Was ist, wenn man niemals darüber hinwegkommt?????

  • Hallo an alle,


    ich bin neu hier ...


    Vor zwei Monaten musste ich meinen Mann gehen lassen. Wir waren 25 Jahre verheiratet, lebten in Zweisamkeit. Das ergab sich mit den Jahren so, weil wir nie "Freunde" hatten, auf die man sich verlassen konnte. Da wir dieselben Interessen hatten, machten wir eben dann alles nur gemeinsam und vermissten auch niemand anderen. Jetzt ist mein Mann tot, ich bin ganz alleine. Ohne Sozialkontakte. (Ich habe nur meine Eltern, die mir in allem beistehen. Sie sind aber auch nicht mehr jung und bräuchten eigentlich eher MEINE Hilfe ...)


    So stehe ich nun da, ohne meinen Lebensbegleiter, ohne eine weitere gemeinsame Zukunft mit ihm und noch dazu ohne Menschen, die sich kümmern oder an die ich mich wenden kann. Ich muss mir also zusätzlich zu meiner unerträglichen Trauer noch ein ganz neues Leben drumrum aufbauen. Ich habe diese Kraft nicht. Ich bin vollkommen am Ende. Alles ist hoffnungslos, perspektivlos, angsteinflößend ... Ich fühle mich verloren in einer Welt, in die ich nicht gehöre.


    Ich tue viel: Bin in Trauergruppen, einer Selbsthilfegruppe, bei einer Trauerbegleiterin, lese Bücher, lese Foren, höre Podcasts, mache Online-Kurse, habe morgen meine erste Therapiestunde bei einer Psychotherapeutin, bin in homöopathischer Behandlung ... Aber nichts hilft!!! Ich verspüre ständig diesen entsetzlichen Schmerz des Verlusts, meine Erinnerungen quälen mich, eine Zukunft ist aussichtslos für mich ohne meinen Mann und unser bisheriges Leben. Ich sehe mich außerstande, "neu" anzufangen und einen Menschen aus mir machen, der ich nicht bin. Ich habe auch Angst vor neuen Kontakten, weil ich nicht immer wieder enttäuscht werden möchte. Und eigentlich - und ich weiß, das hört sich sehr destruktiv an - WILL ich auch kein anderes Leben! Ich möchte mein Leben genauso zurück haben, wie es war. Dieses Gefühl kennt ihr bestimmt alle, oder? Ich weiß rational, dass das nicht möglich ist und niemals sein wird, aber mein Herz und meine Seele kommen da nicht mit. Ich kann den Tod meines Mannes einfach nicht akzeptieren. Ständig denke ich: "Klar ist er noch da, er ist nur eben einkaufen und kommt gleich wieder." Oder: "Er ist doch grad mal nur um den Block gegangen und ist gleich wieder hier." Usw.


    Ich bin davon überzeugt, dass ich über den Verlust niemals hinwegkomme! Was tue ich dann?????????? Ich bin so was von am Ende ... Am liebsten würde ich morgens nicht mehr wach werden. Und wenn meine Eltern nicht wären, könnte ich auch für nichts garantieren. Dieses Leben ohne ihn, ganz alleine, halte ich nicht aus!!!!!!!!!! ;(


    Bille

  • Liebe Bille,


    mein herzliches Beileid zum Verlust Deines geliebten Mannes. In diesem Forum, in dem keiner von uns jemals sein wollte, versteht Dich jeder. Du kannst hier alles schreiben was Dich bewegt, Du kannst hier Deinen Schmerz herausschreien, jeder von uns weint um einen geliebten Menschen.

    Du stehst noch heftig unter Schock, kannst das unfassbare nicht begreifen. Das wird noch eine ganze Weile so sein, aber irgendwann wird es milder, anders.

    Ja, wir kennen alle das Gefühl, das alte Leben zurück haben zu wollen, können den Verlust nicht akzeptieren. Du machst ja schon eine ganze Menge - Trauergruppe, Trauerbegleitung, Psychotherapie, das ist alles gut und richtig, aber all das dauert bis es greift.


    Herzliche Grüße von Dieter

  • Liebe Bille,

    es ist zwei Monate her. Da vergisst man ja sogar nocht zu atmen. Jetzt an für immer zu denken macht keinen Sinn. Die erste Trauer (die durchaus auch Jahre dauern kann, meistens aber eher Monate) ist keine Zeit um über irgendetwas hinwegzukommen. Alles, was du jetzt fühlst ist leider völlig normal und alle hier kennen es. Und wenn du ältere Threads liest wirst du feststellen, dass sich anfangs die meisten so gefühlt haben, wie du jetzt.

    Es ist schön, dass du deine Eltern hast und dich um dich kümmerst, indem du zu Trauergruppen gehst oder auch hier schreibst. Vieles findet sich! Aber ganz praktische Situationen, die man plötzlich allein meistern muss sind sicherlich sehr herausfordernd. Ich bin keine Witwe. Ich habe meine Tochter verloren. Darum sind unsere Themen nicht die gleichen. Aber Trauer ist Trauer, auch wenn sie unterschiedlich aussehen kann. Die Verzweiflung wenn man ein Kind, einen Elternteil oder einen Ehepartner verliert ist grausam, schmerzahft und alles umfassend. Das haben hier alle gemeinsam.

    Hab Geduld mit dir.

    Liebe Grüße,
    Elster

    Unsere Toten sind nicht abwesend nur unsichtbar,

    sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.

    Es gibt ein Wiedersehen auf einer anderen Ebene.

    Und die Seelen unserer Vorausgegangenen begleiten uns

    Aurelius Augustinus

  • Liebe Bille,

    ein leises Willkommen hier bei uns und mein aufrichtiges Beileid.

    Es ist gut dass du hierher gefunden hast. Hier findest du viele, liebe Menschen, die auch einen über alles geliebten Menschen verloren haben und kannst dich austauschen. Es wird dir immer jemand antworten und dich verstehen, denn jeder hier hat diesen unfassbaren, unerträglichen Schmerz den du jetzt gerade fühlst, auch fühlen und durchleben müssen.


    In den ersten Wochen und Monaten hat man wirklich das Gefühl, dass man diesen schmerzlichen Verlust nicht übersteht. Denn nicht nur der geliebte Mensch ist weg, sondern das ganze gewohnte, geliebte Leben ist mit weg. Nichts, garnichts ist mehr wie es war und nichts wird jemals wieder, wie es war. Vor allem steht dieses scheußliche "Nie wieder".

    Wie soll man das begreifen? Wie soll man verstehen das der wichtigste, der liebste, der vertrauteste Mensch den man hatte, plötzlich nicht mehr da ist und auch nie wieder kommen wird ? Das ist vollkommen surreal und es entbehrt in den ersten Monaten nach dem tragischen Verlust, jedweder Vorstellungskraft.


    Ich kann deinen Schmerz und deine Verzweiflung so gut verstehen, ich habe meinen geliebten Mann auch gehen lassen müssen, nach 33 Jahren Ehe.

    Durch die lange, schwere Erkrankung meines Mannes, hat sich unser vermeintlicher Freundeskreis (heute würde ich diese Bezeichnung nicht mehr nutzen), nach und nach quasi aufgelöst. Mit soviel Leid, wollte sich niemand umgeben. Ich stand nach dem Tod meines Mannes auch völlig alleine da.


    Alles das was du schreibst ... so war es auch bei mir und nie, nie, nie hätte ich mir vorstellen können, dass dieser Schmerz mal erträglicher wird, dass ich lernen werde, mit ihm zu leben und das ich es irgendwann mal schaffe, mir wieder ein Leben aufzubauen.

    Aber man schafft das Bille, doch es braucht Zeit, ganz viel Zeit und ganz viel Geduld.

    Die Trauer um den geliebten Menschen, die wird nie ganz vergehen, aber sie verändert sich, sie wird milder mit der Zeit.

    Diese Erfahrung haben wir hier alle gemacht.


    Jeder hier musste sich SEINEN Weg suchen und jedem hat etwas anderes Kraft gegeben, um irgendwie weiter zu machen.

    Du bist bereits dabei, deinen Weg zu suchen, siehst das aber verständlicher Weise noch garnicht so. Du hast dir schon Hilfe gesucht und das ist in dieser, deiner Situation, so kurze Zeit "danach", schon soooo viel.

    Und alles wird dir ein wenig helfen, deinen Weg zu finden. Dein Schatz begleitet dich in deinem Herzen, überall hin und er wird dir dabei helfen, das alles zu überleben.


    Ich nehme dich virtuell mal ganz vorsichtig in den Arm, wenn du dir das vorstellen kannst :30:.


    Herzlichst, Kerstin

  • Liebe Bille,


    dein Verlust tut mir unemdlich leid. Viele liebe haben Dir schon geantwortet.


    Es ist ein Alptraum aus dem man nicht erwacht, es dauert es dauert lang, es ist ein unglaublich schwerer Weg.

    Wir alle gehen Ihn oder sind Ihn gegangen.

    Es ist noch so frisch bei Dir 2 Monate das ist noch keine Zeit, du stehst noch unter Schocl und das wird auch noch ne Weile so gehen.


    Du tust schon verdammt viel, vielleicht hilft es Dir hier zu lesen auch in den älteren Wohnzimmern/Herzenshäuser wie wir liebevoll unsere Threads hier nennen.


    Im Moment musst Du nur überleben einen Tag nach dem anderen manchmal auch nur von einem Moment zum anderen.


    Fühl Dich verstanden und gehalten hier.


    Vlg. Linchen