Liebe Bille,
ich hab öfter mal an dich gedacht. Schön, dass du dich meldest.
Immer noch ... das ist das, was die Gesellschaft immer wieder zu merkwürdigen Reaktionen bringt. Natürlich immer noch! Und wohl auch zeitweise immer wieder mal, auch noch nach Jahren. Es lässt sich nach und nach einfach leichter (er)tragen. Doch das Vermissen hört nicht auf, weil x Monate oder Jahre vergangen sind.
Das normal-tun ist wirklich sehr anstrengend. Um nicht selbst anstrengend für andere zu sein nimmt man es sich aber auf sich. Ein echter Teufelskreis! Denn je angestrengter man ist, desto kraftloser wird man und irgendwann muss einen das einholen. Zusammenbrüche finde ich zwar tatsächlich sehr hilfreich, weil sie wie ein Gewitter die Luft reinigen können. Nur im Beruf ist das halt echt sehr unangenehm. Ich denke, das verstehen fast alle hier.
Ich liebe Podcasts und werde deinen mal suchen. Danke für den Tip.
Liebe Grüße,
Elster
Beiträge von Elster
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Liebe Carmen,
was du fühlst, kann ich als Mama einer Fee in ihrer anderen Heimat, gut nachfühlen. Wenn Kinder zuerst gehen stimmt einfach nichts mehr. Es ist so schrecklich ungerecht in unserem Empfinden.
Ulrike hat recht! Doch bis dahin sind wir für die anderen noch da. Wir schaffen das! Sie sind nicht verloren, unsere Kinder!Eine eigene Wolke Seifenblasen gibt es gleich für dich und Lars.
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Liebe Carmen, ich kenne deinen Lars nicht, aber er hat die Blumen gesehen, die Absicht gespürt und sich vielleicht sogar amüsiert (wenn du nicht, wie ich, eine Spinnenphobie hast und fast einen Nervenzusammenbruch hattest. Das fände er sicher nicht lustig).
Den Frieden, den man spürt, wenn man am Platz seines Kindes steht, den kenne ich auch. Irgendwie, als wäre da "alles beisammen". -
Danke, leider hab ich den Sender nicht. Es gibt ja recht viel zu dem Thema auf Youtube.
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Liebe Polarstern, ich bin jetzt mal so frei und schreibe noch ein wenig zu deiner Antwort an mich. Deine Gefühle sind, wie die aller Menschen, hoch komplex und ich picke mir sozusagen das heraus, was mir auffällt.
Ehrlich gesagt habe ich sogar das Gefühl, dass du mich verstehst, obwohl wir noch gar nicht geschrieben haben. Es ist tatsächlich so, dass mein Kopf, wie soll ich sagen, wirr ist. Irgendwie schaffe ich es nicht die Trauer zu verarbeiten, dann grübel ich ständig und zwischendurch kommen die Heulkrämpfe.
Es ist im allgemeinen Sprachgebrauch üblich, von Trauer'verarbeitung' zu sprechen. Ich finde diese Redewendung generell unglücklich und im Kontext mit einer Trauernden, die an einer Depression leidet, klingt es doppelt falsch. Ich schiebe hier kurz ein, dass ich eigene Erfahrungen habe und außerdem mein Kind viele Jahre durch dunkelschwarze Täler begleitet habe. Dabei habe ich einiges an Erfahrung mit Ärzten und Kliniken etc. machen müssen. Ich habe hier also nicht 'gegoogelt' sondern war mitten drin.
Bis heute begreife ich nicht, was 'Trauer verarbeiten' eigentlich bedeuten soll. Und ich versuche es auch nicht. Die Trauer ist das irdische Band, das zwischen mir und meinem Kind geblieben ist. So konnte ich das die ersten ca zwei Jahre natürlich nicht sehen. Dennoch möchte ich heute an dich appellieren: schau in dir nach, ob es nicht besser ist, die Trauer nach und nach in dein Leben einzuladen. Als Begleiter an Stelle deiner Mutter. Nicht verarbeiten - lieber begrüßen. Und da jetzt nicht den akuten Wundschmerz, den du jetzt verständlicherweise noch hast, mit der Trauer verwechseln, die dann wirklich das Wesen und das Herz deiner Mutter mit sich führt. Schon jetzt ist deine Mama - in meiner Lebensanschauung - bei dir, ein Teil deines Lebens. Immernoch und für immer. Das, was bleibt, ist anfangs schwer zu verstehen. Der Schmerz ist so groß.
Darum eben: nicht verarbeiten. Lieber integrieren lernen.Ich verarbeite gerade die Trauer mit meiner Therapeutin. Das sind schon heftige Sitzungen aber ich hoffe, dass ich irgendwann damit umgehen kann, Momentan sehe ich das nicht so.
Wenn du mit deiner Therapeutin grundsätzlich zufrieden bist und dich verstanden fühlst dann ist das viel wert. Hier nur wieder das unselige 'verarbeiten'. Trauer sollte man lernen, statt verarbeiten. Denn das klingt, als gäbe es einen Schlusspunkt, den man erreichen soll. Das ist jetzt zwar nur meine Meinung, doch inzwischen maße ich mir an mehr zu verstehen, als noch vor zwei-drei Jahren.
Mein Kind ging mir vor vier Jahren voraus und ich musste diese Entwicklung in mir machen um da zu sein, wo ich jetzt bin. Trauer ist dynamisch, wenn man sie lässt. Ich lebe mit ihr. Sie ist nur noch selten heiß wie Feuer. Aber immer da. Ein sanfter Gruß von meinem Kind in ihrer neuen Welt. Traurig, weil ich sie nicht umarmen kann, weil ich sie nicht sehen kann, sie nie heiraten wird, nie Kinder bekommen wird, nie einen Hund haben wird - hier, auf der Erde - bin ich immerzu und weh tut es ständig. Aber auf eine Art, die nun einfach zu mir gehört. Anders möchte ich nicht sein.
Liebe Polarstern, weine ruhig. Krämpfe hören auch wieder auf. Die Tränen sind das 'Löschwasser', wenn die Trauer dich wie ein loderndes Feuer zu verschlingen scheint. Um einen geliebten Menschen weint man eben sehr. Ich erinnere mich wie gigantisch meine Tränen in den ersten Jahren waren. Unnatürlich groß. Das passiert auch heute noch, wenn es doch mal wieder so richtig schlimm ist. Es ist nur selten geworden. Und dauert nicht mehr monatelang an.
Bleib (ja, bleib!) mutig. -
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Liebe Polarstern,
mein herzliches Beileid. Den 'einen' Menschen zu verlieren ist ein sehr großer und für immer spürbarer Cut im eigenen Leben. Das 'es wird irgendwann besser' heißt leider manchmal: man gewöhnt sich dran. Das ist dann das 'besser'. Menschen mit einer hohen psychischen Belastung bereits im Vorfeld haben es ganz bestimmt noch schwerer. Und nach dem was du beschreibst hast du eine hochfunktionale Depression? Diese Form ist kaum vermittelbar. Es wird einem einfach nicht geglaubt. Oft nicht mal von Fachleuten. Das ändert sich aber, glaube ich, langsam.
Es ist aber nicht irgendwie von vornherein unmöglich, dass du mit deinem Verlust irgendwann einmal gut leben kannst. Es ist ja jetzt erst einige Monate her und da ist es nur logisch (zumindest für uns hier), dass du noch nicht damit klar kommst. Ob deine Erkrankungen da eine entscheidende Rolle spielen ist ja nicht gesagt. Ich finde dich zum Beispiel richtig mutig. Wahrscheinlich (verzeih wenn ich hier Vermutungen anstelle) fühlst du dich kein bisschen mutig. Doch was du stemmst ist so viel, das können sich gerade die, die dich kritisieren wollen gar nicht vorstellen. Und ob sie es könnten müssten sie erst mal beweisen. Du hast eine inner Stärke, die aus der Liebe zwischen dir und deiner Mama entspringt. Dieses Geschenk zu ehren wird idealerweise zu deiner Lebensaufgabe. Eines Tages... Jetzt ist das viel zu früh um so weit zu denken. Die riesige Wunde blutet ja noch heftig. Und bei dieser Art Wunde ist ein Druckverband genau das Falsche.
Ich wünsche dir viele Begegnungen (ob real oder im Internet), die dich halten und stärken können. Ich sende dir viele gute Gedanken und hoffe hier nicht übergriffig gewesen zu sein. -
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Danke für dein Mitgefühl, liebe Bille. Ein frischer Schmerz rührt uns alle zu Tränen. Wenn man weiß, was da dahinter steht, dann sind das nicht mehr nur Worte.
Wenn du stichprobenartig die Verläufe liest bei aktiven Mittrauernden, dann kannst du die Entwicklung mitverfolgen. Daran habe ich mich zeitweise regelrecht geklammert.
Tränen sind ein Streicheln auf der Wange, wenn man sie so denken möchte. Darum ist weinen für mich etwas Verbindendes. -
Ich erzähl dir dann von den Seifenblasen und wie es zustande kam, wenn du möchtest. Aber vielleicht nicht sofort. Hirnschmelze schreitet voran.
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Liebe Elster,
ja, ich denke, so meinte sie das. Es sich immer wieder vorsagen. Mache ich ja, geht nur nicht. Sie sagte dann, vielleicht sei es noch zu früh dafür ...
Stell dir ein abgrundtiefes resigniertes Seufzen vor. Das bin dann ich. Spare deine Energie. Das ist (noch)nichts für dich. Therapeuten.... ich hab da meine eigene Meinung.
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Komm ich denn in den geschlossenen Bereich?
Ja. Geh fast ganz oben auf 'Forum'. Darunter öffnen sich die Unterkategorien. Da ist dann auch der Geschlossene Bereich. Musst dich aber anmelden.
Ich hoffe, die Hitze hat bald ein Ende. Angeblich war der Sommer 22 auch sehr heiß. Ich hab ihn komplett vergessen. Zumindest den weltlichen Part. In dem Sommer ging mein Feechen. Ich weiß nahezu nichts mehr aus dieser Zeit. -
nicht Akzeptanz als Billigung, sondern als "Es ist so, wie es ist".
Das ist so an die buddhistische Sichtweise angelehnt und hat seinen Wert. Irgendwann mal. Momentan kannst du wahrscheinlich nicht mal den Gedanken zulassen, dass das überhaupt richtig ist. Erst recht ist es zu früh, das umzusetzen. Üben....? Ich weiß jetzt nicht, wie man das übt. Vielleicht meint sie, dass du es dir wie ein Mantra vorbetest. Das kann tatsächlich was bringen. So zur Überbrückung quasi. Manchmal kann man nichts tun.... außer man tut so als ob. Und ja, das kann eine Krücke sein. Das muss man für sich ausprobieren. Dass sie es vorschlägt finde ich jetzt nicht problematisch an sich. Wenn sie sonst nichts hat und/oder dich dazu drängt, dann ist das für dich sehr wohl ein Problem, bzw. eben völlig ungeeignet.
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Und ich habe es ja auch schon öfter geschrieben, dass ich mich in gar keinen Fall irgendwie "rausstellen" möchte,
Das denk ich ja auch gar nicht, Bille. Ich versuche ja nur, dir das Allein-Gefühl in diesem extremen Zustand zu nehmen. Dein Alltags-Allein ist eine ganz andere Sache.
Wenn du möchtest erzähle ich dir von den Seifenblasen. Wäre auch nachzulesen in meinem Thread im Geschlossenen Bereich. Er heißt "Jetzt hab ich kein Mädchen mehr". Da haben mich ganz viele hier zur Beisetzung begleitet. Davon zehre ich noch heute. -
Liebe Bille,
schön, dass du noch hier bist und auch etwas davon hast. So ging und geht es allen, die seit Jahren hier lesen und schreiben. Was man hier mitnimmt - das ist völlig unterschiedlich. Selbst Negativbeispiele können helfen. Da ist jeder anders gestrickt.
Lass dich nicht allzu sehr verunsichern, wenn hier von Jahren die Rede ist. Es ist ja nicht so, dass man 2 oder drei Jahre lang vor Kummer kaum gerade gehen kann und eines Tages macht es "peng" und alles ist anders... ja, das berühmte 'anders'. Es entwickelt sich. Das neue Ich entwickelt sich nach und nach. Meist wirklich nur im Rückblick erkennbar. So langsam geht das. Es gibt immer mal Phasen, da ist alles wie am ersten, schrecklichen Tag. Diese Phasen werden allmählich weniger und kürzer.Jahrelang waren die Rückfälle eine kleine Katastrophe bei mir. Ich lebe für eine alte Tante immernoch (zu?)sehr im Jetzt, wenn es um Emotionen geht. Und daher fühlten Rückfälle sich immeran, als dauerten eine kleine Ewigkeit (herrlich paradoxe Redewendung) an. Erst nach einer Weile konnte ich sehen, dass sie immer kürzer wurden.
Gewohnheit war einer meiner Helfer auf diesem Weg. Und ein neues, sich in mir immer weiter aubreitendes Wissen.
Das erzähle ich nur, weil es eben manchmal hilft zu lesen, dass andere, die es auch scheinbar besonders schwer hatten, dennoch einen Weg gefunden haben. Und besonders schwer haben es alle, die einen (lebens)wichtigen Menschen verloren haben. Jeder für sich. Und das schöne am Internet ist, man kann auch mal etwas nicht lesen. Das entscheidet man täglich selbst.
Du fühlst, es geht bei dir besonders tief. Diese Sichtweise entsteht, weil du andere nicht fühlen kannst. Das kann niemand. Die eigene Trauer ist immer die schlimmste Trauer und man fühlt sich allein in dieser Schwärze und in diesem Schmerz. Das ist völlig normal und okay. Und noch immer ist es, auf die Trauer bezogen, bei dir gerade eben erst passiert! Das betonen einige hier. Nicht, um dich zu belehren. Sondern um dich zu stützen und zu signalisieren: wir kennen das.
Ich wünsche dir, dass es dir gelingt, dir selbst Zeit zuzugestehen. Noch ist alles dunkel. Ich weiß. Wir wissen. Und das tut mir so sehr leid für dich. Ich denke beim nächsten Seifenblasenritual (etwas, was mich von Anfang an am Leben hält)an Bille und Tom. -
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Liebe Carmen,
der anhaltende Kummer über das Grab deines Sohnes geht mir sehr ans Herz. Und so sehr ich es dir wünschen würde - wenn eine kleine Deko von dir entsorgt wird, dann wird auch ganz sicher einer Umbettung nicht zugestimmt.
Es ist übrigens unser aller Wunsch in der Familie, dass wir ein Baumgrab bekommen. Denn es gibt nichts einsameres als ein vergessenes Erdgrab. Wenn der Letzte auf dem Stein vermekte Verstorbene schon 50 Jahre dort beerdigt ist, dann ist klar, dass sich niemand mehr kümmert, weil einfach niemand mehr da ist, der ihn gut kannt. Stelle ich mir zumindest so vor. In eurem Fall ist wohl jemand mit der Grabpflege beauftragt worden, der seine Sache nicht gut macht. Das gibt es hier auch. Man muss, wenn man selbst an Grabpflege nicht interessiert ist oder nicht kann zumindest kontrollieren, ob alles erledigt wird. Vielleicht ist das "Verwildern" auch ein Ausdruck Hankas Trauer. Du kennst sie als eher kalt. Lars hat sie geliebt. Vielleicht ist es eher, dass sie nie gelernt hat Gefühle zu benennen, zu zeigen. Und nun verwildert das Grab ihres geliebten Mannes, weil ihr Herz versuchen muss, nicht selbst zu verwildern.
Eine romantische und weit hergeholt klingende Ausführung über jemanden, den ich gar nicht kenne.
Eines aber kenne ich sehr gut aus meinem Umfeld: mit Gräbern geht jeder anders um. Das kann und sollte man nicht umerziehen wollen. Dass du gar nichts bleibendes dort aufstellen darfst ist ein absolutes Unding! Vielleicht geht irgendwann, dass ihr zusammen etwas aussucht. Denn ums Styling kann es ja nach deiner Beschreibung nicht gehen. Vielleicht möchte sie gefragt werden.
Ich hoffe es ist okay, wenn ich hier eine andere Seite beleuchte, statt dich "nur" zu bedauern. Denn bedauernswert ist das ja ganz sicher! In mir sträubt sich nur etwas, hier die pure Lieblosigkeit seitens Lars' Witwe zu sehen. Vielleicht zu blauäugig von mir.
Schreib deine Liebesbriefe an deinen Jungen mit Seifenblasentinte (ich liebe diese Sichtweise von Herzschmerz ) denn die kommen immer an und bleiben dort! -
Lieber Dieter,
die Porzellanhochzeit wird der zwanzigste Hochzeitstag auch genannt. Porzellan ist hochwertig, edel, jedoch fragil. Ihr seid weiterhin verbunden. Über alle Entfernungen hinweg. Fragil ist "nur" das Erdenglück. Die Verbundenheit bleibt für immer und ewig hochwertig und edel.
Liebe Grüße, gute Gedanken und eine herzliche Umarmung an euch beide!
PS: in einer Stunde heiratet mein Stiefsohn. Es ist ein gutes Datum zum Heiraten.