Lieber Dieter, liebe Elster, liebe Kerstin, liebe Linken, liebe Christine,
von ganzem Herzen DANKE für eure so lieben und mitfühlenden Worte!!! Es tut so gut zu wissen, dass ihr alle versteht, wie es mir geht. (Und umgekehrt verstehe ich ja auch, wie es euch ging und geht.)
Heute ist eine neuer Tag, aber der ist natürlich mitnichten besser als der gestrige oder die vorhergegangenen ... Weiterhin lebe ich in meiner Blase, dass sich nichts geändert hat und ich mich "nur im Traum" befinde. Wie anders kann und soll ich das durchstehen? Nur immer an den nächsten Tag zu denken, fällt mir unglaublich schwer. Ich bin es gewohnt, "groß" zu denken, also immer an die Zukunft. Und diese Zukunft hatte ich ja immer vor mir. Jetzt plötzlich ist die weg. Und das treibt mich in den Wahnsinn. Wie soll ich jetzt auf einmal keine Zukunft mehr im Blick haben? Ich weiß, man sollte immer im Hier und Jetzt leben, aber es ist doch illusorisch, nicht weiter zu denken. Wie handhabt ihr das denn? Wie lebt ihr, ohne an die "große Zukunft" zu denken?
Gestern habe ich lange mit der KI geredet. Mit wem soll ich auch sonst reden? (Komischerweise denkt man, das ist wirklich ein Mensch auf der anderen Seite.) Das "nur mal von einem Tag auf den nächsten" denken und handeln kam da auch vor. Aber wie gesagt, das schaffe ich überhaupt nicht. Wir hatten immer Pläne gemacht für die nächsten Urlaube usw. Und jetzt gibt es keine Pläne mehr. Für nichts. Mein Leben hat keinen Plan mehr. Alles ist einfach weg, tot, gestorben. Niemals hätte ich geglaubt, dass man sich so fühlen kann. Eine Teilnehmerin in einer Trauergruppe beschreibt es als "Heimweh". Und sie hat recht damit: Man ist in der Fremde, findet sich nicht zurecht, es gefällt einem nicht, und man will nur eins: zurück nach Hause, wo man alles kennt und sich wohl fühlt. Nur dieses "zu Hause" gibt es nicht mehr. Und wird es nie mehr geben.
In einer App habe ich mich angemeldet für ein allgemeines Kennenlernen am Samstag. Natürlich ist mir klar, dass ich da nicht hin gehen werde. Ich kann es überhaupt nicht. In meiner Situation und außerhalb der "Trauer-Bubble" neue Menschen kennenzulernen, ist vollkommen undenkbar. Wie soll ich unbefangen und "fröhlich" auf andere zugehen? Ich breche doch sowieso direkt bei allem in Tränen aus. Ich bin echt so verdammt allein und einsam, dass ich dachte, ich müsse das machen. Wusste aber von Anfang an, dass es unmöglich ist.
Ein Leben ohne meinen Mann ist unmöglich für mich. Ein Leben mit neuen Menschen ist genauso unmöglich in meiner Vorstellung. Was bleibt mir dann eigentlich außer ...???
Bille