Liebe Bille,
ohje, Angst machen wollte ich dir nun wirklich nicht ! Das ist ja bei jedem auch ganz individuell.
Und ja, die ersten Monate hatte ich auch das Gefühl, dass es irgendwie schlimmer wird.
Ich denke dass das damit zusammenhängt, dass man erst dann anfängt, wirklich zu realisieren was passiert ist. Man weiß das zwar von Anfang an, aber man versucht doch zu verdrängen, zu verhandeln und meint, vielleicht könnte man alles doch noch irgendwie ungeschehen machen.
Das Gehirn schützt einen in solchen Extremsitutionen davor, nicht die gesamte Bandbreite sofort zuzulassen. Das passiert nur Stück für Stück, auch wenn uns das tatsächlich nicht so vorkommt.
Wenn ich mich heute rückblickend an die letzten Tage und Stunden meines Mannes erinnere, wo ich Stunden und Nächte an seinem Bett saß, dann sage ich heute auch, "das war definitiv nicht ich, die da saß!"
Ich war Krankenschwester, ich kannte die Abläufe, die Zeichen .... und trotzdem habe ich es nicht realisiert, was da alles passiert ist, weil mein Hirn mich davor schützen wollte zu verstehen.
Wenn du dich bei deiner jetzigen Therapeutin nicht wirklich wohl und gut verstanden fühlst und die Möglichkeit anderer Therapeuten hast, dann solltest du dich vielleicht nochmal nach jemand anderem umsehen. Bei so einer Therapie muss wirklich die Chemie zwischen Klient und Therapeut absolut passen, du musst dich dort wohl und verstanden fühlen.
Dass du dich mit deiner Schulfreundin treffen konntest und ihr so lange geredet habt, das freut mich. Reden und hier im Forum schreiben, nimmt etwas den Druck aus einem raus. Das ist gut und sehr wertvoll.
Auch wenn die Umstände bei jedem ganz anders und ganz individuell sind, hilft wirklich jedes Gespräch, jedes sich sich verstanden fühlen, immer ein bisschen weiter. Das wirst du mit der Zeit auch selbst merken.
Aber die Einsamkeit und das Vermissen, die bleiben vorerst, leider, denn nach jedem Treffen ist man ja wieder alleine und fällt dann Zuhause wieder ins Trauerloch
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Ach Liebes
, jeder hier würde dir gern ein großes Stück, wirklich helfende Trost geben und doch hilft es nicht wirklich.
Herzlichst, Kerstin