Mein Herzens- und Seelenmensch ist gegangen

  • Mein Schatz,


    es sind gerade irgendwie seltsame Zeiten. Corona. Teils apokalyptische Bilder. Erschreckende Bilder. Alptraumhafte Bilder. "Passt" aber irgendwie in mein alptraumhaftes und surreales Leben seit Tag X, leider. Ich habe keine Angst, Sozialkontakte habe ich sowieso nicht mehr viele, außer die bei der Arbeit und R. Zu Deinen Eltern werde ich die nächste Zeit nicht gehen. Zu meinen Eltern demnach auch nicht mehr. Und der Kontakt zu M. ist ja größtenteils eh nur virtuell. Wovor ich tatsächlich "Angst" habe wäre eine Quarantäne. Auf 30m2 wochenlang allein in meiner Bude eingesperrt zu sein =O Ohne Internet, nur mit einem Bett und ner Glotze. Ich mag meine Bude eh nicht und flüchte, so oft ich kann. Naja, hoffen wir, dass mir das erspart bleibt. Und hoffen wir, dass unsere Liebsten gesund bleiben.


    Gestern Nacht habe ich wieder einen Heulanfall gehabt. M. kennt mich besser, als alle anderen. Er hat Einblick in meine Gefühlslage, in mein Seelenleben, wie oft habe ich ihm traurige Nachrichten geschickt, wenn es mir nicht gut ging. Wenn ich sage, er ist mein einziger Freund, ist das wohl die traurige Wahrheit. Langsam kommen auch etwas heiterere WhatsApp, von beiden Seiten (das ging vor ein paar Monaten noch gar nicht und endete in einem Heulanfall von mir...). Und das ist gut. Es tut gut. Einerseits. Andererseits, und das ist irrsinnig, frage ich mich, ob das ok ist. Ob ich Dich damit nicht "verrate". Es ist irgendwie schizophren. Natürlich "darf" ich ihm Nachrichten schreiben, auch mal blödeln. Das weiß ich. Trotzdem ist da dieser Hauch eines schlechten Gewissens Dir gegenüber. Wobei ich Dir ja nichts wegnehme. :4:


    Bella, Du fehlst.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Mein Schatz,


    danke für Dein Zeichen gestern Abend. Ich habe Sonntag auf Montag eine Entscheidung wegen M. getroffen. Und nun brennt gestern Abend das Lämpchen. Du bist also mit meiner Entscheidung einverstanden, den Kontakt abzubrechen.


    Gestern Abend war ich glücklich, heute tut es wieder weh. Die Sehnsucht nach Dir ist da. Sehnsucht nach dem Hundeplatz. Sehnsucht nach Mittagspausen unter dem Walnussbaum. Sehnsucht nach Abenden auf dem Sofa.


    Sehnsucht nach der Gewissheit: wenn ich Dich brauche, bist Du da. Ich kann mich blind auf Dich verlassen. So wie umgekehrt. Selbst bei einer platonischen Freundschaft. Alles oder nichts. Ganz oder gar nicht. Du warst da wie ich.


    Und ich glaube, da habe ich zu viel von M. erhofft. Das ist meine Schuld. Meine Erwartung oder Hoffnung waren zu hoch. Weil ich es von UNS anders kannte.


    Ich gebe mich selbst bei einer Freundschaft nicht mit weniger zufrieden, als ich mit Dir hatte. Diese Einstellung macht einsam, diese Einstellung mag auch nicht "gesund" sein, diese Einstellung ist für andere Menschen mit Sicherheit anstrengend... trotzdem ist mir dann "nichts" lieber.


    Ich liebe Dich. <3 Und wenn Du mal wieder in der Nähe bist, lass das Lämpchen brennen.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • wohl doch kein Zeichen :33: gestern Abend brannte die Lampe wieder... seltsam.


    Gerade hat mich eine Arbeitskollegin angesprochen, woher ich Deine Schwester kenne. Sie kennt die beiden gut. Weil das letzte Foto von Dir (mit ihr zusammen) auf meinem Schreibtisch steht. Ich dachte, es zerreißt mich. Meine Hände zittern immer noch. Dabei habe ich seit fast einem Jahr keinen Kontakt mehr zu ihr und ihrem Mann. Aber ich kann ihre Worte (am Tag Deines Todes oder Deiner Beerdigung) nicht vergessen: Wir sind nicht Deine Familie... Nein, das sind sie nicht. DU und Deine Tochter und der Langhauber waren meine Familie.

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.