Vor zwei Tagen ist Papa gestorben

  • Loewenherz69 unser Sohn ist gerade zum ersten Mal krank und die letzten 2 Tage war ich dadurch so abgelenkt, dass ich Papas Tod zeitweise sogar vergessen habe!Ich war so auf den Kleinen fixiert, da hatte tatsächlich sonst nix Platz.Es ist nix sooo Schlimmes, eine Bronchitis, aber beim ersten Mal ist es doch aufregend und man sorgt sich. Heute geht es ihm besser und direkt rollen wieder Tränen bei mir.Ich stelle mir immer wieder vor wie Papa mich zur Begrüßung umarmt, wie sich das angefühlt hat.Und habe Angst, dieses Gefühl zu vergessen. Generell etwas von ihm zu vergessen, das will ich nicht!


    Klar, alles Schöne fühlt sich gerade nur halb so schön an, alles hat seine Strahlkraft verloren.Ich habe noch keine Freude an meinen Hobbies gefunden, kann mich nicht zum Sport aufraffen obwohl ich weiß dass es guttut und auch der Seele hilft. Das Einzige, worauf ich mich fokussieren kann sind Bücher und ein wenig Gartenarbeit, dabei komme ich auf andere Gedanken.


    Geben wir uns Zeit<3

  • Verständlich die Sorge um deinen Sohn und das dich das abgelenkt hat.. schön, dass es ihm bereits besser geht.. weiterhin gute Besserung!


    Nun geht es ihm etwas besser und deine Tränen rollen wieder..

    Daran sieht man, dass sich die Trauer scheinbar wirklich ihren Weg bahnt..

    Selbst habe ich auch den Eindruck.. Mal geht es mir zwei Tage etwas besser und ich denke, es geht bergauf und am dritten Tag schlägt die Trauer wieder mit voller Wucht zu und reißt mich richtig zu Boden..


    Ich kann verstehen, dass du Angst hast zu vergessen.. auch ich habe Angst davor.. auch z.B. davor, dass ich seine Stimme vergessen könnte!

    Im Internet fand ich ein Erinnerungsbuch in dem man die Erinnerungen niederschreiben kann.. vielleicht bestelle ich es irgendwann.. so könnte ich zumindest bestimmte Sätze und Erinnerungen usw. schriftlich festhalten, falls ich diese jemals vergesse..


    Schön, dass du zumindest durch Gartenarbeit und das Lesen auf andere Gedanken kommst.. mir hilft meistens ein langer Spaziergang..


    Ja, wir sollten uns Zeit geben.. unsere Väter waren unser ganzes Leben an unserer Seite und nun ist es leider nicht mehr so.. um das zu verarbeiten benötigt man sicher eine lange Zeit!

  • Gerade bin ich total krank und einfach nur kaputt…natürlich muss ich mich trotzdem um mein Baby kümmern, auch wenn ich es kaum aus dem Bett schaffe. Mein Kopf ist so dicht und schon wieder habe ich das Gefühl, dass ich überhaupt nicht zum Trauern komme.
    Dafür denke ich heute viel darüber nach, was mein Papa mir wohl mitgegeben hätte, wenn wir uns hätten verabschieden können. Er war ja ein sehr interessierter und wissbegieriger Mann, leider auch oft etwas bequem. Auf seiner Liste standen noch so viele Reiseziele, Orte und Veranstaltungen, die er besuchen wollte, Kurse…ganz oft sprach er von einem Museum, in dem er als Kind sehr gerne war und das er wahnsinnig gerne mal wieder besuchen wollte. Es befindet sich in der Stadt in der ich wohne, eine Autostunde entfernt von meinem Elternhaus, es wäre für ihn als leidenschaftlichen Autofahrer ein Leichtes gewesen, hinzufahren!Immer wieder hat er Dinge aufgeschoben, Ausreden gefunden. Ja, er war oft etwas bequem und hat lieber von den Dingen geträumt anstatt sie umzusetzen.


    Zum Geburtstag wollten wir ihm einen Gutschein für einen Wochenendstädtetrip schenken. Als mir die Idee dazu kam, etwa drei Wochen bevor er gestorben ist, hatte ich für einen ganz kurzen Moment den Gedanken „oder sollen wir ihm das Geschenk vielleicht jetzt schon überreichen?“ Keine Ahnung warum.Momente später meldete sich der Verstand und sagte, das sei ja Quatsch, er hätte ja bald Geburtstag…nun wird er auch dieses Abenteuer nicht erleben, wie so viele andere Dinge auch.
    Man denkt ja immer, man hat ewig Zeit. Er war 71, was ist das schon heutzutage, wo noch neunzigjährige auf Fernreise gehen. Da in seiner Familie alle sehr alt geworden sind, dachte auch ich, dass er sich noch einige Träume erfüllen kann.


    Ich glaube, er würde uns raten, bloß nichts auf die lange Bank zu schieben. Die Zeit zu nutzen und sich die Träume zu erfüllen. Die Reise- und Abenteuerlust habe ich von ihm geerbt (mein Bruder kommt eher nach unserer Mutter, die beiden zieht es nicht so in die Welt) und ich sehe es als meine Pflicht als Tochter, für ihn weiterhin die Welt zu entdecken. Er wird immer dabei sein. Und ich gebe mir Mühe, zu meiner Lebensfreude zurückzufinden. Wobei ich jetzt weiß und erlebe, dass sich Trauer und Lebensfreude überhaupt nicht gegenseitig ausschließen!


    Die Trauer ist der Preis, den wir für die Liebe zahlen<3


    Das was mein Wort zum Samstag, was mir eben gerade so durch den verrotzten Kopf geht:S


    Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende!

  • Heute bin ich mit meinem Baby zu Besuch bei meiner Mama, in meinem Elternhaus.Wir sitzen zusammen im Wohnzimmer und trinken ein Glas Wein, aber Papas Sessel ist leer.Ich lege meinen Sohn zum schlafen in Papas Lesezimmer hin, all diese Bücher…auf der Fensterbank steht sein schöner leuchtender Globus, den wir ihm erst kürzlich geschenkt haben.
    Es ist einfach unfassbar, dass er nicht wiederkommt, niemals. Meine Mutter ist tapfer, aber sie glaubt dass sie es noch gar nicht komplett realisiert hat. Ich habe das glaube ich auch nicht. Das wird mir hier im Haus einfach so bewusst…er fehlt hier einfach nur, als Mann, Papa und Opa.


    Ach Papa…ich hab Dich lieb<3

  • Liebe Elli,


    ich fühle mit Dir und kann erahnen wie es dir in deinem Elternhaus geht..

    Auch mir wird alles noch deutlicher und schmerzlicher bewusst, wenn u.a. Papas Stuhl/Couchseite leer bleibt oder auf der Terrasse sein Stuhl nicht mehr steht.. immer wieder erwische ich mich dabei zu denken, "kann doch nicht sein, dass er einfach so weg ist!"

    Es ist bei uns nun über 3Monate her, dass er uns verlassen musste..

    Es dauert lange zu realisieren und so ganz verstehe ich es manchmal noch immer nicht..bis es bei meiner Mutter irgendwie angekommen ist, dauerte es noch länger als bei mir..


    Das erfordert alles so viel Kraft..

  • Liebe Elliminelli... ❤️


    es wird wohl so sein dass ihr es noch nicht wirklich realisiert habt, dafür ist die Zeit auch zu kurz, zu viel musste organisiert und geregelt werden und man funktioniert erst einmal...


    gebt euch die Zeit und den Raum, den ihr braucht..., 🕯️❤️

  • Ja Ihr habt völlig Recht, es braucht seine Zeit. Vor allem haben wir uns ja immer nur alle 3-4 Wochen gesehen, durch Urlaube, Dienstreisen etc konnten es auch mal 6 Wochen sein.Deshalb hat sich nach seinem Tod in meinem Alltag alles erstmal wie immer angefühlt.Aber jetzt ist es ziemlich genau sechs Wochen her dass ich Papa das letzte Mal gesehen habe (zwei Wochen vor seinem Tod) und langsam bemerkt das Herz, dass da jemand fehlt, dass es Zeit wird, den Papa mal wiederzusehen…


    Aber eine schöne Sache mal:ich saß gestern noch bis ein Uhr nachts mit meiner Mutter zusammen, haben Weinchen getrunken und gequatscht. Nur wir Frauen, ohne Männer und Enkel. Natürlich hätten wir es tausend mal vorgezogen, wenn Papa dagewesen wäre, aber so einen richtigen Mädelsabend hatten wir eeewig nicht:)

  • Ja Ihr habt völlig Recht, es braucht seine Zeit. Vor allem haben wir uns ja immer nur alle 3-4 Wochen gesehen, durch Urlaube, Dienstreisen etc konnten es auch mal 6 Wochen sein.Deshalb hat sich nach seinem Tod in meinem Alltag alles erstmal wie immer angefühlt.Aber jetzt ist es ziemlich genau sechs Wochen her dass ich Papa das letzte Mal gesehen habe (zwei Wochen vor seinem Tod) und langsam bemerkt das Herz, dass da jemand fehlt, dass es Zeit wird, den Papa mal wiederzusehen…


    Aber eine schöne Sache mal:ich saß gestern noch bis ein Uhr nachts mit meiner Mutter zusammen, haben Weinchen getrunken und gequatscht. Nur wir Frauen, ohne Männer und Enkel. Natürlich hätten wir es tausend mal vorgezogen, wenn Papa dagewesen wäre, aber so einen richtigen Mädelsabend hatten wir eeewig nicht:)

    wie schön....:28:<3

  • Ja Ihr habt völlig Recht, es braucht seine Zeit. Vor allem haben wir uns ja immer nur alle 3-4 Wochen gesehen, durch Urlaube, Dienstreisen etc konnten es auch mal 6 Wochen sein.Deshalb hat sich nach seinem Tod in meinem Alltag alles erstmal wie immer angefühlt.Aber jetzt ist es ziemlich genau sechs Wochen her dass ich Papa das letzte Mal gesehen habe (zwei Wochen vor seinem Tod) und langsam bemerkt das Herz, dass da jemand fehlt, dass es Zeit wird, den Papa mal wiederzusehen…


    Aber eine schöne Sache mal:ich saß gestern noch bis ein Uhr nachts mit meiner Mutter zusammen, haben Weinchen getrunken und gequatscht. Nur wir Frauen, ohne Männer und Enkel. Natürlich hätten wir es tausend mal vorgezogen, wenn Papa dagewesen wäre, aber so einen richtigen Mädelsabend hatten wir eeewig nicht:)

    Liebe Elliminelli,


    oh ja , ich versteh dich , dass dir Papa an jeder Ecke im Elternhaus fehlt!

    Ich bin noch immer mit dem Ausräumen Mamas Wohnung beschäftigt und bin daher sehr viel in der Wohnung und erwarte immer ,dass sie ins Zimmer kommt. Leider nein 😥 und in jeder kleinsten Ecke soooo viele Erinnerungen ,schön aber auch sehr emotional 😥


    Das ist wirklich schön ❤️, dass deine Mutter und du so einen herrlichen Abend hattet , das tut gut !

    Alles Liebe ❤️

  • MichaelaH das mit dem Ausräumen kann ich sehr gut verstehen. Das steht bei uns auch noch an, es müssen ja die Sachen von Papa und Opa entsorgt werden, da meine Eltern und Großeltern unter einem Dach gelebt haben und es ist ein wirklich großes Haus.


    Sie haben uns wirklich einige Schätze hinterlassen und ich finde, daran kann man sich ruhig auch erfreuen! Ich trage jetzt eine Uhr von meinem Vater und Opa hatte eine vol eingerichtete Werkstatt, die wir aber weitgehend so lassen, ich werde sie sicher manchmal nutzen.

    Irgendwann freut man sich bestimmt an den tollen Dingen, die man von seinen Lieben überlassen bekommen hat. Das wünsche ich Dir auch! Meine Mama ist bei den Dingen, an denen Papa nicht gehangen hat (Klamotten waren ihm sowas von egal) total rational und hat alles gespendet.Schwerer fällt es bei emotional besetzten Dingen wie eben seinen Uhren und Büchern und seinen geliebten Fahrrädern:(


    Aber wir bemühen uns, dass diese Dinge weiterhin in liebevollen Händen bleiben!Und die Bücher, die wir nicht mehr brauchen, werden verkauft und der Erlös geht an die Enkel, das wäre in Papas Sinne<3


    Ich wünsche Dir viel Kraft und viele schöne Erinnerungen beim Ausräumen der schönen Dinge Deiner Mama!

  • Hallo liebe Leute!


    Ich habe schon lang nicht mehr geschrieben. Der Grund dafür ist eigentlich ein Erfreulicher. Mir geht es nämlich im Alltag soweit gut. Natürlich vermisse ich Papa und denke jeden Tag an ihn und wünsche mir so sehr, dass er noch hier wäre, dass er seine Enkel und uns begleiten könnte. Aber der Schmerz ist nicht mehr so stark. Ich fühle mich gut und lebe mit dem Verlust, auch wenn die Lücke für ewig bleibt.
    Es ist einfach so, ein Baby ist der lebende Beweis dafür, dass das Leben weitergeht und der Kleine bringt uns allen so viel Freude. Auch meine Mutter zehrt so sehr von unserem Baby und dem anderen Enkelsohn.


    Meine Mutter hadert sehr damit, dass sie noch leben darf und mein Papa nicht. Sie sagt, dass sie sich immer, wenn sie sich freut oder etwas Schönes mit den Enkeln erlebt, sofort schlecht fühlt und dann oft weinen muss. Ich sage ihr ganz ganz oft, dass das Quatsch ist, dass sie sich reinen Herzens fröhlich sein darf. Dass Papa es genauso wollen würde und dass sie sich freuen soll über schöne Momente. Aber andererseits verstehe ich sie gut.


    Ich weiß ja, dass es kein falsches Trauern gibt. Und dass die Art wie man trauert, nichts darüber sagt, wie lieb man den Menschen hat. Trotzdem fühle ich mich manchmal schlecht, eben weil es mir so gut geht. Denke dann, es ist doch erst zwei Monate her und ich müsste mich „anders“ fühlen. Aber ich kann es doch nicht ändern und warum sollte ich? Natürlich spüre ich das Vermissen unterschwellig, gerade wenn mich etwas ganz doll an Papa erinnert. Aber soll ich dann alles stehen und liegen lassen und mich in die Traurigkeit fallen lassen?Das ist für mich nicht der richtige Weg. Lieber spreche ich viel über ihn und halte ihn so lebendig. Doch das schlechte Gewissen ist einfach oft da.

    Zum Friedhof habe ich es noch nicht geschafft, dafür fühle ich mich irgendwie noch nicht bereit. Ich hoffe, Papa verzeiht es mir.


    Wenn ich bei meiner Mama war, kommen die Tränen dann aber doch.Spätestens wenn ich wieder zuhause bin, oft noch im Auto.Dort in meinem Elternhaus ist er einfach noch so präsent und ständig erwarte ich, ihn am Küchentisch zu sehen mit seiner Zeitung. Im Spielzimmer, das er für seine Enkel eingerichtet hat, steht sogar noch ein kunstvoller Legoturm, den er für meinen Neffen gebaut hat. Meine Mama putzt sorgsam drum herum.


    Es kann natürlich sein, dass mein turbulenter Alltag die Trauer etwas unterdrückt bzw ich ein wenig auch verdränge, weil ich so viel Freude habe mit meiner eigenen kleinen Familie. Mein Bruder (Psychologe) sagt, dass Verdrängung in gewissem Maße auch wichtig sei und zum Trauerprozess dazugehört. Ich nehme mir vor, mit meinen Freundinnen wieder mehr über meine Gefühle zu sprechen und hier zu schreiben, das hilft mir sehr und da kommen dann doch immer wieder Emotionen hoch…aber ich versuche auch dankbar und froh zu sein, dass ich doch gut mit Papas Tod umgehen kann und scheinbar stärker bin als ich dachte.

    In meinem Herzen wird er immer sein, jede Sekunde. Das ist klar<3


    Ich wünsche Euch allen einen guten Tag mit Euren Lieben, die immer an Eurer Seite sind:5:

  • Liebe Elliminelli,

    Du bist genau so richtig wie du bist und es ist deine Art, mit dem Tod deines Vaters umzugehen und zu trauern. Freu dich über deine Stärke, über deine kleine Familie, über alles, was dir und euch geblieben ist. Ich hab mich sehr gefreut von dir zu lesen!

    Alles Liebe

    Sabiene

  • Hallo Elliminelli,


    genau, es gibt kein Rezept/Vorschrift wie man richtig trauert. Es ist doch schön , wenn es dir im Alltag auch gut geht und du dich an deinem Baby , an deiner Familie erfreust ❤️

    Und irgendwann kommen eh wieder die Emotionen hoch. Ich glaube auch , dass dein Abstand zum Elternhaus dazu beiträgt, dass dir der Alltag leichter fällt , dein Papa ist , wie du schreibst im Elternhaus einfach überall präsenter. Ich find das sehr berührend , dass deine Mama um den Legoturm herum putzt ❤️


    Ja, in der Arbeit usw arbeite ich auch mit der Verdrängung, sonst würde es im Job nicht funktionieren und ich glaub , ohne Verdrängung würde man durchdrehen!
    Bzw wenn der Gedanke wieder hochkommt , dass ich meine Mama NIE mehr wiedersehe , versuche ich manchmal den Gedanken schon nach dem ersten Wort „abzuschneiden „ da ich dieses „nie wieder“ sehr schwer aushalte 😭😭


    Alles Liebe ❤️
    Michaela

  • Sabiene ich danke Dir für Deine Worte, wirklich. Es ist einfach immer wieder gut, zu hören dass man mit allem was man fühlt okay ist.


    MichaelaH Dee Legoturm macht mich tatsächlich sehr traurig.Mein Papa hatte so viel Freude daran, mit meinem Neffen Lego zu bauen und nun - da ist es wieder - wird er es nie wieder tun.
    Es fällt schwer, die Endgültigkeit zu akzeptieren finde ich. Der Kopf hat es vielleicht verstanden, aber das Herz hofft wahrscheinlich einfach noch weiter. Aber ich finde es völlig okay, wenn Du den Gedanken nicht zuende denkst!So banal es klingt, hier hilft glaube ich nur die Zeit. Es braucht Zeit, bis das Herz auch verstanden hat, dass die geliebte Person nicht wiederkommt und die Zeit sollten wir uns geben. Da muss man sich nicht zwingen nach dem Motto „ich MUSS es jetzt aber akzeptieren!!!“ Bei Dir ist es der Gedanke, den Du stoppst, bei mir sind es das Grab und die Todesanzeige. Beides ist so ein Zeichen für die Endgültigkeit, deshalb habe ich das Grab noch nicht besucht und die Todesanzeige noch nicht angeschaut. Alles zu seiner Zeit.


    Bis es soweit ist und man es wirklich mit jeder Faser und mit ganzem Herzen realisiert hat (wenn das überhaupt jemals passiert, ich weiß es nicht), muss man einen Weg finden, mit dem Verlust zu leben…ich hoffe, meinen Weg bald guten Gewissens gehen zu können, mit Papa ganz fest in meinem Herz!

  • Hallo liebe Elliminelli ,

    schön von Dir zu hören und vor allem zu lesen, dass es Dir besser geht :) so wie Du schreibst, bist Du sehr stark und hast schon viel Trauerarbeit hinter Dir gelassen. Der Tod von meiner Mama ist jetzt 4 Monate her und bei mir bessert es sich auch ganz langsam. Ich weine nicht mehr jeden Tag, ich kann wieder im dunklen Wohnzimmer sitzen (vorher musste ich immer irgendein Licht an haben, ich konnte die Dunkelheit nicht ertragen) und vor allem schlafe ich besser. Es freut mich, dass es Dir ähnlich geht und ich verstehe auch Deine Gedanken, dass Du oder Deine Mama ein schlechtes Gewissen habt. Ich hab es auch. Dieses Gefühl gehört wohl auch zur Trauer dazu. Man selbst ist dankbar, am Leben zu sein und gleichzeitig schämt man sich, wenn man mal wieder etwas sehr lustig findet und laut lachen kann. Vor allem, wenn Dein Baby Euch so viel Freude bereitet, wird man immer daran denken. Warum darf ich das erleben und der andere nicht?


    Wie Du schon schreibst, es gibt keine richtige oder falsche Trauer. Nur weil man nicht mehr jeden Tag zusammenbricht, heißt das nicht, dass alles vergessen ist. Das werden wir nie vergessen, man geht nur anders damit um. Unsere Lieben werden immer in unseren Herzen sein. Ich habe nach 4 Monaten irgendwie akzeptiert, dass diese traurige Geschichte nun ein Teil von mir ist. So eine tief traurige Situation verändert einen selbst. Ich bin zwar auch noch lange nicht auf dem richtigen Weg, aber es wird besser und das ist doch gut so. Wir sollten uns ruhig erlauben, auch wieder glücklichere Tage zu haben. Das hätten unsere Eltern nur so gewollt. Wie gesagt das heißt ja nicht, dass wir nicht mehr traurig sind, sondern dass wir vielleicht diesen traurigen Teil akzeptiert haben.


    Dass Du es noch nicht zum Friedhof geschafft hast ist doch auch in Ordnung so. Ich kenn das gut, ich mag auch nicht gerne dorthin gehen, aber ich musste es in der letzten Zeit, da ich mich um einen Grabstein kümmern muss und die Blumen, die noch von der Beerdigung am Grab waren, mussten ausgetauscht werden. Das habe ich mit meinem Mann zusammen gemacht. Die Todesanzeige kann ich auch nicht lesen, wie Du schon sagt, da es ist so "für immer". Mach das, was Dir gut tut und hab kein schlechtes Gewissen. Ich arbeite auch daran.


    Wünsche Dir und Deiner Familie alles Liebe <3