Liebe Kerstin,
liebe Christine,
es ist schön, dass ihr mir berichtet, was ihr so getan habt. Danke dafür!
Kurz noch zu mir und meiner Situation: Ich lebe in einer Eigentumswohnung (also kein Garten vorhanden) und bin berufstätig. Momentan wieder krankgeschrieben. Ich denke noch bis Mitte Juni. Dann sind 6 Wochen um, ich möchte aus diversen Gründen nicht ins Krankengeld kommen. Einer ist, dass mein Witwengeld noch immer nicht genau berechnet ist, und wenn sich unterjährig dann noch mein Gehaltszettel ändert, gibt das noch mehr Probleme. Das muss endlich geregelt werden. Ich muss mir einfach unnötige Dinge vom Hals halten.
Ich bin auch täglich am Grab. Mal kurz, mal länger. Aber ich rede sowieso den ganzen Tag mit meinem Mann, ganz egal, wo ich bin ...
Jeden Tag gehe ich in den Wald und rede weinend mit mir selbst, höre Trauerpodcasts oder telefoniere mit meiner Mutter oder der Telefonseelsorge. Ich brauche jede Unterstützung, die ich kriegen kann.
Ansonsten beschäftige ich mich halt noch immer mit Papierkram, gehe zu Trauergruppen, Selbsthilfegruppen, lese hier im Forum, lese Bücher, mache was im Haushalt ... All die Dinge eben. Aber es kommt mir alles so sinnlos vor.
Nur: Alles, was ich höre und lese ist bei mir momentan nur THEORIE, ich kann das alles nicht umsetzen. Alle Erinnerungen an meinen Mann bringen mich um, machen mich wahnsinnig. Bedeuten einen Nervenzusammenbruch. Immer und immer wieder. Deshalb kann ich auch keinen Ort einrichten, um ihm nahe zu sein. Das klappt jetzt einfach noch nicht. Wird es jemals klappen? Ich weiß es nicht. Heute sage ich: Nein, das wird niemals klappen. Weil ich niemals die Schwelle vom Unerträglichen ins halbwegs Erträglich schaffen werde. Ich bin wie so in einem luftleeren Raum schwebend. Kann mich nirgends mehr andocken. Gehöre nirgends hin. Mein Zuhause, mein Daheim ist verloren ... Und ich bin mit verloren ...
(Liebe Kerstin, das ist so schön, dass du auf diese Weise eine gute Freundschaft gefunden hast. Das freut mich sehr für dich!
Und dass du, und auch du, liebe Christine, euch einen Ort (Altar) daheim ausgesucht habt, wo ihr die Nähe zu eurem Liebsten habt, ist so tröstend zu lesen. Aber wie ich oben schon geschrieben habe, geht das bei mir aktuell nicht. Ich kann ja nicht mal ein Foto von ihm anschauen ...)
Gestern hatte ich meine erste Therapiestunde. Oh Gott!!! Was für eine unmögliche Frau!!! Das wird nix werden mit der. Um "guten Willen" zu zeigen, wäre ich bereit, noch eine oder zwei Stunden zu machen. Aber ich weiß, dass ich das auf Dauer nicht weiterführen könnte. Wie wunderbar, dass mir das auch noch passieren musste.
Ich suche weiter ...
Ganz liebe Grüße
Bille