Mein liebster Mensch kommt nicht mehr nach Hause - ich kann und will das nicht begreifen.

  • Nein, bitte, kein Grund zur Sorge. Ich war in den letzten Tagen sehr erschöpft und zusätzlich einfach wie erschlagen von diesem Brief, inzwischen fühle ich mich wieder ein bisschen besser, aber noch immer gefühllos, emotional irgendwie taub und stumpf, schwer zu beschreiben.


    Die Forderung der Familie wundert mich nicht, auch wenn ich selbst nicht auf die Idee gekommen wäre, dass sie das tun. Der ganzen Aktion geht jahrelanger Terror voraus, denn aus ihrer Sicht hat sich nicht nur meine Freundin durch ihre Beziehung zu mir schändlich verhalten, sondern auch Schande über die gesamte Familie gebracht und sie öffentlich diskreditiert, die Eltern mussten z.B. nach vielen Jahren ihre Stamm-Moschee verlassen und wurden aus ihrer Glaubensgemeinschaft ausgeschlossen. Dementsprechend waren ihre Reaktionen auf uns. Ich kann das gar nicht näher ausführen, das würde hier auch viel zu weit führen. Am Anfang unserer Beziehung passierte jedenfalls sehr viel Schlimmes, bis es zum endgültigen Bruch kam. Für H. war es emotional weiter Thema und nie ganz abgeschlossen. Ich denke, für ihre Familie auch nicht. In ihren Augen bin ich der Unmensch, der ihre Tochter „gedreht“ und damit alle in Verruf gebracht hat.

    Fest steht für mich: ich werde alles tun, um das zu verhindern. So richtig kann ich mir auch nicht vorstellen, was sie eigentlich wollen. Es geht sicher vor allem um Dokumente, die sie noch nicht haben. Wir besitzen nichts richtig Wertvolles, höchstens Dinge mit (für uns) hohem ideellen und persönlichen Wert. Unsere teuersten Anschaffungen waren Gegenstände wie Computer oder Fotokameras, Haushaltsgeräte oder Möbelstücke und darum geht es mit Sicherheit nicht. Ihren Ring haben sie schon und H.s andere persönlichen Dinge werde ich ihnen niemals geben, eher erfinde ich hundert Listen, Konsequenzen sind mir egal. Ich bin vielleicht in der Nachweispflicht aber niemand kann beweisen was in unserer Wohnung ihr gehört und was mir. Die Frist endet mit Ende Jänner und ich hoffe, dass die Anwältin das nicht nur verlängern, sondern ganz abwenden kann. Aber ich weiß nicht, welche rechtlichen Möglichkeiten es konkret gibt. Faktisch gibt es kein nennenswertes Erbe, abgesehen von ihren Ersparnissen. Die sind mir eigentlich egal, sie können alles haben. Aber weil ich weiß, dass H. das nicht wollen würde, ist mir auch das nicht egal.


    In die Türkei werde ich auf jeden Fall fliegen. Ich kann hier nicht mehr bleiben. Dann auch noch Weihnachten, ich kann das nicht, mir ist schon die Zeit jetzt unerträglich. Vermutlich geht es euch damit genauso? Im Oktober war ich bereits vor Ort, aber war zu dem Zeitpunkt irgendwie wie in Trance, das hat gar nichts gebracht. Dieses Mal versuche ich klarer zu sein und mich besser vorzubereiten, noch weitere Städte und Orte anzusteuern. Ich kann niemanden mitnehmen, denn für die anderen Menschen ist die Welt, wie sie vorher war, da spielen Tage wie Weihnachten dieselbe Rolle wie vorher, es geht weiter ohne Unterschied. Ich kann da nicht mitspielen und ich kann auch niemandem von meinem Vorhaben erzählen, weil jeder, egal ob Familie oder Freunde, dagegen wäre und mich überreden würde, das ganze abzublasen. Nur habe ich einfach keine Energie für Widerstand und keine Kraft mich zu erklären. Ich will ihnen nicht Unrecht tun, sie geben sich viel Mühe und möchten da sein, aber trotzdem fühle ich mich abgeschnitten und isoliert von allen und dieses Gefühl wird von Tag zu Tag nur stärker. Für unsere Freunde und für meine Familie war H. Teil ihres Lebens, für mich ist sie mein Leben. Ohne sie kein Leben mehr.


    Liebe Grüße, Sturm

  • Liebe Sturm!

    Ja sicher wollen sie nur die Dokumente und sie wissen ja auch nicht,was ihr in der Wohnung habt und ich glaube,

    das ist auch nicht ausschlaggebend.Sonst sollen sie nichts haben,alles andere hat euch beiden gehört und das steht ihnen

    auch nicht zu.Ja dann mach das und fahr in die Türkei,da ist wenigstens kein Weihnachten.Ich glaube das ist für

    uns alle mit die schlimmste Zeit,obwohl es ja jeden Tag schmerzt.Ich hoffe,das es ,das die Anwältin etwas machen

    kann.Liebe Grüße Helga

  • Morgen fliege ich also nach Ganziantep. Ich weiß nicht, warum ich das hier schreibe. Vielleicht weil ich es noch niemandem sonst erzählen konnte und plötzlich Angst habe. Ich werde am 24. ankommen und weiß nicht, vor welchem der kommenden Tage ich mich am meisten fürchte.

    Es ist nicht nur dieser 24. Dezember. Am 27. ist H. vier Monate nicht mehr da und ich kann es noch immer nicht fassen. Es passt nicht in meinen Kopf, ich kriege das nicht zusammen, weil es einfach keinen Sinn ergibt. Dann Silvester. Ein Jahr wird enden und bis über die Mitte dieses Jahres war alles gut, es gab H. und wir hatten ein gemeinsames Leben. Bald wird ein neues Jahr beginnen, unaufhaltsam, obwohl sie fehlt. Dem Jahr und der Zeit ist das egal, schon klar. Für mich fühlt es sich surreal und grausam an und ich würde gerne alles stoppen, alle anschreien, alles aufhalten. Zeit, Leben, Menschen, Gefühle, alles. Vielleicht vermischen sich die kommenden Tage aber auch zu einem graubraunen, undefinierbaren, zeitlosen Brei, so wie alle vergangenen Tage der letzen vier Monate. Manchmal weiß ich gar nicht, wie all die Zeit vorbeigehen konnte in diesen letzten Monaten, irgendwie war ich gar nicht dabei.


    Ich danke euch für's Lesen. So viel Selbstmitleid, es tut mir leid, ich finde mich selbst unerträglich.

    Ich wünsche euch...um ehrlich zu sein, ich weiß gar nicht, was genau. Wenn es etwas gibt, egal ob groß oder klein, das euch die kommenden Tage ein bisschen erträglicher macht, wünsche ich euch von Herzen genau das. Wenn es nichts gibt, was ich leider befürchte, wünsche ich euch, dass die Tage schnell vorbeigehen. Aber auch das fühlt sich irgendwie nicht richtig an.


    Trotzdem liebe Grüße, Sturm

  • Liebe Sturm!

    Ich wünsche dir eine gute Reise,alles Gute,vor allem Gesundheit.Ja du hast recht was soll man

    uns hier allen wünschen,denn es gibt kein frohes Fest,für uns hier ist es ein trauriges Fest.

    Und auch wird es keinen guten Rutsch geben.Zwar haben wir dann ein neues Jahr,

    aber das bringt uns unsere Liebsten auch nicht zurück.Dir sende ich auch einen Schutz

    engel:5: und er soll dich begleiten auf deiner Reise.Liebe Grüße Helga

  • liebe Sturm,


    eine liebe umarmung :30:... dein gefühlschaos ist unbeschreiblich... leider, leider gibt es nichts, was uns diesen weg erspart.... der einzige trost ist vielleicht für dich, das du hier nicht ganz alleine bist mit all deinem schmerz.....


    liebe umarmung von Bine:30:

  • Ich danke euch für's Lesen. So viel Selbstmitleid, es tut mir leid, ich finde mich selbst unerträglich.

    Liebe Sturm,

    Hab Mitgefühl mit dir selbst, so wie du es anderen hier so liebevoll entgegen bringst <3 Du hast einen schweren Verlust erlitten, hab Geduld mit dir selbst.


    Für die Reise wünsch ich dir viel Kraft. Hast du niemanden als Begleitung?

    Ich denk an dich...

    Isabel

  • Bine, Isabel - danke.


    Ich hoffe, ihr alle konntet die Feiertage überstehen - irgendwie. Wie ich es konnte, weiß ich nicht. Nichts läuft nach Plan und ich habe nichts geschafft, wie ich es mir vorgenommen hatte. Ich bin noch in der Türkei, aber vollkommen unfähig zu denken oder etwas zu tun. Den 24. und 25. habe ich in einer komischen Mischung aus Halbschlaf und wirren Träumen und Albträumen verbracht oder eher verpasst, vielleicht gut so, obwohl ich so viel tun wollte. Gestern war ich etwas klarer und endlich in der Lage, loszufahren um meine Liste an Orten und Friedhöfen abzuarbeiten. Geschafft habe ich nicht viel, nur zwei Friedhöfe und an einem davon gab es so, so viele Gräber von Menschen mit H.s Nachnamen oder einer ähnlichen Form davon. Dort konnte ich nicht bleiben, mir war das zu viel und ich weiß, dass ich nicht mehr dorthin zurückgehen kann, obwohl ich dort vielleicht finde würde, was ich so verzweifelt suche.

    Heute ist wieder ein Tag, an dem mir jegliche Kraft fehlt. Ein neuer 27. Vier Monate. Vorhin überkam mich so ein intensives Gefühl von Heimweh, aber dann wieder die Erkenntnis: so wird das jetzt immer sein. Ich will nicht mehr hierbleiben, aber ich will auch nicht nach Hause, weil es mein Zuhause nicht mehr gibt. Es gibt keinen Platz mehr für mich und ich weiß nicht wohin. Das ist einer der wenigen klaren Gedanken, überwiegend habe ich derzeit das Gefühl den Verstand zu verlieren. Ich muss und will die ganze Zeit an H. denken, an alles, was wir erlebten, aber alles verschwimmt und ich habe das Gefühl, es nur noch verzerrt und verfälscht sehen zu können und nicht so, wie es wirklich wahr. Aber vielleicht war es auch genau so, wie ich es jetzt sehe und damals war ich zu egoistisch und auf mich fokussiert, um das zu merken. Tatsächlich weiß ich nicht mehr, was war. Wusste sie, wie sehr ich sie liebe und schätze? Wusste sie, wie glücklich ich in unserem gemeinsamen Leben war? Dass sie mein ganzes Glück ist und ich sie nicht enttäuschen und verletzen wollte. Ich zerbreche mir den Kopf darüber, es fühlt sich buchstäblich wie zerbrechen an, aber ich finde nur Fehler und Schlechtes und Enttäuschungen und wünschte, ich könnte alles, alles, alles was ich jemals falsch gemacht habe, jede Ungerechtigkeit und Gemeinheit zurücknehmen. Das Schlimmste: ich weiß gar nicht mehr, warum H. überhaupt mit mir zusammen sein wollte. Dann kommen mir so irre und wahrscheinlich paranoide Gedanken, dass sie gar nicht tot ist und sie einfach weg von mir wollte, weil ich nicht gut zu ihr war und sie keinen anderen Ausweg fand.

    Jetzt muss ich entscheiden, was ich weiter tun werde. Eigentlich war geplant, noch bis Anfang Januar hier zu bleiben, aber ich weiß, dass ich auch weiterhin nichts auf die Reihe bekommen werde, egal wie sehr ich versuche, mich zusammenzureissen. Ich will nach Hause und ich will nicht nach Hause, weil ich dort nur realisieren werde, was ich nicht realisieren will.


    Sorry, langer Text, langer, egoistischer Text. Ich hoffe, ihr seid so okay, wie ihr momentan sein könnt. Liebe Grüße, Sturm

  • Liebe Sturm ,


    Schreib dir alles von der Seele, was dich gerade bewegt . Hauptsache es hilft dir . Lass dein Bauchgefühl sprechen , wie du weiter vorgehen willst und kannst . Zwinge dich zu nichts .


    Fühl dich gedrückt :30:

    Birgit und Fine

  • Liebe Sturm, ich finde Deinen Text überhaupt nicht egoistisch. Ganz im Gegenteil, Dein Text kommt bei mir im

    Herzen an, weil Deine Worte aus dem Herzen heraus geschrieben sind. Du bist einfach fertig und mit Deinen

    Kräften am Ende. Ja, vielleicht ist es wirklich gut, wenn Du wieder - nach Hause- kommst. Deine Erinnerungen

    werden wieder kommen, sobald Du etwas zur Ruhe kommst. Diese sind nicht weg. Dein Kopf denkt so viel, dass

    er im Moment nicht mehr, an alle Erinnerungen ran kommt. Aber glaub mir, diese sind noch alle da, bei Dir

    im Herzen. Nach und nach werden diese sich wieder bei Dir melden, wenn Du zur Ruhe kommst und wieder Platz

    dafür da ist, diese anzuschauen. Wenn Deine Schuldgefühle hoch kommen, frage Dich mal, was würde Dir dazu

    Deine Partnerin sagen, wenn sie es noch könnte. Wenn Du magst, stelle Dir einfach mal vor, Deine geliebte Partnerin

    steht neben Dir und Du erzählst ihr all Deine Schuldgefühle. Mit welchen Worten würde sie Dir antworten?

    Auch ich dachte sehr oft, ich hätte bei meiner Mutti alles falsch gemacht, heute würde ich alles anders machen.

    Heute weiß ich, es war in Ordnung so, wie alles war. Unsere Lieben wollen nicht, dass wir uns den Rest unseres

    Lebens mit Schuldgefühlen herum plagen. So was möchte die Liebe nicht. Die Liebe möchte, dass es uns gut geht

    bis wir wieder vereint sind. Die Liebe liebt, so wie wir sind. Wir sind alle Menschen und Menschen dürfen auch Fehler

    machen, das gehört zum Menschsein dazu. Mach Dir doch bitte nicht so viele Vorwürfe, diese fressen Dich auf.

    Ach, ich weiß, ich kann das leicht schreiben, aber glaub mir, auch ich hab es sehr, sehr lange getan. Aber irgendwann

    siegt die Liebe und steht über den Vorwürfen und Schuldgefühlen. Aber auch das brauch Zeit. Trauerarbeit ist und

    bleibt Schwerstarbeit für Körper, Geist und Seele.

    Ich wünsch Dir weiterhin viel, viel Kraft auf Deinen schweren Weg und komm gesund zurück -nach Hause-.

    Alles Liebe

    Kornblume

  • Das ist einer der wenigen klaren Gedanken, überwiegend habe ich derzeit das Gefühl den Verstand zu verlieren. Ich muss und will die ganze Zeit an H. denken, an alles, was wir erlebten, aber alles verschwimmt und ich habe das Gefühl, es nur noch verzerrt und verfälscht sehen zu können und nicht so, wie es wirklich wahr.

    Liebe Sturm,

    Tatsächlich ist es so, dass Erinnerungen verschwimmen, verblassen. Einfach weil die Trauer so viel Raum einnimmt, das verändert sich mit der Zeit. Vergangenes wird dann wieder klarer gesehen.


    Vielleicht hilft es dir, wenn du deiner H. einen Brief schreibst, und ihr nochmal alle Gefühle mitteilst und was du für sie empfunden hast und immer noch tust...


    Hast du nochmal versucht Kontakt mit der Familie herzustellen?

    Ich wünsch dir heut einen erträglichen Tag <3

    Isabel

  • Liebe Sturm


    Deine Gedanken sind vollkommen normal..

    Man merkt auf einmal wie kurz ein Leben sein kann.... wie schnell dieses eine kostbare Leben genommen werden kann und genommen wurde.


    Es ist vorbei, Schluss... Ende und man frägt sich natuerlich...


    Hat die Verstorbene wirklich gut gelebt? Und was habe ich dazu beigetragen oder nicht?


    Kornblume hat es gut beschrieben... wir alle sind auch emotionale Wesen und manchmal sagt oder tut man Dinge die nicht okej sind... aber das ist OK und normal, weil wir lebende Wesen sind die fuehlen und geprägt sind von unseren eigenen Erfahrungen.

    Ich z.B. habe mit einer Therapie angefangen, da ich einfach merkte, dass ich mir sogar 4 Jahre nach ihrem Tod immer noch Schuldvorwuerfe machte.


    Ich glaube daran, dass es ein danach gibt, egal in welcher Form und dass in diesem "danach" die Verstorbenen wissen und spueren wie sehr man sie geliebt hat und immer noch liebt.


    Das einzigste was von jedem Menschen schlussendlich bleibt ist die Liebe nicht mehr und nicht weniger. Doch genau diese Liebe kann ein ganzes Universum fuellen.


    Fuehle Dich umarmt :24: und sei bitte mitfuehlend und lieb zu Dir selbst:24:

  • Liebe Birgit, liebe Kornblume, liebe Isabel, liebe Urania,

    danke für eure Antworten.

    Deine Erinnerungen werden wieder kommen, sobald Du etwas zur Ruhe kommst. Diese sind nicht weg. Dein Kopf denkt so viel, dass er im Moment nicht mehr, an alle Erinnerungen ran kommt. Aber glaub mir, diese sind noch alle da, bei Dir

    im Herzen. Nach und nach werden diese sich wieder bei Dir melden, wenn Du zur Ruhe kommst und wieder Platz

    dafür da ist, diese anzuschauen.

    Tatsächlich ist es so, dass Erinnerungen verschwimmen, verblassen. Einfach weil die Trauer so viel Raum einnimmt, das verändert sich mit der Zeit. Vergangenes wird dann wieder klarer gesehen.

    Ist das wirklich so? Ich weiß ja gar nicht, ob meine Erinnerungen wirklich falsch oder verzerrt sind. Vielleicht sind sie genau richtig und vielleicht sehe ich jetzt klarer als jemals zuvor und erkenne endlich, aber zu spät, was mir nicht klar war, als es H. noch gab und wir ein Leben hatten. Ich weiß es einfach nicht und kann es nicht einschätzen. Wie kann das sein, dass man jeden Bezug zu seinem eigenen Erlebten verloren hat? Ich war doch da, ich war dabei, aber weiß plötzlich gar nichts mehr.

    Leider kann ich mir nicht vorstellen, was H. dazu sagen würde. Mein Kopf lässt das nicht zu, es kommt mir verlogen vor. Natürlich kann ich erahnen, was sie sagen würde, aber habe Angst, dass meine Vorstellung nur das zeigt, was ich mir wünsche und nicht das, was sie wirklich denkt. Ich habe so große Angst, dass ich H. in Wahrheit gar nicht kannte und sie gar nicht kennen wollte, zu egoistisch und ignorant gewesen zu sein. Ich weiß gar nichts mehr. Sie fehlt mir so.


    Kontakt zur Familie: nein. Das übernimmt jetzt meine Anwältin für mich. Ich selbst würde wahrscheinlich alles nur noch schlimmer machen, noch mehr Schaden anrichten, nichts erreichen und mich tiefer reinreiten. Außerdem merke ich, dass ich nicht mehr kann. Mich wühlt das so auf und bringt mich keinen Schritt weiter. Jetzt gerade bin ich hier, habe die Möglichkeit überall nach dem Grab zu suchen und mache nichts, bin wie paralysiert. Alles erscheint mir so zwecklos. Egal was ich mache oder nicht mache, nichts bringt mich näher zu H., nichts bringt mich weiter (- wohin eigentlich? Kein Plan, keine Idee, nichts.), nichts bringt mich weg von diesen Gefühlen und raus aus dieser Situation. So viele Fragen, hunderte, tausende, aber keine Antworten, vielleicht nie. Hilfe.


    Liebe Grüße, Sturm

  • Ist das wirklich so? Ich weiß ja gar nicht, ob meine Erinnerungen wirklich falsch oder verzerrt sind. Vielleicht sind sie genau richtig und vielleicht sehe ich jetzt klarer als jemals zuvor und erkenne endlich, aber zu spät, was mir nicht klar war, als es H. noch gab und wir ein Leben hatten. Ich weiß es einfach nicht und kann es nicht einschätzen. Wie kann das sein, dass man jeden Bezug zu seinem eigenen Erlebten verloren hat? Ich war doch da, ich war dabei, aber weiß plötzlich gar nichts mehr.

    Liebe Sturm,

    In deinem Fall kann ich es natürlich nicht sagen, ob du dir jetzt erst Dingen bewusst wirst. Das kann ich nicht beantworten. Ich will es dir weder ein- noch ausreden das es so ist.


    Was ich meinte ist, das diese verzehrten Bilder und verschwommenen Wahrnehmungen eine Reaktion des Körpers auf den Verlust ist, um nicht von Eindrücken erschlagen zu werden.


    Ich hoffe das sich deine Bilder mit der Zeit klären. Oder habt ihr gemeinsame Freunde mit denen du dich austauschen kannst? Das hilft oft sehr. Jemandem mit dem sie auch öfter gesprochen hat. Auch Arbeitskollegen die dir etwas erzählen könnten.


    ...Wenn du soweit bist <3

    Isabel

  • Liebe Sturm!

    Du hast soviel mitgemacht und auf soviele Fragen noch keine Antwort bekommen,aber deine Lebensgefährtin,

    wäre nicht mit dir zusammen gewesen,wenn sie dich nicht geliebt hätte und ihr habt zusammen gewohnt,

    weil sie immer mit dir zusammen sein wollte und sich ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen konnte.

    Und es war alles zuviel für dich,an soviel mußtest du denken,da werden mal einige Erinnerungen etwas

    weniger,aber sie kommen wieder,vielleicht wenn sich alles etwas beruhigt hat und du auch mit

    den Sachen,die deine Anwältin für dich erledigt abgeschlossen hast.Ja manchmal schafft man

    nichts.Ich nehme mir auch manchmal etwas vor,aber verschiebe es immer wieder,weil ich denke,

    ist doch egal.Ja wo Ralf da war,war alles regelmäßig obv putzen ,einkaufen uvm.und jetzt ist es

    mir manchmal so egal.Man hat keinen Antrieb mehr.Ich wünsche dir alles gute und drücke dich.

    Liebe Grüße Helga

  • liebe Sturm,


    versuche nicht darüber nach zu denken, was du vielleicht falsch gemacht hast in eurem leben.... versuche an all die schönen dinge zu denken die ihr gemeinsam hattet. ich bin mir sicher, das h. nicht mit dir zusammen gewesen wäre, wenn sie dich nicht geliebt hätte.... fehler machen wir alle, liebe sturm, weil wir menschen sind.... sie hat dich genauso geliebt wie du sie geliebt hast....


    alles überrollt dich zur zeit. auch die ganze familiengeschichte von deiner angetrauten. versuche auf die liebe zu vertrauen... dein kummer ist riesengroß, ich weiss...:30::30: aber denke daran, das dein e liebste dich ausgewählt hatte.... niemanden sonst. diese liebe bleibt bestehen über den tod hinaus.:30:


    liebe umarmung von Bine