Posts by bambus

    Liebe Gabi,

    danke für deine zeilen!


    ich wünsche dir von herzen,

    dass du immer öfter

    kleine aufblitzende freuden

    erleben kannst -

    du beschreibst das ja auch so...


    und ich schicke dir einen dicken rot-orange-violetten tulpenstrauss.

    lieber Uwe,


    ich hatte irgendwann die idee,

    meine trauerzeit mit einer ausbildung zu vergleichen.


    nach etwa 3 jahren hat man ein paar dinge gelernt,

    hat eine menge theoretisches wissen angehäuft,

    hat einen zettel in der hand, der etwas bescheinigt...

    ...

    man kann noch nicht viel.


    die ausbildung zum hufschmied dauert bis zu 5 jahre.


    natürlich hinkt der vergleich deutlich.

    manchmal hilfts mir,

    mich als lehrling zu sehen.


    in letzter zeit hat etwas angefangen sich zu ändern bei mir.

    eine schöne kraft breitet sich in mir aus.

    es geschieht einfach.

    zum ersten mal nach Jades tod

    kann ich mich am aufbruch da draussen freuen.


    in einem monat sind es 3 jahre.


    liebe grüße

    auszubildende Bea


    ach Uwe,

    ich heule, wenn ich deine zeilen lese,

    und bin froh.


    begleiter an unsichtbarer leine -

    genau, das ist es.

    bedingungslos.


    Prinz wird nicht mehr lange leben,

    Lovis vielleicht noch etwas länger,

    oder auch nicht...

    unsere lebensbegleiter,

    unbestechlich -

    (höchstens mit leckerchen, unbedeutend...),

    unverzichtbar.....

    und dann?

    .... .... ....

    ja, meine aufkommende energie-

    ungewohnt und willkommen!

    und gerne teile ich !


    ob etwas ankommt bei dir?


    bin gedanklich sehr bei dir, Uwe, jeden tag.


    nehme dich in meine arme

    Bea

    Lovis mischt sich ein,

    hat alles mitgelesen.


    meint:

    " ihr meint, ihr hättet uns erzogen...,

    was heisst das denn...?

    was hast du mir beigebracht, was ich nicht längst wusste?


    habe mich angepasst, zu meinem vorteil...

    bin aber mein eigener hund!


    bist stolz, dass du mir den perfekten rückruf beigebracht hast.

    kam immer weil ICH kommen wollte.

    hättest keine chance gehabt."


    ach so.


    ich liebe diesen hund.

    weil er so ist wie er ist.


    grüße an alle

    angepassten,

    unangepassten,

    eigensinnigen

    hunde


    und ihre menschen,

    die viel lernen können

    von eben denen


    Bea

    .

    Liebe Tereschkowa,

    die ganzen tulpenzwiebelschneekusse kommen zu mir-

    ich freue mich angemessenst!

    sehr!


    sobald, möglicherweise und vielleicht auch nur insgeheim,

    ein, wenn auch, winzigster bedarf aufscheint -

    werden sie umstandlos zurückgeschachert,

    auch einzeln,

    sorgfältigst.


    möglicherweise dann blühend.

    transport dann schwieriger.

    egal.


    freudige grüße

    Bea

    Heute habe ich gesehen, dass die Tulpen bereits aus dem Boden ragen

    - auch ich freue mich nicht darüber - im Gegenteil. Heule den ganzen Tag schon.

    ihr lieben, lieben menschen!


    und erstmal : liebe Tereschkowa -

    ich erlaube mir, dich zu zitieren - als eingangs-statement,

    als statement überhaupt,

    als zustands-beschreibung.


    dies ist mein drittes frühjahr seit Jades tod.

    2017. 2018. jetzt.


    ich hab schon bei Gabi ein wenig geschrieben.


    am schlimmsten waren die menschen, die meinten:

    "jetzt wird es frühling. jetzt muss es dir doch besser gehn! "


    je mehr sonne, desto elender war mir.

    je mehr krokusse, desto mehr heulen und mich verkriechen.


    jede tulpe eine anklage.


    und heuer, seit kurzem - ist es anders.

    ob ich will oder nicht:

    das licht tut mir gut und nährt mich.

    die schneeglöckchen sind mir willkommen,

    die hunde-runden in der sonne werden ausgedehnter...


    eine neue energie ist eingezogen.

    woher sie kommt, weiss ich nicht.

    egal.


    ich staune,

    ich nehme sie gerne, die energie,

    brauche sie ohne ende...


    was auch immer geschehen ist -

    2 wochen weniger als 35 monate

    nach dem tod meines lebensmenschen -


    es scheint ein aufbruch zu werden, ein neues...

    bin noch vorsichtig und zaghaft.


    jedoch: es ist willkommen.


    ich freue mich!

    und ich teile zu gerne mit euch!


    schneeglöckchen-strahlen für alle!

    oder so.

    wenn ihrs haben wollt.

    wenns euch gut tut..

    und nur dann!


    ich schicke euch grüße von herzen,

    euch allen, einzeln,


    Bea




















    liebe Petra,

    ich freu mich über deine zeilen!


    am montag geht es weiter in der wohnung meiner mutter.

    wieder handwerker, menschen, die dinge abholen, ausräumen...


    ich bestimme, wie lange es dauert,

    bis der makler mit seiner arbeit anfängt (fotos, exposé, etc....)

    das ist entlastend.


    und ich erlebe tolle menschen,

    die da sind und helfen.


    und ich bin allein, allein, allein.


    ich hoffe, du hast ein wochenende

    mit nährenden momenten!


    herzlich

    Bea

    liebe Petra,

    kann es mir im schlechten besser gehen?


    kann es offensichtlich:

    nach dem mammut-einsatz gestern, in der wohnung meiner mutter -

    mit einigen helfenden menschen plus einem handwerker,

    ich als zentrale, koordinationsstelle,

    geht es mir heute erstaunlich gut.

    ich lerne und kann gut:

    ranklotzen - und dann pause einlegen.

    und ich schätze sehr: langsames vorgehen.


    die ganz tiefe erschöpfung, seit letztem sommer,

    hat sich gewandelt.

    trauer-achterbahn schleudert mich nach wie vor

    rauf-und-runter


    dich beutelts mächtig,

    unerwartete zettel können eine

    komplett umschmeißen.


    hab vorhin in einem ordner was gesucht.

    dann kam: "sterbeurkunde..."

    mit dem namen meiner liebsten

    und dem schrecklichsten datum der welt.

    und ich hab nur noch geheult.


    mein allerschlimmstes unwort: "witwe".

    früher wars "kotflügel".

    lächerlich.


    ich wünsche dir orte:

    für zettel.

    für betonkreuze.

    für dich zum heulen.

    für dich zum atem-holen

    ...


    gute nacht!

    ach Frank,

    ich schreibe mit dem kater auf dem schoss...


    schön, dein an-mich-denken!


    ich bin in gedanken immer wieder bei dir,

    dein ringen, dein verzweifeln, dein wieder-auftauchen,

    dein nicht-mehr-leben-wollen...

    wie sehr berührt mich das -

    wie sehr kenne ich das...


    keinen trost bringe ich,

    keine wohlmeinenden gedanken -

    nur ein mit-fühlen

    ein mit-leiden


    und grüße

    von herzen


    mehr nicht

    aber immerhin



    Bea

    ihr lieben -

    mir ist bang vor morgen:

    ortstermin in der wohnung meiner mutter.


    besprechung mit dem handwerker, wegen renovierung.

    eine bekannte meiner mutter holt kleider ab.

    meine cousine kommt, will sich noch was aussuchen.

    wir räumen schränke aus, entscheiden, was bleibt,

    was kommt in den müll.


    erinnerungen.

    fragen: "darf ich das wegtun?"

    ich bin eher schnell im wegwerfen.


    so viele entscheidungen.


    natürlich mutter im heim besuchen.

    hoffentlich keine vorwürfe:

    "du gehst immer so schnell wieder..."


    mein eigenes schweres paket mit mir tragen.


    warum wiegt das, was gar nicht mehr da ist, so schwer?


    ach, krause gedanken -

    doch es hilft, sie zu formulieren

    und dann abzusenden...


    wünsche mir und euch eine kräfte-bringende-nacht!


    WIR SIND FREI. DENN WIR TRAUERN.


    Bea

    lieber Uwe,

    unnett und wüsteres sein ist manchmal mittel der wahl

    und sehr angemessen.


    kann kaum ahnen, was du leistest.

    wahnsinn.

    sorge bitte dafür, dass du nicht alleine bist,

    wenn die letzten tiere den hof verlassen.


    bleiben tiere da?

    ausser seine prinzliche hoheit natürlich...


    bist fest verankert in meinen gedanken.


    ich nehm dich einmal ganz fest in die arme

    und weine mit dir


    Bea

    (Lovis bietet blättermagen an

    und eine orange frisbeescheibe.

    kopfschütteln meinerseits.

    aber du weisst, wies gemeint ist)

    liebe Astrid, gutn morgn,


    unbedingt einen versuch wert,

    das dicke tau, das sich wohl auch noch verknotet hat,

    aufdröseln

    und den strängen namen geben...


    ein strick heisst auch: verlorene freundschaften,

    menschen, von denen ich mich bewusst getrennt habe,

    weil gar nichts mehr passte...

    eine freundin, die ganz klar sagt, diese schwere sei ihr zu schwer,

    die mir humor verordnet - der mir ganz sicher nicht fehlt, nur halt nicht ihrer... -

    und die mir sagt, wie´s geht...


    und immer auch noch dabei:
    die trauer um g*tt.


    sooo viel.


    danke für deinen impuls, Astrid,

    ist mir wertvoll!


    die wohnung meiner mutter bedeutet mir nicht viel -

    ich habe nie da gewohnt.


    grüße

    Bea

    oh, ihr lieben menschen,

    wie gut ihr mir tut!!

    danke für alle briefe!!


    es schleudert mich rauf und runter.


    das mich-kümmern um meine mutter ist eine große belastung.

    auch wenn unser verhältnis sich von einem fast lebenslang- schwierigen

    hin zu einem neuen, vorsichtig-liebevollen gewandelt hat.


    sie wird körperlich immer elender,

    das letzte: 2 angebrochene rippen...

    zum glück ist das heim, in dem sie seit 1 jahr lebt, ein gutes heim.


    dann wird ihre wohnung verkauft;

    makler, handwerker,ausräumen, entsorgen,

    dinge verteilen, professionell putzen ...


    das alles organisiere ich;

    sie lebt 70 km von hier entfernt


    und da wird mir einmal mehr unerbittlich

    und in grausamer deutlichkeit bewusst,

    wie sehr mir der mensch an meiner seite fehlt.


    ich bin allein.

    meine mutter hat noch mich.



    klar, es gibt eine vertraute cousine,

    da sind ihre freundinnen und freunde

    es gibt meine freundinnen und freunde

    aber die sind alle eine schicht oder mehrere weit weg.


    der platz an meiner seite ist ein riesengroßes zerfranstes loch.

    es gibt kein WIR mehr.


    und ich kann das schwere paket meiner mutter nicht tragen.

    ich schaff ja nicht mal meins.


    manchmal seh ich mich durch raum und zeit irren,

    den kater auf der schulter,

    Lovis wedelt vorne weg -


    und sonst ist da niemand mehr.


    lost in space.


    SIE FEHLT MIR UNENDLICH


    und dann ist die vorstellung sehr schön,

    dieses elende gelebe, ich erwähnte es bereits,

    nicht mehr leben zu müssen.


    jetzt hab ich euch einiges hingerotzt

    und bin froh, dass ich ein bisschen was abladen konnte.

    bestimmt kommt noch mehr.


    WIR SIND FREI. DENN WIR TRAUERN.

    ihr lieben,

    ich vermisse euch.


    dachte, ich hätte nix beizutragen -

    also schweige ich.


    dachte auch, ich sei nicht wirklich"berechtigt", hier zu klagen -

    da mein liebster mensch ja "schon so lange" nicht mehr lebt.

    Jade starb im märz 2016.

    vorgestern: 34 monate.


    es ist noch gar nicht lange her.

    es war erst.


    ich meine, ich bin sehr berechtigt, hier zu klagen.


    es geht mir beschissen.

    mein lebensmensch fehlt mir ohne ende.

    meine mutter stirbt nicht.

    ich wünsche es ihr so sehr,

    weil sie sich nur noch quält.


    ich möchte dieses leben nicht mehr leben.

    wäre es ein angebot: dann: "nein, danke!"


    mit düstersten gedanken

    grüße ich in die nacht hinein

    euch, weggefährt/innen


    Bea