Mein Herzens- und Seelenmensch ist gegangen

  • Kein WIR - nur noch ein ICH

    Schmerzverzerrt

    Fremd

    Alleingelassen

    Losgelöst

    Entwurzelt

    Ohnmächtig

    Übriggeblieben

    Planlos

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Mein Herz,


    beam mich in die Vergangenheit... 2018... 09.05.2018. Du hast mir ein Bild geschickt von Deinem Arbeitsplatz mit dem Zusatz: Brauch Wasser, bin in der Wüste. Nachdem ich recht schnell zurückgeschrieben hatte, kam von Dir ein "ganzen Tag das Telefon in der Hand". Ja, den Grund, warum ich den ganzen Tag quasi neben dem Telefon gesessen habe, hab ich Dir nicht gesagt... das warst Du. Deine Nachrichten waren mein "Wasser in der Wüste", mein Lebenselexir.

    Abends warst Du noch ganz kurz mit Deinem Arbeitskollegen da. R. hat mich allerdings weggeschickt, musste jemanden heimfahren. Kaum war ich weg, bist Du auch gegangen, R. hatte Dich mal wieder mit seiner Art genervt. Hast dann kurz mit mir telefoniert. Ich glaube, Du warst irgendwie eifersüchtig, weil ein Satz in diesem Telefonat ging mir dann eine ganze Weile nicht mehr aus dem Kopf: Du hättest gemerkt, dass ich Dich mag. Der Tonfall passte allerdings nicht dazu. Ich vermute, dass Du eifersüchtig warst, ich kann mir auch denken, auf was. Leider habe ich nie eine Antwort erhalten und leider hatten wir auch nie mehr darüber gesprochen, was Du damit gemeint hast. Es war aber im Nachhinein auch nicht mehr wichtig, sonst hätten wir irgendwann darüber gesprochen.


    Spatzl, ich vermisse Dich. Und ich fühle mich so verdammt ohnmächtig, Wie heute schon mal geschrieben:

    Ich möchte Deinen Tod nicht akzeptieren. Ich will es einfach nicht. Alles in mir wehrt sich dagegen. Ich bin zeitweise empört, zeitweise ohnmächtig, und immer verdammt traurig, was das Leben/Schicksal/Gott/whatever sich dabei gedacht hat. Und deswegen sehe ich nicht ein, dass ich mir ein neues, anderes Leben aufbauen sollte. Ich will sie ja gar nicht, diese neue, veränderte Existenz. Ich will mein altes Leben zurück. Ich will mein Leben mit Dir zurück. Ich weiß, Du bist irgendwie immer bei mir, in mir. Auch wenn ich Dich nicht spüre, auch wenn Du mich seit Januar nicht mehr "besucht" hast. Oder vielleicht tust Du es, und ich spüre es nur nicht? Alternativ kannst Du mich "Waschlappo" nicht ertragen. Andererseits, Jonny Controlletti, wie Du Dich genannt hast, könnte uns nicht alleine lassen. Bella, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass jetzt schon wieder die Tränen fließen.


    Ich brauche Dich real. Mit Dir reden. Mit Dir lachen und weinen. Ich möchte Dich anfassen, Dich berühren, Dich spüren, Dich küssen. Real. Und nicht nur in Gedanken, wenn ich in unsere Vergangenheit reise. Ich habe Sehnsucht nach Dir. DU bist es, den ich will. DU bist es, den ich brauche. DU bist es, den ich vermisse. Ich möchte bei Dir sein. Ohne Dich ist doch alles sinnlos. Farblos. Freudlos.


    Ti amo, mi amor, mi corazon.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Mein Schatz,


    10.05.2018. Es war Vatertag. Das Bild mit Dir in Tracht, das bei mir inzwischen auf dem Schreibtisch steht und bei Deinen Eltern im Esszimmer, wurde dort aufgenommen. Du liebtest Deine Tracht... A bissle a Bayer warst scho, geprägt durch Deine Bundeswehrzeit und nie mehr komplett verschwunden. Und das Wort "Semmel" hast Du immer verwendet, obwohl es bei uns eigentlich anders bezeichnet wird.


    Deine Tracht ist jetzt mitsamt Schuhen bei mir...


    Hab gestern meine "Wohnung" angeschaut und gedacht... auch wenn Du nicht wüsstest, wer dort wohnt, man sieht es. Du wohnst dort. Alle Gegenstände, sei es Deko, sei es Geschirr, sei es Deine Motorradjacke an der Garderobe, seien es Deine Schuhe unter der Garderobe... Du. Überall. Du müsstest einfach nur zur Tür hereinmarschieren. Ein paar von Deinen Pullis in meinem Schrank, T-Shirts... das einzige, was ich nicht für Dich habe, sind Socken, Unterhosen und Hosen. 8o Selbst Dein Kopfkissen und Deine Zudecke liegen im Bett, auch wenn das kein Bett für 2 Personen ist...


    Und ich glaube, genauso lebe ich. Ich "warte", dass Du zurück kommst. Oder ich "warte", dass ich zu Dir darf. Mein Leben besteht aus Warten... A propos Warten. Wie oft habe ich Dir geschrieben, dass ich bei Deiner Zeitangabe die akademische Viertelstunde Verspätung mit einrechne. Pünktlich warst Du selten :D


    Nie hatten wir Ostern, Pfingsten oder Weihnachten zusammen. Ich beneide jeden, mit dem Du Zeit verbracht hast. Diese Zeit hätte ich gerne gehabt...


    Gestern Abend hab ich über ne halbe Flasche Rotwein getrunken. Autsch. Das muss ich echt sein lassen. Gut, die Flasche ist jetzt leer und ich hab jetzt auch nichts mehr da. Heute Abend gibt's nur Beruhigungstee.


    Morgen sind es 5 Monate... ich hab Dich letztes Jahr gefragt, als wir uns über das Abi unterhalten haben, wo die Zeit hin ist... Bei mir war es letztes Jahr 19 Jahre her... Wo ist die Zeit??? Und auch jetzt frage ich Dich nach fast 5 Monaten: wo ist die Zeit??? Wie habe ich die letzten 5 Monate überlebt? Wie kann es sein? 5 Monate. Heute Abend vor 5 Monaten haben wir uns zum letzten Mal gesehen, gesprochen. Kurz bevor ich gegangen bin, habe ich mich über Dich gebeugt. Eine Träne lief Dir aus dem linken Auge. Ich hab sie weggewischt. Du sagtest: lass mich. Vermutlich wolltest Du nicht komplett die Fassung verlieren, da Du wusstest, dass wir uns das letzte Mal sehen. Damals tat es mir weh. Aber ich verstehe es heute.


    Ich warte. Wenn Du auch wartest. Rainer, ich liebe Dich.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Fünf Monate ohne Rainer

    wie war das zu überleben?


    Mir fällt da ein Gedicht von Heinrich Heine ein:


    Anfangs wollt ich fast verzagen,

    Und ich glaubt, ich trüg es nie;

    Und ich hab es doch getragen -

    Aber fragt mich nur nicht, wie?


    Ich wünsche dir heute einen der erträglicheren Tage.

    Lg. Astrid.


  • Mein Schatz,


    5 Monate. Meine Welt hat vor 5 Monaten aufgehört, sich zu drehen.


    Die meisten Menschen lasse ich nicht so nah an mich ran, als dass sie merken würden, wie es mir wirklich geht. Ich halte meist die Fassade aufrecht, so wie Du. Tarnen und täuschen. Die Fassade bröckelt nur, wenn ich allein bin. Oder wenn ich hier im Forum bin.


    Heute morgen wäre ich am liebsten im Bett liegen geblieben. Konnte gestern Abend ewig nicht einschlafen. Halb 3 hab ich noch auf die Uhr gesehen. Das Gedankenkarussell hielt mich wach. Gestern Abend vor 5 Monaten warst Du noch da. Weißt Du, was mich am meisten schmerzt? Dass ich von unserem letzten Telefonat NICHTS mehr weiß. Ich war so auf die Straßenverhältnisse konzentriert, dass ich das, was du sagtest, einfach nicht mehr weiß...


    Heute feiert R. auch noch Geburtstag. Was für eine Ironie... Dass ich heute Abend auf eine Feier muss, dabei fühle ich mich nicht nach feiern. Schon gar nicht heute... Das beamt mich ein paar Jahre zurück (4?). Erinnerungen an seine letzte Geburtstagsfeier. Du warst auch da. Wir beide waren fast die letzten, die gegangen sind... Du hast mich damals gefragt, ob Du mir helfen sollst, aufzuräumen.


    Manchmal kommen Erinnerungsfetzen angeflogen. So wie letzten Sonntag. Als ich jemanden mit einer blauen Schnupftabakdose auf der Straße laufen sah. Da fiel mir ein, Du hast eine Weile auch geschnupft. Ich habs meist gemerkt, weil Du wieder ne braune Nase hattest :D Hast Du dann aber recht schnell wieder gelassen, weil Du nicht Maß halten konntest. Alles oder nichts.


    Bin heut morgen mit dem Fahrrad über den Markt. Nächste Erinnerung. Du gingst Samstags gern auf den Markt. Wir waren auch ein paar Mal. Das hast Du genossen... Hätte was von Urlaub im Süden.


    Ich genieße es nicht mehr. Weil ich alleine durch bin. Verloren. Diese Zeit ist verloren. Vorbei. Begleiten wird mich nur Dein "Geist".


    Du fehlst.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Liebe Shiva,


    ich werde DICH heute,


    leider nur virtuell,


    einen kleinen Weg, des beschwerlichen Tages, gedanklich begleiten.


    Heute werden die Erinnerungen auf DICH besonders zustürmen.


    Allerliebste Grüße aus dem Solling,

    Uwe & Prinz.

  • Lieber Uwe,


    ich danke Dir.


    Mal sehen, wie oft ich heute Abend meinen gedanklichen Mittelfinger auspacken muss 8o sorry, Galgenhumor.


    Mir fällt gerade noch was ein in Bezug auf Kerzen... seit Rainer tot ist, kann ich keine Kerzen mehr anzünden. Ich habe es einmal noch gemacht, aber das ertrage ich nicht. Wir hatten Abends immer Kerzen im Wohnzimmer brennen... das sei ramontisch (nein, kein Schreibfehler, sondern Zitat) und außerdem spare es Strom.


    Die 4 Kerzen für den Adventskranz, die er am letzten Tag, bevor er ins Krankenhaus musste, also Ende November, noch gekauft und auf den Wohnzimmertisch gestellt hat, wurden bis letzten Samstag nicht bewegt. Sie standen so, wie er sie hingestellt hat. Ich konnte sie nicht bewegen. Nun hat sie sein Sohn... weggeräumt.


    Jedes Mal, wenn ich Abends kurz ins Haus gehe und nach der Post schaue, sehe ich das inzwischen ausgeblichene Klingelschild. Dort hatte ich letztes Jahr im August unsere beiden Nachnamen hingeschrieben. Nun wieder ein weißes Schild, die Zeit hat die Schrift "weggewischt"... So wie die Zeit mir vielleicht alle Erinnerungen "wegwischen" wird...?


    Sorry, heute melancholisch.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Liebe Shiva,

    die Erinnerungen können auch ein bisschen verblassen. Doch wenn du es so machst, wie manch andere hier, dann können sie lesbar bleiben und behalten dadurch ihre Lebendigkeit.


    Schreib deine Geschichte der Trauer ebenso auf, wie deine Geschichte mit Rainer.


    Wie ist es dir am Samstag gegangen? Hast du ihn oft gebraucht, den Mittelfinger?


    Lg. Astrid.

  • Samstag war eigentlich ganz ok... nein, war er nicht, wenn ich ehrlich bin. Ich bin seit Freitag Abend bereits niedergedrückt und traurig. Aber ja, den Mittelfinger hätte ich des Öfteren gebraucht...


    Man sollte nichts von den Mitmenschen erwarten. Sollte mir doch klar sein. Nun gut, ich scheine zu viel von den Bekannten meines Ex-Freundes zu erwarten, als dass sie mir ihr Beileid aussprechen, selbst wenn sie wissen, was passiert ist... Sind ja schließlich die Bekannten meines Ex-Freundes und nicht meine. Außerdem hätte das was bizarres... Tat trotzdem weh, zukünftig weiß ich es, dass ich NICHTS mehr von meinen Mitmenschen erwarten sollte... Dann sollen sie aber auch nichts von mir erwarten. Mutter Theresa wird es für andere Leute nicht mehr geben. Bin eh der größte Depp auf Erden. Nur, damit ich nicht alleine bin, nehme ich einen Teil meines alten Lebens wieder auf, obwohl ich weiß, was mein Ex hinter meinem Rücken erzählt hat... soviel zum Thema anbiedern, wie Luise mal treffend bemerkt hat. Ich bin ein Trottel.


    Der emotionalste Moment war, als ich bei einem Bekannten in dessen Wohnmobil saß. Da bröckelte die Fassade gewaltig. Rainer hatte selber einen Campingbus. Mit dem wir Anfang Oktober noch im Elsass waren... <3 Der Bus wurde Ende Dezember verkauft, ok, verstehe ich, irgendwie mussten ja auch die Beerdigungskosten bezahlt werden. Trotzdem schrecklich. Die Nummernschilder stehen bei mir in der Wohnung. Auch, als sein Motorrad verkauft wurde. Schrecklich. Auch hier steht das alte Nummernschild bei mir. Rainer hing an dem Bus. Seine Tochter und ich ebenso. Aber als ich Samstag in diesem Wohnmobil saß, sagte ich, dass Rainer das garantiert gefallen hätte. Ich bekam zur Antwort, er hätte das Wohnmobil tatsächlich gesehen... Nie mehr mit ihm und dem Bus wegfahren... Träume, die nie verwirklicht werden. Nix mit Italien. Nix mit Island. Nix mit Marokko. Er wollte irgendwann noch auf den Brocken... auch das nicht mehr. Beschissenes Leben. Ungerechtes Leben.


    War gestern Abend noch auf dem Friedhof und bei seinen Eltern. Auch da bröckelte meine Fassade.


    Dass sein Sohn das Haus ausräumt, war ja klar. Und die Bedeutung der Kerzen kannte er nicht. Und dass er mir nicht Bescheid sagt, wenn wieder irgendwas aus dem Haus fehlt, nun gut. Ich sollte mich damit abfinden und Konsequenzen ziehen.


    Schlafen ist gerade fast nicht möglich. Abends Gedanken. Nachts aufwachen. Und morgens völlig gerädert sein. Rainer konnte auch schlecht schlafen. Jetzt weiß ich, was das heißt. Er hat mich sogar die letzten paar Tage vor seinem Krankenhausaufenthalt aufs Sofa ausquartiert, damit er mich nicht dauernd weckt, wenn er nachts in Internet surft, wenn er nicht schlafen kann. So ein Mist. Hätte ich gewusst, dass es unsere letzten gemeinsamen Nächte sind, wäre ich bei ihm im Bett geblieben, auch wenn ich ständig aufgewacht wäre. Jetzt gibt es kein gemeinsames Einschlafen und Aufwachen mehr. Beschissenes Leben. Ungerechtes Leben. Einsames Leben. Verfluchtes Leben.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Mein Schatz,


    Rückblick 2018.


    12. Mai 2018. Ich habe Dir einen wunderschönen Tag gewünscht. Du hast geschrieben, dass Du heute nicht kommen kannst, weil Du eine Veranstaltung mit La Familia hast. Meine Antwort, "vielleicht auch besser so, ich hätte Dich gern mal wieder für mich alleine". Zurück kam ein Herz. Von mir ein HDL. Abends hast Du noch Altholz verbrannt und gegrillt, Du hast mir Bilder geschickt. Auf mein "Du verfeuerst auch alles, was brennbar ist" kam ein "solange Du keine Hexe bist, passiert nix". Dann haben wir telefoniert. Viertel nach 11 hatte ich Dir noch geantwortet und Du hast zurück geschrieben. Auf meine Frage: wieso schläfst Du noch nicht kam "Warum sollte ich... kann doch nicht". Auf mein "ich auch nimmer" kam "gemeinsam sind wir stark"...


    Das stimmt. Gemeinsam waren wir stark.


    13. Mai 2018. Um 04:37 Uhr kam eine WhatsApp von Dir. War immer Deine Zeit. Halb 5 warst Du wach...

    War dann später mit R. im Museumsdorf. Ich wusste von Dir, dass Du auch kommst, weil Du dort mit Deiner Freundin verabredet warst. Du kamst zu spät... Anscheinend hätte Dein Hund gekotzt. (Hat er nicht, habe ich später am Telefon erfahren, Du hattest nur keine Lust...) Als Deine Freundin sagte, sie käme das Wochenende drauf zu Dir, habe ich Dein Gesicht gesehen. Ich hab Dir dann später ne Nachricht geschickt, dass Du Dir ein besseres Pokerface zulegen solltest... Dein Gesicht sprach Bände. Haben dann noch heimlich telefoniert, weil sich Deine Nachricht an mich dringend anhörte. Meine Meinung wäre Dir wichtig. Was genau wir gesprochen haben, weiß ich nicht mehr genau. Du warst sehr verzweifelt. Und hast sehr offen über einige Sachen gesprochen. Deine Beziehung passte nicht. Ich habe versucht, Dir zu helfen. Dir einen Rat zu geben. Aber es war offensichtlich, dass eine Beziehung nicht passt, wenn man es genießt, wenn der andere nicht da ist... So ging es mir ja selber auch.

    An dem Tag sind wir irgendwann kurz nebeneinander hergelaufen. Hinter uns kam ein Fahrzeug, ich hab Deine Hand genommen und Dich zur Seite gezogen. An Dein überraschtes Gesicht erinnere ich mich heute noch. Ich hab dann Deine Hand deshalb schnell wieder losgelassen. Später am Telefon hast Du mir dann gesagt, dass Du meine Berührung genossen und mich in diesem Moment am liebsten umarmt hättest.


    Verdammt, Schatz.


    Ich will die Zeit mit Dir zurück. Die Zeit heute sitze ich ab. Irgendwie. Sinnlos. Planlos. Von einem Tag auf den andern denkend. Wir hatten nur ein paar Monate. Ich wollte für immer. Dass das "für immer" so verflucht kurz war, begreife ich nicht.


    Wie kann man es auch begreifen? Es ist auch nach 5 Monaten und 2 Tagen nicht begreiflich.


    Ich sehne mich nach Dir. <3

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Mein Herz,


    gestern Abend lief schon wieder das Lied von Max Giesinger "Die Reise". Und wieder im Auto gesessen und geheult. Eigentlich stehe ich seit dem 11.12. ohnmächtig neben meinem Leben und schaue zu. Und begreife nicht. Lasse passieren, was auch immer passiert. Es interessiert mich nicht mehr. Keine Pläne. Keine Träume. Habe darüber Sonntag auch mit Deinen Eltern gesprochen. Dass ich meine Angelegenheiten nicht geregelt bekomme, weil es mich einfach nicht mehr interessiert. Solange es "irgendwie" funktioniert, ist doch alles ok.


    Nur eins weiß ich, die nächste Wohnung wird KEIN Altbau. Dass das nur eine Übergangslösung ist, war klar. Besser als obdachlos. Wenn ich das warme Wasser aufdrehe, möchte ich warmes Wasser. Und nicht warm... kalt! Dusche aus. Warten. Warm... kalt! Etliche Wiederholungen... Bei meinen langen Haaren kein Spaß. Dasselbe am Waschbecken. In der Küche am Spülbecken kommt eh kein warmes Wasser... mir wurscht, gibt Spülmaschine. Und erst der Keller, wo die Waschmaschine steht! Für 6 Personen eine Waschmaschine. =O Seit Dein Sohn Deine WaMa am Samstag mitgenommen hat, bin ich auf diese "Kommunenwaschmaschine" angewiesen. Schatz, Du weißt, ich bin nicht anspruchsvoll... aber das ist... Katastrophe, Alter (O-Ton von Deinem "Lieblingsautohändler". Den kann ich leider inzwischen auch nicht mehr im TV angucken, weil DMAX hier nicht läuft... Das wäre Dein Weihnachtsgeschenk gewesen, ein T-Shirt von den Steel Buddies... Liegt jetzt bei Deinen Eltern auf der Bühne in meinen Umzugskartons. ;() Zurück zum Keller. Gewölbter Keller. Klein, mehr als Trocker und WaMa passen da nicht rein. Ich kann gerade noch so aufrecht stehen. Ok, gut, passt ja noch. Der Gang dahin voll mit gelben Säcken. Der Kellerraum dahinter scheint Baustelle zu sein... Du hättest einen Anfall bekommen, genauso mit dem Außenbereich. Motorsäge oder Brandrodung wäre passend ^^ Egal, mehr als schlafen tu ich da nicht. Und das soll bevorzugte Wohnlage sein...? Ähm, danke, ich verzichte und bevorzuge dann doch eher Pampa und nicht Innenstadt.


    Die letzten Tage wache ich um halb 5 Uhr auf... Deine Zeit. Zufall? Du hast dann ab 5 Uhr (?) immer Frühstücksfernsehen geguckt :*


    Schon wieder Rückblick 2018... eigentlich ist 2018 alles, was mir bleibt. Und eigentlich ist es so verdammt wenig... Habe Dich heute vor einem Jahr gefragt, ob alles ok sei. Deine Antwort: alles gut, habe gestern noch lange Gespräche geführt. Auf meine Frage hin, was denn bei Euren Gesprächen rausgekommen ist, hast Du geschrieben, "nix, hab mich nicht getraut. Wär alles wieder kaputt... hab ich erst gehabt. Brauch ich glaube grad nicht"... Auf meine Antwort, dass ich hoffe, dass es zukünftig besser läuft kam ein "schau mer mal" zurück. Ich schrieb, dass ich hoffe, dass die Situation Dich nicht kaputt macht. Deine Antwort: "Was soll ich machen??" Haben dann doch noch kurz telefoniert. Aber Du hast das Thema vermieden und hast stattdessen irgendwas von Wasseradern und Wünschelrute und Vollmond erzählt...

    Ich weiß, dass Dich die Situation sehr belastet hat. Du warst auch in einer Beziehung nach Deiner Ehe, die "schwierig" war. Deine Ehe war auch "schwierig" Beides vorsichtig formuliert. Ich mag Deine Ex-Freundin, sie ist eine nette sympathische Frau. Aber Ihr habt nie zusammengepasst. Nicht äußerlich, nicht körperlich, nicht geistig. Das wusstest Du. Aber sie war da, Du warst nicht ganz allein. Zumindest anfangs, später war es dann doch eher belastend für Dich, dabei hast Du genug eigene Probleme gehabt. Trennen konntest oder wolltest Du nicht aber auch nicht. Du wolltest keinem weh tun. Und hast Dir dabei selbst weh getan... nächster Punkt, an dem wir beide gleich sind. Wir lassen uns eher weh tun, als dass wir anderen weh tun.

    Du warst froh, dass ich keine Kinder habe. Dass ich nicht verheiratet bin. Und Kinder hätte es bei uns nicht gegeben. Du hast 2 gesunde Kinder, das reicht. Du wolltest mit 50 nicht noch den "Kinderwagen durch den Flecken schieben". Zumal in meinem Alter das Risiko für ein nicht-gesundes Baby höher ist und davor hattest Du auch schon immer bei Deinen beiden Angst. Außerdem hätten wir beide das nervlich nicht gepackt. ;) Wir waren uns genug. Auch wenn Deine Ex-Freundin Dir kurz nach unserem Zusammenkommen geschrieben hat, dass ich Dir jetzt demnächst ein Kind anhänge... pffft. Ja, klar.


    Nach Deinem Tod denke ich manchmal anders... ich hätte gern ein Kind von Dir gehabt... es wäre etwas gewesen, das mir von Dir bleibt. Ein Teil von Dir. Ich hätte ihm sagen können, was für ein wundervoller Mensch der Papa ist <3 Aber es ist vermutlich besser so, meine Nerven würden es vermutlich tatsächlich nicht mitmachen. Sie sind nach Deinem Tod ziemlich dünn. Eigentlich Blödsinn. Ein Kind könnte die Lücke, die Du in mir hinterlassen hast, nicht ausfüllen. Das wäre auch nicht gerecht. Egal, es ist nicht so. Aber diese Gedanken kommen halt manchmal... Vielleicht kommen sie jetzt nicht mehr, da sie aufgeschrieben sind.


    Jeder einzelne Tag ist so hart ohne Dich. So trostlos. In meinem Leben warst Du meine Sonne, meine Wärme. Meine Liebe. Es bleiben nur noch Erinnerungen. Und die Sehnsucht nach Dir. Bella, ich liebe Dich.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Nachtrag zum Thema Kind:

    vielleicht denke ich über das Thema Kind nun nach, weil es mich "hier gehalten" hätte. Hier, auf dieser Welt, ohne ihn. Mein Leben hätte trotz allem einen Sinn. So hält mich hier nichts mehr... fiel mir gerade nur noch ein.

    Egal, es wird für mich keine Kinder geben. Das Thema ist durch. Auch schon vor Rainer.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • nochmal Nachtrag:

    mir fiel gerade auch noch ein, dass das Thema Kind erst nach seinem Tod in meine Gedanken kam, als mich die Nachbarin gefragt hat: aber schwanger bist du nicht? Wann war das? März?


    Scheiß Gedankenkarussell. Aus einem unbedachten Satz wird ein abendfüllendes Thema. Das Thema dürfte jetzt aber in meinen Gedanken ausreichend behandelt worden sein. Nächstes Thema bitte.


    Mi amor, ich war gestern noch kurz im Haus... Hab die Uhr aus dem Esszimmer mit. Die lag schon in der Garage. Dabei ist mir aufgefallen, dass das Teil vom Sofa, auf dem Du immer gelegen bist, wohl seit dem Wochenende in der Garage steht. ;( Bin ich masochistisch, dass ich mir diesen Anblick immer wieder antue?

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Mein Herz,


    schlafen, was ist das? War heute Nacht so oft wach. Natürlich auch wieder um halb 5. Aber auch um 4 oder halb 3... Früher, vor Dir, konnte ich noch schlafen. Da war Schlaf meine Flucht vor der Realität. Wer schläft, muss nicht nachdenken. Erst als die Freundschaft mit uns begann, brauchte ich nicht mehr so viel Schlaf. Weil Du in meinen Gedanken warst und ich über Dich nachgedacht habe. Und als wir dann zusammen gewohnt haben, da konnte ich wieder schlafen. Weil ich mich in Deiner Gegenwart geborgen und beschützt gefühlt habe. Halt irgendwie "zu Hause"...


    Und nun? Egal. Sollte es mich irgendwann umnieten, hoffe ich, dass es endgültig ist... Ich mag nicht mehr.


    Heute vor einem Jahr habe ich Dich gefragt, ob Du heute Dr. Jekyll oder Mr. Hyde bist. "Wer bitte ist was" war Deine Rückantwort. Ich hab Dir dann erklärt, dass Du 2 verschiedene Gesichter hast, mal total offen, dann wieder ziemlich distanziert. Ich bezog das auf unser Telefonat vom Vorabend. Sonst hast Du Dich bei mir ausgekotzt, aber da hast du über alles mögliche gesprochen, nur nicht über das, was mich interessiert hätte... und zwar, wie das Telefonat mit Deiner Freundin gelaufen ist.


    Mein Schatz, war gestern natürlich wieder am Haus. Rasen ist gemäht. Im Garten haben Deine Eltern auch das Unkraut rausgemacht. Wenn Du da wärst, hätten wir beide bestimmt schon Tomaten-, Paprika- und Gurkenpflanzen besorgt. Das hast Du gern gemacht. So wie ich auch. Eigentlich darf ich nicht dran denken, was wir gemacht hätten. Die Realität sieht anders aus. Und in der Realität werde ich es nicht alleine tun.


    So oft kommen Erinnerungen an Dich. Erst gestern wieder, als ich bei meinen Katzen war. Wie oft warst Du da, ich erinnere mich an Herbst 2017, als Du wegen BurnOut krank geschrieben warst. Hat mich ja zur selben Zeit dann auch erwischt... ebenfalls BurnOut. Irgendwie sind unsere Lebensgeschichten ähnlich. Weil wir uns ähnlich sind. Ich sehe Dich auf der Bank vor meinem Haus. Sehe Dich in der Werkstatt. Erinnere mich an einen Abend Ende 2017, als wir beide allein bei mir im Melkhäusle gesessen sind und einfach nur geredet haben. Hatte Overknees an und mich noch gewundert, wieso Du weißt, wie diese Dinger heißen :D


    Du ahnst nicht, welche Lücke Du in meinem Leben hinterlassen hast. Durch Dich bzw. unsere Freundschaft konnte ich wieder reden. Mein Leben reflektieren. Ohne Dich bin ich wieder verstummt. Und lasse passieren, was mich eh nicht mehr interessiert. Weil Du mein Herz inklusive mir mitgenommen hast. Zurückgelassen ist nur die Hülle.


    Spatzl, ich liebe Dich. Ich kann es nur wiederholen: Ich vermisse Dich unendlich.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Bin ich masochistisch, dass ich mir diesen Anblick immer wieder antue?

    Liebe Shiva,

    nein - du bist nicht masochistisch. Du willst Andenken an ihn haben. Und du willst vielleicht auch nicht wahrhaben, dass er weg ist. Und dieses nicht wahrhaben wollen, das zieht dich dort hin, weil es dort so sichtbar ist. Kann es so sein?


    Sei lieb gegrüßt

    Astrid.

  • Liebe Astrid,


    vielleicht...


    Ich will es tatsächlich nicht wahrhaben. Natürlich weiß ich, dass er tot ist. Mein Kopf weiß, dass Rainer tot ist. Allerdings ist es für mich nicht wirklich "greifbar". Es ist so ungeheuerlich. Ich sehe das Grab. Ja. Und frage ihn, was er da macht. Wie kann der Mensch, den man über alles liebt, einfach so fort sein? Und nicht mehr wieder kommen??? Ich verstehe es nicht. Wieso geht das???? Wie soll ich denn den Rest meines Lebens ohne ihn ertragen? Deswegen darf ich nicht dran denken. Immer nur ein Tag nach dem anderen. Mehr packe ich nicht. Weil der "Rest meines Lebens" so lang und erdrückend und dunkel vor mir liegt, wenn ich dran denke. Wenn ich aus dem Fenster schaue, hängt da ein Seil am Giebel des Nachbarhauses. Deshalb darf ich nicht an "Rest meines Lebens" denken. Dann ist das Seil sehr verlockend. Naja, die Art nicht unbedingt, das Ergebnis eher. Deshalb nur ein Tag. Ein Tag ist besser auszuhalten als "Rest meines Lebens".


    Der "Therapeut" in der psychiatrischen Einrichtung auf der Entzugsstation, in der ich fälschlicherweise war (hab ich irgendwo vorne erwähnt), meinte, ich hätte nie gelernt, mit Trauer umzugehen... na klar, wo liest man so was nach? Im Erziehungsratgeber Band 2 Seite 1354??? Spinnt der? Auf so etwas bereitet man sich doch nicht vor.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.