Beiträge von Bille

    Liebe Christine,


    auch da muss ich dir vollkommen zustimmen! Einerseits denken und fühlen wir alle hier dasselbe, andererseits sind die Ausprägungen, Aussichten, Perspektiven usw. bei allen völlig anders, weil wir eigene Individuen mit eigenen Lebensgeschichten und Lebenserwartungen sind. Deshalb kann man immer nur schreiben, was einem selber vielleicht geholfen hat, aber genau das kann vollkommen falsch für jemand anders sein.


    So etwas habe ich gerade heute noch zu meinen Eltern gesagt, mit denen ich einen Podcast angehört hatte und meine Mutter dann anschließend meinte, ich könnte mir doch ein Beispiel daran nehmen. Sie meinte das gar nicht böse oder übergriffig - ganz im Gegenteil - aber die Formulierung von ihr oder das Ansinnen war so kontraproduktiv in dem Moment, dass wir uns anschließend gar nicht mehr unterhalten konnten.


    Aber egal, wie wir unser Leben hatten oder haben werden, oder was wir uns wünschen - wir sind alle froh, dass wir hier reden können, und das ist so viel wert!!!

    Liebe Sonnenente,


    ja genau, diese Angst ist einfach mit nichts zu vergleichen. Sie lässt mein Herz bluten, sie schnürt mir die Kehle zu, sie lässt mich nicht mehr atmen. Diese Angst ist dermaßen allumfassend, das könnte man niemals jemandem beschreiben, der sie nicht selber kennt.


    Ich suche gerade auch nach einem anderen Wort für "Erdrutsch". Denn für mich fühlt es sich noch viel schlimmer an als eben ein Erdrutsch. Ich habe mir in meinem Leben schon sehr oft gewünscht, dass mich negative Situationen nicht sooo dermaßen mitnehmen, sondern dass vieles einfach an mir abprallen könnte, so wie bei vielen anderen Menschen, die nicht mal mit der Schulter zucken, während ich schon längst am Boden liege. Deshalb wusste ich ja immer, dass, wenn etwas wirklich Schlimmes und Dramatisches passiert, ich das nie überleben würde. Und genau das ist halt jetzt passiert! Deshalb versinke ich ...


    Die Sache mit dem Medium habe ich mal jetzt hintenangestellt. Ich hatte halt überlegt, weil ich einige Podcasts darüber gehört habe. Drauf einlassen könnte ich mich momentan nicht. Was du schreibst, habe ich aber sehr gründlich gelesen!

    Liebe Christine,


    genau das meinte ich ja mit "darüber hinwegkommen". Man kommt niemals darüber hinweg. Man vergisst nie. "Damit leben", das meinte ich.


    Ja, ich verstehe genau, was du meinst. Jedes Leben ist kostbar. Das stimmt. Ich möchte aber nicht ein Leben alleine. Ich kann das nicht. Ich brauche jemanden an meiner Seite. Habe ich zu wenig Selbstbewusstsein? Ja, mit Sicherheit. Als ich jünger war, hatte ich mehr davon. Ich traute mich auch viel mehr. Hatte viel weniger Angst. Aber man wird älter, macht Erfahrungen. Gute, schlechte, welche ohne besondere Bedeutung usw. Man denkt irgendwann an später. So richtig an später. Man registriert, dass man tatsächlich älter wird und das Leben endlich ist. (Wer denkt mit 18 schon daran?) Und dann sagen die einen: Ich kann und will das alles alleine schaffen. Ich brauche niemanden an meiner Seite. Und die anderen sagen eben: Ich kann es ohne Seelenpartner nicht schaffen, und ich will es auch gar nicht. Ich brauche einfach den Halt an meiner Seite. Und zu denen gehöre ich. Ich kann das wirklich ganz schlecht erklären, ohne total destruktiv zu wirken. Deshalb formuliere ich es halt immer so: Für mich persönlich hat das Leben keinen Sinn, wenn man es alleine verbringen muss. Anders kann ich's einfach nicht sagen.

    Liebe Elster,


    das hast du wirklich sehr, sehr schön geschrieben! Vielen lieben Dank!


    Aber Bille hat trotzdem furchtbare Angst vor der Zukunft, denn die Zukunft wollte sie nicht alleine verbringen, sondern dachte, dass sie sie mit dem Menschen an ihrer Seite verbringen dürfe. Ich weiß, das habt ihr alle in der Situation gedacht und gehofft.


    ch möchte gar nicht diese andere neue Version von mir selbst. Bitte nicht falsch verstehen. Ich kann aber sagen: Ich weiß ganz genau, dass sich diese neue Version von mir selbst immer nur "halb" anfühlen würde. Erklären kann ich das nicht. Ich weiß nur, dass es so ist. So sieht es halt in meinem Herzen aus. Ich konnte schon immer ganz schwer loslassen. Eigentlich kann ich das gar nicht. So bin ich gepolt. Kann nicht loslassen und kann mich nicht gut auf Veränderungen jeglicher Art einlassen. Deshalb hatte ich es auch schon immer schwer im Leben. Selbst mit ganz "normalen" oder "unwichtigen" Dingen. Situationen, die andere gar nicht merken, hängen mir ewig oder auch ein Leben lang nach. Das ist mir mit den Jahren immer bewusster geworden.

    Liebe Linchen,


    kann erst jetzt wieder schreiben. Ich musste etwas Pause mit Tippen machen, weil ich Schmerzen in einer Hand hatte.


    Ich habe ja zwei Medikamente hier: Mirtazapin und Opipramol, die ich jederzeit nehmen könnte, wenn ich wollte. Viele sagen ja auch, dass die "gar nicht so schlimm" sind. Aber ich habe halt zu Medikamenten immer schon ein gespaltenes Verhältnis gehabt, besonders zu Psychopharmaka. Noch nehme ich sie nicht. Vielleicht kann ich ja irgendwann gar nicht mehr und überlege es mir doch noch ...


    Hattest du denn nicht das Gefühl: Jetzt spüre ich, dass Mama da ist. Ich will das IMMER spüren? Konntest du das so nehmen, ohne diese tiefe Sehnsucht zu haben?

    Liebe Elster,


    es wird bemerkt, weil ich auf der Arbeit halt bestimmte Dinge gesagt habe ... Dass ich nicht mehr leben, will, am liebsten gegen einen Baum fahren würde usw. Deshalb hatten sie mich ja wieder in den Krankenstand geschickt. Und wollten mich auch schon in eine Klinik bringen. Das darf man also niemals sagen! Das weiß ich jetzt. Aber ich war so am Ende, dass ich gar nicht mehr nachdenken konnte ...

    Liebe Linchen,


    du hast in allem recht. Ich weiß das. Trotzdem ist das alles nicht fassbar für mich ... Und dieses ÜBERLEBEN ist gerade so wahnsinnig schwer. Und sinnlos. Aber ich wiederhole mich ...


    Was ich hören möchte bei einem Medium? Ich weiß es gar nicht. Aber ich weiß, dass es mir einfach zu weh tun würde. Allein schon zu "hören" oder "spüren", dass er vielleicht im Raum ist, aber NIE MEHR physisch bei mir sein wird. Das würde alles wahrscheinlich noch viel schlimmer machen für mich. Und wie du schreibst, Schmerz und all das würden auch bleiben!


    Ich denke oft, dass ich tatsächlich in eine Klinik müsste. Aber ich möchte mich nicht mit Medikamenten vollpumpen lassen.


    Bin einfach so ratlos ...

    Liebe Linchen,


    die Sozialberaterin auf meiner Arbeit, die mich gestern noch anrief, meinte, ich sei noch nicht so weit, wieder zur Arbeit zu kommen. Werde ich es denn jemals sein??? Ich werde in meinem Büro sein, dort wo ich immer war, und wo ich zum Dienstschluss immer dachte: "Schnell, schnell nach Hause, damit wir was unternehmen können!" Wird mich das nicht IMMER wieder zurückwerfen, egal, wann ich wieder hin gehe? Diese Frage schwirrt in meinem Kopf die ganze Zeit hin und her.

    Liebe Elster,


    Sonnenente habe ich gerade eben in bezug auf Akzeptanz geantwortet. Diese Akzeptanz ist bei mir einfach noch nicht vorhanden. Ich es ist mir unmöglich, die aufzubringen. Es geht einfach nicht. Vielleicht kann ich dir ja auch nie aufbringen. Alles in mir stämmt sich einfach dagegen, diesen sinnlosen Tod zu akzeptieren!!! Mein Hirn klinkt sich da einfach aus.


    Und ja, dieses "Es wird anders" höre ich ja auch ständig. Gestern sagte jemand in einem Podcast: "Der Schmerz wird nicht weniger. Man lernt nur, anders mit ihm umzugehen."


    Gerade jetzt, in diesem Moment, überkommt mich dieser unsägliche Schmerz wieder mit einer Wucht, dass ich fast keine Luft mehr bekomme. Und ich sehe mich hier sitzen und tippen, stehe neben mir. Denke: "Das bin doch nicht ich! Diese Situation ist doch absolut nicht real!"


    Wie soll es gehen, dass ich mit eben diesem Schmerz anders werde umgehen können???

    Liebe Sonnenente,


    "der Silberstreif" ... Momentan zweifle ich absolut daran, dass es den für mich je geben wird. Wo bzw. WAS soll der für mich sein? frage ich mich. Zu dunkel ist alles, zu schwarz, zu "Alles was kommt, werde ich nicht wollen können, weil es nicht das sein wird, was ich hatte! Und was ich hatte, war alles, was ich jemals wollte!"


    Ich lasse meine Gefühle ja zu. Immer und in jeder Intensität, weil ich gar nicht anders kann. Und dann überrollen sie mich. Ich habe keine Macht und keine Kontrolle über sie. Sie sind da mit einer Wucht, die ich niemals für möglich gehalten hätte. Und sie begraben mich. Sie überschwemmen mich mit ein er unfassbaren Traurigkeit, die so weh tut, dass ich denke, mein Herz springt mit jetzt wirklich aus dem Körper und zerschellt an der nächsten Wand.


    "Unsere Liebsten sind immer bei uns" - Ich glaube, damit meinen die meisten in erster Linie wirklich, dass sie im Herzen bei uns sind. Andere machen es an "Zeichen" fest. Ich habe versucht, "Zeichen" zu sehen: Ein Eichhörnchen auf dem Friedhof, Federn auf Waldwegen, Schmetterlinge usw. Waren das Zeichen? Hatte er mir die geschickt?


    Gestern habe ich überlegt, ob ich über ein Medium vielleicht Kontakt mit ihm aufnehmen möchte, weil ich gerade einen Podcast gehört hatte. Einerseits ja, andererseits nein ...


    Akzeptanz: Daran mangelt es mir wahrscheinlich noch am meisten. Ich KANN es nicht akzeptieren, dass er tot ist. Dass ich nie nie wiedersehen werde. Ich KANN es einfach nicht! Ich weiß nicht, wann ich das jemals können werde und wie es dazu kommen könnte.

    Ich war ja 4 Wochen nach der Beerdigung schon in der Arbeit. Das hat keinen Monat gehalten, dann musste ich wieder raus. Wenn ich Mitte Juni wieder gehen sollte, werden es aktuell 6 Wochen gewesen sein. Ich schaue einfach, wie die nächsten beiden Wochen werden und werde mich dann entscheiden.

    Liebe Linchen,


    ich möchte Mitte Juni wieder zur Arbeit gehen. Ob ich soweit bin dann? Eigentlich kann ich es mir nicht vorstellen. Aber irgendwann muss ich ja wieder hin gehen. Ich kann doch nicht hier alleine versauern. Außerdem verpasse ich zu viel. Das macht mir auch große Sorgen. Man hat ja nur Sorgen. Wie schön war das Leben, als es unbeschwerter war ... Klar, Probleme gibt's immer, aber gemessen an heute waren die doch minimal, oder?

    Liebe Linchen,


    mein Weg momentan treibt mich nur zurück auf meine Couch. Ich kann außer den Menschen in der Trauer-Bubble gar keine anderen begegnen. Was soll ich denn sagen? Dass ich am Ende bin? Und dann sofort in Tränen ausbreche? Das wollen Menschen nicht hören. Schon gar nicht, wenn man sie neu kennenlernt.


    Ich möchte einerseits genau hier allein auf meiner Couch sein. Aber andererseits fühle ich mich halt auch so verdammt einsam hier und könnte oft die glatten Wände hoch gehen!

    Liebe Linchen,


    ich HOFFE SEHR, dass der Schmerz sich verändert. Aber vorstellen kann ich es mir halt nicht. Dadurch, dass mein Mann "mein Leben" war, habe ich ja eben sonst nichts drumrum. Alles drehte sich um ihn, um uns. Das war nichts und niemand sonst. Deshalb ist der Schmerz so allumfassend. Meine Gedanken haben nichts und niemand, auf die sich etwas "verteilen" können. ALLES hängt mit ihm zusammen und mit dem, was wir GEMEINSAM gemacht haben. Es gab nur UNS BEIDE. In allem.

    Ja, liebe Linchen,


    ich habe es Sonnenente auch geschrieben, wie treffend so vieles war, was sie schrieb.


    Und was die Aussage deiner Freundin betrifft: Ich glaube, nach einem solchen Verlust ist niemand mehr die Person, die sie oder er vorher war! Es ist schön, dass sie dich so annehmen kann, wie du heute bist. Das freut mich für dich sehr!

    Liebe Sonnenente,


    du hast sehr, sehr viele sehr, sehr zutreffende Worte geschrieben! Danke dafür! Ich konnte so vieles so gut nachvollziehen.


    Mit "darüber hinweg kommen" meine ich eigentlich erst mal das Akzeptieren, dass mein geliebter Mann nicht mehr da ist.


    Dann auch diese ganzen "nie wieder" zu akzeptieren (Als ich eben im Wald war und mir sagte: "NIE WIEDER wird er hier neben mir gehen!" hätte ich mich am liebsten an einem Baum erhängt, solchen Schmerz hat es mir bereitet!), mit den Erinnerungen klarzukommen und gleichermaßen eben damit, dass dies für immer nur Erinnerungen bleiben werden und sich niemals mehr in der Zukunft wiederholen können. Und er der einzige ist, mit dem ich diese Dinge eben gerne wiederholen möchte und auch neue Dinge erleben möchte.


    Auch dass dieser absolute Schmerz und diese Wehmut, die mich ständig begleiten, nie anders werden.


    Das furchtbare Wissen, dass der Rest seines Lebens so schlimm war und mir das auch die Kehle zuschnürt, wenn ich daran denke.


    All diese Dinge eben.


    Und dass mich der rohe, tiefe Schmerz ein Leben lang begleitet ... Davor habe ich schreckliche Angst, denn so könnte ich nicht leben. Das würde mich innerlich total auffressen. Tut es ja jetzt schon.


    Wie hast du die Macht über deine Gefühle? Meine haben die Macht über mich. Sie überrollen mich. Ich kann sie nicht weg drücken. Sie kommen angeflogen bei der kleinsten Kleinigkeit. Es kommt eine Erinnerung hoch und zack - sind diese Gefühle der Ohnmacht sofort da.


    Und hadern wird man wohl immer, das schreibst du ja auch.

    Liebe alle,

    besonders Malin,


    tut mir ganz furchtbar leid, wenn ich hier einen Fehler gemacht habe und im falschen Thread was weitergeführt habe! Ich bin ja noch nicht lange dabei und finde mich auch noch nicht zurecht hier im Forum. SORRY! :95:

    Liebe Billi,


    ich danke dir! Es tut mir wirklich so gut, immer wieder zu lesen, dass ihr alle auch dieselben Gefühle habt und hattet. Denn ich dachte ja, ich sei verrückt mit dem, was sich in mir abspielt! Diese Erinnerungen, die mich ständig und bei allem einholen. Von früh bis spät. Egal wo ich bin und was ich tue. Übersteht man das alles wirklich nur, indem man einfach weiter "existiert" von einem Tag auf den anderen? Viele sagen, ich müsste Medikamente nehmen, um mich zu beruhigen. Ich habe auch welche verschrieben bekommen, nehme sie aber nicht. Ich möchte meinen Körper nicht auch noch damit belasten.


    LG

    Bille