Nur: Alles, was ich höre und lese ist bei mir momentan nur THEORIE, ich kann das alles nicht umsetzen. Alle Erinnerungen an meinen Mann bringen mich um, machen mich wahnsinnig. Bedeuten einen Nervenzusammenbruch. Immer und immer wieder. Deshalb kann ich auch keinen Ort einrichten, um ihm nahe zu sein. Das klappt jetzt einfach noch nicht. Wird es jemals klappen? Ich weiß es nicht. Heute sage ich: Nein, das wird niemals klappen. Weil ich niemals die Schwelle vom Unerträglichen ins halbwegs Erträglich schaffen werde. Ich bin wie so in einem luftleeren Raum schwebend. Kann mich nirgends mehr andocken. Gehöre nirgends hin. Mein Zuhause, mein Daheim ist verloren ... Und ich bin mit verloren ...
Du setzt bereits alles um, was geht. Nach so kurzer Zeit geht halt nicht mehr. Messe dich nicht mit anderen. Es dauert so lange wie es dauert.
Die allermeisten wollen einfach nur hinterher, wenn ein über alles geliebter Mensch vorausgeht. Und die allermeisten finden irgendwann einen Weg die Trauer und das Vermissen als einen Teil ihres neuen Selbst zu akzeptieren.
Anfangs waren schöne Erinnerungen für mich die pure Hölle! Der Schmerz war so groß, ich vergaß zu atmen. Monatelang! Nach zwei Monaten war mir immer nur schwindelig vom nicht atmen und der riesen Verwirrung, die sich in mir breit gemacht hatte. Ich hasste dieses: "es wird anders"!! Was zum Kuckuck soll das denn bitte heißen?? Wenn man mitten in der ersten Trauer, dem ersten Schock steckt! Damit kann man doch gar nichts anfangen.
Mir half zu dieser Zeit am ehesten von verwaisten Müttern zu lesen, deren Kind schon viel länger drüben war. Einfach um zu begreifen, dass man das überlebt. Wissend, dass sie sich alle mal so gefühlt hatten wie ich.
Es wird nie mehr wie früher. Das weißt du und du wehrst dich dagegen. Das ist sooo verständlich und eben wirklich normal. Und ich fühle mit dir! Es ist eine grausame Zeit. Und ein daraus hervorwachsen dauert lange. Manche können es schneller, andere brauchen Jahre.
Liebe Bille, du musst jetzt keine Fotos anschauen können. Das ist völlig okay. Das kommt irgendwann. Du bist ein vorausschauender Mensch und es fällt dir schwer, nicht ständig an die sehr desolat wirkende Zukunft zu denken. Das macht es nicht leichter. Ich bin auch so. Ich habe nach einigen Monaten aufgehört zu zählen, wie lange "es" her ist. Es hat mich belastet und natürlich weiß ich grob wie lange, aber Tage zählen, über Jahre hinweg, das ist nichts für mich. Weil bei aller Vorausschau habe ich nach einiger Zeit die Unendlichkeit akzeptiert. Und unendlich kann man gar nicht zählen.
Ich wünsche dir, dass das finanzielle schnell geregelt wird und dir nicht auch noch im Nacken sitzt. Und ich wünsche dir den Mut, morgens den Tag zu beginnen und dass du inneren Frieden findest (eines Tages...heute noch nicht)
Liebe Grüße
Elster