Posts by Hedi

    Wieder ein neuer Tag in meinem neuen, nicht gewollten Leben! Gestern hatte ich ein größeres Tief, heute fühlte ich mich beim Aufstehen etwas kräftiger.


    Bis mir wieder einfiel, dass heute der Termin mit dem Steinmetz am Friedhof ist bezüglich der Inschrift. Eigentlich nicht so schlimm, aber da kommen wieder Erinnerungen hoch. Das letzte mal waren Gerhard und ich am Friedhof (Ende Oktober) und trafen ihn wegen der Gravur für die Schwiegermutter. Jetzt geh ich am Nachmittag da alleine hin und gebe in Auftrag : Gerhard 1963 - 2017


    Das ist gleich wieder so ein Moment, der einen in das Loch zurück stößt. Ich bin so traurig! Ziehe mich jetzt an und gehe mit meinen Hunden in die Natur. Vielleicht bringt das Erleichterung.
    Hedi

    Liebe Claudia!


    Wenn diese Emotionen nicht so sehr schmerzen würden! Aber, so schön und groß die Liebe eben ist, so schmerzhaft ist es nun!


    Und ich habe es schon gelesen, kann ich gut nachvollziehen diese Verlustangst die einen überfällt.
    So was kenne ich auch, konnte ich vorher schon gut und wird jetzt wohl auch nicht besser werden. Meine armen Töchter!
    Ich war immer eine entspannte Mutter und konnte sie in Freiheit ziehen lassen, jetzt hatte ich gestern schon eine kurze Panikattacke als meine ältere später als vorher angekündigt vom Turnen zurückkam.
    Sie war mit dem Auto unterwegs.


    Und ja, ich versuche aus meinem Loch zu schauen!
    Liebe Grüße und noch einen wunderbaren Abend! Hedi

    Liebe Claudia!
    Ich glaube ich bin nicht der geduldigste Mensch.
    Ich wäre gerne schon weiter in meiner Trauer, denn es tut so weh! Kann ich die Uhr nicht vordrehen, bzw. gleich den Kalender von in drei Jahren hernehmen?
    Dann wäre vielleicht das Gröbste geschafft. Aber so, ich sitze heute überhaupt in so einem tiefen Loch, da kommt fast kein Sonnenstrahl rein!
    Du hast ja eine ganz ähnliche Geschichte wie ich, jetzt klingst du so in dir ruhend und positiv. Das gibt mir Hoffnung, und für dich freut es mich!
    Liebe Grüße Hedi

    Lieber Mario!
    Danke vielmals, dass du mich an deinen Erfahrungen mit dem Medium teilhaben lässt. Ich glaube ich werde so etwas auch nützen, lasse mir aber noch Zeit. Dich hat es ja jetzt auch wieder sehr aufgewühlt, ich schaue dass ich vorher ein wenig stabiler bin.
    Für dich war es sicher jetzt der richtige Zeitpunkt, damit du dich noch " verabschieden" konntest. Aber in Wirklichkeit ist es ja kein Abschied, sie sind ja alle nur ein Zimmer weiter. Wir kommen dann beizeiten nach. Und du passt vorher noch weiter so toll auf Pascal auf, dann wird euer Leben auch wieder heller werden. Ich bin mir ganz sicher!
    Ich wünsche dir und deinem Sohn einen stabilen Tag! Liebe Grüße Hedi

    Meine Bäume und Sträucher werden sich wundern, so einen radikalen Rückschnitt haben sie noch nie erlebt!


    Aber während ich so vor mich hin arbeitete, ging mir so viel durch den Kopf, ich fing mich so an zu ärgern.


    Ich ärgere mich, weil Gerhard eigentlich diese Woche geplant hatte, eine Kurzurlaub in den Bergen zum Schi fahren zu machen. Endlich fühlte er sich kräftiger und freute sich so auf seine geliebten Berge. Jetzt hat er das nicht mehr erleben dürfen!


    Ich ärgere mich, weil Gerhard und ich die letzten 5 Jahre seine dementen Eltern (Schwiegervater starb schon vor drei Jahren, die Schwiegermutter erst im Oktober) bis zuletzt pflegten, und er jetzt nichts mehr von "der neuen Freiheit" hatte. Das war nicht immer leicht, sie zufrieden zu stellen. Wir mussten uns eine Pflegerin dazu holen, alleine wäre es neben unseren Berufen nicht gegangen. Sie lebten mit uns in einem Haus und wir begleiteten sie mit unserer ganzen Kraft und Liebe bis zuletzt. Sie konnten beide ihr Leben in unserem zu Hause mit unserer Begleitung beenden. Und jetzt hätte Gerhard endlich wieder "mehr Luft" gehabt. Wir hätten nicht immer die Sorgen um die Eltern haben müssen. Nun musste er so schnell seiner Mama nachfolgen!


    Ich ärgere mich weil Gerhard nie wieder seine geliebten Berge besteigen kann. Im September war er auf der Wildspitze (höchster Berg in Tirol) und er hatte noch einige andere vor. Und jetzt habe ich ihm einen Sarg mit dem Namen "Wildspitze" ausgesucht, das ist Wahnsinn!


    Ich ärgere mich, dass Gerhard nicht mehr erleben darf wie unsere so gut gelungenen Töchter ihr Studium beenden werden.


    Ich ärgere mich, dass wir nicht gemeinsam unser hoffentlich zukünftigen Enkelkinder genießen können.


    Ich ärgere mich, dass ihm so ein blöder Hirntumor wachsen musste.


    Ich ärgere mich, dass er nicht mehr in Pension gehen konnte, er hat ohnehin immer so viel gearbeitet.


    Ich ärgere mich, dass er nur 53 Jahre alt werden durfte! (Beide Eltern waren immerhin 86 als sie starben)


    Ich glaube, ich fände sicher noch mehr, aber was bringt das? Es gibt keine Gerechtigkeit im irdischen Leben. Das ist nur ein Hirngespinst von uns Menschen.


    Ich werde vielleicht am Abend besser eine Liste für mich schreiben, worüber ich mich freue, dass ich es mit ihm hatte, ist vielleicht heilsamer.
    Hedi

    Liebe Petra!
    Ich habe das auch schon überlegt, dass ich mich an ein Medium wende.
    Noch ist es mir aber glaube ich gefühlsmäßig zu früh und es überfordert mich ein wenig. Ich habe Angst, noch mehr enttäuscht zu werden. Was wenn ich keine eindeutigen Botschaften bekomme? Was wenn es mir dann eher meinen Glauben an ein Jenseits zerstört? Ich glaube so lange ich so unsicher bin, muss ich noch warten und an mir selber arbeiten. Vielleicht schaffe ich es ja auch, dass ich durch Meditation und innere Einkehr mehr spüre. Aber die Salzburger Adresse würde mich schon interessieren ;) . Ich kann ja mal für die nächste Zukunft vorplanen.
    Danke dir und auch von mir ein Drücken! Hedi

    Liebe Petra!
    Du schreibst so schön und hast einen so tollen Zugang zu deinem Mann, ich hoffe ich komme auch so weit wie du den nächsten Monaten. Bei dir ist einfach kein Zweifel da, dass er dich begleitet, das ist so schön. Du bist darin ein richtiges "Vorbild" für mich! Ich bin immer wieder mal am zweifeln, habe zwar meine Liebe und meine Erinnerung an ihn, aber ich kann ihn nicht immer spüren.


    Aber eine meiner wunderbaren Töchter hat sich so einen schönen Vergleich ausgedacht (wir reden ja viel über diese Dinge) und mir in einem berührenden Brief an mich niedergeschrieben. Sie schreibt:


    "Ich habe einmal gelesen, dass Fliegen viel mehr Farben sehen können als wir. Ihre Welt ist um einiges bunter als unsere Welt!
    Und jetzt frage ich dich: Kannst du dir eine Farbe vorstellen, die du noch nie gesehen hast- die wir nicht wahrnehmen können? Ich persönlich kann es nicht.
    Ich kann dir alle Farben und Nuancen aufzählen, die ich kenne und die wir aus den Grundfarben produzieren können, aber ich kann mir keine einzige weitere Farbe vorstellen - so gerne ich auch wollte.
    Genauso ist es mit den verstorbenen Seelen: Nur weil wir sie nicht wirklich wahrnehmen können, nur weil wir uns dieses Jenseits nicht vorstellen können, muss das nicht heißen, dass es dieses ewige Leben nicht gibt."


    Schön, nicht wahr? So "a gscheites Kind"!


    Alles Gute für den heutigen Tag! Hedi

    Ich habe wirklich ein tolles Arbeitsteam. Ich werde mir noch eine kleine Auszeit gönnen. Ich habe heute erst meinen ersten Tag an dem ich nichts geschäftliches oder behördliches machen muss. Und das nach einem Monat! Jetzt gönne ich mir einfach einige Tage, wo ich schon sehen werde, wie ich mich bewähre. Es ist zwar schwer, der Tag heute kommt mir noch herausfordernder vor als sonst, aber ich will einmal bewusst auch die schlechten Phasen durchleben. Ich denke das ist für die Trauer auch sehr wichtig. Zu sehr ablenken bringt nichts, das ist ja dann nur zeitlich verschoben.


    Im Geschäft hilft mir am meisten unser "Lehrling". Er ist der Freund meiner Tochter und ein "Spätberufener". Nach einem abgebrochenen Studium und einer Phase der Planlosigkeit, hat mein Mann ihn dazu motiviert bei ihm einen Lehrabschluss zu machen. Er war wie sein Mentor und die beiden passten gut zueinander. Er hat ihm auch viel gelernt, er kennt sich bei Bestellungen, Preisen, Lieferanten usw. aus. Jetzt macht er alles so toll! Ich hoffe nur immer, dass ich ihn nicht in zu "große Schuhe" stecke. Aber ein junger Mann von 25 Jahren hält viel aus. Er ist so ein Gewinn, nichts ist umsonst im Leben. Alles Gute was mein Mann gemacht hat, kommt jetzt immer wieder zu uns zurück. Da er eine Seele von einem Menschen war, ist das nun echt viel! Leider steht aber ab nächster Woche noch ein Block Berufsschule an. Da ist er dann nicht da. Aber, es wird schon irgendwie gehen.


    Ich habe "Vergissmeinnicht, Stiefmütterchen und Gänseblümchen" gepflanzt. Sieht schön aus!


    Liebe Grüße Hedi

    Lieber Mario!


    Ich kann mir gut vorstellen, dass du "sprachlos" bist bei neuen Leuten. Sich zu öffnen, wenn man selber gar nicht so genau sein Gefühlschaos noch durchblickt ist ja auch schwer.


    Aber ich denke alles was dir nur irgendwie helfen kann, ist jetzt richtig. Dazu gehört auch das Schreiben hier, da ist man nicht so von Angesicht zu Angesicht und fühlt sich nicht so genau beobachtet. Mir hilft das jedenfalls.

    Auch das mit dem Medium finde ich interessant. Ich habe mich damit ja gedanklich auch schon befasst, bin mir aber nicht so sicher, ob mir das was bringt. Ob es zu mehr Seelenfrieden meinerseits beiträgt? Was hast du jetzt oder auch die nächsten Tage dann für ein Gefühl? Hilft das? Kannst du mir das sagen? Es würde mich sehr freuen, wenn du ein wenig dieser Erfahrung mit mir teilen würdest, vielleicht komme ich dann zu einer Entscheidung.


    Ich wünsche dir und deinem Sohn einen Tag mit viel Kraft!
    Liebe Grüße Hedi

    Liebe Petra!
    Auch bei mir ist heute ein besonderer Tag, es ist genau ein Monat her, dass mich mein Mann im irdischen Leben verlassen musste.
    Da haben wir wohl was gemeinsam, du bist mir nur schon etwas voraus. Aber ich kann mir denken, es ist trotzdem noch lange nicht ein stabiles Seil, worauf wir da so dahinwackeln! Viel Kraft und gute Gedanken von meiner Seite an dich!


    Liebe Astrid!
    Ich muss gestehen, in die Arbeit gehe ich im Moment noch nicht. Ich gehe an und für sich gerne, ich liebe diese Arbeit. Aber sie ist doch so enorm herausfordernd, dass ich mich noch nicht zurück gewagt habe.
    Ich habe eine sehr verständnisvolle Chefin, die sofort nach oben hin meldete, dass ich mindestens bis Ostern fehlen werde. Ich will ja eigentlich schon nächste oder übernächste Woche, mal sehen ob die Kraft reicht. Ich habe in der Schule mit den jüngsten und geistig schwerstbehinderten Kindern zu tun. Die sind nicht recht empathisch. Mein autistisches Kind kann gleich mal körperliche Attacken starten, wenn ihm etwas nicht passt. Ich fühle mich vom Schicksal genug geprügelt, daher gönne ich mir noch die Auszeit.
    Ja, es stimmt, es ist gut wenn man sich so spürt, ich kann gut einschätzen was geht und was nicht. Aber manchmal würde ich mich lieber weniger spüren zur Zeit!


    Liebe Monika!
    Ja, die Tiere sind wirklich eine Unterstützung, man glaubt das kaum. Man kann auch von ihnen lernen. Meine zwei Boston Terrier haben eine Zeit getrauert, jetzt sind sie ganz im hier. Sie denken weder an gestern (was natürlich für uns gar nicht vorstellbar ist) und sie denken nicht an morgen. Wenn es jetzt schön ist, ist es schön für sie. Ich glaube ein bisschen was könnten wir Menschen uns da abschauen.


    Liebe Katarina!
    Ja, ich fand das Bild sehr passend, da ich es schon vorher in Worten ausgedrückt, zu meiner Freundin sagte: Ich habe die Bodenhaftung verloren, es kommt mir vor ich muss auf einem wackligen Seil weiter. Schön, dass du mir wieder einen neuen Zugang gelegt hast. Ich habe es noch gar nicht als mutig und stark empfunden. Ich meinte mehr, es ist mir eigentlich zu wackelig, ich habe nicht genug Gleichgewichtsgefühl, mein Körper ist für so ein dünnes Seil nicht der richtige, ich hasse extreme Herausforderungen....... Hui, mir fällt viel Negatives dazu ein. Aber danke für deine viel positivere Sicht auf mein Seil.



    So und jetzt geh ich in den Garten und pflanze erste Frühlingsblumen und rede dabei mit meinem Mann.
    Lieben Dank an euch alle!

    Danke Petra, für deine lieben Worte und deine Unterstützung. Es tut mir leid, dass du keine Familie hast die dich unterstützt. Aber du klingst so stark und eben so stark verbunden mit deinem Mann, da schaffst du es bestimmt, dass wir den Morgen und den Tag wieder irgendwann als Geschenk sehen können. Du hast Recht, wir brauchen Geduld, angeblich beruflich meine Stärke, aber im Moment im privaten nicht.
    Auch dir einen erträglichen Tag! Hedi

    Danke für die schönen Bilder, da konnten wenigstens ein paar Tränen fließen! Damit habe ich nämlich oft meine Probleme, ich bin oft so erstarrt in meiner Trauer.


    Ich habe auch so Angst, dass mir Gerhard immer mehr entrückt. Anfangs hatte ich noch so eine gute Verbindung zu ihm, fühlte, dass er da ist und mich begleitet. Jetzt ist das nur ein Herbeisehnen dieser Gefühle und ich spüre ihn immer weniger. Ich bewundere Petra, die das immer so schön beschreibt, dieses Gefühl für ihren Mann. Ich bin so verloren im Moment.


    Die Morgenstunden waren immer so unseres. Beide Frühaufsteher, ging ich gleich immer mit den Hunden raus. Wenn ich wieder kam, hatte mir Gerhard schon Tee gemacht, einen Obstteller liebevoll für mich aufgeschnitten. Ohne viel Worte saßen wir dann da und waren mit der Welt zufrieden.
    Jetzt komm ich mit den Hunden wieder rein, mache mir alleine meinen Tee, mein Obst. Ich vermisse ihn so sehr und auch die Nacht war leider eine schlaflose, mit trüben Gedanken. Vor allem die gedankliche Entfernung macht mir so Sorge. Ich will ihn besser spüren. Ich bin aber so in meiner Trauer gefangen, dass ich das Gefühl habe, ich spüre nur mich und meine Trauer. Und das fühlt sich gar nicht gut an. Manchmal denke ich, es wäre besser, wenn man sich nicht so " in sich selbst hineinsteigert".


    Der Tag liegt wie eine Hürde vor mir. Dabei habe ich jetzt endlich wieder weniger zu tun. Die meisten Dinge sind so weit geordnet, es läuft ganz gut. Dazu muss ich sagen, dass mein Mann ein Geschäft führte, er war selbstständiger Kaufmann. Ich habe ja eigentlich meinen eigenen Beruf (Sonderschullehrerin), den ich sehr mag. Nun muss ich mich auch noch um das Geschäft kümmern, wir haben zwei Angestellte, die kann ich ja nicht von heute auf morgen auf die Straße setzen. Ich führe das Geschäft jetzt also erst einmal weiter und stoße es erst ab, wenn der Lehrling fertig ist. Es ist so eine Hürde, ich will alles richtig machen und habe aber fast keine Kraft. Rennereien von Wirtschaftskammer zu Finanzamt, zu Sozialversicherung.......... Dinge die ich eigentlich hasse und nie gemacht habe!


    So, genug geklagt, ich beginne jetzt einfach meinen Tag und werde schon sehen, was er bringt.
    Für alle viel Kraft, wo immer sie herkommen mag, denn von mir ist nur mehr wenig übrig, die ist fast aufgebraucht!

    Wieder ein Tag geschafft! Danke an alle die mir antworteten und mir zuhören, das bedeutet mir sehr viel.
    Ich hoffe, ich kann es wieder einmal als weniger anstrengend empfinden zu leben. Schon alleine, dass ich jeden Abend denke, ein Tag "geschafft" ist doch ein Wahnsinn!
    Aber es ist ja wirklich so, ich bin noch auf einem so wackeligen Seil unterwegs!
    Trotzdem, ich will heute die guten Sachen suchen:
    Zwei lange Hundespaziergänge auf denen mich eine meiner Töchter begleitete, Gartenarbeit und jetzt noch ein Entspannungsbad. Es geht ja, doch einige schöne Momente!
    Und jetzt warte ich aufs Schlafengehen. Im Bett fühle ich mich nach wie vor geborgen. Ich habe mein "Schnüffelshirt" das noch nach meinem Mann riecht, ich schreibe ihm einen Brief vom Tag und dann hoffe ich auf einigermaßen erholsame Schlafphasen, in denen ich nicht denken muss. Nur fühlen! Ich träume eigentlich nicht schlecht, mein Mann besucht mich hin und wieder. Nur vor dem Aufwachen fürchte ich mich dann. Denn dann geht es wieder auf mein Seil.
    Gute Nacht an alle, schlaft gut!

    Danke Claudia, danke Petra!
    Ich hoffe auch sehr, dass ich hier im Forum meine Gedanken ordnen kann, mitfühlende Menschen, die wissen wovon man redet finde. Mit Freunden ist es oft so schwer. Ich habe eine beste Freundin, die mich nach drei Wochen fragte, ob es schon leichter wird. Da merkt man, dass man nicht verstanden wird. Wie sollte sie es auch annähernd verstehen, wenn sie so etwas nicht kennt. Ich bin ihr nicht böse. Aber ich weiß, dass ich noch ganz, ganz lange brauchen werde.
    Hoffnung gibt mir der Satz von Claudia: nach einigen Jahren wieder in innerer und äußerer Harmonie zu leben, das ist auch mein Wunsch!
    Liebe Petra, auch du hast deinen Mann in den letzten Minuten begleitet, du verstehst mich sicher, wenn ich jetzt sage, eigentlich war es ein schöner Abschied. Es war und ist das schmerzlichste in meinem bisherigen Leben. Aber trotzdem war so eine friedvolle Stimmung mit so viel Liebe um uns. Ich bin stolz auf uns alle, die wir dabei waren, dass wir das so bewältigt haben. Es war voller Harmonie. Ich habe jetzt eigentlich keine Angst mehr vor dem Tod. (Eigentlich im Moment mehr vor dem Leben) Das soll aber nicht heißen, das ich nicht leben möchte. Ich muss es nur neu lernen!
    Hedi

    Lieber Mario!
    Ich glaube, dass du alles für deinen Sohn tun würdest, und du tust es scheinbar auch. Du bist bei ihm und hörst ihm zu, mehr kannst du nicht machen.
    Meine Arbeitskollegin und Freundin starb vor 15 Jahren an Krebs. Sie hinterließ damals zwei Söhne (8 und 10 Jahre alt). Ich bin danach mit ihrem Mann weiterhin in Kontakt geblieben. Es war keine leichte Zeit, aber die Söhne haben sich zu zwei ganz tollen Menschen entwickelt und haben keinerlei Schaden davon getragen. Nein, wahrscheinlich haben sie sogar ihre Persönlichkeit und ihren Charakter durch ihr Schicksal besonders geformt. Hilfe von Profis zusätzlich zu deiner Vaterliebe ist sicher gut. Das hatte diese Familie auch damals.
    Ich wünsche dir und deinem Sohn ganz viel Kraft in dieser Zeit!
    Liebe Grüße Hedi

    Ich lese nun schon seit Tagen immer wieder einmal. Es wird hier sehr gefühlvoll miteinander umgegangen, ich hoffe auch ich finde ein offenes Ohr und kann mich öffnen.


    Am 13. Februar ist mein geliebter Ehemann gestorben. Es ging alles so schnell. Im Winter war er zwar nach einer Grippeimpfung plötzlich ziemlich schwer krank, er hatte hohes Fieber, fühlte sich elend, nahm ab, hatte extremen Nachtschweiß. Unser Hausarzt hatte Angst es könnte eine schlimmere Erkrankung sein und veranlasste so viele Untersuchungen wie nur möglich. Es wurde nichts gefunden und alle Werte waren bestens. Es ging dann nach dem Jahreswechsel auch zusehends besser. Er nahm wieder zu, fühlte sich kräftiger.
    So gut, dass wir anlässlich unseres 25. Hochzeitstages dann vom 4. bis zum 11. Februar noch einen wunderschönen gemeinsamen Urlaub auf Lanzarote verbrachten. Nur ab und zu hatte er Kopfschmerzen, wir führten es auf die Halswirbelsäule zurück, wegen dem Autofahren. Vom 11. auf 12. kamen wir dann mit dem Flugzeug nach Hause. Beim Flug ging es ihm sehr, sehr schlecht. Anfallsartig hatte er arge Kopfschmerzen.


    Um drei Uhr früh waren wir endlich zu Hause. Wir gingen schlafen und am nächsten Vormittag waren wir noch gemeinsam mit den Hunden spazieren. Doch bis zu Mittag hin verschlechterte sich sein Zustand so, dass ich ihn ins Krankenhaus brachte. Gegen Abend hatten wir eine Diagnose : Kopftumor. Nur kurz konnten wir miteinander reden, er erzählte mir nur von Sparbüchern und was alles zu tun sei. Ich dachte: " Was redet der Mann?" Während ich die Formalitäten erledigte für die Aufnahme, gab man ihm starke Schmerzmittel und ich fand ihn nur mehr schlafend vor. Kein Abschied mehr! Am nächsten Tag waren vormittags Untersuchungen, also kam ich erst am Nachmittag zur ärztlichen Auskunft (mit mir waren unsere beiden Töchter). Die neuen Ergebnisse waren noch nicht da. Der Arzt meinte jedoch es sähe ganz gut aus, die Lage des Tumors sei auf den ersten Blick so gut, dass man sicher operieren könne, es könne gutartig sein.....


    Da Gerhard wieder nur schlief und von den schweren Mitteln betäubt war, blieben wir eigentlich nicht so lange bei ihm. Wir fuhren nach Hause und versuchten optimistisch zu sein. Leider kam gegen 17 Uhr der Anruf aus dem Krankenhaus, dass sich sein Zustand so rapide verschlechtern würde und die Ergebnisse nun vorlagen. Er hatte den bösartigsten Hirntumor, der sich schon sehr ausgebreitet hatte. Wir sollen bitte kommen. Ich fragten noch: "Sie meinen wir sollen Abschied nehmen?" Der Arzt meinte, so könne man sagen. Zum Glück war meine Freundin in der Nähe. Sie und ihr Mann brachten meine Tochter und mich sofort zum Krankenhaus. Die andere Tochter war mit den Hunden unterwegs, sie wurde jedoch bald gefunden und von den "Schwiegersöhnen" (sind alle noch jung und nicht verheiratet), ins Krankenhaus gebracht. Auch meine Schwester kam. Wir saßen noch bis 19.40 beim Bett, dann verließ er uns.


    So schlimm es war, er musste nicht leiden, hatte keine Schmerzen und wir konnten ihn bis zuletzt streicheln, küssen, ihm sagen, dass wir ihn lieben. So schwer es war, ich sagte ihm auch, dass er ruhig gehen kann, wir schaffen es. Ich wollte einfach nicht, dass er sich schwer tut beim Sterben!
    Und nun bin ich im Trauerland gefangen. Ich mache das durch, was alle hier kennen. Ich habe auch schon Erfahrung darin, habe mit 25 Jahren meinen Papa durch Suizid verloren, meine Schwester sah ich nach langem Leiden an Krebs versterben (im 42. Lebensjahr). Doch da konnte mich immer Gerhard begleiten. Er hat mich gestützt, mir zugehört und mich aufgefangen. Er fehlt mir so sehr!
    Hedi