Mein liebster Mensch kommt nicht mehr nach Hause - ich kann und will das nicht begreifen.

  • ... dass es mir wie das natürlichste, purste, selbstverständlichste auf der Welt vorkommt, sie so sehr und unter diesen Schmerzen zu vermissen.


    Liebe Sturm, ich fühle auch so. Es muss schrecklich Schmerzen. Es eingehender zu erklären, dazu fehlen mir die Worte. Es gibt auch keine Logik mit der sich das Begründen lässt.


    Warum kann ich noch laufen, noch atmen, noch leben? In meinem Inneren spüre ich, dass ich eigentlich auf dem Boden liegen müsste, unfähig irgendwas zu tun außer pausenlos vor Schmerz zu weinen. (Ein Trauerbuch hat mir jetzt verraten, dass wir das nicht machen, weil das unser Selbstschutz verhindert.)


    Muss es so sehr Schmerzen, weil ich ihn so sehr liebte? Ihn so sehr vermisse? Ist das hier wirklich ein Quid pro quo? Das kann ich so nicht nachfühlen. Aber alles andere fühlt sich total falsch an. Hm, es fühlt sich eher so an, als würde alles andere meine Liebe zu ihm, unsere gegenseitige Liebe entwerten. Also doch ein Quid pro quo?


    Liebe und verwirrte Grüße
    Markiin

  • Heute begegnete ich einem Mann, dem [] vor ein paar Jahren sehr, sehr geholfen hatte.

    []. arbeitete für []. Diesem Mann hatte sie oft geholfen, als er sehr neu in [] war. Anfangs übernachtete er einige Male bei uns und später half sie ihm seine Familie nachzuholen und noch viel später eine Wohnung zu finden und beruflich Fuß zu fassen. Er ist Koch und lud uns ab und zu zum Essen ein, aber wir trafen ihn nicht regelmäßig. Ich selbst hatte ihn bestimmt schon mehr als ein Jahr nicht gesehen, ich weiß es gar nicht so genau. []. sah ihn sicher öfter, sie hielt immer in irgendeiner Form losen Kontakt zu allen Menschen, mit denen sie mal zu tun gehabt hatte. Nun begegnete mir dieser Mann auf der Straße, fröhlich, herzlich, er freute sich mich zu sehen und fragte, was naheliegt: „Wie geht’s []? Habe sie schon lange nicht mehr gesehen.“


    Dann musste ich es ihm sagen und mir wurde darüber etwas klar.

    Ich habe nicht nur versagt und viele Fehler gemacht, als [] noch da war. Selbst jetzt, in dieser Situation in der ich so vieles bereue und mich so schuldig fühle, werde ich []. nicht gerecht und versage weiter. Das Paradoxe: ich leide sehr darunter, dass es kein Begräbnis für sie gab, das ihr angemessen war. Dass ich kein Begräbnis für sie machen konnte, dass ihr angemessen war. Kein Begräbnis für sie, ihr zu Ehren, aber auch keines für ihre Freunde, unsere Freunde, die vielen Leute, die sie kannte und mochte und die sie auch so mochten. Über dieser Tatsache versinke ich seit Monaten in egoistischem Selbstmitleid. Aber zugleich habe ich nichts gemacht, nicht irgendetwas Anderes, gar nichts.

    Nicht einmal allen Bescheid gesagt, die sie kannten. Natürlich, ihren Freunden, ihren Kollegen, unserem engen und weiteren Kreis, aber ich habe nichts veranlasst, um ALLEN oder zumindest möglichst vielen Bescheid zu geben. Ich habe nichts gemacht, um den Menschen eine Möglichkeit zu geben, sich zu verabschieden. Nichts, um sie zu ehren.

    Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr ich mich plötzlich schäme und allein dafür, dass mir das erst seit dieser Begegnung in dieser Deutlichkeit klar ist, schäme ich mich noch mehr. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Alles, alles wollte ich für []. tun, alles, alles würde ich für sie tun, hätte ich noch die Chance dazu, ich WEISS, dass es so ist. Sie ist doch mein Ein und Alles. Es gab nie jemanden, der mir wichtiger war und ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemals jemanden geben kann, der mir wichtiger ist. Sie ist alles für mich. Aber: ich mache nichts für sie. Nichtmal die kleinsten Dinge, nichtmal was auf der Hand liegt. Ich habe das Gefühl, es nimmt mir jedes Recht um sie zu trauern. Plötzlich denke ich, ihre Familie hatte recht damit, sie mir wegzunehmen, mir die Möglichkeit zu nehmen, mich zu verabschieden, und das alles in die Hand zu nehmen. Wahrscheinlich hätte ich ja doch nur alles falsch gemacht. Es bestätigt, was seit Monaten meine größte Angst ist: dass ich in unserer Beziehung versagt habe, dass ich ihr nicht genug zeigte, wie wichtig sie mir ist und es auch jetzt nicht mache und, dass es kein Wunder wäre, wenn sie mich nicht mehr geliebt hat. Diese Erkenntnis betäubt mich gerade.

  • Liebe Sturm,

    Du hättest so gern etwas zu ihren Ehren gemacht- aber hättest du die Kraft dazu gehabt? Du warst selbst im Schock und im Ausnahmezustand. Da ist es nur verständlich, dass du andere um dich vergessen hast. Du brauchtest alle Kraft für dich.


    Wenn der Wunsch noch da ist, könnte ja immer noch eine Abschiedsfeier gestaltet werden. So wie es deine Kräfte eben zulassen.

  • Liebe Isabel,

    Du hättest so gern etwas zu ihren Ehren gemacht- aber hättest du die Kraft dazu gehabt? Du warst selbst im Schock und im Ausnahmezustand. Da ist es nur verständlich, dass du andere um dich vergessen hast. Du brauchtest alle Kraft für dich.

    das sind liebe, verständnisvolle Worte von dir, aber ich denke: in Wahrheit hat doch niemand die Kraft dazu. Es ist für jeden ein Ausnahmezustand. Und trotzdem kriegt man es eben hin, irgendwie. Für den über alles geliebten Partner, Lebensgefährten, Lebensmenschen. Ich habe es nicht hinbekommen und war die ganze Zeit über mit falschen Dingen beschäftigt (vor allem: mit mir selbst). Letztendlich nur ein weiteres Versagen in einer langen Reihe von Fehlern. Bloß dachte ich, dass ich mit dem [] aus meiner Blindheit aufgewacht bin. Nur bin ich das offensichtlich nicht und ich weiß gerade überhaupt nicht, wie ich damit umgehen soll. Gerade zweifle ich an allem und das tut so unfassbar weh. Hilfe.

  • Liebe Isabel,

    das sind liebe, verständnisvolle Worte von dir, aber ich denke: in Wahrheit hat doch niemand die Kraft dazu. Es ist für jeden ein Ausnahmezustand. Und trotzdem kriegt man es eben hin, irgendwie. Für den über alles geliebten Partner, Lebensgefährten, Lebensmenschen. Ich habe es nicht hinbekommen und war die ganze Zeit über mit falschen Dingen beschäftigt (vor allem: mit mir selbst). Letztendlich nur ein weiteres Versagen in einer langen Reihe von Fehlern. Bloß dachte ich, dass ich mit dem 27. August 2019 aus meiner Blindheit aufgewacht bin. Nur bin ich das offensichtlich nicht und ich weiß gerade überhaupt nicht, wie ich damit umgehen soll. Gerade zweifle ich an allem und das tut so unfassbar weh. Hilfe.

    Liebe Sturm,

    Keineswegs wollte ich die Situation anderer "schön reden", jedoch gibt es schon erschwerte Umstände in der Trauer. Du durftest sie nicht mehr sehen, musstest Anwaltsgespräche wahrnehmen, Konflikte, in ein fremdes Land fliegen und die Suche und das nicht finden können, das sind alles Faktoren, die den Prozess zusätzlich erschweren.


    Ich will dir deinen Schmerz und Gedanken aber auch nicht ausreden. Sondern nur ermutigen ein klein wenig Mitgefühl mit dir zu haben.

  • Hilfe, ich wollte auch nichts schönreden oder in irgendeiner Weise ausdrücken, andere hätten es einfacher (gehabt). Für jeden ist seine eigene Situation die schlimmste, daran besteht für mich kein Zweifel. Die genauen Umstände sind ohnehin vollkommen individuell und nicht vergleichbar. Ich bewundere und respektiere jeden zutiefst und aus ganzem Herzen, der es in dieser Extremsituation geschafft hat, seinen geliebten Menschen passend und liebevoll zu verabschieden und dabei auch an die Menschen zu denken, die ihm oder ihr wichtig gewesen sind. H. wäre das wichtig gewesen, ich habe versagt. Das ist so, jetzt muss ich einen Weg finden, um damit klarzukommen und es vielleicht wieder gut zu machen. Das geht nicht vollkommen, aber vielleicht ein bisschen. Das Schwierige ist: ich möchte es wieder gut machen für []., allein für sie, und nicht, um etwas für mein Gewissen zu tun und mich mit mir selbst besser zu fühlen. Aber das aufzudröseln und voneinander zu trennen ist schwierig. Außerdem bin ich überfordert und müde, weiß gar nicht, was ich tun könnte und ob das überhaupt Sinn macht. Diese Begegnung gestern hat mich sehr durcheinander gebracht. Der Mann war so schockiert und traurig und konnte gar nicht fassen, dass das schon im Sommer passiert ist. Solche Begegnungen mit anderen, auch jenen die Bescheid wissen, sind so schwierig, denn ich kann keine Fragen beantworten, ich weiß nichts, ich werde wahrscheinlich nie etwas wissen, für mich ist und bleibt das eine Katastrophe und ich komme damit einfach nicht zurecht.


    Mitgefühl mit sich selbst zu haben, ist sehr schwierig, wenn man wütend auf sich ist und sich selbst auch nicht richtig verstehen kann. Trotzdem vielen Dank für deine Antwort, Isabel.


    Liebe Grüße, Sturm

  • Liebe Sturm,


    Auch mir sind einige Personen erst viel später eingefallen, hat mir zwar leid getan, aber innerhalb der ganzen Katastrophe habe ich dem nur relativ wenig Bedeutung beigemessen.


    Gerade bei Euren besonderen Umständen könntest Du ihre/eure Freunde aber auch jetzt anschreiben. Erkläre vielleicht einen Teil der Umstände, vielleicht, das Du gehofft hättest, vorher ihr Grab zu finden.


    Du kannst bei dieser Gelegenheit auch Leute zu einer kleinen Trauerfeier für Deine Geliebte einladen. Das kann man sehr nett gestalten. Ich habe genau ein Jahr nachdem Christie unsere physische Welt verlassen musste, eine kleine Gedenkfeier für sie veranstaltet und einige ausgesuchte Menschen dazu eingeladen.


    Dazu habe ich ein paar Worte gesprochen (dafür braucht's keinen Pfarrer oder sonstigen Profi) und für jeden ein etwa A4 (mittig gefaltet) grosses Passeportout mit einem Portraitfoto meiner Maus und einem Foto mit dem Gedicht das ich für sie geschrieben habe. Das ist natürlich nur ein Beispiel.


    Bin mir sicher, Dir würde auch etwas für Euch passendes einfallen


    LG,

    Sky / Robert

  • Liebe Sturm,


    eigentlich kann man jeden Satz von Robert /Sky hier als Zitat einstellen weil alle so zutreffen.


    Auch ich denke , dass eine Gedenkfeier immer stattfinden kann, völlig ungebunden an der Todeszeit und der üblichen Bestattungszeit...

    Ich mache es immer noch zu bestimmten Zeiten, Geburtstag, Todestag , auch mein Geburtstag mit Freunden und Familie... und viele meiner Freunde aus dem Aspetos und der Hirntumorhilfe halten es genauso...


    Auch ich glaube , dass dir zu deiner Zeit die genau passenden Rituale für diese Gedenkfeier einfallen werden... Du kannst auch um Vorstellungen, bitten...


    Ich habe heute etwas sehr schönes im Internet gesehen... Ein grosses langes Holzbrett was von dem Trauernden in Gedenken an den geliebten Menschen bemalt wurde... Das kann man einfach an eine Wand in der Wohnung lehnen...


    liebe Grüsse

    Sverja

  • Lieber Robert, liebe Sverja,

    danke für eure mutmachenden Zeilen.


    Robert, was du für deine Christie gemacht hast, klingt sehr liebevoll und schön. Danke, dass du mir davon erzählst.


    Ich habe heute versucht, mir aufzuschreiben, wer womöglich noch nicht Bescheid weiß. Allein das kommt mir kaum zu bewältigen vor, die Vorstellung die Leute anzurufen oder ihnen zu schreiben ist noch schlimmer. Als ich unser engstes Umfeld ganz kurz nach dem schlimmsten Tag informierte, war ich offenbar so im Schock, dass ich keinerlei Erinnerung mehr daran habe, was genau ich am Telefon gesagt habe oder was ich ihnen schrieb. Alles wie ausgelöscht. Aber irgendwie werde ich das schon schaffen. Oder eher: würde ich schon schaffen.

    Im Moment quält mich der Gedanke, welches Recht ich dazu eigentlich habe. Ich würde euch so gerne erklären können, wie aufmerksam und liebevoll []. ist und wie sehr sie sich immer um andere Menschen bemüht hat, vor allem um mich. Ich fürchte, ich würde es gar nicht richtig auf den Punkt bringen können. Ihr müsstet sie kennen. Klar ist: sie hätte mich niemals so im Stich gelassen, wie ich sie. Ich möchte so gerne etwas für sie tun, etwas Schönes, etwas Besonderes, etwas, das ihr entspricht. Aber ich habe gerade das Gefühl, jede Berechtigung dazu verloren zu haben. Vielleicht würde sie gar nicht wollen, dass ich das für sie mache, weil sie enttäuscht von mir ist. Gedankenkreise- und Gedankenknoten. Ich weiß nicht, ob sich das entwirren lässt.


    Liebe Grüße, Sturm

  • Liebe Sturm,


    Lass Dich bitte nicht völlig fertig machen von solchen Gedanken. DU hast JEDES Recht dazu, für Deine H. zu tun, was Du für gut hältst. Sie freut sich über alles, das Du schaffst. Wenn Dir etwas nicht möglich ist, dann geht es eben nicht!


    Sie hat DICH ausgewählt, als den Menschen, mit dem sie Leben wollte, weil sie DICH geliebt hat. Wenn Du, wie jede Mensch und wir alle, Fehler hast, dann hat sie Dich MIT diesen geliebt.


    LG,

    Sky / Robert

  • liebe Sturm,

    Liebe Sturm,


    Lass Dich bitte nicht völlig fertig machen von solchen Gedanken. DU hast JEDES Recht dazu, für Deine H. zu tun, was Du für gut hältst. Sie freut sich über alles, das Du schaffst. Wenn Dir etwas nicht möglich ist, dann geht es eben nicht!


    Sie hat DICH ausgewählt, als den Menschen, mit dem sie Leben wollte, weil sie DICH geliebt hat. Wenn Du, wie jede Mensch und wir alle, Fehler hast, dann hat sie Dich MIT diesen geliebt.

    Diesmal habe ich wirklich den ganzen Beitrag von Sky/Robert hineingestellt

    weil er für mich völlig stimmt....


    Vielleicht hilft dir auch die Vorstellung, das man in bestimmten Berufen Termine mit einem Supervisor macht, weil er eine andere Sicht der Dinge, da er von "aussen " kommt , in eine Situation hineinbringt.

    Wir alle hier trauern in den unterschiedlichsten Facetten , mit den unterschiedlichsten Lebensauffassungen... und können durch diese gemeinsame Trauer , aber deine Trauer ist nicht meine Trauer , auch Roberts Trauer ist eine andere und von allen anderen ebenso ... auch etwas anderes sehen , wie du es jetzt gerade siehst...


    Vielleicht können wir es so sehen , das unser Gespür unser auffassen nicht so "betroffen ist... weil es ja nicht unsere ureigenste Trauer ist..


    Ich sehe es auch so , das ihr beide ein <3LIEBESPAAR<3 seid...

    Ich wünsche dir hoffentlich eine etwas friedvolle Nacht

    deine Sverja

  • Danke euch für eure Worte.


    Leider kann ich sie nicht richtig annehmen. Vor allem, deine Robert...

    Sie hat DICH ausgewählt, als den Menschen, mit dem sie Leben wollte, weil sie DICH geliebt hat. Wenn Du, wie jede Mensch und wir alle, Fehler hast, dann hat sie Dich MIT diesen geliebt.

    ...tun mir sehr gut und sehr weh zugleich. Ich danke dir von Herzen dafür.


    Im Moment kann ich das so leider nicht sehen, dabei wünsche ich mir so sehr, dass ich es so sehen und vor allem auch empfinden könnte. Meine Angst ist, dass sie das gar nicht mehr wollte. Mit mir leben. In meinem Kopf ist diese Angst real und berechtigt, zugleich schäme ich mich dafür, weil ich []. damit enttäusche. Es ist, als wären diese Gedanken, die ich ständig herumwälze, sehr spitze, scharfkantige Steine, aber durch das Herumwälzen und Zerdenken, werden sie nicht abgeschliffen und glatter, sondern nur noch spitzer und scharfkantiger. Aber ich finde keinen Weg aus diesen Gedankenkreisen, ich weiß nicht wie.


    Liebe Grüße, Sturm

  • Liebe Sturm, Deine Worte lesen sich für mich so, als möchtest Du Dich damit selbst bestrafen.- Ich darf das nicht so annehmen,

    ich habe diese Worte nicht verdient, ich bin böse, ich bin schlecht, ich habe H. nicht verdient.- Die Worte von Sky hast Du im

    Herzen wahrgenommen und gespürt dass sie Dir gut tun und im gleichen Moment bist Du dabei erschrocken, dass dir diese

    Worte gut tun und hast diese in sekundenschnelle niedergemacht, weil das ja nicht sein darf, weil Du denkst, Du hast das

    nicht verdient. Hier könnten jetzt noch 100 Leute schreiben, und überall, wo etwas Positives rüber kommt, wo Dir helfen

    könnte, was Dir gut tut, würdest Du sofort nieder machen, weil Du davon überzeugt bist, - ich bin böse gewesen, ich habe

    diese Worte nicht verdient.- Ich muss bestraft werden. - Und deshalb werden die scharfkantigen Steine immer spitzer und

    spitzer, und denken beim spitz werden immer: ich bin böse gewesen, ich war schlecht zu H. ich hatte sie gar nicht verdient,

    So bestrafst Du Dich immer selbst . Hast Du Dich jetzt nicht schon genug bestraft? Was würde H. dazu sagen, wenn sie Dich

    jetzt so sehr leiden sieht? Ich bin mir ganz sicher, es geht ihr sehr, sehr schlecht dabei. Wir sind alle Menschen und wir haben

    alle mit unseren Lieben Fehler begangen, das gehört ganz einfach zum Mensch sein dazu. Wir sind nicht Gott. Aber wir alle

    haben unseren geliebten Menschen sehr, sehr, sehr geliebt und lieben ihn immer noch. Deine H. wollte mit Dir leben, sonst

    wäre sie nicht mit Dir zusammen gewesen. Sie wollte Dich und bitte wisch diesen Gedanken nicht gleich wieder weg. Sie hat

    Dich geliebt und liebt Dich immer noch. Nur Du, Du allein, liebst Dich selbst nicht, So als wenn Du es nicht verdient hättest,

    geliebt zu werden. Aber Du hast es verdient. Und H. wusste das. Sie hat Dein Inneres erkannt, und diesen Diamanten, ja den

    wollte sie haben. Da war nichts zu schleifen. Sie liebte Dich so wie Du bist. Nur Du tust es nicht. Glaub mir, auch Du bist es wird

    geliebt zu werden. H. wusste es. Lass es einfach zu und bestrafe Dich nicht mehr. Auch Du darfst geliebt werden. Auch Du hast

    Liebe verdient, auch Du bist ein liebenswerter Mensch, so wie wir alle hier. Außer mir, denn ich bin ähnlich gestrickt wie Du.:)

    Alles Liebe

    Kornblume

  • Kornblume, du musst ein sehr, sehr lieber und warmherziger Mensch sein. Danke für deine Zeilen. Leider hast du recht, mir könnten das noch hundert weitere Menschen sagen, doch es ist so weit weg von meinem eigenen Empfinden oder eher Nichtempfinden, dass es mich nicht erreicht, nicht richtig. Leider weiß ich auch nicht, was H. dazu sagen würde. Das heißt: ein Teil von mir weiß es, der andere Teil weiß es nicht. Dieser Teil denkt das Schlimmste und befürchtet, dass es wahr ist. Was nicht heißt, dass es mir nicht gut tut oder mich nicht freut Worte wie deine zuhören. Es tut mir gut, es freut mich, aber an meinen Gefühlen und meiner Selbstwahrnehmung ändern sie leider nichts.


    Ich danke dir trotzdem sehr! Liebe Grüße, Sturm

  • Liebe Sturm!

    Es ist so traurig,das deine Gedanken im moment so kreisen und du keinen Weg findest da raus zu kommen.

    Deine H.war ein so liebevoller Mensch und hat soviel gutes für andere gemacht,aber sie hat dich geliebt

    und sich gefreut,das du immer an ihrer Seite warst und zu ihr gestanden hast und du ihre

    Arbeit geschätzt hast.Ich habe zu anfang auch soviel gedacht und mich gefragt,bin ich schuld,

    hätte ich etwas merken müssen,habe ich ihn zu doll belastet,wollte er mir noch etwas sagen,

    oder hat er mir etwas gesagt,wo ich nicht richtig zugehört habe und noch so vieles.

    Aber es gibt keine Antwort darauf.Sicher werden deine Gedanken auch weiter kreisen,

    aber du hast doch alles richtig gemacht und ihr hattet eine schöne Beziehung.Denke

    weiter an die schönen Zeiten,die ihr miteinander verbracht habt,oder schreibe einen

    Brief.Du bist ein liebenswerter Mensch und das wußte H.auch.Ich wünsche dir ganz viel Kraft.

    Liebe Grüße Helga

  • Liebe Sturm, deine H. würde sagen, bitte mach dir nicht so viele Gedanken. Es war gut so wie es war und was manchmal vielleicht nicht so gut war, das ist längst vergessen und vergeben. Du liebst sie und sie liebt dich. Das ist das wichtigste und das ist das, was immer bleiben wird.

  • In den letzten Tagen las ich wieder viel in Barthes' Tagebuch der Trauer. Derzeit ist das Lesen in diesem Buch das einzige, was mir das Gefühl gibt, nicht allein zu sein. Es fühlt sich an, als könnte ich das, was er schreibt, verstehen und in diesem Gefühl des Verstehens fühle ich mich in meinen eigenen Gefühlen weniger unverstanden.


    Ein paar zusammenhanglose Auszüge:


    "Ich kann mich in Gedanken nirgendwohin mehr flüchten - weder nach Paris (- da lebte er mit dem Menschen, den er verloren hat) noch auf Reisen. Ich habe keine Zuflucht mehr."


    "Einsamkeit = niemanden haben, dem man sagen kann: ich bin um soundsoviel Uhr wieder da, oder dem man (am Telefon) sagen kann: so, da bin ich wieder."


    "Meine Welt: dumpf. Nichts klingt darin wirklich nach - nichts nimmt darin Gestalt an."


    "Im düstersten Herzen dieses stillen Sonntagmorgens. Jetzt steigt allmählich das ernste (verzweifelte) Thema auf: Welchen Sinn soll mein Leben künftig haben?"


    Diese von Roland Barthes geliehenen Worte drücken vieles aus, was ich ähnlich empfinde, aber einfach nicht beschreiben kann. (Ähnlich geht es mir auch, wenn ich in euren Threads und Beiträgen lese.) Sonntage sind zum Beispiel tatsächlich am Schlimmsten. Wobei das gar nicht stimmt, ich denke an jedem Tag, er wäre der schlimmste. Sinnlos sind sie alle. An den Wochentagen halte ich die Wochentage für die schlimmsten, am Samstag und Sonntag halte ich die Samstage und Sonntage für die schlimmsten. An Arbeitstagen weiß ich nicht, wie ich sie bewältigen und überstehen soll und sehne ich mich nach freien Tagen und an freien Tagen ist es genau andersrum, ich kann mir kaum vorstellen all die Stunden zu überleben und wünsche mir volle Tagen, an denen wenig Zeit zum Nachdenken bleibt. Vielleicht weil vollkommen egal ist, welcher Tag heute ist. Jeder neue Tag ohne den liebsten, liebsten, so sehr geliebten Menschen ist ein neuer schlimmster Tag.


    Liebe hasi, liebe Sunny1+1=0! Leider lassen sich Gefühle nur sehr schwer kontrollieren. Das zu schreiben, hört sich womöglich wie eine Ausrede an, aber mir fehlt dazu derzeit vielleicht auch einfach die Kraft und Stabilität. Ich will auch gar nicht viel mehr zu diesem Aspekt meiner Traurigkeit sagen, nur noch vielen Dank für eure lieben Worte.


    Liebe Grüße, Sturm

  • liebe Sturm,

    An den Wochentagen halte ich die Wochentage für die schlimmsten, am Samstag und Sonntag halte ich die Samstage und Sonntage für die schlimmsten. An Arbeitstagen weiß ich nicht, wie ich sie bewältigen und überstehen soll und sehne ich mich nach freien Tagen und an freien Tagen ist es genau andersrum,

    habe Geduld mit dir... es ist wie es ist...


    liebe Grüsse<3 sende ich dir

    Sverja