Der 27. August 2018 begann als gemeinsamer Tag in einem wunderbaren Leben mit P. und endete alleine - ohne Leben.

  • Liebe Forums Mitglieder,

    zunächst - herzlichen Dank an Euch. Ihr habt mir in den vergangenen Tagen sehr geholfen!

    Das Lesen Eurer Beiträge brachte mir etwas Ruhe und Mut.

    Ich bin neu im Forum und traue mich noch nicht bzw. weiß noch nicht so recht wie ich im Forum schreiben soll.

    Bitte entschuldigt daher, dass ich nicht gleich ausführlicher schreibe - ich brauche noch etwas Zeit.

    Am 27. August 2018 habe ich meinen Lebensgefährten plötzlich und unerwartet verloren. Mich belasten zusätzlich zu diesem Verlust die Folgen, Bilder und Fragen meiner Verantwortlichkeit in der Situation sehr ... ich habe mir zwar gleich therapeutische Unterstützung gesucht, doch leider eine schlechte Erfahrung gemacht. Der Mann konnte mit Trauer überhaupt nicht umgehen und wurde sehr ungeduldig als ich in der letzten Dezemberwoche vor den Feiertagen nervös und ängstlich war.

    Er meinte es sei nun wirklich Zeit "ich solle diese Episode meines Lebens endlich abschließen" ( das sagte er am 22. Dezember ...) und noch einige Grobheiten mehr, die ich mir erspare

    nochmals wieder zugeben.

    Diese letzte Sitzung (wie - rückwirkend betrachtet- alle Termine bei ihm) hat mir nicht nur nicht geholfen, sondern mir noch mehr sehr zugesetzt.

    Zum Glück stieß ich dann an diesen Tagen - die 300 Stunden zu haben scheinen - auf dieses Forum bzw. Euch. Nochmals: Ganz, ganz herzlichen Dank!

    Hier habe ich von der IADC Therapie gelesen und im Forum gezielt nach Beiträgen dazu gesucht. Nun meine Frage: Kennt Jemand von Euch eine gute IADC Therapeutin oder Therapeuten in Österreich? Ich bin 50 Jahre und lebe in Wien. Es muss allerdings auch nicht in meiner Nähe sein - für eine gute Therapeutin oder Therapeuten oder auch eine Klinik würde ich auch nach Deutschland fahren. Nach der wirklich schlechten Erfahrung am 22. Dezember fürchte ich mich am allermeisten nochmals an falsche Therapeutinnen oder Therapeuten zu geraten... Ich würde mich sehr über einen Rat freuen.

    Herzliche Grüße, Tereschkowa

  • Liebe Tereschkowa,


    ich fühle mit Dir, weil ich weiß, wie schrecklich es ist.


    Sei willkommen in diesem Forum, das für uns alle hier eine wichtige Hilfe ist. Zu Deiner Frage nach IADC kann ich Dir leider nichts sagen. Vermutlich werden aber andere etwas dazu sagen können. Hab' etwas Geduld. Es liest ja nicht jede(r) zu jeder Zeit.

    Herzliche Grüße

    Frank

  • Liebe Tereschkowa,


    herzlich willkommen hier im Forum. Ich möchte Dir mein tiefste Mitgefühl zum Tod Deines Lebensgefährten ausdrücken. Das Du mit einem Therapeuten so eine schlechte Erfahrung gemacht hast tut mir sehr leid, weil es Dich in Deiner Trauer noch mehr belastet.

    Leider kann ich Dir was die IADC-Therapie angeht nicht weiter helfen, ich habe gerade mal im Internet gegoogelt und gesehen das es hier in Deutschland Angebote für eine solche Therapie gibt.Schau doch selbst mal nach ob da was für dich dabei ist.


    LG Gabi

  • Liebe Gabi,


    herzlichen Dank für Deine mitfühlenden Worte.

    Im Internet habe ich mir bereits einiges angesehen, allerdings scheint es mit dieser IADC Methode ähnlich zu sein wie mit EMDR.

    Diese Methoden können wirklich viel, allerdings unbedacht angewendet können sie auch schaden.

    Es kommt auf eine wirklich gute Ausbildung an und letztlich natürlich darauf, ob "die Chemie" stimmt.

    Leider bin ich momentan zu fragil, um Experimente auszuhalten. Vielleicht gibt es ja jemanden im Forum, die oder der Erfahrungen hat.

    Herzliche Grüße,

    Tereschkowa

  • Liebe Tereschkowa,


    verständlich das Du nicht experementieren möchtest, dazu bist Du seelisch zu sehr angespannt, ich wünsche Dir das hier im Forum jemand Erfahrungen mit der Therapie gemacht hat und Dir weiterhelfen kann.


    LG und einen halbwegs erträglichen Resttag für Dich Gabi

  • Liebe Petra,

    danke für die Willkommensgrüße!

    Bisher habe ich nur wenig dazu gefunden und bin deshalb auch so unsicher, ob es mir helfen könnte.

    Ich nehme momentan Medikamente, die zwar am Abend die wiederkehrenden Bilder hemmen und mich zumindest ein paar Stunden schlafen lassen, doch diese sind an sich nur als Krisenmedikament gedacht und haben zusätzlich den Nachteil, dass sie scheinbar mein Gedächtnis insgesamt beeinträchtigen. Durch den Schock bringe ich ohnehin alle Ereignisse, auch die die vor diesem lagen zeitlich durcheinander (verschätze mich um Monate) und verzerre sie emotional durch meine Schuldgefühle bzw. vielleicht auch tatsächlichen Verantwortlichkeiten. Das macht mich noch trauriger, denn Erinnerungen sind doch momentan das Wichtigste ... vielleicht weiß auch noch jemand hier im Forum eine andere Therapiemethode, die eher mit nicht rational gesteuerten Gesprächen arbeitet? Ich traue meinen eigenen (bewußten) Erinnerungen nicht mehr, da ich manche zu oft abgerufen habe, andere sind mir komplett entfallen. Ich stehe wie vor einer Wand.

    Danke fürs Lesen,

    Tereschkowa

  • Liebe Tereschkowa,


    auch ich begrüße Dich hier recht herzlich im Forum.


    Mein herzlichstes Beileid zum Tode deines unendlich geliebten Mannes möchte ich dir hiermit aussprechen.


    Zur IADC-Therapie wird dir bestimmt unsere liebe Astrid am morgigen Tag etwas schreiben.


    Sie wird bestimmt in der Lage sein, dir nötige Adressen zu geben.


    Liebe Grüße und viel Kraft sendet Dir,

    Uwe

  • Lieber Uwe,

    herzlichen Dank!

    Dein Satz "Wir sind frei, denn wir trauern." hat mir bereits über sehr, sehr schwere Stunden geholfen.

    Darf ich mir diesen für immer ausleihen?

    Astrid habe ich zuerst angeschrieben, sie empfahl mir direkt im Forum zu fragen da sie keine Adressen hat.

    Liebe Grüße,

    Tereschkowa

  • Liebe Tereschkowa,


    Du kannst und darfst ausdrücklich diesen Satz zu jeder Zeit benutzen.


    Diese Therapieform wurde hier im Forum aber schon diskutiert.


    Entweder bei Christine oder Astrid.


    Christine hat sich zwar verabschiedet, kann aber von Astrid immer noch


    kontaktiert werden.


    Liebe Grüße,

    Uwe

  • Liebe Tereschkowa,


    habe was von Christine gefunden.


    Sie hat sich damit beschäftigt, also frage doch bitte dann Astrid noch einmal.


    Lieber Kranich,
    herzlich willkommen bei uns und mein Mitgefühl zum Tod deiner Frau.


    Ich habe mich mit, da ich ein "EMDR-Fan" bin, auch mit IADC beschäftigt. Persönlich bin ich gegen Jenseitskontakte und Angebote von Medien, der IADC-Methode dagegen stehe ich dagegen sehr offen gegenüber, weil man sie - wie du schon sagst von der Technik und dem Therapieansatz nicht mit den Methoden von so genannten Jeseitskontaktmedien vergleichen kann. Durch IADC wird kein tatsächlich realer Kontakt mit Verstorbenen hergestellt, die Begegnung wird erlebt, entsteht allerdings aus dem Betroffenen selbst heraus und kann den Heilungsprozess der Trauer sehr unterstützen.


    @ alle hier: Wen dieser Ansatz interessiert: Botik lesen und schauen, ob das für euch gut klingt.
    AL Christine

    Liebe Grüße,

    Uwe

  • Liebe Tereschkowa, zuerst einmal mein herzliches Beileid zu deinem großen Verlust!


    Ich habe deine verschiedenen Beiträge gelesen und kann dir sagen, dass es mir so ähnlich geht wie dir, ich habe allerdings ein paar handverlesene Freunde, die mir sehr zur Seite stehen, worüber ich sehr dankbar bin. Allerdings ist es so, dass sogar die funktionierende soziale Unterstützung nichts daran ändert, dass ich mich einsam und leer fühle und auch nach fast 7 Monaten noch nichts mit mir selber anfangen kann, weil mich einfach nichts mehr interessiert.

    Das Alltagsleben funktioniert mittlerweile wieder so einigermaßen, aber für mich selber habe ich das Gefühl, als wäre ein Teil von mir mitgestorben und der Rest von mir existiert irgendwie weiter, ohne irgendeinen Sinn zu finden in dem neuen Leben allein.


    Zum Thema IADC:

    Ich habe am 21. Janner 2019 ein Vorgespräch mit der Therapeutin Susanne Müller aus Rosenheim, in dem festgestellt werden soll, ob ich mich für IADC eigne. Ich habe die Dame schon voriges Jahr angerufen, aber sie sagte mir, man solle frühestens ein halbes Jahr nach dem Todesfall mit dieser Art Therapie beginnen, daher versuche ich es jetzt erst.

    Ich bin gerne bereit über meine Erfahrungen zu berichten, damit du dir ein Bild machen kannst und werde das in meinem eigenen Thread tun, der in meiner Signatur verlinkt ist.

    Susanne Müller ist eine autorisierte IDAC Therapeutin, daher sollte die Frage der Qualifikation geklärt sein.

    Hier ist der Link der offiziellen IADC Therapeuten im deutschen Raum: http://www.iadc-therapie.de/?IADC-Therapeuten

    In der Nähe von Wien gibt es auch einen:

    Bauda, Wolfgang

    Winiwarterstraße 1/5

    2020 Hollabrunn

    069918640296

    w.bauda@aon.at


    Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig behilflich sein und wünsche dir alles Gute auf deinem beschwerlichen Weg zurück ins Leben!

  • Liebe Tigerlily,

    ganz herzlichen Dank für Deine Antwort!

    Und ja, bitte berichte mir doch von Deinem Gespräch mit der Therapeutin. Das würde mich sehr interessieren.

    Ich habe Deine Geschichte auch bereits gelesen und möchte Dir mein Mitgefühl für diesen unendlichen Verlust aussprechen.


    IADC ist denke ich - rein theoretisch - ein sehr, sehr wirksame Methode. Wie bei all diesen Methoden ist die Methode natürlich nur der eine Teil,

    der andere liegt in der Persönlichkeit der Therapeuten. Dein Vorgespräch über die Deine Eignung für diese Methode klingt schon Mal sehr seriös.

    Ich hatte bisher leider mit zwei Therapeuten ziemliches Pech, deshalb bin ich jetzt sehr vorsichtig bei der Auswahl. Allerdings zweifle ich

    nicht grundsätzlich an der Profession. Im Gegenteil: Ich benötige wirklich Unterstützung. Alleine schaffe ich das nicht.

    Danke, auch für die Adresse von Wolfgang Bauda, den habe ich mir auch schon angesehen. Doch ich fürchte mich gerade wirklich sehr vor Experimenten und würde so gerne zuerst mit jemandem reden, die oder der eigene Erfahrungen mit dieser Methode gemacht hat.

    Vor meiner "Weihnachts-Backstein" Erfahrung mit dem Therapeuten (Über die ich bereits erzählte und der wirklich mit dem Thema Trauer einfach gar nichts anfangen konnte.) schickte man mich ca. vier Wochen nach dem Tod meines Lebensgefährten zu einer EMDR Therapeutin, die mehr Schaden anrichtete als ohnehin bereits entstanden ist. Doch damals stand ich so unter Schock, dass ich mich nicht wehren bzw. diese Situation nicht richtig einschätzen konnte. Diese Frau ließ mich beim ersten Treffen ohne Vorbesprechung oder ähnliches alle mich belastenden Bilder der Situation nach dem ich meinen Lebensgefährten zu Hause tot auffand prioritär nach Belastungsgrad aufreihen. Nach den exakt eingehaltenen 50 Min. schickte sie mich mit den Worten "Ich bin nun sechs Wochen nicht da, aber wenn Sie danach nochmals Gesprächsbedarf haben, melden Sie sich doch bei mir." auf die Straße. Danach wurde alles noch schlimmer und ich schlief gar nicht mehr. War dann froh über den "Backstein"-Therapeuten, der mir zumindest ein Medikament verschrieb durch das ich schlafen kann.

    Im Nachhinein ärgere ich mich natürlich auch über mich selbst, das mir das alles nicht vorher einfiel und ich nicht besser auf mich selbst achtete.

    Doch im ersten Schock funktionierte ich perfekt und organisierte alles, alles, alles was zu tun war selbst. Ich wollte alles perfekter als perfekt machen. Es begann mit den Formalitäten der gerichtlichen Obduktion, der Eröffnung der Verlassenschaft, da mein Partner selbständig war der Betreuung und dem Abschluss der Firma, zwei Begräbniszeremonien und ein Fest zu Hause für mehr als 200 Personen. Das alles nahezu alleine.

    Daher ist es wahrscheinlich auch nicht verwunderlich, dass mein soziales Umfeld das Gefühl hat ich bräuchte keine weitere Zuwendung. Das habe ich wahrscheinlich meinem Funktionszwang selbst zu zu schreiben. Mir kam natürlich meine berufliche Erfahrung dabei einerseits zu Gute, denn ich bin es gewöhnt "Projekte abzuwickeln" (Welch ein Wort in diesem Zusammenhang !!!! ) andererseits verstellte diese Erfahrung mir noch mehr den Blick zu meiner tatsächlichen emotionalen Verfassung. Nichts stimmt mehr überein, ich funktioniere zwar nach wie vor bei den organisatorischen Fragen meines Lebensgefährten, aber sonst geht gar nichts mehr. Meine Gedanken kreisen und ich fühle mich für seinen Tod verantwortlich. Er verstarb letztlich an einem Herzinfarkt. Was ich durch die Dauer der gerichtlichen Obduktion erst im November erfuhr, die Zeit vom 27. August bis zum Obduktionsbericht waren höllisch, da ich mir alles erdenkliche vorstellte. Es war der erste Herzinfarkt, allerdings gab es - rückwirkend betrachtet - sehr, sehr eindeutige Zeichen. Gerade in der Woche vor seinem Tod. Warum merkte ich nichts? Merkte ich doch etwas, aber warum deutete ich diese Symptome so falsch? Wo waren meine Gedanken, meine Gefühle für ihn in dieser Zeit? Ich stehe vor mir selbst wie vor einem Wand. Ich versuche die letzten Monate unserer Beziehung zu hinterfragen, schaffe es nicht, weil ich solche Gedächtnislücken habe, verzerre alles mal zu meinen Ungunsten, dann wiederum lege ich mir Rechtfertigungen zu recht.

    Danke fürs Lesen,

    Tereschkowa

  • Danke, Uwe!

    Zum Glück verlief die gestrige Operation meines Hundes gut. Zumindest schläft er jetzt und scheint keine Schmerzen zu haben.

    Ihm wurde eine Speicheldrüse heraus operiert.

    Nach dem es komplizierter als gedacht war dauerte die Operation mehrere Stunden.

    Merkwürdigerweise war ich in der Zeit seiner Narkose zwischen 14:00 Uhr und 20:00 Uhr sehr, sehr ruhig. Erst heute merke ich die Anspannung.


    Ich verfolge und liebe die Geschichten Deines momentan sich wie mir scheint verselbstständigenden Haushalts - allerdings wird mir ja bereits beim Lesen schwindlig. Kannst Du an die Detektei nicht gezielt Aufgaben im Außenraum delegieren? Oder ihre wohlmeinende Energie nicht gezielt auf andere Dorfbewohner richten, die vielleicht einen Hausputz benötigen? Das mit der Musical Einladung scheint mir eine sehr gute Idee.

    Es besteht allerdings die Gefahr, dass das ihren Ehrgeiz steigert und dann sehe ich Dich den beiden in Zukunft schon Reisen schenken damit sie weg sind.... aber vielleicht will die Detektei ja schon immer mal nach Island? Vielleicht setzt Du ihnen gezielt diesen Wunsch in den Sinn?


    Liebe Grüße,

    Mona

  • Wo waren meine Gedanken, meine Gefühle für ihn in dieser Zeit? Ich stehe vor mir selbst wie vor einem Wand. Ich versuche die letzten Monate unserer Beziehung zu hinterfragen, schaffe es nicht, weil ich solche Gedächtnislücken habe, verzerre alles mal zu meinen Ungunsten, dann wiederum lege ich mir Rechtfertigungen zu recht.

    Liebe Tereschkowa,


    es klingt sicherlich merkwürdig für Dich, dass genau diese Zeilen von Dir für mich hilfreich sind.

    Warum?

    Weil das Gedanken und Fragen sind, die auch mich schon sehr lange und sehr heftig beschäftigen.

    Vielleicht stimmt es ja, dass solche Grübeleien "normal" sind. Wie habe ich mal gelesen (weiß leider nicht mehr: wo): "Tod und Schuld" sind Geschwister.

    Was auch immer wir falsch gemacht haben - und ich weiß, dass ich viel falsch gemacht habe: Wir werden wohl nur damit leben können, wenn wir uns selbst vergeben. Sehr schwer.

    Herzliche Grüße

    Frank

  • Lieber Frank,

    nein, das klingt ganz und gar nicht merkwürdig für mich.

    Ich habe ähnliche Gedanken gehabt als ich Deine Geschichte mit großer Anteilnahme zwischen den "Feiertagen" zum ersten Mal las.

    Und Du hast sicherlich recht damit, dass wir uns vergeben können sollten.

    Für mich zumindest setzt dieses sich vergeben zu können voraus, dass ich klar sehe was genau es mir zu vergeben gilt.

    Ein diffuses Vergeben ohne Differenzierungen zwischen Schuld, Schuldgefühlen, Verantwortlichkeit, Bedauern und geteiltem Anteil ist für mich irgendwie nicht möglich.

    Rückwärts betrachtet sieht vieles anders aus, gelebt wurde es jedoch damals vorwärts. Das verzerrt den Blick immens.

    Vor allem wenn der Partner als Korrektiv und einziger Zeuge dieser Situationen fehlt.

    Für mich kam der Tod meines Lebensgefährten plötzlich und unerwartet. Ich ging für zwei Stunden mit dem Hund spazieren und als ich zurück kam war mein Leben weg. Nun stelle ich mir Fragen nach Vorahnungen, Verdrängen und Verantwortlichkeit.

    Allerdings traue ich keiner meiner Einschätzungen und Erinnerungen mehr. Weder in der Zeit davor, noch in der Zeit seit dem Tod.

    Durch den Schock und die Medikamente gegen die "Flash-Backs" ist jedoch meine Gedächtnisleistung eingeschränkt - doch wie soll man trauern und auch noch sich selbst vergeben ohne klares Erinnerungsvermögen?

    Gleichzeitig haben zumindest Schuldgefühle für die Psyche auch den Sinn den Kontrollverlust und die Ohnmacht erträglicher zu machen.

    Klingt zunächst paradox, wenn man darüber nachdenkt allerdings nicht: Für manche Menschen ist scheinbar (unbewusst) alles besser als Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren. Sich schuld zu geben bedeutet sich- wenn auch einen negativen - Einfluss bzw. Handlungsspielraum zuzuweisen...

    Ich habe von Chris Paul das Buch "Schuld, Macht, Sinn" gelesen. Kennst Du das?

    Diese Themen umkreise ich...

    Herzliche Grüße,

    Tereschkowa

  • Liebe Tereschkowa,

    als ich Deinen Beitrag gerade las, dachte ich mir, ich sollte Dir Chris Pauls empfehlen. Und dann kommst Du selber damit. Ja ,ich habe viel bei ihr gelernt: Unterscheidung zwischen normativer Schuld und instrumentellen Schuldkonstruktionen, die u.a. ja die Funktion haben, an dem Gefühl der Ohnmacht nicht zu verzweifeln. Was ich bei Dir über die Todesumstände Deines Lebensgefährten lese, scheinen aus meiner Sicht für Dich eher die instrumentellen Schuldkonstruktionen zuzutreffen.

    Was mich zerreißt: Dass ich gegen Normen verstoßen habe. Denn obwohl wir seit Jahren wussten, dass meine Frau unheilbar krank ist, habe ich sie viel zu oft allein gelassen, und ich war oft sehr ungeduldig.

    Herzliche Grüße

    Frank