Am 23.11.20 ist das Schlimmste passiert

  • Danke liebe Heidi für deine ausführliche, liebe Erklärung.

    Ich fahre seit 1993 Auto, auch mal in eine andere Stadt hier in unserer Nähe. Aber ich fahre grundsätzlich

    auf der Landstraße. Ich wohne in der Grenznähe zu Polen und die Autobahn hier, ist deshalb immer gerappelt voll

    mit großen Sattelschleppern. Wenn man auf die AB auffahren will, muss man auf dem eigentlichen Beschleunigungsstreifen

    in der Regel stehen bleiben und warten, bis man mal eine größere Lücke erwischt und schon das ist ein Problem, weil man

    beim Anfahren einfach nicht schnell genug ist.


    Wenn wir mit meinem Mann früher weiter weggefahren sind, ist immer Mario gefahren. Er war ja beim Rettungsdienst und

    war das schnelle Fahren gewohnt. Wir hatten auf der AB schon so viele extreme Gefahrensituationen .... wenn Mario da nicht gefahren

    und immer sofort so versiert gehandelt hätte, hätten wir das mehrfach nicht überlebt. Ich würde bei sowas in Panik geraten und

    genau das ist auch der Grund, warum ich mich nicht alleine auf der AB zu fahren traue.

    Natürlich könnte ich auch Sonntags fahren, aber ich glaube das ist wirklich nichts für mich. Angst ist kein guter Beifahrer.

    Ich fürchte nicht die Dunkelheit dort draußen, es ist die Dunkelheit in meinem Herzen, die mir Angst macht.

  • STIMMT. Angst ist nicht gut. Aber vielleicht kommt man ja auch auf der Lanstrasse voran. Und meidet die Autobahn auf den schwierigen gefährlichen Strecken.

    Es gibt Navis, da kann man eingeben ohne Autobahn und dann führt er Dich auf Lanstrasse zum Ziel. Ist interessanter dauert aber auch länger.

    Wie wird man Angst wieder los? In kleinen Schritten. Es lohnt sich.

    Ralfsheidemarie.

  • Liebe Dolore,

    Bei uns war es auch so das Joachim immer gefahren ist weil ich nach einem Fastunfall Angst hatte Autobahn zu fahren.

    In der Zeit in der mein Schatz auf der Intensiv lag hatte ich 2x einen Fahrer. Ich dachte es würde ja noch lange dauern bis Joachim nach Hause kann. Ich wollte aber nicht auf andere angewiesen sein, hab mich ins Auro gesetzt und bin 1 Stunde nach Völklingen gefahren. Ich war stolz es geschafft habe.


    Aber wenn du es dir nicht ( oder noch nicht ) zutraust------ frag doch deine Freunde/ Bekannte ob sie dich nicht mal besuchen wollen

  • Ich habe die letzen 10 Jahre vor meiner Erwerbsunfähigkeit, in der häuslichen Krankenpflege gearbeitet.

    Ich war im ländlichen Bereich und egal ob bei Schnee, Eisregen oder Blitzeis .... wir mussten immer zu unseren

    Patienten fahren. Im Winter im Frühdienst ab 5.30 Uhr, schon bevor auch nur das erste Streu- oder Räumfahrzeugfahrzeug

    auf der Straße war. Auch kilometerlange Waldstrecken, auf denen nie ein Streu- oder Räumfahrzeug fuhr.

    Wie oft habe ich in dieser Zeit, Höllenängste ausgestanden. Auch ein Grund, dass ich heute Strecken außerhalb meines

    normalen Bewegungsradius meide, wenn es nicht unbedingt nötig ist.


    Zu meinem Mann in die Klinik, musste ich auch immer knapp 100 km fahren. Die ersten Jahre bin ich mit dem Zug gefahren,

    dann war aber die Verbindung irgendwann so schlecht, dass ich mit dem Auto fahren musste. Ich hab es für meinen Mann

    getan, aus Liebe, damit ich bei ihm sein konnte und obwohl ich die Strecke über Land nicht kannte. Ich hab es geschafft,

    auch ohne Navi. Irgendwann war die lange Strecke zwar Routine, aber angespannt war ich beim Fahren immer.

    Weite und vor allem unbekannte Strecken, bin ich nie gerne gefahren und vermeide es auch jetzt.

    Meine sch .... Ängste, blockieren mich in so vielen Dingen.

    Ich fürchte nicht die Dunkelheit dort draußen, es ist die Dunkelheit in meinem Herzen, die mir Angst macht.

  • Liebe Dolore,

    mir geht es wie dir. Die Strecke zu Joachim in die Klinik------ für ihm wäre ich überall hingefahren. Angespannt war ich auch.

    Jetzt fahre ich auch ungern fremde Strecken und bin dann trotz Navi angespannt. Zur Trauerwanderung mach ich es weil sie mir gut tun.

    Aber andere Fahrten mach ich nicht, ist aber auch nicht nötig. Vielleicht irgendwann einmal.

  • Ja. Ängste sind ja eigendlich was wichtiges. Sie sollen uns schützen und nicht behindern.

    Es gibt so viele erschienene Ängste, die der eine oder andere in sich trägt.



    Ich habe mal bei Google eingegeben :

    "Hypnose bei Angst Auto zu fahren" und siehe es gab mehrere Sachen zum Anklicken.

    Dieses Problem vor allem mit der Autobahn gibt es offensichtlich oft.






    https://www.adac.de/verkehr/ve…in/angst-beim-autofahren/


    Gefunden:

    Amaxophobie, umgangssprachlich häufig auch als Fahrangst bezeichnet, ist eine spezifische Angst vor dem Autofahren bzw. vor gewissen Situationen im Straßenverkehr, aber auch die Angst vor dem Auto selbst.


    Ich kann das alles nicht kopieren. Es ist zu viel. Also gibt es Wege damit fertig zu werden.


    https://www.bussgeldkatalog.or…faq_angst_vorm_autofahren


    Viel Spaß beim Lesen oder auch Hören der Meditationen oder Hypnosen

    Ralfsheidemarie

  • Ich habe die Vermutung, dass es nicht einfach ist, wenn jemand Angst vor grossen schwarzen Hunden hat, dass es dann hilft wenn man sagt der Beißt nicht, am besten du gibst ihm erst mal ein Leckerli ins Maul. Aber einen richtigen Lösungsplan hätt ich da jetzt auch nicht.

  • Liebe Heidemarie,


    du hast dir so viele Gedanken gemacht, um mir zu helfen, du Liebe :24:. Danke, danke, danke:28:.

    Ich schaue mir das alles mal in Ruhe an. Die Hypnose werde ich mal machen, vielleicht hilft mir das ja.


    Herzlichst, Kerstin

    Ich fürchte nicht die Dunkelheit dort draußen, es ist die Dunkelheit in meinem Herzen, die mir Angst macht.

  • Liebe Heidi. Bist du schon unterwegs? Du wolltest doch wieder losstarten.? Wie geht's dir im Moment? Wie geht's den Hundis? Ich hab gelesen, dass Dolore deinen Tip mit der Hypnose vielleicht mal ausprobieren möchte. Das find ich ja mutig von ihr. Wo nimmst du nur immer diese vielen Ideen und die Kraft her? Ist Ralf noch viel bei dir? Ich nehm dich mal ganz fest in den Arm. :24:

    Waltraud

  • Liebe Waltraud,

    Ich traue mich gar nicht es zu zu geben. Es geht mir seit meiner Reise gut. Die Traurigkeit und Sehnsucht ist nicht mehr bei mir. Ich habe direkt ein schlechtes Gewissen nicht mehr zu leiden. Das kann doch nicht richtig sein. In ca. 6 Wochen ist das 1. Trauerjahr vorbei. Und im Moment fühle ich das Vermissen und das Trauern gar nicht mehr. Es geht mir gut.

    Auch mehr Aktivität kann ich leben als bisher. Räume jeden Tag ein bißchen mehr auf und wasche Wäsche. Ich habe sogar in den letzten 2 Wochen 3 mal einen Pflaumenkuchen gebacken.

    Das ist für meinen bisherigen Null-Antrieb schon recht viel.

    Ralf ist weiter weg gerückt aber nicht ganz weg. Er ist irgendwie immer da aber nicht leidvoll sondern ich fühle eine Zärtlichkeit. Ich möchte ihn auf Händen tragen und ihn spüren. Aber ich leide dabei nicht.

    Er ist gleichzeitig nah und doch fern.

    Ich beschäftige mich damit nach Österreich zu fahren und möchte auf dem Weg dorthin einige Städte anschauen. Ich war z. B. noch nie in Regensburg.

    Meine Idee ist von Regensburg aus die Donau entlang zu fahren bis hinter Wien. Das bereite ich jetzt vor.

    Wahrscheinlich werde ich am kommenden Wochenende aufbrechen.

    Ich habe mir all die Trauernden Wochen gewünscht dieses Leid nicht mehr zu spüren. Und jetzt ist es nicht mehr da und ich bin irritiert.

    Dabei war genau das doch mein Ziel.

    Wie auch immer es passiert ist, warum auch immer es passiert ist..... ich weiß es nicht. Ich habe ihn, meinen Ralf noch immer sehr sehr lieb. Aber ich habe mich an das Leben ohne ihn gewöhnt.

    Ich habe eine neue Freundin gefunden hier im Ort. Vielleicht ist das mit ein Grund. Und ich habe viele Pläne für die Zukunft.

    Manchmal stelle ich mir vor, wenn ich einen Rettungswagen in meiner Gegend höre, daß die bei mir anhalten und Ralf zurück bringen.

    Sie halten an, klingeln an der Tür und sagen hier ist ihr Freund wieder da, er war bei uns falsch.

    Man müsste einen Roman schreiben in dem genau das passiert.

    Ralfsheidemarie

  • Liebe Heide. Es hört sich wirklich etwas surreal an, vo allem weil der cut so wie du es beschreibst, ja irgendwie so ohne Übergang ist. Aber, ehrlich gesagt freut es mich total und ich habe schon auch in deiner Art zu schreiben einen, wie kann ich sagen, einen stabilere Weg, gespürt, nicht mehr ein "so verloren sein". Weißt du was ich meine. Und ehrlich gesagt fühlt es für mich trotzallem in Ordnung an, denn du hast, so denke ich, in deiner tiefen Trauer, in der du ja gesteckt hast, doch sehr viel verarbeitet. Du hast diese tiefe Traurigkeit ja nicht beiseite geschoben und gesagt, ich Parke dich hier.... Sondern hast sie verarbeitet. Meine Gedanken. Daher drücke ich dich und freue mich für dich und Ralf. Er wird immer ein Teil von dir sein. Jeder Mensch geht mit seinen eigenen Situationen so um, wie er kann. Und du machst das gut. Dein Ralf ist glücklich darüber. Das wollt ich dir sagen. Danke für deine Offenheit Liebe Ralsheidemarie:8::24:

  • Oh, das tut mir gut Eure Worte.

    Das Ralf sich darüber freut besonders.

    Ja, eigentlich hast Du recht Waltraud. Ich habe sehr viel an mir versucht zu arbeiten. Ich habe Meditationen und Hypnosen gehört. Habe geklopft und gebetet. Habe viel im Forum gelesen und geschrieben. Und habe mir viel Zeit genommen um zu schlafen und aus zu ruhen. Habe Vitamine gekauft und genommen und viel zu viel Alkohol getrunken. Ich habe allen Leuten erzählt und es immer wieder erwähnt, daß mein Schatz gestorben ist. Und ich habe mich mit allem was mit Trauer zu tun hat beschäftigt. Viele viele Stunden lang. Als Rentnerin habe ich den ganzen Tag Zeit gehabt. Da konnte ich trauern und weinen ohne wegen einer Arbeit funktionieren zu müssen.

    Das, was ich noch nicht fertig gemacht habe ist das Haus für Ralf. In meinem Herzen hat er ja ein Zuhause, klar. Aber ich wollte ihm ja noch ein schönes Heim als Puppenhaus herrichten.

    Irgendwann habe ich mich für ein Playmobil Haus entschieden und es bestellt. Aber ich habe es noch nicht aufgebaut und eingerichtet. Darauf freue ich mich, wenn ich es zum Ende des H Jahres machen kann. In meiner Phantasie ist schön alles klar.

    Er soll ein schönes gemütliches Haus haben. In der unteren Etage möchte ich ein Werkstattwohnzimmer einrichten. Es soll Sessel Ofen und Sofa haben aber auch Werkzeug, Motoräder und Männerzeugs. Dann braucht er ein großes Bett mit Fernseher. Und er soll eine Badewanne voller Smarties bekommen. Ich werde eine kleine Bar neben das Haus stellen und lauter Waffen an die Wand hängen. Und seine Lieblingsalkoholika als Plakat im Zimmer. Und Hunde.

    Wenn ich es fertig habe, setzte ich Fotos hier rein.

    Ralfsheidemarie

  • Liebe RalfsHeidemarie,

    zunächst einmal: ich freue mich so sehr mit dir über die ganzen positiven Entwicklungen bei dir. Dass du irritiert bist über den doch ziemlich plötzlichen Wechsel finde ich absolut verständlich. Das würde uns sicher allen so gehen. Ich würde dem Gefühl aber nicht allzuviel Raum geben. Du kennst doch sicher auch den Spruch: "Grübeln ist glücksfeindlich. Glück ist ganz leicht kaputtzugrübeln." Es ist jetzt so und es ist gut so. Punkt.
    Besonders schön finde ich das, was du über die Verbindung zu deinem Ralf schreibst. Dass es das wirklich gibt: Die Liebe bleibt, aber das Leiden nicht. Das macht mir (und sicher vielen anderen hier) Mut.

    Ich denke bei dir kommen zwei wichtige Faktoren zusammen: du hast Ideen, Wünsche, Vorstellungen für dein neues Leben, und du hast auch den Mut und die Kraft, sie umzusetzen. Ja, und vielleicht wirklich als Drittes, du bist den Trauerweg wirklich gegangen und nicht ausgewichen.

    Alles Liebe

    Sabiene

  • Liebe Ralfsheidemarie,

    es ist schön zu lesen das es dir gut geht.

    Frag und zweifle nicht. Trauer folgt keiner Norm.

    Dort wo du jetzt stehst hat dich deine Trauer hingeführt, hast du dich hingeführt, hat dich Ralf hingeführt.

    Du hast den für dich richtigen Weg gefunden. Darauf kannst du stolz und dankbar sein.

    Das du uns daran teil haben lässt hilft uns, denn es macht deutlich dass es einen Weg aus der Trauer gibt.

    Wie du müssen wir ihn uns erarbeiten und jede/jeder muß ihn gehen bis zum Ende.

  • Liebe Heidemarie ich freu mich so sehr das es dir gut geht…. Das du deinen Weg raus aus der Trauer gefunden hast

    Es gibt kein Handbuch, jede*r geht den Weg so wie er für sie/er richtig ist….. dein Ralph ist immer bei dir und bestimmt sehr glücklich das er seine „alte“ Heidemarie wieder hat ❤️
    Du kannst stolz auf dich sein ❤️

    Ich bin nicht weg.... nur schon mal voraus gegangen...


    • "Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können." Robins Lieblings Zitat aus der kleine Prinz
  • Liebe Heidemarie,

    Ich freu mich sehr mit dir. Weißt du, Trauer ist nicht einfach nur traurig sein. Trauer bedeutet auch dem geliebten Menschen einen neuen Platz zu geben.

    Und das hast du gemacht. Deine Trauer durfte sich wandeln- nun ist auch Platz da, für eigene Träume, Dankbarkeit und auch Freude.

    Er ist ja immer noch da- aber dein Ausdruck deine Liebe zu zeigen, hat sich verändert.


    Das es sich befremdlich anfühlt, kann ich nachvollziehen, es ist ja auch ein ganz neues Leben.

    Ohne ihn- und doch mit ihm <3


    Ich finde die Idee mit dem Häuschen auch ganz toll :saint:

    Liebe Grüße,

    Isabel

  • Liebe Ralfsheidemarie,

    in einem anderen Thread hast du gefragt wie es mit Urlaub aussieht.

    Wir hatten genau für seinen Todestag eigentlich gebucht,weil wir eine Auszeit dringend brauchten.Zwei Tage vorher habe ich wegen seines plötzlichen Krankenhausaufenthaltes alles auf ein paar Wochen später umgebucht.

    Ich bin nicht gefahren.

    Ich hab es nicht fertig gebracht unsere Reise mit jemand anderem zu machen.

    Auch würde ich es nicht übers Herz bringen,an Orte zu fahren ,die wir gemeinsam schon besucht haben.

    Auch hier in der gewohnten Umgebung alleine spazieren zu gehen tut verdammt weh.

    Keiner legt seine Hand in meine...........

    Lg,Gaby

  • Das ist ein Paar. Miteinander gewachsen. Sich ergänzend. Sich liebend.


    Da ist ein Unglück geschehen. Einem von beiden. Also beiden.


    Der Andere ist nicht mehr da. Da wo und wie er/sie war ist nur noch Fehlen.


    Und das Fehlen wird sich nie mehr ändern. Der Andere ist der Fehlende. Der dastehende ist der Übrige, der übrig geblieben ist.


    Das Leben geht weiter. Für den Übrigen. Nur ganz anders. An die Seite an der der andere fehlt kommt nun Sonne hin. Regen und Wind.


    Ein Jahr geht rum und der Übrige erlebt ohne den Fehlenden die ganze Palette des Lebens.


    Und entwickelt dann neue Äste und neue Zweige da wo früher der Fehlende Stand.


    Und vielleicht wird der Übrige irgendwann ein Gleichgewicht erlangen. In der Zukunft. Er bleibt trotzdem immer der Übrige.