Mein Herzens- und Seelenmensch ist gegangen

  • Liebe Shiva,

    am Sonntag musstest du grinsen ... SCHÖN.


    Nicht mehr dein Gott - ja, das kann ich verstehen, dass du deinen Glauben verloren hast. Dass du das Gefühl hast, er lässt dich im Stich.

    Und doch hat mir eine Erklärung von dir auch ein bisschen versöhnend geklungen: Wenn es darum ging, Rainer die letzten Monate schön zu machen?

    Und immer noch ist da dein Schmerz. Immer noch ist da die Trauer.


    Sei ehrlich, würdest du auf ein Leben ganz ohne die Erfahrungen und die Liebe mit Rainer verzichten wollen, damit du die Trauer auch nicht hast?


    Ja, auch Mutter Theresa ist ein Mensch und kommt an ihre Grenzen. Shiva, du bist ein Mensch und bist gerade an oder sogar schon ein Schritt über deinen Grenzen. Es ist schwer. Es tut weh. Es gibt kein Zurück.

    In diesem Schweren kann ich nicht mehr, als da sein und lesen und dir hin und wieder schreiben.


    Sei lieb gegrüßt :24::30:

    Astrid.

  • Liebe Shiva, das mit dem Alkohol gemeinsam mit Beruhigungsmitteln habe ich auch einmal probiert, das Ergebnis war ganz furchtbar. Zuerst bin ich rumgelaufen wie ein Zombie, danach kam das ganze Elend doppelt und dreifach wieder zurück.

    Ich habe gelesen, dass du erst 39 Jahre alt bist, ich bin immerhin schon 60 Jahre alt, aber mein Mann war auch wesentlich älter als ich und es war perfekt so.

    Aber unsere Gefühle sind die Gleichen.

    Sie verändern isch zwar mit der Zeit, aber ins Leben zurückgefunden habe ich auch nach 10 Monaten noch nicht.

  • Liebe Astrid,


    nein, ich würde auf nichts verzichten, weder auf die Zeit noch auf die Liebe mit Rainer, nur damit ich die Trauer nicht mehr habe. Ich würde es, hätte ich es vorher gewusst, wieder genauso machen. Ich hätte nur gern etwas mehr davon gehabt... Ich klinge wie ein bockiges Kind vor dem Süßigkeitenregal. Eigentlich sollte ich dankbar sein, dass ich einen Lolli bekommen habe. Der ist mir aber nicht groß genug, also bocke ich. Heule. Weil ich den größeren will. Kann ich aber momentan nicht ändern. Ich will mehr Glück, mehr Liebe...

    Meine Trauer ist jetzt wohl der Preis, den ich für mein Glück bezahlen muss.


    Liebe Lily,


    Rainer war 10 Jahre älter als ich... 49. Dieses Jahr wären wir zusammen 90 geworden. Beide einen runden Geburtstag.

    Er hatte Anfangs Probleme mit unserem Altersunterschied. Er fühle sich so alt neben mir, meinte er... So ein Schwachsinn. Als ob das Alter wichtig gewesen wäre. Wenn ich ihn ärgern wollte, bekam er von mir den Spitznamen "Opa". Ich war "Mama" 8o Gegen das anfänglich gebrauchte "Maus" habe ich Veto eingelegt. Nein, bitte keine Analyse unserer Spitznamen :D

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Mein Schatz,


    gestern war ich bei meinen Eltern. Wie gern hätte ich Dich dabei gehabt... Wie gern wäre ich nicht allein gewesen. Wie sehr ich mir wünschte, dass das Leben anders wäre. Bin dann noch ne Weile auf der Terrasse gesessen. Wie oft noch? Habe mir vorgenommen, ab morgen nicht mehr im Haus zu schlafen. Kann ich das? Oder bleibe ich noch über das Wochenende? Ich weiß, dass ich irgendwann, vermutlich sehr bald, für immer gehen muss. Dein Sohn hat Dein Auto wieder in die Garage gestellt. Er hätte ja auch irgendwas sagen können, hab ich erst gesehen, als ich in die Garage fahren wollte. Egal, ich habe kein "Recht" auf irgendwas. Bin nur geduldet. Jetzt ist Dein Auto also wieder da. Wo es hingehört. Hab es noch angesehen, gestreichelt. Allerdings immer noch falsches Kennzeichen.


    Hab gestern noch den Wolf und die Katze von der Terrasse abgeschraubt. Beide wohnen nicht mehr hier. Ich nehm sie mit, ob ich sie jemals woanders wieder hinschraube, weiß ich nicht. Der Wolf ist weitergezogen und hat die Katze allein zurückgelassen. Für die Katze ist der Wolf unerreichbar weit weg.


    Heute morgen bin ich mit dem Wort "Bedauern" im Kopf aufgewacht. Bedauern. Ja, ich bedauere... was? Dich, weil Du nicht mehr da bist? Mich, weil Du nicht mehr da bist? Jeden Tag seit dem 11.12., weil Du nicht mehr da bist?


    Heute Abend geht's zu einer großen Veranstaltung mit R.. Eigentlich will ich nicht. Weil die Menschen um mich rum gut drauf sein werden. Am liebsten würde ich kneifen, aber das kann ich nicht.


    Bin konfus.


    Gestern vor einem Jahr hatten wir auch Nachrichten geschrieben. Den halben Nachmittag. Ich hatte Dir irgendwann geschrieben, dass es da so einen blöden Spruch gibt: "Ich hasse Menschen. Steine und Tiere sind ok." Dieser Spruch träfe auf mich zu. Deine Antwort war: das kommt mir irgendwie bekannt vor... Du warst gleich.


    Hab gerade unsere Konversation von heute gelesen. Du hast mir die Sprachnachrichten von Dir und Deiner Tochter geschickt. Als ich gerade Deine Stimme gehört habe... Mist.


    Hol mich endlich. Ich ertrage dieses Dasein ohne Dich nicht.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • ch klinge wie ein bockiges Kind vor dem Süßigkeitenregal. Eigentlich sollte ich dankbar sein, dass ich einen Lolli bekommen habe. Der ist mir aber nicht groß genug, also bocke ich. Heule. Weil ich den größeren will. Kann ich aber momentan nicht ändern. Ich will mehr Glück, mehr Liebe...

    Liebe Shiva,

    nur geht es bei dir nicht um Süßigkeiten, sondern um Zeit, um Lebensfreude, um einen Menschen, um ....


    es geht um so viel mehr, als Süßigkeiten.


    Darum klage ruhig. Auch wenn ich hin und wieder mal so eine blöde Frage stelle. Das mache ich, um den Blick manchmal zu verändern und genau deswegen finde ich auch die KLAGE so wichtig. Es ist kein bocken und kein jammern. Es ist KLAGE.


    Vielleicht magst du mal einen Klagepsalm schreiben? Psalmen sind ursprünglich biblische Texte aus dem Alten Testament (ich weiß nicht, wie gut du dich auskennst und ob du mit dem christlichen oder jüdischen Glauben etwas anfangen kannst.) Bei den Psalmen gibt es auch Klagepsalmen. Die musst du nicht lesen, um einen schreiben zu können. Wichtig ist bei den Psalmen, dass sie an Gott gerichtet sind. Es kann auch die "göttliche Energie" oder "das was das Leben möglich macht" sein.


    Dann stellst du diese Worte mit einer direkten Anrede an den Anfang:


    Du der/die das Leben möglich macht,

    mir ist so schwer ums Herz

    .....


    Und dann darf ein kurzer oder auch ein sehr langer Text folgen.

    Es werden kurze Zeilen und relativ kurte Absätze gemacht.

    Und es darf auch einen Kehrvers geben. Etwas, das sich immer

    wiederholt.


    Vielleicht magst du es einmal probieren. Und vielleicht auch nicht.

    Wie du magst.


    Lg. Astrid.

  • Meine Bella,


    gerade bin ich wieder total traurig. Weil ich mich in die Zeit vor einem Jahr zurückwünsche. Das "Heute" ist kaum erträglich. Weil Du nicht da bist. Wie oft rede ich mit Dir, dass Du mir wenigstens Träume von Dir schickst. Oder irgendwas, woran ich merke, dass Du mich nicht komplett verlassen hast. Doch da ist... nichts. Gar nichts. Nur Stille.


    War gestern mit R. bei einem Konzert. Es war ganz schön, trotz der vielen Menschen. Ich glaube, die Musik wäre nicht so Deins gewesen. Egal. Bei ein paar Liedern musste ich mir die Augen heimlich abwischen. Weil doch die Tränen gekullert sind... Weil ich die Texte auf uns beziehe. 2 oder 3 Lieder haben mich besonders berührt. Wobei ich eines davon gar nicht kannte. Das zweite war von Peter Maffay So bist Du:


    "Und wenn ich sterb, dann stirbt nur ein Teil von mir

    Und stirbst Du, bleibt Deine Liebe hier

    Und wenn ich wein, dann weint nur ein Teil von mir

    Und der andere lacht mit Dir"


    Ist Deine Liebe denn noch da? Ich glaube, Du hast mich vergessen. Hast Deine Liebe mitgenommen. Fort von mir. So wie Du auch fort bist. Unerreichbar fort. Für immer fort. Der Gedanke, wie lange "für immer" noch dauern wird, ist unerträglich. Ich versuche, mir ein neues Dasein aufzubauen (Leben nenne ich das mal nicht, da ich nicht lebe, sondern nur da bin, existent bin). Aber wozu? Es macht doch ohne Dich alles so wenig Sinn. Es ist so mühsam. Ich funktioniere soweit, aber der Schmerz ist immer in mir. Diese Hoffnungslosigkeit. Diese Ohnmacht. Diese Sehnsucht nach Dir. Die Sehnsucht, bei Dir zu sein. Egal, wo Du bist, genau da möchte ich auch sein.


    Du fehlst mir. Ich liebe Dich, mein Herz.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Spatzl,


    ich muss das noch festhalten, bevor ich es wieder vergesse. Mittwoch, als ich ums Haus gelaufen bin, ist mir ein Satz von Dir wieder eingefallen, den Du öfter im Scherz zu mir gesagt hast, falls es mir langweilig sein sollte: Dann streich den Giebel runter. ^^


    Ein Satz, den Du früher öfters verwendet hast und später nie mehr wieder: stellt Euch nicht an wie ein Mädchen...


    Gerade fällt mir noch was ein, was mir gestern Abend aufgefallen ist: vielleicht hast Du doch mehr von Dir in mir zurückgelassen als ich dachte. Ich sag nur Jeansrock und High Heels... Du weißt, was ich meine <3

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Meine Bella,


    wieder ein Wochenende überstanden. Abends ist es immer besonders schlimm. Gestern Abend war schlimm. Die Gedanken fahren Karussell, sobald ich ins Bett gehe...


    Seit gestern gibt es für mich kein Zurück mehr ins Haus. Als ich Samstag früh gegangen bin, kamen Dein Sohn und Dein Neffe. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass Sie "nur" das Altmetall entsorgen wollen. Als ich abends kam, fehlte das komplette Esszimmer, das halbe Wohnzimmer, etliche Bilder wurden abgehängt. Steht nun alles in der Garage... und wartet auf die Entsorgung, vermute ich. Kein Wort, keine Nachricht, die mich darauf vorbereitet hätten. Kannst Du Dir meinen Schreck vorstellen, als ich ins Haus gekommen bin und es gesehen habe? Ich war dort seit Deinem Tod geduldet. Habe nun gestern meine restlichen Sachen gepackt und bin gegangen. Muss heute aber nochmal kurz hin. Muss noch mehr von Dir holen, bevor es entsorgt wird. Ein Leben landet im Müll... Erinnerungen werden weggeworfen. Ich weiß, ich könnte alles mitnehmen, und doch wäre es nicht das, was es war. Mir ist das bewusst. Aber im Haus warst Du mir näher. Nun bin ich in meiner Wohnung, die Du niemals betreten hast. Alles voller Gegenstände von Dir. Und doch nicht genug. Niemals genug. Zumindest habe ich seit gestern den Fernseher aus unserem Schlafzimmer dort. Mit Glotze ist es erträglicher als nur mit Radio. Hab gestern Abend fast ne halbe Flasche Rotwein getrunken, weil ich nicht schlafen konnte... jetzt, wo ich definitiv weiß, dass Dein Haus zukünftig nicht mehr "Zuhause" sein wird... Ich hab den Alkohol nicht mal gemerkt, schlafen konnte ich trotzdem nicht.


    Heimatlos...


    Sei mir nicht böse, mein Schatz, aber ich werde den Kontakt zu Deiner Familie, bis auf den zu Deinen Eltern und Deiner Tochter, abbrechen. Ich weiß, die Familie ging Dir über alles. ICH bin aber nicht Teil dieser Familie. Und werde auch von Deiner Familie nicht so gesehen. DU warst meine Familie, DU warst mein Zuhause. Ich liebe das Haus, weil Du es geliebt hast. Weil wir dort glücklich waren. Ich hätte mir Dir unter der Brücke geschlafen, wenn die Brücke Dein Zuhause gewesen wäre, ich brauche kein großes Haus. Mir reicht mein "überdachtes Bett", wie ich meine 30 m2-Wohnung scherzhaft genannt habe. Wenn Du auch nur einmal drin gewesen wärst, könnte ich dort ohne Probleme sein, denn Dein "Geist" wäre ja da... Die Erinnerung. So aber bin ich davon getrennt.


    War gestern noch mit R. Möbel kaufen. Eine Ironie, dass ich mit meinem Ex-Freund Möbel kaufen gehe... Ich war dabei. Körperlich anwesend. Wie habe ich es gerade in einem anderen Thread bezeichnet: ein Zombie, die äußere Hülle ist da, hinter der Fassade ist alles tot. Sieht die Außenwelt, dass ich ein Zombie bin? Dass meine Augen und mein Herz bereits tot sind? Wie heißt es in einem Lied: my heart is a ghosttown. In diesem Herzen lebt niemand mehr... bis auf Deinen Geist. Nichts macht Freude. Ich "lebe meine Zeit ab". Ich existiere sie ab, wohl eher. "Muss ich denn sterben, um zu leben"? Falco mochtest Du. Vermutlich werde ich sterben müssen, um wieder zu leben. Mit Dir zu leben... Hoffentlich mit Dir zu leben. Und hoffentlich bald.


    Hatte gestern noch kurz WhatsApp-Kontakt zu einem Deiner Kumpel. Er hat in seinem Profilbild ein Bild von Dir und Deinem Hund. Habe ich Samstag gesehen. Er denkt auch noch oft an Dich, in Memory of Rainer, hat er mir geantwortet...


    Lese jetzt täglich unsere WhatsApp-Konversation vor genau einem Jahr. Samstag habe ich Dir geschrieben "danke, dass Du heute da warst". Ich weiß nicht mehr, was vor einem Jahr war. Vermutlich haben wir einfach miteinander geredet... Deine Antwort war "immer wieder gern" und "du hast eine neue Freundin". Meine Antwort "die einzige". Mit Dir konnte ich über alles reden. Du genauso. Deswegen "Freundin" und nicht "Freund". Damals ging es nicht um Liebe, es war Freundschaft. Wir haben Dinge beredet, die sonst mit niemand anderem beredet worden wären.


    Gestern hast Du mir ein "Live your day" und "Carpe Diem" geschickt. Meine Antwort: Ich lebe nicht, ich existiere, aber das ist in Ordnung. Genieß den Tag einfach für mich mit.


    Sehr viel später hast Du mir gesagt, dass Du mich, bevor wir Freunde wurden, für... öhm, ich drück es mal so aus: nicht so clever, gehalten hast. Weil ich immer so ruhig war. Nicht geredet habe. Erst dann hast Du gemerkt, dass ich durchaus intelligent bin, sonst hättest Du mir "Carpe Diem" nicht geschickt. Ich hätte ja sonst nicht gewusst, was es heißt ^^


    Es ist nicht fair. Meine Sehnsucht nach Dir bleibt. Die Ohnmacht angesichts der Realität bleibt. Samstag werden es 5 Monate... Es ist immer noch nicht fassbar. Ich möchte Dich zurück, einfach nur zurück. Möchte meine Zeit mit Dir verbringen, Dir in die Augen schauen. Mit Dir Hand in Hand durch die Stadt laufen. Oder einkaufen. Neben Dir einschlafen. Und aufwachen. Dich umarmen, küssen. Oder einfach Nichtstun. Hauptsache, mit Dir. Nur mit Dir. Für immer nur mit Dir. <3

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Liebe Shiva,


    Ein Leben landet im Müll...

    das kann ich nachempfinden. Letztes Jahr habe ich da Haus meiner Mutter ausgeräumt, dieses Jahr die Wohnung von Silvia. Manche Sachen nimmt man zwar mit, aber was von einem Leben übrig bleibt, ist oft ein großer Haufen Müll. Ein Leben wird entsorgt...


    Fühl Dich umarmt.


    Liebe Grüße

    Josh

  • Lieber Josh,


    danke Dir.


    Ich kann es ja schon irgendwie nachvollziehen. Ich konnte das Haus meiner "Schwiegereltern" mit ausräumen. Ich könnte vermutlich auch das Haus meiner Eltern ausräumen. Und es würde hier genauso passieren: ein Leben landet mehr oder weniger im Müll. Weil es den Personen wichtig war, die darin lebten und nicht mir...


    Und genau hier ist die Crux... ich weiß, wie wichtig ihm die Sachen waren. Also wurden sie mir auch wichtig. Und nun zu sehen, dass es anderen Leuten nicht wichtig ist, ist... Ironie des Schicksals? Mir wären seine Dinge früher auch nicht wichtig gewesen. Ich könnte die meisten meiner Dinge wegwerfen, weil sie für mich keinen Wert mehr haben. Seine Dinge haben nun Wert für mich. Ich weiß, ich kann mich mit noch so vielen Erinnerungsstücken eindecken, es hilft aber nicht. Das wichtigste ist fort: Er. Seine Dinge, die mir bleiben, sind aber das einzig "greifbare" zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Und je mehr Dinge nicht mehr da sind, desto weniger greifbare Dinge gibt es... weil es keine neuen geben wird. Ist das verständlich?


    Und ich weiß, dass es eigentlich nur schmerzhaft ist, was ich da tue, mich mit seinen Sachen eindecken. Aber je mehr weg ist, desto mehr ist auch von ihm weg. Desto mehr ist er selber weg. Aber er ist ja eigentlich schon weg... Mehr weg als weg geht ja nicht...?


    Bin verwirrt. Und traurig.


    Werde heute trotzdem noch ein paar Dinge holen ;(

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Nachtrag:


    Ein Bild werde ich bewusst nicht mitnehmen. Home sweet home bekam er letztes Jahr zum Geburtstag (von seiner Tochter). Er fragte mich, wo wir es aufhängen. Es wurde im Schlafzimmer aufgehängt. Ich lasse es bewusst dort, da nur in diesem Haus "Home" war. Und nur dieses Haus jemals "Home" sein wird. Was soll ich mit einem Bild, das mich schmerzhaft daran erinnert und bewusst vor Augen führt, was ich nicht mehr habe?

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Mein Herz,


    gestern auf dem Weg zu meiner Wohnung musste ich weinen. Max Giesinger lief im Auto "Die Reise". Dieses Lied habe ich zum ersten Mal an einem Freitag Abend im Dezember gehört. Ich war gerade im Auto unterwegs vom Krankenhaus, wo ich Dich besucht habe, nach Hause. Eigentlich wollte ich Dir diesen Liedtext noch per WhatsApp zusenden. Dazu ist es leider nicht mehr gekommen, ein paar Tage später warst Du tot. Er hat mich damals schon zutiefst berührt. Weil es mir so ging wie beschrieben:


    So laufen die Jahre weiter ins Land

    So fängt das Neue nach dem Alten an

    Wir sind auf der Reise, und irgendwann

    Kommen wir an, kommen wir an

    Wir starten von vorne, geben fast auf

    Wir stolpern und fallen und ziehen uns wieder rauf

    So laufen die Jahre, und irgendwann

    Kommen wir an, kommen wir an


    Ich bin bei Dir angekommen. So wie Du bei mir angekommen bist. Das weiß ich. Ich glaube, Du hättest diesen Text genauso unterschrieben. Jetzt schmerzt dieser Text. Weil ich nicht mehr angekommen bin. Mein Hafen, meine Heimat, also Du, bist nicht mehr. Ich könnte schreien. Weil es so weh tut. Hohn. Das Leben verhöhnt uns.


    Ich kann nichts mehr weiter tun als Liebes- und Sehnsuchtszeilen im Internet zu schreiben. Wie gerne würde ich sie Dir persönlich sagen. Wie gerne würde ich jeden morgen noch Dein liebevolles "Guten Morgen mein Schatz" hören. Und antworten "Guten Morgen mein Schatz". Alternativ Deine Bezeichnung "Glitschefrosch" für mich, wenn ich mich mal wieder zu arg zugedeckt hatte. :P


    Eine Zeitlang hatten wir uns liebevoll mit "Du Arsch" angeredet, ich weiß nicht mehr, wer von uns beiden damit angefangen hatte :D Du sagtest dann irgendwann, dass wir das aber besser nicht vor anderen Leuten machen sollten, weißt Du noch? Ich sagte dann, dann sag halt AMO (=Arsch mit Ohren) :D


    Meine Bella, ich will mein Leben wieder haben. Unser Leben. Bella... Schon wieder ein Kosename. Er entstammt der Zeit unserer Freundschaft. Ich war Deine Bella, Du warst meine Bella. Beste Freundinnen quasi. Irgendwie waren wir beide zusammen schon verrückt. Positiv verrückt.


    Nun bin ich ver-rückt. Statist im Leben anderer. Zuschauer in meiner eigenen besch... Existenz. Teilnehmer in einem Alptraum, aus dem ich nicht aufwache. Ich stehe da und denke: es kann nicht sein, es darf nicht sein.


    Du fehlst. :33: Immer. Egal was ich tue. Das Wichtigste und Schönste fehlt: Du. Ich liebe Dich.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Rückblick 07.05.2018: Du hast mir ein Bild geschickt und gleich ein "sorry, wollt ich Dir nur zeigen" hinterher. Weil Du wusstest, dass mich das Bild möglicherweise Triggern könnte... Hab dann geschrieben, dass alles in Ordnung ist und Du mich nicht in Watte packen musst. Deine Antwort: bissle. Meine Antwort: gar nicht.


    Gestern 2018 hattest Du das Objekt, das heute immer noch auf der Terrasse steht, bei Deinen Eltern gefunden. Seite an Seite neben Deinem.


    Ich vermute, dass auch das wegfliegt.


    Hab gestern noch Deine Schuhe, die zur Tracht gehören, gefunden. Liegen schon in der Garage. Standen bisher im Schuhschrank. Ob die auf dem "Entsorgen"-Stapel oder dem "Verkaufen"-Stapel liegen kann ich nicht nachvollziehen, vermutlich ersteres. Hab auch nicht nachvollziehen können, ob es schon einen "Behalten"-Stapel gibt. Deine Tracht ist bei mir. Die hast Du geliebt. Deswegen hab ich sie mitgenommen. Ich kann doch jetzt nicht auch noch die Schuhe mitnehmen... Hab auch gestern Abend im Bett noch überlegt, ob ich Deine Turnschuhe mitnehme und sie neben meine stelle.


    Immer, wenn ich in den Spiegel schaue denke ich mir: Mädel, siehst Du scheiße aus. Der Pony hängt über die Augen, Rainer mochte eh keinen Pony an mir. Ohne Wimperntusche (würde eh verlaufen, so oft wie ich heule). Heute wieder mit seinem T-Shirt und seinem Pulli an, in denen ich drinhänge wie ein Skelett, abgenommen hab ich eh. So hätte Rainer sich schon äußerlich nicht in mich verliebt... von meinen inneren Dämonen ganz zu schweigen. Die sind mir teilweise neu, die kamen erst nach seinen Tod. Wobei, diese Dämonen waren auch die seinen, das hätte er gekannt. Sind es vielleicht seine...? Das ist der Teil von ihm in mir, der gerade die Überhand gewinnt. Genauso das "Jäger und Sammler"-Ding, ja nichts wegschmeißen. Und seien es seine Schuhe.


    Findet er mich deswegen nicht, weil ich nicht mehr die bin, die er kennt?


    Ich bin komplett gaga.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Liebe Shiva,

    ich finde nicht, dass du komplett gaga bist.

    Auch wenn es für dich wahrscheinlich wirklich so anfühlt.


    Du bist anders, als vor dem Tod deines geliebten Menschen .... stell dir vor, du wärst gleich geblieben? Die Trauer verändert die Menschen. Und das Gefühl, es wären Dämonen, das kann ich gut nachvollziehen. Auch wenn ich dir aus meiner Erfahrung sagen kann, dass diese Dämonen, wenn du sie dir lange und genau ansiehst, meist etwas sind, das dir helfen will. Die dir nahe bringen wollen, was du für dich brauchst.


    Und wenn du gerade seinen Pulli brauchst, dann zieh ihn an. Die Wärme und das Wissen, er hat ihn getragen - das kann tröstlich sein.


    Und wenn du findest, dass du schrecklich aussiehst und er dich lieber anders gesehen hat, dann geh vielleicht zum Frisör - als Liebeszeichen für ihn und vielleicht als kleines Verwöhnprogramm für dich. (Wenn du gerne zum Frisör gegangen bist)


    Oder richte dich einmal in der Woche als Liebeszeichen so her, wie er dich gerne gesehen hat. Auch das kann dir vielleicht ein bisschen wohl tun.

    Nimm vielleicht ein duftendes Bad.

    Eine Gesichtsmaske.

    Eine feine Lotion, mit der du deine Haut verwöhnst.

    Er hätte es so gewollt und du würdest dich vielleicht wieder ein bisschen spüren - auch als die, die du verloren meinst.


    Und dann schlüpfe wieder in seinen Pulli, wenn du magst.


    Er kennt dich - so wie du bist. Denn er weiß, dass du gerade durch die Hölle gehst, weil du dich in einem Leben ohne ihn einrichtest. Er ist sicher liebevoller und freundlicher in seinen Gedanken über dich, als du über dich denkst.


    Das Sammeln ist für viele Menschen in der Trauer ganz wesentlich. Uwe will nichts weggeben, mit dem er noch nicht in "Rosi-Erinnerungs-Kontakt" war. Manche Kleidungsstücke oder andere Andenken werden für dich ganz lange wichtig bleiben. Ich habe immer noch ein paar Erinnerungsstücke an Aaron. Seine Bergschuhe, die er nur einmal getragen hat. Kleidungsstücke, die neben ihm auch unsere anderen drei Söhne getragen haben. Und auch Erinnerungsstücke aus der Zeit nach seinem Tod. Einen Igel, eine schützende Hand, ...

    Manches wird bleiben und von anderem wirst du dich mit der Zeit verabschieden WOLLEN. Erst dann ist der Zeitpunkt da, es weg zu geben.


    Ich finde, du achtest sehr auf das, was dir Bedürfnis ist und das freut mich sehr.


    Sei lieb gegrüßt

    Astrid.

  • Liebe Astrid,


    es sind Dämonen... diese düstere innere Stimmung. Diese Empfindsamkeit, beim kleinsten Ding oder Lied loszuweinen. Dieser Wunsch, mich abends mit Alkohol zu "trösten" oder "vergessen" (dabei habe ich vor seinem Tod recht selten Alkohol getrunken und wenn, dann nur so viel, dass ich mich noch unter Kontrolle hatte. Ich konnte es für mich nicht ertragen, mich nicht mehr unter Kontrolle zu haben...) Diese Todessehnsucht. Kenne ich das meiste nur so von Rainer. Außerdem ertappe ich mich die letzte Zeit immer öfter, dass ich breitbeiniger dastehe, als ich das früher gemacht habe. Irgendwie scheint mein Unterbewusstsein Rainer zu spiegeln, ohne dass ich das bewusst mache. Keine Ahnung.


    Ja, er hätte mich gern anders gesehen. Ich glaube nicht, dass er es toll oder sexy gefunden hätte, wenn ich in seinen Pullis und T-Shirts rummarschiert wäre :D Zum Friseur sollte ich tatsächlich mal wieder. Ich werde grau... Die aktuelle Haarfarbe habe ich seit ihm. Die bleibt auch. Bzw. wird erneuert. Meine alte Haarfarbe wird nicht mehr kommen. Das wäre erst recht nicht mehr ich. Gefällt mir auch nicht mehr.


    Seine Schwester hat nach seinem Tod zu mir gesagt, wir beide seien gleich empfindsam. Vor Rainer war ich das sehr lange Zeit nicht. Er hat das erst wieder hervorgeholt, was jahrelang hinter meinem Eispanzer verborgen war. Er konnte Menschen sehr gut einschätzen, hat Menschen "erspürt". Das sei eine goldene Gabe, wie er mir mal geschrieben hat. Hat für ihn aber auch viel Kummer bedeutet, weil er die Probleme der anderen zu seinen gemacht hat. Dabei hatte er selber genug... Er war selbst auch Mutter Theresa. Nicht nur ich.


    Ich musste mich erst wieder erspüren lernen. Und lerne immer noch.



    Mein Schatz,


    gestern Abend habe ich noch über eine halbe Stunde mit Deiner Mutter telefoniert. Davor ging es mir ein paar Stunden eigentlich recht gut, ok, ich war auch beschäftigt, da war die Trauer etwas weiter weg. Schon beim Telefonat fing das heulende Elend wieder an. Und das hörte nicht auf, bis ich endlich eingeschlafen bin.


    War gestern doch noch im Haus und hab Deine Schuhe zur Tracht geholt... Was will ich so gesehen mit einer unvollständigen Tracht? :P


    Heute vor einem Jahr... ein paar nicht jugendfreie Videos hin- und her geschickt. Während der Arbeitszeit :whistling: Und Witze drüber gemacht. Später wieder miteinander geschrieben. Du hast Tomaten gepflanzt und gegrillt. Hab mich etwas bei Dir ausgeheult. Deine Antwort: Meine Reaktion sei reiner Selbstschutz, es kommen auch wieder andere Zeiten.


    Ja, die anderen Zeiten kamen. Mit Dir. Und dafür bin ich unendlich dankbar. <3


    Jetzt fließen schon wieder die Tränen. In 2018 warst Du bereits meine Krafttankstelle. Der Grund, warum ich fröhlich war. Der Grund, warum ich gelächelt und gelacht habe. Du bist meine beste Freundin. Der Mensch, den ich über alles liebe. Der Mensch, den ich vermisse wie ich noch keinen Menschen vermisst habe. Du bist die Seele, zu der ich will. Diese eine Seele, Du, mein Herz, ist mir mehr wert als alle Seelen auf dieser Welt zusammen.


    Ich liebe Dich über alles <3

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Liebe Shiva,


    Ich glaube nicht, dass er es toll oder sexy gefunden hätte, wenn ich in seinen Pullis und T-Shirts rummarschiert wäre

    täusche Dich da mal nicht. Ich habe es immer geliebt, wenn Silvia Klamotten von mir anhatte, rochen die doch anschließend so schön nach ihr. Ein Halstuch von mir trug sie eigentlich immer, manchmal auch eine Jacke.


    Und wenn Du das Bedürfnis hast, in seinen Klamotten rumzulaufen, dann mach das einfach. Ich habe auch noch einige ungewaschene Kleidungsstücke von Silvia aufbewahrt und rieche manchmal daran. ich habe sogar drei Monate lang das Bett nicht frisch bezogen, weil es noch nach ihr roch.


    Liebe Grüße

    Josh

  • Lieber Josh,


    danke :2:


    Meine Kollegin sagte neulich zu mir, sie findet es gut, dass ich jetzt wieder in meinen Klamotten rumlaufe (habe ich eine Zeitlang wieder, jetzt "brauche" ich aber wieder seine... Zumal es kalt ist und ich seinen Pulli über meinen ziehe).


    Warum? Weil ich dann wieder mehr wie "ich" aussehe, wenn ich nicht seine Kleidung trage? Weil es nicht jedem sichtbar vor Augen führt, dem ich entgegenkomme, was passiert ist? Weil es ohne seine Kleidung so aussieht, als sei ich "auf dem Weg der Besserung"? Egal. Und selbst wenn es mich zukünftig nur noch in pinken Turnschuhen mit zu großen Pullis, seiner Uhr (die ich mit einem Kabelbinder "geflickt" habe), seiner Kette und seinem Ohrring gibt, dann IST das eben so.


    A propos mit Kabelbinder geflickt: ich hab ihn immer scherzhaft "McGyver für Arme" genannt, wenn er wieder irgendwie unkonventionell was zusammengebastelt hatte :love: Das dann auch noch hielt :D

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Bella,


    gerade wieder gegrinst.

    Frau mit Ballerinas und BAUMWOLLsocken gesehen. Du hättest bei dem Anblick einen Anfall bekommen, so wie letztes Jahr bei mir mit meinen Ballerinas und meinen BAUMWOLLsocken. :D


    Memo an mich: Ballerinas werden mit Feinstrümpfen getragen. NUR mit Feinstrümpfen.


    Du weißt, dass ich Dich liebe?!

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.