Posts by Traurige1302

    Liebe Astrid,


    wieder war es mir eine ganze Weile nicht möglich, hier rein zu schauen. Lediglich in der vergangenen Woche hatte mich hier ein Beitrag sehr berührt, zu dem ich unbedingt etwas schreiben wollte. Mehr ging an dem Tag nicht, da auch das Aufschreiben immer eine kleine Reise in die Vergangenheit ist und die tut unendlich weh. Aber es war mir wichtig.


    Liebe Daniela,

    Hast du die Therapeuten und Psychologen schon?

    Oder wäre Trauerbegleitung auch möglich?

    Du hattest mich gefragt, ob ich die Therapeuten schon habe. Hier muss ich mit 'Jain' antworten. Selbst hatte ich es nicht geschafft, einen Termin beim Psychologen zu bekommen. Hier hatte mir meine Ärztin geholfen und mir eine Überweisung ausgestellt sowie mir die Nummer von der Terminvergabestelle KV gegeben. Die haben mich dann vermittelt an einen hier ortsansässigen Psychotherapeuten/Psychologen. Darauf musste ich aber dann noch 5 Wochen warten. Anfang Mai war ich dann dort. Nach ca. 1 h Gespräch eröffnete er mir jedoch, dass er jetzt seinen wohlverdienten Ruhestand antrete und mich nicht weiter begleiten kann.

    Somit habe ich das Ganze erstmal wieder "ruhen" lassen. Das bedeutet nochmal Anlauf nehmen, einen neuen Therapeuten suchen. Zuvor müsste ich mit dem Dokument, das er ausgestellt hat, nochmal zu meiner Ärztin. Ich schaffe es zeitlich allerdings nicht, da ich von 7.00 bis 17.00 arbeite. Privates Telefonieren ist da nicht erlaubt und wenn ich abends da raus komme, hat meine Ärztin nicht mehr auf und ich erreiche auch Niemanden mehr per Telefon.


    Was ich allerdings zuvor bereits gemacht hatte, war das Angebot zur Trauerbegleitung zu nutzen. Hier haben mir die Einzelgespräche sehr geholfen; die Trauergruppe (eine seit vielen Jahren bestehende) hat mir nichts gebracht. Meine Lebensgeschichte ist zu speziell, da ich 2 Menschen relativ kurz hintereinander verloren habe und meinen Partner sehr intensiv während seiner schweren Krankheit begleitet habe. Damit konnte dort keiner etwas anfangen, auch wenn natürlich viel Empathie da war. Vielleicht gehe ich in einem oder einem halben Jahr nochmal hin.


    Die von mir im März beantragte psychosomatische Reha wurde bereits einmal abgelehnt; auf meinen Widerspruch hin habe ich nach 5 Wochen erstmal einen Zwischenbescheid erhalten. Seitdem gab es keine weitere Reaktion seitens der Kasse. Im Moment forciere ich das Ganze auch nicht, da es in ungefähr 1 Monat ein einziges wunderschönes Ereignis in meinem Leben gibt - ich werde zum ersten Mal Oma. Das hatte ich extra in meinem Antrag erwähnt und ich hoffe, ich muss nicht ausgerechnet da fort bzw. würde ich da nochmal den Kontakt suchen, die Reha nochmal zu verschieben. Mir ist ja bewusst, dass ich die richtige Trauerarbeit irgendwann leisten muss. Meine Umwelt und der Arbeitgeber lassen mir dafür wenig bzw. keinen Raum.


    Mein Job und alles, was da im Moment an Schlechtem (es wird insgesamt nach einem Wechsel der Geschäftsleitung mit den Mitarbeitern dort sehr schlecht umgegangen, hat also nichts direkt mit mir, nur mit meiner Tätigkeit zu tun), lenken mich derzeit relativ gut von meiner Trauer ab. Umgedreht ist es dann zu Hause so, dass ich über diese ganzen miesen Dinge nicht nachdenke, da hier die Trauer und auch viele anderen Sachen mich davon ablenken.

    Ich will nicht sagen, dass das positiv ist, aber es lässt mich irgendwie weiterleben. Die "Löcher", in die man immer wieder fällt, werden etwas seltener. Aber sie kommen - leider immer wieder - und dann mit voller Wucht. Ist das normal?

    Am vergangenen Mittwoch war mein Schatz genau 3 Monate (= 1/4 Jahr!!) tot. Und ich vermisse ihn jeden Tag sehr schmerzlich. Ich vermisse seine Augen, sein liebes Gesicht - das trotz der schweren Krankheit kaum entstellt war, seine Hände, mit denen er manchmal wieder nach meiner Hand gegriffen hat oder er mein Gesicht gestreichelt hat. Ja, es tut immer noch furchtbar weh, auch wenn das Leben weiter geht.


    LG hier an alle und mein tiefstes Mitgefühl


    Daniela

    Liebe Chrissy,

    das was du hier geschrieben bzw. nicht geschrieben hast (nicht schreiben konntest) hat mich sehr berührt.

    Dein Schatz ist ungefähr einen Monat nach meinem "gegangen" und wie du habe ich nach Antworten und Hilfe gesucht. So kurz danach war das Lesen und Schreiben hier in einem Forum für mich gar keine Option, aber im Laufe der Wochen, in denen der Schmerz um diesen Verlust ein ständiger Begleiter ist, kann ich zumindest einige Lebens"Geschichten" hier mit lesen und habe es sogar geschafft, meine in stark verkürzter Form hier nieder zu schreiben. Das hat mir - neben dem vielen Reden in einer Trauer Begleitung (die es überall gibt), mit guten Freunden und Familie - wieder ein winziges Stück bei der Verarbeitung weiter geholfen.

    Darum glaube ich auch, dass du das in einiger Zeit schaffen kannst,

    hier deine/eure "Geschichte" zu erzählen.

    Selber mache ich gerade die Erfahrung, dass es mir ein wenig bei der Verarbeitung alles Erlebten hilft, je öfter ich darüber sprechen kann. Das geht jedoch nur mit guten Menschen im Umfeld, denen man vertrauen kann.

    Und es geht hier in Form des Niederschreibens, da hier alle Gleiches bzw. Ähnliches erlebt haben.


    Lass dir selbst Zeit und mach alles in kleinen Schritten, so, wie sie für dich richtig sind. Und das entscheidest nur du alleine.


    Ich hoffe, du hast auch gute Menschen in deinem Umfeld, die dich auffangen und ein wenig halten, damit du nicht versinkst.

    Das nicht Versinken in der Trauer und dem Schmerz ist das Schwerste, aber unendlich wichtig, um weiter zu leben und wieder ins Leben zurück zu finden.

    Auf solche Lebens Prüfungen könnte man gut verzichten, aber vielleicht haben sie einen Sinn, den man - wie bei allem anderen auch - erst viel später erkennt.


    Dir viel Kraft, damit du deinen Weg finden kannst!


    LG Traurige1302

    Ihr Lieben,

    ich danke allen für die herzliche Aufnahme hier in diesem Forum. Leider schaffe ich es oft nicht, hier herein zu schauen; ich bitte daher um Entschuldigung, wenn ich erst viel später reagiere.

    Vielleicht erleichtert es doch ein wenig, wenn man sich mit anderen Menschen, denen Ähnliches widerfahren ist, austauschen kann.

    Manchmal fehlen mir die Worte, um den "Zustand" zu beschreiben, in dem ich mich gerade befinde.

    Selbiger wechselt eigentlich ständig - nicht nur von Tag zu Tag, sondern auch von Stunde zu Stunde oder Minute zu Minute. Dann holt einen die Erinnerung so stark ein, dass es körperlich weh tut. Aber das geht sicherlich allen so?


    Da helfen auch die vielen klugen Sprüche mancher Mitmenschen nichts - wie z. B.: 'Die Zeit heilt alles' oder 'Du musst in die Zukunft schauen' oder 'Du bist doch noch jung und findest bald jemand anderen.'

    Was soll man mit solchen Sätzen anfangen? Ich denk mir dann manchmal 'Blablabla', lächle, nicke und gehe weiter.

    Es ist sicher richtig, dass die meisten Menschen es nicht böse meinen, aber sie können sich eben nicht hinein versetzen wie sich dieser Verlust anfühlt.

    Und - da ich nun 2 sehr enge und vertraute Menschen verloren habe - fühlt sich alles um ein Vielfaches verstärkt an. Man ist noch empfindlicher für unsensiblen Umgang und unsensible Aussagen.


    Auf Anraten mehrerer lieber Menschen in meinem engen Umfeld habe ich mir bereits Hilfe in Form von Trauerberatung geholt. Hier wurde mir auch bei der Beantragung einer psychosomatischen Reha- Maßnahme geholfen, welche allerdings von der Kasse erstmal abgelehnt wurde. Es läuft ein Widerspruch, aber es dauert.

    Dabei hätte ich das Weg-Sein aus dieser Umgebung, aus dem ständig laufenden "Hamsterrad" und von Menschen, die mir nicht gut tun, als Erleichterung empfunden. Ich kenne mich lange und gut genug um zu wissen, dass ich JETZT professionelle Hilfe brauche.

    Liebe Traurige,


    dein Text hat mich sehr berührt.

    Meinst du, du hättest damals nicht um das getrauert, was ihr durch die Krankheit verloren habt? Vielleicht weil du so im "Strudel" warst und funktioniert hast?

    Ich war natürlich sehr oft traurig und habe sehr viel geweint in der ersten Zeit nach der Erkrankung meines Partners. Da ich jedoch miterlebt habe, wie seine Mutter permanent an seinem Bett geweint und ihn beklagt hat (sie war fast täglich 6-10 h bei ihm), wollte ich ihm das nicht ebenfalls antun. So habe ich meine Trauer auf die Zeiten verschoben, in denen ich nicht bei ihm sein konnte und oft habe ich sie auch verdrängt.

    Später, als er seine Augen nach Monaten endlich wieder geöffnet hat, hat er immer sehr empfindlich reagiert, wenn er in unseren Augen Tränen entdeckt hat und er hat dann oft herzzerreißend geweint. Das war das Schlimmste - ihn so zu sehen.

    Vor seiner Krankheit war er ein stattlicher, großer Mann (fast 1,90 m), der mit beiden Beinen fest im Leben stand, der seine Kinder alleine groß gezogen hatte, der sein Leben alleine meisterte. Und plötzlich war er hilfloser als ein Baby.

    Ich wollte ihm Hoffnung und gute Energie geben und ihm nicht seine Kraft rauben, die er so dringend brauchte.

    Mit ihm und durch ihn habe ich gelernt, die Zeit und den Moment miteinander zu genießen. Nur dann ging es uns beiden gut und wir konnten manchmal auch wieder miteinander lachen, weil er verstand, auch wenn er nicht mehr sprechen konnte.

    Es ist furchtbar, wenn ein erwachsener Mensch, der sehr lange ohne Bewusstsein war, "erwacht" und mitbekommt, dass er rund um die Uhr Pflege braucht. Und er (und auch wir) hat/haben miterleben müssen, wie unmenschlich und unwürdig manche Pflegekräfte mit ihm umgegangen sind.

    Wir haben sehr um und für ihn gekämpft - im Sommer um jeden Tropfen Wasser, der ihm verwehrt wurde, um eine Dusche wenigstens einmal pro Woche und um sehr viele andere Sachen, die für uns Gesunde so selbstverständlich sind.

    Auch diese Erlebnisse lassen mir keine Ruhe und fördern nur weiter den Gedanken, dass er noch leben könnte, wenn ich es geschafft hätte, ihn dort raus zu holen.

    Aber mein eigenes Leben hier hat teilweise meine gesamte Energie eingefordert, meine Arbeit, die schwere Krankheit meiner Mutti, die Hilfe für meinen Vater - es war einfach alles zu viel und ich konnte nicht überall gleichzeitig sein.


    Also muss ich jetzt alles "abarbeiten" mit Hilfe von Therapeuten und Psychologen. Sonst gehe ich auch dorthin, wo mein Schatz jetzt ist und wo meine Mutti ist.


    Nochmals lieben Dank an alle, die auf meine "Geschichte" reagiert haben.


    Daniela

    Mein Schatz ist am 13.02. diesen Jahres plötzlich gestorben. Eigentlich habe ich ihn zweimal verloren - das erste Mal im September 2016, als er nach einem großen und vielen kleinen Schlaganfällen mehrere Monate im Koma lag und wir alle nicht wussten, ob er das überlebt und jetzt im Februar das zweite Mal, diesmal endgültig.


    Während der Zeit nach seiner schweren Erkrankung hätte ich eigentlich schon um unsere so plötzlich abgebrochene Beziehung trauern müssen. Aber ich habe mir das versagt, weil ich ihm so nicht hätte helfen können. Er brauchte so viel gute Energie für seine Entwicklung, die er nach dem Koma machte und jeder winzige Schritt machte mich so stolz auf ihn. Er war immer ein Kämpfer und ist es auch bis zum Schluss geblieben.

    So oft ich konnte war ich bei ihm; irgendwann konnte er mir wieder durch Blicke und Berührungen zeigen, dass er wusste, wer ich bin und dass es ihm gut ging, wenn ich da war.

    Sprechen, Essen oder Aufstehen konnte er nie wieder. Das war mir nicht wichtig; ich wollte nur bei und mit ihm sein.


    Es ist viel falsch gelaufen bei seiner Behandlung durch die Ärzte und durch Pflegepersonal und ich konnte es nicht verhindern.


    Nachdem er krank geworden war, ging es meiner Mutti immer schlechter, sie war eben ebenfalls viel im Krankenhaus und hat es am Ende nicht geschafft. Ende 2017 ist sie für immer eingeschlafen.


    Ein durch meinen Vermieter erzwungener Umzug in eine neue Wohnung, viel Hilfe für meinen Vater bei der Auflösung der Wohnung und seinem Umzug und trotz allem immer die Fahrten zu meinem Schatz und die ständige Weiterbildung bezüglich seiner Krankheit und deren Folgen sowie sein plötzlicher Tod haben jetzt bei bzw. in mir alles zerstört, an das ich immer felsenfest geglaubt habe.

    Ich bin anders, fühle mich schwer krank und habe keine Freude mehr am Leben.

    Zudem erlebe auch ich leider wenig Empathie und Verständnis, hauptsächlich bei Kollegen und Vorgesetzten, welche nicht verstehen (können und wollen), dass ich nicht mehr immer funktioniere. Das ist erschreckend und traurig.

    Ich verstelle mich an der Arbeit, lächle und lache sogar manchmal, aber in mir drin bleibt es dunkel.


    Warum kann man nicht einfach den Seelen, die gegangen sind, folgen? Das wäre am einfachsten und man müsste diesen Schmerz und die Trauer nicht mehr aushalten. Einfach einschlafen und den anderen folgen und mit ihnen sein. Dabei rede ich nicht davon, das selbst zu tun, sondern dass es von allein passiert.

    Kennt jemand auch solche Gedanken oder geht nur mir das so?