Der 27. August 2018 begann als gemeinsamer Tag in einem wunderbaren Leben mit P. und endete alleine - ohne Leben.

  • Zufällig habe ich das Thema Garten gesehen. Eines meiner sehr großen Probleme nach dem Tod meines Jürgen. Er hat ihn gepflegt, ich habe mich nicht darum gekümmert. Im April ist er verstorben und schon im Juni wurde mir durch Nachbarn gesagt : das Leben muss weiter gehen und dazu gehört es, den Garten nicht vergammeln zu lassen. Ich habe Angst vor den kommenden Monaten, diesmal auch wegen des Gartens. Lieber Gruß Kerstin

  • Ihr Lieben.


    Ja, ich habe auch so ein Museum. Ich wohne dort, ich schlafe dort, ich esse dort,

    Rein lasse ich niemand, außer eine Freundin und die weis wie und wo sie sich bewegen kann.

    Sein Büro ist für alle Tabu, nur ich darf dort hinein.

    Ist schon eine verrückte Sache, manchmal wünsche ich mir ein bisschen lockerer zu sein.


    alles Liebe Maike

  • Im April ist er verstorben und schon im Juni wurde mir durch Nachbarn gesagt : das Leben muss weiter gehen und dazu gehört es, den Garten nicht vergammeln zu lassen.

    Liebe Kerstin,

    ohne Worte.

    Außer:

    Menschen zu mögen ist mitunter nicht leicht.

    Bei Tieren, Pflanzen und Steinen gelingt mir dies leichter ...

    Herzlichst,

    Tereschkowa

  • Also, das mit dem Garten hat mich jetzt richtig aufgeregt.:4:


    Ihr habt kein Herz in Eurer Brust,

    seht nur meinen Garten,

    dafür hab ich keine Kraft, keine Lust.

    Tratscht so viel wie ihr wollt, mir doch egal,

    mein Liebster ist weg, ich hatte keine Wahl.

    Ich werde es tun, wenn ICH bereit dafür bin,

    warum schaut ihr einfach nicht woanders hin.

    Schaut mal lieber in Euer Herz hinein,

    da gibt es bestimmt genug zu tun,

    und lasst mein Garten, Garten sein.

    Kornblume

    so, jetzt geht's mir besser:)

    wenn ich es löschen soll,

    einfach sagen.

  • Liebe Tereschkowa,


    vielen Dank für deine Antwort und deine Gedanken.


    Auch wenn ich noch nie so bewusst darüber nachgedacht habe wie du, mag ich den Begriff "Gnade" spontan auch lieber. Für mich ist Selbstmitleid in der Hinsicht negativ konnotiert, als dass ich es als etwas verstehe, das nicht angebracht ist (- ähnlich wie du es auch als dritte Assoziation beschrieben hast) und vor allem: es mir einfach nicht zusteht. Deswegen sprang mir deine gestrige Formulierung auch ins Auge. Konkret hat es für mich auch mit meiner Verantwortung und Schuld für den Tod meiner Freundin zu tun und, dass ich mich nicht als "Opfer" des Lebens (oder Zufalls oder dieses Unglücks, wie auch immer man das bezeichnen möchte) sehe, sondern als Täter, der wesentlich dazu beigetragen hat, dass alles kam, wie es kam.


    Den von dir beschriebenen Tunnel kenne ich leider auch nur zu gut und abgesehen davon, dass man meiner Erfahrung nach, auf Dauer darüber wahnsinnig wird, sich Tag für Tag um die immer gleichen Gedanken rund um die eigentliche Verantwortlichkeit und Schuld zu drehen, kommt der Aspekt dazu, dass es dem Menschen und der Liebe, die man verloren hat, nicht gerecht wird. "Dramatisch" ausgedrückt: davon wird einiges oder vieles überschattet, beschmutzt und - wie du sagst - verzerrt. Das will ich nicht. Aber es lässt sich so schwer kontrollieren, ein Teil meines Gehirnes beschäftigt sich mit nichts anderem als damit und noch habe ich keinen Weg gefunden, besser damit umzugehen oder mehr Kontrolle darüber zu erlangen.


    Gnade mit sich selbst. Darüber muss ich in Ruhe nachdenken. Gnade und Nachsicht mit sich selbst zu haben, vielleicht auch Verständnis für sich selbst und das eigene Verhalten - ich weiß nicht, wie man das hinkriegen kann, wenn der Mensch nicht mehr da ist, der vom eigenen Verhalten direkt betroffen war. Es ist ein endloses Graben und Suchen nach Antworten, die einem nur der oder die Geliebte geben kann, zumindest ist meine Befürchtung, dass es so ist. Ich weiß nicht, ob man diese Antworten auch alleine finden kann. Allerdings hoffe ich dieser Befürchtung zum Trotz, dass man irgendwann wieder zu realistischeren Einschätzungen fähig ist - wenn Schock und Trauer nicht mehr alles überstrahlen. Ob und wann das sein wird: keine Ahnung.

    Derzeit lese ich ein Buch über das Thema Vergebung und bin gespannt, ob es darin irgendeinen Gedankensplitter gibt, der mir vielleicht weiterhilft. Es heißt "On Forgiveness" von Richard Holloway. Das ist ausdrücklich (noch) keine Empfehlung, weil ich selbst noch nicht weiß, was ich davon halte und ob es inhaltlich etwas taugt, aber falls ja, kann ich Bescheid sagen.


    Danke, danke, danke auch für deine Gedanken hierzu. Vor allem dein Ausdruck, dir das zu "gönnen".


    Ich mache es auch so wie Maike und du beschreiben. Alles ist weitestgehend so, wie es war, als wir damals zusammen die Wohnung verließen. Es hat zum Teil irrationale Ausmaße, aber eigentlich ist mir das egal. Als eine unserer Katzen mit dem Stift, den meine Freundin zusammen mit ihrem Notizbuch liegen ließ, spielte und dabei beides runterwarf, habe ich sie so angeschrieen. Gleich darauf tat es mir leid, die Katze weiß es nun mal nicht besser. Neulich war ein Mitarbeiter hier, der die Rundfunkgebühren einheben wollte. Wir haben keinen Fernseher und das wollte er kontrollieren. Das ist nichts Neues, es kam seitdem wir hier wohnen bestimmt einmal jährlich vor. Für mich war es aber ausgeschlossen ihn hineinzulassen und für eine Diskussion hatte ich keine Nerven, also meldete ich einen nicht vorhandenen Fernseher an und bezahle jetzt die Gebühren dafür. Das ist total egal, alles ist total egal, Hauptsache unser Zuhause bleibt sicher vor anderen Menschen. Deswegen war es auch so schlimm, als jemand ohne Ankündigung und vor allem ohne um Erlaubnis zu fragen, einfach hier war. Seitdem mag ich niemandem mehr einen Zweitschlüssel anvertrauen und deswegen kann ich vielleicht auch ein bisschen verstehen, was dieser Eingriff in eurem Garten für dich bedeuten mag.


    Liebe Grüße - und ich finde es keineswegs kindisch oder gar kitschig, sich Frieden im Herzen und Kopf zu wünschen. Es ist ein schöner, sehr gut nachvollziehbarer Wunsch. Hoffentlich finden wir alle das irgendwann wieder. Ich wünsche es uns sehr, Sturm

  • Liebe Sturm,

    Aber es lässt sich so schwer kontrollieren, ein Teil meines Gehirnes beschäftigt sich mit nichts anderem als damit und noch habe ich keinen Weg gefunden, besser damit umzugehen oder mehr Kontrolle darüber zu erlangen.

    Mir geht es genau so ein Teil meins Gehirns ist ständig mit diesen Fragen und Gedanken beschäftigt.

    Auch ich habe auch noch keinen Weg gefunden.

    Aber ich suche, suche, suche ... daher mein Ziel: Frieden im Herzen und im Kopf.

    Herzlichst,

    Tereschkowa

  • Meine Lieben,

    Narren überall ... Masel tov!

    Ich wünsche uns Kraft und Mut mit einem Lied.


    Leon Wolke André Heller




    Ach was haben meine Augen,

    Nicht schon Wolken ziehen sehen,

    Auf den Himmeln meiner Reisen,

    Von Timbuktu nach Athen,

    Solche die einen Glück verheißen,

    Andere von Unheil schwer,

    Manche sahen aus wie Chaplin,

    Andere wie ein Jagdgewehr,

    Und doch unter allen Wolken,

    Ist mir keine halb so lieb,

    Wie der alte Leon Wolke,

    Aus dem zweiten Wiener Hieb,

    Klein und blass und immer aufrecht,

    Sieht er jeden ins Gesicht,

    Wer Treblinka überlebt hat,

    Fürchtet sich auf Erden nicht,

    Nicht vor Krankheit nicht vorm Sterben,

    Nicht vor Dummheit jeder Form,

    Und will ihm wer imponieren,

    Sagt er, sie sind sicherlich enorm

    Nur hab ich einen anderen Maßstab,

    Vor dem wirkt fast alles klein,

    Wirklich groß ist nur die Trauer,

    Und das viele Kinderschreien,

    Wo ich bin, sind auch die Geister,

    Aus der schwarzen Aschenluft,

    Und sogar die Parma-Veilchen,

    Haben für mich einen bitteren Duft,
    Weil doch, eine schöne Mame

    Veilchen liebte und auch Mohn,

    Und weil sie mich immer nannte,

    Du, mein Parma-Veilchensohn,
    Weil ich hab ja blaue Augen,

    Aber das war wert ein Dreck,

    Nichts kannst du dir davon kaufen,

    Nichts zu Essen, kein Versteck,
    Auch nicht Ruhe vor Banditen,

    Mame ging trotzdem ins Gas,

    Und seitdem ist jede Stunde,

    Brennessel und Scherbenglas,
    Und des Nachts kommen Hyänen,

    Wühlen sich in meinen Traum,

    Und ich träum zu meist vom Flüchten,

    Angenehmes träum ich kaum,
    Und doch, gibt es Augenblicke,

    Da denk ich, die Welt ist gut,

    Nur gehen solche Augenblicke,

    Leicht in einen Fingerhut,
    Herrschaften ich will nicht stören,

    Wünsche allseits guten dank,

    Mir ist Masel tov zu wünschen,

    Das mich endlich trifft der Schlag
    Ja so redet Leon Wolke,

    Und ich will das ihr es wisst,

    Denn man kann nur lehren ziehen,

    Aus dem was man nicht vergisst.

  • Mein Freund Schnuckenack. André Heller




    Mein Freund Schnuckenack, der Zigeuner,
    sagt: Ich mach dir eine Phantasie.
    Und dann zeigt er mir sein rechtes Bein,
    ganz aus Leder bis unter das Knie.
    Das geschah ihm in Mauthausen,
    war ein Unfall der SS, zwischen Schüssen
    mußt er tanzen, und sie riefen: So ist Jazz!

    Mein Freund Schnuckenack ist Verlierer,
    von Geburt und von Beruf, setzt er Geld
    auf Nummer Sicher, bricht dem Favorit der Huf.
    Er möbliert sich die Verzweiflung
    mit Absinth und Mescalin
    An den Abenden der Männer sieht man ihn
    das Messer ziehen.

    Dieses scharfe Silberfischlein,
    das die Wunden rasch bereist, ist ihm
    schweigsame Verwandschaft
    wenn die Zärtlichkeit vereist.

    Mein Freund Schnuckenack nennt das Leben
    eine Lehre, die man hat,
    wenn man sie nicht mehr gebrauchen kann,
    und er hat die Lehren satt.

    Zwischen tausend Tabernakel sucht er Gott
    wie eine Laus
    Denn er will ihn höflich fragen,

    ob er rechnet mit Applaus


  • Liebe Tery,


    der 27.02.2020, beginnt, meine Gedanken sind bei Dir und P. Ich habe wie immer drei Kerzen angezündet für Mick,P. & Rosi, sanft ,leicht flackernd scheint ihr Licht ,spiegelt sich im Fenster.


    Ich kann nicht :


    Worte des Trostes finden

    Dir nicht den Schmerz,

    die Sehnsucht

    die Tränen

    die Leere nehmen

    die Traurigkeit weichen lassen


    Ich kann :


    mit Dir fühlen

    mit Dir nicht begreifen was am 27.08.2018 geschah und Dein Leben erschütterte ,in einem ungeheuerlichen Ausmaß , einer Dimension des Schreckens, von der man nicht wusste das es sie gibt.


    Ich würde gerne:


    P. Deinen Geliebten zurück zu Dir bringen, sofort, leider bin ich weder eine Zauberin, noch eine Fee


    Ich wünsche mir aus tiefstem Herzen :


    Das IHR BEIDEN Euch nahe seid ,EURE Liebe in Deinem Herz leuchtet, wie Sterne, die blinken ,winken, schimmern und flimmern für DICH ,für EUCH.


    Sei ganz sanft umarmt


    Gabi die jeden Tag an Dich denkt & Mäuschen



  • Liebe Tereschkowa,


    auch hier im Solling leuchten wieder, seit Mitternacht, die drei Kerzen:


    P. & ROSI & MICK.


    Liebe Tereschkowa, Gabi hat wieder so viel schöne und passende Worte, für diesen besonderen Tag, gefunden.


    Ich kann wirklich NICHTS hinzufügen, hätte nicht mal ansatzweise Worte gefunden.


    So, wie ich mich zur Zeit fühle, würde ich, bestünde die Möglichkeit, mit P. tauschen.


    Dann wäret ihr wieder zusammen und ich mit Rosi.


    Mehr kann ich nicht schreiben.


    Entschuldige bitte.






    Allerliebste Grüße und leichte Umarmung,

    Uwe.






  • Lieber Uwe,


    wieso entschuldigst Du Dich ,dafür das Du traurig, am Ende und brennende Sehnsucht nach Rosi hast ?? ,


    Ich verstehe Dich und ich bin sicher Tery ebenso.


    Sei ganz,ganz liebevoll umarmt. <3:24::30:<3Aber nur wenn Du es magst.


    Du hast ein solch schöne Illustration eingestellt, danke !!