Seit 31.12.2018 ist mein Leben zuende

  • hallo an euch alle, ich habe durch meine beste freundin die leider weit entfernt wohnt die adresse von diesem forum erhalten und möchte heute versuchen ein wenig aus meinem schneckenhaus heraus zu treten.


    mein geliebter mann roger starb am 31.12.2018 morgens um 6.45 uhr nach 4 langen jahren vergeblichem kampf an den folgen von lymphdrüsenkrebs. er hat einen teil meiner seele mit sich genommen. immer wieder hofften wir, immer wieder sah es zwischendurch recht gut aus und wir dachten, wir schaffen es. aber wir schafften es nicht. mein mann wollte nicht gehen, er wollte mich nicht alleine lassen, hatte angst das ich es nicht packe wenn er mal nicht mehr da wäre....


    ich gab ihm die kraft gehen zu dürfen weil alles andere keinen sinn mehr gehabt hätte. es gab keinerlei hoffnung mehr für ihn, das erfuhren wir von den ärzten am 21.12.18. es war ein schwerer tag für uns mit vielen tränen und wehmut, mit gedanken daran, das wir doch hatten alt werden wollen miteinander und noch so viel miteinander erleben wollten. wie wohl bei vielen anderen von euch auch, schweisste diese krankheit uns sehr zusammen, einfach zu begreifen dass das leben endlich ist - das lässt vieles intensiver erleben in den besseren zeiten der krankheit und lässt während der schlimmen phasen den menschen über sich hinaus wachsen. ich bin oft über mich hinaus gewachsen, bin selbst krank, habe eine art von rheuma und verwachsungsbauch, d.h. darmprobs ohne ende.


    trotzdem war ich an der seite meines mannes, durfte in den letzten wochen bei ihm im zimmer übernachten weil er eh ein einzelzimmer hatte wegen der vielen geräte. diese freude von ihm, wenn er mich nachts sah, überhaupt rund um die uhr sah - das werde ich niemals mehr vergessen, dass ich ihm diese freude schenken durfte!!! ich nenne mich hier "mausebär" weil das sein lieblingskosename für mich war. in den letzten zwei tagen seines leben lag er in tiefschlaf wegen unruhe, schmerzen, atemnot. die nacht von 30. auf 31. schlief ich garnicht, hörte ihn immer nur schwer schlucksend atmen, mit aussetzern bei der atmung. er hatte zum schluss wasser in der lunge. aber wenigstens schlief er tief, ganz tief. am sylverstermorgen dann holte er plötzlich nochmal tief, ganz tief luft und dann war schluss, ruhe, alles vorbei. ich sagte ihm nur, das er es nun endlich geschafft hätte und sich nun nicht mehr quälen müsse. ich stand unter schock, obwohl ja klar war das seine lebenszeit davon floss ist es in dem moment, wenn es passiert, nicht begreifbar. unbegreiflich.


    wir haben beide an das weiterleben der seele geglaubt und er versprach mir, wenn es nach dem tod ein leben gibt, wird er sich bei mir melden, egal wie..... man kann das nun sehen wie man möchte - ich weiss, das er sich meldete. auch ist er im grunde immer um mich herum, mal mehr mal weniger.


    aber all das nutzt nichts. alles nutzt nichts. er ist nicht mehr hier bei mir körperlich im leben. ich bin so verzweifelt manchmal das ich nicht mehr weiter weiss. mal habe ich ein paar stunden in denen es mir besser geht, aber das hält nicht lange an. lebe insgesamt sehr zurück gezogen, auch weil mich niemand verstehen kann. für die nachbarn und co. ist ja nun schon lange genug zeit vergangen, so daß ich ja mal wieder "nomaaaaal" werden könnte..... ich werde aber niemals mehr "nomaaaal" werden, der zweite teil von mir ist gegangen und ich kann es einfach nicht fassen.... ich WEISS das mein geliebter mann tot ist, aber ich WILL es einfach nicht akzeptieren. immer wieder ist es einfach unfassbar für mich und ich kann nur hier sitzen und weinen und schreien....


    dann wieder fühle ich mich tot, leer, ausgehöhlt, gefühllos, taub.


    grundsätzlich waren mein mann und ich seelenverwandte - einer wusste so gut wie immer was der andere gerade denkt, sagen möchte, worüber er grübelt, die gedanken sprangen regelrecht über. natürlich hatte er auch seinen dickkopf, er konnte mich manchmal zur weissglut treiben und ich hätte ihn auf den mond schießen können, das beruhte auf gegenseitigkeit ;-) aber genau so wollte ich ihn und er mich die ihm sehr änlich war - beide sternzeichen stier. aber all diese unzulänglichkeiten machten ihn doch gerade so liebenswert und "rund" für mich. für uns beide war klar - wir wollen nicht ohne den anderen sein....


    und nun bin ich leider ohne ihn und warte auf den tag an dem es mir besser gehen wird. habe hier trauerbücher in denen steht, das man das erste jahr überstehen muss, weil man jeden tag einmal ohne den partner erlebt haben muss, im zweiten jahr würde dann alles viel einfacher..... ich kann mir das alles nicht vorstellen....


    lg Sabine

  • Liebe Sabine,

    willkommen bei uns im Forum. Schön, dass Du Dich hier angemeldet hast.

    Und mein Beileid zu Deinem Verlust.

    Hier findest Du liebe Menschen, die selber auch mit Trauer konfrontiert sind. Wir unterstützen uns gegenseitig. Das gibt trotz allem Kraft.

    Alles Liebe Dir

  • Liebe Sabine,diesen Schmerz,wir im Forum wissen wovon du sprichst,es tut gut hier zu schreiben,da braucht man nichts erklären,da geht jeder durch seine eigene Hölle,aber er muss nicht allein gehen.Die Umwelt,die Menschen um uns brauchen schnell wieder"Normalität",etwas anderes verstehen sie nicht.Haben wir vielleicht früher auch nicht,wir leben jetzt eine neue Zeitrechnung,nämlich vorher und nachher und das wird wohl lange so bleiben.Ein lieber Gruss zur Nacht,Adi

  • danke Adi, es tut gut das die menschen hier verstehen und wissen was man durchmacht und man einfach spürt das man nicht alleine ist auf der welt mit all den abgrundtiefen gefühlen....auch gute nacht, Sabine

  • liebe Sabine,

    willkommen auf diesem Boot. Ich bin selbst noch nicht lange dabei, aber durch das Lesen habe ich gespürt, dass es hier

    tolle, verständnisvolle Menschen gibt, die einen mittragen, obwohl es ihnen genauso schlecht geht.

    Dein Bericht ist viel detaillierter als meiner. Ich hätte es nicht verkraftet, alle Einzelheiten darzustellen, in unserem Fall füllt das schon einen ganzen Ordner. Ich konnte jedoch viele Gemeinsamkeiten aus deinem Bericht lesen.

    Früher dachte ich , dass ein ganzes Trauerjahr lang ist. Seitdem ich hier lese, merke ich, dass es nicht reicht und alles viel länger dauern wird.

    So groß die Liebe ist, ist jetzt auch die Trauer. In meinem Fall wird die Liebe zu meinem Mann niemals aufhören und die Trauer wohl

    auch nicht. Das sind die Facetten des Lebens, die man durchleben muss, woher die Kraft kommen soll, weiß ich auch nicht.

    liebe Grüße

    Flora

  • Liebe Sabine,


    sei willkommen hier bei uns . Es ist gut das Du Dich aus Deinem Schneckenhaus gewagt und Dich hier angemeldet hast. Deine Geschichte ist sehr berührend, ich kann mich in einigem wiederfinden.


    Schreibe wann immer Dir danach ist,hier wirst Du gehört mit Deinen Gefühlen, von lieben Menschen die wissen was in Dir vorgeht, es hilft wenn man merkt das man nicht alleine damit ist nicht "normal" zu sein, wie es im realen Umfeld oft heisst.


    LG Gabi & Mäuschen

  • Liebe Sabine,


    auch ich möchte Dir mein herzliches Beileid aussprechen.


    Es tut so weh, wenn der geliebte Mensch nicht mehr da ist. Aber dieses Forum ist eine wirkliche Hilfe, hier ist man nicht allein, wenn das Umfeld mal wieder meint, man müsse wieder "normaaaal" werden. Was auch immer das heißt...


    Liebe Grüße

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.

  • Herzliches beileid Sabine. Das Jahr der Trauer es ist hart schmerzhaft an der Grenze des erträglichen zum. Verrückt werden Einsamkeit pur das grauen wenn man an die Dunkelheit denkt die Hoffnung wenn man an ein Wiedersehen denkt. Ein verlieren des Bodens unter den Füßen weil man das beste verloren hat das. Dieses Leben zu bieten hat.


    Das Jahr der Trauer ist schwarz und der Sommer wird ausgesperrt. In meiner Höhle bin ich mit Benjamin zusammen. Spüre seine Seele. Er zeigt sich mir. Und das ist der Anfang von einer kleinen Essenz namens Hoffnung. Die flackert und dann wieder nicht. Aber es gibt sie


    Und irgendwann werden wir wieder leben können niemals ohne dem geliebten Menschen aber Liebe überdauert den Tod..

    Und keiner kann uns zwingen vor der Zeit am Leben wieder teilzunehmen.


    Sende dir eine sanfte umarmung

    Andrea

  • hallo ihr lieben,


    ich danke euch allen. ihr seit ganz liebe menschen und ich bin froh dass ich euch gefunden habe. menschen die genauso empfinden und fühlen wie ich und wie ich gestern schon adi schrieb - ich habe das gefühl ich schaue in einen spiegel wenn ich lese wie es euch ergeht :-(


    liebe liebe flora, ich habe das geschrieben was ich geschrieben habe, weil es mich immer wieder beschäftigt. ein film in einer endlosschleife der nie endet. ach ich hätte noch viel mehr über meinen roger schreiben können. aber ähnlich wie bei dir habe ich hier gefüllte ordner mit seiner krankengeschichte und das hätte den rahmen gesprengt.


    das schlimmste für mich ist der gedanke daran, wie viele jahre ich noch ohne ihn hier auf der erde verbringen muss! entschuldigt bitte, aber was gäbe ich darum, richtig alt zu sein, weil ich dann wüsste, es wird nicht mehr lange dauern bis ich wieder bei meinem geliebten schatz bin!!


    ich weiss aber auch das er mich begleitet, wie du, andrea, deinen benjamin spürst, spüre ich rogers seele, spüre das er mich beschützt und helfen will. das er traurig ist weil ich so untröstlich bin. alle tage mit ihren neuen herausforderungen denen ich kaum mich gewachsen fühle. da ist er bei mir - für immer!!!!


    liebe grüße in die nacht, Bine

  • Ja liebe Bine,alt sein,das wäre schön,du schreibst was ich denke,denn die einsamen Jahre vor mir,ohne meinen Mann,das ist unvorstellbar und davor habe ich richtig Angst.....ein Gruß zur Nacht,Adi

  • Liebe Bine, herzlich willkommen hier bei uns.


    Silvester - Beginn des Neuen Jahres - für Roger Beginn des neuen Lebens. Für dich Beginn des ungewollten Lebens ohne ihn körperlich bei dir zu haben.

    Silvester - ein besonderer Tag.


    Ich würde nicht sagen, dass im zweiten Jahr alles viel leichter wird. Das was sich ändert ist, dass nicht mehr jeder einzelne Tag der erste ohne ihn ist. Es wird auch im zweiten und dritten und noch ganz lange immer wieder Momente des ersten Mals geben. Im ersten Jahr sind alle Tage erste Male.

    Es verändert ich manches in diesem ersten Jahr und anderes verändert sich erst später.

    Das braucht Zeit. Und in dieser Zeit verändern sich auch der Schmerz und die Häufigkeit des Schmerzes.


    Ich wünsche dir für heute einen Moment, an dem der Schmerz seinen Stachel verliert.

    Lg. Astrid.

  • liebe Astrid,


    danke dir für die lieben worte. ich hoffe auf die zeit die vergeht, das mir der schmerz erträglicher wird auch wenn ich es mir im moment nicht vorstellen kann... heute hatte ich sehr schlechten tag mit vielen tränen. aber auch bin ich immer wieder dankbar für viele kleine dinge die mein mann hier "vollbrachte". es ist unglaublich, aber ich habe kleine glücksmomente z.b. wenn ich in unserem garten gegen abend die pflanzen begutachte, ruhe, nur grillen und vögel zu hören... wärme von der untergehenden sonne... dann gucke ich in unsere regenfässer die mein mann in mühsamer arbeit über die jahre aufbaute, einbuddelte und miteinander verband. ich nehme meine gießkanne und kann aus dem vollen schöpfen :-))) trotz wehem (rheuma)kreuz bin ich dann total glücklich das mein mann dies alles gebaut hat und ich das nun nutzen kann..... dann bin ich ihm nur dankbar für alles was er hinterlassen hat.


    viele pflanzen die wir vorletztes jahr setzten explodieren regelrecht. letztes jahr habe ich kaum was davon mitbekommen weil meist nur krankenhaus angesagt war. es macht mich sehr traurig das roger dies nun nicht mehr körperlich erleben kann, dann denke ich aber wieder, er sieht alles vom himmel aus und freut sich ebenfalls über das wachstum von allem.


    lieber gruß von Bine

  • ... habe gerade den großen fehler gemacht und habe nach einem profilbild für mich gesucht....


    klar - zuallererst alle bilder von roger angeguckt, alle aufgemacht und mir reingezogen.... hatte im januar alle bilder die ich von ihm habe in einen einzigen ordner auf den pc gepackt. ich konnte aber nicht aufhören weiter zu gucken obwohl es mir das herz dabei zerrissen hat...


    er fehlt mir so sehr....:13::13::13:


    Bine

  • Liebe Bine,ich muss immer wieder die Bilder von meinem Mann anschauen,das liebe Gesicht mit den Grübchen,dann kommen die Tränen und die Sehnsucht,aber ich fühle mich so verbunden mit ihm dass es auch wieder schön ist,traurig schön.Ich weiß,wie schwer es ist,wohin mit unserer Liebe,ich vermisse ihn auch so schmerzlich und das Leben ohne ihn ist einfach nicht zu ertragen....Ich kann mich zwar an den Enkelkindern freuen,aber sonst ist irgendwie alles ganz weit weg von mir,Freude,Liebe,Leben,vorbei...

    Einen lieben Gruß zur Nacht,Adi

  • profilbild für mich gesucht....

    Liebe Sabine, beim Profilbild möchte ich dir raten kein reales Foto von dir oder Roger zu nehmen. Ich habe ein reales Foto, weil ich das beruflich mache. Dir möchte ich als Schutz nahelegen ein Profilbild zu finden, dass dir wertvoll ist und nicht deine Person zeigt. Wir sind ein öffentliches Forum und jedeR kann hier rein schauen.


    Was das Bilder anschauen anbelangt - ja es tut weh und andererseits ist es auch immer wieder ein bisschen mehr Realität bekommen - und das tut saumentig weh.


    Sei lieb gegrüßt

    Astrid.

  • Mausebär, nur ganz kurz, weil ich am Land bin, wo dauernd die Verbindung abbricht. Aber ich habe bei mir dein Like gesehen und war neugierig und du schreibst so, dass es mich im Innersten berührt. Ich möchte dir hier gerne ausführlich antworten, wenn ich von meinem Seminar zurück bin und schicke dir einstweilen eine mitfühlende Umarmung, alles Liebe und Gute, liebe Bine, deine Gabi