Beiträge von MarieSophieWu

    Ich war nicht wirklich wütend auf meinen Vater, sondern mehr auf das Schicksal. Aber tatsächlich bin ich schon ein bisschen wütend gewesen, was aber eigentlich absurd war. Mein Vater hatte ja einige Vorerkrankungen und hatte knapp 4 Jahre vor seinem Tod eine schwere Sepsis an der er fast gestorben wäre. Danach hatte ich mal zu meinen Eltern gesagt, dass ich Angst habe, dass mein Vater früh stirbt und er meine Kinder also seine Enkel nicht kennenlernen wird. Sie hatten mir damals versprochen, dass das klappt und dass er noch so lange lebt und nichts passiert. Eigentlich ein komisches Gespräch, denn 100prozentig sicher kann man sich ja eh nie sein, dass man nicht stirbt, ich und sie wussten das, aber dass er jetzt 4 Monate vor der Geburt meiner Tochter gestorben ist, hat mich total wütend gemacht und ich hab mich gefragt wieso verspricht man es wenn man es nicht halten kann, wieso hat er nicht einfach gesagt, dass er es nicht versprechen kann weil er nun mal schon krank war. Hört sich wirklich dumm an, aber ich habe es einfach geglaubt, ich hatte diesen Optimismus und den Glauben, dass alles gut wird, evtl war es auch eine gewisse Naivität.


    Naja auf jeden Fall war ich da auch manchmal wütend und frage mich, wieso sie mir nicht mehr verdeutlicht haben, dass das halt jederzeit passieren kann, dass er stirbt. Ich habe das nämlich immer wieder verdrängt, dass er sterben könnte (er selbst auch) und es hätte mir jetzt geholfen, wenn wir noch zu seinen Lebzeiten uns mit seinem Tod auseinander gesetzt hätten... :( natürlich weiß man, dass es immer passieren kann, aber es war auch wirklich nichts vorbereitet, ich glaube mein Vater dachte, er ist irgendwie gefühlt unsterblich und wird Uralt... Das macht mir die Trauer verarbeitung schwieriger und ich habe viel mit Wut auch auf ihn zu kämpfen, ich meine ich bin ja seine Tochter, konnte er mich als Vater nicht besser auf diese Situation vorbereiten??

    So ganz wie vorher wird die Person wahrscheinlich nicht, je nachdem wie groß der Lebenswille ist... Aber jetzt wird man es nie wissen... Bei meinem Vater hatten sie den Luftröhrenschnitt gar nicht mehr gemacht, die Viruslast war zu hoch.. Seine Niere hatte noch vor seiner Lunge versagt wegen des Cts was sie gemacht haben und des Kontrastmittels, da war er 3 Tage an der Dialyse, danach haben sich die Nierenwerte wieder stabilisiert. Alle Werte waren ein paar Tage wieder sehr gut, aber ab der Beatmung ging es mit ein paar Ausnahmen eigtl nur bergab :( dieses hin und her hat mich sehr fertig gemacht, er hat so viel gekämpft und es am Ende einfach nicht geschafft. Am Ende musste er dann eiglt auch wieder an die Dialyse, das haben die aber gar nicht mehr gemacht...


    Die Zeit nach einem schweren Verlauf der überlebt wird ist glaub ich wirklich nicht ohne, für die Angehörigen kann das auch sehr schwer sein, mein Vater hatte sich nach dem septischen Schock vor 4 Jahren auch nie mehr richtig erholt, mir ging es die letzten 4 Jahre auch sehr schlecht deswegen, weil ich meinen gesunden aktiven Vater wieder haben wollte. Jetzt nachdem er gestorben ist, frage ich mich, wieso mir das nicht gereicht hat, er war ja noch "relativ fit".

    Mit der Zeit lernt man das Geschehende einfach zu akzeptieren, ich weiß nicht, ob bei dir dieser Prozess auch so ablaufen wird. Ich bin alles tausendmal durchgegangen und ich glaube das muss man auch. Vieles hat sehr viel Wut in mir ausgelöst und tut es immer noch wegen des ganzen Coronaquatsch, meine Eltern hatten es ja leider nicht ernstgenommen. Manchmal steigere ich mich noch total darein. Bis heute weiß ich nicht, ob das ein gesunder Verarbeitungsprozess ist oder ob man das vermeiden sollte, aber das wäre dann vllt. schon Unterdrückung der Trauer. Ich lasse meine Gedanken jetzt einfach zu und das wird auch empfohlen, auch wenn sie teilweise wirr und logischgesehen nicht zielführend sind, weil man an allem nichts mehr ändern kann. Aber ich vermute, dass dann diese unerträglichen Gefühle der Verzweiflung, Traurigkeit, Unruhe usw., die plötzlich bei mir auftauchen, nachlassen könnten/ertraglicher werden.

    Das weiß man natürlich nie, ob eine andere Behandlung das Leben hätte retten können, aber man muss auch immer im Hinterkopf haben, was so einen Intensivbehandlung für gesundheitliche Nachfolgen hat in dem Alter. Naja man wird es nie wissen. Nach 3 wochiger Behandlung bei meinem Vater und sämtlicher Organschäden, die einfach irreversible waren, hatte ich mir auch gar nicht mehr erhofft oder gewünscht, dass er das überlebt. Es wäre wahrscheinlich ein Leidensweg geworden und er wäre vllt dann ein paar Monate später an einem Infekt o.ä. gestorben.. Das ist wie ich damit umgehe, ich glaube man konnte ihm einfach nicht das Leben retten, man hätte die Infektion vermeiden müssen, aber das war bei meiner Mutter die jegliche Corona Maßnahmen und die Impfung abgelehnt hat eh nicht möglich... Oder vielleicht doch irgendwie, ich weiß es nicht.


    Aber da wo Menschen arbeiten passieren nun mal auch Fehler und im Krankenhaus ist das natürlich auch extrem tragisch. Mein Vater hatte auch erst seine Vorerkrankungen (weswegen er wahrscheinlich Covid auch nicht überstehen konnte) durch einen Behandlungsfehler entwickelt. Vor 4 Jahren hatte er einen Nierenstein, der entfernt werden sollte, eine total harmlose OP. Wegen Fehllagerung des Stents hat er 3 Tage nach der OP eine Urosepsis entwickelt mit anschließenden skeptischen Schock und multiplen Organ versagen.. Er hatte das irgendwie überlebt.. Aber musste dann die letzten 4 Jahre mit chronischen Nierenversagen vorletztes Stadium leben. Das hat ihn natürlich zum Risikopatient en gemacht. Und leider war das wirklich offensichtlich ein Arztfehler, das hat der Chirurg sogar damals halb zugegeben...


    Aber verhindern kann man so etwas nicht wirklich, man kann nicht in die Zukunft schauen :(

    Das Gefühl der Ungerechtigkeit ist ganz normal. Das wird mich auch für den Rest meines Lebens verfolgen :(, also 73 ist heutzutage wirklich kein Alter.

    Menschen über 60 müssen sich für einen guten Schutz eiglt alle 4-6 Monate impfen und um sicher zu gehen auch Antikörpertests machen, denn bei manchen schlägt die Impfung nun mal nicht an... Es sind nun mal 170.000 Menschen an Covid gestorben, klar ist dann das schlimmste vorbei, die Menschen sind tot und die die es überlebt haben werden ja nicht bei der Zweitinfektion sterben. Die Durchseuchung nimmt jetzt nun mal die letzten Opfer noch mit und medial ist das Thema halt durch, deswegen bekommt man davon nichts mehr mit, die Leute nehmen es halt nicht mehr ernst obwohl es noch genauso ernst ist wie 2020 und man extrem vorsichtig sein muss, eigentlich die Maßnahmen genauso radikal einhalten muss wie damals wenn man zur Risikogruppe gehört und es noch nicht hatte... Ich wünschte auch dass ich das vorher gewusst hätte, irgendwo war auch diese Angst da, aber man hat geglaubt es wird schon alles gut. Aber leider sterben noch täglich 100 Menschen an Corona...

    Hallo Karin,


    ich habe zwar nicht meinen Partner, aber meinen Vater vor 4 Monaten an Corona verloren. Er war jedoch nicht 4x geimpft, trotzdem war es für mich auch ein Schock, obwohl ich es immer im Hinterkopf hatte. Das ist halt das Opfer was die Freiheit der jungen gesunden Menschen in der Pandemie jetzt bringt.

    Tut mir wirklich leid für dich. Leider ist es aber so, dass die Impfung nicht lange wirkt, ca. 6 Monate,... danach ist der Schutz fast vollkommen weg. Die Medikamente haben bei meinem Vater auch nichts bewirkt,.. Ich kann dir sagen, dass die Trauer aufgrund dieser Todesursache für mich sehr viel schwerer ist, weil es so vermeidbar wirkt:/ man fühlt sich so sinnlos, die letzten 3 Jahre hat man sich immer an die Maßnahmen gehalten und alles getan und ich habe das Gefühl es war jetzt alles umsonst...

    Hallo Jenny,


    das sind so typische Schuldgefuhle die jeder von uns hat, ich habe mir die letzten 2 Monate über nichts anderes Gedanken gemacht, wie ich meinen Vater hätte retten können. Ich kann dir nur sagen, dass du es zu diesem Zeitpunkt nicht wusstest und es auch nie hättest wissen können, und dass man vorher noch etwas erledigt ist doch was ganz normales. Man kann einfach nicht die Zukunft voraussehen und alles wissen :/ ich glaube aber, man muss sich mit der Todesursachen und mit diesen Gedanken eine Zeit lang beschäftigen, um damit abschließen zu können... Bei mir merke ich, dass diese Gedanken jetzt nicht mehr so präsent sind, aber ich finde/fand es total wichtig darüber sprechen zu können. Ich wollte auch mit meiner Mutter am Anfang darüber sprechen, wie offensichtlich man ja den Tod meines Vaters hätte verhindern können. Leider kam bei ihr nur der Kommentar, "ja stimmt, aber bringt ja jetzt nichts mehr drüber nachzudenken weil man es ja eh nicht mehr ändern kann". Das fand ich etwas unangebracht, ich finde man muss doch trotzdem darüber sprechen was passiert ist. Auf der anderen Seite hatte sie natürlich recht. Also diese Gedanken sind normal und ich glaube, irgendwann lernt man dann einfach das alles zu "akzeptieren" ,...

    Hallo Jenny,


    Ja so geht es mir die ganze Zeit außer gegenüber meinem Mann, da habe ich das nicht und du solltest dir mindestens eine Person aussuchen, auf die du deine Wut nicht verlagerst, wenn du weißt, was ich meine, sonst ist man am Ende ganz allein. Ich war kurz nach dem Tod meines Vaters auf alle wütend auch auf meinen Mann, was aber wirklich kontraproduktiv war. Ich kann mir auch nicht vorstellen, mich in naher Zukunft nochmal mit jemandem zu treffen. Evtl. lade ich mal meine Schwester ein. Aber es geht halt wirklich nur mit Personen die Verständnis haben bzw. das alles miterlebt haben und mein Mann war halt dabei als mein Vater starb und ist auch sehr betroffen und meine Schwester ist ja sowieso auch beteiligt. Aber dass ich mich jetzt auf einen Cafe mit Freunden treffe die nie in ihrem Leben einen derartigen Schicksalsschlag erlebt haben und die dann von ihren "Problemen" erzählen, das kann ich gerade wirklich (noch?) nicht und da werde ich wahrscheinlich auch sehr aggressiv, das ist normal, Aggressivität spielt irgendwie eine größere Rolle in der Trauer als ich es vorher dachte. Es ist aber finde ich nicht das schlimmste Gefühl, der Schmerz, den ich meistens immer nach dem Aufwachen habe und diese Antriebslosigkeit ist tausendmal schlimmer finde ich.

    Liebe Tat, ich habe dieselbe Erfahrung gemacht. Du solltest wirklich auch nichts anderes erwarten von den Menschen oder von deinen Freunden. Sie wissen es einfach nicht besser und können es auch nicht verstehen außerdem haben sie Angst etwas falsches zu sagen. Sie können einfach mit der Situation nicht umgehen und wollen sich mit dem Thema Tod und Trauer nicht auseinandersetzen. Es ist schön, dass du eine Freundin hat, die da schon ähnliches erlebt hat. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Freunde mir teilweise gar nicht mehr antworten auf das was ich schreibe. Eine andere Freundin hat mir nachdem ich ihr gesagt hatte, dass mein Vater gestorben ist geschrieben so etwas im Sinne " tut mir leid, dann werde ich das Thema jetzt nicht mehr ansprechen", danach hat sie irgendwas von Shoppengehen und einkaufen geschrieben. Das fand ich wirklich heftig und extrem unangebracht. Ich habe mich total darüber aufgeregt und seitdem an einfach keine Lust mehr auf weiteren Kontakt... :/

    Hallo Jenny,


    mein Vater ist auch gestorben vor 3 Monaten. Dein Verlust tut mir wirklich Leid. Ich erkenne mich auch wieder in deiner Situation. Meine Mutter hat sich auch in den Monaten/Jahren vor dem Tod meines Vaters sehr egoistisch verhalten, sie interessiert sich auch nicht für mich und wie es mir mit diesem Verlust geht, ich habe seit 2 Monaten keinen Kontakt mehr zu ihr, ich denke, das ist gerade das Beste. Tut mir Leid, dass du von der Seite keine Unterstützung bekommst. Mein Vater war auch mein Seelenverwandter, nur leider hatten wir in den Monaten kurz vor seinem Tod nicht so einen innigen Kontakt wie bei dir. Vielleicht gibt es dir Kraft, dass du noch so viel Zeit mit deinem Vater verbringen konntest und die schönen Urlaube hattest. Aber den Schmerz wird es wahrscheinlich erstmal nicht lindern. Bei mir habe ich das Gefühl es wird jetzt von Woche zu Woche schlimmer, ich bin jetzt seit ein paar Wochen in eine Art schwere Depression verfallen, ich schaffe es kaum meinen Alltag zu bewältigen, der Schmerz ist unerträglich. Ich habe schlimme Ängste, Wut und ein unerträgliches Unruhegefühl, was aber auch mit der Schwangerschaft zusammenhängen könnte, in 2 Woche erwarte ich mein erstes Kind. Es freut mich für dich, dass dein Vater dein Kind noch kennenlernen konnte und es ist sehr schade, dass er es nicht noch ein paar Jahre hat aufwachsen sehen. Ich möchte nicht zu viel von mir sprechen, aber dir lediglich sagen, falls du auch eine derartige Trauerrraktion bekommst, fühl dich nicht alleine und sei dir bewusst, dass Tage kommen werden an denen es dir wieder etwas besser geht.

    Den Kontakt zu meinen Freunden habe ich zur Zeit auf Eis gelegt, ich kann dich da verstehen, dass das für dich auch schwierig ist. Die anderen sind ja nicht in einer derartigen Ausnahmesituation, deren Leben geht nun mal normal weiter, bei uns ist die Trauer gerade der Mittelpunkt unseres Lebens und das lässt sich schwierig verbinden. Vielleicht findest du hier Gleichgesinnte, die dich besser verstehen.

    Hallo Kitty, es tut mir schrecklich Leid.. ich konnte meinen toten Vater noch sehen, aber gebracht im Sinne, dass man es besser versteht oder abschließen kann hat es mir nichts.. ich realisiere trotzdem erst nach Wochen langsam, dass er wirklich weg ist... Auf den Friedhof zu gehen und sein Grab zu sehen hat mir aber wirklich nochmal geholfen, dass alles zu realisieren... Ich hoffe, du findest da einen Weg

    Also diese Sätze sind wirklich nicht hilfreich, das tut mir leid :( versuche deinem Freund vllt ein bisschen die Situation zu erklären und etwas zu sensibilisieren, in deiner Situation ist man einfach nicht bereit nach vorne zu schauen oder dass es weitergeht.. Dein Freund sollte sich wirklich mal mit dem Thema auseinandersetzen, aber es ist gut, dass du da deine Mama hast, die Verständnis hat. Dass deine Mutter sagt, sie lebt ja auch nicht mehr ewig, ist wahrscheinlich einfach nur ein Ausdruck der Verzweiflung und Erkenntnis, dass das jetzt alles endgültig ist. Als ich die Endgültigkeit des Ganzen realisiert habe und mir klar geworden ist, dass ich wahrscheinlich noch um die 50 Jahre leben muss mit diesem Zustand ohne meinen Vater, habe ich auch solche Dinge gedacht, dass man es einfach nicht möchte, aber diese Gedanken gehen auch wieder vorbei, auch bei deiner Mutter

    Hallo Tat,


    Tut mir leid, dass die Gespräche mit deinem Freund dich eher runterziehen anstatt zu helfen. Tatsächlich wissen die aller meisten Menschen nicht wie man mit Trauernden umgehen sollte und dann ist ja jeder Trauernden nochmal individuell. War zumindest jetzt meine Erfahrung.. Mein Mann hat in der ersten Phase auch immer Sätze gesagt, die einfach nicht hilfreich und sogar verletzten waren, obwohl sie eiglt gut gemeint waren. Hört sich zwar banal an aber ich habe ihm dann Online-Artikel zum Thema Umgang mit Trauernden geschickt, die finde ich teilweise sehr gut sind. Naja ich kann dir nur sagen, dass man diese Zeit jetzt einfach durchhalten muss und nicht vergessen darf, dass man in einem absoluten Ausnahmezustand lebt

    Hallo Melanie,


    Mein Beileid, ich kann dich verstehen, ich habe meinen Vater vor 4 Monaten verloren und seit vier Monaten denke ich an nichts anderes mehr und es gibt Tage an denen der Schmerz nicht auszuhalten ist. Die Endgültigkeit des Todes habe ich tatsächlich erst ca. einen Monat danach richtig realisiert :(. Ich kann dir nur sagen, dass es Tage gibt, an denen es dir wieder besser geht, an denen du an deine Mutter denken kannst mit positiven Gefühlen und dann wird es wahrscheinlich wieder Phasen geben an denen es einem unbeschreiblich schlecht geht, ich versuche es aber so zu sehen, der Schmerz ist die Konsequenz, dass man jemanden geliebt hat, und das ist ja vielleicht langfristig besser, als wenn man die Erfahrung einen Menschen so sehr zu lieben niemals gemacht hätte. Aber das hilft einem natürlich nicht viel in dieser schlimmen Trauerphase..

    Ich habe leider auch keine wirkliche Kompensation für meinen Schmerz gefunden, mein Ehemann hilft mir hier sehr stark. Ich denke, es ist gut, wenn du dich mit Gleichgesinnten umgibst die dich verstehen, deswegen ist das Trauercafe schon ein sehr guter Weg.

    Ich habe vor einer Woche angefangen das Grab von meinem Vater zu dekorieren und ich plane aktuell noch schöne Blumen dort zu Pflanzen, er hat ein kleines Urnengrab unter einem Baum.

    Ich habe die ersten vier Monate gar nicht daran gedacht, dass es mir helfen könnte auf den Friedhof zu gehen, da ich auch gar nicht religiös bin, aber die Grabpflege gibt mir das Gefühl, dass ich noch etwas für meinen Vater tun kann und ihm irgendwie nah sein kann. Außerdem sieht man auch die anderen Gräber, an denen Angehörige stehen oder Kerzen angezündet wurden, das gibt einem das Gefühl, dass man doch mit seiner Trauer nicht alleine ist. Vielleicht hilft dir das ja auch. Der Tod meines Vaters war aber für mich auch der erste Verlust eines geliebten Menschen. Es ist und bleibt schwierig... Ich wünsche dir viel Kraft

    Liebe Manuela,


    Ich kann dich genau verstehen, in diesem Gedankenkarussel befinde ich mich auch wieder seit 3 Tagen nachdem mein Vater gestorben ist, jetzt ist es schon 2,5 Monate her.., es wurde zwischenzeitlich besser, jetzt kommt bei mir aber wieder diese Reue und diese Fragen, wieso ich mich denn so falsch verhalten habe und die Zeit nicht mehr genutzt habe, keine andere Person war mir doch wichtiger als mein Vater und das wusste ich doch schon immer. Jetzt fallen mir so viele Dinge ein, die ich hätte besser machen können, Situationen, in denen ich aufmerksamer hätte sein müssen. Aber wir wussten nicht, dass die Zeit so begrenzt ist.


    Versuchen wir uns doch einfach an die schönen Momente zu erinnern, diese vielleicht aufzuschreiben.

    Wir sollten versuchen uns über die schöne gemeinsame Zeit zu freuen, die wir mit unseren Liebsten hatten.

    Danke für eure Antworten.

    Meine Mutter aus ihrer Parallelwelt zu holen ist leider unmöglich, sie ist seit 30 Jahren so und ich habe es die letzten 3 Jahre, nachdem ich mich erstmal selbst von ihren ganzen Verschwörungstheorien und Impfgegnerquatsch lösen musste, den sie mir als Kind manipulativ "beigebracht" hat, vergeblich versucht. Es gab nur Streit, es war nicht möglich, auf logische Argumente reagiert sie nicht, es ist unglaublich. Ich hatte für meinen Vater einen Weg gefunden einigermaßen damit umzugehen, indem ich es aufgegeben habe, sie aus ihrer Parallelwelt holen zu wollen, auch das was Covid anging. Nur leider sieht man was das Ignorieren dieser Situation jetzt gebracht hat :(. Ich hätte mir dahingehend schon eher Hilfe suchen müssen... jetzt kann ich das Passierte nur noch versuchen zu verarbeiten, da habt ihr Recht.

    Ja vielleicht muss man das tatsächlich nochmal alles durchgehen, damit die Wut irgendwie ein Ende nimmt und man normal weiterleben kann.


    Da sollte ich mich echt informieren, ich merke einfach, dass ich glaube ich die letzten 2 Jahre einiges Verdrängt habe.

    Hallo zusammen, danke für eure Antworten, ich berichte euch gerne, wie es mir gerade geht. Ich habe natürlich eingesehen, dass Schuldzuweisungen an meine Mutter nicht richtig sind, sie wollte ja auch niemals, dass er stirbt und sie wusste es nicht besser. Dennoch bin ich gerade in einem Gefühlschaos und das belastet auch meinen Mann. Ich habe einfach ausgesprochen, was ich denke und mein Mann sagt seit einiger Zeit, dass ich mir therapeutische Hilfe suchen muss und dass ich in eine Klinik gehen soll. Aber ich meine das ganze ist erst 2,5 Monate her, ich brauche doch jetzt keine Therapie und ich bin doch auch nicht krank, nur weil es mir selbstverständlich nicht gut geht. Ich habe gesagt, dass ich das nicht möchte und das doch eh schlecht geht, wenn ich hochschwanger bin und bald das Baby da ist und dass ich das alleine schaffe und doch nur reden will. Er meinte ich würde nicht verstehen was er meint dann hat er mich angeschrien und meinte, dass ich nerve und alleine trauern soll :( ich schreibe auch schon seit längerem mit Freunden darüber, aber das sind ja alle Leute, die sowas noch nie erlebt haben und das nicht nachvollziehen können

    Sie gehen oft kurz darauf ein und fangen dann aber wieder an über alltägliche für mich belanglose Sachen zu sprechen, die mich einfach nicht interessieren.

    Ich weiß nicht wie normal meine Reaktion ist. Letztens hatte ich nachts einen schlimmen Wutanfall, das war ganz komisch und ich kann natürlich verstehen, dass das für mein Mann auch schwierig ist. Aus irgendwelchen Gründen habe ich nachts eine halbe Stunde über meine Mutter nachgedacht. Sie ist ja wie gesagt verschworungstheoretikerin, Impfgegner in etc. Sie beschäftigt sich ja mit den ganzen Corona Verschwörungstheorien und auch sehr stark stundenlang am Tag mit dem Ukraine Krieg und den ganzen Verschwörungen darum. Statt dass sie mal die Probleme bei uns zuhause gelöst hätte, sich vernünftig um sich und meinen Vater gekümmert hätte etc. hat sie sich stundenlang mit diesem bescheuerten Ukraine Krieg befasst und mit rechten Inhalten und selbst nach dem Tod von meinem Vater hat sie mir noch irgendeinen Mist darüber erzählt. Wieso verdammt verschwendet man seine Zeit mit so einem Bullshit anstatt Lösungen für die offensichtlichen Probleme bei sich zu finden. Ich habe mich total darüber aufgeregt, sie hätte doch stattdessen mal die wirklichen Probleme die zum Tod meines Vaters führten versuchen können zu lösen. Naja egal ich habe mich darüber aufgeregt plötzlich und war so wütend. Ist das verständlich? Habt ihr solche Reaktionen auch? Eugenich total unlogisch. Es spielt ja jetzt keine Rolle mehr und an sich verschwenden ich mitdiesen Gedanken doch auch nur meine Zeit.. Ich hoffe, ich kann das alles bald vergessen und diese Gedanken an die Vergangenheit, die man eh nicht mehr ändern kann, hören auf, aber ich habe das Gefühl, dass mir das vllt hilft.


    Auch eine interessante Sichtweise bei Schuldgefühlen bei Trauer ist, dass die Schuldgefühle den Zweck erfüllen eine gewisse Handlungsfähigkeit und Kontrolle über das Leben und das Verhindern von solch schrecklichen Ereignissen zu haben. Denn eigentlich muss man doch zugeben, dass man nicht alles verhindern kann und dieses Gefühl der Machtlosigkeit ist wahrscheinlich noch viel schlimmer als das Gefühl, dass man solche tragischen Dinge ja hätte verhindern können wenn man nur dies und das getan hätte.

    Leider ist dem nicht so und man dreht sich im Kreis.


    Ich versuche einfach anzufangen es zu akzeptieren, was passiert ist und dass man es nie hätte verhindern können unter den damaligen Umständen...

    Hallo Manuela,


    Das tut mir alles Leid. Du hast aber wirklich keine Schuld, nie im Leben hättest du doch erahnen können, dass das eine derartige Notsituation ist, das Wissen konntest du nicht haben und wenn du es doch gewusst hättest, hättest du doch sofort gehandelt und wärst direkt ins Krankenhaus gefahren. Manchmal ist das Leben einfach unberechenbar und man kann nicht bei jeder Form von Symptomen immer direkt 112 rufen oder ins Krankenhaus fahren. Und du wolltest ja sogar ins Krankenhaus bald fahren, du hast also alles richtig gemacht.


    Dass man bei dem Tod eines geliebten Menschen Reue hat, etwas nicht getan zu haben oder nicht genug für die Person getan zu haben ist vollkommen normal, diese Gedanken quälen mich auch jeden Tag nachdem mein Vater plötzlich verstarb. Aber ich bin mir sicher, du hast genug getan. Man kann immer "mehr" tun, aber das ist doch auch nicht realistisch, man hat doch auch eigene Bedürfnisse und ist nur ein Mensch.


    Ich kann dir nur sagen, dass es Tage geben wird an denen es dir besser gehen wird, auch wenn man es sich gerade nicht vorstellen kann, das Problem habe ich zumindest gerade. Erstmal muss man das Erlebte verarbeiten, wie lange das dauert, weiß ich nicht genau.

    Hallo zusammen,


    Danke für eure lieben Worte und mayatochter tut mir auch Leid für deinen Verlust. Fast 100, das ist echt ein hohes Alter. Mit Atemnot zu sterben ist aber natürlich für die Angehörigen kein tröstlicher Tod. Mein Mann hatte ihn 3 Tage vor dem künstlichem Koma noch gefragt wie es ihm geht, da meinte er "beschissen" :33: Ich hatte mich gar nicht getraut ihm diese Frage zu stellen, aber was soll man auch Antworten in dieser Situation, dass es einem gut geht?, also es kein friedlicher Tod und das macht es umso schwerer :( kurz bevor er ins künstliche Koma versetzt wurde haben die ihm noch Beruhigungsmittel gegeben, weil er sich so aufgeregt hat über die Maske und über alles, vor allem immer nachdem Besuch da war :( das zeigt mir einfach, dass er nicht sterben wollte und noch weiterleben wollte, das alles nicht wahrhaben wollte und das macht es auch schwierig, diese Momente geben mir einfach ein so schlimmes Gefühl, obwohl ich vor kurzen dachte ein paar Tage es geht vllt. wieder Berg auf, aber gerade ist es schon wieder fast so schlimm, wie vor ein paar Wochen, egal, ob ich mich ablenke oder was auch immer mache, ich habe ein durchgängig schlechtes Gefühl, das Gefühl, was ich vorher gar nicht kannte.. Ich hoffe, euch geht es besser. Ich kann nur nach vorne schauen und abwarten bis es vllt. wieder Berg auf geht

    Danke für eure Worte