Ich kann nicht ohne dich

  • Joachim war bis zum 6.4 nicht krank

    Dann der Herzinfarkt . Ich wurde um 4:45 Uhr durch ein lautes Geräuch wach und hab Joachim im Wohnzimmer gefunden. Notarzt gerufen. bis zum Eintreffen reanimiert. Er kam auf Intensiv und hat gleich mehrere Stents gesetzt bekommen. Trotzdem verschlechterte sich sein Zustand und er musste 100 km weit in eine Herz/Thorax Klinik verlegt werden. 42 Tage Hoffen ,wenn eine kleine Besserung erkennbar war, das er es schafft. Und immer wieder kamen neue Komplikationen dazu. Wärend der ganzen Zeit lag Joachim im künztlichen Koma. Durch Corona durfte ich nur einmal pro Woche zu ihm. am 17.5 erhielt ich dann den Anruf dass es zu schweren Hirnblutungen gekommen sei, sowie Infektionsherde im Gehirn. Man sagte mir die Therapie müsse beendet werden. Die Maschinen liefen bis ich da war. So konnte ich meinen Mann auf seinem letzten Weg begleiten. An diesem Tag bin auch ich ein bisschen gestorben. Auch wenn meine Familie für mich da ist und mich unterstützt. irgendwann gehen sie in die normale Welt zurück und ich bleib in diesem Albtraum hängen. ich weiß das es für unsern Sohn und seine Familie auch schlimm ist. Aber wie gesagt er hat schon seine eigene Familie. Mein Glück ist einfach weg. durch unseren Hund hab ich noch ne gewisse Tagesstrucktur. aber für den alten Kerl ist es auch sehr befremdlich dass ich ständig am weinen bin. Stundenweise geht es gut und dann kommt irgend ne " Kleinigkeit" und es zerreißt mich. Joachim war nein Joachim ist die Liebe meines Lebens. und so wie alle hier habe ich nur den einen Wunsch - Ich will mein altes Leben zurück

  • Hallo Steffi,


    Erst einmal mein tiefstes Mitgefühl :13:

    Sprich dir hier alles von der Seele. Es wird immer jemand da sein, der dir antwortet.


    Ich habe meine Mama am 19.5. verloren an Corona. Wir haben auch 4 Wochen lang gebangt und gehofft. Und an dem Morgen rief das Krankenhaus an und sagte sie wird es nicht schaffen. Sie lag auch im künstlichen Koma und ihre Werte wurden immer schlechter.


    Ich fühle so sehr mit dir. Fühle dich ganz lieb umarmt :30:

  • Danke Angelique

    ja dieses Hoffen wenn die Werte mal etwas besser waren und die Unterstützung durch die Maschienen reduziert weden konnte. ich hab immer gedacht Joachimist noch jung und ein Kämpfer er schafft das sicher. Ich habe für ihn ein Tagebuch geführt damit er nachlesen kann wass er verpasst hat in der Zeit die er im Koma lag. Hab Zeitungsausschnitte eingeklebt. Er hat es nie gelesen. Es wurde ihm in den Sarg gelegt und mit Ihm eingeäschert. Ich wollte es nicht mehr lesen und auch kein anderer sollte es lesen. Mein Sohn konnte nicht mit zum Verabschieden. Er hatte zu viel Angst. Er hat ihm einen Brief geschrieben den ich ihm dann vorgelesen habe. Dieser Brief wurde mit in die Urne gelegt.

    All das lindert meinen Schmerz nicht. Ich liebe ihn so und kann nicht ohne meinen Schatz sein.

  • Lieber Scopas

    auch dir lieben Dank

    Und es stimmt ich will wie ihr alle nicht hier sein. Nichts von den Schmerzen und der Trauer wissen. Aber wir wurden nicht gefragt. Ich ertrage es nicht Paare in meinem und Joachims Alter zu sehen. Mir ist klar das solche Gedanken nicht fair sind. Aber ich hab am 17.5 schmerzlich gespürt das Leben ist nicht immer fair

  • Ich verstehe dich da sehr gut. Es gab Tage da war alles in Ordnung und dann gab es Tage wo die Werte wieder bedeutend zurück fielen. Keiner hat Antworten auf die 1000 Fragen die man sich stellt. Was ist dort schief gelaufen? Hätte man nicht doch was tun können? Usw.. Sie werden uns nie mehr beantwortet. Es ist unbegreiflich und tut unfassbar doll weh. Man hat keinen Ausweg aus dieser Situation. Nicht zu diesem Zeitpunkt. Dafür ist es auch alles zu frisch


    Ich war zum verabschieden bei ihr gewesen. Ich hätte mir alles andere auch nicht verziehen. Meine Kinder malten ihr Bilder, die wir zur Beisetzung am Donnerstag mit an die Urne legten. Ich finde das ist eine tolle Erinnerung. Wenn dein Sohn das so für sich entschied, ist das auch vollkommen in Ordnung. Der eine kann sowas, der andere eben nicht. Das ist überhaupt keine Schande. Und die Variante mit einem Brief finde ich sehr schön. So hat er sich auch verabschieden können.


    Ich wünsche dir und deinem Sohn ganz viel Kraft für diese Zeit und ich hoffe das ihr euch gegenseitig unterstützen könnt und niemand von euch allein damit ist. Denn allein sein ist das schlimmste in so einer Situation.


    Vlg Angie

  • Hallo Steffi66,


    stimmt glückliche Paare zu sehen ist schwer zu ertagen. Mache mir da auch Vorwürfe, ist ja auch ein Stück weit unfair aber irgendwie auch verständlich.

    Mein Engel ist am 19.05. verstorben, also in etwa zur selben Zeit wie dein Mann. Wir haben noch einen langen schweren Weg vor uns. Dieses Forum hat mir sehr geholfen überhaupt halbwegs klarzukommen. Schreib hier alles was dich bedrückt, du wirst hier nicht allein gelassen.


    LG

    Marco

  • Liebe Steffi,

    es tut mir sehr leid, dass du deinen Mann verloren hast...

    ich kann verstehen, wie du dich fühlst, habe meinen Mann vor etwa 3 Monaten auch verloren.

    Dein Satz...ich will mein altes Leben zurück...denke ich täglich...

    Hier zu schreiben und zu erfahren, dass du nicht allein damit bist, kann dir helfen...

    Liebe Grüße von mir

  • Liebe Wanderin

    Danke für deine Grüße

    Ich fühle dass hier jeder und jede weiß wie ich mich fühle. und ich hab auch schon viel hier gelesen. Gut zu wissen, dass ich mir hier alles von der Seele schreiben kann .

  • Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll. Guten Abend wäre der korrekte Gruß aber gut ist an diesem und an allen anderen Abenden gar nichts mehr.

    Selbst ein normales Guten Morgen, guten Tag oder guten Abend passt nicht mehr in unsere Welt.

    Wie fast alles Andere auch.

    Ein Beben der Stärke 100 erschütterte unser Leben, uns und es gibt 100.000 Nachbeben.

    Sei willkommen in diesem Forum und ich finde es gut, daß Du uns gefunden hast.

    Wir versuchen hier zusammen zu halten, füreinander da zu sein.

    24/7 kannst Du hier lesen und schreiben.


    Ich möchte Dir noch mein Beileid aussprechen und mein Mitgefühl für Deinen großen Verlust.

    Das Schlimmste ist passiert. Die größte Angst hat sich bewahrheitet. Unvorstellbar.

    Unaushaltbar.

    Unbegreiflich.

    Nach so vielen Tagen und Nächten Angst und Hoffen diese Erkenntnis, diese Realität kann nicht verstanden werden.

    Man möchte für immer die Luft anhalten.


    Mein Schatz ist am 23.11.20 ins Lichtland umgezogen. An dem Tag begann für mich eine neue Zeitrechnung.

    Mein Ralf hat mich und unsere 4 Hunde hier auf der Welt gelassen, uns nicht mitgenommen. In der ersten Zeit wollte ich lieber hinterhersterben als hier zu bleiben. Aber so einfach ist das ja auch nicht alle, die einen lieben und brauchen im Stich zu lassen.

    Also übe ich mit dem Allem zurecht zu kommen. Und inzwischen geht es auch besser.

    Trotzdem weiß ich noch genau, wie es Dir wahrscheinlich jetzt geht.

    Ich lasse Dir in Deinem Wohnzimmer ein Himmelsbild und hoffe Du kannst heute Nacht schlafen.



    Ralfsheidemarie

  • Es tut auch mir so leid für jeden der den Weg hierher findet. Das beste ist wirklich das man darauflosschreiben kann ohne das Gefühl zu haben man belastet die Normalen Menschen die uns nicht verstehen. Ich wünsche dir viel Kraft. Es ist so traurig.....

  • Wieder eine Nacht " geschaft". Konnte etwas schlafen. Jetzt kommt der lange Tag. Hab heute noch Termine , das nimmt etwas Zeit in Anspruch. Aber ich weiß daß es einfach "zu viel Tag " ist.

    Es war früher ja auch so , daß Joachim und ich nicht rund um die Uhr alles zusammen gemacht haben. Jeder hatte auch eigene Aktivitäten. wir haben uns und unsere Zeit hier für selbstverständlich und unendlich gesehen. Jetzt ist alles aus.

  • Liebe Steffi,

    Ich hab dich ja schon in meinem Wohnzimmer begrüßt, und wie ich sehe kann ich dich jetzt auch in deinem begrüßen.

    Ich kann mir denken, das du wenn du zum Beispiel meine Geschichte liest, oder die jemand anderen, dir denkst," hört das nie auf" , das hab ich mir auch gedacht als ich hier ins Forum kam. Es sind so viele, herzzerreißende Ausschnitte aus Leben, und so viel Trauer. Und doch ist bei jeden von uns, denke ich, der Wunsch nach innerer Ruhe, und wieder Leben zu können, anders , aber halt wieder, da.

    Der Weg ist steinig, und jeder von uns muss ihm irgendwie alleine gehen, auch wenn wir uns gegenseitig helfen. Bei dir ist es noch ganz frisch, und plötzlich. Jetzt heißt es mal, eine Stunde zu schaffen, einen Tag, mehr geht noch nicht, zumindest war es bei mir so. Ich konnte keine Pläne machen, ich überstand jeden Tag, irgendwie.

    Aber es wird besser, nicht gut, aber besser. Weine wenn dir zu weinen ist, das hilft am meisten, das nimmt ein wenig den Druck in dir weg, und das Gefühl nicht mehr richtig atmen zu können, wird ein wenig leichter.

    Sei willkommen

    Renate

  • Ja die Sache mit den Bildern. Es gibt so gut wie keine Bilder von Joachim. Von mir auch nicht. Wir haben uns beide nie gerne fotografieren lassen. Urlaubsfotos gibts vom Hund und der Landschaft nicht von uns. Für die Beerdigung hat meine Schwiegertochter ein Passfoto bearbeiten und vergrößern lassen ( hat sie toll gemacht)

    jetzt wünschte ich wir wären auch so selfieverrückt wie andere. Ach ich fang schon wieder an mit hätte, wäre, wenn.

    Leider wird mir deine Collage liebe RalfsHeidemarie nicht angezeigt.

    wenn ich raußgefunden hab wies geht stell ich auch ein Bild ein.

  • Ich habe den Beitrag gelöscht. Konnte das Foto allein nicht löschen.

    Hier nochmal der Beitrag ohne Foto.


    Moin Steffi,

    Zeit, unendlich und selbstverständlich. Das habe ich auch gedacht und geglaubt.

    5 Wochen war ich 2019 in der Reha.

    Die Zeit war gut für mich und intensiv.

    Hätte ich gewußt wie wenig Zeit uns noch bleibt, ich wäre nicht gefahren.

    Hätte ich gewußt......

    Hätte ich wirklich 100 Fotos von ihm gemacht jeden Tag?

    Hätte ich wirklich nichts mehr ohne ihn gemacht?

    Es war gut, daß ich es nicht wußte. Ein normales Leben wäre dann nicht mehr möglich gewesen.

    Mein ältester Hund ist jetzt 13 Jahre alt. Wir haben schon angefangen daran zu denken, daß sie die erste ist, "die gehen wird". Ich fotografiere sie öfter als die Anderen. Beachte sie etwas mehr. Weil das 'unendlich viel Zeit' kurz geworden ist.

    Wir haben beide immer mit Grauen daran gedacht. Und nun ist sie noch bei mir und Ralf ist vor ihr gegangen. Der Papa. ( haben wir oft gesagt für die Hunde )

    Darum sage ich heute: wenn Du zu Papa gehst...... Er wird Dich empfangen und abholen.

    Und dann hat unser Mambo im Dezember, unser "Bübchen", unser "Macker" das Cushing Syndrom bekommen und ist blind geworden.

    Es sieht so aus als würde er Chelsea noch überholen. Obwohl er 4 Jahre jünger ist.

    Hier meine 3 Beschriebenen.

  • Liebe Steffi,


    ein leises Willkommen hier bei uns :30: und mein aufrichtiges Mitgefühl zu deinem schmerzlichen Verlust.

    Gut dass du zu uns gefunden hast, denn verstehen und von Herzen mitfühlen, das können tatsächlich nur Menschen,

    die wissen, wie sich das anfühlt und was mit einem macht.

    Du wirst hier liebevoll aufgenommen und findest immer ein offenes Ohr.


    L.G. Kerstin

    Ich fürchte nicht die Dunkelheit dort draußen, es ist die Dunkelheit in meinem Herzen, die mir Angst macht.

  • Danke Kerstin

    vor dem Tod von Joachim war mir auch nicht bewusst wie sich dieser Schmerz anfühlt. Ja mir war klar das es schlimm ist. Aber meine Vorstellungen sind meilenweit von diesem bohrenden Schmerz entfernt. Ich bin im Alltag offt über meine Gedanken erschrocken. Sehe ich ein älteres Paar denke ich warum die und wir nicht. Ich muss dann sogar manchmal den Einkauf abbrechen weil ich einen Heulkrampf bekomme wenn ich Paare in meinem und Joachims Alter sehe.