Die Liebe meines Lebens musste gehen ...

  • Durch Zufall (oder vielleicht durch einen Hinweis meines vorausgegangenen Mannes) habe ich dieses Forum gefunden mit Menschen, denen es genauso geht, wie mir und die das auch nachfühlen können. Im November vergangenen Jahres habe ich nach einer gut verlaufenen OP die Liebe meines Lebens verloren. In der Nacht vor seiner Entlassung aus dem Krankenhaus brach er zusammen und ist ein paar Tage später für immer eingeschlafen. Seitdem passieren immer wieder mal merkwürdige Dinge, die sich niemand erklären kann. Wir haben uns im November 1961 kennengelernt und im Mai 1965 geheiratet. Es waren 57 Jahre, die wir miteinander verbringen durften. Aber, der Abschied von ihm tut noch genauso weh, wie am ersten Tag. Und das verstehen viele Freunde und die Familie nicht. Es muss doch irgendwann mal gut sein und "ob es denn nicht schön wäre, wieder einen Partner an seiner Seite zu haben, mit dem man etwas unternehmen könnte". Auch wenn ich fest davon überzeugt bin, dass mein Mann immer an meiner Seite ist und mich beschützt, auch wenn ich jede Nacht von ihm träume, ich vermisse ihn jeden Tag. Auch wenn es in einer so langen Ehe nicht nur schöne Tage gibt, hatte ich den besten Mann, den eine Frau sich wünschen kann, er war liebevoll, zärtlich, großzügig und vertrauensvoll. Am besten geht es mir, wenn ich mit anderen über ihn reden kann und wir uns gemeinsam an ihn erinnern. Im März nächsten Jahres ist sein 80. Geburtstag, zu dem ich all unsere Freunde und die Familie einlade. Als Geschenk wünsche ich mir von jedem, dass er eine Begebenheit, die er mit meinem Mann hatte aufschreibt. Das würde ihm gefallen. Ich danke Euch für Eure Geduld und wünsche allen, denen es genauso geht wie mir, dass sie einen Weg aus der Traurigkeit finden.

  • "Es muss doch irgendwann mal gut sein" :4:

    "ob es denn nicht schön wäre, wieder einen Partner an seiner Seite zu haben, mit dem man etwas unternehmen könnte" :4:


    "Als Geschenk wünsche ich mir von jedem, dass er eine Begebenheit, die er mit meinem Mann hatte aufschreibt."

    super Idee :thumbup:

    alle hier sind gern für Dich da :30:


    und - NEIN - es muss NICHT IRGENDWANN GUT SEIN:!: schon garnicht weil Andere (NICHTVERSTEHENDE!!!) dieser Meinung sind

  • hallo liebe Luseundich,


    eine liebe umarmung und tiefes mitgefühl für dich :30: leider erleben wir hier alle das gleiche an ignoranz der aussenstehenden menschen....hier bist du gut aufgehoben, bekommst trost und kannst dich austauschen wenn und wann dir danach ist.


    es ist eine tolle idee, die begebenheiten mit deinem mann aufschreiben zu lassen.


    liebe bleibt und kein tod kann sie auslöschen, Luse, das vermissen hört nicht auf, auch wenn dein mann immer um dich herum spürbar ist... du hast die zweite hälfte deiner selbst verloren und das ist schwer begreifbar und vor allen dingen es ist unvergesslich...


    nein, speedy, ich denke das wird NIE aufhören... es wird eh noch schlimmer werden mit dem "kopfschütteln" über uns - je länger die trauer andauert um so doller wird es werden <X


    lieber gruß von Bine

  • seid nicht sauer auf Außenstehende, das waren wir auch schon mal. Ich weiß wirklich nicht was ich schon alles für Blödsinn zu Betroffenen gesagt habe. Ich erkenne auch jetzt erst was das für ein Schmerz und eine Verzweiflung ist. Es KANN niemand verstehen, der es nicht selbst erlebt hat.

    Lasst sie reden. Sie meinen es nicht böse, sie sind nur hilflos in dem Wunsch uns zu helfen und aus dem Elend raus zu holen.

  • liebe Birgit, liebe Speedy,


    wohl hast du, Birgit, recht - WIR waren ja "vorher" auch nicht immer die verständnisvollsten menschen, da muss ich Birgit recht geben, Speedy, aber mehr geht es darum das sie uns nicht SEIN lassen wollen... viele sind nicht hilflos im helfen - sie WOLLEN uns einfach wieder so haben wie wir VORHER waren... und das geht nicht!!!


    wenn ich eine verhaltensweise früher nicht verstand, lies ich diese person einfach in ruhe - das ist nicht schwer wenn man menschen in ihrer persönlichkeit zu akzeptieren versucht....


    und vor allen dingen wollen die anderen nicht akzeptieren, WIE wir trauern.... hilflosigkeit entsteht dann, wenn die versuche der anderen, uns IHRE sichtweise von allem aufzudrücken, scheitern.... sein lassen und leben lassen ist der springende punkt.


    lieber gruß von Bine

  • Servus liebe Luseundich,


    Ich bin zwar selbst noch nicht lange dabei, kann Dir aber schon versichern, dass Du hier im Forum gut aufgehoben bist. Alle haben hier ihre große Liebe in unserer materiellen Welt verloren und mussten oft auch ähnliche Erfahrungen wie Du mit einem mehr oder weniger großen Teil Ihres Umfelds machen.


    Ich möchte es trotz Deines großen Leids nicht versäumen, Dich zu 57 gemeinsamen Jahren mit Deiner großen Liebe zu beglückwünschen. Auch wenn der Schmerz dadurch möglicherweise besonders stark ist. Aber ich bin davon überzeugt, dass Dein geliebter Mann weiter bei Dir sein wird, bis ihr eines Tages auf der gleichen Ebene wieder vereint seid.


    LG,

    Sky / Robert


    PS: Die Feier und Deinen Geschenkwunsch finde ich großartig. Hoffentlich machen auch alle mit.

  • ja, Birgit, genau DAS!

    da wird irgendein Blödsinn dahergequatscht!

    Da lob ich mir einen flüchtigen Bekannten:

    "was soll ich dazu sagen, ich sage lieber nichts dazu weil dir kein Wort helfen kann"

    immerhin spürst Du jetzt, wie bescheuert all diese "gut gemeinten" Worte sind

    und doch - ich muss mich aus dieser Allgemeinheit ausklinken - ich bin niemals auf die Idee gekommen, jemand Betroffenem so etwas zu sagen - ich habe meine Hilfe angeboten und das war es. Zwischendurch habe ich dann mal wieder angefragt, ob ich was tun kann und bestätigt, dass WENN die Person Hilfe brauchen/annehmen möchte, ich da sein werde.

    leider fehlt den meisten Menschen das entsprechende Fingerspitzengefühl - sie müssten doch sehen - aber das tun sie nicht weil sie alle wieder ganz schnell zum Alltag zurückkehren - nach einiger Zeit müssten sie eigentlich sehen und verstehen, dass der Alltag für uns nicht mehr existiert: Alltag - alltäglich

    genau DAS haben wir, u. A., verloren, es ist NICHTS MEHR alltäglich - mir hat sich schon öfter die Frage gestellt, warum "sie" es nicht sehen können.

    Grad jetzt kommt mir da so eine Idee.....

    sich mit dem Tod auseinanderzusetzen, ist wohl für die Mehrheit ein absolutes NO GO, ein Thema, welches Angst verursacht und deshalb vom/im Gehirn blockiert werden könnte.

    Das entschuldigt jedoch nicht, sich nicht mit der Gefühlslage von Betroffenen auseinanderzusetzen und deshalb Blödsinn zu reden, völlig egal, welches Ereignis diesen Zustand hervorgerufen hat!

  • Liebe Bine,


    und vor allen dingen wollen die anderen nicht akzeptieren, WIE wir trauern.... hilflosigkeit entsteht dann, wenn die versuche der anderen, uns IHRE sichtweise von allem aufzudrücken, scheitern.... sein lassen und leben lassen ist der springende punkt.


    Bine, du hast vollkommen recht


    Lieber Gruß Maike

  • Euch allen danke ich von Herzen für die mitfühlenden Worte und Euer Verständnis. Es ist wirklich so, dass wenn man ein solches Ereignis noch nie erlebt hat, man es sich gar nicht in seiner vollen Wucht vorstellen kann. Es ist, als ob man durch die Hölle ginge. Als wir geheiratet haben, hat uns einer unserer Freunde auf die Glückwunschkarte geschrieben, dass jeder Mensch einen Flügel hat, und wenn zwei sich finden, sie gemeinsam fliegen könnten. Wenn man allein zurückbleibt, geht das nicht mehr mit dem Fliegen ... Und, ja es stimmt, niemand setzt sich gern mit dem Tod auseinander und selbst dann ist es hart, wenn man selbst davon betroffen ist. Aber, seitdem mein Mann vorausgegangen ist, habe ich keine Angst mehr vor dem Tod, weil ich fest daran glaube, dass er auch jetzt noch stets an meiner Seite ist, in seiner Welt auf mich wartet und mich dort in Empfang nimmt, wenn es einmal soweit ist.


    Einen lieben Gruß Luse (und ich)

  • Liebe Luseundlich!

    Mein Mitgefühl und herzlich willkommen im Forum,da bist du genau richtig.

    Es ist sicher eine schwere Zeit für dich ,aber du kannst sehr dankbar sein,

    das du soviele schöne Jahre mit deinem über alles geliebten Mann teilen durftest.

    Ich habt alles miteinander geteilt und wart füreinander da,auch in schweren Zeiten.

    Die Erinnerung bleibt an die schöne Zeit.Ich wünsche dir ganz viel Kraft.Liebe Grüße Helga

  • Liebe Kornblume,


    du schreibst diese schöne Zeit mit dem geliebten Menschen kann uns niemand nehmen. Auch der Tod nicht.

    Ja, das ist richtig, aber es schmerzt ungeheuerlich wenn ich an diese schöne Zeit denke. Jedesmal Tränen, jedes mal Sehnsucht

    Es übersteigt mein Vorstellungsvermögen dass er nicht mehr da ist.


    Liebe Grüße Maike

  • Liebe Maike, das war bei mir in den ersten 3 Jahren auch so. Jede kleinste Erinnerung löste Tränen und Schmerz in mir aus, dass ich mich manchmal gar nicht mehr erinnern wollte. Aber irgendwann hat sich das geändert. Ich weiß selbst nicht, wie das geschehen ist, aber jetzt wenn ich an meine Mutti denke, empfinde ich so viel Dankbarkeit in mir, aber ab und zu kommen auch heute noch ein paar Tranchen, aber die habe ich akzeptiert, diese gehören nun einfach zu meinem Leben dazu.

    Ja, mir ist es erst hier beim Schreiben so richtig bewusst geworden, dass sich meine Tränen in Dankbarkeit gewandelt haben. Das hätte ich niemals für möglich gehalten, aber es ist so. Ich kann es selbst noch gar nicht so richtig glauben, aber es ist ein sehr schönes Gefühl.

    Ich bin mir sicher, meine Mutti freut sich auch darüber.

    Liebe Maike, gib Dir und Deiner Seele Zeit und alles andere kommt ganz von selbst. Aber meine tiefe Sehnsucht ist geblieben. Diese gehört nun zu mir. Aber auch diese ist leiser geworden.

    Ich wünsche Dir weiterhin

    für Deinen schweren Weg

    Kraft und Zuversicht

    Kornblume:24:

  • Liebe Kornblume!

    Es ist schön,auch mal etwas positives zu lesen und es ist gut.Deine Mutter wäre stolz zu sehen,das es dir etwas besser geht

    und sieh sieht wie dankbar du bist,das du eine so liebevolle Mutter haben durftest.

    Liebe Maike!

    Das wird sicher noch dauern,bis wir soweit sind,alo bei mir wird es nicht besser,sondern schlimmer

    und diese Hohhnungslosigkeit bringt mich so zum verzweifeln.Liebe Grüße Helga

  • ... ihr lieben,


    langsam glaube ich, hier ist der wurm drinne.... hatte - wie schon einem anderen thread, ebenfalls einen beitrag eingesetzt und zwar auf luses aussage dass sie keine angst mehr vor dem tod hat und weiss, das ihr mann an ihrer seite ist....


    also SOOOOO arg stehe ich noch nicht neben mir, das ich nicht mehr WEISS ob ich etwas hier geschrieben habe oder nicht!!!!!


    Bine

  • also SOOOOO arg stehe ich noch nicht neben mir, das ich nicht mehr WEISS ob ich etwas hier geschrieben habe oder nicht!!!!!

    Liebe Bine,

    kann es sein, dass du die Seite verlassen hast, vor du auf ABSENDEN geklickt hast?

    Das passiert auch mir hin und wieder.

    Lg. Astrid.

  • Ihr Lieben, es ist einfach tröstlich, dass es Menschen gibt, die genauso empfinden, wie ich. An manchen Tagen kann ich mir die Bilder meines Mannes ansehen und dann gibt es wieder Tage, da schaffe ich es einfach nicht, ohne dass mir die Tränen kommen. Es ist nicht das Alleinsein, es ist dass niemand mehr da ist, den man in den Arm nehmen kann, dem man einen Kuss geben kann, der einen tröstet, wenn man mal schlecht geträumt hat. Ich hätte noch so viele Fragen, die jetzt (vorerst) unbeantwortet bleiben, auch wenn ich die Antwort auf die meisten Fragen schon kenne, aber es ist so schön, wenn einem das auch bestätigt wird. Mein Mann hat mir irgendwann einmal, lange bevor er krank wurde, gesagt, dass wenn wir uns eines Tages voneinander verabschieden müssten, er als Erster gehen möchte. Damals habe ich nicht weiter darüber nachgedacht, aber wenigstens die Einsamkeit konnte ich ihm abnehmen. Ich habe es schon einmal erwähnt, ohne den Partner ist es ein Gefühl, als ginge man durch die Hölle. Aber wir wären beide füreinander auch durch die Hölle gegangen, und jetzt tue ich es für ihn. Im Moment ist es ganz besonders schlimm für mich, vielleicht hängt es damit zusammen, dass wir uns am 11. November vor einem Jahr verabschieden mussten. Es gibt den schönen Ausspruch "nicht weinen, dass es vorüber ist, sondern lächeln, dass man es erleben durfte". Aber, soweit bin ich längst noch nicht. Manchmal denke ich, was wir doch beide für ein Glück hatten, einen solchen Partner zu finden. Und manchmal macht mich das noch trauriger.


    Ich wünsche uns allen, dass wir genug Kraft haben, damit umzugehen und vielleicht auch eines Tages einen Weg aus der Traurigkeit finden.

    Luse (und Ich - Ich war mein Mann)