreiben dir auch bald andere Mama´s, dein KIND TRAUERT JA AUCH ... In jedem Alter trauert ein Kind oder ein Jugendlicher , denn es hat ja auch diese drei intensiven Jahre mit seiner Großmutter gehabt...

      Meine Enkel haben ALLE , auf verschiedene Art und Weise . um meinen Lebenspartner, den sie als einen ihrer Opas gesehen haben ... GETRAUERT...

      Durch deine sehr sensible Formulierung , denke ich, dass du deinem Kind diesen Raum gibst und das , ich denke du verstehst was ich damit ausdrücken will, du kannst in einer gewissen Art und Weise damit "den Elefanten" etwas "kleiner machen"....

      Noch einmal zum heutigen Ende meiner Antwort an dich

      " die Nebel wurden mit dem Boot durchdrungen ... und man landete auf AVALON"... jenseits der ZEIT

      Man kann es Avalon nennen, das christliche Paradies , das Nirwana , das ALL EINS SEIN ... selbst das grosse NICHTS ist OHNE ENDE, wenn man es genau betrachtet ...

      "Dort"... ist jetzt deine Mama, ...für mich eine große, geistige AUSSTRAHLENDE PRÄSENZ , nicht mit unseren menschlichen Vorstellungen einhergehend...

      Auch jetzt noch einmal

      SCHÖN , das du hierher "gefunden hast" ... dein SEHNEN hat dich "gut geführt"
      Sehr mit DIR fühlend
      deine Claudia Amitola (rainbow)
      liebe Nebelfrau, <3

      wie du vielleicht schon gelesen hast ... Meine Mama ist vor jetzt fast 18 Jahren ... für mich ..."gegangen"....

      Ebenfalls nach einem wirklich langen Leidensweg... Herzfehler , zwei Herzinfarkte ... und dann grosser Schlaganfall...
      Ich stimme dir völlig zu, dass es durchaus traumatisch sein kann.... und man um Erlösung für den geliebten Menschen an was? wen?.... fleht.... ( weil du sehr ausführlich , was ich FÜR DICH sehr gut finde, bei Kelpie geschrieben hast)

      Meine Familie und ich haben sehr verschiedene Arten des Glaubens und der Lebensführung....
      aber ALLE , auch mein Vater.... waren die ersten zwei Tage nach ihrem gehen , tatsächlich "erleichtert" , das die Einschränkungen.... sie war wirklich eine gute Amateurmalerin ...und konnte NICHT mehr malen ,... VORBEI waren....

      Wir haben die ersten zwei Tage fast " nur" erwandernd " verbracht... Viele Orte in der Natur aufgesucht, die wir ALLE gern hatten... Da waren wir sehr mit meiner Mama verbunden ... unserer Meinung nach...

      Der Schmerz und das Vermissen ... das kam später...

      Alles LIEBE dir wünschend <3
      deine Claudia Amitola
      Liebe Nebelfrau, <3

      auch ich möchte dich herzlich hier in diesem hilfreichen Forum willkommen heißen. Ich denke, du kannst dich hier aufgehoben fühlen.

      Schreib dir alles von der Seele. Hier ist der geeignete Platz dazu. Jeder der hier schreibt, hat einen lieben Menschen verloren. Die meisten einen Lebenspartner - ich meine Tochter und vor 20 Jahren meine Eltern. Onkel, Tanten, Freundin musste ich leider auch schon begraben. Ich weiß, wie alles schmerzt....

      Zwar trauert jeder auf seine eigene Art und Weise, aber egal um wen man trauert - es gibt viele Gemeinsamkeiten und so kannst du dich hier von uns verstanden fühlen. ( auch wenn es manchmal hier kracht :) - aber wir finden uns immer wieder zusammen.)

      Liebe Nebelfrau, der Tod einer Mutter ist immer was besonderes. Schließlich ist sie ein Teil deiner Wurzeln. Ihr verdankst du dein Leben. Sie hat dich geboren, umhegt ( so gut wie sie es konnte ),sie war lange Halt.und Mittelpunkt deines Lebens.

      Gib dir die Zeit, die du zum Trauern brauchst. Richte dich nicht nach den Erwartungen der anderen. Es gibt kein Zeitlimit, es gibt kein: du musst jetzt alles "bearbeitet" haben. Jeder braucht seine eigene Zeit.

      Hier wird oft geschrieben, die Trauer verläuft in Wellen. und das stimmt. Mal sind die Wellen hoch, mal flach. Mal meint man, den Schmerz kaum aushalten zu können, mal kann man damit "umgehen". Wir gehen durch ein Wechselbad der Gefühle - doch das ist völlig normal : Traurigkeit, Angst, Zorn, Wut, das Gefühl der Verlassenheit, das Gefühl der Einsamkeit ( auch wenn andere da sind,die ebenfalls um die gleiche Person trauern), Reuegefühle - all das ist normal, all das darf sein, nichts daran ist falsch. Über all das darfst du hier schreiben - wir haben das alles selbst erlebt und fühlen mit dir.
      .
      Das Gute - ganz, ganz langsam zieht sich der Schmerz zurück. Er bleibt zwar, wird jedoch mit der Zeit leichter, wird anders.- wandelt sich.

      Alles Liebe dir

      Ich würde mich freuen, dir hier oder in einem anderen thread wieder zu begegnen.

      rabelein :24:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „rabelein“ ()

      Liebe Nebelfrau,
      auch von mir ein herzliches Willkommen.
      Mir gefällt dein Satz "Wie isst man einen Elefanten - Stück für Stück" sehr gut und ich musste lächeln ob diesem obskuren Bild für die Trauer. Und das passt doch, denn wie können so obskure Gefühle und Lebenssituationen, wie die Trauer sie mit sich bringt passender beschrieben werden.
      Nach einem Jahr, ja, da hast du vielleicht ein Bein des Elefanten verspeist. Entschuldige, ich muss schon wieder lachen, sehe mich mit Messer und Gabel vor einem riesigen Elefantenbein sitzen.

      Vielleicht biete ich dir ein anderes Bild an - nein eigentlich tu einfach ich mir leichter damit - vielleicht kannst du auch was damit anfangen:

      Trauer ist wie ein großer Felsbrocken
      Wegrollen kann man ihn nicht.
      Zuerst versucht man, nicht darunter zu ersticken,
      dann hackt man ihn Stück für Stück kleiner,
      und den letzten Brocken steckt man in
      die Hosentasche und trägt ihn ein Leben lang mit sich herum.
      (Verfasser - Unbekannt)


      Also: Ich denke du hast schon einige Brocken heruntergeschlagen - wie ich lese ist es nicht mehr die Sorge darunter zu ersticken. Das zeigt, dass du schon wichtige Schritte gemacht hast. Doch ein Jahr ist, so glaube ich, nicht die passende Zeit um aus diesem Brocken einen "Schmeichelstein" für die Hosentasche zu machen.

      Hab Geduld.

      Wie geht es deinem Kind, deinem Mann, lebt ihr weiterhin an dem Ort wie mit deiner Mutter?

      Ja, hier ist der Ort an dem du einfach schreiben kannst und an dem du in vieler Hinsicht verstanden und auch unterstützt wirst. Manches ist jedoch dein persönlicher und individueller Schritt - und auch die dürfen sein. Es freut mich, dass du da bist und dir einen Raum für deine Trauer gibst.

      Schön, wenn wir wieder von dir lesen dürfen.
      Lg. und einen feinen Abend wünscht dir
      Astrid.
      Liebe Amitola, liebe Rabelein, liebe Astrid,

      vielen herzlichen Dank euch für eure lieben Worte. Ich spüre ja dass es nicht nur liebe Worte, sondern auch warmherzige, tragende, sorge tragende, mitfühlende Gedanken sind die ihr mir schenkt.
      Amitola - ich habe hier schon ein wenig von dir gelesen und bewundere die Energie die du hast um so viel an Emotion und Liebe so vielen Menschen hier zu schenken. Ich habe auch etwas von dem Verlust deines Seelenpartners gelesen, und ich fühle mit dir. Auch danke dass du mit mir teilst wie du den Tod deiner Mutter empfunden und verarbeitet hast. Es ist, da gebe ich dir ganz recht immer etwas Besonderes in der Natur zu sein. Gerade jetzt mag ich sie, der Raureif der auf allem liegt, die Sonne wie ein diskreter Duft (nicht so brüllend wie manchmal im Sommer ;)... die Blätter, ... auch wenn ich immer Stadtmensch war und Naturmuffel (wenn ich was Grünes will stell ich mich vor eine Ampel, haha) und nun zum ersten Mal am Land wohne, dieser Überschwang an schöpferischer Kraft, an überwältigender Schönheit hat was (auch wenn man von der Gondel direkt in die Berghütte fällt ;-)). Die Nebelfrau, das Wort, das war von meiner Mutter, sie hatte sehr viel Phantasie und hat mir immer Geschichten erfunden...eine davon waren tanzende Nebelfrauen...du kennst das Bild vielleicht wenn sie wie Flämmchen an einem Bergfuß entlang streifen...und natürlich hat es auch etwas von dem was du sagst, Nebel rückwärts gelesen "leben", die Aggregatzustände des Wassers sind ja auch ein Gleichnis...danke für diese Reflexion. So wie eben ein Regenbogen zeigt welche Farben im Licht sind, so zeigst du mir welche Facetten das Gefühl "Trauer" hat.
      Du hast ganz recht, die Trauer meines jetzt im März 4 Jahre alten Kindes ist ein wichtiges Thema und ich werd, wenn ich mich hier zurecht gefunden habe, halbwegs -schauen, ob andere Mamis mit mir darüber schreiben wollen. Ich fühle mich auch oft schlecht weil ich selbst wie in Melasse bin, müde, erschöpft, und dann froh bin dass mein Partner das kompensiert. Mein Sohn hat die drei Jahre mit meiner Mutter sehr intensiv erlebt, dann war er auch im Hospiz dabei, zuvor im Krankenhaus, ich werde das nie vergessen er lief ins Zimmer und meine Mutter saß am Bettrand und sie hatte diesen Blick, dieser Blick wo klar war sie hatte den Kampf (gegen den Krebs) um ihr Leben, dieses Leben, verloren, sie hatte aufgehört zu sprechen, die Blicke dieser beiden Menschen traf sich, sie legte meinem Kind sanft die Hand auf den Kopf...sie sahen sich einfach nur stumm an die beiden... im Hospiz war er dabei als sie schon weit fort war, er malte ihr auch ein Bild...das gaben wir ihr mit...es war eine Einladung mit zu uns zu kommen...wir waren grade weg gezogen, hatten eigentlich vor gehabt meine Mutter mit uns zu nehmen...er war bei der Beerdigung...
      wo wir jetzt leben, da hat er die Oma väterlicherseits, kein Ersatz, aber die Position ist wieder belebt, und sie ist sehr lieb zu ihm. Unsere sehr alte Katze starb auch, da begriff er schon mehr sprachlich was Tod bedeutet, und er spricht nur selten über seine "nonna"...er spricht eher in Metaphern, denkt immer an "Fiona" die Feuerwehr (eine Figur aus einem Kinderfilm), ob es ihr gut geht und wo sie ist, und sagt, er wäre bei diesem Gedanken traurig. Ich vermute dass er das Gefühl so zu fassen sucht? Wir sind auch mehrmals in der Woche auf seinen Wunsch am Waldfriedhof hier, da liegt sein Opa (väterlicherseits) und er liebt den Friedhof, es fahren Züge vorbei, er saust auf den Wegen herum und mag es. Ihm ist nicht klar wer wann tot und lebendig ist, fragt z.B. bei Freunden die wir kürzlich trafen "sind sie schon gestorben"? Er fragt auch seine Oma ob sie an Weihnachten noch leben wird (glücklicherweise ist die Oma hier nicht zu erschrecken). Ich habe mit ihm drüber gesprochen, ein Buch gekauft "im Himmel trinkt Oma Tee" - sehr schön illustriert. Ich habe ihm vorgeschlagen einen Brief an "Fiona" zu schreiben, wir schicken ihn dann mit einem Ballon ab. Ich versichere ihm dass Mama und Papa nicht sterben werden, und er auch nicht - denn davon habe ich gelesen haben die Kinder dann große Angst. Ich habe mit dem Umzug versucht ihm eine Umgebung zu geben wo er ein gutes Netz hat - Oma, Onkel, Tante...Freunde mit Kindern...(auch wenn ich mich nach dem Leben vorher zurücksehne, meinem Beruf, der mit vertrauten Umgebung, aber vielleicht auch weil da meine Mutter noch da war?) Du siehst, es sprudelt nur so heraus aus mir und die Trauer meines Kindes ist ein großes Thema.

      Was meine Mutter anbelangt...ich habe das Gefühl sie ist bei mir, wir hatten uns so intensiv, jeder Moment war bitter und süß kaum auszuhalten aber eben auch - so fies der Krebs auch ist als Krankheit - eine Chance auf Abschied, auch wenn wir es nie so direkt ausgesprochen haben. Mir fehlt einfach sie zu umarmen, ihre Stimme zu hören, ihre Meinung zu Situationen, ...ich würde ihr so wünschen ihren Enkelsohn zu sehen...und nun Weihnachten, das erste Weihnachten ohne sie...wir hatten auch viele Konflikte zeit Lebens was ja auch Teil einer lebendigen Beziehung ist wie ich finde, und die haben sich "in Klarheit aufgelöst" manchmal habe ich das Gefühl erst nach ihrem Tod ganz zu spüren und zu erfassen, wer sie war, wer sie ist? Es ist ja auch eine Form der Freiheit aus dem Leben gelöst zu sein, die Prioritäten und Perspektiven verschieben sich wie eine Kommastelle...

      liebe Rabelein (mein Autokorrekturprogramm macht die ganze Zeit "Rebellin" aus deinem Nick, nun schon drei mal) auch dir danke für dein Antwort. Ein wenig habe ich schon in einem Thread von dir gelesen, wie tapfer und mutig du den Tod deiner Tochter verarbeitest, dich damit auseinandersetzt, intensiv, dich dem stellst, voller Liebe im Herzen für dein Kind. Ich kann mitfühlen als Mutter wie es für dich gewesen sein muss und ist, ich musste auch weinen als ich deinen Thread las, und ich hab bewundert wie tapfer du bist. Wie du es formuliert hast .. .dein Leben jetzt als Kunstwerk zu sehen (und hier gibt es ja von der sixtinischen Kapelle, Impressionismus... bis zu 3 Schlitzen in einer Leinwand oder dem schwarzen Quadrat ...unzählige Möglichkeiten) das du jeden Tag, Moment kreierst - das ist sehr inspirierend und stark. Als Katzenfreundin habe ich natürlich auch gleich deine Samtpfoten zur Kenntnis genommen. Wenn ich drohe gefühllos zu werden dann schafft es unser Freund, ein schwarzer großer Kater der den Weg zu uns gefunden hat mit seinem seidenweichen Fell gut dass ich über das streicheln spüre, wie sehr er mein Streicheln genießt und ich dann auch begreife, dass es wichtig ist emotional im Leben und nicht in der inneren Kühltruhe hocken zu bleiben. Geht es dir auch so mit den Katzen? Was das Wandeln anbelangt... ich liebe diese Worte von Rilke...

      Auch noch Verlieren ist unser; und selbst das Vergessen
      hat noch Gestalt in dem bleibenden Reich der Verwandlung.
      Losgelassenes kreist; und sind wir auch selten die Mitte
      einem der Kreise: sie ziehn um uns die heile Figur.

      Liebe Astrid - last but not least, auch herzlichen Dank dir. Ich musste mit dir lachen, über das Elefantenbein. So ähnlich wie der Obelix vor seinen Wildschweinen. Das Bild mit dem Schmeichelstein ist wunderschön, einige Steine habe ich schon in meinem Hosensack...ich stelle mir vor wie ich sie mit meinen Fingerspitzen befühle...da und dort noch eine Kante, kleine Spitze...dann wieder weiche, warme Flächen...der jetzige Trauerbrocken...er liegt zerlegt...und manchmal hock ich drauf und leg das Gesicht in die Sonne und manchmal stolpre ich drüber und hau mir den Zehen oder das "Musikantenbein" ordentlich an...worst case: eine Platzwunde und Beule am Kopf, na bravo...
      Ich habe von dir noch nichts gelesen, bin noch nicht allzu tief eingetaucht in das Forum hier, ich kenne also deine Geschichte nicht aber was ich fühle ist du hast den Ariadnefaden der aus dem Trauerlabyrinth führt...und empfinde Respekt und Mitgefühl vor den Momenten deines Lebens, die dich gelehrt hat so mit Trauer umzugehen. Dass du auch darüber ganz frei lachen kannst ist sehr befreiend! Danke dir dafür. Wie es meinem Kind geht das hab ich oben schon geschrieben, es beschäftigt mich sehr. Mein Mann ist ein typischer Mann in diesem Fall ein Klischee nährend, er hat einen Knoten in der Zunge wenn es darum geht, seine Gefühle auszudrücken. Keinen Knoten im Herzen aber momentan sind wir auf unterschiedlichen Wellenlängen, treffen uns aber ab und an. Er handwerkt auf Teufel komm raus, schleifen, streichen, polieren, räumen...(muss ich mir eine Furnier zulegen um auch so viel Aufmerksamkeit zu bekommen frage ich mich, oder soll ich durchbrennen?) und kümmert sich sehr lieb um unser Kind.
      Unser Umzug war dann fast surreal, das alte Leben komplett weg...ich habe auch den Nachlass noch gar nicht angerührt...die Erinnerungen sind alle verstaut...was traurig ist, ich habe niemandem mit dem ich über meine Mutter so richtig sprechen kann...

      deshalb auch diese vielen Gefühle die mir jetzt von den Fingerkuppen hupfen.

      so, und jetzt werd ich das zügellose Sprudeln, mein geschwätziges Herz mal wieder eindämmen
      ich danke euch von Herzen, ihr lieben weisen Frauen, für eure Zeit und eure Worte,euer Zuhören (ja, ich nenne es so) eure Umarmungen
      und die Einladung hier mit meiner Trauer am richtigen Ort zu sein. Ich freue mich sehr auf einen Austausch mit euch!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Nebelfrau“ ()

      zur Erklärung, wegen dem "liken"... ich habe es schon gelesen...so "aussen vor"...

      haaaaaaahhhhhhhh
      liebe Nebelfrau , <3

      lächel , da zieht ja , wenn ich so dein hier Geschriebenes lese ... eine grosse Nebelwand mal vor dir ... mal hinter dir ... durch und mit deinem NEBEL=LEBEN....
      SAGENHAFT... SCHÖN ... dich mehr und mehr ERLEICHTERND....

      Ja, ich kann dich in mehrerer Hinsicht "verstehen". .. Es ist ja eigentlich "hier" immer ein mitfühlen....

      Ja, mittlerweile empfinde ich es sogar als GNADE , das wir durch die Krebserkrankung uns ... schreibe ich bewusst...
      sehr langsam , aber dadurch auch sehr intensiv erlebend ... diese ZEIT der EINMALIGLKEIT... vieles , fast ALLES hinter sich lassend könnend... erlebt haben...

      Es ist mir ein grosses ANLIEGEN , dir zu sagen...
      das die meisten MÜTTER gerade DANN gehen, wenn ihre Kinder NICHT da sind ....

      die Bande sind da einfach sehr , sehr stark... Wie du richtig schreibst, man kann von der Mutter nur sehr schwer "loslassen"...

      Ja, das Mutter/Tochter Verhältniss ... ist ein wahrlich KOMPLEXES "mehr wie Thema"... Ich gebe dir völlig recht , das zu einer LEBENDIGEN Beziehung Aus-EIN-ANDER -SETZUNGEN gehören...Jede Auseinandersetzung gestaltet ja wieder eine neue Lebensweise...

      Falls du es nicht schon gemacht hast... lies einmal die Beiträge von @marsue ... Ihr Sohn war genauso alt wie dein Sohn...
      und mein jüngster Enkel...
      Mein jüngster Enkel war noch ein paar Tage , bevor Burkard gegangen ist an seinem Bett... und hat ihm ein Schmusetier und einen Lego-Feuerwehrmann geschenkt... Die würden auf ihn aufpassen...
      .Auch mein 6jähriger Enkel und meine Enkelin damals gerade 8 werdend hatten alle diese Unbefangenheit, ihn streichelnd , mit ihm redend ...ja sogar leise im Zimmer spielend... Sie verhileten sich sehr unbefangen.
      Wenn sie mich besuchen kommen, wollen sie auch immer in den Ruhewald gehen....

      Luftballone... die haben wir auch aufsteiegen lassen, gerade auch durch den Ausspruch dieses Enkels , wie er gehört hat , das Burkard gegangen ist...

      Wie "gesagt", mein jüngster Enkel:
      " jetzt braucht Burkard einen Helm und viele "Luftdellons" damitr er WEEEEIIIIIT fliegen kann"...
      Da war er ja noch keine vier...

      Ich würde dir raten, was du ja auch vorhast... ... ZUSAMMEN MIT DEINEM Sohn diesen SOOOO besonderen Luftballon mit dem Brief , den du dann ja schreibst .... zu deiner Mama ,seiner " Fiona " zu schicken ... und ihm vermitteln , das sie sich freuen würde , über ein neues Bild , sehr FREUEN...

      Hier in Deutschland gibt es diese grossen Herzluftballons oder Sternenluftballons ??? damit sie gut fliegen braucht man ja welche , die mit Helium gefüllt sind, aber sie fliegen dann eben sehr schön weit... und das wird deinen Sohn einfach erfreuen...
      Dein Sohn hat schon so viele schöne Rituale FÜR SICH gefunden... Kinder sind da viel , viel unbefangener...

      Hhhhhmmmmhhh
      Ja, die grösste Angst ist es vom Menschen zu sterben... Es ist eigentlich die URANGST ... meiner Meinung nach...
      Bitte tue es nicht als völlige "esoterische Sichtweise" ab...
      aber Kinder LEBEN und FÜHLEN einfach anders...
      der "Austausch zwischen den Welten ist einfach mehr bei ihnen noch da ....ausgeprägter" , weil sie noch nicht so konditioniert sind. in diesem Alter, ....
      was sein kann und was nicht...Man kann es ja auch als die Welt der Fantasie betrachten....

      Ihre Angst zu dem Leben und Sterben ist auch eine ANDERE... sie sind gerade in diesem Alter deines Sohnes unbefangener... Der Tod gehört bei ihnen einfach MIT zum Leben...das beschreibt ja auch deine Geschichte mit der Katze...
      Gerade auf dem Lande erleben sie , wie du ja jetzt auch , dieses , erwachen , erblühen,...zur Reife kommen ...und wieder vergehen ... und wieder ... Ein KREISLAUF eben...
      Ich finde es einfach gut, wenn gerade kleinere Kinder auf dem Land gross werden. später als Jugendlicher oder junger Erwachsener ist dann tatsächlich die Stadt gefragter...

      Dein Sohn will zu dem Grab seines Opas ... Er will !!... also weiss er , das das Leben endlich ist...

      Ich würde ihm sagen ... weil das einfach ehrlicher ist...

      "Papa und Mama leben noch gaaaaaanz lange..., und du du lebst suuuuuuperlang , da hast du selber schon grosse Kinder und ich bin dann Oma ... und...es gibt ganz ALTE OMAS ...die aber fit sind... und das bleibe ich auch " ... In 2 -3 Jahren ändert sich ja auch wieder die innere Einstellung deines Kindes , wie bei allen... dann ist auch die Trauer "anders" geworden...

      Ich könnte noch auf vieles eingehen , aber wir wollen ja nicht ein Zweiergespräch führen , liebe Frau, deren Nebel sich mit der Zeit mehr und mehr LICHTET...

      einen schönen Namen hat dir deine Mama gegeben... Kennst du , oder hatte es deine Mutter "das Silmarilllion" von Tolkin...???

      Da gibt es den Baum des goldenen Lichtes und den Baum des silbrigen Lichtes ...
      weil es noch nicht die Sonne und den Mond gab....
      das war voooooor unzähligen ZEITEN

      silbriges LICHT der Nacht möge dich weiterhin JETZT umüllen
      und mich AUCH ...lächel

      SCHÖN , das du hierher gefunden hast... wirklich SCHÖN
      deine Claudia Amitola

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Amitola (rainbow)“ ()

      Liebe Nebelfrau, <3

      Hab Dank für die Worte Rilkes, die du eingestellt hast.. Ich liebe Rilke. Auf meinem Schreibtisch liegen seine Duineser Elegien. - hier habe ich mich sehr, sehr mühevoll stückchenweise durchgekämpft, nicht alles verstanden, nicht alles erfasst und bin doch irgendwie stark davon gefesselt. - und auf dem Nachttisch : Rainer Maria Rilke, Marina Zwetajewa, Boris Pasternak: Briefwechsel
      Die zehnte Elegie lese ich seit meinen beiden letzten Klinikaufenthalten ganz anders als früher. Hier hat jemand die Schwelle des Todes überschritten, ehe er wusste, dass er im selben Jahr der Leukämie erliegen würde...

      Ich danke dir auch für die lieben Worte, die du an mich gerichtest hast. Sie haben mir gut getan.

      Ja, auch mir geben meine Katzen Halt und Liebe und ich kann so vieles von ihnen lernen. Leider ist mein Kater seit einigen Tagen nicht nach hause gekommen und ich befürchte das Schlimmste, zumal in einem anderen Stadtteil ein Tierhasser ( speziell Katzenhasser ) sein Unwesen treibt. Bitte, drück mir die Daumen, dass mein heißgeliebter Kater gerade ein tolles Abenteuer erlebt dadurch nur ,das heimgehen vergißt....

      Schön, dass du, liebe Nebelfrau, ( auch mir gefällt dieser Name ) uns gefunden hast, auch wenn der Anlaß gar nicht schön ist. Schon jetzt empfinde ich dich als eine Bereicherung.

      Lach - :028: aus rabelein wird bei deinem Autokorrekturprogramm "rebellin". :) Prachtvoll! Passt irgendwie auch. Dabei war ich früher, in jungen Jahren, sooo devot...

      Alles Liebe
      rabelein :24:

      auch von Rainer Maria Rilke:
      " Nie erfahren wir unser Leben stärker
      Als in großer Liebe und tiefer Trauer"
      Liebe Nebelfrau <3

      Auch von mir ein <3 Willkommen :24:

      Es wurde schon sooo schön Dir geschrieben und deine Ausdrucksweise wie Du alles beschreibst und erfasst ist sehr gefühlvoll. Wo soll da bitte eine innere Kühltruhe sein :D ??? Und das Lustige an Kühltruhen ist, dass sie eigentlich von "Wärme-Strom" gespeist werden. :)

      Jetzt im Ernst.... finde es schön,dass Dein Kater Dir dabei hilft. Wenn Katzen nämlich gaaanz entspannt sind ist es fast sooo wie als ob sie nicht mehr existent wären.. sie werden sooo leicht... und das Schöne ist: Sie lassen sich voller Vertrauen beim Streicheln tiiiiieeeeef fallen.

      Wenn ich Tiere zuordnen würde, würde ich sagen, dass Katzen mehr die Mondin sind und Hunde die Sonne.

      Das was zwischen Deinem Sohn und Deiner Mutter passiert ist... der Blick ohne Worte verstehe ich vollkommen. Es gibt manchmal Momente, wo ohne Worte sich Seelen aneinander berühren und in diesem Moment miteinander kommunzieren......

      Es ist so, dass man erst wirklich was nachfühlen kann.. richtig erfassen kann, wenn man es selber erlebt hat. Aber ich kann mir das Leid vorstellen, das das Gehen Deiner Mutter in Dir verursacht hat. Und ich gebe zu, dass ich vor dem Tage Angst habe an dem meine Mutter nicht mehr unter uns weilen wird.

      Und was die Kraftlosigkeit, die Müdigkeit... das Zurückziehen betrifft... kenne ich.. kenne ich...

      Fühle Dich lieb umarmt :24: <3

      Katarina
      Liebe Nebelfrau,
      zuerst mal herzlich willkommen!
      Du hast zu uns gefunden und wirst sehen, dass du hier gut aufgehoben bist.

      Du willst gerne über deine Mutter sprechen? Bei uns gibt es im Kapitel "Dies und das" den Thread "Geschichten über unsere Lieben".
      Ich habe da über meinen geliebten Mann geschrieben, das tat so gut sich endlich mal wieder an schöne gemeinsame Augenblicke zu erinnern, an seinen tollen Charakter, beim Schreiben habe ich ihn damals direkt gespürt.

      Hier kannst du über alles sprechen, jeder von uns ist froh, dass wir uns untereinander austauschen, einander zuhören.
      Das hier ist eine eigene Welt, ohne die betroffenen Gesichter, die wir in der realen Welt bei der Erwähnung von Verstorbenen zu sehen bekommen.

      Erinnern ist wunderschön und hilft auch, die Trauer langsam in Dankbarkeit, dass man so einen einzigartigen Menschen in seinem Leben gehabt hat, umzuwandeln.
      :24:
      Hallo, <3 liebe Nebelfrau! <3

      Ein herzliches Willkommen in unserem Forum, gut dass du hier her gefunden hast. :)

      Obwohl nun fast ein Jahr vergangen ist, seit dem Gehen deiner Mutter möchte ich dir mein ganzes Mitgefühl zum Ausdruck bringen. :24:

      Fühle dich hier verstanden in allen Ausprägungen deiner Trauer, auch zu jeder Tages- und Nachtzeit.
      Meine Vorschreiberinnen haben schon vieles gesagt und ich hoffe es war hilfreich für dich. Sollte manchmal etwas unklar rüberkommen bitte einfach nachfragen denn dem schriftlichen Austausch sind auch gewisse Grenzen gesetzt.

      Auch ich finde deine Ausdrucksweise sehr ansprechend und kann dadurch deine Gefühle gut aufnehmen.
      Ein Jahr ist einerseits lang aber doch definitiv zu kurz um die endgültige Verabschiedung einer Mutter, aus dem realen Leben, zu verarbeiten. Im Herzen haben unsere Mütter ja stets den Platz, der schon immer ihrer gewesen ist. Und, die schönen Erinnerungen sind ohnehin das Paradies aus dem wir nicht vertrieben werden können.

      Einen immer guten und gefühlvollen Austausch wünscht dir, <3
      Anna90
      Liebe Nebelfrau,
      was dein Sohn durchlebt ist ganz besonders und auch ganz normal.
      Kinder in diesem Alter können das Wort für immer noch nicht beGREIFEN.

      Für sie ist es manchmal scheinbar für immer, wenn wir jemanden länger nicht sehen,
      wenn es in der Spielgruppe oder Kindergarten oder auch noch in den ersten Schuljahren
      die Mama, den Papa vermisst. Deshalb kommt die Frage, sind sie tot oder wann kommt Oma wieder.

      Auch Todeswünsche sind eigentlich nur WEG-Wünsche. Wenn ein Kind äußert: Wenn du
      nur tot wärst... meint es meist nur, du gehst mir momentan auf die Nerven, kannst du mich mal
      sein (allein) lassen? Auch wenn du nicht geschrieben hast, dass er das tun würde.

      Wichtig finde ich die Ehrlichkeit gegenüber der Kinder. Auch wenn es schwer fällt, ist es oft
      wertvoller dem Kind zu sagen, dass wir alle einmal sterben und wir hoffen, dass wir noch
      gaaaaanz gaaaaanz lange miteinander leben und wir uns gut vorstellen können, dass wir erleben,
      wie er groß wird, wie er selber ein Kind hat und du als Oma mit diesem Kind spielst, wie du mit
      ihm spielst.
      Ich habe Kinder erlebt, deren Elternteil starb und einmal sagte: Nein, ich sterbe nicht. Und sie
      hatten lange das Gefühl, dieser Elternteil hätte sie belogen. Auch wenn wir alle hoffen, dass das
      nicht geschieht - wissen tun wir es nicht.

      Vor allem ist es auch ein ganz wichtiges, ihn mit dem Realen immer wieder zu konfrontieren:
      die Oma war schon gaaaanz gaaaanz alt und hatte eine gaaaanz gaaaanz schwere Krankheit.
      Und weil der Körper schon gaaaaanz schwach war und nicht mehr funktionierte, starb die Oma
      und der Körper ist tot. Und jetzt kommt es darauf an, was du und deine Familie glaubt. Und auf
      jeden Fall ist es sicher stimmig zu sagen, dass die Oma in unseren Gedanken und Herzen immer
      da sein wird.

      Ich wünsche dir, dass du sehr behutsam mit dir selber sein kannst und dass du das dann auch ganz
      von selbst auf deinen Sohn übertragen kannst. Ja, das ist un-heimlich schwer.

      Alles Liebe für dein LEBEN liebe Nebelfrau und es ist schön, dass du da bist.
      Lg. Astrid.
      Liebe Nebelfrau,
      auch von mir ein herzliches Willkommen!
      Das ist ja ein Grund, warum dieses Forum ins Leben gerufen wurde: Eben weil Trauer meistens nach einem Jahr nicht vorbei ist und die Betroffenen in ihrer Trauer einsam werden, weil alle anderen Schwierigkeiten haben, das nachzuvollziehen, selber nicht mehr trauern und sich vor der Trauer der noch Trauernden schützen wollen, indem sie das Thema vermeiden. Oder aber alle in der Familie trauern so tief, aber unterschiedlich, dass sie die Trauer der anderen nicht verstehen können oder mit sich selbst so viel zu tun haben, dass sie sich nicht auch noch mit der Trauer der anderen Familienmitglieder auseinandersetzen können....

      Das Trauerjahr ist ein Begriff, der auf die Römische Rechtssprechung zurückzuführen ist und war die Frist, innerhalb deren eine Witwe nicht wieder heiraten durfte, weil sie sonst finanzielle Unterstützung verlieren würde. Das "Trauerjahr" hat mit der Dauer des psychologischen Prozesses also nichts zu tun. Es ist fälschlicherweise in die laienhaften Vorstellung von Trauer eingeflossen. Vergiss es also einfach.

      Oder lies mehr dazu ;) : aspetos.com/at/post/trauern-fr…-heute-das-trauerjahr/792

      Psychologisch ist das erste Trauerjahr, das Jahr, indem man zum allerersten Mal den Jahreekreis mit seinen Festen, Feiertagen, Jahreszeiten und dem ganz normalen Alltag ohne den Verstorbenen bewältigen muss. Das ist hart, man lernt viel, eignet sich Strategien an, lernt die unterschiedlichen Gefühle kennen und schon ein bisschen steuern und regulieren, aber der Prozess ist noch lange nicht bewältigt - jedenfalls nicht, wenn ein Mensch verstorben ist, zu dem man eine tiefe Beziehung hat. Man lernt erst allmählich diese Beziehung in eine Erinnerungsbeziehung umzuwandeln, zu akzeptieren, dass ein neuer Lebnsabschnitt begonnen - ohne diesen Menschen, aber mit ihm in deiner Erinnerung und wo immer du glaubst, dass er jetzt ist.
      Die allermeisten Trauernden, die einen Partner, ein Elternteil, einen wichtigen Menschen verloren haben, brauchen um die 3 Jahre. Das ist meine Erfahrung. Dauert der Prozess kürzer, dann war die Bindung nicht so tief. Wenn Kinder versterben, dann bleibt Trauer vielfach ein lebenslanger Prozess, weil die Eltern-Kind-Bindung etwas ist, das über den Tod hinaus bestehen bleibt, sie ist ein lebenslanges Phänomen.

      Lass dir also Zeit.

      Zu deinem 4-Jährigen: Kinder können mit der Wahrheit besser umgehen als man glaubt. Versprich deinem Kind niemals, was du nicht sicher halten kannst. Schon Kinder müssen mit dem Gedanken leben lernen, dass alles Leben endlich ist, wir schützen sie nicht, wenn wir sie belügen. Sei offen und ehrlich, wenn die Frage kommt, ob auch du und der Papa sterben müssen. In der Regel wird das aber erst ein Thema, wenn Kinder ins Volksschulalter kommen. Vorher ist der Begriff des Todes und die Vorstellung, dass der Tod irreversibel und endgültig ist, nicht wirklich erfassbar. Das ist auch ein Schutz. Kinder verstehen genau so viel, wie ihnen gut tut. Ängste können wir niemals ganz verhindern. Die Angst vor dem Tod ist eine natürliche menschliche Urangst, die ja auch die Funktion hat, uns zu beschützen. Und mit dieser Angst müssen wir leben lernen, das können wir aber nur, wenn wir dem Thema Tod und der Angst davor Raum geben.
      Beantworte alle Fragen deines Kindes ehrlich, antworte aber immer nur auf die jeweilige Frage und nicht darüber hinaus. So steuert das Kind die Belastung. Gib nur Antwort, wenn du sicher bist, dass die Antwort richtig ist oder du dir sicher bist ist. Wenn nicht, dann stell dem Kind eine Gegenfrage: Wie stellst du dir das vor? Anhand der Annahmen und Vorstellungen von Kindern kann man sich ein Bild über ihre Gedanken machen und auch darübern, ob sie tröstliche oder beängstigende Phantasien haben. Tröstliche Phantasien kann man stehen lassen, beängstigende und und krasse, nicht der Realität enstrechende Phantasien kann man dann korrigieren. Zum Beispiel die Phantasie, dass den Großeltern "da unten langweilig und kalt ist" oder dass der Tod ein Gerippe-Mann ist, der lautlos kommt und dich mitnimmt. Etc.

      Da gibts mehr dazu in diesem Artikel: aspetos.com/at/post/kinder-und-trauer/28

      Alles Liebe
      Christine
      Liebe Anwesende,

      danke noch einmal für eure mitfühlenden Worte, eure Gedanken, euren Trost.
      Die Vorweihnachtszeit ist dieses Jahr eine ganz seltsame, ich habe das Fest ja so gern mit meiner Mutter geteilt. Und dann diese - ja ich sage es jetzt einmal - grauenvollen Weihnachtsfeiern. Andauernd soll man Alkohol trinken, dabei hasse ich es so. Jaja, ich weiß, man kann nein sagen, tue ich auch, aber es nervt. Ich wollte sogar schon einen "Ablästern über schei++ Weihnachtsfeiern Thread eröffnen...wobei ich derzeit alle Energie verwende um noch die letzten Tage in der Arbeit zu funktionieren, und dann um mich darauf einzustimmen meinem Sohn ein schönes Fest zu bereiten. Wie es wohl euch in der Vorweihnachtszeit ergeht? Ich freue mich darauf etwas Ruhe zu finden, um hier im Forum zu lesen...

      Also wie gesagt, danke für eure Unterstützung. Ich bin richtig überwältigt, aber es hat mir auch sehr viel an Kraft gegeben, endlich darüber zu sprechen, meiner Trauer auch in der Sprache, in der Schrift Ausdruck zu geben, und in eine Resonanz zu setzen.
      Ich habe sogar ein wenig angefangen so darüber zu sprechen, es ist aber immer wieder eigenartig, wenn die Menschen gegenüber dann so unangenehm berührt sind, und ich mich noch gezwungen sehe ihre Peinlichkeit zu überwinden, als hätte ich jetzt etwas falsches gesagt, eben unpassendes, und dann ist es ja auch meine Peinlichkeit, und dann sage ich etwas bizarr Belangloses, über Kekse, oder irgend einen Schmarrn. Jaja, aber komisch ist es auch schon wieder, irgendwie.

      Eigentlich könnte ich ja dann - und du hast Recht Astrid, meine obskure Weihnachtsgeschichte erzählen...die Trauer ist obskur...die Situationen beißend komisch... vor zwei Wochen steht mein Mann bleich vor mir und sagt... du, unser Sohn, der spielt mit etwas ganz Schrecklichem...ich gehe in sein Zimmer...der Kleine hat die Handtasche meiner Mutter hinten in meinem Kasten gefunden und ausgeräumt...er hamstert gerne elsternartig für ihn interessante Gegenstände...er hat sich die Brücke meiner Mutter geschnappt, und hat sie mit seinem Lego-Zug transportiert...es war grauenvoll und bizarr und auf arge Art auch komisch. Da habe ich an euch gedacht, und dachte ja genau, obskur, jetzt habe ich das Erlebnis zum Wort.

      Jetzt trinke ich hier und bin schlaflos, eine Tasse Pfefferminztee...die Schlaflosigkeit ist ein Übel...aber was soll es, nur nicht zu streng zu sich sein, danke für die Erklärung zum Trauerjahr, ich bin sehr froh über diesen Hintergrund, man orientiert ja ob man will oder nicht, oder halt ich, an Normen, schabloniert die Gefühle, setzt sie in Relation, aber hofft natürlich auch auf Besserung. Es tut gut hier Luft zu bekommen, da geht es sicher Vielen so.

      Diese Tage hat meine liebste Freundin eine ernste Diagnose für ihre Tochter bekommen, es sind gute Heilungschancen, aber eine lange auch schwere Therapie steht an. Da dachte ich es ist doch gut dass ich nun weiß, was man braucht, wenn man in so einer Situation ist, da kann ich meiner Freundin beistehen. Nichts ist schlimmer als wenn man in so einer Situation ist und die Menschen treten zurück von einem, man selbst fühlt sich doch eh auch so unpassend, auf einmal aus der normalen Welt gerissen, also so kenne ich das, wie immer etwas daneben stehend, oder steht die Welt neben einem? Deswegen habe ich auch wenig geschrieben, und ich muss das, sobald ich Zeit finde, auch erst einordnen.

      Liebe Katarina, danke für deinen lieben Gruß, ich habe teilweise deine Geschichte gelesen, mit deiner wunderbaren Frau, ihr habt ein sehr aufregendes und schönes Leben zusammen geführt, eine wirklich besondere Zeit, und ich dachte wie schön es ist so eine Liebe gefunden zu haben. Ich kann mir deinen Schmerz vorstellen, und deine Wut? oder Frustration, aber auch die Kraft die du durch diese Liebe hast...du hast so eine Klarheit und Stärke...und ich wünsche dir auch für diese Tage ganz viel an Kraft, und Licht.

      Liebe Rabelein, die Elegien sind ja harter Tobak. Ehrlich, da steige ich manchmal aus, da fangen meine Sicherungen zu glühen an. Ich brauch dann eher Anker- als Flügelworte, manche Gedanken sind auch wie Treibsand ... oder Portwein, und der gute Meister Rilke lässt keinen Stein auf dem Anderen. Ich habe den schönen Thread über Literatur hier gefunden, ich glaube ich werde mich dort anschließen...
      mit hilft derzeit eher Yalom...

      insbesondere auch Danke über die Reflexion der Trauer meines Kindes. Er glaubt ja wirklich dass alle jederzeit sterben können, den Brief wollte er noch nicht schreiben. Ihr habt recht, es ist nicht gut ihm zu sagen dass wir, seine Eltern niemals sterben werden. Wenn ich recht nachdenke wars schon als ich es geschrieben habe seltsam, ich habe es ja so gar nicht zu ihm gesagt, aber im Schreiben ist wohl auch die eigene Angst herauf gekommen, es konfrontiert ja der Tod meiner Mutter mich auch mit meiner eigenen Sterblichkeit...möglich dass hier der Wunsch Vater des Gedankens war. Was ich gut finde ist aber zu sagen dass man lange lebt, eher als dass man noch lange nicht stirbt, und dass mit meinem Sohn am Thema dran bleibe. Danke auch für die Erfahrungsberichte im Forum hier. Es ist schon gut wenn ich mich dem zuwende, die Trauer macht mich ja auch zur Egozentrikerin, bin sehr in meinen Gefühlen gefangen und da läuft man respektive ich Gefahr, den der so zart ist, so verwundbar, zu übersehen.

      Danke auch für euer Willkommen. Ich empfinde es so dass jede und jeder der sich hier öffnet, und Gefühle teilt und/oder mitträgt, eine Bereicherung ist, und es ist schön Teil eures Kreises zu sein.

      Mit herzlichen Grüßen, M.
      Hallo, <3 liebe Nebelfrau M. ! <3

      Schön, dass du dich in unserem Kreis verstanden und angenommen fühlst.

      Deinen Beitrag habe ich mitfühlend gelesen und in ganz Vielem kann ich deine Einsichten, Stimmungen und Haltungen nachempfinden und verstehen. Leider ist es mir heute nicht möglich näher darauf einzugehen.
      Aber soviel...
      Du bist eine Bereicherung für unseren Kreis, danke. :)

      Wünsche dir viel körperliche wie auch mentale Kraft, für alle Herausforderungen des Lebens.
      Alles Gute dir und deiner Familie, :24:
      Anna90
      liebe Nebelfrau , <3 :24: <3 :30: <3

      dieses Avatarbild gefällt mir... Der Vogel auf dem Engel... Einesteils die Trauer ausdrückend , aber durch den Vogel eine lebendige , sogar ein lächeln und dadurch eineLeichtigkeit , ja fast so etwas wie eine Cartoonzeichnung mit dem etwas "schwarzen Humor " dazu,,, bei mir ... hervorrufend ...

      Ich bin im Moment so etwas "TRAUER müde" ... Nicht die Trauer verdrängend ,... das geht nicht... aber ich will dir und hier allen mal etwas lustiges über ein Gebiss erzählen... und Kinder...In diesem Falle war ich das...

      Ich hatte die wirklich große Freude noch eine sehr aktive Urgroßmutter zu haben...Übrigens bis zu meinem 8 Lebensjahr....

      Nichts desto Trotz , trotz Rüstigkeit , sie hatte ein vollständiges Gebiss , :D
      welches sie über Nacht im Wasserglas hatte... Das wusste ich als relativ kleines Kind noch nicht( so ungefähr 5 Jahre alt) .... Auf jeden Fall war sie einmal leicht erkältet und lag im Bett... Ich ging zu ihr rein und brachte ihr den Tee mit Honig ...
      und sah das GEBISS
      und war BEGEISTERT... 8o :8: :028:
      Meine Oma´s hießen :
      eine OMI ....und die andere OMAMA und meine Urgroßmutter war seltsamerweise , von allen so genannt.... Oma Sabine....

      Also sagte ich zu meiner Oma Sabine, nahm dabei blitzschnell das Gebiss aus dem Wasserglas und "klapperte" so damit rum :D ... muss sogar jetzt gerade wieder dabei lachen...
      und sagte : " ICH WILL auch so Zähne haben, ... das ist praktisch...."

      Oma Sabine war nicht streng in dem damals üblichen Sinne ... vielleicht war sie da s auch schon zu weise ... sehr milde, weil sie über 80 Jahre alt war...

      Sie lächelte und sagte: " wirst du schon ... da musst du nur älter werden".... Tjaaaahhh ... sie hat recht (allerdings Teilprothese )... aber bin ja noch "jünger".... :D

      Liebe Nebelfrau, <3
      DANKE , das du wieder hier geschrieben hast mit VIELEN Impressionen aus eurem Leben MIT der Trauer ....
      Jaaa , ich würde auch das laaaaange Leben bei deinem Sohn von euch betonen... sehr laaaanges Leben

      wie oben geschrieben ....
      heute ein bisschen KRAFT tanken...

      fühle dich umarmt ...
      und lächel ... "der Vogel bringts" ... wie du richtig erkannt hast ... wir sind etwas EGOZENTRISCH als Trauernde ... etwas VER-RÜCKT geworden
      deine Claudia Amitola
      Liebe Nebelfrau,
      *LAAAAAAAAAAAAAAAAAAAACH* Ja, du triffst es mit der Brücken-Geschichte sehr gut! Vieles, das mit dem Tod und der Trauer zu tun hat, ist auch grotesk und hat seine eigene Komik. Das ist auch der Grund, dass wir "Professionellen" ein ziemlichen schwarzen Humor entwickeln. Und Humor hilft wirklich! Wenn man im Groteskem das Komische erkennen kann und hin und wieder auch einen gesunden Lachanfall haben darf, dann ist das - neben dem Weinen und dem heulenden Elend- eine erleichternde und entspannende Sache!

      Weihnachten ist so eine Sache. In Familien, in denen niemand fehlt und alles halbwegs normal ist, floppt das ganze Fest oft, weil man sich so anstrengt perfekt zu sein. Die meisten findens anstrengend, weil man doch irgendwelche Erwartungen hat. Und wenn einer fehlt, weil er gestorben ist, dann ist die Lücke umso deutlicher spürbar, weil es doch das Fest der Liebe und der Familie ist, das da begangen werden muss. Kinder helfen hier immer, ein wenig Normalität, Freude und Zauber in ein Weihnachtsfest zu hauchen, auch wenn es einen Trauerfall gegeben hat. Ich wünsch dir, dass dein Sohn euch trotz dem Tod deiner Mutter ein Lächeln auf eure Gesichter zu zaubern vermag..... :)

      Alles Liebe
      Christine