Erinnerungen an Liebgewonnenes

  • Guten Abend,

    jede /jeder hat ihren/seinen Verlust erlitten.

    Das ist schlimm,macht kraftlos , dünnhäutig, angreifbar,und vielleicht auch aggressiv.


    Ich lese viel mit ,äußere mich selten,schreibe wenig.


    Ich habe für mich festgestellt,mein Schmerz ist für mich der schwerst auszuhaltende.

    Menschen,die einen Verlust ,egal welchen sie erlitten haben,trauern für sich und sehen ihren eigenen Schmerz als den am schlimmsten für sich an.

    Nichts ist vergleichbar.


    Ich habe eine/eigentlich mehrere liebe Freundinnen auf Aspetos gefunden.

    Mit einer Dame telefoniere ich täglich.

    Wir haben für uns festgestellt,unsere Trauer ist einzigartig,sie gehört jeweils zu uns.

    Wir hören uns gegenseitig zu.

    Wir teilen uns wertungsfrei unsere Gedanken mit.

    Wir wissen,jedes Gefühl ist eine Momentaufnahme.

    Wir haben gelernt,wie wechselhaft unsere Stimmung sein kann.

    .

    Wir wissen,unsere Dünnhäutigkeit kann sich sekündlich ändern

    Wir trauern allein,wir hören uns nur zu.


    In einem Telefonat kann ich natürlich immer wieder nachfragen.Ich kann dort auch sagen,dies ist deine Meinung zu meiner Aussage.Es ist deine Interpretation .

    Das geschriebene Wort lässt viel Freiraum zur Interpretation.Auch hier kommt meine eigene,ständig wechselnde Dünnhäutigkeit ins Spiel.


    Ich habe gelernt,ich muss meinen eigenen Weg durch die Trauer finden.

    Dazu schreibe ich im Forum.

    Meine Gedanken und Erlebnisse schriftlich festzuhalten zeigt mir an,welchen Weg ich bereits gegangen bin,wo ich kehrt gemacht habe,was mir gut getan hat.

    Aber auch da entscheide ich mich immer ganz allein.


    Ich freue mich darüber,wenn jemand daraus etwas für sich nehmen kann.

    Beim Schreiben verwende ich natürlich die Worte,die meine Stimmungen wieder geben.

    Ja es tut auch gut ,wenn nur gelesen wird.

    Das sehe ich anhand der Zugriffe.


    Habt einen ruhigen Abend,

    Karin

  • Liebe Karin,


    wie gut, dass Du einen Weg für Dich gefunden hast, mit Deinem Verlust umzugehen und wie schön, dass Du uns an Deinen Erfahrungen teilhaben lässt. Vielleicht kann man dadurch seine eigenen Gedanken in eine andere Richtung lenken und erfährt, wie jemand anders es schafft, seinen Schmerz erträglicher zu machen. Und selbst wenn das nicht gelingen sollte, es ist tröstlich, zu erfahren, dass es irgendwann in unserem Leben wieder ein wenig heller wird. Dafür danke ich Dir.


    Yoda

  • Guten Morgen


    https://www.ardmediathek.de/vi…i1hMjNhLWFkNzlhMmRiNTI5Yg


    ich bin sehr aufgewühlt.

    Schaute mir gestern einen Beitrag in der WDR Mediathek an.

    Er löste die allergrößten Erinnerungen bei mir aus.

    Ich schrieb mal,mein Liebster bekam auch noch Hirnmetastasen zu seinen Primärtumoren dazu.

    In diesen Film wird fast eins zu eins geschildert,wie unser Leben in den letzten Wochen vor seinem Tod gewesen ist .

    Wie dieses fürchterliches Vergessen begann,mein Liebster es aber am Beginn noch mit bekam.

    Er seine Veränderung begriffen,seine Stimmungen entsprechend waren.

    In die Gefühlswelt der Ehefrau kann ich mich nur zu gut einfinden.

    Diese stete Endlichkeit zu fühlen und zu wissen….war sehr kräftezehrend.


    Ich bin froh,dass meine Kräfte ausgereicht haben,mein Liebster durfte von zu Hause aus diese Welt verlassen.


    Ich wünsche einen ruhigen Samstag

    Karin

  • Ja, es ist immer wieder beeindruckend, hier in den Wohnzimmern zu lesen, welch Kräfte liebende Partner in diesen Situationen entwickeln.

    Ich habe große Hochachtung davor. Liebe kann so viel!

    Hedi

  • Guten Abend,


    ich fliege Anfang Juni 22 mit einer Freundin nach Ägypten.

    Im Dezember waren wir gemeinsam auf Teneriffa.


    Ist es für mich nur eine Ablenkung ?

    Nehme ich nichts von meinen Reisen mit,auch wenn mich Zuhause niemand erwartet ?


    Was ist denn die Alternative?



    Hatte vor einigen Tagen einen Link zu einem Film eingestellt.

    Dieser Film hat mir persönlich nochmals ( durch seine Ähnlichkeit zu unserem Leben/dieser Krankheitsverlauf ) gezeigt,unsere gemeinsame Zeit war beendet.


    Ich habe mich entschieden meinen Weg allein weiter zu gehen.

    Ich möchte Dinge,Erlebnisse jetzt für mich haben.



    Dieses Wissen,dass die gemeinsame Zeit beendet ist,macht es nicht leichter.Ich male mir bestimmte Bilder...meist helfen sie für eine begrenzte Zeit


    Ein Phantasiebild von mir…

    Mein Liebster ist der tiefe See...die neuen Menschen...meine Reisen.. alles Neue…

    sind Uferbepflanzungen…

    Vom Ufer schaue ich immer auf den See und kann sagen...gefällt dir diese Bepflanzung?

    Irgendwann komme ich in den See.


    Ich komme von meinen Reisen in die leere Wohnung.Aber nur die Räume sind leer.Wir haben hier gelebt ,ich komme in unser Zuhause.Während der Reise spreche ich mit ihm,zuhause rede ich mit ihm…

    Mein Mann ist gestorben,ich bin noch da.

    Meist bin ich mir selbst genug.

    Durch meine Einstellung und Akzeptanz meines jetzigen Lebens habe ich neue Menschen kennen gelernt,habe neue Dinge kennen gelernt.

    Diese neuen Menschen sind regelmäßig,ob am Telefon oder live mit mir zusammen.Sie ertragen mich und meine Trauertäler.

    Ich bin auch gern mit mir allein zusammen.Hier überdenke ich mein Leben und bin bereit jeden noch so kleinsten Sonnenstrahl dankbar anzunehmen.



    Blaumeise hat mal etwas bei mir eingesetzt


    Für mich sind Viktor Frankls Schriften eh ein echter Schatz., obwohl manche teilweise schwer zu lesen sind.


    Er schrieb unter anderem:


    "Für gewöhnlich sieht der Mensch nur das Stoppelfeld der Vergänglichkeit; was er übersieht, sind die vollen Scheunen der Vergangenheit.

    Im Vergangenen ist nämlich nichts unwiederbringlich, verloren,

    vielmehr alles unverlierbar geborgen."


    Er sagte auch einmal: " Wie oft sind es erst die Ruinen, die den Blick frei geben, auf den Himmel"


    Auf der Grundlage seiner eigenen Erfahrung und der Erfahrungen anderer, die er später in seiner Praxis behandelt, argumentiert Viktor Frankl, dass wir das Leiden nicht vermeiden können, aber wir können wählen, wie wir damit umgehen, einen Sinn darin finden und mit einem neuen Ziel voranschreiten




    Ich bin eine glückliche Frau,ich habe die Liebe meines Lebens gefunden und mit ihm gelebt.

    Dass er nur diese Zeit,die ihm gegeben war,bei mir war,lag weder in seiner noch meiner Macht.

    Er musste gehen,ich werde mich den Gegebenheiten anpassen.

    Es sagt nichts darüber aus,wie schwer es mir fällt.


    Habt einen ruhigen Abend,

    Karin

  • Oh was für ein beeindruckender Text, danke dafür! Ich kann mit vielem, was du schreibst, mitschwingen, in manchem (dem Reisen z.B.) bin ich noch nicht soweit, sehe es aber als lohnendes Ziel an und versuche, mich darauf zuzubewegen! Und danke für die Zitate von Viktor Frankl, ich kenne und schätze sie ebenfalls sehr.

    Herzlichen Gruß

    Sabiene

  • Liebe Karin,

    Das ist etwas was ich hoffe irgendwann zu erlangen.

    Und das es trotzdem schwer fällt, das ist verständlich.


    Ich bin dabei, ob es mir irgendwann gelingt, das weiß ich nicht.


    Ich bewundere deine Einstellungen und deine Akzeptanz.


    Auch dir einen ruhigen Abend

  • Guten Morgen,

    ich habe ein wundervolles Video auf Facebook gefunden.

    Auf dem Film läuft ein Schriftzug.

    Leider kann ich das Video nicht einstellen.

    Den Autor kann ich nicht nennen,ich habe ihn nicht gefunden.



           


           


            


         


         



    Wie schön wäre es, wenn wir jemanden aus dem Himmel zurückholen könnten.

    Können Sie sich das vorstellen?

    Die Möglichkeit, einen ganzen Tag mit dieser Person zu verbringen.

    Auch wenn es nur ein Tag ist.

    Ein letztes Mal,

    ihr noch eine letzte Umarmung, einen letzten Kuss geben,

    ihre Stimme noch einmal hören.

    Eine weitere Gelegenheit zu haben, "Ich liebe dich", "Ich vermisse dich", "Ich liebe dich von ganzem Herzen" zu sagen.

    Ich vermisse dich so sehr, weißt du?

    Ich würde alles geben, um dich wiederzusehen... Auch wenn ich nicht will, dass es ein Abschied ist.

    Es schmerzt mich, dass ich mich nur mit ihrer Erinnerung trösten muss.

    Was würde ich nicht dafür geben, eine Möglichkeit zu haben, eine kleine Möglichkeit, mich von dir zu verabschieden.

    Ich würde gerne in der Zeit zurückreisen, nicht um Fehler zu vermeiden, sondern um jemanden zu umarmen, der heute nicht mehr bei mir ist.

    Ich weiß, dass du dort oben auf mich aufpasst, aber ich vermisse dich hier so sehr, so sehr, dass ich manchmal in den Himmel schaue und versuche, dich zwischen all den Sternen zu sehen.

    Ich suche dein verlorenes Gesicht in den Schatten, ich zeichne dein Gesicht in die Wolken, die vorbeiziehen, und ich reise ohne Ziel und lasse mich vom Mond leiten und frage mich: Wo bist du?

    Und gleich darauf bin ich unruhig, und ich gebe mir selbst die Antwort, und ein kleines Lächeln und eine Träne machen die Antwort auf meine Frage verständlich: Du bist in meinem Herzen, ich weiß, was du für mich fühlst, denn ich fühle es tief in mir, in meinem Herzen, und das kommt aus jeder Pore meiner Haut, wie eine ewige Liebe, die mich erleuchtet.

    Von dort oben, wo du ruhst, bis hier unten, wo alle Menschen weiterleben und lernen, breitest du das Geschenk deiner Ewigkeit über mich aus, von dort oben zeigst du mir mit deiner Erinnerung, wie schön das Leben sein kann.

    Ich spüre dich an meiner Seite, du schaffst es, mich zu beschützen und mir auf deine Art zu sagen, dass du mich vermisst, dass du willst, dass es mir gut geht. All das gibt mir Kraft, gibt mir Halt und ermöglicht es mir, weiterzumachen.

    Es spielt keine Rolle, was mit mir geschieht oder was in meinem Leben passiert. Es spielt keine Rolle, welche Hindernisse sich mir in den Weg stellen. Du wirst immer da sein, und du wirst immer wissen, wie du mich führen kannst.


    Ich habe den übersetzten Text mit eingestellt.


    Habt einen ruhigen Sonntag,


    Karin

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  • Zitate von Viktor Frankl, die Deinem Leben mehr Kraft und Sinn geben

    „Die Aufgabe wechselt nicht nur von Mensch zu Mensch – entsprechend der Einzigartigkeit jeder Person – sondern auch von Stunde zu Stunde, gemäß der Einmaligkeit jeder Situation.“


    „Die Spielregeln des Lebens verlangen von uns nicht, dass wir um jeden Preis siegen, wohl aber, dass wir den Kampf niemals aufgeben.“


    „Erst der Mut zu sich selbst wird den Menschen seine Angst überwinden lassen.“


    Karin