Beiträge von Kathi57

    Liebe Christine,

    Ich hab dir noch nicht geschrieben.

    Mein hherzlichst Beileid.

    Es ist vollkommen unverständlich, daß ein Kind vor seinen Eltern gehen muß. Egal wie alt, egal wie "groß". Diese so leidvolle Erfahrung teilen wir hier alle. Mein Christoph mußte mit 38 Jahren gehen. Das sind genau heute 25 Monate her. Er ist mein Einziger. Diese unglaublichen Seelenqualen überrennen mich heute noch. Es ist nicht mehr so oft wie am Anfang. Doch dieses "wwehe"ist nie weit weg. Oft reicht ein dummer Satz von einem dummen Menschen. Liebe Christine, es tut mir sehr, sehr leid das du diesen Alptraum erleben musst. Ich kann mir vorstellen, daß dein Leben viele Höhen und Tiefen bereit gehalten hat. Und jetzt mußt du das Schlimmste aushalten, was es im Leben gibt.

    Man verliert seinen Glauben, kann überhaupt nicht mit allem umgehen.

    Bitte schreib dir dein so großes Leid ein wenig von deiner Seele. Es ist alles noch so unendlich frisch.

    In liebevollen Verstehen, Kathi

    Liebe Sabine,

    auch ich bin eine verwaiste Mama, seit nunmehr 2 Jahren.

    Der Schmerz bleibt, daß Vermissen bleibt, das Heimweh genauso. Doch es bleibt auch die ganz große Liebe für unsere Kinder.

    Mein Sohn ist mein Einziger, er mußte mit 38 Jahren gehen. Es kam soviel auf einmal. Zum Schluß Koma, Sepsis, Organversagen. Innerhalb von 3 Wochen ist das alles passiert.

    Die ersten Wochen/Monate hab ich nur im abgedunkelten Wohnzimmer auf der Couch verbracht. Ich lebe alleine. Familie hab ich leider keine. Mein Sohn ist mein Ein- und Alles. Für ihn hab ich gelebt.

    Irgendwie lebe ich nun in einer Welt in der er immer um mich ist. Er ist da für mich, er ist nicht weg. Wenn man das jemand erzählt, der diesen Alptraum nicht kennt, denkt vermutlich das man verrückt ist. Doch mir hilft es zu überleben. Alle Menschen, die mir nicht gut tun halte ich auf Abstand. Die Natur hilft mir; im Wald kann ich meinen Schmerz den Bäumen geben. Und Tiere mag ich. Mein Leben ist ein anderes geworden. Und ja, auch heute kommt der Gedanke an ein " zu ihm und meinen Eltern gehen wollen" noch immer

    Ach, ich wünsche dir......das du im Moment nur einen Pfad findest, der dich weitergehen lässt. Bis du einen Weg findest, der nur für dich bestimmt ist.

    Kathi

    Liebe Carmen,

    es tut nach 2 Jahren noch immer so weh wie ganz am Anfang. Nicht jeden Tag gleich. Das hält man nicht aus. Mein Weg mit diesem Unfassbaren einigermaßen umgehen zu können, ist, daß mein Christoph immer um mich ist. Ich kann es schlecht erklären. Alles was schön ist, schickt er mir. Einen Heuschreck auf der Sonnenblume, einen schönen Schmetterling, oder einen lieben Hund, der sich streicheln lässt. Ohne diesen Gedanken das er noch da ist, würde ich durchdrehen.

    Trotzdem ist es so, wie Mel schreibt. Eine große Scheiße und verstehen kann man es sein ganzes Leben nicht.

    Lasst dich ganz lieb umarmen

    Kathi 💕

    Liebste Pia,

    Der Weg von Christoph auf deinem Bild ist wunderschön. Ich hoffe, daß er ihn so empfinden konnte.

    Jetzt wo es regnet und kühler ist, wird es dir evtl auch etwas besser gehen. Hoffentlich. Ich wünsche es dir aus ganzem Herzen. Seit 2 Jahren sind Sommer und Sonne für mich ganz schwer zu ertragen. Dann kommen diese schrecklichen Fahrten nach Gießen zum xten Male wieder.

    Jetzt kannst du mit deiner Mama noch ein wenig vom Urlaub "ratschen". Ich war als junges Mädchen oft mit meiner Mama im Urlaub. Mein Papa konnte nicht so gut mit; er hatte Probleme mit seinen Beinen. Hatte er aus dem Krieg mitgebracht.

    Meine Mutter und ich waren dann mit dem Bus unterwegs. Das war damals was Neues..... Es war immer schön.

    Für dich war es sicher anstrengend. Natürlich war es das. Doch die Zeit, die wir mit unseren Liebsten verbringen können, ist so wertvoll wie ein Schatz. Nichts kommt zurück.

    Ich wünsche dir eine Nacht, die erholsam ist für dich. Mit deinem kleinen Mex an deiner Seite.

    Schlaf schön.🌛

    Ich sehe gerade, daß ich in meinem statt in deinem Wohnzimmer geantwortet hab. Für "gut" kann man mich nicht mehr mitnehmen.

    Ehrlich.

    Liebe Karin,

    Auch ich bin eine verwaiste Mama und hänge sehr an meinem geliebten Sohn.

    Für mich ist er immer um mich. Er ist nicht weg.

    Dünnhäutig bin ich, überaus gefühlsbetont und sehr verletzlich. So wie du.

    Weißt du was ich mit den Menschen mache, die mir nicht gut tun; Ich lasse sie "links liegen". Vielleicht kommt deine empathielose Schwägerin einmal in eine Situation in der ihr ein Mensch, wie du einer bist, gut tun würde.....

    Unser Leben ist sehr filigran.

    Es kann plötzlich so schnell alles anders sein.

    Du bist stark, liebe Karin. Wir alle! Wie hätten wir es sonst so weit gebracht, ohne unsere Liebsten.

    Lieber Gruß, Kathi

    Liebe Carmen, in der Zeit bevor Christoph ins Krankenhaus kam, haben wir an einem Tag 5 Stunden miteinander telefoniert. Eigentlich wollte ich ihm sagen, daß ich losfahre zu ihm. Daraus ist dann dieses schöne Gespräch am Telefon geworden. Erinnerungen aus den letzten beiden Jahren hab ich so gut wie keine. Dafür sooo viele aus der Zeit "davor".

    Es ist einfach furchtbar, Carmen.

    Gestern abend hatte ich die Trauergruppe der verwaisten Eltern. Neben mir saß eine Mutter, deren Tochter einem Verbrechen zum Opfer gefallen war. Sie war bei jedem Prozesstag dabei. Aus Liebe zu ihrem Mädchen...

    Es gibt Dinge im Leben, die sind einfach unbeschreiblich. Man kann sie nur erfühlen. Worte gibt es keine.

    Eine liebevolle Umarmung für dich.

    Liebe Mel, liebe Ines

    Am Anfang hab ich auch bei Mutz geschrieben, im Wohnzimmer für ihren Florian. Ich war damals so unendlich froh, die Menschen hier gefunden zu haben. Ich bin es noch immer. Wenn einem so etwas passiert ist die Welt erst einmal explodiert. Wir wissen es ja alle💔

    Ach liebe Carmen, wie gut ich dich verstehe. Immer dieser Schmerz, bei allem was man macht.

    3 mal freuen ist doch wunderbar.

    Lieber Gruß, Kathi

    Liebe Ines,

    Freut mich das du mich gefunden hast.

    Mein Sohn ist inzwischen 40 Jahre und 8 Monate alt.

    Gehen musste er mit 38 Jahren. Am 16.8. diesen Jahres waren es 2 Jahre.

    Weißt du, eigentlich ist nichts anders, als vor 2 Jahren. Das Vermissen bleibt, die Sehnsucht bleibt und das Heimweh. Nicht mehr an jedem Tag gleich stark. Doch es ist immer präsent. Hilfe, im Sinne von Hilfe, gibt es keine. Ich mag die Natur (die Sonne nicht mehr so) und Tiere. Draußen fühle ich mich so eins mit allem. Da geht es. Die meisten Menschen...., naja, sind nicht mein Ding. Ich kann keine Musik mehr hören, keine Bilder anschauen und große Dialoge mit meinen Mitmenschen sind mir zuwider. Manchmal denke ich, ich lebe ein wenig in einer Parallelwelt. In der ist mein Christoph lebendig. Da kann ich mit ihm reden und er fährt überall mit mir hin wenn er möchte. Niemals hätte ich mir ein Leben ohne ihn vorstellen können. Er ist mein einziges Kind.

    Jeder Tag ist eine Herausforderung geworden. Jeder Morgen ist nach wie vor eine Qual für mich. Am Anfang nach dem Weltuntergang hätte ich nicht gedacht das ich es überlebe. Erinnerungen aus den letzten beiden Jahren hab ich wenige. Aus dem Leben mit Christoph jede Menge.

    Ach Ines, gerne würde ich dir etwas positives schreiben. Doch da ist nichts.

    Darüber reden, oder wie hier, schreiben macht es etwas leichter.

    Versuch es.

    Lieber Gruß Kathi

    Liebe Ines,

    Schau mal unter 'Verlust eines Kindes' nach. Da gibt es u. A. eine Überschrift "mein Herz ist bei dir". Das bin ich und da kannst du, wenn du möchtest, schreiben.

    Lieber Gruß, Kathi

    Liebe Carmen,

    Unsere Söhne sind nicht weg. Sie schauen nach uns. Ganz bestimmt. Etwas anderes kann ich nicht denken. Dieser Gedanke hält mich ein wenig.

    Unfassbar bleibt es trotzdem.

    Kathi