Beiträge von Luise

    Meine Lieben,


    es ist 22:30 Uhr und ich weiss nicht, was ich tun soll. Ich bin so unruhig und muss immer an Heinz denken.


    Sehe mich in der Wohnung um, sehe alles was er gemacht hat...sehe was er mochte...sehe seine "Handschrift" überall... sehe seinen Platz auf dem Sofa...habe noch Lebensmittel im Schrank, die er hineingestellt hat... einen von ihm gefüllten Zuckerstreuer... auf dem Balkon die von ihm befestigten Lampen... schon mit Rollatorunterstützung... sein Werkzeug... seine Wasserwaage... seine Kuscheldecke auf dem Sofa... seine Geldbörse... sein Schlüssel... sein Alles.


    Und morgen gebe ich seine Garagenschlüssel ab, die Garage ist neu vermietet.


    Es tut so weh. Er fehlt mir so. Ich brauche ihn. Kann nicht ohne ihn sein.


    Immer und immer wieder dieser tiefe Schmerz im Herzen. Und der Verstand sagt... es ist besser für ihn... er wollte noch bei mir bleiben, aber er konnte nicht mehr... er will, dass ich noch gerne lebe... aber ich kann es nicht...


    Wie lange dauert es noch? Wird es mal besser werden? Kann ich mit leichter Wehmut an ihn denken? Dankbar und zufrieden sein, dass wir so lange zusammen waren? Es als gegeben hinnehmen?


    Das Leben ist endlich, jedes Leben, keine Liebe kann es festhalten.


    Alle Menschen müssen damit umgehen... vor mir... mit mir... nach mir.


    ABER JEDER FÜR SICH ALLEIN!

    NIEMAND KANN HELFEN!


    LG Luise

    Liebe Gabi,


    ja meine Tante reagiert noch auf Musik und Streicheln. Ihr Schwiegersohn-allerdings von seiner Frau getrennt lebend- kommt noch mit Gesang und leisen Tönen durch ihre Abgeschiedenheit. Aber die Besuche sind aufgrund der Trennung von seiner Frau sehr selten.


    Liebe Grüße von

    Luise und Amy

    Lieber Uwe,


    ich denke schon an Ostern, weil man in unserer Stadt nicht daran vorbei kommt.


    Ich war heute zum erstenmal nach meiner Darmkrankheit, kurz einkaufen.

    Überall springt einem Ostern ins Auge.

    Auch im TV ist laufend die Rede davon... und wenn es nur bei der Wettervorhersage angesprochen wird.


    Und Nachbarn haben Haustüren geschmückt.


    Von mir aus kann Ostern auch ausfallen... nur darauf nimmt keiner Rücksicht. Die anderen Mitmenschen sind eben noch voll im Leben... nur unsere Gefühle kennen keine Freude mehr. Wir sind auch irgendwie innerlich tot... in Gedanken eben nur bei unseren Seelenmenschen.


    LG Luise

    Alle meine Lieben,


    man sagt ja das erste Jahr ist besonders schlimm, weil immer der Kopf ein Jahr zurück denkt... und sagt : letztes Jahr war er (sie) noch hier.


    Das ist natürlich kein Trost für uns... aber der Volksmund hat oft recht.


    Ich werde an Ostern alleine sein, bisher hat mich niemand gefragt, was ich an den Tagen mache.


    Als meine Familie - Mutter - Bruder - Schwägerin - der Partner meiner Mutter, noch lebten, feierten wir immer zusammen Ostern, je nach Wetter drinnen oder draussen. Sie sind ja schon ein paar Jahre tot... alle innerhalb von 1 1/2 Jahren... aber seit auch Heinz bei ihnen ist, bin ich eben ganz allein und vermisse alle noch viel mehr.


    Mein Neffe mit Familie wohnt entfernt und ich weiss nicht, ob sie mich für einen Tag holen, wie Weihnachten. Aber der Besuch tat mir auch weh.... es fehlte der entscheidende Mensch.


    Es ist einfach nur sch... als einzige "übriggeblieben" und zu sein.

    Wann kann ich endlich zu meiner Generation? Es sind doch schon viele von Familie, Freunden, Bekannten dort - wo auch immer -. Da will ich hin.


    Ich habe noch eine Tante, sie ist 86 Jahre alt und seit ca 8 Jahren im Heim... total dement... körperlich aber noch relativ gut beieinander. Sie erkennt niemand mehr und hat sogar Angst, wenn sie mich sieht.

    Das ist auch kein Leben. Sie ist unruhig weil sie kein Gesicht mehr zuordnen kann. Mit Besuchen belastet man sie nur.


    Das ist meinem Mann erspart geblieben. Bis zum Schluss hat er mich erkannt... dafür bin ich dankbar. Es wäre noch schlimmer gewesen stückchenweise Abschied von ihm zu nehmen, oder wenn er Angst vor mir gehabt hätte.


    Daran muss ich denken und es tröstet mich.


    LG Luise

    Hallo meine Lieben,


    nun ist es mal wieder geschafft, ein weiteres WE ohne Heinz ist vorüber.


    Meine Magen-Darm - Erkrankung scheint sich ganz laaaangsam zu verabschieden. Es geht mir besser, aber noch nicht gut.


    Irgendwie bin ich aber total durcheinander. Heute Morgen bin ich von meiner eigenen Stimme aufgewacht. Habe wohl intensiv geträumt und meinen Mann nach mir rufen gehört und mit "ja" geantwortet. Es war so realistisch, dass ich nach ihm geschaut habe. Dachte er steht in der Tür.


    Doch dann wusste ich wieder... und war sehr bedrückt.


    Jetzt ist bald Ostern. Vor einem Jahr habe ich noch Marzipaneier für meinen Liebsten gekauft, er aß so gerne Marzipan. Die konnte er noch etwas essen... meinte aber davon werde er dick. Als wenn es darauf angekommen wäre!


    Es tut mir so weh... die Erinnerung daran... wie ich unsere Wohnung und den Balkon dekoriert hatte... für uns beide.


    Nun habe ich keinerlei Interesse daran.

    Keine Kraft und keine Lust dazu.

    Er sieht es ja nicht mehr. Und für mich allein verstecke ich auch keine Osterüberraschungen wie sonst immer.


    Heinz fand es zwar immer kindisch, freute sich dann aber doch und lachte beim Finden, wenn ich kalt oder heiss sagte.


    Alles vorbei... seine Freude... sein herrliches offenes Lachen... seine blitzenden Augen... seine bedingungslose Liebe zu mir.


    Ich bin so traurig.

    LG Luise

    Lieber Uwe,


    ich bin traurig über deine Reaktion auf meine Worte.


    Meinte doch nur, dass du mir soviel gibt's... und nichts nimmst.


    Deine Worte, Gedichte, selbst die Musik, die ich, wie du weisst noch nicht hören kann, geben mir viel.


    Deshalb bin ich traurig, dass meine Worte bei dir wohl falsch ankommen. Das tut mir weh... um deinetwegen... und weh... meinetwegen.


    Wir sind alle durcheinander, traumatisiert, anders und empfindlicher geworden.


    LG Luise

    Lieber Uwe,


    deine Energie und Mitmenschkichkeit findet man heutzutage eher selten.

    Deshalb bin ich froh, dass wir uns in dieser Trauersymbiose gefunden haben... leider nur virtuell.


    Du und die anderen sind mir unersetzlich geworden. Ich weiss nicht, wie oft ihr mir schon durch den Tag geholfen habt.


    In einem muss ich dir widersprechen:

    du bist in meinen Augen stark im Geben, im Nehmen musst du noch dazu lernen.


    LG Luise

    Liebe Stillcrazy,


    so einen Traum, dass mich mein Mann verlassen hat, hatte ich auch ganz kurz nach seinem Tod. Habe ihn im Traum angeschrieben und beschimpft... dann bin ich laut schreiend im Bett sitzend aufgewacht. Es war fürchterlich.


    Vielleicht ist es eine Form des Gehirns sich mit dem Verlust auseinander zu setzen.

    LG Luise

    Liebe Pewie,


    kann im Moment nicht mehr schreiben. Lese doch bitte meinen Post an Tery.

    Muss wieder zur Toilette.

    Sei vorsichtig - wegen Ansteckungsgefahr-

    umarmt von mir.


    LG Luise

    Liebe Tery,


    bist du zu dem Treffen gegangen?

    Ich war und bin wieder einmal ganz alleine mit Amy. Ich sehne mich so nach sozialen Kontakten... mittlerweile würde ich jeden einladen, damit ich nicht alleine bin.


    Mir geht es heute besser, aber nur,
    wenn ich mich nicht viel bewege, ich bewege mich nur zur Toilette ( oft, aber nicht mehr so oft wie die Tage vorher)

    und um Amy zu versorgen.


    Ich bin fast wieder total verzweifelt und könnte schreien vor Einsamkeit... weine still vor mich hin.


    Und es wird sich nichts ändern. Keine Hoffnung auf Besserung der Situation.


    War gerade in der Waschküche um meine gewaschene Bettwäsche, die unbedingt von den Spuren meiner Krankheit gereinigt werden musste, zu holen. Erst heute war es mir körperlich möglich mich "soweit" von einer Toilette zu entfernen.


    Dabei traf ich auf Nachbarn, die sich unterhielten. Sie grüßten kurz und flüsterten dann weiter. Ich wurde nicht eingebunden und frage mich nun, warum.

    Habe ich Aussatz? Werde ich schon als Witwe übersehen? Es tut mir weh, wenn ich sozusagen kaltgestellt werde.


    Gut, wir wohnen alle erst seit ca 2 1/2 Jahren hier, aber alle scheinen sich schon zu duzen. Nur ich bin Frau.....


    Mein Mann und ich waren und sind nicht so schnell dabei sich zu duzen und sofort in die Wohnung zu bitten. Es hatten es im Anfang zwar einige zum Teil relativ rigoros und unter Vorwänden versucht, aber wir haben es an der Tür belassen. Wollten erst mal schauen, wie sie so sind.


    Dann erkrankte ja Heinz schon nach kurzer Zeit, wollte sich natürlich nicht während der Bestrahlung und Chemo unbedingt mit den Beschwerden der Nachbarn über Verzögerungen von Arbeiten im und um das Haus ( war ja zum Teil noch Baustelle) mit den Beschwerdeführern darüber den Kopf heissreden.


    Bei bestimmten, in unseren Augen berechtigte, Beschwerden haben wir die von den anderen verfassten Briefe an die Vermieter, auch mit unterschrieben.


    Fanden es aber in unserer pers. Lage eigentlich meistens unwichtig, sich darüber aufzuregen. Wir sind sowieso immer bei Mietproblemen auf Gespräche, statt sofortiger Androhungen, besser gefahren.


    Ausserdem handelt es sich hier um eine Wohnungsgenossenschaft und wir haben alle Anteile.


    Es wurde auch alles gerichtet, aber manchmal ging es eben nicht sofort die Handwerker zu bekommen.


    Und nun fühle ich mich ausgegrenzt. Bin aber zum Teil auch froh, mit der Quatscherei über andere nicht beteiligt zu sein. Verhalte mich neutral und schlage mich nicht auf eine Seite.

    Hatte ja letztens eine Nachbarin zum Kaffee eingeladen, die sich sofort als Amy zu mir kam, angeboten hat bei Bedarf auf Amy aufzupassen. Bin deshalb dankbar.


    Sie erzählte aber soviel über andere Nachbarn, mit der Bitte an mich, diverse Sachen verschwiegen zu behandeln. Bin jetzt unsicher geworden, ob die angebotene Hilfsbereitschaft nicht nur Neugierde ist. Aber zur Zeit ja für jede Anteilnahme an meiner Situation dankbar.

    Bin froh auf Ansprache in jeglicher Form.


    Traurig aber wahr! Was Einsamkeit aus Menschen macht! Ich kenne mich nicht mehr wieder!


    Aber ich fühle mich schwach und kann nicht kämpfen um aus dem Tal heraus zu kommen.


    Der Termin bei meiner Psychotherapeutin ist zum 2ten Mal hintereinander ( wäre am Montag gewesen) wegen angeblicher Krankheit der Therapeutin abgesagt worden und auf Mitte April ( evtl) verschoben worden.

    Ich glaube aber aufgrund von falscher Terminplanung... zu viele Patienten.


    Und da ich anscheinend nicht suizidgefährdet bin, wird mein Termin gestrichen.Therapeutin meint nämlich, ich bewältige vieles alleine, u. a. weil sie es gut findet, dass ich mich in einem Internettrauerforum austausche.


    So, Tery, nun habe ich dich genug zugemüllt mit meinen Nöten und gar nicht nach deinem Befinden gefragt.

    Schreibe mir doch morgen - Sonntag - wie es dir ergangen ist.


    LG Luise ♥

    Liebe Tery,


    nein, einen Rückschlag habe ich nicht.


    Nur eine meiner Grunderkrankungen ( Herz) hat mich heute Nacht bis zum Morgen stark belastet.


    Jetzt - gegen 11 Uhr - geht es einigermaßen. Aber nun fängt bei mir der "Wochenend-Blues" an.


    Melde mich bestimmt wieder sehr oft hier, um das Gefühl zu bekommen, ich bin nicht ganz alleine, irgendwo sind Menschen, denen es auch so geht.


    Hast du Pläne für das WE?


    LG Luise