Meine Mama ist nicht mehr

  • Obwohl mir die Ärzte sagten, ich solle "die Angelegenheiten ordnen" ... wollte ich einfach nicht wahrhaben, dass es zu Ende geht.

    Am 4.9.2021 ist Mami verstorben. Man hat mich, trotzdem ich ausdrücklich darum gebeten habe, nicht angerufen. Ich wäre in 10 Minuten im Spital gewesen. Stattdessen teilte mir ein chinesischer Arzt, mit starkem Akzent um 6.00 Uhr in der Früh mit, dass sie verstorben ist. Seither muss ich ständig daran denken, ob sie wohl die letzten Stunden gelitten, mich gerufen hat, mir noch was sagen wollte. Ich werde es nie erfahren. Ständig denke ich darüber nach, was ich nicht noch alles hätte tun können/sollen. Hätte ich den Krebs aufhalten können? Durch Corona fanden sämtliche Vorsorge/Folgeuntersuchungen nicht statt und als der Lockdown beendet war, bekam man keine Termine. Ich war am Abend noch bei Mami, habe ihr die Hand gehalten und versucht normal zu sein. Sie schlief schon dauernd ein. Nach 1 1/2 Stunden ging ich dann, um sie nicht zu überanstrengen und weil ich dachte "ich kann ja später wiederkommen", aber es gab kein später.

  • Liebe liebe Claudia...


    ich kann dich so gut verstehen und fühle mit Dir...


    Du hättest den Krebs nicht aufhalten können !!! Corona hat ganz Vieles verändert, auch was Du sagst über die Termine usw.

    Alles ist anders als zuvor...


    ... man sagt... wenn Menschen so versterben wie Deine Mama und sie schon nicht wirklich mehr da sind befinden sie sich in einem schönen und schmerzfreiem Zustand... <3

    das Bewusstsein ist bereits woanders... nur der Körper muss noch gehen... mein Vati starb auch alleine und ich weiss wie Dich das quält...

    genau wissen werden wir es nie... aber ich denke immer an die Nahtoderfahrung einer Freundin... man hatte schon ihre Eltern benachrichtigt dass sie kommen sollten... sie erzählte mir, dass sie dort wo sie war sich sssssooooo unglaublich wohl fühlte, wie man es auf Erden niemals könnte und als die Ärztin sie versuchte wiederzubeleben, war sie unglaublich wütend auf die Ärztin, weil sie nicht mehr zurückwollte... vielleicht kann uns das ein Trost sein...


    Fühl Dich verstanden und gut aufgehoben... jeder hier versteht Dich und steht Dir bei


    Pia

  • Liebe Claudia!

    mein herzliches Beileid zum Tod deiner Mama! Meine Mama ist am 8.9. verstorben auch allein,kurz nachdem ich gegangen war. Auch mir hatte man erst am Morgen,nachdem ich angerufen hatte gesagt,was passiert war. ich kann also deine Schmerz sehr gut verstehen und nachvollziehen, Unsere lieben Mamas sind gegangen.

    ich finde das ,was Pia sagte sehr gut. ich hatte auch das gefühl am Tag vorher,dass Mama irgendwie schon woanders war,nur der Körper war noch hier.

    Und ich denke auch,dass sie gut aufgehoben sind,da wo sie jetzt sind. Fühl dich trotzdem mal gedrückt :24::24:

    bettinalein

  • Liebe Claudia,

    ein warmes Herzlich Willkommen :30: und mein herzlichstes und aufrichtiges Beileid zum Heimgang deiner lieben Mama.

    Was wäre gewesen wenn .... hätte ich nicht noch etwas tun können, habe ich etwas versäumt ... .

    Genau diese Fragen stellen wir uns alle, doch eine Antwort werden wir hier auf Erden leider nicht bekommen.

    Wenn wir in die Zukunft schauen könnten, was hätten wir doch alles anders gemacht :13:. Aber in die Zukunft schauen

    kann leider niemand.


    Aber ich bin mir sicher, dass unsere Liebsten immer gespürt haben, dass wir sie von ganzem Herzen lieben und das war und ist

    das Wichtigste im Leben und auch nach dem Tod.


    Herzlichst, Kerstin

    Ich fürchte nicht die Dunkelheit dort draußen, es ist die Dunkelheit in meinem Herzen, die mir Angst macht.

  • Vielen Dank für die mitfühlenden Worte. Es ist tröstend, dass alle darüber nachdenken, was alles besser / anders hätte gemacht werden sollen. Leider gibt es keine sogenannte "Lebens-Schule" oder Crash-Kurs wo man lernt mit Krankheit und Tod umzugehen oder wie man sich verhält, wenn jemand Demenz hat oder starke Medikamente nimmt, die ebenfalls eine Persönlichkeitsveränderung hervorrufen. Was mir noch aufgefallen ist, auch von anderen Foren und Büchern: Die meisten sterben, nachdem der Besuch gegangen ist und immer in der Nacht, wohlwissend, dass kein Besuch mehr kommen kann und - wie in vielen Fällen - auch nicht angerufen wird.


    Ich habe mittlerweile 2 Therapeuten und mich einer Trauergruppe angeschlossen. Homöopathische Tropfen nehme ich auch. Durch Corona ist das soziale Netz kaputt. Ich bin dabei alte Bekanntschaften und Freundschaften wieder aufzufrischen bzw neue zu finden. Wieviele Jahre ich meine Mami so stark vermissen werde, weiß ich nicht, aber eines ist klar: Alleine zu Hause sein und nicht versuchen weiterzuleben, kann nicht hilfreich sein und meine Mami hätte das nicht gewollt.


    Ihre letzten Worte waren: Mach etwas aus Deinem Leben, Kind, das kann ja noch nicht alles gewesen sein.

  • Liebe Claudia...


    auch mir sind diese Aussagen bekannt, dass Sterbende erst dann gehen wenn sie alleine sind... ich kenne das auch aus meinem Familienkreis von Tanten und Onkeln... auch bei meinem Vater... wir konnten fast alle Abschied von ihm nehmen und ich denke, trotz dass er keine Reaktion mehr zeigte und bereits in einem anderen Bewusstsein war hat er mitbekommen dass wir da waren und dann konnte er beruhigt gehen... was mich aber auch wie Dich immer noch quält ist, dass er dann noch 2 Tage alleine war bis er seinen letzten Atemzug machte und ich mache mir so große Vorwürfe dass ich nicht mehr zu ihm ging... aber Mutti und ich haben dann Abschied genommen als er verstorben war... aber der Anblick war unglaublich schwer...


    Deine Einstellung ist absolut richtig und Du sagst ja auch dass Deine Mutter es Dir ans Herz gelegt hat weiterzuleben... was ja auch völlig normal ist... wenn Du das kannst ist das ein wunderbares Geschenk... Deine Mutter wird es glücklich machen... sie wollen doch nur das Beste für uns... und in all Deinen Unternehmungen wirst Du deine Mama immer im Herzen dabei haben... in der Trauer und im Glück...<3

  • Liebe Claudia,

    Mein Mitgefühl zum Verlust deiner Mama.

    Du hast das Beste gegeben, was du zu diesem Zeitpunkt konntest.

    Unsere Lieben sind im letzten Prozess schon sehr sehr feinfühlig, und spüren uns- egal wo wir sind.

    Meine Arbeit in der Sterbebegleitung hat mir das schon sehr oft bestätigt. Auch wenn es jetzt kein Trost für dich ist,

    du hast alles gegeben.


    Die meisten hier haben offene Fragen- leider haben wir keine Antworten,

    aber wir können da sein, "zuhören", und das macht es ein wenig erträglicher.


    Fühl dich willkommen <3

    Isabel