Tod meines Vaters

  • Guten Abend, in meiner Verzweiflung habe ich dieses Forum gefunden und hoffe auf etwas Gehör und Verständnis.

    Vor drei Wochen verstarb mein Vater. Er war unheilbar krank , was er uns allen aber erfolgreich verschwiegen hat. Wir wussten nur von seinem schwachen Herz. Seinen Husten und die Gewichtsabnahme brachten wir mit einer überstandenen Lungenentzündung in Verbindung. Vor etwa zwei Monaten klagte er dann über Luftnot, begründete es mit einem Medikamentenwechsel. Trotz allem musste er ins Krankenhaus wegen akuter Luftnot. Und wir erfuhren von seiner Krankheit , Endstadium. Die Ärzte konnten ihn nicht mehr heilen ,nur seine Luftnot lindern. Mit einem Sauerstoffgerät kam er nach Hause. Er konnte allein aufstehen und laufen. Jedoch wurde er von Tag zu Tag schwächer. Ich konnte eine Auszeit von der Arbeit nehmen ,um ihn zu pflegen. Meine Mama hatte vor vielen Jahren einen Schlaganfall und kann die linke Hand nicht benutzen.Anfangs ging ich im Haushalt zur Hand und bereitete Mahlzeiten zu. Um die Körperpflege kümmerte sich der Pflegedienst. Dann übernahm ich zb auch die Zahnpflege, und zuerst ungewollt den Windelwechsel. Er war innerhalb weniger Tage inkontinent. Es war eine große Überwindung, ich hatte Angst davor und auch ein Schamgefühl. Aber ich konnte doch meinen Papa nicht mit einer vollen Windel ins Bett legen. Er hat sich ein Leben lang um mich gekümmert und gesorgt. Zwei Wochen nach seinem Krankenhausaufenthalt konnte er nicht mehr aufstehen ,auch nicht mit Hilfe. Essen war kaum möglich , ich lief jeden Tag zum Einkaufen auf der Suche nach etwas Schmackhaftem und Weichem in Einem. Ich freute mich über jedes kleine Häppchen, was er zu sich nahm. Ich musste ihn inzwischen füttern. Er wurde immer schwächer und einem Tag vor seinem Tod konnte er kaum noch essen und trinken. Ich verbrachte diesen ganzen Tag bei ihm, legte mich mittags mit zu ihm. Wir hielten uns bei der Hand und hörten Musik mit Waldgeräuschen. Er war wie geistig weggetreten , aber ich weiß das er alles mitbekam. Er konnte leider nicht mehr reden in den letzten Tagen. In dieser Stunde nahmen wir Abschied. Ich konnte nicht reden ,aber ich bin sicher das er mich verstand auch ohne Worte. Erst kurz vor Mitternacht ging ich schlafen. Vier Uhr morgens schlief er im Beisein meiner Mama ganz friedlich und ohne Schmerzen ein. Das ist mein großer Trost ,das er nicht leiden musste.

    Nun ist alles anders. Die Welt ist leer. Ich wünsche mir Trost und kann es doch kaum ertragen ,wenn jemand mich anspricht. Ich muss mir Bilder anschauen und verstehe es nicht ,das er innerhalb von wenigen Wochen verstorben ist. Ich bin dankbar für die Art seines Todes ,aber tieftraurig das er nicht mehr bei uns ist. Er war 86 Jahre alt und trotzdem hätte ich noch so viel mit ihm machen wollen. Er war nicht nur mein Vater , sondern auch ein Freund ,ein Retter ,ein Zuhörer, ein Lieblingsmensch. Ich vermisse ihn so schrecklich.

    Meine Schwester war zu der Zeit krank und musste operiert werden. Als sie wieder zu Hause war ,meinte sie den Druck nicht mehr auszuhalten und raus zu müssen. Sie fuhr mit ihrem Mann einige Tage weg und ließ mich allein mit meiner Mama und meinem sterbenden Vater. Sie hatte damals meine Mutter nach ihrem Schlaganfall betreut. Ich verstehe das sie Angst hatte vor einem weiteren Pflegefall ,aber ich fühlte mich so allein. Sie hat auch nur kurz geweint nach seinem Tod , wo ich mich vor weinen manchmal nicht mehr einbekomme. Auch ging sie sehr schnell wieder zur Tagesordnung über ,ich war erstmal platt und fühlte mich zu nichts fähig, nicht mal zum Einkaufen.

    Meine Mama habe ich jeden Tag angerufen. Wir haben dann jedes Mal geweint und sie meinte , ich sollte sie nicht mehr anrufen weil wir immer weinen. Ich meinte das es doch normal ist und man auch gemeinsam weinen kann ,aber sie denkt wir sollen lieber lachen. Ich verstehe die Welt nun nicht mehr und habe eine Woche jetzt nicht mehr angerufen. Gehört weinen nicht zum Verarbeiten ? Ich lache auch gern und oft. Im Moment überwiegt aber das Weinen.

    Ich bin einfach untröstlich. Ich wünsche mir einen Weg zu finden ,ins Leben zurück.

  • Liebe Ros


    Mein Mitgefühl zum Tode deines Vaters, jeder Verlust eines geliebten Menschen ist eine Tragödie.

    Wilkommen hier im Forum, hier triffst du auf Menschen, die auch einen geliebten Menschen verloren haben.


    Liebe Grüsse

    Thomas

  • Lieber Thomas,

    vielen Dank für Deine Zeilen. Es tut gut , Anteilnahme zu erfahren. Im Moment möchte ich nur noch weinen. Ich habe mir in den letzten Jahren manchmal Gedanken gemacht wie es sein wird , wenn...Der Schmerz den ich jetzt fühle übertrifft alle meine Vorstellungen. Und die Welt ist gleich und doch ganz anders.

  • Liebe Ros

    ein herzliches Willkommen hier bei uns.


    Es war eine schwere Zeit bis zum Tod deines Vaters. Und jetzt sind erst drei Wochen vergangen. Es wird dauern.


    Hat dich das Verhalten deiner Schwester und deiner Mama irritiert oder war es mehr?


    Vielleicht will deine Mama dich schützen, damit du nicht so viel weinen musst. Eine Mama will ihr Kind nicht leiden sehen

    und in der Generation deiner Mama (wenn sie in einem ähnlichen Alter, wie dein Papa ist) ist es noch üblich zu denken:

    wenn ich nicht daran denke und es nicht immer wieder hoch hole, dann wird es besser. Leider ist das nicht so. Ob deine Mama

    das noch anders sehen wird, das weiß ich nicht. Ich möchte nur dich bestätigen, wenn du deinen Schmerz und deine Trauer zulässt.


    Deine Schwester braucht vielleicht etwas zu tun, es ist ihre Art mit der Trauer umzugehen. Es ist nichts falsch, wenn es darum geht,

    die erste Zeit irgendwie zu überleben. Jeder Mensch hat dazu eigene Strategien.


    Ich wünsche dir für heute einen leichteren Moment, in dem du eine Erinnerung deines Papas tief in deinem Herzen spürst.

    Lg. Astrid.

  • Liebe Astrid,


    danke für Deine lieben Zeilen, ich freue mich so sehr das du mir geschrieben hast. Ich muss gleich weinen, egal was macht das zur Zeit schon ein Mal mehr oder weniger. Und vor Freude ist doch schön.


    Meine Schwester hatte viele Jahre kein so gutes Verhältnis zu meinem Vater. Nach dem Schlaganfall meiner Mama hat sie sich halt um vieles gekümmert und mein Papa empfand das oft als Einmischung. Ich dachte, das sie trotz allem auch trauert weil mein Vater ein guter Vater war. Ich kenne halt nur weinen als Reaktion, ich bin die Heule- Eule und ja da hat mich meine Schwester mit Ihrem Elan doch irritiert.


    Ich denke inzwischen auch, das meine Mama mich eher schützen möchte. Inzwischen haben wir telefoniert und auch das Thema Beisetzung kurz angesprochen. Sie wirkte sehr gefasst. ich wusste nicht, das es generationsabhängig ist mit den Gefühlen zeigen. Als mein Vater im Krankenhaus war, hat mir die Mama einiges von früher erzählt. Vorher haben wir nie über so etwas gesprochen. Ich hoffe nicht, das sie durch ihr jetziges Schweigen vielleicht krank wird. Ich weiss aber nicht, wie ich sie unterstützen soll.


    Morgen gehe ich wieder zur Arbeit. Mir graut vor den Beileidsbekundungen, wo ich so nah am Wasser gebaut bin zur Zeit. Aber ich freue mich auch auf meine Aufgaben. Hier zu Hause denke ich viel nach. Oft sehe ich in gedanken meinen Vater, als er schon nicht mehr ganz in dieser Welt war. Er hatte immer so eine Art, die Augenbrauen zu kräuseln, das hat er am Ende immer gemacht statt reden. Es sind so kostbare Erinnerungen, aber im Moment tut sie nur weh.


    Leider hatte ich heute keinen solchen Moment, aber es kommt ein Morgen :)


    LG Ros

  • Liebe Ros,

    wie war dein Arbeitstag? Gibt es bei euch in der Firma einen Krisen- oder Trauerbeauftragten? Manchmal ist es so, dass zuerst Gespräche geführt werden, wie die trauernde Person wieder integriert werden will, ob sie Beileidsbekundungen mag oder nicht, ob sie darüber reden will und wenn ja, wann - unter der Arbeitszeit oder lieber in der Mittagspause. Das sind in meinen Augen wichtige Informationen für die Mitarbeiter. Wenn es das bei euch nicht gibt, dann kannst du vielleicht ein Mail rund um schicken mit "Verhaltenswünschen". Ich habe damals den Segen der Trauernden genommen, ich fügen ihn dir hier ein. Vielleicht hilft es dir ein bisschen. Sei ganz lieb gegrüßt und ich denke an dich.
    Astrid.


    "Segen der Trauernden"

    Gesegnet seien alle,

    die mir jetzt nicht ausweichen.

    Dankbar bin ich für jeden,

    der mir einmal zulächelt

    und mir seine Hand reicht,

    wenn ich mich verlassen fühle.


    Gesegnet seien alle,

    die mich immer noch besuchen,

    obwohl sie Angst haben,

    etwas Falsches zu sagen.


    Gesegnet seien alle,

    die mir erlauben,

    von dem Verstorbenen zu sprechen.

    Ich möchte meine Erinnerungen

    nicht totschweigen.

    Ich suche Menschen,

    denen ich mitteilen kann,

    was mich bewegt.


    Gesegnet seien alle,

    die mir zuhören,

    auch wenn das,

    was ich zu sagen habe,

    sehr schwer zu ertragen ist.


    Gesegnet seien alle,

    die mich nicht ändern wollen,

    sondern geduldig so annehmen,

    wie ich jetzt bin.


    Gesegnet seien alle, die mich trösten

    und mir zusichern,

    daß Gott mich nicht

    verlassen hat...


    Marie Luise Wölfing

  • Liebe Astrid,

    vielen lieben Dank für Deine Zeilen und den Segen der Trauernden. Es sind so schöne Zeilen, wenn auch der Anlass traurig ist.

    Ich habe den Tag gut überstanden. Ich hatte viel zu tun und nicht viel Zeit zum Nachdenken. Meine Kollegen haben sich unterschiedlich verhalten. Wenige kamen zu mir und haben mich in den Arm genommen. Manche haben ein zwei Worte gesagt und manche nichts. Es war alles in Ordnung für mich.

    Mein Papa war immer wieder in meinen Gedanken. Ich sehe ihn ja oft vor mir in seinen letzten Tagen.

    Ich hatte noch nie mit einem sterbenden Menschen zu tun. Warum werden wir so wenig darauf vorbereitet ,einen Sterbenden zu begleiten ? Ich wusste vorher nicht ,wie sterben aussieht. Ich hätte mir gewünscht , mehr darüber zu wissen um für meinen Papa noch besser da sein zu können.

  • Liebe Ros,

    es freut mich, dass der erste Arbeitstag gut lief.


    Du sprichst etwas wichtiges an, wenn du danach fragst, warum wir nicht darauf vorbereitet werden. Früher waren Kinder ganz selbstverständlich dabei. Seit ca. 30 - 40 Jahren hat sich das sehr verändert. Immer mehr will man Kinder schützen und so dürfen sie keine Verstorbenen mehr sehen, manchmal nicht mit zur Beerdigung und vom Sterben reden wir noch gar nicht.


    Der Schutz ist unsinnig. Was es braucht, sind passende Erklärungen für das, was da ist und passiert. Und das hat auch dir gefehlt, auch wenn du kein Kind mehr bist. Das müsste viel mehr geschehen. Tut mir leid, dass du da ein Stück alleine gelassen wurdest.


    Doch ich bin mir sicher, du warst so für deinen Papa da, wie du es konntest. Und das hat er sicher gespürt. Er hat deine Anwesenheit, deine Liebe und deine Fürsorge gespürt, da bin ich mir sicher. Und ich bin mir auch sicher, dass es genau so gepasst hat für ihn.


    Sei lieb gegrüßt

    Astrid.

  • "Die Welt ist gleich und doch ganz anders"

    Damit hast du es auf den Punkt gebracht, liebe Ros!

    Ich habe meinen Vater ebenfalls bis zum Tod begleitet, er ist am 24. Juli 2017 mit 93 Jahren gestorben. Er war bis fast zuletzt gesund, wurde nur im Laufe des letzten Jahres immer schwächer und da bin ich intensiv bei ihm geblieben und war da bis zum letzten Atemzug.

    Sein Tod war berührend und traurig aber dennoch irgendwie normal, vor allem, weil mein lieber Mann mir zur Seite gestanden ist, der meinen Vater auch sehr gern gehabt hat.

    Dieses Jahr im Juni ist dann mein Mann bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen und seitdem liegt meine Welt in Scherben.

    Das ist jetzt 5 Monate her und die meisten Menschen in meiner Umgebung sind ebenfalls der Auffassung, dass man nach vorne blicken sollte. Ich bemühe mich auch sehr darum, aber es ist einfach zu schwer und zu traurig.

  • Liebe Astrid,

    danke das Du Dir Zeit nimmst, um Antworten zu Schreiben. Vier Wochen ist es nun her, das mein Vater verstorben ist. Ich weiß, das ich ihn nie wieder sehen werde und gleichzeitig kann ich es nicht glauben. Wann akzeptiert man es als Realität? Die Arbeit lenkt mich ab und tut mir gut, zu Hause denke ich so oft an ihn und ich vermisse ihn so sehr. Ich hätte mir gewünscht , er hätte noch mit mir sprechen können. Er hat so viel nachgedacht, das habe ich bemerkt. Schade das man sich mit niemandem "draussen" über solche Dinge unterhalten kann. Bei mir ist es so, das keiner reden möchte. Fast alle ziehen sich zurück.

  • Liebe Tigerlily,

    ich habe den letzten Weg meines Vaters ganz ähnlich empfunden wie Du. Berührend. So nah war ich meinem Vater nur als Kind.

    Zum Verlust Deines Mannes sende ich Dir mein Mitgefühl. Nach vorn schauen...ich kann mir vorstellen das es in Deiner Welt durch diese Erschütterung momentan kein vorn gibt. Ich kann Dir den Schmerz nicht nehmen, jedoch wünsche ich Dir für jeden Tag einen Moment erfüllt von Hoffnung. Einen Moment, in dem die Schatten verdrängt werden von Licht und Wärme.

  • Liebe Ros


    Zunächst möchte ich Dir mein herzlichstes Beileid zum Tode deines geliebten Vaters aussprechen.

    Ich verbrachte diesen ganzen Tag bei ihm, legte mich mittags mit zu ihm. Wir hielten uns bei der Hand und hörten Musik mit Waldgeräuschen. Er war wie geistig weggetreten , aber ich weiß das er alles mitbekam. Er konnte leider nicht mehr reden in den letzten Tagen. In dieser Stunde nahmen wir Abschied. Ich konnte nicht reden ,aber ich bin sicher das er mich verstand auch ohne Worte.

    Und ja liebe Ros, dein Vater hat alles mitbekommen. Ihr ward Euch in diesem Moment sehr NAHE. Ihr brauchtet nicht zu reden.

    Es war die Musik mit Waldgeräuschen, die Körperwärme und alle miteinander durchlebten Erinnerungen. Ohne Worte. FÜHLBAR im Herzen.


    Ich hoffe, dass ich es nicht falsch ausgedrückt habe. Zur Zeit rede ich etwas wirr, liebe sogenannte HEULE-EULE. Den Namen finde ich schön.

    Rosi liebte Pinguine und besonders Eulen. Deine Art ist eine neue Unterart, bestimmt endemisch vorkommend, hat Rosi mir nie genannt.


    Vielen Dank für dein Schreiben bei mir.


    Rosi, ja das war der Kosename für meine unendlich geliebte Frau. -- Rosemarie nannte ich Sie nur, wenn wir was ausdiskutieren mussten.


    Sie sagte dann immer: " Wenn Du mich jetzt noch einmal ROSEMARIE nennst, dann ist der Tag für den gnädigen Herrn gelaufen !!"

    Also gab es den Namen Rosemarie ganz ganz ganz selten.


    liebe Grüße,


    Uwe & Prinz

  • Lieber Uwe,

    danke für Deine Anteilnahme und Deine lieben Worte. Die sind schon richtig gewählt, alles was von Herzen kommt benötigt keinen bestimmten ausgefeilten Schreibstil. Die Worte trösten und darauf kommt es an und dafür bin ich dankbar.

    Heute vermisse ich meinen Vater sehr. Schon wieder muss ich Heule- Eule sein, wider willen. Das Weinen entlastet mich nicht. Ich habe ganz merkwürdige Gefühle. Da es draußen kalt und windig ist, möchte ich mich in eine Decke kuscheln, am liebsten noch eine Wämflasche dazu. Das habe ich heute abend auch gemacht und äußerlich ist es warm. Nur innen, da ist eine Stelle die sich nicht mehr erwärmen kann. Da ist eine Leere, es ist als ob etwas fehlt in mir...

  • Heute kam eine ehemalige Kollegin vorbei. "Normalerweise" kommt sie direkt vorbei. Ich hörte ihre Stimme und wunderte mich schon. Dann lief ich ihr über den Weg. Grosses Hallo und dann die Frage wo ich gewesen wäre , sie hätte mich schon so lange nicht gesehen. Ich sagte , das ich meinen Papa gepflegt habe und deshalb nicht arbeiten war. Achso meinte sie und das hätte sie ja garnicht gewusst. Keine Frage wie es meinem Papa geht, fand ich schon komisch. Wenn man jemanden pflegt ??? Ist ja kein Pappenstiel dann. Jedenfalls gleich die nächste Frage , was mein Pflegehund macht. Ich frage ganz erstaunt, woher sie das weiß und da kommt folgende Antwort " Ich weiß alles" Kurze Pause und das bemerken , daß sie sich verplappert hat. Ein Stottern und um eine peinliche Situation zu vermeiden, verabschiede ich mich...Ich bin so sauer , so sauer und enttäuscht. Sie WUSSTE das mein Papa verstorben ist und stellt sich so dumm. Und benimmt sich ,als wäre nichts gewesen. Ich habe vorhin wieder weinen müssen , diesmal vor Enttäuschung. Wenn jemand nicht über das Thema mit mir sprechen möchte , ok. Aber sich verstellen, ich finde das einfach unmöglich. Und mit Verlaub , sie kann mich mal.

  • Liebe Ros,

    ja das ist wirklich unmöglich!

    Und trotzdem passiert es ganz oft.

    Vielleicht wollte die Kollegin einfach normal mit dir umgehen und hat bemerkt, dass das nicht geht - nicht so geht.

    Ich will sie nicht in Schutz nehmen, doch die Menschen im Umfeld sind oft auch nur hilflos und haben so viel Angst,

    etwas falsch zu machen und dann wagen sie den Schritt ... und es geschieht der Fehler.

    Vielleicht magst du ihr mal eine "Anleitung" für die neue Ros geben? Das kann manches leichter machen. Für euch beide.


    Sei lieb gegrüßt

    Astrid.

  • Hallo Ros,


    mein herzliches Beileid zu deinem Verlust!


    Ich kann vieles von dem was du schreibst sehr gut nachvollziehen, ich habe vieles ähnlich empfunden und tue es noch immer.


    In der Trauer ist man sehr verletzlich und dünnhäutig, gerade wenn der Tod des Nahen Menschen noch gar nicht lange her ist.

    Ich habe auch sehr - ich nenne es mal "merkwürdige" Verhaltensweisen von manchen Mitmenschen erlebt.

    Ich war teilweise sehr gekränkt deshalb. So lief zum Beispiel eine Nachbarin meiner Eltern sofort in ihr Haus wenn sie mich sah. Eine Bekannte fühlte sich, als meine Mutter noch lebte, immer bemüßigt, wenn sie mich sah, mir mitzuteilen, wie schrecklich diese ganze Situation doch sei, dass meine Mutter einen schlimmen Tod fürchten müsse, und sie und ich und alle Angehörigen furchtbar arm seien...Ich habe sie richtig gehasst zu dieser Zeit und ging ihr fortan aus dem Weg... Eine nahe Kollegin hat den Tod meiner Mutter völlig ignoriert und getan, als wäre nichts gewesen, kein Wort, kein Nachfragen, nichts...


    Jetzt im Nachhinein sehe ich es genauso wie Astrid. Viele Menschen sind sehr hilflos im Umgang mit Krankheit, Tod und Trauer und verhalten sich äußerst- ich nenne es mal "ungeschickt". Ich nehme es jetzt mit ein paar Monaten "Abstand" den allermeisten nicht mehr krumm, der Bekannten allerdings gehe ich noch immer aus dem Weg...


    Man ist nach so einem Verlust sehr verletzbar! Achte gut auf dich und gehe wohlwollend mit dir um!

    Ich wünsche dir einen möglichst angenehmen Tag!


    Vilja

  • Liebe Heule-Eule,


    habe eben gerade bei Dir gelesen.


    Trotz der jetzigen Vorkommnisse bei Dir, möchte ich für diese Woche an Dich


    viel Kraft und positive Stunden schicken.


    Viele der dir nahestehenden Leute können mit Trauer nicht umgehen.


    Früher lebten mehrere Generationen unter einem Dach.


    Zu der Zeit wurden schon die kleinsten Kinder mt dem Tod konfrontiert.


    Es wurde dann sehr viel in der Familie miteinander aufgearbeitet.


    Heute verteilen sich die Generationen ruckzuck.


    Wegen Arbeit, Studium usw. usw.


    Hatte leider die letzten Tage auch zu kämpfen.


    Ich schaue, wenn ich darf, ab und zu auf deine Seite.


    Liebe Grüße,


    Uwe & Prinz

  • Liebe Heule-Eule,


    lieben Dank für dein nettes Schreiben und Sendung von Kraft.


    War wohl Gedankenübertragung.


    Jetzt sende ich Dir noch einmal besonders starke Kräfte und positive Gedanken,


    denke daran,


    hier im Solling wachsen viele heilsame Kräuter,


    es kommt also eine gesunde Mischung bei Dir an.


    Liebe Grüße,


    Uwe & Prinz

  • Liebe Astrid,

    ich habe schon mehrmals angefangen zu schreiben. Ich verstehe halt das Problem der Anderen nicht. Es MUSS keiner mit mir sprechen. Meine Kollegen haben mir eine Karte geschrieben, alle haben unterschrieben. Manche haben mich extra noch angesprochen, manche nicht. Das ist auch okay beides. Aber mich verletzte in diesem Fall das Verstellen, ich kam mir verar.... vor. Eine Anleitung zum Verstehen. Hm. Im Moment mag ich das bei Ihr nicht.

  • Liebe Vilja,

    vielen Dank für Deine Anteilnahme. Und für Deine Zeilen an mich. Zum Glück verstehen die Menschen hier einander. Obwohl es doch nicht so schwer sein kann, mitfühlend miteinander umzugehen. Ich habe vor vielen Jahren meine beste Freundin verloren. Es war für mich selbstverständlich, nach ihrem Tod ihren Mann regelmäßig anzurufen. Es ist doch überhaupt nicht schwer, andere zu umarmen oder ein liebes Wort zu sprechen. Eine Kollegin meiner Tochter hat ihr das Beileid per Whatsapp geschickt, obwohl sie gerade nur einen Schreibtisch weiter sitzt. Da fällt mir auch nicht viel ein dazu bzw. verkneife ich mir einen Kommentar. Ich habe mich auch nie speziell mit dem Thema Trauer beschäftigt, aber wer ein großes Herz hat, kann doch eigentlich nichts Falsches sagen oder machen.

    Auch ich wünsche Dir alles Liebe, weiterhin Kraft und viel Sonne für die Seele :30: