Ohne dich-kann nicht mehr viel sein

  • Hallo,

    nachdem ich hier schon eine Weile stille Mitleserin bin, und es mich immer häufiger ins Forum zieht, habe ich mich nun entschlossen, mich anzumelden. Mein Schicksal

    ähnelt leider vielen anderen hier: im Oktober 2018 verstarb mein innigst geliebter Mann nach 18-jährigem Kampf gegen ein Tumorleiden mit vielen Aufs und Abs.

    Wir waren 40 Jahre zusammen,35 Jahre verheiratet und haben 2 erwachsene Kinder und 1 Enkelkind im Umkreis einer Autostunde von mir entfernt.

    Die lange Krankheitszeit meines Mannes hat uns sehr zusammengeschweißt, das unbeschwerte, leichte Leben war zwar vorbei, aber wir konnten mit Einschränkungen noch viel zusammen machen. Im Laufe der Zeit musste ich immer mehr Alltagspflichten übernehmen, zudem arbeitete ich auf einer 50%-Stelle. Ich war nur für die Bedürfnisse der Familie da.

    Die Kraft dazu bekam ich durch meinem Mann, der mit großer Geduld, Optimismus klaglos sein Schicksal annahm, alle Behandlungen ertrug, um uns nicht verlassen zu müssen.

    Im Sommer 2017 verschlimmerte sich sein Zustand, alle Maßnahmen blieben erfolglos, und ich musste zusehen, wie er immer mehr Fähigkeiten verlor. Bis zum Ende wich ich nicht von seiner Seite.

    Jetzt verkrieche ich mich hier alleine in unserem Haus, bin mit meiner Kraft am Ende und ohne Perspektive für mein weiteres Leben, das keines mehr ist. Meinen Beruf habe ich schon vor ein paar Jahren aufgegeben, es wurde einfach zu viel. Die Kinder kümmern sich sehr um mich, sie haben aber auch ihr anstrengendes und kompliziertes Leben und trauern natürlich auch um ihren Vater. ich will meine Trauer nicht auch noch auf ihnen abladen. Freudige Momente schenkt mir immer wieder mein Enkelkind mit seiner kindlichen Unbeschwertheit.Das bedeutet mir auch sehr viel.Sonst kann ich mich über nichts mehr freuen, ich fühle mich völlig ausgelaugt und leer. Täglich gehe ich zum Friedhof, weil ich dort innerlich oft zur Ruhe komme. Den Kontakt zu anderen meide ich, zuhause fühle ich mich in Sicherheit und von meinem Mann umgeben, dessen Sachen alle noch an ihrem Platz sind.

    Die Nächte sind sehr schlimm, das Gedankenkarussell plagt mich, das leere Bett neben mir ist kaum zu ertragen. Morgen sind es schon 8 Monate und es wird eher schlimmer diesen

    Zustand auszuhalten aus dem ich keinen Ausweg sehe.

    Für heute soll das genügen.

    es grüßt euch Flora

  • hallo Flora

    mein aufrichtiges beileid zu deinem schlimmen verlust, ich weiss wie du

    dich fühlst. habe ich doch auch meinen mann verloren.

    ich schicke dir viel kraft damit du die kommende zeit überstehst.


    stille grüße eriana

  • Liebe flora. Dein Zustand dein fühlen erinnert mich sehr an mein eigenes fühlen.

    Gedanken über Gedanken kommen über die letzten Jahre Momente. Zuhause die Sicherheit und das Gefühl er ist noch da. Man fühlt oder spürt ihn noch in Reichweite durch Fotos oder Gegenstände...

    Draußen das Leben der Sommer abnormal weil alles so weiter läuft als wäre nix geschehen.

    Das ist die Einsamkeit der Trauer.

    Und bei dir kommt sicher auch die Erschöpfung der letzten Jahre hinzu. Die Angst die Bereitschaft dazu sein...

    Mein innigstes beileid zum Verlust deines lebensmenschens.

    Es muss verdammt schwer sein jetzt schon Perspektiven finden zu müssen wie du als Witwe weitertun sollst. Als Einzelperson sozusagen.

    Musst du aber jetzt auch noch nicht.

    Ruhe dich aus. Lass dir Zeit. Den Tag hinter sich zu bringen reicht. Mir hilft schreiben und meditieren oder beten im stillen Kämmerlein wo ich dann in Kontakt treten kann mit dem Atem der ein und ausstroemt mit dem all ein sein und dem geliebten Wesen das gestorben ist. In meinem Fall mein Erwachsener Sohn.

    8 Monate sind nicht viel für so eine lange intensive Beziehung die jetzt durch den Tod unterbrochen worden ist.


    Ich wünsche dir dass du innere Ruhe findest jeden einzelnen Tag ein bisschen mehr dich einloggen zu können in das Leben mit deinem geliebten Mann auf eine andere Art und Weise...


    Es ist möglich wieder Lebensfreude zu finden und Perspektiven.


    Da bin ich mir ganz sicher dass irgendwann wenn die Zeit reif ist und die Kraft wieder da ist dass du neben deinem enkerl etwas finden wirst können dass dich aus füllt.


    Alles Liebe aus wien

    Andrea

  • Liebe Flora,du liest schon ein wenig mit...bei mir sind es heute6 Monate,dass mein Mann starb,nach43 Jahren voll Liebe und Glück,alles gemeinsam,und in einem Augenblick war alles vorbei.Ich verstehe dich so gut,diese Sehnsucht und Einsamkeit,das können weder Kinder noch Freunde ausfüllen,das bleibt leer.Vielleicht hilft dir das Schreiben hier,mir tut das gut,und dass es schlimmer wird,so fühle ich auch,vielleicht weil wir immer mehr begreifen,er kommt nicht zurück.Tag für Tag,das schaffen wir,nicht viel vorausdenken...ich fühle sehr mit dir,Adi

  • danke liebe Adi, bin heute in einen dunklen Loch und kann nicht viel schreiben, gehe erst mal wieder auf den Friedhof.

    Nur Menschen, die dasselbe erlebt haben können einen wirklich verstehen. Von anderen höre ich oft, das Leben geht weiter,

    geh halt unter die Leute!.

    LG

    Flora

  • Liebe Flora,

    herzlich willkommen hier bei uns.

    Es ist noch so frisch und die dunkeln Löcher noch so häufig anzutreffen. Meistens wirst du vielleicht sogar unvorbereitet hineinfallen. Mit der Zeit wirst du manche von ihnen erahnen können und dich ein bisschen schützen. Manche andere werden noch lange zu Stolperfallen.

    Dazwischen wird es verschiedene Wegabschnitte gehen.

    Wir gehen hier gerne ein Stück des Weges mit dir. Tragen dich manchmal und manchmal trägst du andere. Halten dich manchmal und manchmal hältst du andere.

    Ein Stück des Weges gemeinsam gehen, das machen wir hier.

    Einen erträglichen Abend wünscht dir

    Astrid.

  • Liebe Flora,


    auch von mir mein herzliches Beileid.


    Das ist richtig. Nur Menschen, die dasselbe erlebt haben, können einen verstehen. Diese Sprüche, dass das Leben weitergeht... ja, das tut es. Nur wie es weitergeht ist so nicht gewollt...

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Liebe Flora,


    ich habe Dich noch nicht begrüßt und möchte dies mit etwas Verspärung nach holen. Mein herzliches Beileid zu Deinem Verlust. Sei willkommen, Wir alle versuchen mit dem schrecklichen was Uns widerfahren ist umzugehen, jeder anders aber mit viel Verständnis und Anteilnahme untereinander.


    Du kannst jederzeit schreiben wenn Dir danach ist , es wird immer jemand "zuhören ". Du kannst klagen , weinen , frustiert sein, das ermöglicht dieses Forum und wenn sich die Gedanken im Kreise drehen kann auch das geschrieben und nochmal geschrieben werden, weil Wir es alle verstehen .


    LG Gabi & Mäuschen

  • liebe Astrid, liebe Shiva, lieber Josef, liebe Gabi,

    herzlichen Dank für die warme Aufnahme im Forum. Ich hoffe, wir werden eine Zeit gemeinsam diesen steinigen Weg gehen

    und ich möchte gerne auch soweit ich kann, andere ein Stück tragen. Sicher muss ich auch immer wieder mitgezogen werden.

    Diese Tage durchzuhalten, ohne wirklich viel hinzukriegen, verlangen sehr viel Energie und ich fühle mich geschwächt durch diese

    schwere Trauer. Ich wünschte, ich wäre schon 80, dann wäre das Ende absehbar.

    Flora

  • Ich wünschte, ich wäre schon 80, dann wäre das Ende absehbar.

    Liebe Flora,


    das wünsche ich mir auch, denn die Vorstellung noch jahrzehntelang ohne Mick hier zu sein, erschreckt mich immer wieder auf`s neue.Das will ich nicht.


    Wir haben oft darüber gesprochen das Wir gemeinsam alt werden wollen, immer wenn Wir Paare in hohem Alter zusammen sahen, die sich an der Hand hielten sagten Wir : "So wird es auch bei Uns sein :";(


    Aus, vorbei,finito , das will ich nach wie vor mit meinem Herzen nicht glauben, nur der Kopf weiss es....


    Wir werden ein Stück zusammen gehen, getragen, mitgezogen oder tragend und ziehend.


    LG Gabi & Mäuschen

  • Gestern war Enkeltag, ich war ständig am Ball. Es war ein Tag , an dem ich spüren konnte, dass es ein anderes Leben gibt als

    mein jetztiges. So ein Kind ist ein Segen, ein kleiner Lichtblick.

    Flora

  • Liebe Flora,

    auch von mir mein herzliches Beileid zu deinem großen Verlust.

    Es ist schön, daß dir dein Enkelkind etwas Kraft gibt.

    Mir geht es auch so, in der Zeit wenn eines meiner 4 Enkelkinder bei mir ist fühle ich mich nicht so schlecht.

    Nur wenn sie dann wieder weg sind, kommt der Absturz.

    LG Wagi

  • heute habe ich mich dazu gezwungen unter menschen zu gehen und war im freibad schwimmen. um mich herum das pulsierende leben,

    ich freudlos und leer, konnte einfach nicht mitschwingen. mit meinem mann war das schwimmen immer ein genuss.

    nach einer stunde bin ich wieder nach hause geflohen.

    lg

    flora

  • Das ist klar, dass du nicht mitschwingen kannst. Da müsstest du einen Resonanzkörper zu den anderen oder wenigstens zu deren Lebensgefühl haben.

    Dieser Resonanzkörper war wahrscheinlich dein Mann. Er hat dich mitschwingen lassen, hat dich beantwortet, gab dir Resonanz.


    Vielleicht gehst du das nächste Mal (sollte es das geben) mit einer anderen Erwartung ins Freibad: Ich gehe so und so viele Bahnen schwimmen. Danach lege ich mich noch so lange hin und dann gehe ich wieder nach Hause. Das Rund um versuche ich auszublenden.

    Wie wäre das?


    Ich wünsche dir eine erträgliche Nacht.

    lG. Astrid.