Mein liebster Mensch kommt nicht mehr nach Hause - ich kann und will das nicht begreifen.

  • Hallo Janin1980,


    ich glaube wir respektieren und achten uns gerade deswegen so, weil wir eben uns nicht persönlich kennen. In unserer "Halb-Anonymität" kann man sich ganz anders ausdrücken. Ich habe z.B. meinen Text auf Facebook für meine Freunde total abgeändert (so anders, als ich es gestern hier gesrieben habe) weil ich in diesem Kreis weiterleben will und mich nicht so aufmachen will. Hier habe ich keine Hemmungen, hier lasse ich alles raus. Deshalb sei nicht traurig, falls keiner auf deine Bitte um persönliches Treffen eingeht, das hat nichts mit dir zu tun, sondern mit dieser gesunden Anonymität.


    LG

    Petra

  • Liebe Janin1980,


    ja, Außenstehende, was nichts Abwertendes haben soll, fragen oftmals auch "wie geht es Dir", weil es sie beruhigen würde, wenn Du sagtest:"Alles gar nicht so schlimm, ist schon viel besser ......". Ich sagte es schon in einem anderen Beitrag, dass ich zum Glück nur wirklich liebe Menschen um mich habe, die, wenn sie mich fragen, wie es mir geht, es auch wirklich wissen wollen. Meine Antwort:"Gesundheitlich gut. Über den Rest möchte ich im Moment nicht reden.". So weiß jeder genau Bescheid und versucht nicht, mich mit den allseits bekannten Vorschlägen zu trösten. Sie wissen auch, dass sie mich als Reaktion auf meine Antwort besser nicht in den Arm nehmen. Dann kann ich die Tränen gar nicht mehr zurückhalten.


    Und Petra hat Recht. Man muss sich nicht unbedingt persönlich kennen. Du wirst mit der Zeit merken, dass Du einfach bei der ein oder anderen Person das Gefühl hast, sie schon lange zu kennen und fasst besonderes Vertrauen.


    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, viele liebe Menschen, die Dir durch ihre pure Anwesenheit helfen, und wenn immer Dir danach ist, schreib es einfach.


    Liebe Grüße

    Luse (und Ich)

  • Liebe Janin!

    Wir treffen uns hier und manche sind schon lange dabei und wir kennen uns untereinander.

    Und einige haben sich sicher schon so richtig angefreundet,aber eben schriftlich.Ich habe den Satz

    schon so oft gehört,warte das erste Jahr ab, und langsam solltest du mal wieder etwas machen

    usw,aber die Worte kommen von denen,die so etwas noch nicht erlebt haben.Ich habe viel

    gearbeitet um die Zeit rumzukriegen,aber am Abend war es wieder leer,still und einsam.

    Es gibt auch glaube ich eine Seite Verwitwet Forum &Chat Portal.Da findest du auch sicher

    Leute mit denen du dich treffen kannst.Ich bin froh,das es dieses Forum gibt und alle sind

    so liebe,nett und haben auch mal einen Tip oder auch eine Umarmung ist schön.Liebe Grüße Helga

  • Hallo ihr alle und danke für euer Verstehen!

    Bitte entschuldigt meine Teilnahmslosigkeit hier im Forum, derzeit ist es mir nicht einmal ab und zu möglichquerzulesen. Es ändert allerdings nichts an meinem Gefühl der Verbundenheit zu euch, die ihr leider noch am ehesten nachfühlen könnt, was in meinem Umfeld niemand verstehen kann. Ich hatte schon immer etwas einzelgängerisches an mir und war im Leben schon oft allein, aber echtes, reales Alleinsein, dieses Abgeschnittensein von allen anderen, kenne ich erst seit etwas über 10 Monaten.


    Liebe Gabi, um ehrlich zu sein: auch wenn man sich natürlich auf eine gewisse Art und Weise eine Besserung wünscht - oder vielleicht eher eine Linderung, die das Aushalten und Ertragen etwas einfacher macht, ist eine tröstende Zukunftsaussicht gar nicht das, wonach ich suche. Bei dem Gedanken an die Zukunft wird mir vor Angst und anderen schlechten Gefühle einfach nur übel und zugleich kotzen mich alle Optimisten und Möchtegernversteher nur noch an mit ihrem Gerede über "Das wird schon werden" und "Das Leben geht weiter." (Zugleich wünsche ich es jedem von euch sehnlichst. Das es für euch wieder wird und irgendwie weitergehen kann. Auch wenn mir selbst jede Zuversicht fehlt, bitte verzeiht mir das.)

    Ich verstehe deinen Wunsch am Morgen, so ähnlich ist es für mich auch. Abends im Bett denke ich oft, dass ich nichts, rein gar nichts dagegen hätte, wenn das mein letzter Tag gewesen wäre.

    Was ich bewundere, ist, dass du vieles probiert und versucht hast. Dazu fehlt mir eigentlich alles: Energie, Mut, Sinnhaftigkeit.


    Traurige Speedy, der Lebensgrundlage beraubt, ja. Ja. Mit Worten ist das kaum zu erklären. Natürlich ist es vor allem der Mensch, der fehlt. Alles, was er ist und ihn ausmacht und man so schätzt und liebt. Aber es ist nicht nur der Mensch, bei weitem nicht nur. Es ist das ganze, ganze gemeinsame Leben. Es ist weg. Und ja, auch ich bin weg. Was jetzt ist, das bin ich nicht mehr. Ich weiß nicht, wer und was ich noch bin. Was das Leben noch ist. Und wie ohne Grundlage aus den Scherben irgendetwas Neues aufbauen? Und wozu?


    Sverja, das kann ich nicht beschreiben. Meine Gedanken kreisen täglich um diese Fragen und sie quälen mich ohne Unterbrechung. Das alles nicht zu wissen, entfernt und trennt mich noch mehr von meiner Geliebten als es der Tod allein könnte. Es vergrößert meine Gewissheit, sie im Stich gelassen und nicht gut behandelt zu haben. Ich muss damit leben, aber weiß, dass ich nicht damit leben kann.

    Das einzige, was in dem Punkt manchmal hilft, ist das Wissen, dass man sich kraftlos und müde weinen kann und diese verzweifelte Erschöpfung mir im besten Fall zur Abwechslung ein paar Stunden traumlosen, tiefen Schlaf ermöglicht. Ein paar Stunden Pause, das ist alles. Aber leider kann ich seit ein paar Wochen nicht mal mehr weinen. Nicht mal mehr das.

  • Hallo Sturm,


    ich kann jedes Deiner Worte nachempfinden, weil es mir eben genauso schlecht geht.


    Meine Dorit auch sie wr Grundlage meines Lebens und als ich am 13,Mai 2019 kurz nach 8 Uhr morgens in ihr totes Gesicht sehen musste, da sah ich auch in mein gerade kaputtgegangenes Leben und nach dem Entsetzensschrei blieb ich so versteinert stehen, zitternd wie gerade eben beim Aufstehen knapp 14 Monate danach.


    Die Schulmediziner glauben, die Zeit soll es bringen, frage mich, was soll die Zeit bringen. Einen solchen Moment etwa zu vergessen, da reichen 1000 Jahre nicht.

    Hätten die Schulmediziner mal eine Möglichkeit gefunden, das Hirnödem bei Dorit rechtzeitig zu erkennen und zu entfernen, das hätte ihr Leben gerettet, stattdessen kommen sie mit diesen Phrasen.

    Dort habe ich meinen herzensguten Seelenpartner an meiner eigenen Hand mit Herzversagen zu Boden gehen sehen müssen und konnte mich beim Anblick ihres toten Gesichtes persönlich davon überzeugen, so etwas vergisst man nie, nicht in 1000 Jahren.


    Ich weine und schreie jeden Morgen, wo ich nun allein im Haus bin, mein Vater sich ins Krankenhaus und dann ins Pflegeheim verabschiedet hat.

    Ich habe ihm Vorwürfe leider machen müssen. Er hatte Ende April 2019 mit einem Darmvirus ins KH eingeliefert werden müssen und ich hatte die Aufgabe, die untere Etage des Hauses mit Decken und Sesseln grundzureinigen, nicht genug, um mich wegen eines Krankenzimmerwechsels noch ins Klinikum zu bestellen. 3 Tage später habe ich einen Grippevirus, den ich zwar schnell auskurierte, aber trotzdem meine Dorit am Wochenende damit ansteckte und Dorit ist auf dem Weg zum geparkten Auto, um sie zum Arzt wegen der Erkältung zu bringen, 15m vom geparkten Auto an meiner Hand gehend auf nimmer Weiedersehen von diesem Erdball verstorben, und da frage ich meinen Vater, ob das notwenig war, gewissermassen trägt er damit die Schuld an Dorits Tod, so sehe ich das.


    Was hatte Dorit für selbstsüchtige, unfähige Menschen um sich herum, sie war so eine fröhliche, herzensgute Frau, so etwas und so einen sinnlosen TOD HATTE SIE NIE VERDIENT........und darüber grübele ich seit einem Jahr und deshalb kann ich NICHT ALT GENUG WERDEN, damit die Zeit das verdrängen kann.


    Ich fühle mit Dir, da ich weiss, wie schlimm das ist, aus eigenen traurigem Erleben...Schlafen tue ich seit den schlimmen Tagen im Mai 2019 nur mit Hilfsmitteln, ohne diese hätte ich wahrscheinlich keine Nacht geschlafen wie es in der Nacht vom 13.Mai zum 14.Mai 2019 war, asl ich mich die ganze Nacht nur schweissgebadet gewälzt habe und mit einem Glas Rotwein dann so benebelt war, dass ich schlafen musste.

    Und das, obwohl Dorit da schon auf ITS lag und der Kreislauf künstlich gehalten wurde, aber der lange Herzstillstand mit Sauerstoffunterversorgung des Gehirns wohl irreparabel war.....und trotzdem hatte man noch Hoffnung...


    Verstehe Dich und weine und schreie heute immer noch fast den ganzen Vormittag, manchmal sogar nachmittags und wünsche mir meine Dorit zurück

    Matthias

  • Hallo Matthias,


    ich kann derzeit nicht verbalisieren, welche Vorwürfe ich mir mache und welche Fehler ich vor und nach dem Tod von H. gemacht habe. Aber das Gefühl damit zu leben, kann ich vielleicht ein bisschen nachvollziehen. Es ist der bitterste Schmerz, den ich persönlich kenne.


    ---


    Kennt ihr das? Im Moment überkommen mich immer wieder so Sekunden des Schocks. Plötzlich erfasst mich irgendeine Empfindung oder ein Gedanke und so, als wüsste ich es noch nicht, wird mir auf einmal klar: sie ist weg. So als würde ich das zum ersten Mal hören. Was absurd ist, denn jeder Tag ist den ganzen Tag wie unter einem grauen Schleier, meistens kreisen meine Gedanken um sie, es gibt keine Unbeschwertheit, die von solchen Sekunden unterbrochen wird. Trotzdem durchreißen diese Momente auch noch die beinahe schon gewohnte Traurigkeit und ich bekomme körperlich alle erdenklichen Zustände, von Schüttelfrost über Schweißausbrüche ist alles mit dabei. Vielleicht passiert das, weil ich mich innerlich noch immer gegen das "nie wieder" wehre. Aber wie soll man auch aufhören sich dagegen zu wehren?


    Liebe Grüße an euch alle! Sturm

  • Im Moment überkommen mich immer wieder so Sekunden des Schocks. Plötzlich erfasst mich irgendeine Empfindung oder ein Gedanke und so, als wüsste ich es noch nicht, wird mir auf einmal klar: sie ist weg. So als würde ich das zum ersten Mal hören. Was absurd ist, denn jeder Tag ist den ganzen Tag wie unter einem grauen Schleier

    Es ist ja beinahe so, als könntest Du meine Gefühle erspüren.

    Genauso geht es mir jeden Tag.

    Vor einem Jahr habe ich mir dann mittags gesagt: Naja sie lebt doch noch, eben als Geistwesen in der geistigen Welt und war beruhigt, schliesslich habe ich ja über Medium mit ihr gesprochen und ich weiss nicht, warum und weshalb: Heute 1 Jahr später da ist diese Wirkung abgeebbt praktisch gleich NULL und die grausame Erkenntnis, dass dieser geliebte Mensch als wahrnehmbarer Mensch für immer weg ist und das eben als grosser Nachteil im Leben gegenüber allen anderen, die glücklich mit Partner leben und das sind die meisten, sich für das eigene Leben zeigt.


    Es fehlt ein Mensch, den man fragen kann, der einem im Leben Tätigkeiten abnimmt, mit dem man sein Leben gemeinsam gestalten kann und man sich gegenseitig lieben kann und diese grausamen Bilder vom Blick ins tote Gesicht der liebsten Frau nach 24 gemeinsamen Jahren, da kommt unwillkürlich der Entsetzensschrei, als sei es gerade eben erst passiert.


    Ich kann Deine Gefühle verstehen, diese überkommen mich leider jeden Tag und ich kann nichts dagegen machen, manchmal als es noch nicht so lange her war da hat mir geholfen, zu sagen, man kann dem Tod nicht entkommen, bei manch Einem passiert es eben früher. Das hilft mir heute auch nicht mehr, weil ich mich eben frage, warum sind sie alle weg (.....Schwiegermutter, Mutter, Onkel, und zu guterletzt DORIT) und ich muss noch hier sein.


    Viel Verständnis und liebe Grüsse

    Matthias

  • Sturm u. Matthias

    es scheint so ähnlich zu sein, wie wenn man das Rauchen aufgehört hat:

    ICH weiß, dass ich aufgehört habe aber mein Innerstes hat fast 5 Jahre gebraucht, aus diesem Ablauf (nach dem Kaffee oder in einer Arbeitspause oder am Strand) Eine zu rauchen ...

    ALLES ist auf diesen Ablauf geeicht, daran gewöhnt - es ist arg schwer, diesen so geliebten und "alltäglichen" Ablauf - gezwungener Maßen - zu ändern, darauf verzichten zu müssen, zumal jede einzelne unserer Zellen mit dem geliebten Menschen synchronisiert IST, noch immer! Jede einzelne Zelle muss sich entkoppeln, vom Siamesischen Zwilling lösen und neu aufbauen, ohne die aufbauende Quelle des geliebten Menschen - es ist extrem langwierig, anfangs überhaupt nicht erkennbar, dass oder wie es gehen KÖNNTE/KANN.

    Die körperlichen Symptome sind "Entzugserscheinungen" ähnlich - was durchaus plausibel klingt, denn nichts Anderes ist es schließlich - ein Entzug!

    Bis das Gehirn tatsächlich begriffen und UMGESETZT hat, dass uns unsere geliebten Menschen für immer entzogen wurden, braucht es Zeit - wie bei der Evolution - eine Veränderung, welche durch die äußeren (und inneren) Umstände gezwungener Maßen notwendig ist, dauert halt.

    Dass das Gehirn uns dabei schützend zur Seite steht, indem es irgendwelche Gedanken erst sehr sehr viel später zulässt, verhindert (sollte es) das Abdriften in die Depression oder das Einliefern in die Psychiatrie.

    Manchmal, wie hier leider immer wieder zu lesen, relativ selten, hat Mensch das Glück, einem anderen Menschen zu begegnen, die/der plötzlich einen Knopf drückt, welcher eine Lawine ins Rollen bringt, so wie aktuell bei mir ...

    Ich glaube aber auch, dass mir dies vor ein paar Monaten noch nicht möglich gewesen wäre!

    VIELE HIER können (momentan) nicht verstehen oder sich vorstellen, dass so etwas möglich ist - konnte ich auch nicht

    wie sollte man etwas Positives oder eine Zukunft erkennen können, wenn man die Sprache, welche diese Perspektiven sprechen, einfach nicht versteht weil Gehirn und Herz diese (zum Schutz) blockieren?

    JA, es GIBT eine Zukunft, auch wenn diese nicht DAS beinhaltet, was wir uns vorgestellt hatten.

    Ich setze hier mein eigenes Zitat ein:


    !!! es ist nicht das Trauma, welches uns definiert - sondern - unsere Entscheidung, wie wir damit umgehen !!!


    ob die Möglichkeit, es so zu sehen, tatsächlich von außen (durch Zufall, durch Menschen, durch Irgendetwas...) zugetragen werden muss, bleibt dahin gestellt;

    zumindest bei MIR war es so

    UND - UNSERE LIEBSTEN GEHEN NICHT KONFORM MIT UNSERER MOMENTANEN LEBENSWEISE!

    SIE wünschen sich für UNS ein BESSERES LEBEN als DAS, welches wir momentan führen:!:

  • Liebe traurige Speedy,


    wie hoffnungsvoll. Ich freue mich für Dich über den "Knopfdruck". Dein Schatz, der das alles begleitet und vielleicht auch noch seine "Hände" im Spiel hatte, wird das ebenfalls tun. Und außerdem wird es vielen Hoffnung machen, die sich (noch) nicht vorstellen können, dass so etwas in ihrem Leben passieren könnte.


    Liebe Grüße

    Luse (und Ich)

  • Liebe Traurige Speedy1

    Das hast du gut ausgedrückt.Ich habe auch mit dem rauchen aufgehört.Habe vorm schlafengehen noch eine

    geraucht und dann alles beseitigt,ob Feuer Aschenbecher,alles.Und ich weiß nicht wie ich das geschafft habe,

    aber ich hatte am nächsten Tag nicht mal verlangen nach einer Zigarette,als hätte ich nie geraucht.Ja ist

    komisch,aber klappt immer noch und ich bin froh.Da nützt auch kein Pflaster usw.das geht vom Kopf

    aus.Ja ich arbeite ja auch in einem Heim und am Anfang hat es mich sehr mitgenommen,wenn man einen

    Menschen so lieb gewonnen hatte,das er verstorben ist,aber dann habe ich einen Weg gefunden.Wenn ich

    das Heim verlassen habe gingen die Gedanken noch rum,aber habe ich die Tür zu meiner Wohnung betreten,

    dann war das mein Privatleben und keine Gedanke mehr an das Heim,das klappte gut.Ich wollte meinem

    Mann auch nicht jeden Tag davon erzählen,obwohl es ihm nichts ausmachte,aber es sollte nicht zum

    Privatleben dazugehören.Hört sich so komisch an,als hätte ich da oben einen Knopf,abstellen und wieder

    anstellen.Ich habe mich auch selbst gewundert,weil ich auch über 30 Jahre geraucht habe,aber ich bin froh

    darüber.Ja das Leben geht weiter,auch wenn es nie mehr so schön wird wie es war.Liebe Grüße Helga

  • Hallo liebe Speedy,


    ich freue mich mit dir und für dich, dass dich diese Lawine getroffen und du Zuversicht finden konntest. Von dem Punkt aus, an dem ich im Moment stehe, erscheint mir das für mich tatsächlich unvorstellbar und unerreichbar. Trotzdem ist es gut zu lesen, dass es möglich ist.


    Neulich erinnerte ich mich an einen Gedanken, den ich früher oft hatte. Nicht ganz am Anfang unserer Beziehung, wir hatten zu dem Zeitpunkt schon ein Leben zusammen. Es gab ein Wir und ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben ein Zuhause und eine Perspektive. Damals dachte ich oft: ich bin nicht mehr die, die ich einmal war - dank und durch H. Und ich wusste, wer ich dank und durch H. geworden war.


    Jetzt denke ich diesen Gedanken auch oft: ich bin nicht mehr die, die ich einmal war. Der Unterschied ist, dass ich nicht weiß, wer ich jetzt bin. Ich fühle mich wie ein Niemand. Unser Zuhause fühlt sich an wie Niemandsland und das Leben wie Niemandsleben.


    Vielleicht wird das irgendwann anders. Im Moment schaffe ich es aber nicht, mir das vorzustellen. Das ist nichts, was ich bewusst entscheide. Ich schaffe es einfach nicht. Den Gedankengang und die positive Konnotation deines dicken, roten, beausrufezeichneten Satzes verstehe ich durchaus. Zugleich empfinde ich auch etwas Beklemmendes dabei, so im Sinne von: entscheide dich doch einfach, besser oder anders mit allem umzugehen.

    Das klingt so simpel und ich weiß nicht, ob es das tatsächlich ist. Für mich ist es anders, ich kämpfe und rudere seit Monaten um ein wenig Kontrolle über meine Gedanken und Gefühle zurückzugewinnen, um auf etwas lebenswertere Weise mit meinem Trauma und Verlust umgehen zu können, aber bekomme es einfach nicht hin. Natürlich kann ich nur allein für mich sprechen, aber mir fehlen Freiheit, Kontrolle und Stärke (- vielleicht noch mehr als das), um diese Entscheidung, die du beschreibst, zu treffen.


    Alles Liebe, Sturm

  • neee, wie deutlich dort steht, braucht das alles seine Zeit ... Irgendwann kannst Du diese Entscheidung für Dich treffen, egal welche aber Du wirst sie treffen KÖNNEN.

    Dieses totale Chaos, der Kontrollverlust, der Verlust aller Selbstachtung (wegen der Selbstzweifel/-vorwürfe) und Stärke, des Sinns des Daseins - alles ganz normal - leider.

    Logisch, denn Deine Freundin hat Dir all das gegeben - und unfreiwillig wieder genommen. Du warst vorher ein Mensch und bist es auch jetzt noch, obwohl Du Dich nicht so wahrnimmst - wozu und wer oder was bist Du eigentlich??? ODER???

    Mein Schatzi war alles, was ich hatte:

    beste Freundin, liebster Mensch auf Erden, Seelenverwandte, Schwester, Stärke, Zuversicht, Stützpfeiler, Sicherheitsnetz, Wärme, Lebenssinn, Leben, Perspektive, Freude, Spaß, LIEBE und MEIN ZUHAUSE - ich kann Dich SO gut verstehen!

    Sie hat mich erwachsen gemacht, hat immer versucht, mich zu beschützen, für mich da zu sein, ALLES für mich zu tun - und jetzt?

    Dem folgend (und nach mehr als der Hälfte meines Lebens MIT ihr) , habe ich ALLES verloren - und trotzdem - irgendwie schaffen meine symbiotischen Zellen es, sich gaaaaanz laaaaangsam zu entkoppeln; aber auch immer wieder das Wahrnehmen des verlorenen DASEINS!

    Was tun, wenn nichts mehr übrig ist? Bis letzte Woche wusste ich das genauso wenig wie die Meisten hier!

    Ob oder wann dieser (mein) Weg auch Euch zur Verfügung stehen kann/wird, weiß ich natürlich nicht - aber - ich denke, es ist für viele ein Hoffnungsschimmer, dass diese Möglichkeit besteht.

    Es soll ja keine Anleitung oder Kritik sein, nur ein Anstoß/eine Motivation/ein Schimmer von Licht am dunklen Horizont.

    Was allerdings tatsächlich von jeder/jedem Einzelnen selbst ausgehen muss, ist die Änderung des Blickwinkels/des Denkens, das Positive hereinzulassen, welches über Wochen/Monate/Jahre ausgesperrt wurde weil es unvorstellbar war, dass es noch etwas Positives geben kann/gibt - wenn es an der Zeit ist - WANN das sein wird ...

  • Gestern hat mir jemand zum ersten Mal mehr oder weniger direkt die Schuld an allem, was H. passiert ist, gegeben und unter anderem ausgesprochen, dass ich schlecht für sie war.

    Man denkt immer, das man den Tiefpunkt erreicht hat und plötzlich öffnet sich der Boden unter den Füßen erneut.


    Das Komische daran ist: mir hilft es überhaupt nicht, wenn jemand beschwichtigt, beschönigt und tröstet und sagt, dass zwischen H. und mir doch alles gut war, wir ein glückliches Paar gewesen wären und sie mich so geliebt hätte. Im Gegenteil, mir dreht sich jedes Mal der Magen um und ich würde gerne jeden einzelnen meinen Fehler herausschreien.


    Aber wenn einem jemand anderer tatsächlich den Spiegel vorhält, macht es das auch nicht besser sondern nur noch schlimmer. Das alles ist so verrückt.

  • Liebe Sturm,


    jeder Mensch hat Fehler. Keiner ist perfekt. Du kannst nicht schlecht für H. gewesen sein. Ihr habt Euch geliebt. Wart ein Liebespaar. Lass Dir, auch von Dir selber, nichts anderes einreden. :30:

    So wie es gestern war, wird es nie mehr sein. Und heute kann ich nur ertragen, wenn ich nicht an morgen denke.