Ich weiß nicht wie ich ohne ihn leben soll

      Ich weiß nicht wie ich ohne ihn leben soll

      Mein geliebter Mann ist heute gestorben. Kurz nach Weihnachten ging er zum Arzt weil er schlecht Luft bekam. Es wurde eine verschleppte Lungenentzündung festgestellt und er bekam Antibiotika. Dann wurde bei einem CT festgestellt, dass er einen Tumor in der Lunge hat. Anfang Januar teilten die Ärzte mir mit, dass er Metastasen im Kleinhirn und in der Leber hätte und selbst mit Bestrahlung und Chemotherapie noch ein Jahr zu leben hätte. Mein Mann war immer sehr dünn und nahm durch die Krankheit weiter rapide ab, Ich habe versucht ihm zu erklären wie es um ihn steht, aber er hat es nicht wirklich verstanden und ich habe es dann erst mal gelassen. Mit künstlicher Ernährung kam er nicht wirklich zurecht. Er sagte davon er könnte das nicht ertragen. In Anbetracht der Tatsache, dass er selbst mit Therapie ja nur ein Jahr hat wollte ich nicht dass er unnötige Qualen erleiden muss und habe den Ärzten gesagt, dass er keine künstliche Ernährung möchte. Die Ärzte meinten sie könnten keine Chemotherapie machen und auch die weitere Bestrahlung könne ihn umbringen wegen seines zu geringen Gewichts. Sie entließen ihn am Freitag nach Hause. Dort habe ich ihm noch mal gesagt wie es um ihn steht und dass ich ihn gern solang wie möglich bei mir haben möchte, aber auch nicht möchte, dass er unnötig leidet. Er sagte er würde es dem Krebs und den Ärzten schon zeigen. Er würde gewinnen. Er sagte er mir heute morgen, er könne nicht schlafen, schon zwei Nächte nicht. Ich habe mit ihm geschimpft, weil er es mir nicht schon vorher gesagt hat. Er wollte immer in Ruhe gelassen werden und meinte er würde schon sagen wenn er etwas braucht oder wenn er Schmerzen habe. Aber er hat mir nichts gesagt, eben erst heute morgen. Ich habe bei unserem Hausarzt ein Rezept für Schlaftabletten geholt. Er nahm eine und konnte immer noch nicht schlafen. Allerdings wurde er immer müder und benommener und dann ist er eingeschlafen für immer. Die Schwester und der Arzt vom Palliativdienst haben mir gesagt, dass er nicht an der Schlaftablette gestorben ist. Es war wohl eine Lungenembolie durch den Tumor in der Lunge. Durch die Schlaftablette hat er das aber wohl nicht mehr so mitbekommen. Ich bin total verzweifelt. Er war alles was ich hatte. Es gibt eigentlich niemanden mit dem ich reden kann im Augenblick. Ein Teil von mir würde ihm am liebsten folgen, aber ein anderer Teil von mir sagt, dass ja auch er niemanden hatte außer mir und ich die einzige bin, die für ein würdevolles Begräbnis sorgen kann und die einzige die ihn wirklich kannte und sich an ihn erinnern kann. Trotzdem weiß ich im Augenblick nicht wie es weitergehen soll, wie ich auch nur diese Nacht ohne ihn überstehen soll. Wir waren über 28 Jahre zusammen und jetzt ist er weg und wird nie mehr zurückkommen.
      Liebe Andrico,

      jetzt bin ich doch schockiert eine so ernste Nachricht hier zu finden, dass dein geliebter Partner gerade heute gestorben ist, das tut mir sehr leid. Wie geht es dir denn? Dass du hier schreibst- hast du denn jemanden in deiner Nähe der dich auffängt, der da ist für dich? Hier im Forum wirst du noch viele liebe Menschen treffen...wenn es auch manchmal etwas dauert...ein paar Stunden...falls es dir gar nicht gut geht, und du dringend Hilfe brauchst empfehle ich dir das Sorgentelefon anzurufen in Österreich
      telefonseelsorge.at und sonst in Deutschland gibt es auch ein Äquivalent. Bitte schäme dich nicht, ich habe das auch einmal gemacht als ich einen ganz schlimmen Moment hatte (nach der Diagnose meiner Mutter, ich lief mit meinem Kind im Tragetuch über Felder und war heilfroh jemanden zum Reden und Zuhören zu haben). Also, das nur falls du jemanden als Person brauchst, um dir beizustehen.
      Ansonsten wünsche ich dir ganz viel Kraft, und dass du heute Schlaf findest
      es muss ein Schock für dich sein, aber wie du schreibst, konnte dein Partner doch friedlich gehen...
      sei herzlich gegrüßt,
      Malena
      Liebe Malena,

      ich danke dir für deine lieben Worte. Er und ich hatten nur uns. Wir beide kamen aus zerrütteten Familien und auch wirkliche Freunde gibt es nicht. Ich möchte aber mit niemanden sprechen weil ich dauernd weinen muss wenn ich rede. deswegen schreibe ich lieber. Der Palliativdienst hier bei uns ist sehr gut. Die Dame wird mich morgen früh anrufen und auch wenn möglich mit zum Bestattungsinstitut gehen um die Einzelheiten der Bestattung abzuklären. Es gibt schon Hilfe, aber im Augenblick bin eben hier ganz allein und es hilft mir schon ungemein hier einfach zu schreiben. Ich habe auch nette Arbeitskollegen und einen netten Chef, der mir obwohl gerade am Anfang des Jahres soviel zu tun ist und meine Kollegin Anfang des Jahres krank war ohne zu zögern Urlaub gegeben hat.

      Ich wusste ja, dass er sterben muss, aber ich hatte es wohl nicht wirklich realisiert und auch dass es schnell geht habe ich einfach nicht erwartet. Ich habe heute morgen noch mit der Pflegekasse telefoniert um eine Pflegezeit zu beantragen. Das Schlimmste ist einfach das Gefühl nicht genug für ihn getan zu haben. Er hat kaum noch gegessen die letzten Tage und vielleicht hätte ich mehr versuchen sollen ihn zu überreden, aber ich wollte ihn ja auch nicht damit quälen. Ich wollte einfach nur, dass er noch ein paar gute Tage hat, aber die hatte er nicht mehr. Ich konnte ihn nicht mal mehr in den Arm nehmen in den letzten Wochen, weil es ihm weh tat. Ich wollte ihm helfen, konnte aber nicht wirklich viel für ihn tun, außer seine Beine zu streicheln und ihm das Essen zuzubereiten, das er gern wollte. aber kaum angerührt hat. Das Einzige was mich tröstet ist, dass er jetzt keine Schmerzen mehr hat. Das Pflegebett was sie gestern für ihn gebracht haben steht noch hier und der Computer den er zusammenbauen wollte bevor er so krank wurde.

      Ich weiß einfach noch nicht wie ich es ohne ihn schaffen soll, aber er wollte dass ich weiterlebe und deshalb werde ich weiterleben.

      Liebe Grüße
      Andrea
      Liebe Andrico,

      Mein Gott ich kann mit dir fühlen ich verstehe das du komplett entwurzelt und traurig bist , es wäre gut wenn du jemand bei dir hättest gerade heute und in den nächsten tagen , gibt es keine Nachbarin oder jemand vom palliativdienst der für dich da sein kann??? Es wäre für dich wirklich gut denn auch wenn Du nicht sprichst aber das Gefühl das jemand neben dir ist hilft ein ganz klein wenig. Den Schmerz kann dir niemand nehmen aber das Gefühl der absoluten Einsamkeit ist zum Schmerz entsetzlich . Schau das jemand an deiner Seite ist wenigstens die nächsten Stunden und tage . Wenn es nicht möglich ist dann ruf wenn dich alles erdrückt wirklich die Telefonseelsorge an , das habe ich auch gemacht wie ich mir gedacht habe ich will ihm folgen , glaube mir die können wirklich unterstützen und ein bischen beistehen , die haben mir damals auch verschiedene leute an die Seite gestellt, ich Weis nicht wie es weiter gegangen wäre wenn ich damals nicht dort angerufen hätte.
      Mitfühlende Grüße
      Petra
      Liebe Andricio,
      mein herzliches Beileid.
      Du bist sehr schnell in diesem Forum und auch wenn es schwer ist heiße ich dich willkommen.
      Ich kann mich nur anschließen: Alle Freunde, Verwandte, Nachbarn, die du magst sollten jetzt mit dir unterwegs
      sein, um dich zu stützen. Ich kann nur hoffen, dass es wenigstens eine Person gibt, die bei dir sein
      kann. Ich schreibe extra nicht "will", denn wollen tun alle etwas ganz anderes - es soll wieder so sein
      wie vorher.
      Du stehst sicher unter Schock und im Schock braucht der Mensch Halt und es soll alles abgenommen
      werden, was selber nicht erledigt werden kann. Ich hoffe, die Frau vom Paliativteam kann dich auch dabei
      unterstützen geeignete BegleiterInnen aus deinem Umfeld zu kontaktieren. Ich hoffe, dass sie für dich auch
      ein paar Anrufe tätigen kann - andere zu informieren ist für viele ganz schrecklich.

      Ich wünsche dir für den heutigen Tag einige Engel (besonders die ohne Flügel) die dich begleiten.

      "Jemand fragte mich, ob ich an Engel glaube.
      Ja, ich glaube an Engel, ich kenne sogar einige.
      Meistens haben sie keine Flügel." frei nach Andrea Schwarz

      Lg. Astrid

      und meld dich hier immer wieder wenn du was brauchst und die Telefonseelsorge ist ein super Tipp.
      Ich danke euch allen für eure lieben Worte.

      Das Problem ist einfach ich kann mich momentan nicht mal aufraffen jemanden anzurufen oder mit jemanden zu sprechen.

      Ich habe mehr und mehr das Gefühl, dass ich nicht genug für ihn getan habe, nicht genug Geduld und Liebe für ihn hatte. Als er im Krankenhaus war saß ich stundenlang an seinem Bett und habe seine Beine gestreichelt und ich bin bei jeder Bestrahlung mit ihm mitgefahren. Ich bin durch die halbe Stadt gelaufen um ihm das zu Essen zu holen, worauf er Appetit hatte und doch habe ich das Gefühl es war alles nicht genug. In der Nacht bevor er gestorben ist habe ich mitbekommen, dass er allein zur Toilette gehen wollte. Ich fragte ihn warum er mich nicht geweckt habe. Er sagte er habe mich nicht stören wollen. Warum? Habe ich ihm das Gefühl gegeben er würde mich stören. Ich habe doch extra bei ihm Wohnzimmer auf der Couch geschlafen, damit ich da sein kann für ihn wenn er mich braucht. Ich hatte die letzten Wochen auch oft Angst und Depressionen und habe es nicht geschafft das immer vor ihm zu verbergen. Ich konnte nicht daran glauben, dass er den Kampf gewinnen kann. Ich hasse mich selbst dafür, dass ich nicht stärker war. Es hat so weh getan wenn ich gesehen habe wie dünn er geworden war und welche Schmerzen er hatte. Ich habe ihm gesagt er soll sich nicht so quälen, und sich Morphin geben lassen, damit er nicht solche Schmerzen ertragen muss. Er wollte das nicht, weil er für mich weiterleben wollte. Ich wollte dass er lebt, aber er da ich wusste, dass er sterben musste wollte ich nicht, dass er diese Qualen mir zuliebe erträgt. Das sind so die Gedanken die mir gerade durch den Kopf gehen.

      Ich sollte das Beerdigungsinstitut anrufen, aber das macht das ganze dann irgendwie noch realistischer und ich muss immer daran denken wie sie ihn in den Leichensack gesteckt haben. Es war so dunkel da drin und ich kann mich im Augenblick auch dazu nicht aufraffen. Alles was ich kann ist weinen, dabei mochte er es nie wenn ich geweint habe. Er würde nicht wollen, dass ich weine, doch ich kann nicht anders.

      Ich bin froh und dankbar, dass es dieses Forum gibt, Es hilft mir schon mir hier alles von der Seele zu schreiben und eure Unterstützung hilft mir sehr, weil ich weiß jeder hier hat einen Menschen verloren, den er liebt und deshalb nachempfinden kann wie es mir gerade geht.

      Liebe Grüße Andrea
      Liebe Andrea ,

      Du hast alles getan was in deiner Macht war und du hast es gut gemacht glaube mir und dein Mann weiß das . Das du weinst und traurig bist ist in Ordnung und dein Mann hat das nur gesagt das es dir vielleicht ein wenig leichter fällt ihn gehen zu lassen , denn das ist ganz wichtig und er hat jetzt keine Schmerzen mehr , es geht ihm jetzt wesentlich besser als dir . Er wird immer bei dir sein, eben nur nicht mehr körperlich, liebe Andrea weine , weine , weine und schreie auch wenn dir danach ist . Aber denke immer daran auch wenn dein mann leben wollte, was wäre das für ihn für ein schmerzvolles leben noch gewesen , und desshalb ist er gegangen bevor er weiter gelitten hätte. Ich Weis das ist schwer zu verstehen aber für deinen Mann war es gnädig. Das du voller Angst und trauer warst ist völlig normal und es wäre unnormal gewesen wenn du es einfach so weggesteckt hättest, es ist auch nicht schlimm das dein Mann es gemerkt hat wir sind alle keine übermenschen.sondern Menschen mit Gefühlen sonst wären wir nicht von dieser Welt. Schau dein Mann wollte nicht das du weinst und traurig bist , aber du darfst weinen und traurig sein er wollte dir damit nur sagen , lebe , lebe , lebe auch ohne mich denn er wusste ganz genau das du nicht mehr weiterleben willst in dem Moment wo er voraus geht . Versuche es ihm leichter zu machen in seinem neuen dasein und versuche zu leben / wennigstens zu überleben bis ihr wieder vereint seid .
      Lg Petra
      Liebe Andrea, natürlich bin ich dir nicht böse. Wie könnte ich?
      Meine Überlegung war einfach, wenn du es alleine in der Nacht nicht schaffst, dass ich, so gut ich kann, für dich da sein möchte.

      Ich wünsche dir von Herzen die Kraft, die du brauchst um zu trauern und irgendwann gut mit deinem schweren Verlust umgehen zu können. Wir sind tatsächlich nicht getrennt von unseren Verstorbenen, sie sind halt nur nicht mehr sichtbar, so wie wir es gewohnt waren. Aber sie teilen sich in Träumen mit und geben uns Hilfestellungen.
      Die Seele eines Menschen geht niemals verloren. Niemals.
      Ich umarme dich, Evelyn
      Liebe Andrea,
      war die Hospizmitarbeiterin schon bei dir?
      Bitte sie die Anrufe zu machen.
      Du hast alles Recht zu weinen und dein Mann würde es in der umgekehrten Situation auch tun und ich bin überzeugt, dass er es versteht. Es ist doch eher so, dass es nicht unbedingt stört, dass Menschen weinen sondern es kaum zu ertragen ist, sie leiden oder traurig zu sehen. Du bist jetzt traurig und Tränen sind der Ausdruck dafür.
      Sei nicht so streng mit dir, deine Welt liegt gerade in Trümmern, also tu alles, was dir wohl tut. Und weine und schreibe und versuche die Kraft zu finden, Menschen um Hilfe zu bitten.
      Lg. Astrid.
      Liebe Petra,
      danke für deine aufbauenden Worte. Ich glaube ich werde noch lange Zeit das Gefühl haben nicht alles getan zu haben. Ich konnte nicht gut damit umgehen, dass er so selten gesagt hat wie es ihm geht. Ich habe natürlich gemerkt dass er Schmerzen hatte aber er wollte nicht, dass den Arzt hole, damit er ihm andere Medikamente gibt. Er war früher schon nicht ganz gesund er hatte Migräne und Rückenschmerzen. Das war auch der Grund warum wir nichts gemerkt haben bis es zu spät war. Er hat die ganzen Beschwerden die er hatte auf seine Migräne geschoben und weigerte sich zum Arzt zu gehen. Die Migräne hatte er schon seit seinem 11. Lebensjahr, aber die Kopfschmerzen und die anderen Beschwerden die er dann hatte waren wohl schon von den Metastasen im Gehirn. Letztes Jahr im April wurde bei mir Hashimoto diagnostiziert. Ich bekomme Hormone dagegen, aber zum Winter hin haben die Symptome sich wieder verschlimmert vor allem Depressionen und Müdigkeit. Das hat es mir natürlich nicht gerade leichter gemacht mit der ganzen Situation umzugehen. Aber ich hoffe, dass er wusste wie sehr ich ihn liebte und noch immer liebe.

      Liebe Evelyn,
      du hast recht, die Seele geht niemals verloren. Ich sollte dankbar sein, dass ich ihn 28 Jahre bei mir haben durfte und dass er hier zu Hause friedlich sterben durfte. Trotzdem hätte ich ihm gern noch so vieles gesagt. Ich weiß er ist jetzt in einer besseren Welt und irgendwann werden wir uns wiedersehen, aber mein Herz hat das noch nicht begriffen und wird auch lange Zeit brauchen das zu verstehen.

      Liebe Astrid,
      Ja die Hospitzmitarbeiterin hat für mich beim Bestattungsunternehmen angerufen und ist auch mit mir zusammen dorthin gegangen. Die Krankenschwester vom Hospitzdienst hatte mir dieses Unternehmen empfohlen und die waren auch wirklich sehr nett. Jetzt habe ich zumindest das Gefühl das Wichtigste für ihn geschafft zu haben. Um die anderen Dinge werde ich mich morgen kümmern.

      Liebe Grüße
      Andrea
      Liebe Andrea ,

      Glaube mir er Weis es das du alles getan hast und er Weis auch wie sehr du ihn liebst . Er wird immer da sein und rede mit ihm wann immer dir danach ist er wird dir helfen und dir zur Seite stehen, du wirst es merken und spüren . Er wird für dich da sein wie im leben nur eben nicht mehr körperlich .
      Sehr gut das die hospitzmitarbeiiterin dur hilft , scheue dich nicht weitere Hilfe zu holen .
      Liebe und mitfühlende Grüße Petra
      Liebe Petra,

      ich glaube du hast recht. Ich habe ihm eben einen langen Brief geschrieben und das tat wirklich gut. Vielleicht hat man immer das Gefühl nicht genug getan zu haben oder dass man etwas besser hätte machen müssen. Ich wusste er würde sterben, aber ich habe nicht damit gerechnet dass es so schnell geht und habe immer gehofft, dass er noch ein paar schöne Tage hat wo es ihm einigermaßen gut geht. Ich habe letzte Nacht von meinem Vater geträumt. Mein Vater starb vor 28 Jahren und es war mein Mann der mir damals über das Schlimmste hinweggeholfen hat. Ich glaube mein Papa und mein Mann hätten sich gut verstanden, sie hatten einiges gemeinsam. Vielleicht ist mein Mann jetzt da wo mein Papa ist und beide schauen mir zu und denken an mich. Es wäre schön wenn mein geliebter Ernst nicht allein wäre wo immer er auch ist. Er selbst hatte keine Eltern, die ihn geliebt haben, ich hatte wenigstens meinen Papa.

      Ich möchte mich ganz herzlich bei dir bedanken liebe Petra und auch bei allen anderen hier. ohne euch, ohne dieses Forum hätte glaube ich nicht die letzte Nacht überstanden und auch den heutigen Tag nicht.
      Liebe Andrea ,

      Du musst dich nicht bedanken das ist hier selbstverständlich für alle hier , wir sitzen hier alle in einem boot bzw haben den gleichen Schmerz und können sosehr verstehen was in dem anderen vorgeht . Dein Ernst ist mit Sicherheit von deinem Papi empfangen geworden , das wollte er dir mit dem traum auch sagen , das du das in deinem plötzlichen schock und Schmerz nicht erkannt hast ist völlig normal. Glaube mir dein mann ist nicht alleine , und du auch nicht , auch in der Zukunft nicht er ist immer bei dir . Rede mu ihm wann immer dir danach ist , schreibe ihm . Denn er wird dich auch in deinen träumen besuchen und dir immer zur Seite stehen . Dann wird es dir auch beim etwachen ein klein wenig besser gehen dein ernst ist nicht weg er ist nur etwas eher voraus gegangen jedoch nicht ohne weiterhin auf dich zu schauen und bei dir zu sein . Schreibe wann immer dir danach ist hier es ist immer jemand für dich da egal zu welcher Tages oder nachtzeit .
      Halte deine Verbindung zu ernst egal in welcher Form und bleibe offen für seine Zeichen .
      Innige und mitfühlende grüsse
      Petra
      Guten Morgen liebe Petra,

      ja es war erträglich. ich konnte etwas mehr schlafen.

      Er hat asiatische Musik geliebt (chinesisch, koreanisch, japanisch), wir beide haben sie geliebt. Gestern habe ich mir ein Lied von Andy Lau angehört, dass er besonders mochte und das auch gerade sehr passend ist. In dem Lied geht es darum, dass eine Frau sehr schwer krank ist und sterben muss. Andy Lau singt davon wie schwer das Leben ohne sie sein wird und dass er nicht weiß wie er sich an eine Welt ohne sie gewöhnen soll, aber er müsse wahrscheinlich ganz viel üben dann würde er sich vielleicht irgendwann an die Welt ohne sie gewöhnen. Er fand dieses Lied so schön, wenn es auch so traurig ist und als ich es gestern hörte fühlte ich mich irgendwie nicht so einsam.

      Ich weiß, dass jeder hier das gleiche durchmacht wie ich im Augenblick und der Unterschied besteht nur in der Frische der Wunde, nicht in der Tiefe.

      Ganz liebe Grüße
      Andrea
      Liebe Andrea ,

      Das finde ich sehr schön und immer wenn du dir dieses Lied anhörst wirst du ihm besonders nahe sein , behalte das bei vieleicht auch noch andere Gemeinsamkeiten die ihm euch gefallen haben. Ja ich gebe dir recht es geht um die frische der wunde und nicht um die tiefe . Ich wünsche dir von herzen einen in deiner Situation erträglichen Tag.
      Schreibe wann immer dir danach ist und mache alles was dir heute irgendwie ein bischen hilft .
      Lg und fühle dich gedrückt Petra
      Liebe Andrea,

      wie gut dass du die Nacht soweit überstanden hast.
      Ich kann mir nur vorstellen wie frisch noch immer der Schmerz bei dir ist, es muss ja alles sehr schnell gegangen sein.
      Was deine Überlegungen und wie sagt Yalom "frei flottierenden Schuldgefühle" anbelangt, die kenne ich.
      Ich habe meiner Mutter die ich drei Jahre bis zu ihrem Tod begleitet habe (ebenfalls eine Krebserkrankung) so oft etwas Gutes gekocht und war dann ganz gekränkt, auch wütend dass sie nur ein paar Bissen genommen hat und dann das Essen weg geschoben hat. Ich habe das sogar als persönliche Kränkung erlebt, obwohl ich eigentlich wusste dass die Krankheit, die Therapie, die Medikamente ihr den Appetit nehmen - und sie das auch sagte.
      Naturgemäß entstanden so auch Spannungen, ich wünschte mir natürlich sie wäre so wie ich sie kannte, und dass sie es nicht war, dass all meine Bemühungen sie nicht wieder gesund machten, das war das Gefühl wenn ich jetzt so nachdenke, und möglicherweise geht es dir auch so.
      Man fühlt sich auch manchmal schuldig weil man selbst gesund ist und der andere Krank?
      Schuldgefühle bahnen sich die absurdesten Wege.

      Heute bin ich überzeugt dass meine Mutter mich nicht so belasten wollte. Der Schatten der Krankheit hat uns ordentlich auf die Probe gestellt.
      Dass künstliche Ernährung eine qualvolle Lebensverlängerung bedeutet, dass man auch über Infusionen diskutieren kann, dass Palliativmedizin etwas ganz anderes bedeutet, etwas ganz anderes heilt - als die Medizin der Maximaltherapie, die auf Gesundung des Körpers, auf Wiederherstellung ausgerichtet ist, die dann auch gewissen Ansprüche erfüllen muss (die oft aber dann auch unweigerlich quält, ohne es zu wollen - schmerzhafte Untersuchungen etc.), dass Leute Medikamente ablehnen aus Angst dann "weniger klar", weniger sie selbst zu sein ,.... dass kannst du am besten mit den Leuten vom Palliativteam besprechen, so meine Erfahrung. Sie kenne sich mehr als gut aus und können dir alle Fragen beantworten, und du bist nicht die Einzige, der es so geht. Ich rate dir das ganz offen zu artikulieren, sie werden dir deine Schuldgefühle nehmen können.

      Du hast so viel getan, du hast es ausgehalten, ertragen.
      Sei stolz auf dich, darf ich das so sagen?
      Wenn du schreibst du hast seine Beine gestreichelt, dann ist das so lieb.
      Ich glaube dass sich die Wahrnehmung, wenn man stirbt, verschiebt. Man ist ans Bett gefesselt und spürt, wie sich der eigene Aktionsradius verkleinert. Man ist auch nach innen gekehrt, der Mensch verabschiedet sich von der Welt. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen als das was du getan hast: da zu sein und ihm sanft die Beine zu streicheln.
      Er dufte dann einschlafen, und er hat sich ja auch selbst klar für diesen Weg entschieden.
      Die Herausforderung, den Weg mit zu gehen soweit es ging, lag bei dir.

      Ja, mehr kann ich nicht sagen außer
      dass ich dir natürlich viel Kraft wünsche
      und Tränen, Tränen
      und dazwischen ein aufatmen
      und einen guten Schlaf,

      sei umarmt so du magst
      Malena

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