Sie ist gegangen, ich muss bleiben

  • Heute sind es 5 Monate, als ich wach wurde dachte ich an all die Dinge die wir noch machen wollten. Etwas später dachte ich an alles was wir erlebt haben.

    Wir hatten das Glück nur 50 min mit dem Zug von London entfernt zu leben. Wir haben das genutzt, wenn immer möglich haben wir ein Wochenende in London verbracht und haben uns ein Musical angesehen und sind danach noch etwas in Soho trinken gegangen, war ja um die Ecke :) .

    Sie ist in London aufgewachsen, ich vermisse sie jeden Tag, das miteinander das Verstehen verzeihen und lachen.

    Ich muss in den nächsten 2 Monaten nach Deutschland (Brandenburg) gehen (Haus ist verkauft hier), hoffe nicht für zu lange, allerdings mit Corona ist das Reisen ist ja nicht so einfach.

    Alles Liebe für euch.

    Gruß Ron

  • Hallo Ron,


    darf ich dich fragen, wo genau in Brandenburg du hin musst ? Ich wohne im Bundesland Brandenburg.


    L.G. Kerstin

    Ich fürchte nicht die Dunkelheit dort draußen, es ist die Dunkelheit in meinem Herzen, die mir Angst macht.

  • Hallo Ron,


    darf ich dich fragen, wo genau in Brandenburg du hin musst ? Ich wohne im Bundesland Brandenburg.


    L.G. Kerstin

    Ist in der Mitte von Nirgendwo nennt sich xxxxxxxx ich hab so ein Glück das ich Freunde habe.

  • Oh. dass ist doch gut 130 km von mir weg.

    Gut dass du dort Freunde hast, es wird dir sicher gut tun, mal rauszukommen Ron. Ist mal ein bisschen Ablenkung

    und die ist gerade jetzt, so wichtig.


    L.G. Kerstin

    Ich fürchte nicht die Dunkelheit dort draußen, es ist die Dunkelheit in meinem Herzen, die mir Angst macht.

  • es wird dir sicher gut tun, mal rauszukommen Ron. Ist mal ein bisschen Ablenkung

    und die ist gerade jetzt, so wichtig.


    L.G. Kerstin

    Ja wird mit gut tun, denke ich, aber 130 km ist nichts,als ich als ich in Canada gelebt habe (Quebec)war der Nachbar um die Ecke 35 miles :):) weg.

    Entfernung ist immer relativ.


    Alles Liebe für Dich Kerstin

  • Manchmal wenn ich zurückdenke, ich hätte das alles sehen müssen, hab ich aber nicht, es war ein schleichender Prozess mit dem Krebs.

    Ich frage mich, jeden Tag hätte ich früher etwas unternommen würde sie noch leben?

    Sie war der Kopf in den Sand Typ, bin ich auch, trotzdem ich habe es doch gesehen und Sie wollte nicht zum Arzt, ich fühle mich so schuldig und auch wütend

    über mich selbst.

    Desto mehr Zeit vergeht, desto mehr fühle ich mich schuldig.

  • Lieber Ron,


    das mit den Schuldgefühlen, das kenne wir fast alle und diese Fragen .... hätten wir doch bei manchem anders gehandelt, früher

    gehandelt, etwas anders gemacht .... vielleicht hätten wir unsere Liebsten dann doch retten können ... , die werden uns sicher noch

    ganz lange begleiten und oft auch quälen.


    Im Nachhinein hat man viel zu viel Zeit, alles mal aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten. Aus der heutigen Sicht, hätten wir

    wohl so vieles gern anders gemacht.

    In der Zeit der Krankheit unserer Liebsten aber, waren wir ständig voller Sorge, voller Angst .... denn der Gedanke dass so eine grausame

    Krankheit uns das Liebeste nehmen könnte, war ja doch immer present. Wir haben "damals" so gehandelt, wie es da in den jeweiligen

    Situationen für uns richtig war, wie wir es für richtig empfunden haben, für und mit unseren Liebsten. Wir mussten ja auch ihre Meinung

    respektieren, auch wenn diese Meinung vielleicht so manches Mal, nicht die unsere war, darauf hatten unsere Liebsten ein Recht.

    Wir waren für unsere Liebsten da, haben sie umsorgt, ihnen unsere Liebe gezeigt - jeden Tag. Und nur das zählt, denke ich.

    Ich verstehe dich so gut Ron, wie oft quälen auch mich Schuldgefühle, man hat immer das Gefühl, nicht genug getan zu haben.


    Wenn es aber wie man sagt, soetwas wie einen Lebensplan gibt, den wir aus unserer eigentlichen Heimat mitbekommen wenn wir geboren

    werden, einen Plan in dem genau steht, was wir in unserem Erdenleben lernen und erfahren sollen, dann steht in diesem Plan auch

    von Vornherein fest, wann unser Leben hier auf der Erde zu Ende ist. Leider ist das so :(.

    Im Umkehrschluss heißt das wohl aber auch, dass wir .... egal was wir vielleicht anders gemacht hätten, egal wieviel Mühe wir uns auch noch

    gegeben hätten, den Tod nicht hätten abwenden können.


    Es so zu sehen fällt ganz doll schwer. Man denkt ja immer, wenn man sich ganz, ganz viel Mühe gibt, alles versucht was möglich ist und es

    wirklich einen Herrgott gibt .... dass er dann unsere Mühe, unsere unendliche Liebe zu unserem Partner sieht und sie auch belohnen wird.

    Wie oft haben wir - mein Mann und ich - gebetet, Gott erklärt wie sehr wir uns lieben, wie sehr wir uns brauchen .... ich habe Gott immer wieder

    gesagt: "Sieh doch Gott, wie lange, geduldig und unedlich tapfer mein Mann nun schon gegen diese Krankheit kämpft, nie klagt er, bitte Gott,

    er hat es so verdient wieder gesund zu werden, bitte lass ihn leben" . Alles umsonst !


    Es gibt Dinge die wir einfach nicht abwenden, nie verstehen werden, zumindest solange nicht, wie wir hier auf Erden leben.

    Vielleicht bekommen wir daruf Antworten, wenn wir selbst in unsere eigentliche Heimat zurück müssen.


    Herzlichst, Kerstin

    Ich fürchte nicht die Dunkelheit dort draußen, es ist die Dunkelheit in meinem Herzen, die mir Angst macht.

  • Mein Mann wollte zuerst auch nicht zum Arzt, er hatte die Symptome anders interpretiert.

    Und als er beim Arzt war, dauerte es ein paar Monate, bis der Tumor entdeckt wurde.

    Als ich mir deswegen auch viele Gedanken machte und haderte, meinte mein Mann..

    lass es...darüber zu hadern macht uns nur unglücklich und ändert nichts an der Situation.


    Er konnte es annehmen und hat immer versucht, das Beste daraus zu machen.

    Man kann mit hadern wirklich nichts mehr verändern (außer uns selbst noch unglücklicher zu machen).

    Im Nachhinein sieht man einiges anders, aber es ist so wie Kerstin es beschrieben hat.

    Wir haben damals so gehandelt, wie wir es für richtig empfunden haben.

    Und wir wissen nicht, was geschehen wäre, hätten wir anders gehandelt.


    Liebe Grüße von mir


  • Liebe Kerstin,

    ich stimme dir voll und ganz zu. Bei meinem Mann ging es zwar sehr schnell, trotzdem mache ich mir Vorwürfe, dasss ich nicht schon früher etwas bemerkt habe. Aber gleichzeitig bin ich auch überzeugt, dass das so in seinem Lebensplan stand.

    Liebe Grüße

    Monika

  • Das mit dem Lebensplan, das interessiert mich. Kann mir jemand ein paar Hinweise geben? Oder ein Buch empfehlen?

    Wenn es diesbezüglich einen jeweiligen Plan gäbe und es festgestanden hat, daß er im Nov. 2020 zurück in die Heimat geht, und ich noch nicht..... dann wäre es auch so gekommen! Egal was ich gemacht oder nicht gemacht habe.

    Ralfsheidemarie

  • Mit jedem Tag wird es schwerer, der Verlust mehr bewusst und die Einsamkeit ein tägliches Leid.

    Ich finde keinen Ausweg, ich bin nicht alleine aber einsam.


    Ich fühle mit euch, alle die ihr in diesem Forum seit.

    Alles Liebe für euch, Ron

  • Ich weiß manchmal nicht soll ich hier noch schreiben, mit den ganzen Problemen in diesem Forum, auf der anderen Seite so ist das Leben.

    Ich war heute wie so oft im Supermarkt, nur diesmal konnte ich nicht aufhören zu weinen, obwohl ich immer dachte ich habe mich unter Kontrolle (typisch Mann :) )

    Bei all den Regalen habe ich nur gedacht was sie mag. Die meiste Zeit weiß ich das sie nicht mehr da ist, dennoch spüre ich sie.


    Oft denke ich, ich muss aufmerksamer sein, nicht das ich ein Zeichen von ihr verpasse.


    Nächsten Samstag sind es 6 Monate und trotzdem denke ich manchmal sie wird zur Tür hereinkommen.


    Wunschdenken ist grausam, denn es wird nie Realität, ich fühle mit euch , mit eurem Verlust, dass Leben geht weiter

    und es gibt einen Grund warum wir noch leben, ich habe die Einstellung verstehen heißt verzeihen, so halte ich das denn auch mal mit Gott

    Alles Liebe für euch

    Ronny

  • Hej, hej Ron ( freundliche schwedische Begrüssung)


    "um an die Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen" Konfuzius


    dies ist meine Vorstellung zu dem Problem des Lebens nicht nur im Forum . Wenn man das noch intensiver bildhaft sich betrachten möchte gibt es ja viele Ströme und die dazugehörigen Quellen die nahe beieeinander liegen oder auf verschiedenen Kontinenten...


    Ja, und dadurch ist deine geschriebene Ueberlegung

    auf der anderen Seite so ist das Leben

    sehr eigentlich ALLES aussagend...


    Weine. weine , weine es ist heilend meiner gemachten Erfahrung nach.

    Es ging mir gerade in Supermärkten so und anderen aus dem Forum hier auch. Du bist also nicht alleine ... Auch wenn es ja nur hier schriftlich ist. Ausserdem bin ich des Glaubens , das wir alle uns auf dem Weg "zur Quelle" befinden.

    Manche schwimmen vielleicht sogar im gleichen Fluss meiner Vorstellung nach...


    Wunschdenken ist grausam, denn es wird nie Realität,

    Wünschen kann für mich zur Vision heranreifen und somit zu einem inneren Geistesbild... Dann verschwindet das grausame...

    Wünschen und denken sind für mich wie zwei Planeten , die im gleichen unendlichen grossen Universum kreisen . Auch dies natürlich bildhaft beschrieben.

    Die Realität ist für mich das JETZT... und das JETZT ist LEBEN .

    lächel...

    und da sind wir wieder bei der Problematik was jeder einzelne von uns unter LEBEN versteht ... in welchen Fluss begebe ich mich und finde ich die Quelle meines SEINS ?

    Alles Liebe für euch

    dem schliesse ich mich völlig an :)

    Alles Liebe für euch <3 Sverja

  • "um an die Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen" Konfuzius

    lächel...

    Mach ich doch hier :)

    danke für deine Worte, wir alle wie wir sind haben uns genau diese Situation in diesem Augenblick ausgesucht, selbst wenn wir uns dessen nicht mehr bewusst sind, alles ist gut und richtig wie es ist, selbst wenn wir es nicht mögen.


    Masel tov Sverja und danke für deine lieben Worte.

    Liebe Umarmung Ron

  • Lieber Ron,

    es ist schön dich hier in deinem Wohnzimmer mal wieder zu lesen :24:.

    Diese Gefühlsausbrüche im Supermarkt, die kenne ich leider auch nur zu gut. Mir geht es beim Einkaufen so, dass mich so vieles

    dort triggert, weil ich immer denke, das und das .... hat mein Schatzi so gerne gemocht ;(.


    Als mein Schatz noch lebte, hab ich fast alles immer nur für ihn ausgesucht, überlegt womit ich ihm eine Freude machen kann, er

    hat so gerne gegessen und es war ja auch die letzte Freude die er noch hatte - sich auf ein leckeres Essen freuen. Ein liebevoll gedeckter

    Frühstückstisch, mit frischen Brötchen, einem gekochten Ei, O- Saft, frisch aufgeschnittenem Obst und Gemüse, selbst gekochte Marmelade.

    Und Abends wollte er immer warm essen .... ich habe jeden Tag frisch gekocht.

    Und jetzt .... alles ist nur noch Erinnerung, er kommt nie wieder und das tut so weh.


    Wir müssen ganz langsam lernen, unser Leben irgendwie ein bisschen neu auszurichten, mit der Liebe im Herzen, auch wieder mal etwas

    Schönes zulassen, offen sein für Neues, denn ich glaube, genau das wünschen sich unsere Liebsten für uns.

    Das ist sehr schwer, das merken wir jeden Tag. Aber Liebe überwindet alles und wir lieben, auch wenn unsere Lieblingsmenschen, jetzt

    in einer anderen Welt leben. In unserem Herzen tragen wir sie immer in uns <3<3<3.


    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, ein wenig Freude in deinem Herzen.


    Herzlichst, Kerstin

    Ich fürchte nicht die Dunkelheit dort draußen, es ist die Dunkelheit in meinem Herzen, die mir Angst macht.