Beiträge von Dani

    Hallo Ihr Lieben!


    Ich finde die Frage von Tina ganz interessant, zumal ja sowieso jeder Mensch anders mit dem Thema umgeht. Es ist schön zu lesen, dass jeder von Euch die Besuche am Friedhof so legt, wie ihm danach ist. Das zeigt, dass es hierfür keine "starren Regeln" gibt.


    Ich persönlich habe die Feststellung gemacht, dass mein Bedürfnis am Grab zu stehen praktisch nicht vorhanden ist bzw. stark davon abhängt, wie nah mir derjenige war bzw. ist, der gegangen ist. Außerdem spielt dabei sicher eine Rolle, ob der Tod eine "Erlösung" von einer Krankheit oder das überraschende Ende eines jungen / gesunden Lebens war.


    Gestern z.B. hatte meine Arbeitskollegin genau vor einem Jahr ihren Kampf gegen den Krebs verloren. Ich bin mit einer anderen Kollegin an Hannis Grab (ca. 10 km entfernt) gefahren. Wir haben ihr Blumen gebracht - im Namen der ganzen Belegschaft. Ich stand dann so mit meiner Kollegin am Grab und ich hatte einen Flashback, wie es vor einem Jahr war, als wir sie zu Grabe trugen. Ich sah förmlich die ganze Belegschaft am Friedhof stehen. Alle waren - entgegen ihrer sonstigen Art - sehr still, in sich gekehrt und weinten stumme Tränen. Auch unsere - ansonsten so maulstarken - Männer waren kaum wieder zu erkennen. Man konnte jeden unserer Chefs beobachten, wie er sich verstohlen die Augen wischte. In genau diesem Augenblick, als der Pfarrer seine Rede am offenen Grab hielt, waren wir alle echt. Echt im Sinne von keine Rolle spielen, keine Maske tragen; pure Emotion eben. Wir waren hier zusammen, um eine liebe Kollegin (die ich 15 Jahren lang, also mein halbes Leben kannte) zu verabschieden. Ich weiß noch, dass es ein wunderschöner Tag war, die Sonne schien und Vögel flogen am wolkenlosen Himmel über den Friedhof. Obwohl ich traurig war, wußte ich doch, dass Hanni endlich ihren Frieden gefunden hat und wieder mit ihrem Mann vereint ist. Entsprechend fahre ich - für meine Verhältnisse oft - an ihr Grab.


    Wenn ich aber an unseren im Mai letzten Jahres verstorbenen Freund Dirk oder meine Oma (sie ist vor ca 1 1/2 Jahren gestorben) denke, sieht die Sache ganz anders aus. Ich habe überhaupt kein Bedürfnis, ihr Grab zu besuchen. Wenn ich es dann doch - einer inneren Eingebung folgend - tue, dann wird mir immer noch die Kehle eng, sobald ich den Friedhof betrete. Und wenn ich mich dann zum richtigen Grab gequält habe, fühle ich nichts Gutes oder Befreiendes. Im Gegenteil. Wenn ich vor dem Grab stehe habe ich das Gefühl, dass Dirk oder Oma genau an diesem Punkt der Welt am weitesten von mir entfernt sind. Dieser Platz spiegelt nichts von dem wieder, was sie für mich bedeutet haben. Mir gibt es keinen Frieden, ihre letzte Ruhestätte zu besuchen. Alleine ihre Namen in den Grabstein gemeißelt zu sehen scheint so falsch und reißt mit brachialer Kraft die langsam verheilenden Wunden auf. Und es ist jedes Mal fast so, als wäre es gestern gewesen. Das Problem ist, dass dieses Gefühl, der sich mit aller Macht einen Weg an die Oberfläche drängenden Trauer mit ihren ständigen Begleitern Unverständnis, Angst und Dauergrübeln über Tage / Wochen anhält.


    Vielleicht gibt mir eines Tages der Besuch der Gräber doch Kraft. Und dann werde ich meine Besuche sicher nicht mehr auf Geburts- oder Todestag beschränken.

    Hallo Hoffnung!


    Ich wünsche Dir viel Kraft und Geduld, Dir selbst die Zeit zu geben, die Du brauchst. Ich glaube, dass vor allem auch die Zeit uns hilft, den Verlust zu realisieren und letzten Endes zu akzeptieren.


    Ich selbst habe in den letzten 1 1/2 Jahren meine Oma, eine Arbeitskollegin und einen sehr sehr guten Freund verloren. Meine Oma und unser guter Freund starben völlig unerwartet. Es ging also keine Krankheit voraus, die mir bewusst gemacht hätte, dass ich mich mit dem Gedanken eines Abschieds für immer anfreunden müsste. Meine Oma habe ich nicht mehr gesehen. Ich war zu schwach, sie zu sehen. Ich hatte zu viel Angst, dass mich ihr lebloser Anblick nie mehr loslassen würde. Ich dachte, ich möchte sie so in Erinnerung behalten, wie sie zu Lebzeiten war.


    Meine Arbeitskollegin hatte über 10 Jahre lang gegen den Krebs gekämpft. Als sie ihren Kampf verloren hatte, war ich geschockt. Ich wusste nicht, wie schlimm es tatsächlich war (Metastasen usw.). Und obwohl ich mir immer Gedanken darüber machte, dass sie wohl eines Tages diesem Leiden erliegen würde, was es ein Schlag ins Gesicht.


    Als unser Freund ganz unerwartet und ohne vorherige Anzeichen starb, hat ihn seine Lebensgefährtin am nächsten Tag gefunden. Für sie war es unweigerlich klar, dass er nicht mehr aufwachen würde. Es kam die Kripo nebst Psychologen etc. in die Wohnung. Ich glaube, so hat sie auf sehr schmerzhafte Weise zwangsläufig sofort begriffen bzw. begreifen müssen, dass er nie wieder lachen, nie wieder mit ihr reden oder sie in den Arm nehmen wird. Entsprechend hatte sie sich wohl so mit diesem Gedanken befasst und die Geschehnisse realisiert, dass sie seine Beerdigung ganz bewusst geplant hat. Sie hat mir erzählt, dass sie ihm einen Tag vor der Beerdigung einen Brief geschrieben hat. Vor der Trauerfeier war sie alleine am offenen Sarg. Sie hat mit ihm gesprochen und sich verabschiedet. Sie hat ihm auf seien letzte Reise den Brief hineingelegt und ihm seinen geliebten Urlaubshut mitgegeben. Um diesen Hut gab es ständig Diskussionen, weil er ihn immer aufsetzen wollte, und sie ihn scheußlich fand. Dieses "Zugeständnis" wollte sie ihm unbedingt noch machen. Es war ihr wichtig, dass er ihn bei sich hat. Zu guter Letzt legte sie ihm noch ein Stofftier in den Sarg, welches für beide eine große Bedeutung gehabt hat. Ich habe bewundert, wie sehr sie sich Gedanken gemacht hat, sich von ihm zu verabschieden. Sie hat diesen Abschied so liebevoll gestaltet, wie sie ihr halbes Leben lang mit ihm geteilt hat. Vom ersten bis zum letzten Tag.


    Ganz liebe Grüße


    Dani

    Hallo Ihr Lieben!


    Wie ich schon einmal festgestellt habe, helfen Eure guten Wünsche! Bei so viel gedrückten Daumen und ehrlicher Anteilnahme muss es doch auch mal besser werden. Ich habe gestern meinen Bruder besucht. Bei der Fahrt nach Ried war ich extrem gestresst. Ich hatte krasse Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Seitenstechen etc. Je näher wir kamen, um so mehr tat mir weh. Es war mir selbst klar, dass sich mit alle diesen Schmerzen meine Angespanntheit ausdrückte. Als erstes gingen wir auf die Intensivstation. Dort habe ich mit dem Diensthabenden Arzt gesprochen. Er hat mich über den aktuellen Gesundheitszustand meines Bruders aufgeklärt. Bezüglich genauerer Details der OP etc. konnte er mir nicht weiterhelfen. Hierzu verwies er mich an den Operateur. Also hat mich der Arzt auf die Chirurgie-Station geschickt, um mit dem Operateur zu sprechen. Dort habe ich mich im Schwesternzimmer gemeldet und nach dem Arzt gefragt. Wir wurden gebeten zu warten. Nach einer 3/4 Stunde bekamen wir dann die Nachricht, dass der Arzt wohl nicht mehr im Hause sei. Ich sollte telefonisch einen Termin in den nächsten Tagen vereinbaren. Der Diensthabende Arzt auf der Station wollte sich nicht äußern, weil er bei der OP nicht dabei war. Ich denke, dass es mehr Sinn macht, mit dem Operateur selbst zu sprechen.


    Als wir dann von der Chrirurgie wieder auf die Intensivstation gekommen sind, mussten wir noch ein paar Minuten warten, weil bei meinem Bruder gerade die Physiontherapeutin zu Gange war. Als wir dann reingerufen wurden, geschah etwas, was ich mir im stillenm so gewünscht hatte: mein Bruder hatte die Augen geöffnet. Er war wach, zwar ziemlich benommen, von all den Medis. Ich ging auf die linke Seite seines Bettes. Die Schwester sagte mir, ich könne ruhig mit ihm reden, er wäre wach und müsste auch soweit klar sein, dass er mich hören und verstehen müsste. Also nahm ich seine Finger der linken Hand. Er sah in die rechte Ecke des Zimmers (von mir weg). Als ich ihn ansprach, schloss er die Augen - und als er sie öffnete, sah er mir direkt in meine. Der Blick war in diesem Augenblick total klar. Mir blieb richtig das Herz stehen, nur damit es dann einen rießigen Freudensprung machen konnte. Ich fragte ihn, ob er wach sei und ob er gesehen hätte, dass Goran auch dabei ist. Ich trat einen kleinen Schritt zurück, so dass er Goran sehen konnte. Er sah mich dann wieder an. Eine dicke Träne glänzte in seinem Augenwinkel und rann dann leise seine Wange hinab. Ich war so ergriffen. Ich bin immer noch fasziniert, dass ein Blick (eigentlich etwas alltägliches) solche Freude bringen kann. Er versuchte dann tatsächlich, meine Hand zu drücken. Dafür war er aber noch viel zu schwach.


    Ein Anruf heute auf der Intensivstation ergab, dass das Fieber gesunken ist. Er war sogar wach. Meine Mama hat mit ihm telefoniert. Die Schwester hat ihm das Telefon ans Ohr gehalten, so dass Mama mit ihm sprechen konnte. Er kann zwar nicht reden (wohl wegen dem Luftröhrenschnitt), hat aber gelacht. Ist das nicht wie Musik?


    Liebe Leute, ich freu mich so. Gestern, als wir das Krankenhaus verliesen, waren meine ganzen Verspannungen weg. Ich konnte wieder richtig durchatmen und habe seit Tagen wieder mal richtig gut geschlafen. Natürlich habe ich auch wieder geheult. Aber diesmal waren es Freudentränen. Ich hoffe einfach, dass er sich jetzt auf dem Weg der Besserung befindet.


    Ich möchte mich - wieder einmal - ganz herzlich für all Eure Anteilnahme, Interesse, Gebete etc. bedanken. Mir hilft es sehr weiter, dass ich Euch habe. DANKE! :D

    Hallo meine Lieben!


    Der Gesundheitszustand meines Bruders hat sich leider weiter verschlechtert. Er wurde wieder an die Dialyse angeschlossen. Seine Blutwerte sind schlechter geworden und er hat wiederholt Fieber. Aufgrund dieser Tatsache mache ich mich morgen auf den Weg ins Krankenhaus. Ich habe einen Termin bei einem der behandelnden Ärzte. Ich möchte mich direkt über die ganze Situation aufklären lassen.


    Drückt die Daumen, dass ein paar winzige gute Details dabei sind. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten!


    Ganz liebe Grüße! Dani

    Hallo Ihr Lieben!


    Ich möchte Euch kurz auf den neuesten Stand bringen. Meinem Bruder geht es leider wieder viel schlechter. Er hatte gestern einen Atemstillstand, so dass die Ärzte eine weitere Not-OP durchführen mussten, in der sie einen Luftröhrenschnitt vornahmen. Sie haben ihn auch wieder ins künstliche Koma gelegt. Heute hat man endlich eine CT gemacht und dabei festgestellt, dass er ein Loch im Magenband (oder was auch immer das genau ist) hat, aus dem Nahrungsbrei u.a. austritt. Das erklärt natürlich auch die schlechten Blutwerte und seinen Allgemeinzustand. Nachdem er körperlich so stark in Mitleidenschaft gezogen ist, wagt man derzeit keine weitere OP zum verschließen der Undichtigkeit. Es ist geplant, ihn vorerst bis Sonntag im Koma zu belassen. Ich frage mich langsam, ob da nicht einiges schief gegangen ist. Schon nach der ersten Not-OP stand zur Diskussion CT-Aufnahmen machen zu lassen. Doch da wurde uns gesagt, dass das aufgrund seines Umfangs nicht möglich sei. Und jetzt, eine Woche später, geht das auf einmal? Ich finde das seltsam. Er hat in der einen Woche sicher nicht so viel an Umfang verloren, dass eine CT-Aufnahme jetzt möglich war.


    Wie Ihr Euch denken könnt, bin ich total unruhig. Mittlerweile kann ich meine Verzweiflung kaum mehr überspielen. In der Arbeit wissen nur wenige Kollegen, was derzeit bei mir zu Hause los ist. Aber es fällt auch anderen auf, dass etwas mit mir nicht stimmt. Aber ich habe keine Kraft, jedem zu erzählen, was los ist. Es kostet alles so ungeheuer viel Kraft. Ich fühle mich so ausgebrannt und leer. Und dazu kommt, dass die Ergebnisse von meinen ersten Prüfungen zum Fernstudium heute gekommen sind. Ich hatte eigentlich ein sehr gutes Gefühl gehabt. Aber es hat nur zu 2,7 und 3,0 gereicht. Aber das rückt momentan eh total in den Hintergrund.


    Ich werde auch weiter auf dem Laufenden halten. Drückt die Daumen, dass es langsam wieder bergauf geht.


    Dani

    Hallo Ihr Lieben!


    Herzlichen Dank für die vielen lieben Geburtstags- und Genesungswünsche! Und sicher ist gerade deswegen mein 31. Geburtstag ein rundum schöner Tag gewesen. Bei so viel Unterstützung und guten Wünschen musste doch auch mal was gut gehen! Mein Geburtstag war wirklich schön. Sonst empfinde ich Geburtstage immer als eher lästig. Aber diesmal fing es am morgen schon schön an. Ich habe in der Früh bei meiner Schwiegermutter einen Kuchen für die Arbeit abgeholt. Auch sie hat mir ganz lieb gratuliert. In der Arbeit angekommen haben sich alle anwesenden Mitarbeiter nacheinander bei mir im Büro eingefunden (ca. 25 Leute) und mir gratuliert, mich umarmt und geküsst. Sogar mein Chef hat Blumen besorgen lassen (was er sonst nie tut) und mich gleich zweimal "in die Mangel genommen". Der erste Durchgang bestand aus Umarmungen nebst Küßchen. Der zweitet Durchgang aus einer Umarmung und einem "Backenkneifer". Ich kam mir vor wie ein kleines Kind. Aber schön war es allemal. Es war, als würden alle fühlen, dass ich derzeit "besonders viel Aufmerksamkeit" brauche. Mein Lieblingsanwalt hat mir sogar etwas geschenkt. Bevor ich es auspacken durfte, musste ich versprechen, es sofort auszuprobieren. Da ahnte ich schon schlimmes. Er hat mir Hausschuhe gekauft in Form von Garry (das ist das mieauende Schneckenhaustier von Spongebob). Die Hausschuhe sind schreiend bunt und haben pro Fuß 2 große Augen auf Fühlern. Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich die 1/2 Stunde, die ich so rumlaufen musste, ein tolles Bild abgab. Lustig war auch, dass z.B. mein Chef das gar nicht gemerkt hat. Das muss ein Bild für Götter gewesen sein: er (ein gestandener bekannter Anwalt von 60 Jahren im edlen Zwirn) und ich mit Kinderhausschuhen mit Fühleraugen... Die anderen haben sich kaputt gelacht. Die Stunden bis Mittag vergingen ganz schnell.


    Um 12.15 Uhr war es dann soweit. Ich habe auf A. gewartet. Und sie kam - wie immer - 15 Minuten zu spät. Komisch ist, dass ich nicht eine Sekunde daran dachte, dass sie vielleicht doch nicht kommen würde. Ich dachte nur, dass es Dinge gibt, die sich nie ändern. Und das fand ich in diesem Moment sogar schön. Als sie dann vor mir stand, haben wir uns erstmal ganz lang in den Arm genommen, uns gedrückt und geküsst. In diesem Moment brauchte es keine Worte. Wir beide haben uns gefehlt. Das war deutlich zu merken. Wir sind dann in ein ganz chickes Restaurant gefahren zum Mittagessen. Wir waren 2 Stunden dort. Die ersten 1 1/2 Stunden haben wir über viel Belangloses gesprochen (Arbeit, Studium, ihr Umzug usw.). Ich bin sicher, dass Außenstehende unser Zusammentreffen als aufgedrehten Frauentratsch empfunden hätten. Wir haben viel gelacht und gegackert. Aber ich kenne sie mein halbes Leben. Mir ist nicht entgangen, dass wenn sie lacht, ihr Augen das nicht tun. Sie war top gestylt und geschminkt. Aber ich weiß, wie Augen aussehen, die ein wahres Tränenmeer vergossen haben. Die letzte 1/2 Stunde hat sie das Thema von sich aus auf D. gebracht. Sie erzählte mir, dass sie froh sei, dass das erste halbe Jahr vorbei sei. Sie hofft, dass die "schlimmste Zeit" hinter ihr liegt. Sie hatte die ganzen Wochen und Monate über Angst, einfach zusammen zu brechen. Sie ist stolz auf sich selbst, dass sie das Drama zumindest äußerlich gut weggesteckt hat. Und genau das ist der Punkt. Innerlich ist sie natürlich weit davon entfernt, den Verlust ihrer großen Liebe zu verdauen. Ich konnte mir nicht verkneifen anzumerken, dass 1/2 Jahr nur ein Wimpernschlag ist. Weihnachten steht vor der Tür. Das erste Weihnachten ohne D. Aber A. ist sich über alles bewusst. Sie hat auch bereits die Feiertage verplant. Sie verbringt einen Teil mit ihrer Familie und den anderen Teil bei D.'s Eltern. Diese haben ihr kurz nach D.'s Tod zwei Meerschweinchen geschenkt. Nachdem A. diese Tiere liebt und ein verantwortungsbewusster Mensch ist, ist so dafür gesorgt, dass sie regelmäßig zu D.'s Eltern fährt. Die haben extra für sie ein Zimmer im Haus eingerichtet. A. hat bei D.'s Eltern das Gefühl, ihm dort am nächsten zu sein. Und D.'s Eltern fühlen sich durch A.'s Anwesenheit D. am nächsten. So helfen sie sich gegenseitig. Es ist schön zu sehen, dass der Tod Verbindungen auch enger werden lässt. Für D.'s Eltern ist A. trotz der nicht mehr stattgefundenen Heirat die Schwiegertochter. Und so wird sie auch behandelt. A. und ich haben festgestellt, dass wir beide uns freuen, uns wieder zu haben. Dass aber auch jede von uns die Zeit brauchte. Ich wäre ihr nach D.'s Tod sicher überhaupt keine Stütze gewesen. Ich bin selbst so tief gefallen, dass ich nicht gewusst hätte, wie ich intensiver für sie dasein hätte können. Aber wir wissen, dass wir D.'s Verlust alle fühlen und es immer schmerzen wird. Aber gemeinsam werden wir ihn in guter Erinnerung behalten. Also war unser Treffen ein voller Erfolg. Schöner, als ich es mir geträumt habe.


    Und weil ihr mir alle so die Daumen gedrückt habt, kam auch der ersehnte Anruf vom Krankenhaus. Mein Bruder ist am Freitag aufgewacht. Er war zwar nicht in der Lage zu telefonieren, aber alleine die Nachricht seines Erwachsens trieb mir die Freudentränen in die Augen. Diesen rundum gelungenen Tag ließen wir (Goran und ich) dann bei einem gemeinsamen Essen mit meiner Mama ausklingen.


    Der Gesundheitszustand meines Bruders ist aber leider nicht so gut, wie er sein könnte. Er schläft sehr viel, kann aufgrund der einwöchigen Intubation kaum sprechen. Er hat große Schwierigkeiten mit der Atmung. Das künstliche Koma hat Nachwirkungen insoweit, als er desorientiert ist. Die Dialyse wurde abgesetzt. Meine Mama war gestern in Ried und hat ihn besucht. Er kann nicht wirklich sprechen; hat aber 2 x gesagt, dass er schlimme Schmerzen hat. Der Arzt meinte, dass sie meinen Bruder noch länger auf der Intensivstation lassen würde. Nachdem die Entzündungszeichen im Blut zwar rückläufig, aber immer noch vorhanden sind, und man einer Lungenentzündung vorbeugen möchte, bleibt er auf der Station. Der Art meinte, dass ihnen mein Bruder noch einige Wochen erhalten bleiben würde, bevor er nach Hause gehen könne. Aber ich bin guter Dinge, dass er das wegstecken wird. Meine Mama besucht ihn morgen; Goran und ich am Freitag. Nachdem Ried ein gutes Stück von unserem Wohnort entfernt ist, ist es leider zeitlich nicht möglich, öfter zu Besuch zu kommen. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man sich über jeden Besuch freut. Und das ist auf jeden Fall der Genesung zuträglich.


    Was meinen "Schock" bei meinem ersten Besuch auf der Intensivstation anbelangt, so war ich schon darauf vorbereitet, was mich da erwartet. Ich habe meine Oma vor ihrem Tod auch auf der Intensivstation besucht. Aber ich musste feststellen, dass jedes Krankenhaus da wohl andere Organisationen und Ausstattungen hat. Meine Oma war damals nur für 3 Tage auf Intensiv zur Beobachtung. Bei ihr waren nur wenige Maschinen angeschlossen. Ich gehe davon aus, dass das auch mit der Person, die da vor einem liegt, zu tun hat. Ich meine, dass es im krassen Widerspruch zu meines Bruders Existenz stand, ihn so hilflos zu sehen. Meine Oma war oft im Krankenhaus. Ich denke, das macht den Unterschied. Aber die kompetente und liebe Krankenschwester hat mir durch ihr Fachwissen einen großen Teil meiner Angst genommen. Schön, dass es Menschen gibt, die ihren Beruf aus Berufung ausüben.


    So meine Lieben, das war mein Bericht - fürs Erste.


    Fühlt Euch alle sach von mir gedrückt!


    Dani

    Hallo Ihr Lieben!


    Vielen lieben Dank für Eure Anteilnahme! Es bedeutet mir so viel, dass Ihr für mich da seid. Ich wünsche mir, dass dieses unseelige Jahr bald vorbei ist. Es heißt, dass im Schaltjahr vermehrt schlechte Nachrichten eintrudeln. Und dieses Jahr kann ich das nur bestätigen. Aber das Jahr hat noch ein paar Wochen; aber auch diese werden vergehen. Und hoffentlich nicht mit schlechten Nachrichten. Von meinem Bruder Siegi gibt es leider nichts Neues. Ich habe mir heute Nachmittag freigenommen und bin mir meiner "lieben" Ex-Schwägerin nach Ried gefahren. Nach gut 1 1/2 Stunden waren wir da.


    Wir gingen auf die Intensivstation und warteten, dass eine Schwester kam, um uns hereinzulassen. Ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen und war reichlich nervös. Mir war schon klar, dass auf der Intensivstation keine Menschen liegen, die nur schlafen. Ich war darauf vorbereitet, dass viele Gerätschaften rumstehen würden. Aber der Anblick meines Bruders raubte mir den Atem. Ich stand vor dem Bett und war fassungslos. Meine Beine waren wie Blei. Ich war nicht in der Lage um das Bett an seine Seite zu gehen. Ich blieb wie ein Idiot vor dem Bett stehen. Ich war wie paralysiert und total schockiert von den vielen Geräten und Schläuchen. Meine Schwägerin ging ums Bett zu ihm und streichelte ihn. Ich blieb vor dem Bett stehen, ganz so als hätte ich Wurzeln geschlagen. Die Schwester, die uns hereinließ, stand neben mir und sah mir wohl genau an, was in mir vorging. Mein Bruder ist ein Baum von Mann. Er ist groß und dick. Genau deswegen ist er jetzt da wo er ist. Er hat eingesehen, dass er den Kampf mit den Kilos nicht gewinnen wird und hat sich entschieden, sich eine Art Magenband legen zu lassen. Bei dem Eingriff gab es Komplikationen (Blutungen, Entzündungen etc.), so dass er am Samstag noch notoperiert wurde. Die Ärzte beschlossen, ihn in ein Koma zu legen, um die Genesung forcieren zu können. Seit Samstag liegt er also so da. Und ich stehe vor dem Bett und habe das Gefühl, dass zwar der Körper meines Bruders vor mir liegt; er aber nicht da ist. Ich habe nichts von ihm gespürt. Gar nichts. Die künstliche Beatmung hat diesen Eindruck noch verstärkt. Es kam mir so vor, als wäre er tot - nur die Maschinen würden dafür sorgen, dass sein Körper seinen Job macht. Die Schwester hat mir wohl all diese Gedankengänge angesehen und bereits nach einem Taschentuch gegriffen, als ich noch gar nicht merkte, dass ich weinte. Ich habe mich so geschämt. Immerhin bin ich 30 Jahre alt und erwachsen. Ich sollte mit so einer Situation fertig werden. Wurde ich aber nicht. Sie hat mir dann ein Taschentuch gegeben und mich gefragt, was mir so zu schaffen macht. Ich habe ihr geantwortet, dass mich all diese Maschinen irritieren. Die Schwester war sowas von lieb und hat mir genau erklärt, welche Maschine was macht bzw. überwacht. Und das hat sie bei jedem Monitor und jeder Infusion gemacht. Die fachlichen Ausführungen haben mich etwas beruhigt. Aber nur etwas.


    Als ich dann so dastand merkte ich, dass es mir von den Zehen an in rasender Geschwindigkeit heiß aufstieg. Die Hitze stieg mir in Sekunden bis in den Kopf. Mir wurde schlecht und schwindelig. Langsam traten mir auch die Schweißperlen auf die Stirn. Da war mir klar, dass ich wohl besser die Station verlassen würde, bevor ich noch einen Arzt brauche. Also bin ich raus und habe dort auf meine Ex-Schwägerin gewartet. Nach einer langen Rückfahrt bin ich nun endlich zu Hause.


    Der Arzt, der mit uns gesprochen hat, hat leider keine langfristige Prognose abgeben können. Aber er ist wohl mit Siegis Gesundheitszustand zufrieden. Die Sedativa werden nun langsam herabdosiert. Wenn alles einigermaßen gut läuft, könnte er am Freitag aufwachen. Das wäre echt schön. Denn am Freitag habe ich Geburtstag - und das wäre ein sehr schönes Geschenk.


    So mental stressig auch der Besuch bei Siegi war, so gefreut habe ich mich heute Mittag. A. hat mich in der Arbeit angerufen. Wir haben ein wenig gequatscht und sie hat mich gefragt, wann ich am Freitag Feierabend habe. Sie fragte, ob wir Mittag Essen gehen wollen. Sie wäre in der Stadt. Natürlich habe ich Zeit. Und ich freue mich, sie endlich - nach Monaten - wieder zu sehen. Das ist ein wunderschönes Geburtstagsgeschenk!


    Meine Lieben, ich bin froh, hier Menschen gefunden zu haben, die in einem solchen Maße Anteil an meinem Leben nehmen. Ich werde auch diese schwere Zeit meistern. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten.


    Liebe Grüße!


    Dani

    Hallo Ihr Lieben!


    Nachdem es ja die letzte Zeit von mir durchwegs positive Beiträge zu vermelden gab, hat sich das Blatt ein wenig gewendet. Seit 2 Tagen herrscht in meinem Inneren wieder völliges Chaos. Ich dachte, ich wäre mit mir soweit im Reinen und hätte diese immensen Ängste überwunden. Und nun drehen sich meine Gedanken wieder um die bekannten Themen Angst und innere Unruhe. Auslöser für diese Veränderung ist, dass mein Bruder (er ist 6 Jahre älter als ich) im Krankenhaus liegt. Das alleine würde mich aber nicht so aus dem Konzept bringen. Er hatte am Freitag eine OP. Am Samstag musste eine Not-OP nachgeschoben werden, weil er innere Blutungen hatte. Man hat ihn nun in ein künstliches Koma gelegt. Wie lange dieses Koma aufrecht erhalten werden soll, ist derzeit nicht abzuschätzen. Dazu kommt, dass teilweise seine Nieren versagen, so dass man ihn an die Dialyse angeschlossen hat. Mein Bruder und ich habe nicht immer das beste Verhältnis gehabt. Einerseits, weil er eben 6 Jahre älter ist und wir nicht zusammen aufgewachsend sind, andererseits weil wir wie Tag und Nacht sind. Unsere absolute Gegensätzlichkeit war immer schon ein Problem zwischen uns. Aber trotz allem ist er mein Bruder; egal wie weit unsere Lebenseinstellungen voneinander abweichen. Er hat mich, als es mir gesundheitlich sehr schlecht ging, zu einer großen OP nach München gefahren. Und obwohl wir nie ein inniges Verhältnis hatten, hat er sich bemüht, mir die Angst zu nehmen. Das habe ich ihm hoch angerechnet.


    Meine Mama fährt morgen nach Ried ins Krankenhaus. Sie hat dort einen Termin mit dem behandelnden Arzt. Ich kann nicht mitkommen. Ich war die ganze Woche krankgeschrieben und habe das Bett gehütet. Eine über Wochen rumgeschleppte Grippe hat sich aufgrund einer bei mir chronisch vorhandenen Bronchitis zum echten Problem entwickelt. Mittlerweile geht es mir wieder ganz gut. Ich muss aber ab morgen wieder arbeiten gehen. Zudem liegt mein Bruder auf der Intensivstation. Es ist also das Beste, wenn ich nicht mitkomme, um ihn keinem größeren Risiko auszusetzen.


    Wie Ihr Euch denken könnt, geht in meinem Kopf wieder alles drunter und drüber. Ich mache mir große Sorgen. Ich hoffe, dass meine Mutter morgen mit guten Neuigkeiten aus dem Krankenhaus aufwarten kann.


    Ich werde Euch berichten, sobald ich mehr erfahren habe.


    Ganz liebe Grüße!


    Dani

    Liebe Rika!


    Ein stilles Willkommen hier im Forum. Schön, dass Du den Weg hierher gefunden hast. Die Suche nach Halt ist bereits einer von vielen kleinen Schritten in ein völlig verändertes Leben.


    Vielleicht möchtest Du ein wenig über Deine Tochter erzählen?


    Dani

    Liebe Zara!


    Auch von mir die besten Wünsche zu Deinem Geburtstag!


    Ich wünsche Dir viel Kraft für die nächsten Wochen und Monate und die Geduld, Dir selbst die Zeit zu geben, die Du für Dich allein brauchst. Ich wünsche Dir viele schöne Momente, in denen Du nicht mit Schmerz an Deine Oma denkst, sondern mit einem Lächeln auf den Lippen und Liebe im Herzen.


    Liebe Grüße und eine sachte Umarmung


    Dani

    Hallo Ihr Lieben!


    In dieser Woche hat sich mein Gute-Laune-Pegel um ein gutes Stück nach oben geschraubt. A. hat mich in dieser Woche 3 x angerufen. Sie hat Ärger mit ihrer Vermieterin (der alten Wohnung). Und nachdem ich ja in einer Anwaltskanzlei arbeite, hat sie mich um Rat bzw. Hilfe gebeten. Natürlich bin ich diesem Ersuchen gerne nachgekommen. Endlich konnte ich mal aktiv etwas für A. tun. Entsprechend habe ich ihren Fall einem meiner Chefs vorgetragen und ihr ein Schreiben an ihre Vermieterin aufgesetzt. In 2 dieser 3 Telefonate ging es überwiegend um die rechtliche Seite.


    Am Donnerstag-Abend hat sie mich abends zu Hause angerufen, um sich nochmals für meine Hilfe zu bedanken. A. ist in Aufbruchstimmung. Am 01.11.2008 kann sie in ihre neue Wohnung umziehen. Und darauf freut sich sich sehr. Es sind viele Dinge zu planen und zu managen, so dass die Zeit für sie gerade verfliegt. Dieser Stress gibt ihr ein gutes Gefühl. Sie ist motiviert. Wir haben dann eine gute Stunde gequatscht. Ziemlich am Ende des Gesprächs hat sie dann gesagt, dass wir (als Goran und) ich, sie doch die nächste Zeit mal besuchen sollten, um die neue Wohnung zu sehen. Ich weiß, dass dieser Schritt für sie sehr schwer ist. Um die Situation nicht zu verschärfen, habe ich ihr vorgeschlagen, dass wir am 03.12.2008 eh nach München fahren, weil wir ein Konzert besuchen wollen. Entsprechend könnten wir 1/2 Stunde früher losfahren, um bei ihr einen Kaffee zu trinken und die Wohnung anzusehen. Sie bot dann noch an, dass wir gerne auch über Nacht bleiben könnten. Das habe ich aber abgelehnt mit der Begründung, dass das Konzert nicht so spät zu Ende sein wird und wir es nicht zu stressig für sie machen möchten. Das fand sie gut. Ich weiß zu schätzen, dass sie dieses Angebot unterbreitet hat. Aber ich glaube, es wird trotz allem für sie anstrengend. Unsere letzte Zusammenkunft - nach D.'s Tod - hat ihr arg zugesetzt. Darum glaube ich, dass es besser ist, wenn wir unser erstes Zusammentreffen zeitlich kurz halten, um ihr Druck zu nehmen. Es freut mich zu sehen, dass wir uns wieder näher kommen. Wir hatten am Telefon auch richtig Spass. Sie hat mir einige lustige Begebenheiten erzählt, über die wir herzlich lachen konnten. Goran kam nach Hause, da telefonierte ich schon 1/4 Stunde. Er wusste also nicht, mit wem ich sprach. Bei der Verabschiedung am Telefon von A. ließ sie Goran ausdrücklich liebe Grüße bestellen. Als ich aufgelegt hatte fragte Goran, ob ich mit Diana telefoniert habe, weil wir so gegackert haben. Als ich das strahlend verneinte, sah er mich fragend an. Als ich ihm dann einen lieben Gruß von A. ausrichtete, war er richtig gerührt. Er hat sich mit mir darüber gefreut, dass wir wieder das Band enger knüpfen können. Auch Goran freut sich, A. Anfang Dezember wieder zu sehen. Ich werde Euch auf jeden Fall davon berichten.


    Heute habe ich noch Omas Grab besucht. Es war das erste Mal, dass ich nicht in Tränen ausgebrochen bin. Ich mache wohl wirklich Fortschritte. Als ich am Parkplatz wieder ins Auto stieg, habe ich meine Mutter angerufen, um sie zu fragen, ob ich ihr noch etwas aus einem Geschäft mitnehmen soll. Während ich also im Auto sitze und mit meiner Ma telefonierte, näherte sich eine alte Dame meinem Auto und bleib fragend schauend vor der Beifahrertür stehen. Als ich das Telefonat beendet hatte, klopfte sie an das Fenster. Ich ließ das Fenster ein Stück herunter und fragte sie, was sie brauche. Sie fragte, ob ich sie - da sie den Bus versäumt habe - ein Stück mitnehmen könnte. Sie hat mich stark an meine Oma erinnert. Unabhängig davon hätte ich sie natürlich so oder so mitgenommen. Aber nachem sie meiner Oma irgendwie ähnlich war, habe ich sogar einen kleinen Umweg gemacht, um sie an ihr Ziel zu fahren. Die alte Dame war so lieb und hat sich x-mal bedankt. Und als sie aus dem Auto ausstieg, hat sie das genau so gemacht, wie meine Oma. Schon komisch, wie Kleinigkeiten ein Déjà-vu auslösen kann. Aber diese Gefühlsregung war angenehm. Es erinnerte mich an viele Situationen, wo ich meiner Oma nahe war.


    Ich wünsche Euch allen eine schöne Zeit und viel Kraft für das bevorstehende Allerheiligenfest!


    Dani

    Hallo Ihr Lieben!


    Ich melde mich zurück. Mein Urlaub ist beendet; die erste Arbeitswoche liegt hinter mir. Meine Anwesenheitspflicht bezüglich meines Fernstudiums zum staatlich geprüften Rechtsfachwirt in Berlin habe ich absolviert. Es war extrem schwierig, sich in nur 5 Tagen von Juristen, die in den Gesetzbüchern zu leben scheinen, coachen zu lassen. Die Klausur am letzten Tag der Anwesenheitspflicht war nicht ganz einfach. Die Ergebnisse werden wir Mitte bis Ende November 2008 erhalten. Aber ich gehe eigentlich schon davon aus, dass ich diese Prüfung bestanden habe. Aber noch trennen mich etliche Monate und mindestens eine weitere Klausur (an der Uni) sowie 4 Abschlussprüfungen vor der Anwaltskammer von meinem Fortbildungsziel. Ich habe beschlossen, die Sache ruhig anzugehen. Ich will mich nicht mehr so unter Druck setzen. Zunächst ist wichtig, dass ich das neue Lernmaterial für das letzte Semester zeitlich innerhalb der gesetzten Fristen durcharbeiten und die Klausuren einreichen kann. An die weiteren Prüfungen denke ich jetzt erstmal nicht.


    Bevor ich nach Berlin gefahren bin, habe ich A. eine Karte geschickt, in der ich mich "abgemeldet" habe. Das haben wir vor D.'s Tod auch immer gemacht. Ich dachte, es wäre eine gute Möglichkeit, mich wieder einmal bei ihr zu melden. Und gestern Abend hat das Telefon geklingelt. A. hat angerufen. Ich habe an ihrer Stimme gehört, wie nervös sie war. Ich weiß, dass ihr das schwer gefallen ist, umso stolzer bin ich auf sie, dass sie diesen Schritt schon machen konnte. Sie bezog sich auf meine Karte und fragte nach meinem Berlin-Trip. Nachdem dies ein völlig neutrales Thema ist, konnten wir darüber völlig ungezwungen sprechen. Das Gespräch war unbelastet und fast so wie vor D.'s Tod. Als ich meinen Bericht abschloss, hat sie von sich aus erzählt. Sie leitete dies ein mit der Bemerkung, dass sie jetzt nur kurz von sich erzählen wolle. Ich hörte ihre Nervosität deutlich heraus. Aber aus "kurz" wurde dann doch insgesamt eine ganze Stunde. Ich habe sie einfach reden lassen, bin nicht in sie gedrungen. Sie hat den Verlauf des Gesprächs völlig frei "bestimmt". Ich hörte an ihrer Stimme die Erleichterung darüber, dass das Gespräch für sie völlig "frei" verlief. Ich war nach diesem Telefonat so glücklich. Ich hätte die ganze Welt umarmen können. Ich habe nicht viele enge Freunde; umso schöner fühlt es sich an, dass meine engste Vertraute das unsichtbare Band zwischen uns wieder enger zieht. Sie hat in diesem Telefonat auch ganz deutlich gesagt, dass wir uns bald wieder sehen und sie mich wieder anrufen werde. Ich weiß, dass sie das tun wird; denn nun ist der erste und schwierigste Schritt in meine Richtung getan.


    Wir alle werden D. vermissen - ein Leben lang. Denn D. war ein Mensch, der unser Leben auf menschlicher, emotionaler Ebene absolut bereicherte. Es war schön, ihn gekannt und erlebt zu haben. Wenn ein so wertvoller Mensch von uns geht, hinterlässt er eine große Lücke, die nicht geschlossen werden kann. Es bleibt daher nur, die Lücke mit schönen Erinnerungen so gut als möglich zu schließen. Ich bin mir sicher, dass er sehr froh darüber sein würde, dass A. den "Weg zurück zu Goran und mir" wieder gefunden hat und die ersten Schritte macht. Ich bin zuversichtlich, dass uns D.'s Tod nicht endgültig getrennt hat; eher ist dieser Verlust eine harte Prüfung für jeden von uns. Aber gemeinsam werden wir auch dieses schwere Los ertragen bzw. beim Tragen helfen so gut wir können.


    Ich möchte mich von ganzem Herzen bei Euch für die emotionale Unterstützung bedanken. Ihr habt mir Beistand geleistet in einer Zeit, in der ich wirklich nicht wusste, wie es weiter geht. Ich war so tief gefallen, dass ich nicht mehr wusste, wo oben oder unten ist. Ich bin froh, den Weg hierher gefunden zu haben. Ich werde diesem Forum hier treu bleiben; vielleicht kann auch ich einmal jemandem Stärke geben, wenn er am Boden ist.


    Fühlt Euch alle ganz ganz lieb von mir gedrückt!


    Dani

    Hallo Ihr Lieben!


    Ich nehme mir jetzt mal wieder ein paar Minuten, um Euch über den neuesten Stand zu informieren. Ich freue mich, dass Ihr mir immer noch zur Seite steht und auch - trotz meiner längeren Abwesenheit hier im Forum - in diesem Thread postet.


    Im Großen und Ganzen hat sich nicht viel getan. Ich habe seit dem Telefonat mit A. nichts mehr von ihr gehört. Dafür habe ich letzte Woche A.'s Schwester angerufen, um anzufragen, wie es ihr geht. Wir haben ca. 1 1/2 Stunden telefoniert. Danach war ich irgendwie innerlich zerrissen. Ich freute mich, dass A. ihren Weg weiter geht, war aber auch unendlich traurig zu hören, dass es ihr natürlich zeitweise sehr sehr schlecht geht. Aber wir alle wissen ja, dass der Weg aus dem tiefen Tal sehr weit und sehr steinig ist. A.'s Schwester hat ihren gesamten Sommerurlaub bei A. in München verbracht. Ich denke, dass war sehr wichtig für A. Schließlich hat sie genau zu dieser Zeit wieder begonnen, in die Arbeit zu gehen. Dies hatte zur Folge, dass sie auch wieder in der Wohnung leben musste, was sie bis dahin erfolgreich vermieden hatte. Durch die Anwesenheit ihrer Schwester fiel es ihr zwar schwer (vor allem in der ersten Nacht), war aber dadurch, dass sie nicht alleine war, erträglich. A.'s Schwester hat mir erzählt, dass A. sich mittlerweile vom Arzt hat Tabletten verschreiben lassen. A.'s Schwester ist davon nicht sonderlich begeistert, fürchtet sie doch, dass A. damit ihre Trauer unterdrückt und beim Ausschleichen der Medikation in ein tiefes Loch fallen würde. Ich bin der Meinung, dass sie - sollte es ihr derzeit helfen - die zur Verfügung stehenden Mittel in Anspruch nehmen soll. Die Situation ist schwer genug; es ist nicht nötig, es sich unerträglicher als notwendig zu machen. Und nachdem es entsprechende Medikamente sowieso nur auf Rezept gibt, ist eine "Kontrolle" durch den Arzt gegeben. Dementsprechend finde ich die Tabletteneinnahme verständlich und natürlich auch vertretbar. Wichtiger finde ich, dass A. den Wiedereinstieg in einen geregelten Alltag mittels Arbeitsaufnahme geschafft hat. Dadurch, dass sie jetzt wieder ganztägig in die Arbeit geht (die ihr übrigens immer viel Spaß gemacht hat), ist sie zeitlich begrenzt auch mit anderen Dingen beschäftigt.


    Gleichbleibend ist ihre Einstellung mir und meinem Freund gegenüber. Sie redet mir ihrer Schwester oft über mich. Das sagt mir, sie hat mich nicht "vergessen". Irmi gegenüber (A.'s Schwester) spricht sie darüber, dass es ihr sehr schwer fällt, mit uns in Kontakt zu treten. Als sie uns - kurz nach der Beerdigung - besuchte, war das nach D.'s Tod der schlimmste Tag für sie. Sie fühlte durch unsere Anwesenheit den extremen Verlust noch tiefer. Unser Anblick erinnert sie daran, wie eng wir mit D. verbunden waren; es weckt Erinnerungen an schöne Stunden, die wir gemeinsam verbracht haben. Aber noch trösten sie die Gedanken an die Vergangenheit nicht. Noch reißt es die tiefe Wunde weiter auf und reißt ihr den Boden unter den Füßen weg. Außerdem hat sie Angst, ich würde über D. reden. Momentan ist sie einer "Phase", in der sie wenig bis gar nicht über D. reden möchte. Für mich ist jedoch klar, dass A. das Tempo vorgibt. Sie wird auf mich zukommen, wenn sie sich in der Lage dazu fühlt. Und wenn es soweit ist, wird sie "bestimmen" über was wir sprechen. Wenn ich durch meine Erfahrungen mit meiner Tante (die ihre Tochter verloren hatte) etwas gelernt habe, dann dass die Trauernden sprechen, wenn es ihnen ein Bedürfnis ist. Ich habe bei meiner Tante oft gesehen, wie sehr es sie getroffen hat, wenn andere gedankenlos Dinge angesprochen haben, die lieber nicht gesagt worden wären. Außerdem empfand ich beim Tod meiner Oma ähnlich. Ich bin den Menschen in meiner Umgebung aus dem Weg gegangen aus Angst, sie könnten mich auf den Tod meiner Oma ansprechen. Ich wollte weder gefragt werden, wie es mir ging, noch erzählen, was passiert ist.


    Für mich war wichtig, dass A. uns nicht "vergessen" hat. Die Telefonate mit Irmi (die wir seit D.'s Tod regelmäßig führen) helfen mir sehr. Irmi ist eine Seele von Mensch. Sie hat ein extrem feines Gespür für A. und ihre Bedürfnisse. Irmi hat mir erzählt, dass auch sie selbst Angst hatte, ihre Schwester "verloren" zu haben. Sie hätten schon immer eine besonders enge Bindung gehabt (sie wohnten über Jahre zusammen). Und als D. gestorben war und A. der Boden unter den Füßen weggerissen wurde, dachte Irmi, sie würde nie wieder das Lachen von A. oder ihre herrischen Kommandos (die zu A. gehören wie der Topf auf den Deckel) hören. Es tat ihr körperlich weh, ihre kleine Schwester so zu sehen. Aber es stellte sich schnell heraus, dass Irmi immer noch den "Große-Schwester-Draht" zu ihr hat. Irmi ist so einfühlsam, dass sie stets weiß, wann sie was sagen, schweigen, zuhören oder agieren soll. Und weil Irmi mich auch schon Jahre lang kennt, hat sie wohl schnell gemerkt, dass ich Angst habe, A. könnte sich von mir abwenden. Irmi hat mir erzählt, dass A. ganz oft und regelmäßig von mir bzw. uns spricht und sich vorgenommen hat, langsam aber zielstrebig die ersten Schritte in unsere Richtung zu machen. Den ersten hatte sie mit ihrem Anruf vor ein paar Wochen gemacht. Irmi hat mir auch erzählt, dass A. ihr den Briefumschlag mit meiner Karte, die ich ihr geschrieben hatte, gezeigt hatte, sie Irmi aber nicht darin lesen ließ sondern sagte, sie würde sie später lesen, wenn sie allein wäre; sie wolle dazu Ruhe haben. Ich bin voller Hoffnung, dass wir eines Tages wieder beisammen sitzen und das Zugehörigkeitsgefühl, dass wir immer füreinander empfanden, sich zeigt um uns zu sagen, dass wir im Hier und Jetzt und in der Zukunft füreinander da sind, da waren und immer da sein werden. Zu wissen, dass Irmi und alle anderen Familienmitglieder A. so stark und in jeder erdenklichen Weise unterstützen beruhigt mich.


    Durch den ganzen Stress habe ich mein Fernstudium, von dem ich Euch berichtete, ziemlich schleifen lassen. Ich hatte ganz arg zu kämpfen, die Abgabetermine für meine Arbeiten einzuhalten. Ich hab mir die Arbeiten regelrecht abgerungen, was mich regelmäßig extrem erschöpft hat. Aber ich konnte alle Arbeiten bis zum gesetzten Termin abgeben. Ich war skeptisch, weil ich psychisch so stark unter Druck stehe bzw. stand und rechnete damit, das Studium aufgrund unzureichender Leistungen abbrechen zu müssen. Eigentlich hatte ich mich mit dem Gedanken, das Fernstudium hinzuschmeißen echt angefreundet. Und wenn meine Noten entsprechend schwach wären, könnte ich - ohne schlechtes Gewissen - die Sache endlich beenden. Und jetzt kommt's: ich habe meine Ergebniss vor 2 Wochen erhalten. Und stellt Euch vor, ich habe alle Klausuren gut bestanden (1,0, 2,0 und 2,7). Jetzt kann ich das natürlich nicht hinschmeißen. Ich bin immer noch irritiert, wie ich in so einer Situation solche Leistungen erbringen konnte. Ist mir unerklärlich. Denn eine gute Note hätte bedeutet, dass ein blindes Huhn auch mal ein Korn findet; aber 3? Naja, das heißt also, dass ich mich am 14.09. für eine Woche nach Berlin an die Technische Universität begeben muss, um an einer Präsenzphase teilzunehmen. Am Ende dieser Woche muss ich zwei Klausuren vor Ort schreiben; und ich habe da große Bedenken, ob ich das einigermaßen hinkriege. Immerhin habe ich durch die schweren Schicksalsschläge meine Pflichten arg vernachlässigt. Drückt mir die Daumen, dass ich das einigermaßen hinbekomme.


    Ich melde mich wieder, wenn ich zurück bin!


    Fühlt auch ganz sacht von mir gedrückt!


    Dani

    Hallo Ihr Lieben!


    Liebe Chris, Liebe Kate!


    Es geht mir das Herz auf, wenn ich lese, dass Ihr meine Freude über A's Anruf teilt. Es ist schön festzustellen, dass hier nicht nur die Trauer, sondern auch die Freude über kleine Schritte im Tal der Tränen geteilt wird. Danke!


    Liebe Chris, wie Du schon vermutet hast, lese ich ganz gerne. Jedoch keine hochwertige Literatur. Denn dafür fehlt mir eigentlich stets der Nerv, mich tiefgründig mit Texten zu beschäftigen. Aber hier lege ich Wert darauf, mit meinen Beiträgen meine Stimmung zu vermitteln. Denn hier kennt mich keiner persönlich, so dass er meinen Gemütszustand erahnen könnte. Niemand kann sehen, wenn ich weine. Aber mit Worten ist es durchaus möglich, Gefühle auszudrücken. Und deswegen nehme ich mir Zeit, meine Beiträge zu verfassen. Denn mir liegt daran, Euch an meinem Seelenleben teilhaben zu lassen. Und Eure lieben Worte treffen mich immer mitten ins Herz.


    Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag, mit ein paar Momenten vollkommener Ruhe nur für Euch.


    Liebe Grüße


    Dani

    Hallo Ihr Lieben!


    Es ist wieder an der Zeit, Euch zu berichten. Deinen Rat, liebe Chris, A. einen Brief / Karte zu schreiben, habe ich mir zu Herzen genommen. Letzte Woche Donnerstag bin ich gleich nach der Arbeit in ein Geschenkegeschäft und habe mit viel Liebe zum Detail eine neutrale Karte gesucht, die nicht zu wenig und nicht zu viel aussagt. Dabei habe ich ganz bewusst auf Karten mit den üblichen Floskeln verzichtet; denn diese hätte ich als verbale "Genickwatsche" empfunden. Ich entschied mich für eine Künstlerkarte in blau, auf der ein Baum mit ganz vielen Ästen und einigen Blättern abgebildet war. Die Symbolik des Baums fand ich dem Anlass entsprechend gut. Zu Hause angekommen habe ich mich hingesetzt und überlegt, was ich A. schreiben sollte. Ich habe gute 1 1/2 Stunden gebraucht, um einigermaßen zu Papier zu bringen, was ich ihr mitteilen wollte. Und das war eigentlich nicht viel. Ich entschied mich dafür, mich knapp zu halten, nicht rumzuschwafeln. Dabei kamen ein paar Zeilen heraus, die eigentlich nur sagten, dass mir 1.000 Gedanken im Kopf schwirren und ich dennoch nicht in der Lage bin, sie in Worte zu fassen. Aber auch wenn ich sie nicht formulieren kann, so wären doch immer meine Arme und Ohren für sie offen. Am Freitag habe ich die Karte (mit klopfendem Herzen) zur Post gegeben.


    Am Montag erhielt ich einen wunderbaren Anruf, der meine Laune spontan in ungeahnte Höhen steigen ließ. Mein Telefon in der Arbeit läutete, ich sah auf das Display. Auf den ersten Blick sah es aus wie A's Arbeitsnummer. Ich war mir sicher, mich vertan zu haben. Also hob ich ab und sagte mein Sprüchlein auf. Und tatsächlich: A. war am Telefon. Sie hörte sich unerwartet gut an, so dass ich spontan eine Monstergänsehaut bekam, die sich von beiden Armen über den Rücken bis in die Kniekehlen ausbreitete, obwohl im Büro sicher 30 Grad herrschten. Ich hab mich so gefreut, nur ihre Stimme zu hören, dass meine Augen feucht wurden und ich Mühe hatte, mir meine Rührung nicht anmerken zu lassen. Und diese Stimme zu hören alleine wäre schon schön gewesen; aber die Stimme auch noch in einer Tonlage zu vernehmen, die Nuancen von Ausgeglichenheit, Fröhlichkeit, Seele etc. aufwies, machte mich richtig glücklich. Das Telefonat dauerte vielleicht 2 Minuten. Und doch reichten diese 2 Minuten aus, um in meinem Inneren eine Blockade zu lösen, die sich wohl rein körperlich mit der Gänsehaut bemerkbar machte. Mir fiel ein großer Stein vom Herzen. Ich konnte das förmlich spüren. Ich konnte wieder etwas tiefer atmen.


    A. nahm Bezug auf meine Karte. Es gehe ihr soweit gut. Sie habe - wie ich sehen könne - wieder zu arbeiten begonnen. Und ihre Arbeitskollegen seien alle so lieb zu ihr, das tue ihr so richtig gut. Weiter habe sie sich eine neue Wohnung - etwas außerhalb gesucht und könne im November einziehen. Sie habe nicht viel Zeit, wollte sich aber kurz bei mir melden. Sie versprach, mich demnächst anzurufen und mir mehr zu erzählen.


    Nur 2 Minuten am Telefon - 120 Sekunden gefüllt mit einfachen Worten mit immenser Wirkung. Als das Gespräch beendet war und ich auflegte, hatte ich noch immer Gänsehaut. Meine Kollegin sah von ihrer Arbeit auf, sah mich an und fragte, was denn jetzt grade passiert sei. Ich konnte vor freudiger Rührung kaum sprechen; hatte einen dicken Kloß im Hals. Aber trotz der kleinen Tränen berichtete ich vom eben geführten Gespräch. Meine Kollegin freute sich richtig mit mir.


    Ich bin glücklich, dass A. ihre ganze Kraft mobilisert hat, um die Trauer anzupacken. Ich freue mich, dass sie so schnell Erfolge erzielt (neue Wohnung / Arbeit). Aber mir ist sehr wohl bewusst, dass ihre positive Stimmung mich nicht darüber täuschen darf, dass sie noch lange - genauso wie wir und länger - brauchen wird, um ihr Leben ohne D. zu gestalten. Aber sie ist auf einem fantastischen Weg. Alleine, dass sie sich eine neue Wohnung, nicht im gleichen Viertel, sondern ca. 5 km weiter draußen besorgt hat, zeigt, dass sie jetzt schon begriffen hat, dass ihr Leben ohne D. weitergeht. Die alte Wohnung hätte sie immerzu nur an D.'s unerwarteten Abschied erinnert. Eine neue Wohnung heißt Auf- und Umbruch; nicht Abbruch.


    Ich wollte Euch unbedingt an meinen Gefühlen teilhaben lassen. Ihr habt mir in schweren Stunden zur Seite gestanden - mit Worten oder bloßer Anwesenheit. Das bedeutet mir sehr viel. Es ist eine völlig neue Erfahrung für mich, völlig Fremden mein Innerstes zu offenbaren. Ich dachte immer, dass ich "so etwas" nicht "brauchen" bzw. es mir nichts bringen würde. Man lernt nie aus und sich selbst immer wieder besser kennen. Ich weiß, Ihr werdet mir wieder zur Seite stehen, wenn mich die Trauer übermannt und ich mich hilflos und alleine fühle. Denn hier - mit Euch - die wir alle gemeinsam durch das gleiche Tal schreiten, bin ich nicht allein. Und das Sprichwort: "Geteiltes Leid ist halbes Leid" stimmt zwar nicht ganz, aber zumindest zum Teil.


    Ich habe letztens folgendes gelesen: "Der Tod ist kein Unglück für den, der stirbt, sondern für den, der überlebt." (Karl Marx ). Genau diese Worte bringen auf den Punkt, was wir alle erlebt haben. Es stellt sich also die Frage, wie das Leben derjenigen weitergeht, die überleben. Dazu fallen mir folgende Worte Schillers ein: "Der Schmerz ist Leben. " Vielleicht gehört eben diese brachiale Empfindung dieses übermächtigen Gefühls des Schmerzes zu den Dingen, die uns spüren lassen, dass wir noch leben.


    Als wir an D.'s Geburtstag bei seinem Grab waren und Blumen brachten, stand ich davor, starrte auf sein Bild und konnte in meinem Kopf förmlich seine Stimme hören. Den Blick auf dem Foto, auf dem er so lebendig in die Kamera lächelt, im Ohr die vertraute Stimme hätte es mich nicht gewundert bzw. hätte ich mir gewünscht, ihn hinter den Reihen hervortreten zu sehen um zu fragen, warum wir hier stehen und weinen. Für ihn wäre nur das Leben zu ende, die Ewigkeit hätte gerade erst begonnen.


    Fühlt Euch von mir umarmt.


    Dani

    Hallo Ihr Lieben! Hallo Chris! Hallo Karla!


    vielen Dank für Eure sensiblen und lieben Worte. Ich bin froh, dass Ihr Euch die Zeit nehmt, meine Gedanken zu lesen und mir ein paar Tips zu Teil werden lasst. Ich stelle immer wieder fest, dass ich bei den meisten Mitmenschen auf Unverständnis stoße, weil ich jetzt "noch" - nach nicht ganz 2 Monaten - immer nicht den "Einstieg" in die "normale Welt" geschafft habe. Meine innere Uhr ist am 22.05.2008 stehen geblieben und hat noch nicht wirklich begonnen, zu ticken. Das verstehen viele Mitmenschen aber nicht. Für sie zählen nur die Wochen, die bereits vergangen sind, so macht sich dann bei diesen Zeitgenossen eher Unverständnis breit, da wir ja "nur befreundet" waren. Es war ja nicht "mein Lebensgefährte", der verstorben ist. So deutlich sagt das keiner, aber ich merke, dass einige so denken. Ich mag mich zwar noch immer im Land der Trauer aufhalten, bin jedoch nicht blind und taub für alles, was im Hier und Jetzt geschieht.


    Am Tag nach dem Besuch auf D's Grab ging es mir richtig schlecht. Ich war genauso paralysiert, wie an seinem Todestag. In meinem Kopf nur gähnende Leere, in meinem Bauch eiskalte Gedärme, die sich ineinander verknoten, in meinen Augen Tränenkanäle, die über jede Art der körperlichen Beherrschung erhaben sind und tun, was sie wollen. Also das volle Programm. Am Mittwoch ging ich also wieder ganz normal in die Arbeit. Meine Kollegin fragte mich auch gleich, wie es gestern am Grab gewesen sei und wie ich mich heute fühle. Das war zwar ganz ganz lieb von ihr gemeint, brachte mich jedoch völlig aus dem Konzept, was wiederum meine autark gewordenen Tränenkanäle auf den Plan rief. Mir liefen schon die Tränen, bevor ich überhaupt ein Wort sagen konnte. Sie kam dann um den Tisch herum, setzte sich auf meinen Arbeitsbereich und strich mir teilnahmsvoll über die Wangen. Ich habe mich dafür entschuldigt, dass ich mich nicht der Gewalt habe. Darauf meinte sie, es gäbe gar nichts, wofür ich mich entschuldigen müsste. Ich solle erzählen, was mich bewegt. Habe ich dann auch getan. Sie hat mir aufmerksam zugehört und war für mich da. Das finde ich großartig, weil wir ja erst vor ein paar Wochen größere Differenzen hatten (hab ich in früheren Beiträgen geschrieben).


    G. ist eine andere Kollegin von mir, die A. schon seit 18 Jahren kennt, und mit ihr bis vor ca. 5 Jahren extrem gut befreundet war. G. hat heute standesamtlich geheiratet. Ich bekam für die kirchliche Trauung (in ca. 2 Wochen) eine Einladung. Nachdem es in mir drinnen aber nach allem anderen aussieht, als nach aufgesetzter Fröhlichkeit, habe ich ihr gesagt, dass Goran und ich nicht kommen werden, wir ihr und ihrem Mann aber ein schönes Fest und viel Spass wünschen. Sie sah mich völlig verständnislos und fragend an, abwartend, ob der Absage noch eine Erklärung folgen würde. Die hab ich dann geliefert, in dem ich ihr erklärt habe, dass uns D. sehr nahe stand und wir ihn sehr vermissen. Goran und ich kommen beide mit seinem Verlust nicht wirklich klar; uns ist einfach nicht nach einer großen Feier mit ganz viel Getöse zu Mute. Sie nickte zwar, ihre Augen sagten aber, dass sie diese Erklärung in die Schublade "faule Ausrede" ablegen würde. Es ist mir aber egal, was G. jetzt von uns denkt. Ich habe da mittlerweile auch so meine ganz eigene Meinung. A. und G. kennen sich viel länger, als A. und ich. Vor ca. 5 Jahren hat G. dann ihren jetzigen Mann kennengelernt und eigentlich daraufhin den Kontakt zu all ihren Freunden abgebrochen. Ihr Freundeskreis besteht jetzt überwiegend aus seinen Freunden. Auch A. ist dieser Rationalisierung zum Opfer gefallen. Trotzdem erwarte ich von jemandem, der mit A. so lange Jahre sehr gut befreundet war, etwas mehr Mitgefühl. Auf A.'s Wunsch hin musste ich G. einen Tag nach D.'s Tod darüber in Kenntnis setzen. In der Arbeit habe ich das unterlassen, weil mir einfach nicht danach war. Ich hab eh den ganzen Tag nur geheult. Mit einer anderen Kollegin, die A. auch kennt, hatte ich darüber gesprochen. Als ich also G. am Abend anrief, um sie über D.'s ableben zu informieren meinte sie, sie hätte das in der Arbeit schon mitbekommen. Alleine diese Tatsache, dass sie es bereits mitbekommen hatte, sich jedoch genauso "lustig" wie immer verhielt, empfand ich als Affront gegen die ehemalige Freundschaft zu A. Ich kann nicht verstehen, wie jemand so kühl auf eine derart heftige Mitteilung reagieren kann. Ihre einzige Aussage zur Nachricht war, dass das "echt krass" sei. Das hätte auch ihr Freund sein können; alleine bei dem Gedanken schüttele es sie. Und wieder wurde mir klar, dass G. nicht über ihren Tellerrand hinausschauen kann. Sie schockierte wohl nur der Gedanke, dass es auch ihren Freund hätte treffen können. Sie hat mich auch die ganzen Wochen nicht einmal gefragt, wie es A. geht. Und auch unter diesem Gesichtspunkt hatten ich und Goran keine Lust, auf die Hochzeit zu gehen.


    Chris, Du hast vorgeschlagen, dass ich A. einen Brief schreiben könnte. Das habe ich auch schon in Betracht gezogen. Ich bin jedoch total unsicher, was ich da reinschreiben soll. Ich komme nicht über den Gedanken hinaus, ihr schreiben zu wollen. Das WAS konnte ich noch nicht in Worte fassen, die angemessen sind. Es fällt mir schwer, etwas vernünftiges zu Papier zu bringen. Und ich will auch keinen Fall, dass A. irgendetwas in den falschen Hals bekommen könnte. Ich hab mir überlegt, mal wieder mit I. (Schwester von A.) zu telefonieren und nachzufragen, wie es A. geht, ob sie die Arbeit wieder aufgenommen hat etc. Ich hab nur erfahren, dass A. wohl doch keine Therapie zur Verarbeitung von D's Tod macht. Ich persönlich findet das total schade. Ich hätte es sehr sinnvoll gefunden, wenn jemand, der etwas davon versteht, mit ihr die "ersten Schritte" macht.


    Fühlt Euch ganz sacht von mir gedrückt!


    Dani

    Hallo zusammen!


    Ich möchte mich mal wieder zu Wort melden. Mein Urlaub in Kroatien war wunderschön. Wir haben stressfreie und schöne Tage verlegt, die leider viel zu schnell vergangen sind. Wir haben uns zeitweilig vom Stress der letzten Wochen ablenken können. Am Montag dieser Woche ging es wieder in die Arbeit. Meine Erholung war bereits fünf Minuten nach Arbeitsbeginn dahin, weil meine Kollegin erkrankt war und ich alleine die Stellung halten musste, was 10 Stunden Arbeit ohne Pause bedeutete. Am Abend kam ich dann total geschlaucht nach Hause. Goran und ich haben uns dann unterhalten und besprochen, was wir am Dienstag (gestern), D.'s 36. Geburtstag, unternehmen wollen. Wir haben beschlossen, einen Strauß weißer Rosen zu bestellen und nach der Arbeit ans Grab zu fahren.


    Am Dienstag morgen stand ich schon total fahrig auf. Ich war irgendwie unkonzentriert. Als ich mir dann zum Frühstück ein Brot schneiden wollte, hab ich es doch glatt geschafft, mich mit dem Brotmesser richtig übel zu schneiden. Und mit richitg übel meine ich richtig übel. Ich konnte schön in das Innenleben meines Zeigefingers sehen. Weil die Zeit drängte, hab ich den Finger arbeitstauglich verbunden und bin los in die Arbeit. Den ganzen Tag über blieb die innere Unruhe bestehen. Ich war - trotz Urlaub - fahrig und unkonzentriert. Je später es wurde, umso größer wurde die Unruhe, bis es kaum mehr auszuhalten war. Ich habe dann nach Feierabend die Rosen aus dem Blumengeschäft geholt. Zu Hause haben Goran und ich uns dann getroffen und sind gemeinsam nach W. zum Friedhof gefahren. Auf der halbstündigen Fahrt haben wir uns beide ausgeschwiegen. Jeder hing seinen Gedanken nach. Ich mahnte mich innerlich zur Ruhe, ging ich davon aus, etwas Abstand in den vergangenen Wochen gewonnen zu haben. Aber die Verzweiflung machte sich in mir breit und strafte alle anderen Gedanken Lügen. Wir kamen an und gingen an der Kirche vorbei auf den Friedhof.


    Wir gingen schweigend nebeneinander her bis wir feststellten, dass wir beide nicht mehr wussten, wo die Grabstelle ist. Ich konnte noch so sehr versuchen, mich an den Tag der Beerdigung und den auf dem Friedhof beschrittenen Weg zu erinnern, es gelang mir nicht. Nachdem ich von meiner inneren Unruhe bereits reichlich genervt war, hab ich meinen Frust dann in Form von Gezicke an Goran ausgelassen. Ich hab ihn angeschnautzt, dass er wohl noch wissen müsste wo die Grabstelle war. Ich sei schließlich an diesem Tag unter Beruhigungsmitteln gestanden und könne mich nicht daran erinnern. Darauf meinte er lakonisch, dass wir wohl beide versuchten, diesen Tag aus unserem Gedächtnis zu verdrängen. Nach einigen Irrwegen fanden wir dann doch die richtige Grabstelle. Man konnte sie schon von weitem sehen, so viele Blumen lagen dort. Schon zwei Reihen vorher schnürte es mir den Hals zu, als ich erkannte, dass auf der Grabstelle ein großes Herz aus Rosen gebunden lag. Ich weiß genau, dass das von A. ist. Sie hat außerdem ein wunderschönes Bild von D. in einem Rahmen aufgestellt. Und schon standen wir beide da: wieder völlig fassungslos, verzweifelt und von innerem Schmerz gepeinigt. Alleine das Foto, auf dem er so lebendig aussieht, es könnte er jeden Moment aus dem Bilderrahmen steigen und sich zu uns gesellen, quälte uns beide gleichermaßen. Ich wollte mich vor Goran nicht gehen lassen und habe ihn, als ich merkte, dass ich meine Tränen nicht mehr länger würde zurückhalten können, gebeten, ein Grablicht zu besorgen. Er ging schweigend den Weg entlang.


    Ich blieb zurück. Versuchte, mich nur darauf zu konzentrieren, die Blumen in die Vase auf einen freien Flecken Erde zu stellen. Aber mein Blick wurde abgelenkt, von all den schönen Blumen, die ihm zu seinem Geburtstag gebracht worden waren. Meine Tränen hatten sich zwischenzeitlich verselbständigt. Und als ich mit meinem Blick am Anfang / Ende des Grabes zu meinen Füßen blickte, brach mein Herz ein Stück weit auseinander und meine so mühsam aufgebrachte Selbstbeherrschung entpuppte sich als Selbstschutz. Es lag da die weiße Trauerschleife von A., auf der geschrieben steht: "Die Liebe ist stärker als der Tod. In Liebe Deine A.". Da heulte ich dann nur noch. Auf einmal nahm Goran meine Hand; ich hatte nich gemerkt, dass er wieder zurückgekommen war. Er kniete sich hin, zündete die Kerze an, stand auf, atmente tief ein und bat mich, gemeinsam jetzt zu gehen, bevor auch er all seine Beherrschung verlieren würde. Ich konnte mich die ganze Fahrt nach Hause nicht mehr beruhigen. Auf einmal waren sie wieder alle da, die Fragen nach dem Warum, Wieso, Was wäre Wenn? Und richtig weh tat mir die Erkenntnis, dass wir wohl nicht alleine D. verloren haben, sondern auch A. auf eine gewisse Art und Weise. Von ihrer Schwester weiß ich, dass sie uns momentan nicht "ertragen" kann, weil wir zum einen D. so nahe standen. Zum anderen fühlt sie sich in der Nähe von Paaren denkbar unwohl. Ich habe dafür vollstes Verständnis. Und doch schmerzt es mich, dass sie mich in dieser schweren Zeit nicht "braucht" bzw. keinen Kontakt haben will. Ich habe Angst, dass sie eines Tages, wenn sie so weit ist, aufgrund der vergangenen Zeit den Weg zu uns nicht mehr findet.


    Seit gestern quälen mich wieder alle Gedanken, wie am Tag der Benachrichtung oder Beerdigung. Ich kann nicht schlafen und fange bei jeder Gelegenheit an zu weinen. Es scheint, als wäre ich in meiner Trauerarbeit keinen Schritt vorangekommen.


    Mich würde interessieren, wie ihr die Trauer bewältigt bzw. bewältigt habt. Was hat Euch dabei geholfen, die Situation so anzunehmen, wie sie ist? Wie lange hat es gedauert, bis das "Schlimmste" vorbei war?

    Hallo Ihr Lieben!


    Nachdem ich meinen letzten Beitrag geschrieben hatte, war ich guter Dinge, dass sich mit der Zeit und vor allem im geplanten Urlaub mein Gemüt wieder etwas zur Ruhe begibt. Aber es kommt immer anders als man denkt.


    Im Rahmen meiner avisierten Trauerarbeit habe ich mich entschlossen, aktiver mit meinem "Zustand" umzugehen, und nicht dieses Thema in die hintersten Windungen meines Gehirns abzuschieben. Einen ersten Schritt hatte ich ja bereits gemacht, in dem ich mit Goran am Grab meiner Oma war. Das tat mir gut, so dass ich dachte, ich sei auf dem richtigen Weg.


    Am Montag (dieser Woche) hatte meine verstorbene Kollegin Hanni ihren 60. Geburtstag. Und weil ich sie sehr gern hatte, hab ich natürlich diesen (runden) Geburtstag nicht vergessen. Ich hab eine andere Kollegin (die sie auch schon 15 Jahre lang kannte) eingepackt und bin mit ihr zu Hannis Grab gefahren. Wir haben ihr einen schönen Strauß mitgenommen und auf das Grab gelegt. Wir standen dann so vor dem Grabhügel (es ist noch nicht eingefasst; Beerdigung war im Februar diesen Jahres) und haben über Hanni gesprochen. Einfach Dinge, die wir von ihr spontan im Kopf hatten. Wir haben einfach festgestellt, wie viel Zeit wir mit ihr verbringen durften, was sie für uns bedeutet hat und dass sie uns fehlt. Nachdem Hanni aber über 10 Jahre gegen den Krebs gekämpft hatte, der Feind in der finalen Phase die "härteren Waffen" hatte, ist es für Hanni eine Erlösung gewesen. Sie war müde vom kämpfen, aber nicht bereit, einfach so aufzugeben. Nun ist sie wieder mit ihrem Mann, den sie vor 14 Jahren verloren hatte, vereint. Diese Vorstellung tröstet mich, weiß ich doch, wie sehr sie ihn geliebt hat.


    Nach diesem Besuch an Hannis Grab war meine Stimmung ganz gut. Ich war nicht weinerlich. Da beschloss ich, A.'s Schwester anzurufen, um micht nach ihr zu erkundigen. Ich habe dann über eine Stunde mit Irmi (A.'s Schwester) telefoniert. Danach fühlt ich mich richtig bescheiden. Das Gespräch brachte alle verfügbaren Emotionen der Trauer an die Oberfläche. A. geht es (natürlich) gar nicht gut. Ihr Seelenzustand läßt sich als sehr wechselhaft bezeichnen, wie Wellen. Es wechseln sich kleine mit mittelgroßen und Monsterwellen ab, die sie einfach in die Tiefe reißen - ohne Vorwarnung. D. ist seit ca. 1 Monat nicht mehr da. Für A. beginnt langsam wieder der Alltag. Und gerade der ist äußerst schmerzhaft. Zum Beispiel hatte sie in den letzten Tagen ein ganz alltägliches Gespräch mit Irmi, in der sie über Roberto Blanko gesprochen hatten. Dieser residiert derzeit in meiner Heimatstadt (es wird ein Film gedreht). Irmi kennt jemanden, der im Hotel arbeitet, in dem der Blanko abgestiegen ist. Diese Bekannte erzählte, dass sie gesehen hat, dass als die Freundin des Promis diesen am Arm berührte, ihre eigene Hand schwarz wurde (als hätte er sich mit Creme dunkler gemacht). Daraufhin sagte A.: "Da muss ich gleich D. anrufen". Und schon war die Monsterwelle da. Lautlos und urgewaltig brach sie über sie herein und riß sie mit in die Tiefen des Schmerzes. Was Irmi nicht wusste und auch nicht wissen konnte war, dass D. mal zu A. gesagt habe, dass er sich sicher sei, dass Roberto Blanko sich mit Schuhcreme "schwärzer macht". Diese kleine Story brachte den bis dahin mit kleinen Wellen bestückten Tag zum mentalen Abgrund.


    Ich habe mit A. nach der Beerdigung nur zweimal gesprochen. Sie nimmt momentan keinen Kontakt zu mir auf. Auch darüber habe ich mit Irmi gesprochen. Im Laufe des Gesprächs stellten wir fest, dass A. Pärchen und Familien meidet. Ihr sind momentan nur Singles und die eigenen sowie D.'s Eltern erträglich. Ich habe das bereits vorher in Erwägung gezogen und mich deshalb A. gegenüber sehr zurückgehalten und sie nicht bedrängt. Ich kann sie gut verstehen. Und es wird noch viel Zeit brauchen, bis sie die Gesellschaft von Pärchen/Familien wieder ertragen kann.


    So tingelt sie momentan von einer (Single-)Freundin (die die ersten Tage ununterbrochen für sie da war) über ihre und D.'s Eltern bis hin zu ihrer Schwester. Nirgends hält sie es lange aus. Es ist, als wäre mit D. ihre Heimat gestorben. Noch ist sie krankgeschrieben. Aber der Arzt meinte bei der letzten Krankschreibung schon, dass er es für förderlich erachte, schnellstens wieder eine Struktur in ihr Leben zu bringen; und genau das ginge am besten mit Arbeit. A. fühlt sich noch nicht in der Lage dazu. Sie wird sich wohl auch noch weiter krankschreiben lassen. Danach will sie an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren. Ich bin gespannt, ob sie es dort aushält. Ich befürchte, dass sie es nicht wird ertragen können, von allen "mitleidig" angesehen zu werden. Jeder im Betrieb weiß, warum sie momentan nicht da ist. Nachdem sie bei ihren Kollegen sehr beliebt ist, werden alle "Mitleid" mit ihr haben. Und genau das konnte sie noch nie ertragen. Ich hoffe, dass sie sich dort wieder einleben wird.


    Während ich mit Irmi telefonierte, kam Goran von der Arbeit nach Hause. Er saß neben mir und lauschte dem Gespräch. Ich beendete dann das Gespräch und sah ihm in die Augen und dachte noch, dass ihm alleine das Zuhören schon arg zugesetzt hat. Aber das war es nicht. Er hatte an diesem Tag noch die Nachricht erhalten, dass ein anderer Freund (aus Lehrzeittagen), der vor ca. 6 Jahren nach Spanien ausgewandert war, am Sonntag verstorben ist. Chris (der Freund) wanderte spontan vor Jahren aus; der Kontakt zwischen den beiden brach fast gänzlich ab. Goran fand keinen richtigen Zugang mehr zu ihm. Nun ist klar, dass Chris den Weg in die Einsamkeit gesucht hat, weil er eine Diagnose erhielt, die keine Zweifel offen ließ, dass er an der Krankheit sterben wird. Und so entschied er wohl, alle Brücken abzubrechen und sein Leben an einem schöneren Flecken der Erde fertig zu leben. Er hat niemanden über seinen Gesundheitszustand aufgeklärt (auch seine Familie nicht). Goran hadert nun damit, sich nie richtig mit ihm ausgesprochen zu haben. Er meint wohl, dass der sporadisch seltene Kontakt "seine Schuld" war. Davon kann aber keine Rede sein, denn Chris hat dies alles bewusst so entschieden und gesteuert. Für Goran wird es somit schwerer werden, alles zu verarbeiten. Ich versuche für ihn da zu sein, zu reden, wenn er Bedarf hat, mit ihm zu schweigen und zu weinen.


    Ich hoffe, dass wir in unserem Urlaub zur Ruhe kommen und vor allem von weiteren Nachrichten dieser Art verschont bleiben.


    Ich danke Euch für's Lesen und Verstehen!
    Fühlt Euch von mir gedrückt.
    Dani

    Hallo Ihr Lieben!
    Liebe Darina,
    liebe Chris!


    Ich finde hier bei Euch genau das, was ich so dringend brauche: Menschen, die verstehen, was ich fühle. Nach nunmehr etwas über 4 Wochen kristallisiert sich heraus, dass mein Freunde seine Trauer anders angeht, als ich. Während es mir immer ein starkes Bedürfnis ist, etwas über D. oder meine Oma zu sagen, wenn es mir in den Kopf kommt, dann merke ich, dass Goran (mein Freund) damit zum Teil überfordert ist.


    Letzten Samstag fuhren wir - wie jeden Samstag - gemeinsam einkaufen. Ich wollte zum Blumenladen, um für Oma mal wieder einen kleinen Blumenstrauß zu kaufen. Wir gingen gemeinsam in den Laden und haben uns miteinander für eine orange Lilie entschieden, die die Floristin sehr kunstvoll mit ein paar Blättern und Gräsern gebunden hat. Anschließend sind wir gemeinsam zum Friedhof gefahren. Goran war zuletzt an Omas Beerdigung (26.08.2007) am Grab.


    Ich war bislang nach der Beerdigung 3 x an Omas Grab - alleine. Meine wenigen Besuche an Omas Grab endeten jeweils in einem Desaster. Schon wenn ich der betreffenden Gräberreihe näher kam, fiel mir das Atmen schwer, meine Augen brannten und schon beim kleinsten Blinzeln bahnten sich Tränen ihren Weg. Und dann, wenn ich vor der Grabstelle stand, die Inschrift auf dem Grabstein sah, war es jedesmal wie an dem Tag, als das Altenheim anrief und die Todesnachricht überbrachte. Der Schmerz hatte mich jedesmal fast aus den Schuhen gehauen. Es war bzw. ist mir unbegreiflich, dass meine Oma da liegen soll. Die Inschrift auf dem Stein ist einfach falsch; als hätte der Steinmetz im falschen Stein einen falschen Namen hineingearbeitet. Und gerade dieser Anblick der Inschrift löst die verschiedensten Gefühle in mir aus: Verlust, Wut, Endgültigkeit, Schmerz usw. Ich konnte auch jeweils alleine nur ein paar Minuten an ihrem Grabe verweilen, länger haben meine Nerven nie ausgehalten. Auch auf dem Weg nach Hause war ich jeweils noch in Tränen aufgelöst und habe mich erst ca. 1 Stunde nach dem Besuch wieder beruhigt.


    Nun aber musste ich zum ersten Mal nicht alleine zu Omas Grab. Goran ging diesen Weg mit mir. Er trug die Blumen und die Vase und ging neben mir her zum Grab. Er legte mir die Blumen in die Hand, die Vase auf den Boden und ging, um eine Gießkanne zu holen. Gemeinsam wickelten wir den kleinen Strauß aus, steckten die Vase ins Erdreich und gossen das ganze Grab. Wir standen dann einfach so da. In die Stille hinein sagte er: "Die Blumen hätten ihr bestimmt gefallen ". Alleine dieser Ausspruch reichte, um mir ein paar kleine Tränen zu entlocken. Aber diesmal waren es wirklich nur ein paar. Er nahm meine Hand, küßte mir die Tränen weg und ging mit mir zum Ausgang. Und diesmal - weil er an meiner Seite war - brauchte ich nicht 1 Stunde, um mich zu fassen. Mir hat es sehr geholfen, dass er dabei war. Für ihn war es schlimm, mich immer noch so leiden zu sehen.


    Wir haben dann noch im Auto besprochen, dass wir D. am 15.07. (seinem 36. Geburtstag) einen Blumemstrauß bringen werden. Wir fuhren dann schweigend weiter. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.


    Ich dachte über mein Fernstudium nach, das von Anfang an unter keinem guten Stern stand. Bereits im 1. Semester verstarb Oma; das hatte zur Folge, dass ich meinen Lernplan weit nicht so zielstrebig verfolgte, wie ich es mir vorgenommen hatte. Ergebnis: von 2 Klausuren 1 in den Sand gesetzt. Jetzt, im 2. Semester ist D. von uns gegangen. Und wieder ist das Studium das Letzte, woran ich denke. Schließlich habe ich so nebenbei einen anspruchsvollen Vollzeitjob, dem ich nachgehen muss. Es kostet mich genug Kraft, in der Arbeit "gerade zu stehen". Am Abend bin ich regelmäßig platt und habe so gar keine Lust, die Studienunterlagen zu bearbeiten.


    Während ich so über mein Studium nachdachte, fiel mir ein, dass D. vor ca. 1 Jahr auch eine berufliche Weiterbildung gemacht hatte. Ich fragte Goran also ins Schweigen hinein: "Glaubst Du, D. hätte diese Weiterbildung auch gemacht, wenn er gewusst hätte, was passieren wird ?"


    Er antwortete: "Doch, das glaube ich schon. Er hat immer davon gesprochen, diese Fortbildung machen zu wollen; schon vor Jahren ".


    Und schon flossen bei mir wieder die Tränen.Dieses kleine Gespräch löste in mir wieder eine mittlere Welle des Schmerzes aus. Goran hingegen versuchte, mich zu beruhigen. Ich sah ihm schon bei meiner Frage bezüglich D. an, dass er über ihn nicht sprechen will, weil ihm das zu weh tut. Aber er sagt es nicht. Ich kann es aber in seinen Augen lesen. Nach 12 Jahren sind sie für mich der Punkt, an dem ich in seine Seele sehen kann und weiß, was er fühlt, unabhängig davon, was er sagt. Goran ist sehr sensibel und verarbeitet den Schmerz über D.'s Verlust anders. Ihm tut es weh über ihn zu sprechen - und ich habe das Bedürfnis über ihn zu sprechen.


    Nachdem ich hier aber die Möglichkeit habe, all meine Gedanken diesbezüglich offen zu legen, ist es mir nichts so ein Bedürfnis, alles, was mir im Kopf rumgeht, mit Goran zu besprechen. Ich denke, so werden wir das miteinander ganz gut regeln können.


    Nächste Woche Mittwoch fahren wir für eine Woche nach Kroatien in Urlaub. Dann habe ich Zeit für mich. Ein wenig habe ich Angst, zu viel in mich gehen zu können und dadurch meine Stimmung "schlimmer" zu machen. Aber ich weiß, wir beide brauchen ein paar Tage Luftveränderung. Und ich freu mich auch drauf.


    Ich drücke Euch!
    Dani

    Hallo Ihr Lieben!


    Liebe Darina!
    Als ich gerade Deinen Beitrag las, fielen mir folgende Zeilen sofort ins Auge:


    Zitat

    Dieses "was wäre wenn" oder" hätte ich doch nur" habe und hatte ich auch. In der Zeit, als ich ein Brot aß und nicht an den Wehenschreiber angehängt war, ging mein Kind, ich merkte es nicht.


    Ich glaube, unser Leben wäre noch um einiges schwieriger, wenn wir immer genau wüssten, was die Zukunft für uns bereit hält. Wir kämen nie zur Ruhe und könnten wahrscheinlich keine Sekunde richtig genießen, weil uns ständig die Angst im Nacken sitzen würde. Die Minuten und Stunden würden uns durch die Finger laufen und wir könnten sie einfach in unseren Augen nicht sinnvoll genug nutzen. Alleine die Tatsache, bei welchen Gelegenheiten uns der Tod begegnet, sind für mich unwirklich. In einem Moment, in dem Du irgendetwas machst, z.B. ein Brot isst oder wie ich vor dem Telefonat bezüglich D.'s Tod "Germanys next Topmodel" schaust, passiert etwas, dass Dir den Boden unter den Füßen wegreißt. Man kann gar nicht begreifen, mit welch banalen Dingen man sich vor dem Zeitpunkt X beschäftigt hat. Und doch ist genau das das Leben. Wenn wir täglich und minütlich nur daran dächten, was alles passieren könnte, würden wir unser Leben nicht mehr genießen können. Denn, einfach mal dumm rumsitzen und Löcher in die Luft starren, kann so schön sein. Den Moment mit Nichtstun genießen. Nur jetzt gerade, in diesem Moment kann ich es noch nicht. Meine Uhr tickt immer noch um einiges langsamer als vor dem Anruf, der meine Welt zum wanken brachte. Aber ich weiß, in ein paar Monaten werde auch ich wieder diese banalen Momente genießen können.


    Liebe Chrisu!
    Auch Du hast in Deinem Beitrag etwas geschrieben, dass mich tief bewegt hat:


    Zitat

    Ich glaube wir haben diese Schuldgefühle weil wir im innerten glauben,man kann Alles verhindern,wenn man zur Rechten Zeit am Rechten Ort ist.


    Genau diese Sicht der Dinge hat auch meine Freundin A. Sie denkt, wenn sie nur gehört hätte, dass D. in der Nacht aufgestanden ist, hätte sie ihm helfen können. Wäre sie mit ihm aufgestanden, hätte sie den Lauf der Dinge ändern können. Obwohl ihr in Gesprächen mit D's Arzt klar gesagt wurde, dass nichts, was in ihrer Macht stand, die Dinge geändert hätte, tut sie sich schwer, diese Tatsachen zu akzeptieren.


    Das - so denke ich - ist eine der schwierigsten Stufen der Trauer. Begreifen und akzeptieren was geschehen ist. Die Kraft aufzubringen, Dinge zu akzeptieren, die wir nicht beeinflussen können. Aber weil diese Hürde so groß ist, brauchen wir viel Zeit, um sie bewältigen zu können.


    Liebe Chris!
    Deine Frage, wann Zeit für mich ist, ist eine gute Frage. Und die habe ich mir tatsächlich nie gestellt. Es fällt mir - glaube ich - leichter, für andere da zu sein, als mich mit meiner eigenen Trauer zu beschäftigen. Es ist meine Art, mit diesen tief in meinen Alltag einschneidenden Erlebnissen umzugehen. Ich habe in Stresssituationen immer darauf geachtet, viel zu tun zu haben. Das waren und sind immer die Zeiten, in denen ich ständig auf dem Sprung bin bzw. war. Aber wie ich jetzt bitter gelernt habe, bringt das nichts. Verdrängung ist für den Moment vielleicht in Ordnung, aber auf lange Sicht keine Lösung.


    Ich werde mich bemühen, meinen eigenen Gedanken mehr Beachtung zu schenken. Und das äußert sich z.B. darin, dass ich mich hier in diesem Forum vor Euch offenbare und meine innersten Gedanken mitteile.


    Ich danke Euch allen, dass ihr da seid!
    Mit Euren Zeilen fühle ich mich der Situation nicht mehr so extrem ausgeliefert und alleine. Fühlt Euch sanft von mir gedrückt. Ich wünsche Euch einen schönen Abend!