Beiträge von Elster

    "Die Trauer vergeht nie." - Ein Satz, der Angst macht, weil er nicht beinhaltet, dass es zwischen Trauerphasen auch Erholungspausen gibt, bzw. geben wird. Pausen, die zuerst auch noch mal zusätzlich Angst machen werden. Denn man möchte nicht drüber hinweg sein. Man hat das Gefühl, die ganz schwere Trauer schuldig zu sein. Die erste Pause war schrecklich für mich. Ich wünschte mir sofortigst die schmerzhafte Trauer zurück. Ich wusste damals noch nicht, dass die Trauer nie vergeht. Das erste Mal, als ich ein Kleidungsstück von meinem Feechen hochnehmen konnte und dabei lächelte, hat mich bis ins Mark erschüttert. Ich verstand es nicht.
    Zusätzlich zu den Erholungspausen wird es leichter zu 'er'tragen. Ich nenne es 'Muckis auf der Seele'. Das Gewicht ist das Selbe, aber mit ausreichend Training fühlt es sich leichter, bzw. tragbarer an.

    "Die Trauer ist so groß wie die Liebe zu diesem Menschen." - Nur meine Auffassung: das ist ein sehr irreführender Satz. Und ich mag ihn überhaupt nicht! Nicht jeder trauert 'groß' oder laut oder wild, wenn er/sie groß und laut und wild geliebt hat und liebt. Sehr viele lieben nach der Akutphase (die echt lang dauern kann und manchmal Hilfe benötigt) einfach still weiter. Einfach so. Ja, Bille, wir lieben weiter. Völlig selbstverständlich. Und phasenweise ganz ganz leise. Trotz großer Liebe. Niemand trauert besser oder schlechter. Das impliziert dieser Satz. Und das ist schlicht nicht wahr!

    Liebe Bille, nach zwei bis drei Monaten seit dem fruchtbarsten Tag deines Leben musst du noch gar nichts bewältigt haben! Es gibt den ganzen formellen Mist, der sein muss. Aber die Bille, die da sitzt und nicht weiß, was nun werden soll mit ihr, die muss nur weinen dürfen. Weinen, klagen, schreien, das Universum verfluchen und mit dem verdammten Schicksal hadern. Das neu Ordnen, das das neue Leben annehmen (ja, Bille, annehmen), das Aufwachen in in diesem neuen Leben - das kommt erst viel später. Du schaust immer weit voraus. Das ist okay. So bist du. Nur gerade geht das gar nicht. Stell dir vor, man amputiert dir ein Bein. Kannst du dann die nächste Bergbesteigung planen? Du wirst wieder auf einen Berg steigen können, doch bis dahin gibt es viele kleine und große Schritte und Veränderungen die du vornehmen musst. Kannst du das, wenn du gerade eben erst amputiert wurdest und noch im Aufwachraum liegst? Kaum. Die wenigsten können das. Einige wenige schon, aber an denen sollte man sich nicht messen.
    Das bist gerade DU, Bille. Du wurdest quasi amputiert und du liegst im Aufwachraum und die Schmerzmittel wurden noch nicht angepasst. Es ist erst ein paar kurze Monate her! Schließ nicht von jetzt auf für immer. Auch wenn du dich so siehst. Du schreibst ja selbst - Bille war nicht immer so. Es gibt dich also in mutig. Wer außer deiner Angst sagt, dass das weg ist?

    Liebe Bille, das alles ist nur meine Sicht der Dinge. Wenn dir etwas davon gefällt dann nimm es gerne an!. Was dir nicht gefällt kann weg!

    Vodafone ist der Horror, wenn es Probleme gibt. Information ist kaum zu bekommen. Wir zahlen jetzt ein paar Euro mehr beim rosa T und seit dem ist alles okay! Vodafone hat entweder sehr schlecht geschulte Leute im Callcenter, oder aber sehr gut geschulte - gut im Abwimmeln ist da gemeint. Technische Probleme kann es immer mal geben. Aber Kunden so dumm abspeisen ist echt unerträglich.
    Sorry, Bettinalein, das hilft dir nicht im Moment. Daumen sind gedrückt, dass du bald wieder "benetzt" bist.

    Liebe Bille,

    In Bezirkskliniken würdest du sicherlich mit Medis vollgepumpt werden. Und das ist nicht sinnvoll. Denn danach würdest du wieder genau da stehen, wo du heute stehst. Rehaeinrichtungen nehmen dich nicht, bzw. lassen dich zwangseinweisen, wenn du mit Suizid drohst. Wenn du mit der Bereitschaft zu lernen kommst - zu lernen, wie man mit einem so schweren Verlust zurechtkommt, dann kann dir geholfen werden. Es braucht ein Maß an Aufnahmefähigkeit und ein wenn auch nur klitzekleines Fünkchen Selbsterhaltungstrieb. Irgendwann kommt irgendeine Redewendung bei dir an. Irgendein Wort, ein Tonfall, ein Blick, eine Stimme wird zu dir, Bille, durchdringen und dann kann der Weg zur Heilung beginnen. Heute ist nicht Bille am Steuer. Heute regiert der Schock und die Verzweiflung. Beruhigende Mittel könnten eine Möglichkeit für dich sein. Nicht alle wirken abstumpfend. Nicht alle sind wesensverändernd. Sprich mit deinem Hausarzt oder deiner Trauerbegleitung darüber.
    Du bist nicht "nur" Bille, die Frau von X. Du bist auch Bille, die schon immer Bille war. "Bille sein" neu lernen. Das wird die Herkulesaufgabe. Aber die ist zu schaffen! Schau dich hier um. Alle hier sind die neue Version ihrer Selbst, ich mit eingeschlossen. Das kam weder über Nacht, noch von allein.

    Wiederhol dich, so oft du es brauchst. Das ist hier ausdrücklich erlaubt!!

    die Sozialberaterin auf meiner Arbeit, die mich gestern noch anrief, meinte, ich sei noch nicht so weit, wieder zur Arbeit zu kommen. Werde ich es denn jemals sein???

    Zuerst: schön, dass das bemerkt wird! Da hast du es besser als so manch anderer.
    Ob du jemals so weit sein wirst? Das weiß keiner. Denn dein Leben "danach" muss sich erst entfalten. Bildlich gesprochen bist du noch in der Fötushaltung. Deshalb weiterhin: atmen, essen, trinken, schlafen. Sonst nichts, was nicht sein MUSS!

    Ja, Bille, Worte werden irgendwann anders bei dir andocken, als jetzt noch. Das kommt von allein. Vielleicht merkst du es erst im Nachhinein, wenn es schon eine Weile lang so war.
    Die ersten Wochen hab ich hier nur gestammelt. Wollte nur, das mir jemand zeigt, wie ich mein Feechen zurückbekomme (wider besseren Wissens), ohne es je so formuliert zu haben. Da das natürlich nie kam, hat mein Kopf und mein Sein allmählich umgedacht. Das war ein Prozess, der bis heute anhält. Denn bei allem Wissen, das ich habe, zweifle ich noch heute an dem, was ich weiß. Dass ist dieses "es wird anders" für jeden etwas unterschiedliches bedeutet. Es sind Worte, die grausam klingen können oder mutmachend. Die genau gleichen Worte können unterschiedlich auf dich wirken, je nachdem "wo" du gerade bist.
    Trauer ist dynamisch. Und zwar in alle Richtungen.


    Aber eines möchte ich nun, nachdem ich das so ausführlich erklärt habe, sagen. Es stimmt nicht ganz, dass ich keine Zutat kenne, die es braucht, um diese Momente zu erreichen. Ich wollte die Zutat nur nicht vorher nennen. Und auch hier: Bitte, es muss nicht für alle so sein.
    Aber bei mir ist diese Zutat eben das Akzeptieren. Was ja wie schon erwähnt nichts, aber auch gar nichts, mit nicht hadern zu tun hat.

    Akzeptanz ist in der frischen Trauer für viele ein echtes Unwort. Die eigentliche Bedeutung im Bezug auf Trauer erschließt sich quasi erst, wenn man sie erreicht hat, die Akzeptanz.

    Liebe Bille, wir begleiten dich gern auf deinem Weg, wenn du das möchtest. Ich habe so viel hier gelernt. Auch über mich selbst. Mein altes und mein neues Selbst.

    Ich wünsche dir weiterhin hauptsächlich Mut!

    Liebe Malin,

    was von dir verlangt wird ist einfach viel zu viel für einen allein. Es tut mir so so leid! Bist du zufällig in Nordbayern? Dann komm ich dir helfen. Ich meine das ernst! Nur sehr weit fahren kann ich nicht. Und solltest du in Erlangen wohnen kann ich da auch nicht hin. Da starb mein Kind und ich kann es einfach nicht.

    Gibt es eine psychiatrische Notfallambulanz bei euch? Oder einen telefonischen Krisendienst? Viele Bezirke haben sowas inzwischen. Dumme Floskeln nützen nicht viel aber es sich von der Seele schreiben vielleicht doch? Du bist ja anonym. Wir sind keine Therapeuten und du müsstest unpassende Antworten ausfiltern können, damit es hilft. aber vielleicht hilft auch schon ein persönlich wahrgenommen werden etwas weiter.

    Du bist nicht besonders schwach. Es IST viel!!

    Liebe Grüße, Elster

    Liebe Bille,

    du hast bei Malin keinen Fehler gemacht!! Du hast ihr ganz lieb geantwortet. Daraufhin hat dann einer nach dem anderen dir geantwortet und untereinander auch noch und dann ging es am Ende nicht mehr um Malin. Das passiert hin und wieder. Ich hab dann nur die Aufmerksamkeit zurückgelenkt auf die eigentliche Threaderstellerin. Keine Sorge!!

    Och schöööööön!

    Das mit dem Esstisch verstehe ich sehr gut. Vieles kommt wieder, manches nie. Ist doch aber okay so, wenn du dir zu helfen weißt. Ursel vergraulst du damit garantiert nicht!

    Ich fände es schön, wenn wir Malin ihren Thread wieder zurückgeben könnten.
    Sie hat es gerade sehr schwer und bräuchte vielleicht etwas mehr persönlichen Zuspruch.

    M22 wie geht es dir heute?

    Sehr lange habe ich hier nicht mehr geschrieben. Der Alltag war ständig voller Stress und Sorgen, keine Zeit zu leben, keine Zeit zu trauern, meinen Vater ging es mal besser, mal schlechter, ständig Pflegedienst, Bereitschaftsdienst, Rettungsdienst, irgendwie weiß ich nicht wie ich die Zeit ausgehalten habe. Und nun? Nun ist er erlöst von Leid. Obwohl ich das so eigentlich auch nicht sagen kann. Es endete tragisch, nicht friedlich. Offensichtlich kann in meiner Familie niemand sterben ohne ein Trauma zu hinterlassen. Ich bin in einem Zustand für den es keine richtigen Worte gibt, stehe vor dem Chaos meines Lebens, kraftlos, mutlos, planlos, allein. Meine Gedanken sind leer, ich fühle nichts. Einen Haushalt auflösen, wie macht man das, wenn die Kraft fehlt? Entscheidungen treffen fällt mir schon so lange schwer, jetzt muss ich, weiß nicht wie.


    Liebe M22
    es tut mir sehr leid, dass du so viel Leid tragen sollst. Hast du jemanden, der dir hilft, das Chaos ein wenig zu ordnen? Entscheidungen treffen in so einer Situation ist unmenschlich schwer. Da fühle ich mit! Außer einer virtuellen Umarmung kann ich erstmal nichts anbieten. Aber das von Herzen!

    ich kann wirklich gut verstehen, dass ich dich und euch überfordere. Ich bringe euch dazu, innerlich in eine Zeit zurück zu gehen, die ihr Gott sei Dank hinter euch habt. Und in diesen Schmerz wollt ihr euch auch nicht mehr begeben. Oder könnt es auch gar nicht mehr. Das ist völlig natürlich und es tut mir auch wirklich sehr, sehr leid. Das war nicht meine Absicht. Ich muss irgendwie versuchen klarzukommen mit Hilfen, die ich mir suche. Was bleibt mir denn auch anderes übrig?

    Das hier ist ein Trauerforum. Du bist hier völlig richtig! Jeder kennt den Ausknopf an seinem Gerät, wenn er etwas nicht lesen möchte. Das ist alles eigene Abwägung. Natürlich ist frisches Leid nicht immer für alle zu ertragen. Aber wir sind ja genügend, dass immer jemand bereit ist, sich zu kümmern. Ich selbst habe auch schon Neue ignoriert, weil es mir selbst zu schlecht ging. Die Wellen eben.
    Linchen meinte bestimmt nicht, dass du nicht schreiben sollst!!

    Du bist sehr tapfer, liebe Bille. Du lässt nichts unversucht. Diese Stärke hat dir dein Mann und eure Beziehung zueinander gegeben. Ich weiß - du fühlst dich ganz und gar nicht stark. Aber da ist ein Funke in dir und den hat dir die Liebe gegeben. Denn die stirbt nicht. Niemals. Beidseitig. Und akzeptieren geht irgendwann mal. Es eilt nicht wirklich. Erst muss man von ganzem Herzen begreifen, dass akzeptieren nicht das das selbe ist wie loslassen oder gar gutheißen. Was es bedeutet wirst du von ganz allein für dich bestimmen, wenn es so weit ist.

    Wenn dir die Trauerbegleiterin sympathisch war, dann ist das sehr gut. Dann hoffe ich, du hast nächste Woche ein gutes Gespräch mit ihr!

    Herzliche Grüße
    Elster

    Man kann andere nicht zum anders sein zwingen.

    Ich hab einen Platz unter drei Bäumen für meine Fee. Also kein Grab. Ich darf da nur ab und zu schmücken. Aber ich bringe immer wieder Sachen hin. Nichts teures, nichts unersetzliches. Und ich weiß jedes mal, dass man es irgendwann entfernen wird. So steht es in der Friedhofssatzung. Ist mir aber egal. Da bin ich stoisch. Wenn mir danach ist, bringe ich etwas. Wenn es wegkommt, bringe ich etwas neues. Ich weiß, das ist etwas anderes, weil es Fremde sind, die es entfernen. Das hat kein persönliches "G'schmäckle". Es ist immer wieder traurig zu lesen, wie lieblos man mit dir umgeht, selbst in deiner Abwesenheit. Das hast du nicht verdient!

    Dein Bub weiß, wie du ihn liebst und vermisst. Nichts sonst zählt.

    Mein Geschenk war eine Collage aus Eintrittskarten von Rockkonzerten seit 1972. Die hing bei mir seit Jahrzehnten im Flur und er hatte mich mal gefragt ob er die nach meinem Tod bekommen könnte. So lange wollte ich ihn nicht warten lassen.

    Wenn ich darf: du bist der Hammer!

    Nein, Bille, es lindert nichts. Linchen hat es schon geschrieben. Es dauert lange. Du wirkst irgendwie panisch und ich weiß was es bedeutet unbändige Angst zu haben. Ob du da von selbst raus kommst ist für uns nicht abzusehen. Die allermeisten tun es. Manche gehen zur Reha mit Trauerbewältigung als Schwerpunkt. Da könntest du mal deine Krankenkasse fragen. Dann wärst du von den vielen Erinnerungen mal weg. Es ist nur so ein Gedanke.

    Hier sind Frauen die Mann und Kind verloren haben und es irgendwie bewältigen. Es gibt auch die, deren sehr hochbetagte Eltern gestorben sind und die kaum Land sehen für lange lange Zeit. Trauer ist nicht quantifizierbar. Deine Trauer ist deine Trauer. Höchst individuell. Und die eigene Trauer ist immer die schlimmste Trauer!!Und sie darf sein!

    Dein Mann ist gestorben. Daran ändert auch ein liebgemeinter Rat oder ein Erfahrungsbericht von anderen nichts. Du kannst nur irgendwann zulassen, dass es dich tröstet. Das kommt aber erst noch. Bis dahin atmen, essen, trinken, schlafen. Wenn du das schaffst, hast du schon was geschafft. Alles eins nach dem anderen.

    Ich sage das nicht aus Selbstmitleid oder so und will auch nicht ständig jammern,

    Liebe Bille, ich sage immer, es gibt kein Selbstmitleid! Man kann nicht mit sich selbst mitleiden. Das geht gar nicht. Man leidet. Punkt. Und bitte: jammere! Ständig, wenn das gerade so sein muss. Dafür ist das Forum da. Wenn die Menschen um dich herum nicht mehr können oder wollen (du hast offensichtlich ganz liebe Eltern, die halt um ihr Kind Angst haben und so nicht immer die klügsten Sachen sagen), dann erzähl hier zum xten Mal. Haben viele hier so gemacht. So soll das auch sein.

    Gerade brauchst du keinen Trost. Du brauchst Verständnis. Trost kommt gar nicht an. Auch völlig normal. Trost nervt nur. Er macht ungeduldig weil er wie ein Vorwurf klingt. Auch wenn er meist nicht so gemeint ist.

    Ich wünsche dir Mut und Geduld. Das sind die beiden wichtigsten Eigenschaften zur Zeit. Das wird anders (haha). Klischees sind Klischees geworden, weil sie so oft wahr waren.

    Du schreibst von diesen heftigen Trauerwellen auch jetzt noch. Ich lese überall, dass das wohl für immer so bleiben wird. Dass sie einen einholen. Ganz egal, wobei und ganz egal, wie lange es her ist. Es wird immer schrecklich weh tun. Ein Leben lang. Ist es nicht so? Also kommt man doch niemals "drüber hinweg

    Das möchte ich noch kommentieren. Ich hoffe, das ist okay.

    Diese Wellen werden irgendwann seltener, also die Pausen dazwischen werden länger und man gewinnt an Erfahrung, wie man damit umgeht. Nach fast vier Jahren habe ich sie auch noch. Und es zerstört mich nicht mehr wie zu Beginn. Dafür halten sie ein wenig länger an. Aber das bin ich. Nein, es geht nie mehr weg, aber es dominiert nicht für immer. Die Trauer ist wie ein Loch in der Seele. Es wächst nicht zu, aber es überwuchert ein wenig und drum herum fängt ganz langsam und leise immer mehr an zu wachsen, was dein Leben ausmacht. Irgendwann ist da wieder mehr als nur dieses Loch.

    Nur: Alles, was ich höre und lese ist bei mir momentan nur THEORIE, ich kann das alles nicht umsetzen. Alle Erinnerungen an meinen Mann bringen mich um, machen mich wahnsinnig. Bedeuten einen Nervenzusammenbruch. Immer und immer wieder. Deshalb kann ich auch keinen Ort einrichten, um ihm nahe zu sein. Das klappt jetzt einfach noch nicht. Wird es jemals klappen? Ich weiß es nicht. Heute sage ich: Nein, das wird niemals klappen. Weil ich niemals die Schwelle vom Unerträglichen ins halbwegs Erträglich schaffen werde. Ich bin wie so in einem luftleeren Raum schwebend. Kann mich nirgends mehr andocken. Gehöre nirgends hin. Mein Zuhause, mein Daheim ist verloren ... Und ich bin mit verloren ...

    Du setzt bereits alles um, was geht. Nach so kurzer Zeit geht halt nicht mehr. Messe dich nicht mit anderen. Es dauert so lange wie es dauert.
    Die allermeisten wollen einfach nur hinterher, wenn ein über alles geliebter Mensch vorausgeht. Und die allermeisten finden irgendwann einen Weg die Trauer und das Vermissen als einen Teil ihres neuen Selbst zu akzeptieren.
    Anfangs waren schöne Erinnerungen für mich die pure Hölle! Der Schmerz war so groß, ich vergaß zu atmen. Monatelang! Nach zwei Monaten war mir immer nur schwindelig vom nicht atmen und der riesen Verwirrung, die sich in mir breit gemacht hatte. Ich hasste dieses: "es wird anders"!! Was zum Kuckuck soll das denn bitte heißen?? Wenn man mitten in der ersten Trauer, dem ersten Schock steckt! Damit kann man doch gar nichts anfangen.

    Mir half zu dieser Zeit am ehesten von verwaisten Müttern zu lesen, deren Kind schon viel länger drüben war. Einfach um zu begreifen, dass man das überlebt. Wissend, dass sie sich alle mal so gefühlt hatten wie ich.

    Es wird nie mehr wie früher. Das weißt du und du wehrst dich dagegen. Das ist sooo verständlich und eben wirklich normal. Und ich fühle mit dir! Es ist eine grausame Zeit. Und ein daraus hervorwachsen dauert lange. Manche können es schneller, andere brauchen Jahre.

    Liebe Bille, du musst jetzt keine Fotos anschauen können. Das ist völlig okay. Das kommt irgendwann. Du bist ein vorausschauender Mensch und es fällt dir schwer, nicht ständig an die sehr desolat wirkende Zukunft zu denken. Das macht es nicht leichter. Ich bin auch so. Ich habe nach einigen Monaten aufgehört zu zählen, wie lange "es" her ist. Es hat mich belastet und natürlich weiß ich grob wie lange, aber Tage zählen, über Jahre hinweg, das ist nichts für mich. Weil bei aller Vorausschau habe ich nach einiger Zeit die Unendlichkeit akzeptiert. Und unendlich kann man gar nicht zählen.

    Ich wünsche dir, dass das finanzielle schnell geregelt wird und dir nicht auch noch im Nacken sitzt. Und ich wünsche dir den Mut, morgens den Tag zu beginnen und dass du inneren Frieden findest (eines Tages...heute noch nicht)

    Liebe Grüße
    Elster