Mein liebster Mensch kommt nicht mehr nach Hause - ich kann und will das nicht begreifen.

  • Liebe Sunny,


    dein Wort drückt alles aus, mehr braucht es nicht. Danke, danke, danke dafür. Ja, die Basis fehlt. Und ohne Basis geht es nicht, kann es gar nicht.


    In einem Buch, das ich vor vielen Jahren las, beschreibt der Schriftsteller Haruki Murakami den Anfang einer Liebe wie einen heftigen Sturm, der alles aufwirbelt und hochschleudert, bis kein Stein mehr auf dem anderen ist.


    Dieses Bild mochte ich immer so gerne. Bis kein Stein mehr auf dem anderen ist. So war das für mich mit []. Als wir uns trafen war ich gerade erwachsen, als wir uns verliebten war ich [] . Bis dahin hatte mein Leben keinen Wert, es gab keine Perspektive. Es war sicher nicht alles schlecht bis dahin, aber eine Basis habe ich nie gehabt und ohne Fundament hat man nicht einmal eine leise Idee eines Zuhauses und keine Vorstellungen von einer Zukunft. Die meiste Zeit über baute ich nur Scheiße, um irgendetwas zu spüren, egal was, weil da sonst nur Leere und Orientierungslosigkeit waren und es gab niemanden der sich darum scherte, ob ich mir das Hirn wegkokse oder auf der Straße lande.

    Dann kam []. und sie kam wie eine Naturgewalt über mich und, ja, ließ keinen Stein mehr auf dem anderen. Sie gab mir eine Basis, baute mir ein stabiles, sicheres Fundament, das erste meines Lebens. So oft habe ich mich in all den Jahren gefragt, wie sie mich lieben kann, ausgerechnet mich, was sie an mir findet, was sie in mir sieht. Ich konnte es nicht verstehen und war zugleich so glücklich darüber sie an meiner Seite zu haben.

    Es ist so seltsam, ich hatte immer wieder schreckliche Angst, dass sie mich irgendwann verlässt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass sie es mit mir aushalten kann. Und zugleich gab es in meinem Kopf gar keine andere Möglichkeit, keine Alternative, keinen Plan B zu der Vorstellung dieses Leben mit ihr zu haben. Ich hatte Angst davor, dass sie mich irgendwann nicht mehr will, aber zugleich habe ich nie einen Gedanken daran verschwendet, dass sie irgendwann nicht mehr da sein könnte und wie es ohne sie wäre.


    Jetzt ist alles anders. Ein neuer Sturm und wieder blieb kein Stein mehr auf dem anderen. Bloß ist da kein Fundament mehr, keine Stabilität, keine Sicherheit. Nur noch Chaos und Scherben. Daraus kann man nichts bauen. Bitte entschuldige das selbstsüchtige Gequatsche, so war das nicht geplant. Plötzlich kamen so viele Worte, obwohl ich mich eigentlich nur für deine Zeilen bedanken wollte, sie fühlen sich so richtig an. Schmerzhaft richtig.

    Es tut mir unfassbar leid, dass du auch keine Basis mehr hast.


    Liebe Grüße, Sturm

  • ihr lieben,


    die basis fehlt, ja, sie fehlt auch in meinem leben...


    früher, da hatte ich eine basis aus mir selbst heraus... früher, als ich noch nichts von Roger wusste, als ich noch garnicht wusste, dass es IHN gibt....


    und dann... meine basis und Rogers basis verschmolzen miteinander... es gab nicht mehr ZWEI Basen, sondern nur noch EINE basis bestehend aus zwei hälften...


    vorher, da war ich nur halb, aber dass wusste ich erst nachdem ich mit Roger zusammen war....


    und jetzt, jetzt bin ich nicht mal mehr halb, sondern garnichts mehr....


    ich fühle mich entwurzelt, finde einfach keine basis mehr... Roger hat alles mitgenommen worauf ich gebaut hatte...


    das leben ist eine aneinander-reihung von UNERTRÄGLICHKEIT.... ich versuche gerade mit dieser UNERTRÄGLICHKEIT zu leben.... ich versuche die einigermaßen guten tage positiv zu bewerten, als neue BASIS zu sehen, mit der ich vielleicht irgendwann wieder werde ERTRÄGLICH leben können.


    ich bin noch weit davon entfernt....


    lieber gruß von Bine

  • Lieber Sturm,

    alles was du machst, macht Sinn - und wenn es nur der ist, dass es dich wieder aufs Neue einen Tag überstehen lässt!

    Müssen tust du garnix, wenn sich etwas ändert, dann kommt das von ganz alleine, glaube mir.

    Ich kann nur wie all die anderen betonen, dass ich dich so gut verstehen kann!

    Ich habe mir selber oft gedacht, wie es wohl wäre, wenn eine Wunschfee die Trauer einfach wegzaubern könnte und bin draufgekommen, dass ich das gar nicht wollen würde.

    Das Einzige was ich wirklich will ist wieder mit meinem Liebling zusammen zu sein, aber das muss leider jetzt noch warten.

  • und dann... meine basis und Rogers basis verschmolzen miteinander... es gab nicht mehr ZWEI Basen, sondern nur noch EINE basis bestehend aus zwei hälften...


    vorher, da war ich nur halb, aber dass wusste ich erst nachdem ich mit Roger zusammen war....


    und jetzt, jetzt bin ich nicht mal mehr halb, sondern garnichts mehr....

    Liebe Bine,

    es ist so schön wie du eure Liebe beschreibst. So schön und so traurig. Dieses Gefühl, jetzt gar nichts mehr zu sein, kann ich sehr, sehr gut verstehen.


    Dass es dir ein wenig gelingt positive Tage als solche wahrzunehmen, ist sicher ein gewaltiger Schritt und ja, vielleicht kann das irgendwann wieder eine Art Basis werden. Sicher nicht so, wie das was wir eigentlich darunter verstehen, aber womöglich auf andere Weise. Ich wünsche es dir und uns von ganzem Herzen.


    Liebe Tigerlily,

    ich danke dir so sehr für dein Verstehen (und das Verstehen von euch allen). Es ist so wertvoll, wenn man sich so abgekapselt und abgetrennt vom Rest der Welt fühlt und sich selbst oft nicht verstehen kann.

    Du hast recht, ich will auch nicht, dass die Trauer einfach weggenommen, weggezaubert wird. Das wäre seltsam und nicht richtig, das ist nicht der Weg.


    Liebe Grüße, Sturm

  • liebe Strum,

    dann solltest Du Dich beeilen, damit Du die 1200 möglichst schnell erreichst ...

    Ich hab die letzten Tage/bzw., wenn ich in ein Prospekt gucke, immer wieder die gleichen Gedanken: "DAS wäre doch was für DICH, könnten wir schön zusammen grillen ...

    oder "DAS ist genau DEIN Wetter, könnten Du und der Hund und ich dieses nicht Wetter ausnutzen, um am See spazieren zu gehen?"

    Ich frage mich auch immer wieder, ob das jemals wirklich "besser" wird - dann muss ich mir eingestehen, dass es das tatsächlich ist - besser geworden - im letzten Jahr hätte mich der Gedanke an einen gemeinsamen Spaziergang völlig aus der Fassung gebracht - momentan macht er mich "NUR" traurig, dann jedoch muss ich leise lächeln, bei dem Gedanken, dass DORT, wo sie JETZT ist, immer das richtige Wetter für sie und den Hund ist, es niemlas zu heiss für die Beiden ist, sie sich keine so verhasste Sonnenmilch auf ihre empfindliche Haut mehr schmieren muss, sie DAS, was sie DORT hat/lebt, einfach nur genießen kann - ebenso der Hund, für den Temeraturen über 17 Grad "tropische Hitze" bedeutet haben - beide sind nun DORT, wo sie IMMER die richtigen Temperaturen, immer das richtige Wetter haben, er zu jeder Zeit einfach ins Wasser springen und das "Stöckchen" holen kann :8:

  • Post by Sturm ().

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  • hey Sturm,

    ich weiß, ich weiß ... alles unüberschaubar, unvorstellbar, offene Wunden, die immer größer werden, statt sich wenigstens andeutungsweise zu verkleinern; alles kommt nach und nach - jedes Mal wird die Wunde wieder aufgerissen - der Kopf ist nicht in der Lage, das alles zu verstehen, weder was passiert ist, noch den Ablauf. Es ist wie "ich haue immer wieder auf die gleiche Stelle am Schienbein und irgendwann ist die Stelle immun gegen die Schläge"

    Wenn dieser Punkt erreicht ist, kann der Kopf anfangen zu sortieren, in andere Bahnen zu leiten - und - vielleicht ein leises Lächeln hervorzaubern weil man weiß, es geht Schatzi gut, da wo sie jetzt ist.

    Du musst Geduld haben - mit DIR - und aufhören, an Dir selbst zu zweifeln - auch wenn man aufmerksam ist, so scheint es hier im Forum, merkt man oft nicht, wie es Schatzi geht - weil - SIE WOLLEN ES NICHT - sie wollen nicht, dass man sich sorgt und sagen einem nicht, wie es ihnen wirklich geht - wer liebt, findet Wege, die Anzeichen zu verstecken - weil sie möchten, dass es UNS gutgeht, auch auf die Gefahr hin, dass dieses "Etwas" ausser Kontrolle gerät ... an die eventuellen Konsequenzen denken sie nicht - es geht einfach nur darum, UNS nicht zu belasten.

    Auch DAS muss man erstmal begreifen

    :30:

  • Post by Sturm ().

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  • wie solltest Du sie beschützen???

    Hättest Du ihren Job machen sollen, um sie zu entlasten? Hättest Du ihr vorschreiben wollen, in erster Linie mal an sich zu denken???

    GANZ SICHER NICHT, denn, so lese ich das, wäre das gegen ihre Natur gewesen!

    Meine Freundin war so ein Typ "alte Deutsche Eiche" - jammern oder klagen oder kranksein gab es bei ihr nicht. Ich habe sie immer wieder gefragt, ihr gesagt, dass es ihr nicht wirklich hilft, immer alles zu unterdrücken, es zu verleugnen oder immer allein damit fertig werden zu wollen! Irgendwann (bei jedem Versuch) musste ich es lassen weil sonst die Fetzen geflogen wären. SO war SIE - für mich war es unheimlich schwer, damit umzugehen aber ich konnte es nur ab und an ändern; ich bin mir sicher, dass sie mehr wusste als "ich habe einen leicht erhöhten Blutdruck und bekomme Tabletten, mir geht es gut" Sie hat sich auch nicht dazu geäußert, dass sie wahnsinnige Angst hatte - es liegt in dieser Familie - SO war SIE.

    Es gibt so Vieles, was wir im Nachhinein nicht verstehen oder meinen, hätten besser machen MÜSSEN - NEIN, HÄTTEN WIR NICHT - was wir nicht wissen/uns vorenthalten wird, können wir nicht verhindern! So gerne wir es gewollt hätten!

    DAS müssen wir verstehen LERNEN, lernen, solche Unwegsamkeiten zu AKZEPTIEREN.

    Im Nachhinein fällt uns Dies oder Das auf, was eventuell ein klitzekleines, Mµ-kleines/großes Zeichen dafür hätte sein können ... und warum jetzt erst?

    Weil wir JETZT explizit danach suchen, damit wir uns wieder selber Vorwürfe machen, bzw. bestätigen können, dass wir versagt haben - weil - SO fühlen wir uns!

    Wenn wir unseren Liebsten gesundheitliche Fragen stellen, gehen wir davon aus, eine ehrliche Antwort zu erhalten - fragen bei Zweifeln noch 2x nach aber die Antworten bleiben die Gleichen, sollten wir davon ausgehen können, dass diese Antworten der Wahrheit entsprechen.

    Bitte nicht falsch verstehen!!!: Deine H wird vielleicht auch irgendwo sitzen und sich Vorwürfe machen weil sie Dir nicht gesagt hat, wie es ihr wirklich geht .....

    Wie ich bereits sagte: über die eventuell folgenden Konsequenzen wird nicht in der erforderlichen Weise nachgedacht; hinzu kommt, dass NIEMAND aller Beteiligten wusste, was Trauer mit uns machen wird, was sich nach dem Tod der geliebten Person tatsächlich abspielen wird - hätten SIE (die Gegangenen) es gewusst, hätten sie sicher versucht, uns eine Möglichkeit zu bieten, uns darauf "vorzubereiten" ......

    ich vermisse sie jeden Tag, das wird sich auch niemals mehr ändern, versuche jedoch, allmählich auch mal wieder was für MICH zu tun, ob ich allein irgendwo essen gehe oder mit dem Rad fahre ... es ist immer zwiespältig - einerseits bedaure ich natürlich, dass sie und der Vierbeiner nicht dabei sein können, zumindest nicht stofflich, andererseits merke ich, dass ich mich anschließend trotzdem etwas besser fühle ...

    gib und lass Dir alle Zeit der Welt - es dauert solange wie es dauert - gerade das Loslassen der Selbstzweifel/dem Aufladen der Schuld, dauert ............

    :24:

  • Post by Sturm ().

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  • Auch einmal etwas irgendwie "Gutes": heute habe ich unter einem Schrank einen Notizzettel von []. gefunden, zusammengeknüllt und wahrscheinlich den Katzen zum Spielen geworfen und von denen irgendwann unter den Schrank gespielt.


    Drauf stand nichts besonderes, es war bloß eine Liste mit Erledigungen wie "X anrufen", "Y kaufen", "Z zur Müllstelle bringen" und sowas, aber anhand einiger Punkte konnte ich mich erinnern, wann in etwa sie ihn geschrieben haben musste und dieses Erinnern an solche banalen, langweiligen Alltagssachen hat mir gut getan. Natürlich tut es auch scheißeweh, aber es war auch gut und ich habe mich so über diesen dummen, kleinen Zettel gefreut. Ihre Handschrift, ihre Art, Wörter durchzustreichen und die 9 zu schreiben, eine kleine Kritzelei auf der Rückseite. Wie sehr kann man einen anderen Menschen eigentlich lieben?

  • Post by Sturm ().

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  • Liebe Sturm,


    auch wenn es sich verrückt anhört, vielleicht war es Dein Schatz, um Dir zu sagen, denk auch mal an die schönen Zeiten, die wir miteinander hatten ?


    Ich wünsche Dir einen erträglichen Tag

    Luse (und Ich)

  • Liebe Luse,

    vielen, vielen, vielen Dank!

    Ich weiß nicht, ob es sich verrückt anhört. Eigentlich ist der Gedanke fast naheliegend, in jedem Fall aber ist er sehr schön und tröstlich. Mir wäre er so nicht in den Sinn gekommen (- was irgendwie bezeichnend ist. Dass []. mir etwas Gutes, Liebes sagen möchte, ist leider unvorstellbar für mich, weil ich mich einfach wie der letzte Versager in unserer Beziehung fühle.) Deswegen: danke, danke, danke! Vielleicht ist es wirklich ein Zeichen. Ich werde versuchen es anzunehmen. Danke dir!


    Liebe Grüße, Sturm

  • Liebe Sturm,

    du schreibst, du denkst manchmal, sie habe dich verlassen. Ist einfach gegangen..

    Das kenn ich!

    Bei mir ist es so, daß mich Gedanken anfliegen in denen mein Mann lachend auf mich zu kommt:

    "Das war doch alles nur ein Scherz! Das nimmst du doch viel zu ernst! 😃"


    Aber es ist nicht so! Es ist ernst!


    Liebe Grüße von Herzen 💕

  • Hallo Yediritter3,


    willkommen im Forum!

    Was bringt dich hierher und veranlasst dich, im Minutentakt optimistische Kalenderspruch-Einzeiler in diversen Threads von Menschen, die in tiefer Trauer stecken, zu hinterlassen?


    Liebe Grüße, Sturm