Wie soll ein Mensch das ertragen....

  • Es ist der 6 September 2020,

    Ich frage meine Tochter die nebenan wohnt ob sich unser Niko heut mal bei ihr gemeldet hat ... Er wollte doch nach Hause kommen heute und ich erreiche ihn nicht damit ich ihn am Bahnhof abholen kann..... Nein war die Antwort...Mach dir keine Sorgen er war ja gestern mit Freunden aus und die schlafen bestimmt noch alle und lächelt mich an....

    Ok...... ich rief noch einige Male an uns schrieb ihm eine Nachricht.....

    Um 21:13 leutetes an meiner Tür, 2 Polizeibeamte stehen da, hinter Ihnen 2 Damen in ziviler Kleidung.

    Dürfen wir reinkommen, betreten sie Wohnung, sehen mich an und versuchen mir zu sagen das mein Niko verstorben ist.... Mein Niko..... das blühende Leben.....

    Dann wurde es dunkel....

    3 Wochen sind vergangen, ich weiß nicht weiter, weiß nicht wie soll ein Mensch das ertragen? Wie? Wie soll ich das ertragen?

  • Liebe Tamara,

    sei in diesem Forum still willkommen. Dein großer Verlust tut mir von Herzen leid. Hier kannst Du Dich mit anderen Betroffenen austauschen. Es ist immer jemand hier, der Dir "zuhört ". Schreibe alles, was Dich bedrückt.

    Ich sende Dir Kraft für Deinen schweren Weg und hoffe, Du hast Menschen, die Dich liebevoll begleiten.

    Stille Grüße

    Sommermond

  • Liebe Tamara

    Mein tiefes Mitgefühl für dein so großen Verlust.:30:

    Ich hoffe auch für dich das du Freunde sowie Familie hast die dir beistehen und gut tun.

    Wie ich es ertrage leider nur mit Medikamenten und der Trauerbegleitung .

    Fühl dich hier im Forum Willkommen.

    Schreiben hilft auch wenn sich die meisten Gedanken ähneln.

    Kein Elternteil sollte sein Kind verlieren

    In stillen und traurigen Gedanken an dich und deinen Sohn Niko

    Nebelschleier

  • Liebe Tamara! Mein tiefes Mitgefühl zu deinem großen Verlust, sein Kind zu verlieren, ist einfach unvorstellbar! :(

    Ich schicke dir eine liebe Trostumarmung :30:und hoffe, dir hilft der Austausch hier ein wenig!

    LG Andrea

  • Liebe Tamara,

    dieser furchtbare Albtraum, aus dem man einfach nicht erwacht... Mein herzliches Beileid.


    Leider lebe auch ich in diesem schrecklichen Albtraum und kann so sehr mit dir fühlen. Gerade deshalb möchte ich dir sagen, dass du hier im Forum willkommen bist. Es tut gut, sich hier alles von der Seele schreiben zu können.


    3 Wochen... überfordere dich nicht. Es ist ausreichend, wenn du atmest, ein wenig isst und trinkst.

    Wie geht es deiner Tochter?


    Wenn du es erlaubst, umarme ich dich :30:

    Alles Liebe

    Iris

  • Meinen Töchtern geht es auch nicht besonders gut. Die große erwartet in 2 Monaten ihr erstes Kind die andere hat ihre zwei Mädels. Beide haben einen Mann an ihrer Seite. Darüber bin ich sehr froh.

    Ich sitze hier in der Wohnung die Niko und ich gemeinsam gemietet hatten.....

    Er war 21 und wäre 10 Tage nach seinem Tod 22 geworden. Er war der jüngste und umgeben von lauter Mädels (Schwestern und Nichten).

  • Liebe Tamara,

    auch ich habe meinen 20 jährigen Sohn vor 10 Monaten verloren. Nun lebe ich in 2 Welten. Eine Welt, in der Louis immer nah ist und in der anderen Welt ohne ihn.

    Es ist so unfassbar aber doch da.

    Darf ich vorsichtig fragen, was ihm passiert ist?

    Ich wiederhole so oft in meinen Gedanken, den Abend an dem auch bei mir drei Polizisten vor der Tür standen. Nikolausabend. Es ist das Schlimmste was mir und meiner Familie passiert ist. Es wird dauern und ich hoffe Du hast Menschen mit denen Du reden kannst, weinen und wieder weinen. Es tut mir so leid .

  • Niko hatte seit Juni immer wieder epileptische Anfälle, trotz Medikation und vieler Untersuchungen kamen sie immer wieder. Er starb im Zuge eines epileptischen Anfalls.... Atemstillstand, Aspiration ( Zunge verschluckt).

    Es geht mir auch nicht in den Kopf wie seine Freunde ihn allein lassen konnten in dem Wissen das er Anfälle hatte.....

    Sie gingen erst später ins Bett und bemerkten erst am späten Nachmittag das er nicht mehr atmete..... der geschätzte Todeszeitpunkt liegt bei 4 Uhr morgens...... Für nicht steht die Todeszeit bei 4:11..... jede Nacht sehe ich zu dieser Zeit auf die Uhr und dann verlasse ich mein Bett, gehe in sein Zimmer zu seiner Urne und entzünde seine Kerze mit seinem Bild...... zusätzlich zu der Kerze die immer brennt.....

  • Danke euch allen für eure Worte.....

    Heute ist ein mieser Tag..... gestern Nacht musste ich so weinen das ich mich vor meinem eigenen Schluchzen erschreckt habe..😭 Ich konnte auch nicht aufhören es fühlt sich an als wolle mir jemand mein Herz amputieren

  • Mir ist kalt, mir ist heiß, ich möchte schreien, ich möchte still leiden, ich möchte leben, ich möchte sterben, ich möchte nichts fühlen.....

    Die Schmerzen die ich empfinde sind fast unerträglich, alles tut weh, jede einzelne Zelle in meinem Körper schmerzt.

    Mein Brustkorb schnurrt sich zusammen oderfühlt sich an als würde er auseinander brechen.....

    Jeder Atemzug ist eine Qual.....

    Es will nicht in meinen Kopf,dass Niko nicht mehr nach Hause kommt. Ich sehe seine Urne an ihrem Platz in seinem Zimmer..... ich kann es nicht begreifen

  • Liebe Tamara :30:<3,

    Mir ist kalt, mir ist heiß, ich möchte schreien, ich möchte still leiden, ich möchte leben, ich möchte sterben, ich möchte nichts fühlen.....

    Die Schmerzen die ich empfinde sind fast unerträglich, alles tut weh, jede einzelne Zelle in meinem Körper schmerzt.

    Mein Brustkorb schnurrt sich zusammen oderfühlt sich an als würde er auseinander brechen.....

    Jeder Atemzug ist eine Qual.....

    Es will nicht in meinen Kopf,dass Niko nicht mehr nach Hause kommt. Ich sehe seine Urne an ihrem Platz in seinem Zimmer..... ich kann es nicht begreifen


    so sehr es auch schmerzt..., es ist leider normal, dass du so empfindest. Ja, es ist das Schlimmste, was passieren konnte. ;(


    Ich war an der gleichen Stelle wie du. Diese furchtbare Nacht hat sich jede Woche am gleichen Tag, um die gleiche Urzeit wiederholt. Es gibt seitdem keine sichtbare Uhr mehr im Schlafzimmer. Jeden Tag die furchtbaren Bilder, die Worte der Polizei, der Ärzte, der Anblick meines Sohnes... immer und immer wieder. Es ist weniger geworden, an manchen Tagen sehe ich ein, begreifen zu müssen. Überall habe ich nach "Zeichen" gesucht, die mir zu verstehen geben, dass es nicht wahr ist. Ich suche auch noch heute, nach einem Jahr. Ich bekomme eine furchtbare Panik, wenn abends das Telefon klingelt. Noch immer habe ich Angst, wieder zu spät und zu weit weg zu sein...


    Gerade in den ersten Wochen habe ich das Internet und sämtliche, für mich auf den ersten Blick passende Literatur gesucht, die mir hilft, zu verstehen. Ich konnte es nicht begreifen.

    Falls auch du suchst, kann ich dir gern zwei Bücher empfehlen. Ich habe sie oft, immer und immer wieder zur Hand genommen, mir Seiten markiert und immer wieder gelesen. Auch jetzt sind sie mir noch treue Begleiter.

    Allerdings muss ich sagen, dass mich das Spirituelle eher nicht anspricht. Ich glaube eher an Naturwissenschaften als an Geister.... und doch!!! gab es ein paar seltsame Dinge, die nicht zu erklären sind. Nichts davon hat mir Angst gemacht, mich aber völlig aus der Bahn geworfen.


    Ich finde es gut, dass du weinen kannst. Weine!, schreie! Weine so viel es geht. Weinen hilft dir tatsächlich irgendwann für wenige Sekunden, Minuten zu entspannen. Diese kurze Zeit braucht dein Körper, brauchst du, um ein wenig Energie zu tanken. Es wird etwas zeit vergehen, dann wird aus den Minuten eine Stunde. Eine ganze Stunde für deine Erholung, eine ganze Stunde, in der du nicht verdrängst, aber vielleicht ein wenig abgelenkt bist, vielleicht durch deine Enkel, die dich ein wenig lächeln lassen. Ablenkung klares JA, Verdrängen - NEIN, da die Trauer dich mit aller Wucht irgendwann einholen kann. Du wirst später einmal verstehen, was ich damit meine.


    Hast du liebe Menschen, die dir zur Seite stehen, dir helfen? Vielleicht ist auch eine Trauerbegleitung das Richtige für dich. Dies habe ich nie probiert.

    Meine Familie, die Bücher und vor allem das Forum hier sind für mich wertvolle Begleiter. Sehr oft muss ich das Forum als Ventil nutzen, um meinen Schmerz, mein Gefühlschaos loszuwerden. Hier sind viele, die immer wieder helfen, die Sicht ein wenig zu ändern und die wirren Gedanken ein wenig zu entwirren. Es tut gut, hier loszuwerden, was man nicht aussprechen kann.


    Ich wünsche dir, dass auch dir das Forum gut tut, denn das brauchst du jetzt.


    Alles Liebe<3

    Iris

  • Liebe Tamara,ich bin leider keine Mutter darum schreibe ich erst jetzt ,ich finde es gibt wohl keine innerigen Beziehungen als Mutter und Kind oder Zwillinge.Wir teilten einen Körper. Ich wünsche dir alle Kraft der Welt um die Trauer anzunehmen.

  • Mutz Bitte um die Info bzgl der Bücher

    Ich habe meine Mädels und ihre Männer. Meinen Papa meine Schwester und meinen Bruder.....

    Immer wieder kommen Freunde von Niko vorbei die selbst trauern die es nicht verstehen die mit uns oder nur mit mir über Niko reden ...wir weinen gemeinsam lachen bei Geschichten was dieser Lausebengel erst zu Geschichten gemacht hat. Er hat einen immer zum Lachen gebracht auch wenn es eigentlich eine Situation gewesen ist die nicht dafür geschaffen war zu lachen.....

    Aber dann kommt die Nacht und ich bin in unserer Wohnung...... und der Schmerz kommt so gewaltig . . .

  • Liebe Tamara,


    hier die beiden Bücher, die mir am meisten geholfen haben zu verstehen:


    "Es ist okay,wenn du traurig bist" von Megan Devine

    (mein absoluter Favorit, ich habe es immer mit mir herumgeschleppt, weil ich mich so oft darin wieder fand. Auch jetzt nehme ich es immer wieder zur Hand)


    "Das erste Trauerjahr"

    Was kommt, was hilft, worauf sie setzen können" von Eva Terhorst

    ***

    Es ist schön, dass du mit Nicos Freunden Kontakt hast und dass ihr über die gemeinsamen Erlebnisse sprechen und auch lachen könnt. Mir haben solche Gespräche immer, trotz der Tränen, einen Moment lang gut getan.


    Die Nächte sind schwierig. Es gibt kein Patentrezept. Bei mir wurde es ganz langsam besser, als ich wieder zur Arbeit ging und gezwungen war, mich in diesen Stunden auf den Job zu konzentrieren. Das war Höchstleistung, weil ich einfach so viel vergessen hatte, mein Hirn sich nichts merken konnte und ich kaum in der Lage war, zu verstehen, was ich lese. Das macht müde


    Liebe Grüße

    Iris