Ich weiß nicht wie ich ohne ihn leben soll

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      Liebe Malena,

      ja hier gibt es einige Landschafts- und Naturschutzgebiete. Die meisten habe ich erst in den letzten Wochen entdeckt. Ich bin gern dort, weil dort Leben um mich herum ist, aber nicht so viele Menschen und keine Hektik. Ab und an lerne ich dort einen Hund nebst Herrchen oder Frauchen kennen. Das Spazieren gehen hilft auch gut gegen die meistens morgens auftretenden Panikattacken.

      Mir ist in den letzten Wochen eine Menge klar geworden, sowohl vor als auch nach der Tagesklinik. Mir ist auch klar geworden, dass nicht die Situation auf der Arbeit allein meine Depression verursacht hat, aber der Abstand von dieser Firma und vor allem von diesem Menschen und seiner Frau ist einfach besser im Augenblick. Ja, die beiden sind nur Menschen und keine besonders einfühlsamen und netten, vorsichtig ausgedrückt. Im Grunde sollten die beiden mir einfach nur leid tun, aber soweit bin ich noch nicht.

      Wie geht es dir denn zur Zeit, liebe Malena.

      Ich wünsche dir eine gute Woche mit vielen kleinen und vielleicht auch großen Lichtblicken.

      Eine Umarmung.
      Andrea

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      Liebe Andrea,
      auch wenn ich immer wieder betone, dass in einer Krise keine existentiellen Dinge verändert werden sollen und keine großen Entscheidungen getroffen werden sollen, frage ich dich jetzt:

      Wie wäre es mit einem Jobwechsel?

      Denn mir kommt vor dass diese Firma und die Menschen ein Grund für deine Krise sind.

      Liebe Andrea, die Spaziergänge, die Zeit für Dich, das Gehen im Naturschutzgebiet, wo es nie leise ist und doch ruhig, ...
      schön, dass du dir was Gutes tust. Du bist es wert.

      Und du bist zu wichtig, um dich von Menschen die

      Andrico schrieb:

      keine besonders einfühlsamen und netten, vorsichtig ausgedrückt

      sind, kaputt machen zu lassen. Darum denk doch vielleicht mal bei einem Spaziergang darüber nach, wohin es dich beruflich zieht. Ob die Arbeit Freude macht und nur die Firma falsch ist oder ob es eine Kombination aus beidem ist.

      Oh, ich glaub da haben wir schon mal drüber geschrieben. Ich muss nachher ein bisschen weiter oben schauen.

      Ich wünsche dir einen feinen und ausgiebigen Spaziergang. Wie lange bist du denn für die 18 km unterwegs?

      Lg. Astrid.

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      Liebe Astrid,

      ja, wir hatten da schon mal drüber geschrieben, aber da hatte ich noch vor, auf jeden Fall noch einmal zurück zu gehen in diese Firma, aber langfristig nicht dort zu bleiben um. Es wäre, so dachte ich leichter, wenn man aus einer gestärkten Position heraus den Job wechselt, aber seit letzter Woche frage ich mich, ob das bei dieser Firma überhaupt möglich ist. Ich weiß, weil ich es bei anderen Kollegen und Kolleginnen mitbekommen habe, dass der Chef sehr zickig reagiert, wenn man kündigt, es sei denn man behauptet, es habe ja nichts mit der Firma zu tun, oder gar mit seiner Person. Aber das möchte ich natürlich nicht. Er sollte schon wissen, warum ich gehe, auch wenn er das nicht glauben wird. Seine Frau ist ja sowieso nicht mehr gut auf mich zu sprechen, weil ich die Therapie bei ihr abgelehnt habe und auch bisher nicht das geringste Bedürfnis gezeigt habe mich bei ihr auszuweinen. Sie hat sich wohl auch schon beschwert, dass ich nie erreichbar wäre, sie habe schon so oft versucht mich zu erreichen. Tatsächlich hat sie es wohl einmal versucht, aber da war ich nicht zu Hause.

      Ja, diese Menschen sind ein Grund für meine Krise und nicht nur für meine. In dieser Firma sind 13 Mitarbeiter, davon haben mit mir fünf Leute Depressionen oder Burnout. Bei jedem von diesen fünf Leuten spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle, aber trotzdem finde ich das einfach erschreckend. Er und unser aller Lieblingskollege bauen Mist, verbreiten Chaos und Schuld sind dann immer die anderen. Ich habe mal mit meinen scheinbar vorhandenen telekinetischen Fähigkeiten einen Drucker kaputtgemacht und alle Mitarbeiter sind nur zu blöd mit den selbstgestrickten Programmen des Lieblingskollegen umzugehen, es ist nicht etwa möglich, dass sie irgendwelche Fehler enthalten könnten. Ich hatte eine Zeugin, dass ich den Drucker nicht mal angefasst hatte, aber das hat gar nichts geändert. Und die liebe Ehefrau vom Chef, es widerstrebt mir, sie Chefin zu nennen, taucht zweimal die Woche in der Firma auf und verbreitet Hektik und erzählt einem was von Buddha und vom Loslassen und möchte am liebsten alle Mitarbeiter mit ihren Handpüppchen therapieren. Ich frage mich unter diesen Umständen wirklich, ob es gut ist, da noch mal, wenn auch nur vorübergehend, hinzugehen. Aber ich werde das in der Tagesklinik mal ansprechen und die fragen, wie sie das sehen, die stecken da ja gefühlsmäßig nicht drin und können mir vielleicht auch noch eine andere Sichtweise vermitteln. Entscheiden muss ich das natürlich selbst.

      Wie lange ich für die 18 km brauche ist eine gute Frage. Ich bin immer so 4 bis 6 Stunden unterwegs, aber ich setze mich natürlich auch mal auf eine Bank und genieße die Sonne, wenn vorhanden. Manchmal gehe ich auch morgens schon mal 1 Stündchen raus und mache Nordic Walking, dann bin ich später nicht mehr so lange unterwegs. Ich laufe auch nicht jeden Tag so viel, manchmal nur 12 oder 15 km und an anderen Tagen auch mal 24 km., weil ich die Wege nicht vorher plane und auch ungern den gleichen Weg zurückgehe, den ich gekommen bin. :)

      Liebe Grüße
      Andrea

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      Liebe Andrea,
      ich wünsche dir ganz viel Erholung, Kraft tanken, Einsicht bekommen und vielleicht auch Entscheidung zu finden, für deine Zeit in der Tagesklinik.
      Deine ausgedehnten Spaziergänge sind so schön, wie du sie beschreibst - so ohne Hektik und Eile, Da-sein und sich spüren,
      schön, dass du was gefunden hast, was dir wohl tut.
      Gehst du bei jedem Wetter los?

      Eine ganz feine Zeit wünscht dir
      Astrid.

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      Liebe Astrid,

      ich gehe bei fast jeden Wetter. Wenn es wie aus Einer gießt oder gewittert warte ich ob es aufhört.

      Ich war heute den ersten Tag in der Tagesklinik. Ist noch nicht allzu viel passiert. Ich habe natürlich meine Mitpatienten kennen gelernt und mit der Therapeutin gesprochen und mit meiner Lieblingsfarbe Schwester, die ich aus der anderen TK schon kenne, sie ist diese und nächste Woche noch Vertretungsberechtigte bei uns. Dort ist einiges anders, weil eben auch alles langfristiger ist, es gibt auch mehr Therapien. Ich weiß nicht welcher Teufel mich da geritten hat, aber ich habe mich auch für das therapeutische Klettern angemeldet.

      Wenn ich es hinter mir habe, werde ich berichten.

      Liebe Grüße
      Andrea