Plötzlich Witwe mit 57

  • Liebe Sabiene, RalfsHeidemarie, Steffi

    ja, wenn ich deine Zusammenfassung lese hört es sich ganz einfach wie ein roter Leitfaden an, aber das ist es natürlich nicht. Es klappt auch nicht oft nur manchmal ein bisschen...:13:Ich versuche die Tage herumzubekommen und sie mit Aktivitäten zu füllen. Ich glaube, dass ich noch keinen Tag alleine war seit mein Liebster gegangen ist. Irgendwie organisiere ich immer Termine, Besuche oder ähnliches in die Tage. Wenn ich das so schreibe, sehe ich, dass ich das Leid immer noch nicht ganz zulasse. Es schmerzt so...

    Ich bin beeindruckt von RalfsHeidemarie und ihrer Energie soviel auszuprobieren und freue mich von Herzen, dass es ihr besser geht. Aber gleichzeitig wie sie schreibt, ging es ihr sehr schlecht und sie hatte lange Zeit kaum die Kraft aufzustehen.

    Vielleicht muss es mir noch schlechter gehen, damit es wieder aufwärts gehen kann. Verrückt? aber vielleicht wahr? Ich weiß es einfach nicht... Was meint ihr?? Muss man erst an einem Tiefpunkt sein, um wieder ins neue andere Leben zurück zu kommen?

    Ich empfinde mich als Suchende, die liest, redet, das Forum als ständigen Begleiter hat, aber eigentlich nicht zur Ruhe kommt. Die Trauer ist immer in meinem Kopf und mittlerweile erlebe ich mich schon zwiegespalten beim Zusammensein mit anderen. Ich kann doch nicht nur über meine Trauer reden, aber erlebe nicht viel anderes, um die üblichen Alltagsgespräche zu führen. Die Distanz von mir zu Freunden, Bekannten wird von meiner Seite größer, obwohl ich sie dringend brauche, um nicht noch mehr alleine zu sein. Nach Hartmuts Tod habe ich soviel Zuspruch bekommen, dass man immer zu mir hält. Aber mittlerweile klingelt das Telefon seltener.... ihr seht beim Lesen das Durcheinander in meinem Kopf und meine Ratlosigkeit wie es weiter gehen kann. Die Ratschläge meiner Therapeutin, ich solle meine Trauer annehmen, es sei doch noch frisch ( 10 Monate empfinde ich als Ewigkeit) helfen nur bedingt. Zu Anfang war ich hoffnungsvoller, weil ich mir von der Trauergruppe, Therapeutin etc versprochen habe, dass es mir danach wieder gut geht. Aber mir wird langsam klar, dass alle nur Ratschläge geben können und irgendwas in mir passieren muss, um aus dem Loch herauszufinden. Aber was und wann?


    Liebe Sabiene, ich hoffe, dass es okay war, dein Wohnzimmer zu füllen mit meine Gedanken. Sie flossen einfach so und ich weiß gar nicht, ob ihr sie unter Sonnenblumen finden würdet.


    Ganz liebe Grüße und ich lese sehr gerne deine Beiträge. Sie bringen mich zum Nachdenken. Martina

  • Liebe Martina,

    Das siehst du richtig- es können hilfreiche Impulse von außen kommen, die etwas in dir verändern. Aber passieren tut es immer

    im inneren von uns. Und dann ist es auch nachhaltiger.


    Ich denke nicht, dass man immer ganz unten ankommen muss, damit sich etwas verbessert. Ich glaub wir können das auch nicht so linear sehen. Was für den einen schon ganz furchtbar ist, ist für den anderen vielleicht noch nicht so schlimm.

    Tatsache ist- es braucht auf jeden Fall Zeit. 10 Monate fühlen sich wie eine Ewigkeit an, sind es aber in der Trauer oft nicht.

    Die Trauer annehmen klingt vielleicht wirklich seltsam, weil sie ja ohnehin immer da ist. Vielleicht hilft dir der Gedanke "Trauer ausleben"- Wege zu finden deiner Trauer Ausdruck zu geben..?!


    Liebe Grüße <3

  • Liebe Martina,

    ja, ja, ja, ganz vieles von dem was du schreibst kann ich so gut nachempfinden! Auch mir geht es so, dass es mir schwer fällt, zur Ruhe zu kommen. Kein Wunder dass ich dauernd Migräne habe... Das Forum als ständiger Begleiter, ja, immer noch sehr verhaftet in der Welt der Verstorbenen und der Trauernden, immer noch Gedanken- und Gefühlswirrwarr im Kopf, Schwierigkeiten damit, an der normalen Alltagswelt teilzunehmen. Nur allein, das bin ich - schon migränebedingt - häufig, Verabredungen traue ich mich ja kaum einzugehen und wenn dann muss ich sie häufig wieder absagen. Aber das Alleinsein ist keine Wohltat mehr, so wie ich das früher oft empfunden habe, sondern meistens nur die schmerzliche Erinnerung daran, dass das Leben jetzt weitgehend ohne mich stattfindet. Ja, und auch bei mir meldet sich kaum noch jemand. Einige warten darauf, dass ich mich melde, das schon, aber dafür müsste es mir erst besser gehen.

    Ob ich das Leid genug zulasse, das frage ich mich auch mitunter. Meistens schiebe ich solche Gedanken aber schnell wieder weg, im Grunde vertraue ich doch meiner Psyche, dass sie es für mich auf das erträgliche Maß dosiert. Meiner Intuition mehr zu vertrauen, was für mich gut ist und was nicht, das immerhin habe ich in den letzten Jahren gelernt.

    Dass es den einen Tiefpunkt im Leben gibt, von dem aus es nur wieder besser werden kann, glaube ich eher nicht. Das ganze Leben ebenso wie die Trauer ist ja eine ständige Wellenbewegung, geprägt von Höhen und Tiefen, die aber nicht regelmäßig und schon gar nicht vorhersagbar sind. Dass unser Glücklich- oder Unglücklichsein zu einem großen Teil nicht von unseren Lebensumständen, sondern von unserer Einstellung dazu abhängt, davon bin ich eigentlich immer noch überzeugt, aber mitunter kostet es schon sehr viel Kraft, sich von den Umständen nicht überwältigen zu lassen!

    Ich war ja glücklicherweise schon ziemlich schnell an einem Punkt, an dem ich den zu frühen Tod meines Mannes und mein Übrigbleiben in dieser Welt akzeptieren und als Herausforderung, als Lernaufgabe für mich ansehen konnte. Aber dass ich seitdem irgendwie weitergekommen wäre, das sehe ich im Moment auch noch nicht. Es braucht wohl Geduld, auch so eine Lernaufgabe, die meisten Menschen haben ja ein Problem damit.

    Ich grüße dich ganz herzlich

    Sabiene

  • Liebe Sabiene🌹,habe schon viel von dir gelesen und des öfteren entnommen,dass du zu deiner Trauer auch noch sehr stark unter der ständig wiederkehrenden Migräne leidest.Das ist natürlich zusätzlich noch eine enorme Belastung.Warst du evt. schon mal bei einem Heilpraktiker?Ich habe damals als meine Kollegin, die auch sehr stark mit der Migräne zu kämpfen hatte und noch mehr Menschen in meinem Umfeld,- viel in Erfahrung gebracht und herausgefunden,das eine enorme Linderung eintritt wenn ein Heilpraktiker den Menschen im Ganzen sieht und einem das Unbewusste Bewusst macht,- hört sich vielleicht seltsam an,aber zur Unterstützung auch Melilotus Officinalis sehr hilfreich ist,sodaß letztendlich die Migräne nicht mehr wiederkommt...Die Heilung erfolgt durch die sogenannte Sinnerfassung und die Erkennung. Das waren jetzt meine Gedanken dazu und wünsche dir alles gute,verbunden mit lieben Grüßen

    Devani🍃

    Alles ist anders und nichts ist mehr,wie es einmal war,

    denn du bist nicht mehr da...🕯

  • Liebe Devani,

    ganz lieben Dank für dein Mitgefühl und deine Vorschläge. Glaub mir, ich habe ganz vieles schon ausprobiert und unternommen, sowohl im Bereich der Schul- als auch der Alternativmedizin. Und ein paar Ideen hab ich auch noch, was ich noch darüberhinaus tun könnte, im Moment fehlt mir allerdings die Kraft dazu. Nach allem was ich über diese Krankheit weiß wäre es absolut unrealistisch anzunehmen dass sie sich unter den Bedingungen der Trauer nicht verschlechtert. Intensive Gefühle, Veränderungen überhaupt, neue Anforderungen, viele Termine, alles Migräne-Trigger! Deshalb habe ich die Hoffnung, dass es noch einmal besser wird, wenn der ganze Trauer-Stress mal wieder abflaut bzw. ich mich etwas besser an die neue Situation gewöhnt habe. Im Moment mache ich mir keinen Druck mit neuen Therapien und zusätzlichen Terminen. Aber trotzdem vielen Dank!

    Liebe Grüße zurück

    Sabiene