Liebe Sonnenente
Danke für die Frage, für dein Interesse. Es ist ein Thema, das niemand gerne aufgreift und womit man sich lieber nicht befasst. Völlig verständlich. Ich war nicht anders.
Was ich damit meine ist eigentlich ganz einfach und doch scheinbar einfach nicht (mehr) die Norm. Der Umgangston untereinander hat sich verändert. Oder ist ganz verstummt. Ich beziehe das auf die Gesellschaft im Ganzen. Es gibt weiterhin Unmengen freundlicher Leute. Doch auch die (mich mit eingeschlossen) leiden oft unter Leistungsdruck, Schönheitswahn, Schlankheitswahn, dem Druck möglichst viel nach außen darzustellen. Plattformen wie TikTok, Snapchat oder Instagram haben einen hohen Anteil daran, wie junge Menschen ihre Umwelt wahrnehmen. Cybermobbing, reales Mobbing, Ausgrenzung derer, die nicht ins Raster passen, ist normal geworden.
Und da freundlich, zugewandt, ggf liebevoll zu bleiben ist ein Kraftakt geworden. Man (ich verallgemeinere bewusst, dem Einzelnen mag es anders gehen) hat häufig das Gefühl sich wehren oder verteidigen zu müssen. Und manchen geht dabei die Puste aus.
(Nur ganz kurz, weil nicht relevant genug: ich selbst gehe kaum aus dem Haus, weil ich diesem Druck nicht gewachsen bin und mich als "ungenügend" nach heutigem Maßstab empfinde)
Wenn ich um Achtsamkeit bitte, dann meine ich nicht, dass man auf Wildfremde zustürzen soll, weil sie traurig gucken. Im eigenen Kreis fällt jedoch vielleicht eine Verhaltensänderung auf. Etwas, was man vielleicht nur spürt, ohne dass es konkret ist. Da kann man vielleicht signalisieren, dass man ein freies Ohr und viel Sympathie hat. Fremde bewusst anzulächeln, kann denen einen ganzen Tag retten. Spontane nette Begegnungen hallen nach!
Die meisten hier sind ganz ohne Handy sozialisiert worden und trotzdem scheinen viele dieser Technik verfallen zu sein. Man prüft sich am besten selbst, indem man es mal eine Woche in der Schublade lässt. Man merkt schnell, wie abhängig man sich davon gemacht hat. Und für junge Menschen ist das viel viel schwerer.
Sich selbst zu schützen ist tricky. Denn wer emphatisch ist möchte helfen. Und gerät vielleicht in eine Situation, der man dann nicht gewachsen ist. Es wird viel von "psychisch krank" geredet, doch da gibt es so viele Nuancen. Und manche sind sehr destruktiv, ohne es sein zu wollen. Sich selbst schützen heißt, auch für sich selbst achtsam zu sein und die eigenen Grenzen zu respektieren. Das ist sehr wichtig.
Eigentlich ist es sehr simpel (wenn es nicht so kompliziert wäre): einfach freundlich sein und Schwächeren zur Seite stehen. Wenn das ausnahmslos alle täten, könnten wir die meisten Psychiatrien zu machen.
Wahrscheinlich hab ich es jetzt noch mehr verkompliziert. Sorry. Der Apell war auch global, nicht nur für einzelne. Deshalb steht er im Öffentlichen. Aber dieses Thema wird sehr selten von außen (und innen) besucht. Verständlich, aber schade.
Beiträge von Elster
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11.334
Das ist die eben herausgegebene Zahl des Statistischen Bundesamtes.
11.334 Suizide in Deutschland im Jahr 2025. Davon waren 36 unter 15 Jahre alt! Das sind 15,6% mehr, als der bisherige Durchschnitt. Oder 9,3 % mehr als im Vorjahr.
Und für jeden einzelnen stehen eine Lebensgeschichte, eine Leidensgeschichte, ein Kreis von Trauernden (der bei jungen Menschen riesig sein kann). Die Anzahl der über 80 Jährigen ist sehr hoch. Da gibt es wohl auch in den Familien oft ein Maß an Verständnis. Dennoch ist die Zahl zu hoch. Viel zu hoch. Und es ist nur allein die Zahl für Deutschland.
Hilfsangebote gibt es zu wenige. Man wartet viele Monate auf einen Therapieplatz. Die Therapeuten geben sich bestimmt Mühe. Aus erster Hand und eigener Erfahrung weiß ich allerdings, dass das nicht reicht! Die Gesellschaft muss aufwachen. Sich wieder von den Handys losreißen und die Menschen beachten, die um sie herum sind. Kein Einzelner kann eine Änderung bewirken. Das Bild muss gerade gerückt werden. Und da müssen alle mitmachen. Auch das wird kein alleiniges Allheilmittel sein. Die Bereitschaft zum Suizid hat ja auch nicht nur einen einzigen Grund.
Ich weiß, ich erreiche hier nur wenige. Und ob ich sie wirklich "erreiche" ist noch mal eine andere Frage. Trotzdem muss ich es versuchen.
Seid achtsam im Umgang mit anderen! Seid aufmerksam. Seid freundlich, auch wenn das Gegenüber es nicht ist. Schützt euch dennoch auch selbst. Das ist eine Gratwanderung. Ich weiß. Trotzdem müssen wir es wenigstens versuchen! -
So ein Abenteuer!
Ich hoffe Sandra findet jemanden, an den sie all ihr Wissen weitergeben kann. -
Liebe Malin,
Sverja hat vollkommen recht, wenn sie "ERST vor zwei Jahren" schreibt. Ja, du bist erwachsen. Warum solltest du deshalb deine Eltern weniger vermissen? Ein großer Verlust ist nichts worüber man hinweg kommt, sondern etwas womit man lernt, zu leben. Und das dauert unterschiedlich lang. Du bist ja kaum (oder überhaupt?) erst fertig alles zu regeln. Funktionieren müssen kann erheblich stören bei dem Prozeß. Für manche ist es der Motor, aber andere gehen in die Knie.
PTBS ist so eine Diagnose, die seit Neuestem recht inflationär gestellt wird. Genau wie ADHS und und Depression. Wenn sie (die Fachleute) nicht weiter wissen oder wissen wollen, dann verpassen sie einem einen Stempel. Ob du PTBS hast kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich kann nur erkennen, dass du es schwer hast und scheinbar nicht viel Halt in deiner Welt.Aktuell geht es mir nicht gut und ich mache mir viel Sorgen um meine eigene Gesundheit. Nächste Woche muss ich zu einer OP und hoffe nur das ich dies überstehe. Dunkle Gedanken sagen mir das es eigentlich alles egal ist.
Für deine OP wünsche ich dir, dass du sie gut überstehst und dich im Anschluss gut erholst.
Aber weißt du.... das Zitat ist das Schönste, was du geschrieben hast. Du machst dir Sorgen um Deine Gesundheit! Du hoffst! dass du die OP überstehst. Und das allerbeste: Dunkle Gedanken sagen dir..... Du distanzierst dich von den Gedanken. Den dunklen Gedanken. Sie stehen für sich. Sie sind kein intergrierter Teil von dir. Sie versuchen dich von etwas zu überzeugen, was nicht deine echte Wahrheit ist. DU machst dir Sorgen. DU hoffst. Für DICH.
Ich war lange genug direkt und indirekt mit Depressionen beschäftig um zu ahnen, dass sich alles in dir gegen das, was ich geschrieben habe aufbäumt. Als wollte ich dir die bitteren Gefühle absprechen. Das ist jedoch nicht meine Absicht. Jeder hat eine "dunkle" Seite. Ich möchte dir nur deine Lichtseite ein Stückchen weiter nach vorn drehen. Damit du sie besser sehen kannst. Es ist beides da.
Wenn du, wie Sverja schon vorschlug, deinen OP Tag schreibst, dann gehen viele gute Gedanken an dich raus. Mehr, als sowieso schon.
Alles Gute -
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Dass du lächeln kannst, wenn du Ursel "hörst" ist für mich eine Form der Akzeptanz. Meiner Ansicht nach hast du voll und ganz akzeptiert, dass Ursel noch da ist. Ein spontanes Lächeln bedeutet: kein Zweifel mehr. Alles ganz normal.
Aber es wird nie nie niemals reichen!!!!
Das Zubeißen ist ein großes Problem für mich. Ich mache mir die Zähne kaputt damit. Wenn ich mich dabei erwische und allein bin lasse ich den Kopf runterhängen und schüttle ihn wie beim Nein sagen. Dabei lass ich den ganzen Mund locker. Das hilft ein wenig. Hat mir Feechen gezeigt. Für nachts habe ich eine Aufbissschiene.
Das Schludern hab ich phasenweise immer wieder. Da bin ich weder hier noch dort mit den gedanken. Sehr lästig.Trauer ist erschreckend vielseitig.
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Liebe Malin,
es ist für manche einfach tatsächlich mehr, wirklich schwerer, egal ob es objektiv gesehen so ist. Niemand trauert oder verarbeitet mehr oder besser oder schlechter als der andere. Nur anders.
Jeder trägt es anders, und jeden berührt es anders. Dass es für dich so hart ist tut mir leid. Kein Kind kommt auf die Welt und beschließt als allererstes, sich miserabel zu fühlen. Das Leben passiert, und nicht alle Aspekte kann man selbst gestalten. Der Tod passiert und fragt nicht vorher, ob wir das schaffen.
Ich wünsche dir ganz viel Mut und noch mehr Hoffnung. -
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Das ist wirklich sehr grausam. Ihr werdet bestimmt viel Verständnis füreinander haben. Das kann sehr gut tun.
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Uff... Frauen übertreiben es oft mit der Fürsorglichkeit. Sie kann da wohl nicht aus ihrer Haut. Erst eine eigene Krankheit oder Verletzung könnte sie "ruhigstellen", zumindest körperlich. Diese getriebene Überfürsorglichkeit kenne ich noch aus der Zeit wo Feechen so krank war. Es ist so schmerzhaft nichts tun zu können, was einen echten Unterschied macht und so rödelt und rödelt man weiter, um überhaupt etwas zu tun.
Seine Angst ist ja auch echt. Delir hin oder her. Er hat Angst! Und das kann man ihm ja nicht absprechen.
Was für eine furchtbare Situation! Nein, natürlich kannst du das nicht beeinflussen. Da sein ist aber schon viel. Das musst du ja schließlich bei allem eigenen Leid auch noch irgendwie aushalten.
Ich wünsche weiterhin für alle das Beste! -
Deine Schwester hat mein größtes Mitgefühl! Er scheint nicht in der Lage zu sein, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Dennoch... vielleicht wäre der Abstand nicht das Schlechteste für Petra. So kann man nur ein mal pro Woche legitim verlangen, dass sie dorthin fährt. Und sie könnte sich erholen. Er wäre ja in der direkten Nähe zu Familie.
Liegt es an seinem Gesamtzustand, dass er so reagiert? Das musst du natürlich nicht beantworten. -
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Lieber Dieter,
ja, das kenne ich auch.
Es hat gedauert, bis ich mich selbst als "anderer Mensch" akzeptiert habe. Es wird ja überall suggeriert, das der Mensch gesellig zu sein hat, weil sonst ja etwas nicht stimmt. Und das ist völliger Blödsinn.
Der wichtigste Mensch ist aus diesem Leben gegangen. Und nun veränderst du dich. Das finde ich völlig normal! Auch wem es nicht so geht ist normal! Wir sind alle verschieden und dürfen es auch sein.
In so einem Forum wie diesem schreiben hauptsächlich Menschen, die nicht "einfach so" mit dem Vorausgehen einer geliebten Person klar kommen. Manche kommen klar. Die brauchen keinen Fremden, der ihnen zuhört und versucht da zu sein, wo das Umfeld längst nichts mehr davon hören will. Oder - und ich glaube, das trifft häufig zu - man sucht in erster Linie die Gesellschaft von Menschen, denen man nicht erst erklären muss, was der Verlust bedeutet. Und das findet man eher nicht auf einer Geburtstagsparty.
Vielleicht ändert es sich irgendwann wieder, vielleicht auch nicht. Am besten man lernt so schnell wie möglich für sich selbst zu sorgen was Ansprüche und Erwartungen von außen angeht. Dann merkt man auch, wenn man doch wieder echtes Interesse an Geselligkeit entwickelt.
Mach du dein Ding, Dieter. Fühl dich so wohl wie möglich so oft du nur kannst! -
Lieber Dieter
Ich kann dich gut verstehen. Irgendwie ist alles einen Hauch schlimmer, wenn der Mensch, der einem durch alles durch geholfen hat, nicht mehr greifbar neben einem ist. Auch ich habe Fußschmerzen. Seit nun fast einem Jahr. Ein selbstdiagnostizierter Fersensporn. Ich habe mich nun an den Schmerz gewöhnt. Er ist nur nach längerem sitzen oder früh morgens einige Schritte fast unerträglich. Ansonsten kann ich ihn ignorieren. Meine Devise: was von allein kommt, muss auch allein wieder gehen. Das rate ich bewusst niemandem!! Ich gehe eben so damit um.
Ich komme gerade aus einer neuartigen Trauerphase heraus. Kommunizieren war mir kaum möglich. Es war keine depressive Phase. Nur ein bisher unbekannter Ausdruck des Trauerns und des Vermissens. Ich fühle mich noch immer "anders". Aber entweder es vergeht, oder ich gewöhne mich dran. Da bin ich pragmatisch.
Fußschmerzen - es tut weh, ohne sie weiterzugehen. Das wird es sein. Es tut so weh.
Sie sind neben uns, doch in unserer Welt reicht das nicht. Kann es nie. Trotzdem sind wir dankbar dafür, nicht war? -
Nächtens will ich mit dem Engel reden,ob er meine Augen anerkennt.
Wenn er plötzlich fragte: Schaust du Eden?
Und ich müsste sagen: Eden brennt.
Meinen Mund will ich zu ihm erheben,hart wie einer, welcher nicht begehrt.
Und der Engel spräche: Ahnst du Leben?
Und ich müsste sagen: Leben zehrt.
Wenn er jene Freude in mir fände,
die in seinem Geiste ewig wird,und er hübe sie in seine Hände,
und ich müsste sagen: Freude irrt.
Rainer Maria Rilke
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Liebe Nebelschleier
mein Mann war fast sein gesamtes Berufsleben lang Lokführer, unter anderem auch bei einer Gleisbaufirma. Gleisbau ist um einiges sicherer als z.B. Straßenbau. Die Baustellen sind sehr gut abgesichert. Wenn am Nebengleis weiter Betrieb ist gibt es sogar extra "Wachposten", die vor nahenden Zügen warnen. Unfälle gibt es überall. Auch im Büro kann die Decke über deinem Schreibtisch einbrechen. Aber Gleisbauer ist ausdrücklich kein extra gefährlicher Beruf.
Was diese Berufswahl mit dir macht kann ich mir leider sehr gut vorstellen. Ich hoffe du arrangierst dich mit der Zeit damit. Kinder haben heißt, wenn sie erwachsen werden, für uns: Augen zu und durch!
Alles Gute für euch! -
mal schauen ob es ohne mich besser klappt.
Ich musste ein bisschen schmunzeln. Tatsächlich bin ich es mit meinem sich dann aufbäumenden Kontrollzwang, die in solche Projekte immer Unruhe reinbringt. Also in meinem Fall klappt so etwas ohne mich garantiert besser! Ich bin besser beim vorbereiten und hinterher saubermachen aufgehoben. Und wenn du ein paar Hände zur Verfügung hast, dann genieße lieber den Einkaufstrip.
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