Nur noch Leere

  • Liebe Bärbel,

    diese vielen kleinen Nadelstiche. Keiner der Absendenden macht sich darüber gedanken was es in uns auslöst.

    Ich mußte ja jede Rechnung bei der Versicherung einreichen. Mit jedem Antwortschreiben kam die Aufforderung an meinen Mann sich doch die APP runter zu laden um in Zukunft Rechnungen einfacher einreichen zu können.

    Aber mit der Zeit wurden die Briefe an meinen Mann weniger und auch das tat weh weil ich merke das er immer weniger im hier existiert.

  • Liebe Bärbel,


    dass mit Dem Behörden Wahnsinn , kennt glaube ich jeder hier, mir erging es auch so, mein Mann ist am.5 Tag im Hospiz verstorben. Und Post an meinen Mann gerichtet, kommt heute noch ab und zu, schlimm.


    Ich konnte mich die ersten Wochen auch zu nichts aufraffen, Einkaufen war schrecklich, essen ja, aber nur schnelles ,oder ein Hähnchen , oder Gurrywurst, egal.



    Obwohl ich unser Haus liebe , werde ich es verkaufen, ich muss weg hier, aus mehreren Gründen, hatte ich dir ja erzählt.


    So nach und nach konnte ich auch wieder kochen und habe geputzt, ich liebe es auch sauber und ordentlich , lese jetzt noch viel über Trauerbewältigung usw.


    Hab Geduld mit Dir, sei nett zu Dir,

    alles ist normal, ich weiss es ist so schwer.


    Die Zeit heilt keine Wunden , aber sie lässt es erträglicher werden, so war es bei mir .



    Fühl Dich gedrückt meine Liebe, :30: LG Evi

  • Heute ist Sonntag . Ein Sonntag der seit nun 8 Wochen für mich kein Sonntag mehr ist .

    Denn solange muss ich nun schon dieser grausamen Gewissheit Realität geben , dass ich meinen lieben Mann nicht mehr bei mir habe.


    Das langsame Wachwerden am Morgen , wenn der Kopf wieder realisiert wie mein Leben nun ist .Es zerstört so meine Seele . Das soll es jetzt sein , mein Leben. Ich habe so eine Sehnsucht nach meinem alten Leben mit ihm

    Kochen, Backen, waschen, putzen WOFÜR ? FÜR WEN?
    Immer dieses schmerzende zerstörende Gefühl in der Magengegend. Immer nur denken an meinen Liebling.

    Ich denke immer wie er hier im Haus rumläuft , gesund und munter , immer einen lustigen Spruch.
    Dann wirbelt er wieder noch zu seinem geliebten Garten . Das war sein kleiner eigener Rückzugsort.Wir haben diesen Garten, der noch entfernt von unserem Grundstück war, immer behalten.


    Er hat sich immer so erfreut etwas zu ernten . Tomaten in 2 Gewächshäusern . Kürbis, Zucchini, Kartoffeln.


    Ich bin einfach nur traurig. Bin ein höchst sensibler Mensch , zu empfindsam.
    Ich frage mich immer was will das Leben mir sagen? Welche Aufgabe habe ich zu erfüllen mit diesem Schicksal.
    Ich sehne mich so nach „ vorher“ .


    Und dann stecken mir die letzten drei Wochen des Lebens/ Sterbens in meinen Knochen und meiner Seele.

    Diese Wochen wo wir uns nur noch anschauen konnten , nicht mehr sprechen konnten, er nicht mehr essen konnte.Aber er wollte uns nicht verlassen . Er wollte so gerne leben.

    Oh, verdammt, ich muss so sehr weinen.:33::33::33::33:

    Diese Bilder in meinem Kopf verfolgen mich. Jeden Tag.
    Ich habe Angst, dass sie unser richtiges wahres Leben überschatten und mein Kopf unser echtes Leben verdrängt.


    Viel hier von euch sind nach langer Zeit immer noch nicht angekommen, in diesem neuen Leben.


    Ich will dieses SCH…. Leben nicht. Warum putzen, sich selbst herrichten?
    Obwohl mein Schatz es gar nicht immer so wichtig fand, dass alles schön und sauber war. Ich es zumeist doch immer auch für mein Wohlsein getan habe. JETZT finde ICH es auch nicht mehr wichtig. :13::13:


    Also warte ich ab . Aber auf was warte ich ab ?


    Ich grüße euch alle . Jeden einzelnen hier, die wir in einem Forum Platz genommen haben, wo wir nicht sein wollten :30::30::30::30::30::30:

    Bärbel

  • Liebe Bärbel,

    dieses komplette Blockiert sein ist eins der schlimmen Merkmale der Trauer für mich.

    Alles was mir vorher Freude bereitet hat, das Zeichnen, Lesen, Computer spielen, kochen, backen, das Haus dekorieren zu Feiertagen.

    Alles womit ich mich vorher alleine beschäftigen konnte, wofür mir meistens sogar die Zeit zu kurz war, weil immer dringendere Dinge zu erledigen waren, das ist jetzt nicht mehr möglich und total irrelevant.

    All die schönen Dinge kann ich jetzt, wo ich genug Zeit dafür hätte nicht mehr tun oder gar genießen.

    Alle Strategien der Problembewältigung die vorher für mich gut funktionierten greifen nicht mehr.

    Mein komplettes altes Leben steht für sich alleine, ist nicht mehr greifbar, nicht mehr durchführbar und obwohl ich wenigstens immer in der Lage war die notwendigen Schritte zu setzten und die unumgänglichen Dinge zu tun, also durchaus in der Lage bin gut für mich selbst zu sorgen, ist alles was für mich ein lebenswertes Leben bedeutet komplett ausgelöscht und muss neu erfunden werden.

    Ich lebe von Tag zu Tag, folge so gut es geht meinem Bauchgefühl und entwickle neue Überlebensstrategien.

    Es ist möglich weiterzuleben und sich selbst in gewisser Weise neu zu erfinden.

    Es ist möglich, aber es tut unbeschreiblich weh und das für sehr lange Zeit.

    Trotzdem habe ich das Gefühl dass ich mich auf einem Weg befinde und nicht im Stillstand.

    Und das gibt mir die Hoffnung dass dieser Weg irgendwann in ein neues Leben führen wird, so wie es von denen, die diesen Weg vor uns gegangen sind beschrieben wird.

    Es ist viel Vertrauen nötig, Vertrauen, das ich mir ebenfalls mühsam erarbeiten muss, Schritt für Schritt.

    Es gibt viele Rückschläge.

    Aber manchmal merke ich schon, dass es leichter wird, bevor eine neue Schwere mich wieder niederdrückt.

    Manchmal gibt es sogar schon wieder schöne Momente, auch wenn sie alleine im luftleeren Raum zu schweben scheinen.

    Also liebe Bärbel, hab Geduld, gib dir die Zeit die du brauchst um herauszufinden wie das Leben danach funktionieren könnte.

    Es wird besser, das kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen.

    Und den Rest werden wir auch noch schaffen irgendwie.

  • Tigerlily

    Liebe Gabi

    Ich danke sehr für deine Worte.
    So sehr finde ich mich in dem Beschriebenen wieder.

    Warum kann ich die Dinge , die ich doch sonst auch alleine getan habe nicht mehr tun ?
    Ja, wie gerne habe ich unser Haus schön gemacht, heimelig . Das hat mir Freude bereitet.


    Musik hören , Podcasts hören , beim putzen, beim kochen , beim Backen.
    Mit Freundinnen mal ins Kino. Auch allein. Das war nicht schlimm. Denn man war ja auch noch ein eigenes Individuum.

    Jetzt fällt es mir schwer Menschen aus meinem „alten Leben“ „zu mir zu lassen“ .
    Das Leben läuft weiter bei denen, sie haben Stress mit dies und jenem.
    Ich dachte das „früher“ auch. Stress zu haben , dies noch , das noch.
    Was für ein Irrsinn.

    Aber ich wusste , da kommt jemand nach Hause. Jemand der sich freut , wenn es was leckeres zu essen gibt, der gerne Kuchen geschleckert hat.
    Süßes und Schlappriges, aber auch Deftiges. Alles mochte er. Mein lieber Schatz.

    Der Schmerz und die Sehnsucht sind so groß.


    Jeder hier kennt diesen Schmerz, den man zuvor gar nicht wusste, dass es ihn in dieser Weise gibt.
    Unbeschreiblich, nicht erklärbar. Und doch wissen viele was ich meine.

    Ich nehme diesen Schmerz an und ertrage ihn. TRAUER IST LIEBE.

    Herzliche Grüße Bärbel


    Auch liebe Grüße an alle Mitlesenden




  • Liebe Bärbel,


    Tigerlilly hat dir ja schon wunderbare Worte geschrieben...


    Ich wollte dir noch etwas sagen zu den schlimmen Tagen, die zu schlimmen Bildern im Kopf werden... sie lassen nach, also das Entsetzen darüber das wie ein Film abläuft und dich vor Herzschmerz zerreißt, natürlich melden sie sich wieder gerade wie sie wollen... sie verschwinden nicht, aber das Entsetzen wandelt sich, zumindest bei mir, in ein liebevolleres betrachten...

    Und diese eure schlimmsten Tage, werden es nicht schaffen euer schönes Leben in den Hintergrund zu drücken... Niemals

    Pia 🥀

  • Liebe Pia


    ich danke dir <3 ich nehme die tröstenden und Hoffnung machenden Worte gerne an und wünsche mir und allen Trauernden dass dieser donnernde Schmerz leichter wird.
    Noch habe ich zu sehr die Bilder des qualvollen Sterbens und des Abschieds von 3 langen Wochen in mir.


    Herzlichst :*

    Bärbel

  • Liebe Bärbel,

    Ich habe dein Wohnzimmer gerade gefunden, und begrüße dich in diesem Forum, wo keiner von uns sein wollte.


    Ich muss zugeben, das ich mir immer etwas schwer tue, beim Lesen der Schicksale der " neuen" hier , weil ich dann immer an meinen Beginn erinnert werde, und plötzlich ist dann alles wieder so nah, so gar nicht schon fast zwei Jahre her. Deine Worte sind sehr aussagekräftig, und beschreiben wunderbar genau das was auch ich gefühlt habe, und zeitweise noch immer fühle. Gaby hat es eben so genau richtig geschrieben. Wir sind nur schon länger da,aber es tut immer noch weh.


    Ich lese oft hier, das es leichter wird. Ich finde es wird anders. Leichter nicht.

    Man lernt es zu ertragen. Die meiste Zeit zumindest.


    Aber das ist bei jedem anders warscheinlich.


    Sei willkommen, und dir Gewiss, irgendwer hört dir immer zu, hier bei uns.


    Herzlichst

    Renate

  • Liebe Bärbel,


    euren Leidensweg und die Bilder die dich beherrschen wollen erst mal irgendwie ein Stück verarbeitet werden... es ist wie ein Schreckgespenst an das man sich langsam gewöhnen muss, damit es mit der Zeit seinen Schrecken wenigstens etwas verliert...

    Alles Liebe Pia 🥀

  • Liebe Renate ,


    Danke dir , dass du bei mir reinschaust.

    Aber ich kann das auch total nachvollziehen wenn dir die Leidensgeschichten der „Neuen“ dann wieder einholen.


    Das würde mir wohl mit Sicherheit auch so gehen.
    Soviel Schicksale habe ich versucht quer zu lesen.
    Bei jedem Einzelnen spürt man den tiefen Schmerz und man leidet mit .
    Nur wer diesen Schmerz kennt, kann ihn verstehen.


    Schön , dass du uns „Neuen“ trotzdem die Chance gibst Teil der Community zu werden.


    Lieben Gruß

    Bärbel

  • Liebe Bärbel,

    die Trauer der Verlust verändert uns von der ersten Sekunde an. So sehr wir uns unser Leben und vor allem unsere Lieben zurückwünschen.

    Dieser Wunsch bleibt unerfüllt.

    Uns bleid nur mit dem was von unserem Leben übrig ist zu arbeiten in der Hoffnung einmal damit zurecht zu kommen

  • Liebe Steffi


    Leider ist das so. Wir müssen , ob wir wollen oder nicht. Ob es uns schwer fällt oder nicht.
    Nichts ändert sich.
    Trotzdem. Ich weine immer sehr viel. Ich weine morgens. Ich weine abends. Und zwischendurch bin ich verzweifelt.

    Aber ich MUSS klarkommen.


    Herzlichen Gruß Bärbel

  • Liebe Bärbel, ich weiß noch gut wie schlimm es mich am Beginn getroffen hat, zu lesen, das es da Mitglieder im Forum gibt, die Zeit, oder drei Jahre schon Trauern. Und ich dachte mir. Was so lange dauert das, so lange der Schmerz in meiner Brust, das nach Atem ringen, das weinen, das , bitte lass das nur einen Traum sein, das leiden und die Sehnsucht nach Berührung, nach meinem Leben. Es ist so , wie Gaby es geschrieben hat. Wir suchen einen Anfang ein anderes Leben, alles neu erfinden müssen wir, und das wollen wir eigentlich ja nicht, unser Leben war doch perfekt, und doch es ist weg. Der Grund ist nicht der, das ich die neuen hier nicht ertragen kann, sondern das ich befürchte ihnen die Hoffnung zu nehmen. Es gibt sehr viele hier die es geschafft haben, und die ein gutes wenn auch nicht gleiches leben führen. Ich gehöre nicht dazu. Ich kämpfe noch. Noch immer.

  • Liebe Bärbel, ich weiß noch gut wie schlimm es mich am Beginn getroffen hat, zu lesen, das es da Mitglieder im Forum gibt, die Zeit, oder drei Jahre schon Trauern. Und ich dachte mir. Was so lange dauert das, so lange der Schmerz in meiner Brust, das nach Atem ringen, das weinen, das , bitte lass das nur einen Traum sein, das leiden und die Sehnsucht nach Berührung, nach meinem Leben. Es ist so , wie Gaby es geschrieben hat. Wir suchen einen Anfang ein anderes Leben, alles neu erfinden müssen wir, und das wollen wir eigentlich ja nicht, unser Leben war doch perfekt, und doch es ist weg. Der Grund ist nicht der, das ich die neuen hier nicht ertragen kann, sondern das ich befürchte ihnen die Hoffnung zu nehmen. Es gibt sehr viele hier die es geschafft haben, und die ein gutes wenn auch nicht gleiches leben führen. Ich gehöre nicht dazu. Ich kämpfe noch. Noch immer.

    Umso schöner , dass wir trotzdem einander ein wenig Trost und Verständnis und Zuhören können


    Danke dir :30: