Die Liebe meines Lebens ist am 12.06.18 um 19:15 Uhr verstorben und meine Welt steht seit diesem Tag Kopf

  • Liebe Gabi,dieser Sommer,die Sonne,unerträglich,diese Sehnsucht und diese Verzweiflung , am Liebsten würde ich mich verkriechen,wenn's gar nicht mehr geht,radle ich auch zu meinem Mann auf den Friedhof,es rinnen zwar die Tränen die ganze Zeit,aber irgendwie geht es mir dann besser.Ich bin bei dir,Adi

  • The First Time Ever I Saw Your Face

    George Michael


    The first time ever I saw your face

    I thought the sun rose in your eyes and the moon and stars were the gift you gave

    To the dark and the empty skies, my love, to the dark and the empty skies.

    The first time ever I kissed your lips

    I felt the earth move in my arms like the trembling heart of a captive dove

    That was there at my command, my love, that was there at my command.

    The first time ever I held you near and felt your heart beat close to mine,

    I felt a joy to fill the earth

    And last until the end of time, my love, and last till the end of time.

    Our love will last till the end of time.

  • Liebling, ich spüre das mich heute eine Woge der Trauer überrollen wird, sie wird mich weg ziehen, herabdrücken . Wehren dagegegen kann ich mich nicht, will ich nicht, habe ich bisher nie fertig gebracht.

    Liebe Gabi, es berührt mich, dass du dich dem Schmerz hingibst. Auch wenn ich weiß, dass kein Weg daran vorbei führt, so ist es trotzdem sehr mutig, ihn zuzulassen und sich nicht dagegen zu wehren.

    Und mir fallen gerade die Worte meiner Hebamme ein: Wenn du dich gegen die Wehe wehrst, wird sie nicht tun können, was sie soll und es wird mehr Wehen brauchen und es wird länger dauern und im Endeffekt wird es viel schmerzhafter sein.


    Den Schmerz in der Trauer vergleiche ich gerne mit dem Wehenschmerz. (Zwar in umgekehrter Form - zuerst ständig und sehr stark und dann mit immer mehr Pausen und schwächer) denn auch in der Trauer ist es so, dass wenn man sich dagegen wehrt, es im Endeffekt viel schmerzhafter sein kann.


    Ich freue mich wirklich über deinen Mut.

    Und wie geht es dir heute?

    Lg. Astrid.

  • Liebe Gabi, (liebe Astrid),

    ich kann so gut nachvollziehen, was Du meinst.

    Es tut mir weh zu lesen, wie sehr Dich jeder Tag schmerzt und quält.

    Und es tut mir sehr leid zu lesen welche Schmerzen Dir das Leben bereitet.

    Und wozu? Für welches Leben?

    Ich verstehe Dich.

    Ich habe mich in den vergangen Tagen überfordert und sitze seit Stunden ratlos, verwirrt und vollkommen erstarrt hier im Haus.


    Ich verstehe zwar Astrids Argumentation, aber dennoch hat mich das Beispiel in meiner momentanen Situation in

    noch größere Verzweiflung gestürzt.

    Denn es benennt ganz exakt das, was mit am meisten zu schaffen macht:

    Meine eigene Veränderung bzw. warum meine Trauer für mich so unfassbar ist:

    Es gibt kein freudiges Ziel, das es zu erreichen gilt und für den sich der "Kampf" lohnt.

    Denn wie in Astrids Beispiel bin ich bisher Krisen, Schmerze und Konflikten nie aus dem Weg gegangen, sondern habe mich diesen

    mehr als mutig gestellt, denn ich hatte ein Ziel.




    Den Schmerz in der Trauer vergleiche ich gerne mit dem Wehenschmerz.

    (Liebe Astrid,

    ich möchte Dir hiermit keinesfalls zu nahe treten, doch genau bei diesem Beispiel wurde mir so klar,

    wo der Unterschied liegt und ich brach erst recht in Verzweiflung aus...)



    Die Wehen "enden" mit einem freudigen Ereignis - für viele Menschen das freudigste und erwünschteste Ereignis ihres Lebens.

    In Hinblick auf ein erwünschtes Ziel waren für mich immer alle Widrigkeiten ohne zu Zaudern zu bewältigen.

    Doch "hinter, nach" der Trauer gibt es für mich kein solches Ziel - das ist der entscheidende Unterschied.

    Wozu aushalten, bewältigen etc. .... wenn das zu erwartenden keinen hinreichenden Grund um zu wollen darstellt... und

    schon gar kein "freudiges Ereignis" garantiert, sondern eine schleppende etwaige Möglichkeit des allerhöchstens noch

    "Zweitbesten Lebens" (bereits sehr optimistisch gedacht), denn das wirklich erwünschte Leben wird sich durch nichts mehr wieder

    herstellen lassen.

    Mein größtes Problem momentan ist daher ich finde keine Möglichkeit "zu wollen"

    dieses Gefühl kenne ich nicht und hatte es auch noch nie zuvor.

    Deshalb stehe ich so komplett erstarrt und alle meine im Leben erworbenen "Krisen-Werkzeuge" versagen...


    Sei fest umarmt, liebe Gabi,

    herzlich,

    Tery

  • sondern eine schleppende etwaige Möglichkeit des allerhöchstens noch

    "Zweitbesten Lebens" (bereits sehr optimistisch gedacht), denn das wirklich erwünschte Leben wird sich durch nichts mehr wieder

    herstellen lassen.

    Mein größtes Problem momentan ist daher ich finde keine Möglichkeit "zu wollen"

    Liebe Tery,


    exakt so...

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Hallo Heinz-Maximilian,

    im Grunde gebe ich Dir recht. Nur trauern die Menschen hier und das Wort froh fällt da eher selten bis garnicht.

    Ich kann mit Deinen Beiträgen leider nichts anfangen, sie sind für mich nicht hilfreich.

    Liebe Grüße Ros

  • Liebe Astrid


    gestern hatte ich keine Kraft mehr um hier um Forum zu schreiben, habe nur gelesen. Du hast geschrieben es sei mutig von mir, mich dem Schmerz zu unterwerfen und mich nicht dagegen zu wehren.


    Für mutig halte ich mich nicht, das Wort Mut gehört für mich der Vergangenheit an, genauso wie mein Leben, ja mein Leben, das was ich seit dem 12.06.2018 ablebe möchte ich nicht so bezeichnen. Den Schmerz ertrage ich vollkommen passiv, zumindest in der Zeit in der ich nicht äußeren Zwängen, wie meiner Arbeit unterworfen bin, weil mich die vergangenen 11 Monate und 23 Tage gelehrt haben, das es für mich vollkommen sinnlos ist meinen Schmerz unterdrücken zu wollen oder mich dagegen aufzulehnen.


    Mir fehlt dazu jegliche Strategie, mangels eines Zieles für das es sich lohnen würde, seit dem 12.06.2018 verharre ich an dem Punkt über ein ab-erleben der Zeit die vergeht nicht hinauszukommen, leben wollen ist das nicht und ohne leben zu wollen, ist es schwierig sich ein Ziel zu setzen, für das man möglicherweise wieder

    mutig nach vorne schaut.


    Zitat von Tery :Mein größtes Problem momentan ist daher ich finde keine Möglichkeit "zu wollen" So ist es bei mir auch.


    Den Schmerz den man über den Verlust des geliebten , wichtigsten Menschen in seinem Leben empfindet, mit den Wehen einer Geburt zu vergleichen ist für mich , entschuldige bitte liebe Astrid, ein hinkender Vergleich, den Du sicher gut gemeint hast, weil er letztlich mit einem wunderbaren Ereignis endet, der Geburt eines kleinen Menschen mit neuem Leben .


    Für meinen Schmerz gilt das nicht, ich wage sogar zu bezweifeln das er jemals endet oder wenigstens erträglicher wird,.


    Wer die Liebe kennt,

    lernt das Leben von innen heraus kennen.

    Und schätzen.

    Lieber Heinz-Maximilian,


    ich kenne die Liebe, eine großartige Liebe,die ich in mir trage , wie alle anderen hier, dann hat das Leben mir den wertvollstes , wichtigsten Menschen genommen, ich lernte es von der schlimmsten Seite kennen,deshalb schätze ich das Leben nicht mehr, es ist weder nicht mein Freund noch so wie es jetzt ist weiter lebenswert für mich.


    LG Gabi & Mäuschen

  • Liebe Gabi,

    ich kann jeden Deiner Sätze nachvollziehen, denn ich empfinde sehr, sehr ähnlich.

    Daher danke ich Dir sehr, dass Du Deine Kraft dafür nützt um das in Worte zu fassen.

    Ich weiß jedoch nie in wie weit dies vermittelbar ist an Menschen, die nicht in unserer Situation sind.


    Mein "Marlene-Haushofer-die-Wand-Gefühl" wird deshalb mit der Zeit immer stärker.

    Ich fühle mich immer einsamer und getrennter von den Menschen - außer von einigen hier im Forum -

    je länger meine Trauer dauert.

    Es ist für fast alle Menschen ohne dieses sich klar zu machen selbstverständlich, dass sie leben wollen.

    (Trotz Krisen und Schwierigkeiten... aber sie KÖNNEN WOLLEN und das lässt sie diese Krisen meistern.)

    Und das ist gut so. Sie hinterfragen das nicht und gehen automatisch davon aus, dass dies bei allen anderen Menschen auch so ist.

    Das ist im "Normalfall" ja auch richtig - außer man trifft Personen wie uns.

    (Vielleicht ist das auch das unbewusst wahrgenommen "Bedrohliche", das von uns auf andere wirkt? Ohne das es ausgesprochen werden muss...)

    Viele Menschen wissen nicht, das es auch ein gänzlich anderes "Lebensgefühl" gibt. Das wußte ich vorher auch nicht...

    Es gibt - zumindest für mich und so wie ich es einschätze auch für Dich - ein Gefühl "das Leben nicht wollen zu können" so sehr

    man dies auch möchte und nichts hilft, was man auch tut. Daran drohe ich zu verzweifeln... nicht an der Schwere des Lebens...

    Dieses Gefühl ist nicht zu verwechseln mit einem suizidalen "Nicht-mehr-Leben-zu-wollen", es könnte sich zwar unter Umständen dorthin entwicklen, doch nur, weil dieses "Nicht-mehr-Leben-wollen" fast einfacher zu ertragen ist als "das-Leben-nicht-wollen-zu-können" obwohl man möchte...

    Alle Ratschläge und Maßnahmen von Freunden sogar von Therapeuten greifen erst nach diesem "wollen können".

    Das ist für mich mittlerweile zu einem schier unlösbaren Kommunikationsproblem geworden... deshalb kann ich selbst auf die aufrichtigste "Wie geht es Dir?" Frage nicht mehr aufrichtig antworten und suche nach vermittelbaren Sätzen (oder Phrasen) von denen ich weiß, dass mein gegenüber sie zumindest halbwegs versteht.

    Denn erfahrungsgemäß ist die wirkliche Bedeutung des "nicht-wollen-können" nicht erklärbar.

    Denjenigen, die dieses Gefühl kennen braucht man es nicht zu erklären, denjenigen die es nicht kennen kann man es nicht erklären.


    Diese der besseren Vermittelbarkeit halber verbogenen Sätze jedoch machen sehr einsam, einsamer als schweigen bzw. man fühlt sich eben wie bei Marlene Haushofer durch eine unsichtbare Wand von den Menschen getrennt.

    Mir fällt es daher mittlerweile einfacher alleine zu sein als mit Menschen zusammen, denn dann spüre ich die Wand nicht.

    Ich finde hierfür immer weniger eine Lösung. Das Leben "wollen zu können" ist scheinbar die unausgesprochene (meist unbewusste) Basis für menschliche Begegnungen. Selbst ein klares das Leben nicht zu wollen, scheint einfacher in Begegnungen zu vermitteln...

    Wenn diese Basis erschüttert ist scheint es keine Verständigung mehr möglich zu sein.

    Es ist wie ein unsichtbarer Riss in dem sich nur die zurechtfinden, die ihn kennen...

    Das ist auch metasprachlich scheinbar nicht klärbar... ich konnte trotz allergrößter Mühe bisher niemandem vermitteln, dass ich alles tue

    und tun würde um "wollen zu können" und das dies nichts mit einem suizidalen "nicht mehr leben zu wollen" zu tun hat.

    Und schon gar nicht damit, dass ich die "Schönheiten des Lebens" nicht wahrnehme und nicht schätzen könnte.

    Das Gegenteil ist der Fall. Die Liebe zur Welt ist denen, die sie sehen können, aber nicht (mehr) erreichen und spüren können oftmals viel klarer

    als denen, die sie spüren... deshalb macht es mich ja noch unglücklicher und verzweifelter, wenn aus diesem Missverständnis heraus mir versucht wird mir von den "schönen Dinge" zu erzählen.

    Ich bin nicht blind geworden. Im Gegenteil.

    Auch das Missverständnis, dass wenn mich scheinbar die "großen Schönheiten" nicht erreichen es bei den kleinen einfacher sei sie zu genießen...

    das stimmt so alles nicht.... wenn ich das Leben obwohl ich möchte nicht wollen kann, dann kann ich nicht damit beginnen in dem ich versuche ein Eis zu genießen...

    Zumindest bei mir funktioniert das nicht so und ich bin mir mittlerweile nicht sicher, ob es überhaupt so funktioniert.

    Denn im Forum habe ich eher nicht den Eindruck, dass ich ein besonders origineller Einzelfall darin bin.

    Ich habe mich sehr oft gefragt woher dieses Missverständnis rührt:

    Menschen, die Trauernden begegnen verstehen ja meistens, dass Trauernde nicht glücklich sind.

    Aber woher rührt dieses Missverständnis, dass man kleineres "gute" Dinge eher "genießen/schätzen" kann als große?

    Warum sollte ich ein Eis oder einen Tee eher genießen können als einen Tanzabend oder Urlaubsreise?

    Ich halte dies wirklich für ein riesiges Missverständnis... aber ich habe einen Verdacht woher dies - zumindest bei mir - rührt:

    Natürlich lasse ich mich eher zu einem Eis überreden

    als zu einem Tanzabend, weil es mich weniger Überwindung und Kraft kostet.

    ABER: Ich genieße weder das Eis noch den Tanzabend. Wer sein Leben nicht wollen kann, kann nichts genießen - die Größe ist nicht der darüber entscheidende Faktor.

    Ich überwinde mich zu einem Eis, um nicht komplett zu vereinsamen und um meinem Umfeld einen Gefallen zu tun.

    Zu einem Tanzabend nicht, da es zu viel Kraft kostet. Nützen tut beides nichts hinsichtlich dessen, was ich als mein "Problem" bezeichnen würde.

    Mich zu etwas zu überwinden ist jedoch kein "Schritt in die richtige Richtung", das ist eine vollkommende Fehlinterpretation.

    "Heute kann sie ein Eis genießen, morgen schon einen kleinen Spaziergang in der Sonne... und so findet sie ins Leben zurück. Schritt für Schritt..."

    Bin ich besonders störrisch? Funktioniert das bei Dir, Gabi, oder bei jemand anderem? Sich von Kleinigkeiten ins Leben locken zu lassen tatsächlich?

    Manchmal macht mich das auch regelrecht aggressiv, weil ich mich von dieser Blick auf Trauer unterschätzt bzw. intellektuell unterfordert fühle...

    denn ich zerbreche mir ständig den Kopf darüber welche einschneidenden Konzepte oder Veränderungen mein Leben bräuchte wie

    z.B. ein komplett Umzug in eine andere Stadt oder Land mit einer passionierten Lebensidee wie eine Tiergnadenhof etc...

    also eine wirkliche Veränderung, um irgendwie das Leben wieder "wollen zu können", denn ohne einen passionierten Plan fürchte ich,

    werde ich es nicht schaffen... und dann soll plötzlich ein Eis zu essen helfen?


    So, das war nun mal wieder ein sperriger Text.

    Liebe Gabi gewährst Du diesem Deine Gastfreundschaft oder soll ich ihn verschieben?

    Danke fürs Lesen,

    herzlichst,

    Tery

  • Liebe Gabi,liebe Tery,wie ihr schreibt,so empfinde ich ganz stark...es ist ja nicht so,dass man nicht leben will,(Suizidgedanken..NEIN)man möchte ja gerne leben,Freude empfinden,Pläne machen,aber wozu?Nicht für dieses aufgezwungene,ungewollte,fremde,verzweifelte Leben.Ich kann es einfach nicht,wenn auch alle Welt meint,du musst halt wollen,dann geht es..eben nicht,momentan habe ich das Gefühl,zwischen mir und der Welt wird der Abstand immer größer,und ich weiß nicht ob es an mir oder den Anderen liegt,es ist mir eigentlich egal,und die Wand(eines der beeindruckensten Bücher meines Lebens)zwischen allem,vielleicht brauche ich die sogar um zu überleben.Ich für mich bin in der Realität noch lange nicht angekommen,der Tod meines Mannes hat mich irgendwie zerbrochen,unsere Welt ist verschwunden und was aus den Stücken wird,weiß ich nicht,ein Ganzes sicher nie mehr.Danke,dass ihr das seid<3Adi:*

  • Liebe Tereschkowa,


    Dein Text ist ganz und gar nicht sperrig. Ich empfinde auch, dass ich "nicht wollen kann", frage mich allerdings gelegentlich, ob dahinter möglicherweise der Gedanke steht: "Ich darf nicht wollen."

    Wenn du das allerdings jemandem sagst, bekommst du vermutlich zur Antwort: "Du musst wollen."

    Sagt wahrscheinlich auch jede Therapeutin oder jeder Therapeut so: "Sie müssen wollen. Denn wenn Sie selber nicht wollen, kann ich Ihnen auch nicht helfen. Warum kommen Sie dann her? Dann haben Sie sich doch aufgegeben."

    Leider ist das aus meiner Sicht sogar richtig. Also: Wenn wir nicht aufgeben wollen, m ü s s e n wir wollen.

    Verwirrrt?

    Liebe grüße

    Frank

  • Liebe Frank, liebe Gabi, liebe alle natürlich,

    Verwirrrt?

    nein, gar nicht.

    Das ist des "Pudels Kern".

    Du sprichst von "wollen müssen" ich spreche von "wollen können", das ist im Prinzip das Gleiche.

    Denn nützt es Dir etwas zu wissen, dass Du WOLLEN MUSST?

    Außer die Verzweiflung zu vergrößern, weil Du nicht kannst?


    Denn was ich meinte: Begegnungen, Ratschläge, Therapien unterstützen dieses WOLLEN bzw. sie beginnen bei diesem WOLLEN.

    Das kann wahrscheinlich gar nicht anders sein...

    Natürlich hat Dein Therapeut recht, wenn er sagt "Sie müssen wollen."

    Aber hat er auch einen Rat, wie Du wieder wollen können sollst?

    Wahrscheinlich nicht...kann er wahrscheinlich auch nicht, denn sein Beruf beginnt erst dort, wo wir (vielleicht noch) nicht sind... ... denn diesen Impuls des "Wollen Könnens" können nur wir selbst

    entwicklen... darum dreht sich bei mir alles.... ICH MÖCHTE WOLLEN KÖNNEN.

    Doch dieser Satz scheint nur denen zur Gänze verständlich, die ihn ein Mal gespürt haben oder noch immer spüren...

    alle anderen verstehen ihn anders.

    Die meisten anderen - auch Therapeuten - gehen davon aus, dass ein "Nicht wollen können, obwohl man möchte" gleichzusetzen sei mit einem "Nicht wollen, weil man nicht möchte" und dort setzen sie an... und erhöhen für mich den Druck bzw. die Verzweiflung, das was ich die "unsichtbare Wand" nenne.

    Es gibt in der Depression ein "nicht wollen können", doch zumindest meiner laienhaften Einschätzung nach unterscheidet sich dieses von dem

    "nicht wollen können" der Trauer. Allerdings besteht dort eine hohe Verwechslungsgefahr - gerade für Therapeuten mit Depressions- aber

    ohne Trauererfahrung.

    Mein Psychiaterin ist bisher die Einzige Person, der ich dies zumindest bis zu diesem Punkt verständlich machen konnte bzw.

    die diese Unmöglichkeit des "wollen können" sieht. Sie kann mir keinerlei Ratschläge geben, aber sie weiß das und versucht es auch nicht.

    Außer: Sie hat mir abgeraten von einer Therapie, da diese erst nach diesem Punkt ansetzt und mich daher nur unnötig Zeit und Kraft kostet.

    Sie meinte nur eine "tiefen psychologische Therapie" hätte eventuell vielleicht Möglichkeiten diesen Punkt des "Wollens" zu ereichen, allerdings auf Grund der Erstverschlechterung rät sie mir davon dringend ab, da ich dazu fragil bin, sondern zusätzlich immer noch nicht "fassen kann"

    was passiert ist. Meine Psychiaterin nimmt mir zum Glück eine Menge Druck in dem sie mir keine Ratschläge gibt und nicht an mir herum zerrt

    von wegen "wollen müssen", denn sie weiß, dass ich "möchte" und "nicht kann"...

    Sie versteht, dass es kontraproduktiv ist und nur unnötige Verzweiflung und Druck aufbaut, wenn man mir mit "schönen Dingen" vor den

    Augen herum wedelt, nach denen ich nicht greifen kann...


    Danke für den Austausch,

    Tereschkowa

  • Ihr Lieben,


    " Funktioniert das.....sich von Kleinigkeiten ins Leben locken zu lassen..." Frage von Tereschkowa


    Ja, funktioniert!!!

    Aber noch nicht jetzt! Erst muss getrauert werden...ganze Seen leer geweint werden ... und dann - ganz schleichend und kaum merkbar -funktioniert es. Plötzlich merkt ihr: der Trauerschmerz ist noch da, aber nicht mehr so vehement und die Phasen in denen man echt Freude empfinden kann werden länger und das Wichtigste: man ist dem Verstorbenen - dennoch - immer noch sehr nah und tief verbunden aber man l.e.b.t. wieder. Man findet wieder Sinn in seinem Leben. Man

    findet wieder seine Mitte.

    Das Leben ist dann eben "nur" anders

    Nicht besser, nicht schlechter, anders halt.

    Aber bis es soweit ist, dauert es. Ganz lange.

    Trauer braucht Zeit!!


    Es ist ja noch alles frisch bei euch.


    Was sind schon Monate?

    Gemessen an der Zeit, die ihr mit euren Partnern glücklich verbracht habt, sind gerade mal Minuten vergangen.


    Habt Geduld mit euch! Vertraut auf die Zeit. Sie heilt nicht, aber sie hilft mit dem Schicksalsschlag umzugehen


    Was ich jetzt geschrieben habe, habe ich mir auch selbst geschrieben:)

    Ich habe mir ganz wichtige Menschen verloren und ich dachte und empfand wie ihr

    und durfte dann aber erleben, dass das Leben wieder lebenswert wurde.

    Jetzt stecke ich durch den Tod des Vaters meiner Kinder wieder in der " Ich-kann-mir-nicht-vorstellen-,dass- es -" gut" -weitergehen -kann"-Phase.

    Aber wie gesagt, es geht und ich klammere mich ganz fest an dieses erfahrene Wissen.

    Es hilft mir beim " Überleben'


    Ich hoffe, ich habe rübergebracht, was ich meine. Ihr wisst ja, mein Deutsch ist nicht so gut und immer, wenn ich emotional aufgewühlt bin, fallen mir die passenden deutschen Worte nicht ein. ( An dieser Stelle. möchte ich für meine Recht- und Grammatikfehler entschuldigen.)


    Eigentlich sollte ich froh sein, denn

    heute hat sich mein Sohn aufgerappelt und ist zur Uni ( erst das 2. Mal in diesem Semester:13: )

    Ansonsten lag er fast die ganze Zeit zusammengerollt im Bett, unfähig etwas konstruktives zu tun. Jetzt ist er weg. Aber, er müsste schon gut 2 Stunden zuhause sein und mein Kopfkino läuft und läuft und läuft.... blanker Horror!

    Ich weiß, 2 Stunden sind nix für einen jungen Mann

    , und er kann ja machen was er will...aber ich habe Angst.

    Ich kann ihn doch nicht anrufen, da fühlt er sich ja kontrolliert ...

    Wahrscheinlich projeziere ich. :4:


    Sorry, das gehört nicht hierher, aber das Schreiben drüber hilft gerade .


    Alles Liebe Euch

    blaumeise :24:

  • Liebe Tery, liebe Adi, lieber Frank,


    jetzt komme ich dazu Euch zu antworten, weil ich meine letzten dringenden Arbeiten hier im Homeoffice erledigt habe, nun habe ich bis 02.07.2019 Urlaub, weil ich nicht weiss wie ich diesen Monat sonst überstehen soll, denn meine Arbeit ist für mich nur noch Pflicht erfüllung und Teil des mir augezwungenen Lebens.


    Liebe Tery, dein Text ist absolut nicht sperrig, sondern wie alle Deine Texte , reflektiert und bringt die Diskrepanz zwischen Uns , die nicht "leben wollen können " und den meisten anderen für die eine solche Haltung/Einstellung nicht nachvollziehbar und nicht verständlich zu machen ist auf den Punkt.


    Den allermeisten Menschen ist eigen, das sie den Willen zum Leben , unabhängig von jeder fast jeder Situation, Krise, intuitiv bei jeder/jedem voraussetzen und ja, auch ich habe bis zum 12.06.2018 so gedacht.Mir wäre es nie in den Sinn gekommen, das ich jemals in meinem Leben mit etwas konfrontiert werde, das mir jegliche Motivation raubt , schlimmer noch, es mir schier unmöglich macht, wollen erst garnicht mehr zu können.


    Kommunizieren lässt sich das nur hier mit einigen, das Umfeld , auch mein Arzt und Therapeut , setzen das "wollen " als selbstverständlich voraus, so das auch ich mittlerweile so gut wie mit niemanden über dieses Gefühl spreche, weil es tatsächlich für einige überfordernd und möglicherweise bedrohlich ist, weil es die Grundfesten des Lebens erschüttert.


    Mir ist nur der Rückzug geblieben, weil ich es nicht mehr aushalte, mich in Phrasen und Sätzen zu äußern die meine Gedanken nicht wieder geben. Natürlich führt dies zu einer fortschreitenden Isolation und verstärkt stetig das Gefühl abgeschnitten zu sein, vom Rest der Menschheit, wie die Protagonistin in Marlen Haushofers Roman :Die Wand, ich befinde mich in der inneren Emigration , weil es mir nicht möglich ist , aus dem "nicht wollen zu können" herauszukommen.


    Ja, diese Theorie der kleinen Schritte , Einladungen annehmen, esen gehen, spazieren, die Sonne geniessen, all das hat man mit mir versucht und ich habe es verzweifelt mitgemacht, anfangs noch glaubend, das könne tatsächlich ein Weg zurück sein ins Leben, leider bei mir ohne Erfolg geblieben, deshalb mache ich das nur noch sehr selten, meist ging es mir hinterher noch schlechter, weil ich mir unzulänglich erschien und undankbar, man sich mehr versprochen hatte von dieser Art "Abwechslung" , einen Effekt bei mir erwartete.


    Klein, klein funktioniert nicht, den großen Schritt wage ich aber noch nicht, denn dieser hieße für mich ,mein altes Leben hier vollkommn hinter mir zu lassen, auch wenn ich Mick mit mir nehme , in meinem Herzen.auch ich denke darüber nach weg zu ziehen, mir etwas anderes auzubauen , es sind bisher nur Gedanken , denn ich fürchte in diesem Jahr noch nicht die Kraft dazu zu haben, so wie ich fürchte dieses Jahr überhaupt zu überleben, einerschreckender Gedanke.


    Für mich ist klar, solange ich es nicht kann " leben zu wollen" , brauche ich mir über die Frage wie ein mögliches Leben für mich aussehen könnte, keine Gedanken zu machen, denn eine Perspektive zu entwickeln bedingt zunächst ein Leben wollen zu können.


    Wobei noch hinzu kommt, das es für mich undenkbar ist, aus den Scherben meines glücklichen Lebens mit Mick, nun ein "geflicktes Leben " zusammen zu frickeln, das ist in jedem Fall undenkbar für mich, weil die riesige Lücke die sein Tod hinterlassen hat, damit manifestiert wird das alte Leben weiter existieren würde , aber ohne ihn , der für mich der Mittelpunkt dieses Lebens war .


    Hoffentlich ist Euch das nun nicht zu wirr, es sind meine Gedanken, andere habe ich nicht, nur noch weitaus düstere.


    LG Gabi & Mäuschen



  • Liebe Tery, liebe Blaumeise und alle Lieben die eventuell noch lesen,


    ich habe für meine Antwort solange gebraucht, sie hat sich daher mit den Beiträgen von Tery und Blaumeise überschnitten, tut mir leid .Jetzt bin ich gerade nicht mehr in der Lage , erneut zu reagieren bzw.zu schreiben, auch das tut mir leid.


    Bitte lasst mir etwas Zeit, vielleicht kann ich später noch antworten.


    LG Gabi & Mäuschen


    P. S. Liebe Blaumeise Du kannst gerne alles schreiben was Dich bedrückt, ich bin froh zu lesen das er wieder zur Uni geht, Du musst ihn doch nicht anrufen,schreib ihm doch erst mal , ich verstehe das Du Dir wegen der Verspätung Sorgen machst und er versteht sicher auch das Du Dir darüber Sorgen machst.