Mein Herzens- und Seelenmensch ist gegangen

  • Hallo,


    nachdem ich nun eine Weile hier schon still mitgelesen habe, habe ich mich heute entschlossen, mich hier ebenfalls anzumelden.


    Heute sind es 4 Monate, seit mein Herzensmensch nicht mehr bei mir ist. :13:Er ist mein Seelenverwandter, die Liebe meines Lebens.


    Ich vermisse ihn so unendlich. Die Minuten, Stunden und Tage sind so einsam ohne ihn. Und so lang... Das Leben ohne ihn so schwer. So mühsam.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Entschuldigung, das was jetzt kommt, dürfte etwas "konfus" werden. Und vor allem lang. Ich möchte hier meine Gedanken und Gefühle seit seinem Tod (bis zum gestrigen Tag) zusammenfassen. Ich hoffe, das ist ok.



    Ich bin vor 23 Tagen mit meinem Partner gestorben. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Wir waren noch nicht lange zusammen, offiziell erst seit Mitte Juli letztes Jahres... Ich vermisse ihn so. Mein Herz schlägt, und doch bin ich innerlich tot. Es gibt Momente, da zerreißt es mich fast vor Schmerz, dann gibt es Momente, in denen ich denke, das geht mich alles gar nichts an. Es ist so unreal. Und ich kann es nicht real werden lassen, weil ich sonst dran zerbreche.


    Ich kann und will nicht mehr. Ich habe keine Kraft mehr zu kämpfen. Ein starker Mensch war ich nie, meine Stärke habe ich erst in ihm und durch ihn wieder gefunden. Zuvor habe ich ein Leben geführt, das nicht meins war, habe zu allem ja gesagt und hatte doch nicht die Stärke, daran was zu ändern. Erst durch ihn hatte ich die Kraft, mein Leben wieder in die Hand zu nehmen, alles zu ändern und bei ihm zu sein.


    Er hat mich ins Leben zurück geholt, genauso wie ich ihn. Doch dieses Leben war viel zu kurz. Dieses Glück war viel zu kurz. Was ist ein halbes Jahr Glück im Vergleich zu so vielen Jahren Unglück? Kaum hatten wir uns gefunden, wird er mir schon wieder genommen. Es ist so unfair. Alles so unfair. Grausam.


    Jeder wünscht mir ein schönes neues Jahr. Das ist lachhaft. Was soll denn an diesem neuen Jahr schön werden? Es ist alles so surreal.


    Ich habe einmal zu ihm gesagt, dass es Schicksal war, dass wir zusammen gefunden hatten. Er hat darauf gesagt, er dachte, es sei Liebe. Ja, es war Liebe. Er war mein Spiegel. Mein Seelenverwandter. War es meine Aufgabe hier auf Erden, dass er die letzten Monate seines Lebens glücklich sein durfte, nachdem er jahrelang unglücklich war? Nachdem auch er ein Leben geführt hat und führen musste, das nicht seins war?


    Wenn ja, dann ist diese Aufgabe jetzt beendet und ich habe keine Aufgabe mehr und kann zu ihm. Und ich wäre am liebsten bei ihm, damit wir weiterhin zusammen glücklich sein dürfen, wenn er nicht schon bei mir sein kann. Kurz vor seinem Tod sagte er noch zu mir, dass das noch nicht alles gewesen sein kann. Wir hatten Träume, Pläne. Alles vorbei. Zumindest auf dieser Welt. Auf dieser Ebene. Ich hoffe, es gibt noch eine Ebene danach.


    Es tut so unfassbar weh. 23 Tage. Von wie vielen noch? Ich existiere seither, ich atme, mein Herz schlägt. Aber ich lebe nicht mehr. Ich habe keine Kraft mehr, keine Kraft mehr, mir ein neues Leben ohne ihn aufbauen zu müssen.

    (03.01.2019)

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Diese dunklen Gedanken hatte ich schon früher, schon vor ihm. Und genau aus demselben Grund, dass ich denen, die mich lieben (das sind meine Eltern und nun seine Eltern, der Rest ist mir ehrlich gesagt ziemlich wurscht) das nicht antun kann, habe ich es nicht getan. Mein Partner kannte vor mir dieselben Gedanken. Seine Mutter sagte dann mal zu ihm, dass er das nicht tun kann, dass immer irgendwas auf die Partner/Eltern/whatever zurückfällt... Also tat er es nicht. Habe ich die Kraft, es auch nicht zu tun? Es ist verlockend, dieser Welt, die nicht mehr meine ist und die es wohl auch nicht mehr ohne ihn wird, den Rücken zu kehren.


    24 Tage. Die Nacht war nicht gut, viel zu kurz. Ich ernähre mich, seit Du nicht mehr da bist, ma Belle, von Zigaretten, Kaffee und Fertiggerichten, und zwar in dieser Reihenfolge. Das hätte Dir nicht gefallen. Du hast immer geschaut, dass ich esse, hast für mich gekocht. Gestern waren Deine Eltern, Deine Kinder da und haben etwas "aufgeräumt". Sie haben die Werkstatt aufgeräumt. Ich bin fast zusammengebrochen. Bis jetzt war es so, dass ich alles so gelassen habe, wie es war, bevor Du gegangen bist. Jetzt sieht es anders aus, es ist nicht mehr "Deins". Verstehst Du, was ich meine? Ich weiß, sie haben es nur gut gemeint, aber es fühlt sich für mich verdammt falsch an. Deine Jacke, die immer im Flur über der Treppe hing, ist auch weg. Die hing immer da. Die hast Du dort hingehängt. Weg. So wie Du. Mein Schatz, ich liebe Dich unendlich. Du bist meine große Liebe, hast Du gesagt. Und Du bist meine. Nur zusammen waren wir stark. Du warst mit Sicherheit kein einfacher Mensch, innerlich zerrissen, düster. Und pessimistisch. Du hast mal zu mir gesagt, Du magst keine Optimisten. Ich war vor Dir auch ein Pessimist. Nur während der Zeit mit Dir war ich positiv. Ich habe versucht, Dir die Stärke zurück zu geben, die Du mir nur durch Deine Anwesenheit gegeben hast.


    Vielleicht konnte ich Dich deswegen verstehen. Ich bin wie Du.

    (04.01.2019)



    Das Leben geht weiter... ja, das tut es. Momentan stehe ich neben diesem Leben, sehe es und möchte dieses Leben nicht. Nicht so, wie es seit 24 Tagen ist.


    Bei der Arbeit funktioniere ich, mehr oder weniger. Kaum komme ich nach Hause, bin ich wie gelähmt. Ich sollte Post öffnen, kochen, putzen,... stattdessen sitze ich auf dem Sofa und warte, bis der Abend vorbei ist. Höre die Uhr ticken. Lenke mich mit TV ab. Spiele am Handy, um es nicht noch realer werden zu lassen. Die realen Momente reichen mir, die müssen nicht noch öfters präsent sein.

    (04.01.2019)



    Ich bin unendlich froh, dass ich die letzten Monate mit ihm leben durfte. Ich möchte sie nicht missen, obwohl ich von Anfang an wusste, dass er krank ist. Gut, wie krank er ist, wusste ich nicht. Es hätte aber nichts geändert, hätte ich es gewusst. Ich hätte trotzdem mein altes Leben für ihn hinter mir gelassen.


    Ich weiß, dass "Außenstehende" einen trösten wollen und dabei manchmal die falschen Dinge sagen. Meine Mutter fragte mich, ob ich wusste, dass er krank ist, bevor wir zusammen gekommen sind. Als ich bejahte, meinte sie, dass ich dann lieber nicht... und hat abgebrochen. Ich wusste, was sie sagen wollte. Quasi selber schuld, wenn man sich mit einem Kranken einlässt, da muss man ja damit rechnen, dass er stirbt??? Oder auch, dass "es" (meine Trauer) ja nicht so schlimm sei, weil wir uns noch nicht so lange kennen... Ja ne, is klar.

    (04.01.2019)



    Das ist mir klar, dass meine Mutter nicht weiß, wie sie mit meiner Trauer umgehen soll. Es klingt aber wie Hohn, was sie sagte.


    Ich sollte mein Leben ordnen, gerade jetzt sollte ich große und wichtige Entscheidungen treffen, die schon mit meinem Partner besprochen waren. Ich habe aber dazu absolut keine Kraft. Ich muss es aber tun, bevor mir die Scherben, die mein jetziges Leben sind, um die Ohren fliegen. Woher soll diese Kraft jetzt kommen? Ich bezog sie aus ihm. Dabei brauche ich seit seinem Tod all meine Kraft, um nur von einem Tag auf den anderen zu (über-)leben. Also steh ich quasi wie gelähmt da und lass es passieren. Vielleicht kommen deswegen auch die Gedanken, dass es einfacher wäre, wenn ich jetzt bei ihm wäre. Dann könnten mir diese Entscheidungen egal sein, weil ich dann davor (feige?) geflohen bin. Rien ne va plus.


    Ich werde nachher erst mal auf den Friedhof gehen. Ich werde an seinem Grab stehen, den ganzen Blumenschmuck sehen, das Holzkreuz mit seinem Namen und nicht begreifen, dass er drin liegt.


    Das Leben geht weiter. Aber es ist nicht mehr meins.

    (04.01.2019)

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Es sind inzwischen 41 Tage. Begreifbarer ist es bis heute nicht. Es gibt immer mal wieder Momente, in denen ich es begreife, dass Du nicht mehr kommst, mein Schatz. Aber es tut so furchtbar weh. Also fliehe ich davor. Ich kann diesen Schmerz nicht noch öfters zulassen. Ich existiere... aber es kommt mir so vor, als ob in meinem Kopf Watte ist. Es dämpft alles. Das bin nicht mehr ich. Ich sage mir, dass Du halt gerade nicht da bist. Wie lange dieses "gerade nicht" dauert... das weiß ich nicht. Aber so ist es für mich erträglicher. Du fehlst mir. Du ahnst nicht, wie sehr Du mir fehlst. Morgens bist Du mein erster Gedanke und Abends mein letzter.


    Letzte Woche Donnerstag Abend und Freitag waren furchtbar. Meine Kolleginnen machen sich schon Sorgen, dass ich in eine Depression rutsche... bin ich da nicht schon längst? Oder dass ich Quatsch mache... nein, ich mache keinen Quatsch. Hast Du auch nie gemacht, also werde ich das auch nicht tun. Zumindest nicht aktiv...


    Ich hatte Donnerstag noch Deinen Kumpel beim Einkaufen getroffen. Wir hatten uns dann noch kurz unterhalten. Für ihn ist es auch noch nicht greifbar. Ein Satz von ihm hat mich aber tief getroffen, positiv. Er sagte, so hätte er Dich noch nie erlebt wie die letzten Monate. Du hattest, seit wir beide zusammen waren, voll die rosarote Brille auf. Ich glaube, das macht es für mich so schlimm. Endlich waren wir beide wirklich glücklich, nach so vielen Jahren des Unglücks.


    Wir hatten beide wieder Träume und Pläne. Zusammen.


    Gestern hatte ich auch noch einen kleinen Zusammenbruch, nachdem Sunrise Avenues "Dreamer" im Radio lief. Dieses Lied hat mit "uns" eigentlich nichts zu tun, aber dieses Lied erinnert mich so stark an Dich.

    "Have you ever felt like a prisoner? But you haven't escaped yet...

    Sleepless nights and days in pain

    Keep on running for the light

    Maybe we'll meet on the way...

    Have you ever felt you're invisible?

    Like they're walking right through you."

    Genauso fühlte ich mich vor Dir. Ich weiß noch, dass wir irgendwann noch als Freunde bei mir im Haus im Büro zusammen saßen und ich Dir sagte: dieses Leben ist mein Gefängnis. Du hast mich dann aus diesem Gefängnis befreit, nachdem wir uns beide ineinander verliebt hatten. Plötzlich war es relativ einfach, dieses Gefängnis zu verlassen, weil ich durch Dich die Kraft hatte, es zu tun. Ich hatte wieder ein Leben, ein Leben mit Dir. Träume. Glück. Du hast mich ins Leben zurückgeholt, genauso wie ich Dich ins Leben zurückgeholt habe. Unsere Zeit war zu kurz. Trotzdem kenne ich Dich besser, als Dich viele andere kennen, die Dich seit Deiner Jugend mehr oder weniger begleiten.


    Ich werde dieses Leben, das ich ohne Dich nicht haben will, aber leben muss, nicht aktiv beenden. Trotzdem wird der Tag, an dem ich wieder bei Dir sein kann, einer der schönsten in meinem Leben. Dass man einen Menschen so stark vermissen kann, ahnte ich bis vor 41 Tagen nicht. Ich liebe Dich. Das werde ich immer tun. Und solange ich Dich liebe, wirst Du nicht sterben. Du wirst bei mir sein, auch wenn ich Dich nicht sehen kann.

    (21.01.2019)

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Es sind heute 42 Tage. 6 Wochen. Ich weiß ohne Kalender nie, welches Datum wir haben. Aber die Tage weiß ich. Diese verdammten Tage. An die meisten Momente der letzten 6 Wochen kann ich mich nicht erinnern. Ich fühle alles seither nicht real. Wie durch einen Nebel, als wenn Watte im Kopf ist, wie betrunken. Gerade die Dienstage sind schlimm. Wobei, es ist jeder Tag schlimm. Wie lange muss ich noch durchhalten? Wie schön wäre es, abends einzuschlafen und morgens einfach nicht mehr aufzuwachen? Stattdessen schleppe ich mich durch jeden verdammten Tag. Dass ich mir einrede, dass Du einfach gerade nicht da bist, funktioniert nicht, je länger Du tatsächlich nicht da bist, mein Herz. Aber wenn ich es zulasse, werde ich nicht mehr aufhören können zu weinen. Es wird mich zerbrechen. Glaub mir, ich wollte nie, dass Du leiden musst, dass Du Schmerzen hast. Dass Du jetzt keine Schmerzen mehr hast und hoffentlich mit Dir im Reinen bist, freut mich für Dich, aber ich bin leider egoistisch: es tröstet mich nicht... weil ich Dich so unendlich vermisse und mir nichts sehnlicher wünsche, als Dich bei mir zu haben. Wieso konntest Du nicht gesund werden? Ich bin ohne Deine Gegenwart so leer, so unendlich leer. Und so unendlich einsam.


    Wofür sollte ich kämpfen? Mit Dir an meiner Seite hätte ich gekämpft, nun lohnt es sich doch nicht mehr. Dieses Leben ist seit 42 Tagen ein Alptraum. Je länger es dauert, desto mehr weiß ich, dass es so lange Alpträume nicht gibt und ich nicht aufwache und alles ist wie vorher...


    Du fehlst mir... jede verdammte Sekunde seit 42 Tagen fehlst Du mir. Dieses permanente leere Gefühl in mir drin kann ich nicht abstellen. Das wird vermutlich auch erst dann nicht mehr da sein, wenn ich Dich wieder in meine Arme nehmen kann. Auf der nächsten Ebene. Mach Dich darauf gefasst, dass ich Dich dann nie nie nie mehr loslassen werde. Und dann holen wir alle Träume nach, die wir in dieser Ebene nicht mehr geschafft haben.

    (22.01.2019)



    Die Tage ziehen an mir vorbei. Ich zähle die Tage nicht mehr. Ein Tag ist so besch...eiden wie jeder andere. Die "Watte im Kopf", die das alles etwas gedämmt hat, lässt langsam nach. Dafür überkommt mich jetzt öfters das heulende Elend. Bei der Arbeit, aber vor allem abends allein zu Hause. Außer Fertignahrung krieg ich nichts fertig. Selber kochen? Nö, kostet zu viel Kraft. Sobald ich nach Hause komme, fühle ich mich wie gelähmt. Und jeden Abend das gleiche Ritual. Ich mache Feuer (und frage mich jeden Tag: wieso hast Du nie schwarze Finger bekommen beim Feuer machen? Ich habe jeden Tag rußige Finger, weil ich mich vermutlich einfach dämlich anstelle...). Dann hau ich mich mit irgendeiner Fertignahrung aufs Sofa und lass mich vom TV berieseln. Und trinke ein bisschen Alkohol, damit ich schlafen kann. Ja, autsch, ganz falsch. Ich lass es auch wieder sein mit dem Alkohol, sobald ich woanders wohne. Dieses Haus, an dem Du so gehangen hast, wurde mit Dir zu meiner Heimat. Jetzt ist es mein Grab. Ich fange die letzten Abende an, wenn ich weiß, ich sollte ins Bett, die Schränke aufzumachen... ich suche etwas... Dich... aber Du bist nicht mehr da. Jeden Abend habe ich Panik, wenn ich ins Bett gehen sollte.


    Ich bin wie Du. Du konntest nicht alleine sein. Das war für Dich die Hölle. Ich kann es auch nicht, habe ich festgestellt. Ich konnte alleine sein, als Du im Krankenhaus warst. Du warst ja trotzdem da, nicht körperlich anwesend, aber durch Telefonate, Nachrichten, ich konnte Dich besuchen. Jetzt ist es etwas anderes. Du bist nicht mehr da. In mir ist nur ein großes Loch. Die Wochen seit Deinem Tod sind meine persönliche Hölle. Wenn es Gott gibt und wir uns auf der nächsten Ebene nach meinem Tod wiedersehen, super. Wenn es nach meinem Tod aus ist und nur noch schwarz ist, auch gut. Alles ist besser als das jetzt.


    Du hast an Gott geglaubt. Ich zweifle momentan. Wie kann Gott Dich zu sich holen und mich alleine lassen? Wollte er Dir weiteres Leid ersparen? So sieht das zumindest Dein Vater. Du hättest es nicht ertragen, noch länger oder womöglich noch schlimmer krank zu sein. Das hätte Dich zerstört. So hattest Du die letzten Monate in Deinem Leben mich, mit Glück, ohne allein sein. Wenn es Gott gibt, war das meine Aufgabe?


    Entschuldige, mein Schatz. Ich bin konfus. Ich wusste bereits, als Du noch am Leben warst, dass wir uns ähnlich waren. Deswegen habe ich Dich auch so verstanden. Nach Deinem Tod merke ich aber, dass wir uns doch ähnlicher waren, als ich dachte. Das Alleinsein wird mich zerstören, wenn ich nicht gegensteure. So, wie es Dich zerstört hat. Ist Gefängnis nicht besser als Hölle? Wenn Du da wärst, würde ich nicht in Erwägung ziehen, den Kontakt zu meinem Ex wieder aufzunehmen. Momentan verstehen wir uns wieder besser. Eine Beziehung kann ich mir nicht vorstellen, aber eine Freundschaft, eine Art WG wäre perfekt. Ich wäre zumindest abends nicht mehr allein. Das heißt nicht, dass ich Dich nicht weniger liebe. Oder dass Du mir nicht weniger stark fehlst. Ich muss hier die Zeit arbeiten lassen, ich kann ihm ja schlecht sagen, dass ich das Alleinsein nicht ertrage und deswegen den Kontakt suche. Ob das richtig ist, weiß ich nicht. Aber für mich momentan der einzig gangbare Weg, auch wenn es unfair ihm gegenüber ist. Ich glaube sogar, Du könntest das verstehen. Weil ich sicher bin, dass Du auch Zeiten hattest, in denen Du überlegt hast, zu Deiner Ex zurückzugehen. Nur war Deine Beziehung wohl ebenso die Hölle wie das Alleinsein danach, bevor ich irgendwann auf der Bildfläche aufgetaucht bin.


    Mon Amour, mon Coeur, ma belle, ich werde immer den Gefühl des Verlustes mit mir tragen. Den Verlust meines besten Freundes, meines Seelenverwandten. Und ich werde jeden Tag bedauern, dass wir nicht mehr Zeit hatten. Aber Dein Tod hat alles verändert. Hat für mich alles zerstört. Hat mich zerstört. Vor meinem eigenen Tod habe ich nun keine Angst mehr. Weil ich hoffe, dass Du auf mich wartest. Und weil ich hoffe, dass wir uns dann dort wiedersehen. Vermutlich werde ich mich erst dann wieder vollständig fühlen. Und geborgen. Wenn Du dann wieder für mich kochst, werde ich Dir wieder Deine Hausschuhe ans Bett bringen. Ich liebe Dich.

    (13.02.2019)

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • 3 Monate... so lange her und doch so kurz. Der Schock über seinen Tod, als ich nur wie in Trance war, hat nachgelassen. Ist komplett weg (zumindest momentan). Dafür heul ich immer öfter los. Allein heute schon 2 Mal. Und gestern auf dem Friedhof. Dieses Loch in mir ist nach wie vor da. Jede Sekunde präsent. Jede Sekunde erinnert mich daran, dass sich mein Leben seit 3 Monaten falsch anfühlt, egal, was ich mache. Weil das wichtigste in diesem Leben einfach fort ist. Ich bin so einsam ohne ihn. Dabei würde ich mich so gerne mit ihm besprechen, so gerne kuscheln, mich einfach wieder geborgen und vollständig fühlen... irgendwie am richtigen Platz.


    Die letzten knapp 3 Wochen war ich krank geschrieben. Ich war beim Hausarzt und hatte eigentlich darauf gehofft, dass er mir irgendwie aus diesem Loch heraushilft. Und selbst wenn er mir kurzfristig ADs verschrieben hätte... stattdessen bin ich in einer psychiatrischen Einrichtung in der Entzugsstation gelandet... gut, ich war damit einverstanden, dorthin zu gehen, allerdings ohne zu wissen, dass ich auf der Entzugsstation lande. Ich glaube, es hackt. Depression kann zu Sucht führen, Trauer kann auch zu Depression führen, deshalb ist das noch lange nicht die richtige Station für mich, nur weil es da auch depressive Menschen gibt. Nach ein paar Tagen habe ich mich deshalb selbst entlassen. Und habe die Erkenntnis gewonnen, dass man sich letztendlich doch immer selber aus der Schei... ziehen muss. Ein anderer kann das nicht für einen erledigen. Diese Erkenntnis hat mich dazu gebracht, mir Gedanken über ein Gedenktattoo zu machen. Eigentlich sind es jetzt in Gedanken schon 3 Tattoos. Eins davon kommt ganz sicher. Das zweite war bereits als Partnertattoo geplant. Aber das hat Zeit. Beim dritten überlege ich noch, ob es wirklich passend ist, wobei es für mich komplett passend ist. Ist quasi mein Mantra, das mir hilft, wenn ich mir (oder Gott, falls es ihn gibt?) Fragen stelle, die keiner beantworten kann: "was wäre gewesen wenn" oder "warum"? Diese Fragen ziehen mich komplett runter, deshalb darf ich mir die nicht stellen. Bringt eh nichts. Weil es keine Antworten darauf gibt. Dann sage ich mir "Life is a bitch". Deshalb ist es so, wie es jetzt ist. Aber ich bin noch unschlüssig, ob ich mir tatsächlich so eine Aussage mit genau diesem Text tätowieren lassen möchte (wenn dann auf den Rücken zwischen die Schulterblätter, da das doch destruktiv ist, kommt das an eine Stelle, die ich nicht täglich sehe). Wobei die anderen Sprüche, die ich alternativ ausgesucht hatte (Leben heißt sterben oder La vie est dure etc.) nicht das ausdrücken, was ich meine...


    So versuche ich also, irgendwie weiterzuleben, und sei es nur, indem ich mir Gedanken über ein Tattoo mache.

    (11.03.2019)



    Von dem Spruch bin ich jetzt erstmal komplett abgewichen, nachdem ich von vielen nur ein Abraten davon gehört hatte. Der sei zu negativ, ich solle erstmal meine Trauer komplett verarbeiten, bevor ich sowas negatives tätowieren lasse, blabla. Vor allem gefällt mir selber nicht, dass es quasi "Jugendsprache" ist. Auch wenn das Leben ungerecht ist - und das ist es definitiv, für manche mehr, für manche weniger. Vielleicht finde ich irgendwann noch einen passenderen Spruch. Ich weiß, dass mein Leben nicht ausreicht, um zu bedauern und es unfair für ihn und für mich zu finden, dass er nicht mehr da ist. Von wegen, ich solle erstmal meine Trauer verarbeiten, dann wird daraus bestimmt was positives. Als ob sein Tod etwas positives ist oder sich daraus etwas positives entwickeln könnte. Lachhaft. Er fehlt mir so unglaublich. Jeden Moment. Diese Leere ist da. Und sie wird bleiben. Weil sein Platz in meinem Herzen kann keiner ausfüllen. Das heulende Elend kommt gerade auch schon wieder. Aber ich darf weinen, ich darf trauern. Es betäuben zu wollen macht es für mich nur schlimmer. Manche Leute fallen immer auf die Füße, andere dagegen immer auf die Nase. Ich gehöre zur letzteren Gruppe. Er wohl auch... Als ob das Schicksal uns nur zusammengeführt hat, dass er die letzten Monate seines Lebens nicht allein ist. Dass er liebt und geliebt wird. Ich kann es aber nicht ändern, es ist kein Trost, ich hätte gern mehr davon gehabt. Mit ihm. Zusammen waren wir stark.


    Ja, um die Zeit rumzubringen macht man Dinge, die man vorher rundweg abgelehnt hätte. Zumindest ich. Ich geh freiwillig länger arbeiten. Nur, um dem Haus und der Einsamkeit zu entfliehen. Früher gab es nichts schöneres bzw. es war Luxus, als mal faul auf dem Sofa mit nem Buch zu liegen. Heute ist das Horror.


    Die Tattoopläne lass ich mal noch etwas in meinem Kopf reifen. Um das dann zu gegebener Zeit mit nem Tätowierer zu besprechen. Auf das naheliegendste Motiv bin ich Ende letzter Woche eigentlich durch Zufall gekommen und das freut mich.

    (18.03.2019)

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Zum Thema "Danach":


    Ich bin nicht (mehr) gläubig, bin sogar erst vor kurzem aus der Kirche ausgetreten.


    Nächste Woche werden es 4 Monate, seit mein Herzensmensch gegangen ist. Ich habe aber die letzten 2 Wochen ein bisschen was über Nachtoderfahrungen gelesen und muss sagen, dass es mich etwas positiver gestimmt hat. Ich weiß, dass mein Liebster im Januar noch 2 Mal bei mir war. Beim ersten Mal habe ich sein Parfum hinter mir gerochen, obwohl außer mir keiner im Haus war und ich gerade vor dem Kamin gekniet bin und versucht habe, Feuer zu machen. Beim zweiten Mal war es ein Sonntag morgen. Ich lag halbwach im Bett und habe plötzlich ein Gewicht auf mir gespürt. Seither war er nicht mehr da. An diesem Sonntag morgen hat er mich wohl umarmt und sich verabschiedet... So interpretiere ich das jetzt. Hat er doch mal auf mich gehört, dieser Sturkopf, weil ich zu ihm gesagt habe und auch immer noch sage, dass er nicht mehr kommen soll, weil ich nicht will, dass er sieht, was seine Erben gerade mit seinem zuhause anstellen. Das hätte er nicht gutgeheißen...


    Ich denke, es gibt ein Wiedersehen. In welcher Form auch immer. Und daran halte ich mich fest. Und jeder Tag, der hier überstanden ist, bringt mich näher dorthin... Eine seltsame Form um zu "Leben", musste ich mir heute schon von jemandem anhören. Ich antwortete, ich lebe nicht, ich existiere. Das ist ein Unterschied.

    (02.04.2019)



    Zu der Fraktion, dass alles einen Sinn hat, auch wenn wir es erst später verstehen, gehöre ich nicht. Es ist und bleibt sinnlos. Das Leben ist nicht fair. War es noch nie. Es gibt Menschen, die fallen immer auf die Füße, und es gibt Menschen, die fallen immer auf die Schnauze (Verzeihung). Vergiss Karma.


    Wiedergeburt ist für mich Horror schlechthin. Ich möchte nicht nochmal geboren werden müssen. Einmal Hölle reicht. Ich hoffe, dass ich in 20 Jahren nicht mehr miterleben muss, wie das Grab meines Herzensmenschens aufgelöst wird. Ich wäre dann knapp 60... also durchaus realistisch. Aber nicht erstrebenswert. Ganz im Gegenteil.


    Von Herzen kommt nichts mehr. Von Herzen kommen vielleicht noch die Tränen, die man still und heimlich weint um das, was nicht mehr ist und auch nicht mehr sein wird. Ansonsten "funktioniert" man irgendwie, man lächelt, man spricht, man arbeitet... und doch fühlt sich alles, was man tut, falsch an. Egal, was man tut. Weil es nicht so ist, wie es hätte sein sollen...


    Vor dem Verblassen der Erinnerung habe ich Angst. Dass es sich irgendwann anfühlt wie ein schöner Traum. Gestern musste ich ausziehen. Nun lebe ich nicht mehr in dem Haus voller Erinnerungen, voller Liebe. Dabei habe ich es seit seinem Tod als mein Grab empfunden. Das war ein Irrtum, das sehe ich jetzt, da ich nicht mehr dort sein kann. Dafür wohne ich dort, wo es ihm mit Sicherheit besser gefallen hätte (Innenstadt war sein Traum und mein Horror). Aber da sich eh alles falsch anfühlt, ist es auch egal, wo man wohnt. Und wenn hier in meiner Umgebung noch irgendjemand von "Neuanfang" spricht, bekommt er eine geklatscht. Ich wollte keinen Neuanfang. Ich lebe mit meinem Herzen in der Vergangenheit. In der Gegenwart existiere ich, weil er einen Großteil von mir mit sich genommen hat.

    (08.04.2019)



    4 Monate bist Du jetzt nicht mehr da, mein Schatz. So kurz und doch so lang. Du fehlst mir. Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen, wünschte, ich könnte wieder Deine Hand nehmen, Dich umarmen, mit Dir reden. Ich fühle mich immer noch ohnmächtig, wenn ich daran denke, dass wir uns nicht mehr wiedersehen. Verzweifelt. Und wütend. Darf man auf Gott wütend sein? Sorry, mein Schatz, ich bin es. Wütend, dass er Dich nicht gesund gemacht hat. Wütend, dass er Dich mir genommen hat. Wütend, dass er uns nicht mehr Zeit gegeben hat. Wütend, dass unsere Träume nun nie gelebt werden.


    So viele Tränen, wie die letzten 4 Monate, habe ich noch nie geweint. Ich fühle mich unendlich einsam. Zumal es die meisten nicht verstehen. Mir sind eh nicht viele Leute geblieben und die, die geblieben sind, verstehen nicht, dass mein Herz in der Vergangenheit mit Dir hängt. Ich sage es auch nicht mehr. Ich versuche zukünftig, so wie Du, eine Fassade aufrecht zu erhalten, die verbirgt, wie der Mensch dahinter wirklich ist. Tarnen und täuschen.


    Ich rede so oft mit Dir, viel öfters, als ich es getan habe, als Du noch da warst. Ich war eher Dein Zuhörer. Deswegen kannte ich Dich so gut. Nun rede ich ständig innerlich still mit Dir. Das bist Du von mir vermutlich gar nicht gewohnt. Ich hoffe, ich gehe Dir damit nicht auf die Nerven. Aber ich rede lieber still mit Dir als dass ich mit Gott rede. Denn bei diesen Gesprächen würden nur Vorwürfe rauskommen. Verbitterung. Und das möchte ich nicht.


    Sonntag musste ich umziehen, weg von unserem zu Hause. Deine ganze Familie hat geholfen, das rechne ich ihr auch hoch an. Seither ist alles wieder viel präsenter. Neuanfang. Dass ich nicht lache. Wenn nochmal jemand von Neuanfang schwafelt, dem zieh ich einen Blumentopf über den Schädel. Oder ähnliches. Mein Leben kommt mir vor wie eine ebenerdige Rolltreppe am Flughafen. Ich stehe still an einem Fleck, doch mein Leben fährt weiter, ohne dass ich es will. Wo ist der Not-Aus-Schalter? Dieses Leben fühlt sich so falsch an. Ich möchte nirgends sein als bei Dir. Und doch weiß ich, dass es nicht möglich ist. Deshalb fühlt es sich falsch an. Weil das wichtigste und schönste darin fehlt: Du. Mein Schatz, ich liebe Dich. Ich werde erst wieder vollständig sein, wenn ich bei Dir bin. Erst dann werde ich wieder "zu Hause" sein. Glücklich sein. Mich geborgen fühlen. Geliebt.


    Ich sage es nochmal: Ich liebe Dich. Ich liebe Dich. Meine Tränen laufen, mein Herz ist schwer, aber ich möchte, dass Du weißt, dass ich Dich liebe.

    (11.04.2019)

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Liebe Shiva,

    Mach Dich darauf gefasst, dass ich Dich dann nie nienie mehr loslassen werde. Und dann holen wir alle Träume nach, die wir in dieser Ebene nicht mehr geschafft haben.

    Ab hier sind bei mir die Tränen geflossen. Und ich habe immer noch feuchte Augen.


    Ich verstehe Dich sehr gut. Die furchtbaren Abende, die einsamen Wochenenden, das Hadern mit Gott, die Aussage Deiner Mutter. Meine Mutter wollte seinerzeit, dass ich mich von meiner Silvia trenne, nachdem diese unheilbar erkrankte. Ironischerweise hat Silvia meine Mutter dann um ein dreiviertel Jahr überlebt.


    "Live is a bitch" finde ich als Tattoo auch nicht gut. Aber Du wirst etwas passendes finden, davon bin ich überzeugt.


    Ich habe aber die letzten 2 Wochen ein bisschen was über Nachtoderfahrungen gelesen und muss sagen, dass es mich etwas positiver gestimmt hat. Ich weiß, dass mein Liebster im Januar noch 2 Mal bei mir war.

    Ja, ich hatte auch solch ein Erlebnis. Ich bat meine Silvia um ein Zeichen und sie hat es mir geschickt, deutlich und unübersehbar. Ich habe danach noch stundenlang gezittert. Daher WEISS ich, dass sie noch irgendwo ist. Und das ist tröstlich für mich.


    Ich wünsche Dir viel Kraft.


    Liebe Grüße

    Josh

  • Liebe Shiva,


    ich muss erst mal alles verarbeiten, was ich von dir gelesen habe. Wollte nur vorab schonmal schreiben, dass ich deinen Verlust mitfühlen kann und es mir sehr, sehr leid tut.


    Liebe Grüße

    Tina

  • Hallo,


    ja, ich weiß, es ist etwas viel... aber dieser Thread soll mein "Erinnerungsthread" an meine Lebensliebe Rainer werden...


    Mein Blick ist gerade zu meiner Buddhasammlung im Büro gewandert. Die stand, als ich noch mit meinem Ex-Freund zusammengewohnt habe, in der Küche auf dem Schrank. Als ich dann dort gegangen bin, habe ich sie mit ins Büro genommen. Dort stehen sie seitdem zwischen meinen Pflanzen. Ich hab dann Rainer ein Foto samt Nachricht geschickt: Meine Sammlung hat ein neues zu Hause gefunden. Daraufhin er: Du sollst doch keine Skulpturen von mir aufstellen. Woraufhin ich geschrieben habe: Du bist kein kleiner dicker Mann mit Glatze <3


    Nein, mit 1,85 m und vollem Haar konnte man ihn so tatsächlich nicht bezeichnen. ^^

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Hallo liebe Shiva,


    die Tränen fließen beim Lesen deiner Gedanken. So vieles erinnert an meine eigene Geschichte.


    Sei herzlich willkommen, hier wird man dich und deine Gefühle verstehen.


    Auch ich wünsche dir ganz viel Kraft.


    LG Petra

  • Vielen Dank.


    Es ist gut zu wissen, dass man nicht alleine ist, weil das Umfeld einen nicht versteht...


    Lass ihn los...

    Bist Du immer noch so schlecht drauf...

    Der Umzug ist ein Neuanfang...

    Bring Deine Steuerunterlagen 2018 auch gleich, dann machen wir das in einem Aufwasch mit 2017...

    Alles, was wir bisher weggeworfen haben, war eh nur Müll, das braucht kein Mensch mehr...


    Es tut weh. Jeder einzelne Satz davon tut weh. Und jede Aktion, die dazu gehört, ebenfalls. Versteht nur keiner. Dass jeder Tag so viel Kraft kostet, versteht keiner. Dass ich nur maximal eine Woche im Voraus plane, weil alles andere momentan nicht möglich ist. Sobald ich mir ein bisschen "innere Ruhe" erkämpft habe, kommt wieder irgendwas, was das wieder zum Einsturz bringt.


    Rainer hat am Anfang unserer Beziehung zu mir gesagt: Ich dachte, Du seist ein Eisblock... Ja, ich war vor der Zeit mit ihm ein Eisblock, weil das Leben mich dazu gemacht hatte... Weil ich mich selber dazu gemacht habe. Damit ich mich vor Gefühlen und den daraus meist resultierenden Schmerzen schütze.


    Er hat den Eisblock geschmolzen. Sehr rasch. Ganz einfach. Ich habe ihm mein Herz geöffnet. Hatte wieder Gefühle, mir waren wieder Dinge lieb und wichtig. Manchmal wünschte ich mir den Eisblock zurück, dann täte das alles jetzt nicht so furchtbar weh. Aber dann hätte ich auch das Glück mit ihm nie erfahren.


    Er sagte auch, ich hatte früher eine Körperhaltung, als träge ich die Last der Welt auf meinen Schultern. Ich muss sagen, JETZT trage ich die Last der Welt darauf... die Last des Verlustes, des Schmerzes, der Einsamkeit...


    Entschuldigung, ich neige dazu, meist Romane zu schreiben. Das war schon immer so, dass ich mich besser in Worten als im Gespräch ausdrücken kann. Rainer hat auch immer Romane auf sein Handy von mir bekommen...

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Liebe Shiva,


    was Du schreibst, berührt mich tief. Es sind DEINE Gedanken und Gefühle, die Du hier ausdrückst. In den meisten finde ich mich wieder, ohne sie so formulieren zu können.

    Danke dafür, auch wenn es entsetzlich weh tut.

    Frank

  • Liebe Shiva,


    danke, dass du deine tiefen Gedanken mit uns teilst.


    Schreibe, schreibe ...

    egal wie lange deine Texte sind/ werden. Es hilft dir - aber auch uns, die deine Gedanken lesen und uns in vielen wiederfinden.


    Wenn du magst, nehme ich dich kurz in den Arm :30: .

    Schön, dass du hierher gefunden hast, auch wenn der Anlass so schmerzvoll ist.

    Sei herzlich willkommen in unserer Runde.


    blaumeise

  • Liebe Shiva3010,


    ich bin von deinem Leidensweg sehr berührt.


    In diesem Forum wirst DU sehr viele gleichgesinnte Menschen finden.


    Ich wünsche DIR viel Kraft für den weiteren Weg.


    Allerliebste Grüße aus dem Solling,

    Uwe & Prinz.

  • Ich danke Euch allen.


    Gestern dachte ich noch: jetzt habe ich 2 Haustürschlüssel (einmal den von meiner Wohnung, einmal den von seinem Haus) und habe doch nirgends mehr ein "zu Hause". Zumindest keines, was sich danach anfühlt.


    Heute morgen dachte ich: 4 Monate. 16 Wochen... wo ist die Zeit hin? Eigentlich schon so lange her... und doch, als sei es gestern gewesen. Unser letzter Abend im Krankenhaus. Er wusste, dass er stirbt. Ich habe das nicht in Betracht gezogen. Überhaupt nicht. Seine letzten Worte an mich waren: "Wir sehen uns heute zum letzten Mal. Danke für die schöne Zeit. Pass auf mein Haus auf." Ich habe zu ihm gesagt, kämpfe. Er antwortete, irgendwann hat man keine Kraft mehr zu kämpfen. Dann hat mich die Nachtschwester quasi rausgeworfen...


    Als ich am nächsten Morgen ins Krankenhaus kam, war es zu spät... er war ein paar Minuten vorher gegangen.


    Sorry, hier fließen die Tränen... brauch eine Pause...

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Liebe Tereschkowa,


    tja, meine Zeitrechnung teilt sich auf in "ein Leben vor Dir", "ein Leben mit Dir" und "ein Leben nach Dir". Das Leben vor ihm war Gefängnis, mit ihm Himmel, jetzt Hölle... Am 11.12. brach meine persönliche Hölle los.


    Es war ein Dienstag früh. Ich habe gegen 7 Uhr einen Anruf vom Krankenhaus erhalten, sie hätten ihn auf die Überwachungsstation verlegt. Ich könne ihn besuchen. Es hatte geschneit, war kalt. Kurz meine Vertretung bei der Arbeit organisiert und bin ins Krankenhaus gefahren. Kurz vor 9 Uhr war ich dort, habe diese Station ewig nicht gefunden. Eine Schwester sprach mich an. Ich suche Herrn G. Als die Antwort kam, dass er ein paar Minuten vorher gestorben ist, brach meine Welt zusammen. Die nächsten Wochen war mein Kopf wie im Nebel... Ich weiß, dass ich noch über 2 Stunden bei ihm war. Hab geheult, seine Hand gehalten, sein Gesicht gestreichelt, ihn geküsst... Irgendwann kam seine Schwester samt Mann. Ich hatte sie angerufen. Meine letzten Worte an ihn waren: Danke, dass Du mich hinter Deine Fassade hast schauen lassen (oder irgendwas in der Art). Er sah aus, als ob er schläft.


    Bis jetzt ist es eigentlich nicht komplett real. Ich weiß, dass er tot ist. Aber irgendwo denke ich, das kann nicht sein. Das darf nicht sein. Aber wenn es nur ein Alptraum wäre, müsste ich schon längst aufgewacht sein. Kein Alptraum dauert so lange... Mit dieser Realität muss ich leben. Akzeptieren kann und will ich sie nicht. Vielleicht habe ich ein Stückweit resigniert. Daran, wie grausam das Schicksal ist...

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.