Liebe Polarstern,
mein herzliches Beileid. Den 'einen' Menschen zu verlieren ist ein sehr großer und für immer spürbarer Cut im eigenen Leben. Das 'es wird irgendwann besser' heißt leider manchmal: man gewöhnt sich dran. Das ist dann das 'besser'. Menschen mit einer hohen psychischen Belastung bereits im Vorfeld haben es ganz bestimmt noch schwerer. Und nach dem was du beschreibst hast du eine hochfunktionale Depression? Diese Form ist kaum vermittelbar. Es wird einem einfach nicht geglaubt. Oft nicht mal von Fachleuten. Das ändert sich aber, glaube ich, langsam.
Es ist aber nicht irgendwie von vornherein unmöglich, dass du mit deinem Verlust irgendwann einmal gut leben kannst. Es ist ja jetzt erst einige Monate her und da ist es nur logisch (zumindest für uns hier), dass du noch nicht damit klar kommst. Ob deine Erkrankungen da eine entscheidende Rolle spielen ist ja nicht gesagt. Ich finde dich zum Beispiel richtig mutig. Wahrscheinlich (verzeih wenn ich hier Vermutungen anstelle) fühlst du dich kein bisschen mutig. Doch was du stemmst ist so viel, das können sich gerade die, die dich kritisieren wollen gar nicht vorstellen. Und ob sie es könnten müssten sie erst mal beweisen. Du hast eine inner Stärke, die aus der Liebe zwischen dir und deiner Mama entspringt. Dieses Geschenk zu ehren wird idealerweise zu deiner Lebensaufgabe. Eines Tages... Jetzt ist das viel zu früh um so weit zu denken. Die riesige Wunde blutet ja noch heftig. Und bei dieser Art Wunde ist ein Druckverband genau das Falsche.
Ich wünsche dir viele Begegnungen (ob real oder im Internet), die dich halten und stärken können. Ich sende dir viele gute Gedanken und hoffe hier nicht übergriffig gewesen zu sein.
Beiträge von Elster
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Danke für dein Mitgefühl, liebe Bille. Ein frischer Schmerz rührt uns alle zu Tränen. Wenn man weiß, was da dahinter steht, dann sind das nicht mehr nur Worte.
Wenn du stichprobenartig die Verläufe liest bei aktiven Mittrauernden, dann kannst du die Entwicklung mitverfolgen. Daran habe ich mich zeitweise regelrecht geklammert.
Tränen sind ein Streicheln auf der Wange, wenn man sie so denken möchte. Darum ist weinen für mich etwas Verbindendes. -
Ich erzähl dir dann von den Seifenblasen und wie es zustande kam, wenn du möchtest. Aber vielleicht nicht sofort. Hirnschmelze schreitet voran.
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Liebe Elster,
ja, ich denke, so meinte sie das. Es sich immer wieder vorsagen. Mache ich ja, geht nur nicht. Sie sagte dann, vielleicht sei es noch zu früh dafür ...
Stell dir ein abgrundtiefes resigniertes Seufzen vor. Das bin dann ich. Spare deine Energie. Das ist (noch)nichts für dich. Therapeuten.... ich hab da meine eigene Meinung.
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Komm ich denn in den geschlossenen Bereich?
Ja. Geh fast ganz oben auf 'Forum'. Darunter öffnen sich die Unterkategorien. Da ist dann auch der Geschlossene Bereich. Musst dich aber anmelden.
Ich hoffe, die Hitze hat bald ein Ende. Angeblich war der Sommer 22 auch sehr heiß. Ich hab ihn komplett vergessen. Zumindest den weltlichen Part. In dem Sommer ging mein Feechen. Ich weiß nahezu nichts mehr aus dieser Zeit. -
nicht Akzeptanz als Billigung, sondern als "Es ist so, wie es ist".
Das ist so an die buddhistische Sichtweise angelehnt und hat seinen Wert. Irgendwann mal. Momentan kannst du wahrscheinlich nicht mal den Gedanken zulassen, dass das überhaupt richtig ist. Erst recht ist es zu früh, das umzusetzen. Üben....? Ich weiß jetzt nicht, wie man das übt. Vielleicht meint sie, dass du es dir wie ein Mantra vorbetest. Das kann tatsächlich was bringen. So zur Überbrückung quasi. Manchmal kann man nichts tun.... außer man tut so als ob. Und ja, das kann eine Krücke sein. Das muss man für sich ausprobieren. Dass sie es vorschlägt finde ich jetzt nicht problematisch an sich. Wenn sie sonst nichts hat und/oder dich dazu drängt, dann ist das für dich sehr wohl ein Problem, bzw. eben völlig ungeeignet.
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Und ich habe es ja auch schon öfter geschrieben, dass ich mich in gar keinen Fall irgendwie "rausstellen" möchte,
Das denk ich ja auch gar nicht, Bille. Ich versuche ja nur, dir das Allein-Gefühl in diesem extremen Zustand zu nehmen. Dein Alltags-Allein ist eine ganz andere Sache.
Wenn du möchtest erzähle ich dir von den Seifenblasen. Wäre auch nachzulesen in meinem Thread im Geschlossenen Bereich. Er heißt "Jetzt hab ich kein Mädchen mehr". Da haben mich ganz viele hier zur Beisetzung begleitet. Davon zehre ich noch heute. -
Liebe Bille,
schön, dass du noch hier bist und auch etwas davon hast. So ging und geht es allen, die seit Jahren hier lesen und schreiben. Was man hier mitnimmt - das ist völlig unterschiedlich. Selbst Negativbeispiele können helfen. Da ist jeder anders gestrickt.
Lass dich nicht allzu sehr verunsichern, wenn hier von Jahren die Rede ist. Es ist ja nicht so, dass man 2 oder drei Jahre lang vor Kummer kaum gerade gehen kann und eines Tages macht es "peng" und alles ist anders... ja, das berühmte 'anders'. Es entwickelt sich. Das neue Ich entwickelt sich nach und nach. Meist wirklich nur im Rückblick erkennbar. So langsam geht das. Es gibt immer mal Phasen, da ist alles wie am ersten, schrecklichen Tag. Diese Phasen werden allmählich weniger und kürzer.Jahrelang waren die Rückfälle eine kleine Katastrophe bei mir. Ich lebe für eine alte Tante immernoch (zu?)sehr im Jetzt, wenn es um Emotionen geht. Und daher fühlten Rückfälle sich immeran, als dauerten eine kleine Ewigkeit (herrlich paradoxe Redewendung) an. Erst nach einer Weile konnte ich sehen, dass sie immer kürzer wurden.
Gewohnheit war einer meiner Helfer auf diesem Weg. Und ein neues, sich in mir immer weiter aubreitendes Wissen.
Das erzähle ich nur, weil es eben manchmal hilft zu lesen, dass andere, die es auch scheinbar besonders schwer hatten, dennoch einen Weg gefunden haben. Und besonders schwer haben es alle, die einen (lebens)wichtigen Menschen verloren haben. Jeder für sich. Und das schöne am Internet ist, man kann auch mal etwas nicht lesen. Das entscheidet man täglich selbst.
Du fühlst, es geht bei dir besonders tief. Diese Sichtweise entsteht, weil du andere nicht fühlen kannst. Das kann niemand. Die eigene Trauer ist immer die schlimmste Trauer und man fühlt sich allein in dieser Schwärze und in diesem Schmerz. Das ist völlig normal und okay. Und noch immer ist es, auf die Trauer bezogen, bei dir gerade eben erst passiert! Das betonen einige hier. Nicht, um dich zu belehren. Sondern um dich zu stützen und zu signalisieren: wir kennen das.
Ich wünsche dir, dass es dir gelingt, dir selbst Zeit zuzugestehen. Noch ist alles dunkel. Ich weiß. Wir wissen. Und das tut mir so sehr leid für dich. Ich denke beim nächsten Seifenblasenritual (etwas, was mich von Anfang an am Leben hält)an Bille und Tom. -
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Liebe Carmen,
der anhaltende Kummer über das Grab deines Sohnes geht mir sehr ans Herz. Und so sehr ich es dir wünschen würde - wenn eine kleine Deko von dir entsorgt wird, dann wird auch ganz sicher einer Umbettung nicht zugestimmt.
Es ist übrigens unser aller Wunsch in der Familie, dass wir ein Baumgrab bekommen. Denn es gibt nichts einsameres als ein vergessenes Erdgrab. Wenn der Letzte auf dem Stein vermekte Verstorbene schon 50 Jahre dort beerdigt ist, dann ist klar, dass sich niemand mehr kümmert, weil einfach niemand mehr da ist, der ihn gut kannt. Stelle ich mir zumindest so vor. In eurem Fall ist wohl jemand mit der Grabpflege beauftragt worden, der seine Sache nicht gut macht. Das gibt es hier auch. Man muss, wenn man selbst an Grabpflege nicht interessiert ist oder nicht kann zumindest kontrollieren, ob alles erledigt wird. Vielleicht ist das "Verwildern" auch ein Ausdruck Hankas Trauer. Du kennst sie als eher kalt. Lars hat sie geliebt. Vielleicht ist es eher, dass sie nie gelernt hat Gefühle zu benennen, zu zeigen. Und nun verwildert das Grab ihres geliebten Mannes, weil ihr Herz versuchen muss, nicht selbst zu verwildern.
Eine romantische und weit hergeholt klingende Ausführung über jemanden, den ich gar nicht kenne.
Eines aber kenne ich sehr gut aus meinem Umfeld: mit Gräbern geht jeder anders um. Das kann und sollte man nicht umerziehen wollen. Dass du gar nichts bleibendes dort aufstellen darfst ist ein absolutes Unding! Vielleicht geht irgendwann, dass ihr zusammen etwas aussucht. Denn ums Styling kann es ja nach deiner Beschreibung nicht gehen. Vielleicht möchte sie gefragt werden.
Ich hoffe es ist okay, wenn ich hier eine andere Seite beleuchte, statt dich "nur" zu bedauern. Denn bedauernswert ist das ja ganz sicher! In mir sträubt sich nur etwas, hier die pure Lieblosigkeit seitens Lars' Witwe zu sehen. Vielleicht zu blauäugig von mir.
Schreib deine Liebesbriefe an deinen Jungen mit Seifenblasentinte (ich liebe diese Sichtweise von Herzschmerz ) denn die kommen immer an und bleiben dort! -
Lieber Dieter,
die Porzellanhochzeit wird der zwanzigste Hochzeitstag auch genannt. Porzellan ist hochwertig, edel, jedoch fragil. Ihr seid weiterhin verbunden. Über alle Entfernungen hinweg. Fragil ist "nur" das Erdenglück. Die Verbundenheit bleibt für immer und ewig hochwertig und edel.
Liebe Grüße, gute Gedanken und eine herzliche Umarmung an euch beide!
PS: in einer Stunde heiratet mein Stiefsohn. Es ist ein gutes Datum zum Heiraten. -
Sooooo süß!
ich hatte den Cursor vesehentlich auf dem Play-Pfeil gelassen und dadurch blieb die rote Leiste sichtbar und der rote Punkt, der anzeigt, wie weit das Video ist. Und als Trommlerin sich so ganz breit auf den Stuhl legte und nach unten schaute sah es aus, also ob sie den Punkt beobachtete. War echt knuffig! -
Eine "Fernbeziehung" sozusagen. Mit ganz viel Sehnsucht, die wird bleiben, aber auch mit der Gewissheit, irgendwann wieder zusammen zu sein.
Das ist superschön ausgedrückt.
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Liebe Bille
...von der Seele schreiben... das hat tatsächlich einen Wert - oder Effekt. Gedanken die nie ausgesprochen werden, oder wie hier ausgeschrieben, drehen sich oft immer schneller und unkontrollierter. Das Ausformulieren nimmt sie nicht weg. Doch lenkt es sie vorerst wieder in eine überschaubarere Bahn. Bis das Spiel von vorn beginnt. Viele, hier bei uns im Forun die meisten, schreiben oder sagen über Monate bis Jahre hinweg immerzu dasselbe. Weil es raus will. Raus muss! Und hier raus darf.
Der "Nie-wieder-Hammer" wird irgendwann langsamer. Er kommt seltener und bleibt kürzer. Das sieht man dann erst im Rückblick, denn wenn er kommt, dann ist es kurz, als wäre er nie weg gewesen. Als wäre dieser akute Schmerz immernoch der Selbe. Das (für mich) in der ersten Zeit unerträglich dämliche "es wird anders" bekommt erst im Rückblick Bedeutung. Das ist dann schon ein Aspekt des "Akzeptierens", gegen das man sich lange mit Händen und Füßen wehrt. Auch damit bist du bei Weitem nicht allein. Selbst wenn man es möchte, ist es lange Zeit kaum möglich.
Ich habe meine Trauer als einen Teil meines Selbst akzeptiert. Niemand mag Zeitangaben geben, weil es halt individuell so verschieden ist. Ich erzähle dir trotzdem, dass es für MICH locker zweieinhalb Jahre gedauert hat, bis ich nicht mehr glaubte, mein Feechen könnte vielleicht doch noch wieder kommen, so unfassbar war das "Nie-wieder" für mich. Und auch heute, nach vier Jahren hab ich manchmal den flüchtigen Gedanken, dass das alles gar nicht wahr sein KANN. Es geht heute nur sehr schnell wieder weg.
Du siehst: ja, es wird anders. Aber für jeden bedeutet das etwas anderes und der Zeitraum ist auch sehr individuell. Deshalb ist es wohl auch so schwer zu verstehen und ja - zu glauben. Weil andere eben anders fühlen und erleben. Wahr bleibt die Aussage dennoch.
Liebe Grüße,
Elster -
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Superschön! Mein Feechen würde sagen "haben alle die richtige Farbe".
Die oberste Rose sieht aus wie Erdbeereis mit Sahne.
Danke -
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Liebe Bille,
wie geht es denn mit deiner Trauerbegleitung? Wird es noch Treffen geben?
Ich habe anfangs immer ganz ganz viel über Trauer gelesen und gehört. Auch heute noch beschäftige ich mich damit, allerdings in eine andere Richtung. Was mir oft unterkam war der Begriff "komplizierte Trauer". Den fand ich immer seltsam. Welche Trauer ist denn unkompliziert? Höchstens die im Film. Tränchen bei der Beisetzung, etwas Riechsalz für die verschleierte Witwe und dann Cut. Als wäre es das nun. Und so geht die Gesellschaft ja nun auch mit Trauer um. Andere Völker gehen viel "handfester" damit um. Das ist interessantes Lesematerial, wenn du dafür offen bist. Es hat mir geholfen, meine Perspektive zu verändern. Langsam und behäbig, nicht über Nacht. Und nicht das allein. Es war aber ein Baustein auf meinem Weg zur- Achtung, jetzt kommt ein böses Wort - Akzeptanz.
Dass du deine Trauer für schlimmer (oder vielleicht besser: schwerer vermittelbar) hältst als alle anderen ist normal. Denn für dich ist sie das ja! Dass du dich (jetzt) nicht auch noch in andere hineinversetzen kannst oder möchtest ist okay!
Du trauerst nicht nur um deinen Mann, den Menschen, der er war, sondern um dein Leben, deine Zukunft, dein Glück. Das ist viel und das tut verdammt weh!
Und so gern ich dir helfen würde - ich kann es nicht. Trauer ist immer einsam, egal wie viele Menschen du um dich hast. Man fühlt sie immer allein.
Bleib trotzdem hier und genieße hier immerhin Verständnis. Das ist draußen oft nur schwer zu bekommen. Außer eben in Trauergruppen oder Trauergesprächen. Aber das ist immer mit Termin. Hier ist immer offen. Vielleicht dauert es manchmal etwas, bis jemand antwortet. Aber jeder weiß, was du durchmachst (auch wenn die Feinheiten individuell verschieden sind)
Ich wünsche dir die heute unerreichbar scheinende Zuversicht und den noch viel unmöglicher zu erreichen wirkenden Mut, die neue Bille zu werden, von der du momentan nichts wissen willst. Ich wünsche es dir einfach!