Liebe Bille. Ich habe mich über deine Antwort sehr gefreut. Gefreut für dich,daß du es schaffst, hier im Forum dich mitzuteilen. Ich erwähnte schon mal, daß ich Menschen kenne, die nach einem schweren Verlust sich völlig zurückgezogen haben. Dann habe ich mich über das Kompliment gefreut. Wer sagt einem denn diesbezüglich mal was nettes?. Wenn man schlecht aussieht, dann heißt es gleich:" Du siehst aber gar nicht gut aus " Und das ist dann immer wie ein Keulenschlag.Nun noch ein paar Gedanken zu deinem Schicksal. Es ist völlig richtig ,daß das Fehlen deines Mannes etwas ganz anderes ist als mein Schicksal. Du wirst in jeder Sekunde daran erinnert. Dein ganzes Leben ändert sich und du kannst nichts dagegen tun. Ich möchte auch an dieser Stelle sagen, daß es vielleicht gar nicht immer so gut ist ,wenn du jetzt versuchst, auf allen möglichen Gebieten dir Hilfe zu holen. Die Selbsthilfegruppe ist ein Beweis. Ich war einmal seelisch sehr krank. In der Zeit der Heilung habe ich lernen müssen, dass ich das aushalten musste ,durchgehen durch den schwarzen Tunnel ,immer mit dem Gedanken, dass es einmal anders wieder wird. Ich hatte eine schwere Angsterkrankung .Ich habe Medikamente genommen und Therapie gemacht. Aber aushalten musste ich es selbst.Ich hatte damals meinen Sohn, da konnte ich mich anlehnen. Er hat mitbekommen, wie ich geweint habe, nicht geschlafen ,nicht mehr rausgegangen und und und.Aber irgendwann kam die Zeit, wo es mir besser ging, ganz allmählich, mit Rückschlägen ,aber bergauf. Das ist nun schon ein paar Jahre her..Eins weiß ich heute,daß es mir geholfen hat, in schweren Zeiten, wenn man denkt, es geht nicht mehr, wieder aufzustehen. Es ist ein Kampf, es kostet Kraft, das nimmt einem keiner ab.Und noch etwas.Man muss aufpassen ,was einem gesagt wird .Das Wort Depression macht oft schnell die Runde. Eine Depression ist eine schwere Krankheit,.Damit sollte man vorsichtig sein.Das kann auch nur ein Psychiater feststellen. Liebe Bille. Du wirst noch lange deinen Mann vermissen, dafür gibt es auch keine Begrenzung. Wie dein Leben weitergeht, kann man jetzt noch nicht sagen. Aber glaube mir,auch du hast einen gesunden Drang danach,daß es eines Tages besser wird. Dafür wirst du auch etwas tun, so schätze ich dich ein. Liebe Grüße von Christine.
Was ist, wenn man niemals darüber hinwegkommt?????
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Liebe Bille,
wir können immer nur einzeln von unserem sehr individuellen Erlebnissen und dem Weg berichten, sowie Christine es tut.
Das muss bei Dir nicht zutreffen egal wer was und wie schreibt.
Ja Verluste sind sehr unterschiedlich in der Art aber der Schmerz ist oft der selbe.
Für den einen kann es tröstlich sein wenn der Partner da ist, für andere eher nicht auch da muss man immer von der individuellen Sitiation ausgehen.
Ich weiss nicht was es für ein Fragebogen war ist auch letzten Endes völlig egal.
Das Du keine Freude empfinden kannst ist völlig normal das es Dich zerreist ebenfalls.
Christine sagt es eigentlich völlig richtig es gibt keine Abkürzung durch dieses Tal, es gibt Menschen da geht es sehr schnell besser andere da dauert es extrem lange und wieder andere nun ja all das ist unglaublich individuell und niemand hat den einen einzigen richtigen Weg.
Viele von uns haben einen Weg gefunden, einige sind Ihren Lieben mittlerweile gefolgt Krankheit.
Einige haben erneut einen schweren Verlust erlitten all das macht dieses Forum aus und lebendig.
Du wirst Dich noch oft wiederholen oft etwas schreiben und die Frage stellen wie viele male wurde das schon geschrieben.
Das macht gar nichts darauf kommt es nicht an sondern einfach schreiben einfach lesen in älteren Wohnzimmern.
Vieles ist für Dich noch gar nicht nachvollziebar bzw. es kommt noch gar nicht an, wie könnte es auch es ist doch erst geschehen.
Irgendwann wird etwas bei Dir ankommen von irgendjemanden.
Das braucht einfach nur viel viel viel Zeit.
Vlg. Linchen
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Ein Fragebogen?? Immernoch?? Mir wird physisch schlecht! Aber ich finde dich absolut toll, weil du jeden Stein umdrehst, um Hilfe zu finden!! Und tatsächlich sind auch solche dämlichen Unsinnigkeiten wertvoll, wenn sie in dir ein inneres "Aufbäumen" auslösen. Selbst wenn es winzig klein ist. Selbst wenn es daher kommt, dass dir etwas auffällt, wie eben eine nicht hilfreiche Gruppensitzung (wo war die Leitung??) oder ein unmöglich wahrheitsgemäß zu beantwortender Fragebogen.
Die Dynamik der Trauer ist nicht direkt spürbar. Erst hinterher merkt man es, wenn sich etwas verändert hat. Und auf bessere Tage folgen auch wieder schlechtere. Erst sehr langsam erkennt man, dass die guten Zeiten (anfangs nur Sekunden oder Minuten) mehr werden. Mit "gut" meine ich das neue "gut". Das erscheint erst so richtig, wenn man den Raum zwischen "Vorher" und "Nachher" verlassen hat. Und dort kann man schon recht lange festhängen.
Du beschreibst dich als jemand, der sehr viel Angst spürt. Und das glaube ich dir ohne Weiteres!! Ich lese allerdings auch jemanden, der den Mut aufbringt, in alle Richtungen zu schauen, um einen Rettungsring zu finden. Für Menschen ohne Angst ist das normal. Für dich ist es gigantisch!! Und ich möchte so gerne, dass du das wahrnimmst! Denn du, Bille, bist viel größer als du weißt!Das Du keine Freude empfinden kannst ist völlig normal das es Dich zerreist ebenfalls.
Das hier, und auch der Rest von Linchens Beitrag ist genau richtig in seiner Aussage.
Normal ist jetzt kein Wort, welches scheinbar ein Gleichmaß beschreibt. Normal ist jetzt, was nicht normal sein dürfte! Und wir hier schwimmen alle mit dir. Manche haben schon Rettungsringe, manche nicht. Einige können super alleine schwimmen. Nass sind sie trotzdem und anstrengend ist es in jedem Fall. --- Ich hab wahrgenommen, dass du wie ich super in Bildern denken kannst, deshalb diese Beschreibung. Ich ahne, dass du mich verstehst.
Liebe Grüße
Elster, die sich gefreut hat zu lesen, dass ihr Geschwätz geschätzt wird. -
Liebe Elster,
schön das Du es etwas verfeinert hast...ja genau so ist es...
Vlg. Linchen
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Liebe Christine,
weißt du, wenn in der Selbsthilfegruppe nicht auch andere wäre, dann würde ich vermutlich nicht mehr hingehen. Ich hoffe, nächste Woche ist es wieder besser. Da ich ja keine Sozialkontakte habe und mir wirklich ALLES neu aufbauen muss, ist es aber auch gut für mich, unter Menschen zu kommen. Du sagst, dass es vielleicht nicht gut ist, auf allen Ebenen zu versuchen, Hilfe zu bekommen. Vielleicht stimmt das. Das wird sich zeigen. In meinem jetzigen Zustand muss ich aber wirklich alles versuchen, denn sonst werde ich verrückt. Durchgehen muss ich auch alleine, das stimmt. Aber vielleicht bekomme ich ja "Anregungen", wie es etwas leichter geht. Und am meisten Angst habe ich ja davor, wie mein Leben weitergeht. Das kann man nicht sagen, so wie du geschrieben hast. Eins ist nur sicher: Es wird NIEMALS so weitergehen, wie es einmal war. Und eigentlich will ich nur das, was einmal war. So wie wir alle! Wie ich damit umgehen soll/kann/muss weiß ich einfach nicht. Das ist die allergrößte Hürde für mich! Und "besser" wird mein Leben sicher nicht.

Zum Thema Depression: Ich glaube, viele verwechseln depressive Zustände mit richtiger Depression. Wahrscheinlich haben wir alle - oder jedenfalls die meisten - in unserem Leben schon depressive Zustände gehabt. Die sind dann natürlich nicht mit der Krankheit Depression gleichzustellen. Ich nehme mich da nicht aus: Ich sage auch oft Depression, wenn ich nur die temporären Zustände meine.
LG
Bille
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Liebe Linchen,
ja, das stimmt, es kommt immer auf die individuelle Situation an. Und das individuelle Leben mit den individuellen Empfindungen. Wir sind alle verschieden mit verschiedenen Leben und verschiedenen Auffassungen von Dingen, aber eins eint uns: dieser unvorstellbare Schmerz des Verlusts! Wie wir jedoch diesen Verlust überleben, das ist bei jedem verschieden. Das weiß ich, und ich suche meinen Weg zum Überleben. Mein Hirn sagt mir aber ständig: Du kannst das nicht überleben!!! Wie soll das gehen ohne Tom??? Wie sollst du dir ein Leben OHNE ihn aufbauen??? Darauf kann mir niemand eine Antwort geben. Auch das weiß ich. Aber das ist ja eben so schrecklich. Weil man eine Antwort haben möchte. Weil man eine Lösung wissen möchte. Aber all das bekommt man nicht.
Ich stelle mir so oft die Frage: Wird es eines Tages wirklich so sein, dass ich, egal, was ich gemacht habe, nicht mehr denken werde: "Nie mehr wird er das und das gemeinsam mit mir erleben können!"?
LG
Bille
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Liebe Bille. Danke für deine Antwort .Wenn ich schrieb,daß man nicht zu viel tun soll , so gehe ich natürlich wieder von mir aus. Als mein Sohn so plötzlich starb , habe ich auch versucht ,an vielen Stellen mir Hilfe zu holen. Eine Zeitlang war das auch gut, aber irgendwann war mir das alles zuviel. Ich habe mich dann zurückgezogen und mich sortiert.
Dann hatte ich mit einer Seelsorgerin ein letztes Gespräch, was mich sehr beschäftigt hat. Sie hatte mir gesagt, daß mein Sohn einen leisen Tod hatte.Sein Herz hatte plötzlich aufgehört zu schlagen. Er hat sich nicht quälen müssen. Dann fragte sie mich ,ob er zufrieden mit seinem Leben war, ob er Freunde hatte und ob wir uns gut verstanden haben. Als ich das alles bejahte,sagte sie,daß das etwas besonderes sei. Viele Menschen sterben im Gram ,auch manchmal von Feinden umgeben und unglücklich. Und sie sagte ,ich kann dankbar sein,daß ich so einen Sohn hatte. Liebe Bille. Seit diesem Gespräch habe ich meinen Frieden mit mir gemacht. Das einzige, was immer noch sehr wehtut ist der Gedanke ,dass er noch einiges vorhatte im Leben ,was nun vorbei ist. Ich will damit nur sagen, daß ìch letztes Endes durch einen einziges Gespräch zu Ruhe gekommen bin.Es braucht manchmal nur einen kleinen Hinweis, der aber große Wirkung haben kann.
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Liebe Elster,
nur zur Erklärung: Der Fragebogen diente dazu, einen an den richtigen Facharzt zu übermitteln. Das sollte eine Ersteinschätzung sein, damit die wissen, was mit einem los ist.
Ich MUSS "jeden Stein umdrehen", wie du es formulierst, sonst komme ich aus meinem Loch nicht raus und vereinsame auch total. Ich bin praktisch zu Dingen gezwungen, die ich gar nicht möchte. Ich muss irgendwie unter Leute. Du schreibst "gigantisch". Besser könnte ich es nicht ausdrücken. Es ist jedes Mal für mich wie eine Besteigung des Mount Everest.
Die Leitung (Wir beide verstehen uns sehr gut!) war da. Und ist auch eingeschritten. Sogar so weit, dass zwischen den beiden fast ein Streit entstand. Und wenn das so weiter geht, wird er sie wohl auch der Gruppe verweisen.
Ich führe die Bilder mal weiter: Ich bin weit draußen im Meer und sehe weder das Ufer, noch einen Rettungsring, mit dem ich vielleicht etwas näher zum Ufer kommen könnte. Mir schwappen nur die Wellen von rückwärts ins Gesicht, ich schlucke Wasser, bin nah am Ertrinken und treibe so noch weiter raus ... In der Ferne sehe ich euch. Ich kann aber nicht zu euch gelangen, weil ich einfach viel zu viel Wasser schlucke und kämpfe, um nicht gänzlich unterzugehen.
LG
Bille
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Liebe Christine,
du bist zur Ruhe gekommen und hast Frieden. Das ist das Beste, was man haben kann! Und man spürt, dass es bei dir wirklich so ist. Ich freue mich von ganzem Herzen für dich!
Es wäre vieles für mich leichter, wenn ich nicht dieses Trauma in der Klinik hätte erleben müssen, wenn ich nicht wochenlang meinem Mann beim Sterben hätte zusehen müssen und wenn ich noch einmal über alles mit ihm hätte reden können. Dann könnte ich vielleicht auch schneller Frieden finden. So ist das alles eine noch größere Belastung.
LG
Bille
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Liebe Bille. Genau, das meine ich. Wir in der Familie seine Schwestern und ich haben das gesagt, was du beschrieben hast. Wenn Silvio noch in der Klinik eventuell wäre reanienmiert worden, dann noch neurologische Ausfälle, ganz furchtbar. Das ist ihm erspart geblieben. Er lag so friedlich im Sarg. So schwer wie es auch war,aber für ihn war es so besser.
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Liebe Bille. Ich drücke mal ganz fest deine Hand und wünsche dir von ganzemHerzen, daß auch du ins Leben wieder zurückfinden kannst.
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Ich stelle mir so oft die Frage: Wird es eines Tages wirklich so sein, dass ich, egal, was ich gemacht habe, nicht mehr denken werde: "Nie mehr wird er das und das gemeinsam mit mir erleben können!"?
LGLiebe Bille,
das wird wohl immer so bleiben. Erst gestern ging es mir wieder so. Ich sah einen Film der in Hamburg spielt - Hamburg ist unsere Lieblingsstadt in der wir jedes Jahr ein paar Tage verbrachten. Eine Szene spielte genau an einem unserer Lieblingsplätze. Das war der Trigger für einen Schlag mit dem Niewiederhammer. Trotzdem schaue ich mir weiter Filme die in Hamburg spielen an. Manchmal denke ich mir auch nur, "schau Ursel, da waren wir auch."
Es wäre vieles für mich leichter, wenn ich nicht dieses Trauma in der Klinik hätte erleben müssen, wenn ich nicht wochenlang meinem Mann beim Sterben hätte zusehen müssen und wenn ich noch einmal über alles mit ihm hätte reden können. Dann könnte ich vielleicht auch schneller Frieden finden. So ist das alles eine noch größere Belastung.
Damit kämpfe ich auch immer wieder mal. Meistens morgens beim Aufwachen, da bekomme ich Flashbacks aus dem Krankenhaus, wo soviel falsch gemacht wurde oder aus ihrer Sterbewoche bei uns zuhause. Sie werden aber seltener und ich habe gelernt sie zu verscheuchen.
Liebe Grüße von Dieter