Liebe Bia,
mein ganzes, inniges Migefühl für dich... hier kannst du immer und alles schreiben was dir auf der Seele brennt und was dein Herzlein schwer macht...
Ich kann dich so, so, so gut verstehen.
Auch was du durchgemacht hast verstehe ich völlig, weil ich es leider kenne.
Bia, du bist verzweifelt und fühlst dich elend, hilflos... und glaube mir: Das ist in Ordnung und es darf alles so sein und nein: Du hast für Nichts Schuld!!!
Dieses Schuldgefühl kennen viele von uns - auch ich.
Meine Mama war auch sehr krank und musste einige Jahre zur Dialyse. Es war die Hölle für sie - aber sie wollte immer leben, wollte DA bleiben... (meine Eltern wohnen bei mir im Haus, mein Papa lebt noch und braucht auch viel Betreuung... und so war ich auch ganz eng mit meiner Mama).
Wir hingen sehr aneinander.
Als sie ging, fühlte ich mich wie ein kleines Kind, das nicht weiß wie es weiterleben sollte!
Aber ich lebte weiter.
Tag um Tag um Tag...
Und so wirst auch du das schaffen!
Lass dir alle Zeit der Welt! Trauer ist ein Weg. Ein verdammt langer Weg. Ein Weg, der eigentlich erst dann endet, wenn auch unser Erdenweg zuende geht...
Die Trauer ist wichtig - das habe ich im Rückblick erkennen dürfen.
Das Loch allerdings, das eine Mama im Herzen ihres Kindes hinterlässt, das bleibt...
Das Vermissen bleibt...
Der Schmerz bleibt und kommt immer wieder in Wellen und total plötzlich - wehr dich nicht dagegen. Lass es geschehen. Nimm den Schmerz in deine Arme und weine, weine, weine, weine... Du darfst auch wütend sein auf die Ärzte, auf das Schicksal, auf den Tod...
Unsere Mamas waren die wichtigsten Menschen in unserem Leben! Kein anderer Mensch kennt und kannte uns so gut wie sie... und da sollten wir nicht trauern dürfen? Oh doch!!!!
Aber: Du wirst spüren, dass sie uns nicht alleine lassen. Doch es braucht alles ZEIT... Lass dich nicht hetzen, von niemanden!
Lass dir nicht sagen dass du doch drüber wegkommen solltest, dass du dein Leben leben solltest...
Geh DEIN Tempo!
Es kommt ein Tag, da spürst du dass es einwenig "leichter" wird. Aber nicht heute und nicht morgen und auch noch nicht in in ein paar Monaten!
Trauer ist ein ganz wichtiger Prozess den wir nicht wegdrücken dürfen.
Ja, du stehst am Abgrund - aber du wirst NICHT fallen...
Setz dich in Gedanken an diesen Abgrund. Atme ein und atme aus... lass deine Gedanken kommen und gehen... atme ein und aus... lass deine Tränen laufen... atme... Irgendwann spürst du ein wenig Ruhe in deiner Seele.
Und so gehst du weiter - Schrittchen für Schrittchen.
Tag um Tag.
Schau auch dein "Schuldgefühl" an. Was hättest du denn anderes tun können? Nichts! DU hast getan was DU tun konntest...
Das Sterben ist manchmal erbarmungslos und hart, es tut weh und kämpft... Betrachte es einwenig so, wie bei einer Geburt: Auch da drückt es und tut es weh, man schreit vor Schmerz... und dann ist es da, das kleine Leben... Im Sterben ist es ein bissel wie umgekehrt, wenn man von dieser in die andere Welt gehen muss. Vielleicht helfen dir diese Gedanken ein wenig...
Weißt du Bia, es ist so, dass unser Leben einen Plan hat, dass es seine ganz eigene Zeit hat...
Und wenn dieser letzte Tag gekommen ist, dann können wir ihn nicht verhindern! Wir können nicht abwenden, was geschieht, was geschehen muss! Das ist für mich wirklich Realität...
Liebe Bia, du wirst diesen Weg schaffen... du wirst wieder "leben" können!
Und deine Mama, die wird IMMER in deinem Herzen sein! Denn sie ist ein Teil von dir und du bist ein - ganz großer!!! - Teil von ihr! Ihr werdet für immer verbunden sein...
Ich wünsche dir von ganzem, ganzem Herzen Kraft und Mut!
Du wirst es schaffen - auf deine ganz eigene Bia-Weise 
Sei liebevoll umarmt,
Mirachen / Miraliese