Was ist los mit mir?

  • Hallo zusammen!

    Ich bin Bettina.

    Vor 2 Monaten habe ich meinen geliebten Ehemann verloren.

    Er war 20 Jahre an einem Hirntumor erkrankt.

    Die letzten 5 Jahre lebte er in einem Pflegeheim. Die Jahre davor betreute und pflegte ich Uwe zu Hause.


    Ich habe das Ende kommen sehen (obwohl es schon viele male knapp davor war).

    Und nun, seit einige Wochen, werde ich nahezu von Trauer überflutet.

    Ich weiß nicht wie mir geschieht.

    Ich bin absolut kraftlos und weine völlig plötzlich.

    Ich hab auch seit dem nichts mehr in der Wohnung gemacht, nicht gesaugt usw. Uwes Sachen stehen noch in den Tüten, sowie ich sie am 3. 3.20 im Flur abgestellt habe.

    Ich kenne mich selbst nicht!

    Was ist mit mir???


    Liebe Grüße von Bettina 🦋

  • Hallo Bettina


    ich bin Tina und auch sehr neu hier.Schön das du hier bist.

    Ich glaube auch wenn man weiß , das man einen Menschen verliert , kann man sich auf den Augenblick nicht vorbereiten.

    Bei mir war es so , das ich in den ersten Monaten einfach weiter funktioniert habe. Ich dachte natürlich , das ich so wie immer einfach weiter machen kann. Ich merke das ich mich dann verändert habe.
    ich bin kein Fachmann aber ich denke du fängst jetzt an zur Trauer und alles zu verarbeiten. Das kostet Zeit und Kraft.


    Da mich mit dem Tod meiner Mama ausgehebelt hat , habe ich fachliche Hilfe gesucht. Jetzt bin ich dabei mein Leben aufzuarbeiten und mich damit auseinanderzusetzen.


    herzliche Grüße

  • Danke, liebe Tina!

    .... Aber ich hatte doch sooo viele Jahre, mich vorzubereiten...

    Ich versteh das alles nicht....


    Ja, Tina, ich dachte auch, dass ich wie vorher weitermachen kann!

    Ich dachte , die ständige Sorge ist nun weg, ständig Angst zu haben, dass wieder etwas passiert ist, das ein Anruf aus dem Heim kommt. Das es Uwe schlechter geht, das der wieder Fieber hat, das er wieder wimmert, sich verschluckt hat und und und..

    Ich wänte mich in Erleichterung!

    Ich glaubte, nun kann ich endlich, endlich durchatmen...

    Ich bin völlig überrascht von der Trauer!

    Lieber Gruß!

  • Liebe Bettyna,

    Mein Mitgefühl zu deinem Verlust. Du hast deinen Mann so lange begleitet, und eine momentane Erleichterung ist auch ganz normal. Deshalb kommt die Trauer dann, wenn man immer mehr begreift was geschiehen ist.


    Dein Empfinden ist ganz natürlich. Im Austausch wirst du merken du bist mit deinen Gedanken nicht alleine bist. Jeder hat seinen eigenen Umgang mit der Trauer, aber in vielem findet man sich auch bei anderen wieder...

    Schreib hier jederzeit was dir durch den Kopf geht. Das Schreiben ist eine gute Möglichkeit das Geschehene zu verarbeiten.


    Wenn du Fragen hast meld dich jderzeit...


    Fühl dich willkommen <3

    Isabel

  • Hallo Bettina,


    Klingt für mich nach einer Depression, ich bin aber auch kein Arzt. Wie weit Dir diese helfen können, ist wohl auch sehr individuell, aber vielleicht sprichst Du mal mit einem Fachmann. Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Kraft.


    LG,

    Sky / Robert

  • hallo bettina,

    mein herzliches beileid und willkommen im forum, auch wenn hier niemand unbedingt sein will.

    du wirst hier gehört und verstanden ,weil hier alle unter einem schlimmen verlust leiden.

    mein schicksal ist ähnlich, ich habe auch das ende kommen sehen , dies hat mir jedoch überhaupt nicht geholfen,

    besser damit fertig zu werden.

    auch jetzt, nach fast 19 monaten, überfallen mich die trauerwellen immer wieder sehr plötzlich und äußerst heftig.

    ich habe sogar das gefühl , dass sie noch heftiger über mich reinbrechen, weil ich die endgültigkeit immer mehr realisiere

    und weil ich ohne meinen seelenpartner keinen sinn in meinem dasein sehe. wir waren sehr aufeinander ausgerichtet,

    eng verschweißt:33: 40 jahre lang.

    ich denke , deine gefühle sind völlig normal. auch ich habe immer noch die sachen von meinem mann, sie sind für mich wertvoll.

    im schlafzimmer hängt ein kleidungsstück, das ich jeden tag berühre.

    vielleicht hilft dir der austausch hier im forum etwas. ich wünsche dir viel kraft auf deinem schweren weg.

    liebe grüße

    flora

  • hallo Bettina :30:


    ich habe die ersten 3 Wochen, bis zur Beerdigung meiner Lebensgefährtin, nur insoweit funktioniert, die nötigsten Dinge FÜR die Beerdigung zu erledigen, bzw. Banken usw. angeschrieben - ansonsten habe ich mich in meinem Büro eingeschlossen und mit niemandem geredet, war wie gelähmt, völlig fassungslos, konnte meine Motorik nicht mehr kontrollieren, nicht mehr klar denken - bis - bis es herausgebrochen ist. Weinkrämpfe, aus dem Stehgreif, ich konnte keine Pärchen sehen oder gar lächelnde/glückliche Menschen - ich habe mein Büro nur soweit in Ordnung gehalten, dass ich von der Tür zum Schreibtisch gehen kann und das hat sich bis heute (gut 1,5 Jahre) nicht geändert - es ist mir sch.....egal geworden ..... wir wollten es zusammen aufräumen :13:

    Mein Leben ist seitdem einfach leer geblieben und ich glaube nicht, dass irgendwas oder -wer diese Leere auch nur ansatzweise wieder füllen kann

    ich versuche mich mit Arbeit oder hier im Forum, abzulenken/Trost zu finden aber sobald ich zum Stillstand komme, legt sich die Trauer wie ein Schleier um mich.

    Ich hatte keine Zeit "mich vorzubereiten" (geht das wirklich?) ich hätte es mir gewünscht aber wie man hier lesen kann, scheint diese "Vorbereitung" nur etwas für den Kopf und nicht im Bauch stattzufinden - der Verstand setzt förmlich aus und wenn er sich wieder einschaltet, versteht man die Welt nicht mehr!

    Gefühle lassen sich nun mal nicht mit Logik erklären oder gar begreifen - es fehlt halt einfach DAS Teil, welches das Leben lebenswert gemacht hat ;(

    und da ist es völlig irrrelevant, wie lange man sich (theoretisch) vorbereiten konnte - DIESES Puzzleteil fehlt und das Puzzle wird niemals wieder vollständig sein

  • liebe Bettina,


    ein liebes willkommen hier in unserem forum und mein beileid zu deinem verlust... es ist gut, das du hier zu uns gefunden hast. ich denke, deine gefühle sind völlig normal, auch wenn du vorher dachtest, du würdest mit dem bevorstehenden ende deines mannes klar kommen, weil du ja schon lange mit seiner erkrankung gelebt hast.


    mein mann war 5 jahre lang an krebs erkrankt, mal besser, mal wieder schlechter, aber das ende war zum schluss absehbar. ich wusste somit was auf mich zukommen wird, konnte mich im grunde darauf einstellen, dass er sterben wird. aber wenn es soweit ist, ist doch alles ganz anders. ich dachte vorher, ich bin vorbereitet, ich dachte, ich werde das gut weg stecken können, vor allen dingen weil wir uns sicher waren, ER wird weiter existieren - keine seele geht verloren.... ich dachte, ich werde in der gewissheit, dass er von seinen leiden erlöst ist, ruhe finden und ich werde mit seiner liebe und meiner liebe die wir füreinander hatten, einen neuen weg finden...


    aber so ist es leider nicht....


    ich dachte voraus-trauern hilft, solange er noch lebt.... ich dachte, ich kann meinen schmerz kontrollieren...


    aber so ist es nicht...


    egal, wie sehr man weiss, dass ein ende vor der tür steht - nichts kann den schmerz mindern, der danach eintritt...


    sei lieb umarmt von Bine

  • Liebe Bettina!

    Mein aufrichtiges Beileid.Und herzlich willkommen hier im Forum,da bist du richtig.Dann hast du

    ja auch eine schwere Zeit hinter dir.Ja man denkt immer,das man in so einer Situation schon

    vorbereitet ist,aber dein Mann war die ganze Zeit da und wieviel Zeit hast du mit ihm verbracht

    und auf einmal ist da diese Leere,Stille,sicher auch wenn du das ja schon kanntest,aber du hast

    ihn ja immer besucht und auf einmal ist da nichts mehr.Ich habe auch zu anfang alles liegen

    gelassen,habe nicht geputzt,kaum gegessen,weil mir alles egal war,nur meine Arbeit hat

    mich abgelenkt und mir wieder Kraft gegeben.Ich hoffe,das das du vielleicht Freunde

    oder Verwandte hast,die zu dir stehen.Es ist gerade mal 2 Wochen her,dann auch noch

    in dieser wieso schon so schlimmen Zeit und ich dachte auch immer,das mein Mann

    wiederkommt das denke ich heute sogar noch.Man weiß,das es nicht so ist,aber man

    will es nicht wahr haben.Ich wünsche dir ganz viel Kraft.Liebe Grüße Helga

  • Danke für eure Antworten, Ihr Lieben !

    Ich komme gar nicht dazu eure 'Geschichten' zu lesen.. Obwohl es mich interessiert!


    Heute war ich wieder auf dem Friedhof.

    Ich les den Namen und denke:

    "Das kann doch nicht angehen!

    Das kann nicht wahr sein! Er ist nicht mehr hier..Ich lese seinen Namen dort , das gibt es doch gar nicht!! !"


    Obwohl der Kopf sehr genau weiß, dass Uwe nicht mehr da ist...

    Ich glaube, sowas erlebt man nicht oft in seinem Leben... Vorher wusste ich gar nicht, was Trauer überhaupt ist..

    Tränen. Ja, Tränen, dachte ich ich. Aber dieses ganze drumherum.. Das wusste ich nicht.


    Warum ist das so , das man nicht die Wohnung aufräumt? Das Uwes Sachen noch immer im Flur stehen seit über 2 Monaten..

    Warum? Warum?


    Die vergangenen zwei Tage waren recht gut. Ich hab Kraft gehabt, hab gelacht und alles schien gut.

    Heute wieder genau anders.


    Warum ist das so? Warum? Warum?

  • Liebe Bettyna!

    So geht es mir auch jedes mal wenn ich zum Friedhof gehe.Auch denke ich heute nach fast

    17 Monaten immer noch,das er wieder kommt.Ich habe auch die erste Zeit nichts gemacht,

    mir war alles egal,auch nicht geputzt,einfach so in den Tag gelebt.Kein Hunger,viel abgenommen.

    Ja wir wissen es,aber wollen es nicht wahrhaben.

    Es ist jeden Tag anders,mal geht es,dann zieht es einen wieder ganz runter und man weint nur.

    Ich konnte Monatelang keine Musik hören,aber jetzt tut es richtig gut.Und dann immer die Sprüche

    von welchen,die es selber noch nicht mitgemacht haben.Es ist wie ein Wellengang.Und es ist noch

    alles so frisch.Es wird dauern und sicher immer ein auf und ab geben.Ich wünsche dir ganz viel Kraft.

    Liebe Grüße Helga

  • ... und dann gehen mir Bilder durch den Kopf...die Nacht, als man mich anrief, dass Uwe nun gestorben sei.

    Ich ging immer auf und ab meinem Schlafzimmer... konnte nicht klar denken... hyperventilierte, bis ich mich zur Ruhe zwang und hinfuhr.

    Und wie Uwe dalag, tot.

    Ich saß stundenlang an seinem Bett.

    Erst ging ich händeringend auf und ab im Zimmer, völlig fassungslos. Dann saß ich bei ihm. Still. Einfach nur so. Ich glaub, ich hatte meine Hand auf seiner...

    Ich weiß nicht wie lange und was ich gedacht habe...


    Dann erinnere ich, als ich bei ihm am offenen Sarg war. In dem kalten Zimmer im Beerdigungsinstitut.

    Ich wollte immer meinen Kopf auf ihn legen... Das ging irgendwie nicht... er war auch so kalt...

    Er war so dünn... die Nase so spitz...

    Ich hab immerzu gedacht, dass er sich doch bewegen müsse... die Augen öffnen müsse... die Finger waren blau... der Ehering... die geschlossen Augen...die Wimpern.. Er war so kalt...meine Tränen tropften auf ihn und meine Hände glitten zittrig über sein Haar.

    Nein, er bewegte sich nicht.. Auch sonst nahm ich ihn nicht wahr.

    Obwohl seine Seele doch dagewesen sein muss..

  • Meine Lieben,


    immer wenn ich denke nun kann ich wieder atmen, erwischt mich ein Vakuum, dass mich zurückwirft.


    Ich glaube so wird es wohl noch eine lange Zeit sein. Die Luft zum Leben ist weniger geworden, weil mein Atem stockt... es fehlt das gemeinsame Luftholen um das Leben zu meistern.


    Atmen war so leicht zusammen... nun muss ich es lernen noch eine Weile mit meiner Reserve - die mir Heinz hinterlassen hat - seine Liebe zu mir -

    auszukommen.


    Die Erinnerungen an unser gemeinsames Leben bringen mir etwas Sauerstoff, aber ob es reicht?


    LG Luise

  • auch eine Umschreibung dessen, was wohl Jede/r hier fühlt - die Luft zum Atmen fehlt/ist zu knapp - kann ich bestätigen

    wie beim Tauchen, da hat man einen sogenannten "Buddy", welche/r einen unter Wasser begleitet, und, im Notfall, seinen Sauerstoff mit einem teilt, damit man heil wieder auftauchen kann.

    Obwohl uns eine "Reserve" gelassen wurde, , passt die Luftmenge nicht - weil man jetzt anders atmet?

    Ein Buddy begleitet einen den gesamten Tauchgang, wie selbstverständlich, immer nebenher - verliert man sich, kann es gefährlich werden weil man bei der Suche

    mehr Luft verbraucht , kann diese nicht einteilen, läuft Gefahr, diese zu verbrauchen, bevor man aufgetaucht ist ...

    Lässt sich durchaus auf die Trauer übertragen ...

  • ich spüre ihre Wärme nicht, spüre nicht, dass sie da ist, ich nehme nur die Zeichen wahr

    ich meine, es müsste noch irgendetwas Anderes zu SPÜREN sein aber vielleicht ist das ja nur Wunschdenken - SEINE Seele war da aber Du konntest es nicht spüren - das meine ich