Posts by Bille

    Liebe Turicum,


    diese Aussage von deinem Sohn tut selbst mir weh. Wie kann er dir so was sagen? Hat er denn gar keine Empathie? Er weiß doch genau, was alles passiert ist und passiert. Ich kann dir nachempfinden, wie tief dich das verletzt hat. Da fehlen einem die Worte, ganz ehrlich. Schön für ihn, wenn er alles ausblenden und fröhlich sein kann. (Sorry - no, not sorry, für diesen Sarkasmus.) Vielleicht stoppst du mal für eine Weile den Kontakt? Nur, wenn du das möchtest und kannst, natürlich. Ansonsten wünsche ihr dir ganz viel Kraft, mit seiner Äußerung irgendwie umzugehen!!!

    Lieber Dieter,


    das befürchte ich eben auch, nämlich dass dieser Niewiederhammer ein Leben lang zuschlagen wird. Es sind einfach zu viele Erinnerungen mit unseren Lieben verbunden, die man nicht ausradieren kann. ;( Bei mir reicht ja als Trigger schon, dass sein Schüsselchen mit Porridge nicht mehr jeden Abend neben meinem im Kühlschrank steht. Und dann die "großen" Dinge. Die reihen sich aneinander von früh bis spät, ohne Vorwarnung ... Mein Herz blutet ständig! Von den Krankenhausszenen ganz zu schweigen!!!

    Liebe Christine,


    du bist zur Ruhe gekommen und hast Frieden. Das ist das Beste, was man haben kann! Und man spürt, dass es bei dir wirklich so ist. Ich freue mich von ganzem Herzen für dich!


    Es wäre vieles für mich leichter, wenn ich nicht dieses Trauma in der Klinik hätte erleben müssen, wenn ich nicht wochenlang meinem Mann beim Sterben hätte zusehen müssen und wenn ich noch einmal über alles mit ihm hätte reden können. Dann könnte ich vielleicht auch schneller Frieden finden. So ist das alles eine noch größere Belastung.


    LG

    Bille

    Liebe Elster,


    nur zur Erklärung: Der Fragebogen diente dazu, einen an den richtigen Facharzt zu übermitteln. Das sollte eine Ersteinschätzung sein, damit die wissen, was mit einem los ist.


    Ich MUSS "jeden Stein umdrehen", wie du es formulierst, sonst komme ich aus meinem Loch nicht raus und vereinsame auch total. Ich bin praktisch zu Dingen gezwungen, die ich gar nicht möchte. Ich muss irgendwie unter Leute. Du schreibst "gigantisch". Besser könnte ich es nicht ausdrücken. Es ist jedes Mal für mich wie eine Besteigung des Mount Everest.


    Die Leitung (Wir beide verstehen uns sehr gut!) war da. Und ist auch eingeschritten. Sogar so weit, dass zwischen den beiden fast ein Streit entstand. Und wenn das so weiter geht, wird er sie wohl auch der Gruppe verweisen.


    Ich führe die Bilder mal weiter: Ich bin weit draußen im Meer und sehe weder das Ufer, noch einen Rettungsring, mit dem ich vielleicht etwas näher zum Ufer kommen könnte. Mir schwappen nur die Wellen von rückwärts ins Gesicht, ich schlucke Wasser, bin nah am Ertrinken und treibe so noch weiter raus ... In der Ferne sehe ich euch. Ich kann aber nicht zu euch gelangen, weil ich einfach viel zu viel Wasser schlucke und kämpfe, um nicht gänzlich unterzugehen.


    LG

    Bille

    Liebe Linchen,


    ja, das stimmt, es kommt immer auf die individuelle Situation an. Und das individuelle Leben mit den individuellen Empfindungen. Wir sind alle verschieden mit verschiedenen Leben und verschiedenen Auffassungen von Dingen, aber eins eint uns: dieser unvorstellbare Schmerz des Verlusts! Wie wir jedoch diesen Verlust überleben, das ist bei jedem verschieden. Das weiß ich, und ich suche meinen Weg zum Überleben. Mein Hirn sagt mir aber ständig: Du kannst das nicht überleben!!! Wie soll das gehen ohne Tom??? Wie sollst du dir ein Leben OHNE ihn aufbauen??? Darauf kann mir niemand eine Antwort geben. Auch das weiß ich. Aber das ist ja eben so schrecklich. Weil man eine Antwort haben möchte. Weil man eine Lösung wissen möchte. Aber all das bekommt man nicht.


    Ich stelle mir so oft die Frage: Wird es eines Tages wirklich so sein, dass ich, egal, was ich gemacht habe, nicht mehr denken werde: "Nie mehr wird er das und das gemeinsam mit mir erleben können!"?


    LG

    Bille

    Liebe Christine,


    weißt du, wenn in der Selbsthilfegruppe nicht auch andere wäre, dann würde ich vermutlich nicht mehr hingehen. Ich hoffe, nächste Woche ist es wieder besser. Da ich ja keine Sozialkontakte habe und mir wirklich ALLES neu aufbauen muss, ist es aber auch gut für mich, unter Menschen zu kommen. Du sagst, dass es vielleicht nicht gut ist, auf allen Ebenen zu versuchen, Hilfe zu bekommen. Vielleicht stimmt das. Das wird sich zeigen. In meinem jetzigen Zustand muss ich aber wirklich alles versuchen, denn sonst werde ich verrückt. Durchgehen muss ich auch alleine, das stimmt. Aber vielleicht bekomme ich ja "Anregungen", wie es etwas leichter geht. Und am meisten Angst habe ich ja davor, wie mein Leben weitergeht. Das kann man nicht sagen, so wie du geschrieben hast. Eins ist nur sicher: Es wird NIEMALS so weitergehen, wie es einmal war. Und eigentlich will ich nur das, was einmal war. So wie wir alle! Wie ich damit umgehen soll/kann/muss weiß ich einfach nicht. Das ist die allergrößte Hürde für mich! Und "besser" wird mein Leben sicher nicht. ;(


    Zum Thema Depression: Ich glaube, viele verwechseln depressive Zustände mit richtiger Depression. Wahrscheinlich haben wir alle - oder jedenfalls die meisten - in unserem Leben schon depressive Zustände gehabt. Die sind dann natürlich nicht mit der Krankheit Depression gleichzustellen. Ich nehme mich da nicht aus: Ich sage auch oft Depression, wenn ich nur die temporären Zustände meine.



    LG

    Bille

    Liebe Christine,


    du bist eine ganz Liebe und noch eine total Hübsche dazu! :*


    Deine Lebensfreude ist so schön für mich zu lesen! Ich wünschte, ich hätte nur einen klitzekleinen Teil davon. Bei mir ist jede Freude verschwunden. Heute musste ich einen Fragebogen für ein Therapieprogramm der Krankenkasse ausfüllen. Eine der Fragen war: "Wie oft haben Sie keine Freude mehr an Dingen, an denen Sie früher Freude hatten?" Meine Antwort: "Beinahe täglich." Es war zum Ankreuzen, und eigentlich hätte "TÄGLICH" auf mich zugetroffen. Doch das stand nicht dabei. Es ist tatsächlich so, dass ich keine Freude mehr kenne. Und zwar tagaus, tagein. Das Leben war mal so schön. Ich konnte mich an ganz kleinen Dingen so sehr erfreuen, wie z.B. ein Miniblümchen am Wegesrand, das außer mir gar keinem aufgefallen wäre. Es mussten gar keine großen Sachen sein. Aber heute bewege ich mich wie in einer meterdicken Glaskugel durch die Umgebung und merke gar nicht, was neben, vor und hinter mir vor sich geht. Ich bin wie isoliert von allem und jedem.


    Du hast recht: Es gibt keine Abstufungen oder Hierarchien in der Trauer. Aber ich glaube, es gibt Unterschiede. Eine Frau in einer Trauergruppe sagte mal, dass eine Freundin von ihr, die ihren Mann verloren hatte, zu ihr gesagt hätte: "Bei dir ist der Verlust doch noch viel schlimmer als bei mir. Es war doch dein Kind." Ihre Antwort darauf: "Das stimmt. Aber ich komme nach Hause, und da ist noch mein Mann. Du aber kommst nach Hause, und da ist niemand mehr!" Ich wusste genau, was sie damit ausdrücken wollte. Mit schlimmer oder weniger schlimm hatte das nichts zu tun, sondern damit, dass der Verlust in der Struktur ein anderer ist.


    Eben war ich in einer Selbsthilfegruppe. Es war nicht gut heute, und da ich mich heute sowieso ganz schlecht und innerlich total leer fühle, war das so kontraproduktiv. Eine Frau, von der niemand richtig weiß, warum sie überhaupt da ist, hatte wieder viel zu viel und viel zu lange geredet, dass man gar nicht mitbekam, was sie eigentlich sagen wollte. Zudem kommt sie aus Venezuela, spricht zwar sehr gut Deutsch, aber es ist so anstrengend, ihr zuzuhören, dass man irgendwann abschaltet. Das Treffen hat nichts gebracht. Sobald ich dann wieder im Auto auf dem Heimweg saß, heule ich dann wieder Rotz und Wasser. Einerseits war es die Enttäuschung über das schlechte Treffen, andererseits kam bei dem schönen Wetter sofort der Gedanke: "Wie schön wäre es, wenn Tom jetzt nebenmir säße und wir könnten noch etwas unternehmen." Dann war's halt restlos um mich geschehen. Und wie sich diese Gedankengänge jemals ändern sollen, ist mir das allergrößte Rätsel. Meine Verzweiflung wird immer größer!


    GLG

    Bille

    Liebe Elster,


    ich schätze dein "Elstergeschwätz" wirklich SEHR! :*


    Was sollen Ärzte auch sonst machen? Medikamente verschreiben ist doch immer das erste, was sie tun. Ich muss aber dazu sagen, dass ich irgendwann (nachdem ich aber vorher immer Nein dazu gesagt hatte) quasi drum "gebeten" hatte, aber nur, weil ich auch hier guten Willen zeigen wollte, damit es nachher nicht heißt: "Aber Sie lehnen ja jede Hilfe ab!" Mir war aber klar, dass ich sie nehmen würde.


    In der Selbsthilfegruppe sind Mitglieder, die nehmen seit Jahren mehrere Medikamente und hinterfragen das nicht mal. Sie nehmen sie einfach. Für mich ist das undenkbar!

    Lieber Dieter,


    ich freue mich so für dich, dass die diese "Hallo's" hast und sie dich so glücklich machen!


    Ich stelle es mir gerade bei mir vor, wenn es jetzt so wäre. Dafür bin ich noch nicht gefestigt genug. Das sagt mir mein Inneres. Vielleicht ... eines Tages ... Ich weiß es nicht ... Vielleicht bin ich einfach zu labil dafür sein und werde es immer sein.

    Liebe Elster,


    du drückst das sehr gut aus! Ich bin amputiert, ja. Völlig. Und ich kann morgen nicht einen Berg erklimmen. Ich weiß. Ich glaube, wenn ich jünger wäre (10, 20 Jahre ...), dann könnte ich mir auch "mehr Zeit lassen" mit der Heilung, mit dem Erklimmen des Berges. Dann wäre ich vielleicht nicht so angsterfüllt. Aber so denke ich quasi, dass mir die Zeit wegläuft. Dass ich in diesem desolaten Zustand, in dem ich jetzt bin, "alt" werde. Und alleine "alt werden" war immer schon eine ganz grausame Vorstellung für mich. Immer, wenn ich z.B. alte Frauen alleine im Supermarkt sah, dachte ich: "Ob sie wohl ganz alleine ist und nur für sich einkauft?" Und dann taten sie mir immer so leid, weil das eben diese Urangst von mir schon immer war. Und wie du so schön schreibst: "Bille in mutig". Die war eben viel, viel jünger und dachte nicht groß an den Rest es Lebens, weil sie noch viel zu viel Leben vor sich hatte!

    Liebe Linchen,


    ich bekomme gerade richtige Gänsehaut, wenn ich das lese!!! Das ist so schön, so berührend und so tröstend. Auf der anderen Seite aber auch (für mich!) so traurig. Das hatte ich ja schon geschrieben. Ich glaube nicht, dass ich damit klar kommen könnte. Zu tief würde es bei mir gehen, genau das NIE MEHR im Leben haben zu können. Die Sehnsucht danach würde mich umbringen.

    Liebe Christine,


    auch da muss ich dir vollkommen zustimmen! Einerseits denken und fühlen wir alle hier dasselbe, andererseits sind die Ausprägungen, Aussichten, Perspektiven usw. bei allen völlig anders, weil wir eigene Individuen mit eigenen Lebensgeschichten und Lebenserwartungen sind. Deshalb kann man immer nur schreiben, was einem selber vielleicht geholfen hat, aber genau das kann vollkommen falsch für jemand anders sein.


    So etwas habe ich gerade heute noch zu meinen Eltern gesagt, mit denen ich einen Podcast angehört hatte und meine Mutter dann anschließend meinte, ich könnte mir doch ein Beispiel daran nehmen. Sie meinte das gar nicht böse oder übergriffig - ganz im Gegenteil - aber die Formulierung von ihr oder das Ansinnen war so kontraproduktiv in dem Moment, dass wir uns anschließend gar nicht mehr unterhalten konnten.


    Aber egal, wie wir unser Leben hatten oder haben werden, oder was wir uns wünschen - wir sind alle froh, dass wir hier reden können, und das ist so viel wert!!!

    Liebe Sonnenente,


    ja genau, diese Angst ist einfach mit nichts zu vergleichen. Sie lässt mein Herz bluten, sie schnürt mir die Kehle zu, sie lässt mich nicht mehr atmen. Diese Angst ist dermaßen allumfassend, das könnte man niemals jemandem beschreiben, der sie nicht selber kennt.


    Ich suche gerade auch nach einem anderen Wort für "Erdrutsch". Denn für mich fühlt es sich noch viel schlimmer an als eben ein Erdrutsch. Ich habe mir in meinem Leben schon sehr oft gewünscht, dass mich negative Situationen nicht sooo dermaßen mitnehmen, sondern dass vieles einfach an mir abprallen könnte, so wie bei vielen anderen Menschen, die nicht mal mit der Schulter zucken, während ich schon längst am Boden liege. Deshalb wusste ich ja immer, dass, wenn etwas wirklich Schlimmes und Dramatisches passiert, ich das nie überleben würde. Und genau das ist halt jetzt passiert! Deshalb versinke ich ...


    Die Sache mit dem Medium habe ich mal jetzt hintenangestellt. Ich hatte halt überlegt, weil ich einige Podcasts darüber gehört habe. Drauf einlassen könnte ich mich momentan nicht. Was du schreibst, habe ich aber sehr gründlich gelesen!

    Liebe Christine,


    genau das meinte ich ja mit "darüber hinwegkommen". Man kommt niemals darüber hinweg. Man vergisst nie. "Damit leben", das meinte ich.


    Ja, ich verstehe genau, was du meinst. Jedes Leben ist kostbar. Das stimmt. Ich möchte aber nicht ein Leben alleine. Ich kann das nicht. Ich brauche jemanden an meiner Seite. Habe ich zu wenig Selbstbewusstsein? Ja, mit Sicherheit. Als ich jünger war, hatte ich mehr davon. Ich traute mich auch viel mehr. Hatte viel weniger Angst. Aber man wird älter, macht Erfahrungen. Gute, schlechte, welche ohne besondere Bedeutung usw. Man denkt irgendwann an später. So richtig an später. Man registriert, dass man tatsächlich älter wird und das Leben endlich ist. (Wer denkt mit 18 schon daran?) Und dann sagen die einen: Ich kann und will das alles alleine schaffen. Ich brauche niemanden an meiner Seite. Und die anderen sagen eben: Ich kann es ohne Seelenpartner nicht schaffen, und ich will es auch gar nicht. Ich brauche einfach den Halt an meiner Seite. Und zu denen gehöre ich. Ich kann das wirklich ganz schlecht erklären, ohne total destruktiv zu wirken. Deshalb formuliere ich es halt immer so: Für mich persönlich hat das Leben keinen Sinn, wenn man es alleine verbringen muss. Anders kann ich's einfach nicht sagen.

    Liebe Elster,


    das hast du wirklich sehr, sehr schön geschrieben! Vielen lieben Dank!


    Aber Bille hat trotzdem furchtbare Angst vor der Zukunft, denn die Zukunft wollte sie nicht alleine verbringen, sondern dachte, dass sie sie mit dem Menschen an ihrer Seite verbringen dürfe. Ich weiß, das habt ihr alle in der Situation gedacht und gehofft.


    ch möchte gar nicht diese andere neue Version von mir selbst. Bitte nicht falsch verstehen. Ich kann aber sagen: Ich weiß ganz genau, dass sich diese neue Version von mir selbst immer nur "halb" anfühlen würde. Erklären kann ich das nicht. Ich weiß nur, dass es so ist. So sieht es halt in meinem Herzen aus. Ich konnte schon immer ganz schwer loslassen. Eigentlich kann ich das gar nicht. So bin ich gepolt. Kann nicht loslassen und kann mich nicht gut auf Veränderungen jeglicher Art einlassen. Deshalb hatte ich es auch schon immer schwer im Leben. Selbst mit ganz "normalen" oder "unwichtigen" Dingen. Situationen, die andere gar nicht merken, hängen mir ewig oder auch ein Leben lang nach. Das ist mir mit den Jahren immer bewusster geworden.

    Liebe Linchen,


    kann erst jetzt wieder schreiben. Ich musste etwas Pause mit Tippen machen, weil ich Schmerzen in einer Hand hatte.


    Ich habe ja zwei Medikamente hier: Mirtazapin und Opipramol, die ich jederzeit nehmen könnte, wenn ich wollte. Viele sagen ja auch, dass die "gar nicht so schlimm" sind. Aber ich habe halt zu Medikamenten immer schon ein gespaltenes Verhältnis gehabt, besonders zu Psychopharmaka. Noch nehme ich sie nicht. Vielleicht kann ich ja irgendwann gar nicht mehr und überlege es mir doch noch ...


    Hattest du denn nicht das Gefühl: Jetzt spüre ich, dass Mama da ist. Ich will das IMMER spüren? Konntest du das so nehmen, ohne diese tiefe Sehnsucht zu haben?

    Liebe Elster,


    es wird bemerkt, weil ich auf der Arbeit halt bestimmte Dinge gesagt habe ... Dass ich nicht mehr leben, will, am liebsten gegen einen Baum fahren würde usw. Deshalb hatten sie mich ja wieder in den Krankenstand geschickt. Und wollten mich auch schon in eine Klinik bringen. Das darf man also niemals sagen! Das weiß ich jetzt. Aber ich war so am Ende, dass ich gar nicht mehr nachdenken konnte ...