Posts by Sie sind gegangen

    Guten Morgen,

    gestern las ich in anderen „Wohnzimmern“einige von mir verfasste Beiträge unter dem Namen Medina.

    Mein eigenes Wohnzimmer ließ ich im letzten Jahr löschen.


    Fast jeden Tag betreten zutiefst trauernde Menschen das Forum neu.


    Als ich es 2018 betrat,bekam ich Ansprache,mir wurde vermittelt,es hört mir immer jemand zu.

    Es gibt und gab so viele Schicksale.


    Nun hab ich mich verändert,ich hatte mich erst unbewusst,dann bewusst dem veränderten Leben zugewandt.

    Das langsame Sterben meines Mannes hat mir auch seinen Kampf um sein Leben gezeigt.

    Ich glaube,dass ist der Grund warum ich dieses veränderte Leben angenommen habe.


    Das Leben in meiner Familie geht weiter.Die Jahreszeiten,die Geburtstage, Einschulungen,Feiertage,liebgewonnene Menschen sterben,andere Verluste ,alles läuft unerbittlich weiter.


    Was hat sich verändert?


    Ich habe mich verändert, meine Trauer hat sich verändert .

    Es hört sich seltsam an,ich bin an der Tragödie auch gewachsen.

    Ich habe festgestellt,ich konnte viele Steine selbst wegräumen,die mir in den Weg gelegt wurden.

    Ich habe festgestellt,Trauer will allein durchlebt werden,ich glaube sie ist für jeden Menschen einzigartig.

    Es hilft aber sehr,wenn es eine Schulter zum Anlehnen und ein Ohr zum Zuhören gibt.

    Mir hat es immer geholfen,dass jemand mein Jammern kommentarlos ertragen hat.


    Alle schönen Dinge,die ich vorher so selbstverständlich gesehen und angenommen habe,betrachte ich heute anders.


    Ich habe inzwischen sehr viele positive Dinge erlebt,Menschen sind in mein Leben getreten,mussten es auch wieder verlassen.Ich habe Reisen gemacht.

    Meine Trauer hat sich überwiegend in Wehmut verwandelt.

    Mein gestriges Leben beeinflusst mein jetziges Leben mit Erinnerungen.

    Ich lebe im Heute.

    Dieses Heute ist nicht mehr bestückt mit der Frage ,was denken andere Menschen über mich!!


    Ich habe mein Liebstes verloren,habe meine verbliebene Kraft gebündelt und lebe jetzt so,wie es mir möglich ist.Ich verschwende keine Gedanken mehr daran,was andere von mir halten.

    Sie dürfen in meinen Zug einsteigen,sie dürfen ihn auch jederzeit verlassen.

    Auch in diesem Forum ist es möglich,private Kontakte zu schließen.Vielleicht gehen wir mit Menschen,die ähnliches erlebt haben,toleranter um.


    Ich habe festgestellt,es gibt immer dunkle Regentage,da weine und hadere ich natürlich mit meiner Situation.Aber mein Liebster ist bei mir,ich komme immer wieder aus diesem Loch heraus.

    Ja,auch heute ist es noch kräftezehrend,aber es ist richtig so.


    Habt einen ruhigen Tag,

    Karin


    Guten Morgen,

    ich möchte mich zu diesem Thema äußern.

    Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit habe ich einige Menschen begleitet,bis sie über die Schwelle traten.

    Sie waren ruhig. Nach dem sie gestorben waren,wirkte die Stimmung in den Zimmern verändert.

    Es war friedvoll,der Mensch hatte einen völlig entspannten Gesichtsausdruck.

    Nun zu meinem Mann.

    Wir waren gemeinsam für zehn Tage im Palliativzimmer. Wir fühlten uns sehr wohl dort. Dann entschied ich mich trotzdem mit den Ärzten ,wir gehen gemeinsam nach Hause.

    Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich immer mehr.

    Ich glaube,den Todeszeitpunkt bestimmt der Sterbende selbst.

    Ich glaube und so habe ich es mehrmals erlebt,der Sterbende möchte seinen letzten Gang allein machen.

    Ich habe erlebt,einige Stunden vor dem Tod wird nochmals Kraft gebündelt um sich in irgend einer Form verabschieden zu können.

    Mein Mann starb in unserem Wohnzimmer in seinem Pflegebett.Ich hatte mittags auf dem Sofa geschlafen,trat dann an sein Bett,sprach mit ihm.Erklärte ihm,ich müsste zur Toilette und ginge kurz an den Rechner.

    Da er immer sehr laut schnarchte,wurde ich durch die Stille aufmerksam,er ist gegangen.Er hat sich genau diesen Moment ausgesucht,als ich den Raum verlassen hatte.

    Jetzt etwas Seltsames,ich fühlte mich ummantelt,als wenn er den ganzen Raum mit seiner Liebe für mich gefüllt hätte.Als mein Sohn nach ca. einer Stunde kam,machte er die Balkontür auf,sagte:Papas Seele muss jetzt auch gehen


    Die Bücher und Videos auf YouTube von Elisabeth Kübler Ross habe ich gelesen und gesehen.

    Ich glaube ,sein weltlicher Körper ist gegangen,seine Seele ist und bleibt immer bei mir.

    Ich merke immer wieder ,mir wird geholfen.


    Angst vorm Sterben,nein die habe ich nicht.Es war ein friedvolles Geschehen,ich werde von meinem Liebsten erwartet.

    Das glaube ich sicher.


    Kommt gut durch den Tag,

    Karin

    Liebe Birgit,

    ja ich mag diese Leuchtkraft des Ahorns, er hat zu jeder Jahreszeit eine andere Farbe.



    Liebe Gaby,

    bislang sind mir noch keine Dinge vom Grab gestohlen worden.Ich wünsche mir,dass es so bleibt.

    Als das Herz einbetoniert wurde,meinte mein Sohn,wer das ausgraben will,dem sollen die Finger abfaulen.


    Habt einen ruhigen Tag,

    Karin

    unsere Lieben denn sie gehen jeden Tag mit uns immer.

    Guten Morgen Linchen,ja mein Liebster ist immer bei mir.

    Ich habe mich entschieden,in der Gegenwart zu leben.

    Meine Vergangenheit gehört zu mir.

    War mit meiner Freundin gestern auf dem Friedhof,wir kamen auf das Thema Trauer.

    Trauer....

    Glück....wir haben uns gefunden

    wir sind über vierzig Jahre gemeinsam gegangen

    wir haben gemeinsam zwei Wunschkinder bekommen.

    wir....wir....wir..

    jetzt gibt es Erinnerungen,Wehmut ,Trauer


    jetzt gibt es auch andere Freude, neue Erinnerungen.neue Erfahrungen.


    Ich bin dankbar,dass ich diese Liebe erfahren durfte.

    Ich bin dankbar,dass mein Schmerz sich gewandelt hat.

    Ich bin dankbar,dass ich es schaffe,erneut positive Dinge in mein Leben zu lassen.

    Ich bin dankbar über die Menschen ,die mein jetziges Leben bereichern.


    Ich habe gelernt,ich muss mir selber wieder gefallen.

    Ich habe festgestellt,dann mögen mich auch wieder andere Menchen.


    Nein, meine Trauer ist nicht vorbei,sie ist oft milder geworden.


    Ich will dieses Leben so annehmen,denn ein anderes habe ich nicht.


    Komm ruhig durch deinen Tag,

    Karin