Was ist, wenn man niemals darüber hinwegkommt?????

  • Liebe Elster,


    ich frage mich, was genau anders werden soll. Heute ist wieder so ein ganz, ganz schlimmer Tag aus verschiedenen Gründen. Mir ist noch einmal so richtig bewusst geworden, dass Tom einfach NICHT MEHR DA IST. Und das ist so vollkommen alleine bin. Das hat mich wiederholt in furchtbare Weinkrämpfe gebracht, so dass ich mich gar nicht mehr beruhigen konnte und kann. Die Situation wird sich nicht ändern. Und meine Sichtweise darauf wird sich auch nicht ändern. Deshalb ist es wie die Quadratur des Kreises. Ich kann einfach nicht begreifen, was passiert ist. Wer hat uns unseres Lebens bestohlen?????????? Und warum??????????


    Warum muss ich einen Sinn in meinem Leben sehen? Ich frage mich das permanent. Es gibt keinen (mehr)!!!!!!!!!!


    LG

    Bille

  • diese elende Frage, wie es einem geht. Ja, eine dahergesprochene Floskel meist nur.


    Ja, eine gruselige Frage, oder? Ich mag sie seit mein Mann gestorben ist gar nicht mehr.
    Das liegt dabei weniger an der Frage, sondern an der Unfähigkeit - oder inzwischen eher Unwilligkeit - darauf anders zu antworten, als komplex.

    Seit jenem Tag vor gut 2,5 Jahren ist es mir einfach kaum mehr möglich, darauf mit einem schlichten Wort oder Satz zu antworten.
    Ich tue es trotzdem. Bei Leuten, wo ich keine Lust habe, ausführlicher zu antworten. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Sei es weil ich denke / weiß "Interessiert dich doch eh nicht", oder "geht dich gar nichts an" oder "bin nicht in Stimmung".
    Aber es gibt auch Menschen, die bekommen eine komplexe Antwort.

    Aber eines haben alle Antworten gemeinsam: Sie sind IMMER ehrlich. Ich sage nicht "gut", wenn ich das nicht meine. Wenn ich also keine Lust habe, jemandem komplex zu antworten, aber genau weiß, dass ein "schlecht" oder "nicht so gut" zu Nachfragen führen würde, sage ich einfach flappsig "willst du gar nicht wissen" (das so eine herrlich mehrdeutig) und wechsel das Thema.

    Und oft ist es ein Hybrid. Wenn ich komplex antworten könnte. Theoretisch. Weil der Mensch der fragt zu denen gehört, die durchaus komplexe Antworten bekommen. Aber manchmal kann ich einfach nicht antworten, weil es sich einfach nicht in Worte kleiden lässt, wie es mir geht.
    Eine ganze, ganze Weile war meine Antwort "es geht mir gar nicht". Manchmal passt das auch jetzt noch. Erstaunlicherweise kam und kommt das bei allen immer absolut richtig an. Sie haben verstanden, warum ich auf die Frage "magst du es lieber kalt oder warm" mit "Taschenlampe" geantwortet habe. Oder fragen nach und verstehen dann.

    Was ich damit sagen will: Ja, diese Frage kann eine Floskel sein. Aber oft ist sie es nicht. Wirklich nicht. Viele Menschen sind nur so hilflos oder noch besser gesagt unbeholfen, wenn es um den Umgang mit "uns" geht.
    Sie fragen und wollen es auch wirklich wissen, aber sie haben Angst, dass man antworten könnte. Das äußert sich dann in betretenem Schweigen oder irgendwelchem nichtssagendem Blabla des Fragenden.

    Tut den Menschen um euch herum also nicht pauschal Unrecht, wenn ihr denkt, es ist nur eine leere Floskel, wenn sie fragen.

    Und ganz ehrlich: Entscheidet, ob und wie ihr darauf antwortet genau aus einem einzigen Grund heraus: Ob euch grad danach ist, darüber zu reden. Ob ihr es wollt oder braucht und wenn ja, wie. Ob ihr weinen möchtet, schreien, anklagend, einfach erzählend.

  • Lieber Dieter,


    das hört sich so wunderschön an bei dir und ich gönne es dir wirklich von Herzen!


    Ich frage mich, ob das bei mir klappen könnte, also mit Tom zu leben, aber eben nicht mehr physisch. Je mehr ich aber daran denke, dass er eben niemals mehr physisch da sein wird, desto mehr schnürt es mir Herz und Kehle zu! So richtig! Ich brauche ihn einfach, um weiterleben zu können. Eben habe ich laut gesagt: "Wenn es dich, Gott, gibt, dann bist du ein verf... A...loch!!!"


    LG

    Bille

  • Liebe Sonnenente,


    danke, dass du verstehst.


    Ich habe Dieter gerade eben geschrieben, dass diese "Fernbeziehung" mir einfach zu weh tut. Ich finde auch, dass er das wunderschön ausgedrückt hat und freue mich so für ihn, dass es funktioniert. Nur mir bringt die Vorstellung einfach noch mehr Schmerz und Sehnsucht und Hilflosigkeit und Leere und all das.


    Vielleicht bin ich nicht normal. Vielleicht ist es wirklich so. Ich bin falsch. Kann doch sein. Bin ich zu abhängig? So nenne ich das nicht. Ich nenne es: Ein gemeinsames Leben aufgebaut und alles zusammen gemacht zu haben, weil wir dieselben Interessen hatten, die wir mit Freude geteilt haben. Und ja, ich brauchte ihn. Weil ich seit jeher einen Menschen brauchte, der ganz fest an meiner Seite ist. Das war immer mein Herzenswunsch.


    "Willst du gar nicht wissen" ist eine gute Antwort. Die merke ich mir. Ich sage immer: "Ich bin dabei zu überleben".


    Ich glaube, Turicum meinte aber wirklich die Floskel. So hatte ich es zumindest verstanden und ihr deshalb auch so geantwortet. Bei denen, die es tatsächlich ernst meinen, merkt man's wahrscheinlich gleich. Aber trotzdem haben sie keine Antwort, wenn man ihnen die Wahrheit dann sagt. Wie du auch geschrieben hast.


    LG

    Bille

  • Liebe Linchen,


    entweder hatte ich mich falsch ausgedrückt oder du hast es falsch verstanden ...


    Es war so: Meine Kollegin sagte etwas Unschönes mit einem Seitenhieb zu mir. Hätte ich es Tom erzählen können, hätte er geantwortet: "Du weißt doch, dass sie NICHT deine Freundin ist. Du sagst es doch selbst seit Jahren." Er hätte das so ein einem Satz sagen können, weil er sie seit Jahren durch meine Erzählungen kennt und er somit mit dem, was sie heute gesagt hat, sofort etwas anfangen konnte. Das meinte ich mit Vertrautheit. Dass er eben genau gewusst hätte, warum das, was sie sagte, bei mir so negativ ankam und ich es nicht stundenlang hätte erklären müssen. Ich hoffe, ich habe es richtig ausdrücken können jetzt. Meine Gedanken sind heute nicht die besten ...


    LG

    Bille

  • Liebe Christine,


    nein, ich habe keine Kinder. (Mein Mann hat zwei aus erster Ehe, die aber nie mit uns gelebt hatten (und auch nicht hier in der Nähe leben) und zum Sohn gab es auch 20 Jahre lang keinen Kontakt.


    Es ist sehr schön, dass du Töchter und Enkelkinder hast. Das hilft. Natürlich können sie deinen Sohn nicht ersetzen, aber trotzdem ist noch jemand da. Und wenn du Hilfe bei etwas brauchst, sind sie auch da. Das ist ein großer Pluspunkt!


    LG

    Bille

  • Danke, liebe Sonnenente! :*


    Trotzdem kann ich selbst mich dem Gedanken des Falschseins nicht verwehren ...


    Meine Therapeutin (mit der ich ja nicht so klar komme) sagte ja, ich müsse mich nun darauf besinnen, wer ich VOR meiner Ehe war. Mich als Individuum sehen. Aber VOR meiner Ehe war ich halt immer auf der Suche nach dem "Richtigen". Weil ich nicht alleine sein wollte! Weil für mich immer das Ziel war, den einen zu finden. Ohne fühlte ich mich immer nur halb. Also worauf soll ich mich besinnen?, frage ich mich.


    LG

    Bille

  • Natürlich kannst du dich des Gedankens nicht erwehren - denn es fühlt sich ja auch einfach alles falsch an.
    Und seien wir mal ganz ehrlich: Es IST falsch. Es ist einfach falsch, dass genau dieser eine geliebte Mensch von ausgerechnet uns genommen wurde.
    Das kann nicht richtig sein, also ist es falsch.
    Und wir haben alles Recht der Welt, uns genauso zu fühlen. Zu fluchen, zu schimpfen und ja, auch in den Himmel oder wohin auch immer übelste Schimpfworte und Anklagen loszulassen.
    Genauso hat niemand anderes das Recht, zu sagen, was richtig oder falsch ist. Oder das definieren und anderen aufdrücken zu wollen.
    Du bist nicht falsch. An dir ist nichts falsch. Daran, dass du den Gedanken hast und dich so fühlst, ist nichts falsch. Aber genau das ist es: Du kannst und darfst dich falsch fühlen, denn wie gesagt, es ist ja falsch. Aber niemand anderes hat das Recht dazu und jeder, der behaupten würdest, du wärest falsch, läge falsch.

    Deine Therapeutin, uhm, hm, jage sie dahin wo der Pfeffer wächst!
    Ich bin keine geschulte Psychologin und ich halte auch nicht sonderlich viel davon, von daher kann und will ich nicht beurteilen, ob irgendwas von dem, was so mancher dieses Berufsstandes von sich gibt, etwas dran ist und seine Daseinsberechtigung und / oder einen tieferen Sinn hat.
    Aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass das ein derart schwachsinniger Rat ist, dass es sich nicht mal lohnt, darüber nachzudenken!
    Vor allem - was hat das eine mit dem anderen zu tun? Also "sich auf das besinnen, was du vorher warst" und "du bist ein Individuum"? Häh? Weder schließt das eine das andere aus, noch bedingt es sich.
    Sie haben aber was gemeinsam: Beides Schwachsinn. Vorher warst du "die Bille von vorher". Aber auch von jetzt betrachtet, warst du gestern die Bille von gestern. Und morgen wirst du die Bille von morgen sein. Und dazwischen geschehen Dinge. Dinge, die einen Reset unmöglich machen. Wir sind Menschen, keine Manifestationen aus einer Videokassette, die man rauf und runter und vor und zurück spülen kann, um dann an der Stelle anzuhalten, wo es uns passt.
    Aber du bist immer Bille. Und somit ein Individuum.
    Ein "gemeinsam" oder "zweisam" oder "eine Einheit sein", heißt nicht, dass man nicht ein Individuum ist.
    Und nur, weil manche sich zum Beispiel gerne so ausdrücken, dass sie sagen, sie fühlen sich amputiert, oder es ja auch diese geflügelte Wort "bessere Hälfte" gibt, heißt das nicht, dass man kein Individuum ist.
    Da macht die Dame es sich schön einfach, mit diesem "Rat".

    Es ist ja nicht so, dass du einfach irgendwen an deiner Seite hattest, nach dem Motto: Egal wer, Hauptsache, da ist wer. Wenn es so wäre, würdest du nicht sagen "auf der Suche nach dem Richtigen". Aber sie hört vermutlich nur die Sätze "weil ich nicht allein sein wollte" und "ohne fühlte ich mich halb" und gibt daher diesen mMn vollkommen unpassenden und unangebrachten Rat.
    Ich weiß nicht, ob sie "geschult" ist in dem Umgang mit Trauernden, oder generell dem Thema Verlust. Es fühlt sich nicht so an. Vielleicht sollte ihr mal jemand sagen, dass sich für "uns" jeder Rat, der irgendwie das Wörtchen "vor" beinhaltet, sich für uns eine lange Zeit so anfühlt wie "radiere das was zwischen heute und 'vor' aus". Schlimm. Ganz, ganz schlimm und wie ich finde höchst unempathisch zum jetztigen Zeitpunkt.


  • Liebe Bille. Dein Mann hat dir damit den Ärger nehmen wollen, den diese Frau mit ihrer Bemerkung bei dir hinterlassen hatte. Männer sind oft rationeller.Und dazukommt, daß er meiner Meinung nach etwas wichtiges erkannt hat. Warum sich Sorgen machen über Dinge, die man nicht beeinflussen kann. Auch kann man nicht jedermann Freund sein. Und trotzdem ist man manches Mal im Leben von seinen Mitmenschen enttäuscht. Das ist so.Nimm das nicht so wichtig. Das habe ich mir im Laufe der Jahre angewöhnt zu denken, so wichtig bin ich nicht für die anderen. Jeder hat doch hauptsächlich immer mit sich genug zu tun.Wenn man alles, was einem so widerfährt, auf die Goldwaage legen würde, kommt man doch in Teufels Küche. Es ist Mitternacht. Ich habe dolle Kopfschmerzen und musste erst einmal eine Tablette nehmen. Ins Forum habe ich aber reingeschaut. Liebe Grüße und komm gut durch die Hitzeschlacht. Christine

  • Liebe Sonnenente,


    was die Therapeutin meinte, war, dass ich ja vor meinem Mann, also vor meiner Ehe, auch gelebt hatte. Und das ohne meinen Mann. Wenn ich jetzt also sage, dass ich ohne ihn nicht leben kann, dann sollte ich mich daran erinnern, wie ich eben vorher mein Leben gestaltet hatte. An sich verstehe ich das schon, aber das hilft mir jetzt halt überhaupt nicht. Denn dazwischen liegen 26 Jahre, und vor diesen 26 Jahren war halt alles anders. Im übrigen hatte ich davor auch eine langjährige Beziehung, die dann beendet war (und sehr kurz danach lernte ichTom kennen), also war ich da auch nicht für längere Zeit alleine, sondern war das Leben innerhalb einer Partnerschaft gewohnt.


    Mit "falsch" meinte ich, dass ich vielleicht gar nicht alleine sein kann. Aber ich nenne es nicht Abhängigkeit vom Partner. Ich nenne es einfach Zusammensein, weil man es so will. Ich bin mit 6,5 Monaten zur Welt gekommen und verbrachte die ersten drei Monate meines Lebens ganz alleine im Brutkasten, ohne menschlichen Kontakt. Meine Eltern konnten mich nur von außen sehen. Ich glaube, das ist der Grund, warum ich (vielleicht mehr als andere) das dringende Bedürfnis habe, einen Menschen an meiner Seite zu haben, der IMMER da ist.


    LG

    Bille

  • Liebe Christine,


    da sagst du etwas ganz Entscheidendes, nämlich von Menschen enttäuscht sein. Und gerade deshalb hatten wir uns ja so abgekapselt mit der Zeit und lebten nur für uns. So konnte uns kein anderer Mensch mehr richtig und tiefgehend enttäuschen. Und das war gut so!!! Ich würde es immer wieder so machen. Die Kehrseite des Abkapseln sehe ich aber jetzt natürlich ...


    Ich wünsche dir, dass du die Hitze doch einigermaßen gut überstehst. Soll ja noch so bleiben für die nächsten Tage.


    LG

    Bille

  • Liebe Bille. Die Natur des Menschen ist oft kompliziert. Die Wissenschaft kennt vieles nicht. Das mit deinem Bedürfnis nach Zusammensein und das ist meine ehrliche Meinung ,hängt bestimmt mit deiner Geschichte als Baby zusammen. Man kann nicht in die Seele eines so kleinen Wesens schauen, aber es hat ein Seele. Ich habe mit meinem Enkel etwas erlebt , was ich nie vergessen habe. Er hatte keine Fontanelle. Und damit das Gehirn sich ausbreiten kann,musste ihm eine Fontanelle durch eine Operation gemacht werden.Er war 7 Monate alt. Ihm wurde die Schädeldecke von Ohr zu Ohr aufgemacht.Dann wieder zugenäht. Es war eine schwere OP. Meine Tochter hat damals viel durchgemacht. Aber jetzt kommt der Grund, warum ich das schreibe. Als er wieder in Ordnung war,war er bei mir öfters zu Hause. Ich war da ja schon in Rente. Und da geschah immer etwas Seltsames. Immer wenn ich mit ihm ins Bad ging, fing er jedes mal an, fürchterlich zu schreien .Wir waren verzweifelt und gingen zu einem Psychologen.Der sagte uns ,nachdem wir von der OP erzählt haben, daß diese OP für das kleine Würmchen ein Trauma war und die weißen Fliesen in meinem Bad ihn an den OP Saal erinnern . Das hat mich sehr beeindruckt. Der Mensch hat also eine Seele ab dem Moment, wo er auf die Welt kommt. Heute erinnert eine breite Narbe ihn, aber er lebt damit. Die Natur hat ihm zur Wiedergutmachung wunderschöne kräftige dunkle Locken geschenkt. Und manchmal machen wir ein Späßchen und nennen die Narbe Reißverschluss. Liebe Bille. Sei nicht so streng mit dir. Und was alle anderen sagen ,ist zwar gut gemeint aber du hast das Recht auf deine ganz persönlichen Empfindungen. Liebe Grüße von Christine.

  • Liebe Bille,

    ich konnte mir auch nie vorstellen, mal alleine leben zu können. Als mein Mario gestorben ist habe ich immer gesagt: "Ich war nie alleine, ich wollte nie alleine leben, ich kann das nicht, ich halte das nicht aus und ich werde das auch niemals lernen."


    Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass es doch mal so kommt wie es jetzt ist (im Juli werden es schon 6 Jahre X/) - dass ich alleine lebe und sage: "Ich bin jetzt angekommen in diesem Leben - alleine, ohne meinen lieben Mann physisch an meiner Seite.

    Ungewollt, ohne Frage, aber irgendwie muss man sich ja mit der Situation arrangieren. So sehr man sich den geliebten, verloreren Menschen auch zurück wünscht, der Wunsch erfüllt sich leider nicht :(.

    Mein Schatz fehlt mir auch heute noch jeden Tag, ich vermisse unser schönes, gemeinsames Leben, aber ich habe gelernt mit diesem Verlust umzugehen und mir mein Leben alleine, so schön wie möglich zu machen.


    Heute denke ich, der Mensch gewöhnt sich mit der Zeit an alles, auch an Dinge die man absolut ablehnt, gegen die man nicht an kann und auch nicht will ... weil das Gehirn bei allem was immer wieder passiert, was sich immer wieder wiederholt, auf Automatismus schaltet. Der Blickwinkel verändert sich, ohne dass man sich dessen, anfangs bewusst ist.


    Bei mir sind in diesen fast 6 Jahren so viele Dinge passiert, die ich niemals für möglich gehalten habe, in denen ich Sachen versucht habe, die ich für mich immer absolut ausgeschlossen hatte. Und trotzdem bin ich immer wieder über meinen Schatten gesprungen und habe versucht, was unmöglich erschien. Manchmal nicht mit dem Ergebnis dass ich mir gewünscht hatte, aber gebracht haben mir diese Dinge alle was und wenn sie nur dazu dienten, etwas auszuschließen. Daran bin ich letztlich gewachsen und habe gemerkt was ich kann und will und was nicht.


    Aber es hat wirklich sehr lange gedauert. Die ersten 3 Jahre war ich garnicht bereit, überhaupt irgendetwas ändern zu wollen.

    Die Kraft dafür habe ich bekommen als ich mir vorstellte, dass mein Schatz - sollte er wirklich alles mitbekommen, wie ich ohne ihn jeden Tag leide, ja auch leidet. Und das wollte ich wirklich nicht. Er hat durch seine schreckliche Krankheit, mehr als genug gelitten und ich wollte, dass es ihm jetzt gut gehen darf und dass er sich um mich, nicht ständig Sorgen machen muss.

    Das war nach 3 Jahren dann der Wendepunkt bei mir.


    Hab ein wenig Geduld mit dir. Du bist zu recht tief traurig und verzweifelt. Es ist doch gerade erst passiert.

    Aber ... es kommt die Zeit, in der sich fast unbemerkt etwas ändern wird, darauf kannst du wirklich vertrauen.


    Herzlich liebe Grüße, Kerstin

  • Liebe Christine,


    es ist mit Sicherheit so, dass eine kleine Seele all das speichert, was ihr ganz früh im Leben widerfährt. Das scheint bei mir so zu sein und auch bei deinem Enkel. Meist sind diese Dinge aber nicht offensichtlich bzw. werden sie auch aus Unwissenheit gar nicht aufgedeckt. Mich brachte eine Frau aus der Selbsthilfegruppe auch erst kürzlich auf den Gedanken (als ich einfach so im Gespräch die 6,5 Monate erwähnte, weil es grad passte), und da habe ich es ja auch erst selbst so richtig realisiert. Es war mir vorher gar nicht bewusst, ehrlich gesagt.


    LG

    Bille

  • Liebe Kerstin,


    aber kannst du mit einem guten Gefühl alleine durch den Rest deines Lebens gehen? Was fühlst du dabei? Wie fühlst du dich in den einsamen Stunden? An den einsamen Abenden? In allen Situationen, in denen dein Schatz vorher bei dir war und auch heute noch bei dir wäre, wenn nicht das Schicksal so grausam zugeschlagen hätte?


    Man wird ja nicht jünger. Man möchte jemanden an der Seite, der einen an die Hand nimmt und alles mit einem gemeinsam durchsteht. Mit dem man das Leben leben kann. Man wird vielleicht krank. Aber auch wenn man nicht krank wird, man ist alleine. Was man nie sein wollte. Macht einen so ein Leben zufrieden? Gar glücklich?


    "Der Mensch gewöhnt sich mit der Zeit an alles" - aber doch meist nur, weil er es muss. Heißt aber wie gesagt nicht, dass er damit glücklich ist, sondern dass er es hinnehmen muss, weil es keine Alternative gibt. Seit gestern fühle ich mich nochmal eine Spur schlechter, und deshalb kann ich auch sagen, dass dieses alternativlose Dasein einfach nur eben ein Dasein ist und nicht Leben genannt werden kann. ;(


    LG

    Bille

  • Liebe Bille. Man weiß sowieso oft zu wenig über den Menschen. Manchmal ist es auch gut so,aber manchmal ist es wichtig. Auf alle Fälle ist es hilfreich, wenn man sich ein wenig auskennt mit der Psyche .Mich interessiert das sehr.Was ich für ganz wichtig erachte ist ,daß ich immer mehr darauf achte ,was tut mir gut und was nicht.Das klingt so banal,ist es aber nicht. Ich brauche meine Ruhe, meinen Frieden. Das ist am Ende des Lebens notwendig. Ich zerbreche mir nicht mehr für andere Leute den Kopf .Das habe ich genug gemacht. Mir geht's gesundheitlich bis auf die olle Prothese recht gut. Vielleicht kann ich noch ein paar schöne Jahre in meiner neuen Wohnung genießen. Du bist bestimmt noch viel jünger. Du hast noch mehr Möglichkeiten. Nutze die Zeit, sie kommt nicht wieder. Liebe Grüße von Christine.

  • Liebe Bille,


    allternativ los Nein warum.


    Du stehst noch so am Anfang bist verzweifelt und siehst keinen Weg wie denn auch, kann ja noch gar nicht.


    Aber es ist alles andere als allternativlos und nicht nur ein dasein, es kann auch Leben sein.


    Niemand weiss was passieren wird was die Zunkunft bringt, welche Wege man geht.


    Natürlich wirst Du immer den Schmerz mit Dir tragen es wird gute Tage geben aber auch sehr schlechte Tage.

    Die Wunde wird nie ganz verheilen die Narben bleiben und das ist völlig normal.


    Vlg. Linchen

  • Liebe Christine,


    die Psyche des Menschen hat mich auch immer schon sehr interessiert. Auch habe ich immer darauf geachtet, was mir gut tut. Das hatte ich ja gefunden: Das Leben mit meinem Mann so zu gestalten, wie es uns beiden gut tat.


    Nun stehe ich halt da und habe nichts mehr, was mir gut tut, denn alles hing ja mit unserem GEMEINSAMEN Leben zusammen. Deshalb ist halt ALLES aus den Angeln gerissen. ALLES auf den Kopf gestellt. ALLES verschwunden. Vollumfänglich.


    Ein neues Leben nur für mich aufzubauen ist die größte Herausforderung, der ich bisher gegenüberstand. Ich möchte es auch nicht. Aber ich muss. Ich fühle mich total verloren, einsam, allein, verunsichert mit einer unbekannten Zukunft vor mir, die mir totale Angst macht und Panik in mir auslöst ...


    LG

    Bille